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Jüdische Rundschau · 1923-01-23 · Heft 7 (23.1.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 7 (23.1.1923)
Date
1923-01-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 32 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 7 /-׳TI» AsV' 0 ft 'Vrv /Ol* 1&«. a*jäs ®4p^4»• ^דזן1 ך׳ •äl 1HCTfffl: «*-׳w *•״* Aus einem GesprS&ii rät Dr. S6pir l־l«r Dr. Sapfr, der bekannte rus׳.lsd1'e Zkmistfnführcr aus Odessa, der in der letzten Zeit Vorsitzender der Zü> nistischen Organisation! der Chaluz-Organisation, der ״Tarbuth“ und anderer nationaler Verbände war und sich, nachdem er vor einigen Monaten Ruf«1and verlassen hat, nach Bcßarabien begibt, imi dort die Leitung der Keren Hajessod-Arbeit zu übernehmen, weilte in der vergangenen Woche in Berlin und hat unserem Redakteur eine eingehende Schilderung der Lage in Ru (צ and und seiner Erlebnisse gegeben. Dabei erzählte er Einzelheiten, die die Bedrängnis illustrieren, in der heute unsere Gesinnungsgenossen in Rußland leben. Dr. Sapir selbst saß «•ne Zeit lang im Gefängnis unter der Beschuldigung, daß er an der Spitze einer Organisation stellt, die Geld und Menschen aus Rußland nach Palästina expediert, insbesondere auch die für die rassische Wirtschaft widitigen Spezialisten (Ingenieure usw.). Erst als sich nach langer Untersuchung ergab, daß keine Beweise vorliegen, wurde Dr. Sapir frei• gelassen. Im ganzen sind gegenwärtig etwa 800 Zionisten in Haft. Man hat -* erzählt Dr. Sapir — eine besonders heftige Verfolgung gegen die Chaluzim ekrgelcitct ״Zu diesem Zweck hat man einen jungen Burschen von etwa 17 Jahren, der der Clialuzim-Organisation angchörtc, namens Itzko witsch, gefangen genommen und hat ihn gezwungen, in die Tscheka einzutreten und die Untersuchung gegen die Chaluzim zu führen Als er sich weigerte, hat man ihm mit Erschießen gedroht. Die Melirhcit der Tsdlicka in Odessa sind Juden, und gerade deshalb werden die grausamsten Schikanen gerade gegen Juden durdrgefülirt. Während id> im Gefängnis war, hat man mehrere Juden zum Tode verurteilt und das Urteil am Jom-Kippur vollzogen. Unter den Erschossenen befand sich der Sohn eines Kanters, der zu gleicher Zeit in der Synagoge vorbctetc. Mit weicher Frivolität man vorgeht, beweist ein Erlebnis während meiner Gefängniszeit, wo man plötzlich einen Juden während des Gebetes am Jom-Kippur aus unserer Mitte weg führte, um ihn zu erschießen, ihn jedoch nach einigen Stunden zurückbrachte mit der Ekläruiig, cs sei cm Irrtum und man habe einen anderen zu holen. Nadi meiner Abfahrt wurde das aus 150 Zionisten bestehende Odessa er Hilfskomitee verhaftet Auch die Soouts, die als Postträger für die amerikanischen Liebesgaben Sendungen Dienst taten, wurden arretiert, und auf diese Weise sind auch S00 Pakete der Federation of Ukraiman Jevvs in London bisher recht verteilt worden. Man hat das Komitee, das sich mir trat Hilfsarbeit beschäftigte, beschuldigt, daß cs zionistische Propaganda treibt Denn das Verbrechern, das zu all den Verfolgungen Anlaß gibt, ist nicht etwa Auflehnung gegen die Sowjctmadit, sondern einfach zianistisdie Propaganda. Die Zionisten und die Zcire-Zion haben sogar offiziell beschlossen, sich der Sowjctncgicrung gegenüber loyal zu verhalten, aber jede Partei, die nicht kommunistisch ist, gilt als kontcrrevolutionär, auch wenn sic ganz andere Ziele verfolgt“ Uebcr die kulturelle Situation sagte Dr. Sapir: ״Die Tarbuth•Organisation ist fast vollständig verschwundeil. Es gab noch drei bis vier Schulen, doch auch die mußten wir schließen und haben einzelne Klassen in Privatwohmmgcn verteilt In der letzten Zeit war es streng verboten, Hebräisch oder Bibel zu unterrichten. Es wurde darauf das Gesetz angewandt, daß niemand vor seinem 18. Lebensjahre Religionsunterricht erhalten darf. Es gibt nicht nur keine Tarbuth-Schulcn mehr, sondern auch keinen C h c d e r. AthnficK s'fcJvt es mit der Literatur. Alle Verlage und Budthamllungen wurden beschlagnahmt, die Bücher wurden teils vernichtet, teils in Säcke gepackt und in den Kella־ geworfen. Es ist streng verboten, jüdische Bücher zu verkaufen oder zu kaufen. Ein Teil der Bücher und Zeitschriften ist in die Papierfabriken geschickt worden, um wieder zu Papier verarbeitet zu werden, dazu gehört z. B. der ganze ״Haschiloach". Ich habe ein Exemplar deg ״Haschilondi״ gerettet, das man mir im letzten Moment aus dom Kessel brachte. Ein Teil der Schriften wird aut dem Markt als Papier verkauft, das dann ,zum Einwickcln von Heringen verwendet wird. Für den Teil der Literatur, die noch im Keiler aufbewahrt ist, haben sich bereits Käufer erboten, ln Moskau hat sich eine Gesellschaft gebildet, die dt» großes Kapital gestiftet hat, um z. B. die Bticlicr des Verlags ״Moriah“ zu kaufen, auch im Ausland meldeten sidi Kauter. Anfangs waren die Kommunisten bereit und verlangten eine halbe Kopeke Gold für den Druckbogen. Später aber erhöhten sie diesen Preis auf zwei und schließlich auf fünf Kopeken, so daß cs unmöglich war, die Bücher zu kaufen. Einen Teil haben die Kommunisten schon im vorigen Winter verheizt, dem Rest wird cs wahrscheinlich in diesem Winter älinlich gehen. Audi die gesamte Hilfstätigkeit ist jetzt lahmgelcg.t. Es gab eine Anzahl von Komitees zur Hilfe für die Emi* granten, die viel Nutzen gebradrt haben, aber ״Idgeskom“ hat sie alle schließen lassen, um ein kommunistisches Monopol für die Hilfsarbeit zu schaffen. Durch ״Idgcskoin“, das in Wirklidikdt mit der kommunistischen Partei identisch ist, wird die Fiktion aufrecht erhalten, als ob es eine jüdische gesellsduftlichc Tätigkeit noch gäbe. Auf diese Weise gelangen auch amerikanische Hilfsgcldcr in die Hände der jüdischen Kom*!ministen. Die jüdi׳xhe Intelligenz fst verurteilt, zugrunde zu gehen. Begabte Ingenieure sind Zigarettenarbeiter, die Aerzte sind infolge der vielen Ambulatorien beschäftigungslos, von den Lehrern ist gar nicht zu sprechen, da es nicht nur keine jüdischen, sondern überhaupt keine Schulen gibt Alle diese Menschen sind gezwungen, sich mit Handel zu beschäftigen. Die Landarbeit ist vollkommen unmöglich, denn ein Jude kann sich gar nicht in die Dörfer wagen, da die Bauern gegen den Kommunismus verhetzt sind und jeden Juden für einen Kommunisten halten und ermorden. Die jüdischen Handwerker sind auch verschwunden, denn erstens gibt es kein Rohmaterial, zweitens hat man jeden Handwerker, der einen Gehilfen oder Arbeiter hatte, als ״Bourgeois“ verschrien und entsprechend schikaniert Die einzigen, die leben können, sind die Beamten und Mitglieder der kommunistischen Kommissariate und der Tscheka. Da cs keine Schulen gibt, haben auch die Schüler augefangen zu spekulieren. Auch Kinder stellen auf der Straße und verkaufen Zigaretten, Streichhölzer usw. Wer sich nicht durch Spekulieren und Mandel erhalten kann, muß hungern. Daher ist die bislicrgclcistctc Hilfe völlig unzulänglich, gemessen an den Bedürfnissen, Die Hilfskomitccs im Ausland müssen virl energischer arbeiten und mehr Mittel zur Verfügung stellen. Eine spezielle Aufgabe der Zionisten wäre es, für die Familien der 800 verhafteten Zionisten zu sorgen, die in großer Not sind.“ ״Ke Präsidenten des Joint Foreign Committee haben de!! Inhalt Ihrer Mitteilung sorgfältig geprüft und werden die. selbe der nächsten Sitzung des Komitees verlegen. Zu gleicher Zeit stellen sic mit Bedauern fest, daß entgegen Ihrer cirenen Mitteilung In 111 rein Brief vom 27. Dezember 1922, in welchem er, hieß, daß die Beschwerden des Komitees ״falsch und grundlos“ seien, das Volkskommissariat für Nationalitäten im wesentlichen die Wahrheit dieser Beschul• dlgungen zngiht und keine Milderung der Leiden der russischen Juden in Aussicht stellt. Die Präsidenten fühlen sich ferner verpflichtet, gegen die Behauptung des Volkskommissariats, daß die Vcrfolgungs. maßnaiimcn von einer irgendwie beträchtlichen Anzahl Juden gebilligt würden, zu protestieren. Das Gros der russischen Juden hängt tief an der Religion; in den amtlichen Pubii. kationcti des Volkskommissariats selbst ist genügend Beweismaterial dafür vorhanden, daß die Juden die harten Be- Schränkungen, unter welchen sogar der jüdische Rchglons. unterricht leidet, mißbilligen und ihnen Widerstand leisten,'' Die bolschewistische Judenpolitik Eine offizielle rassische Mitteilung London. (J.C. B.) Das J.C.B. hat eine Abschrift der vom Gehilfen des offiziellen Vertreters der russischen Sowjetiegierung in Großbritannien, Herrn Kiischke, an den Sekretär des auswärtigen Komitccs des jüdischen Board of Deputics, Luden Wolf, gerichteten Mitteilung erhalten, welche auf die vom J, C. B. veröffentlichte Korrespondenz zwischen Lucicn Wolf und dem offiziellen Vertreter der russischen Regierung tn Großbritannien Bezug nimmt Herr Kiischke schreibt, er sei vom Volkskommissariat der Nationalitäten angewiesen worden, Herrn Luden Wolf in Erwiderung auf seinen Brief vom 11. September 1922 die folgende Mitteilung zu geben:;1 Trennung der Kirche vom Staate. Das Verbot des Religionsunterrichtes in den jüdischen Schulen der Sowjetrepublik ist eine Folge des Gesetzes über die Trennung von Kirche und Staat Dieses Gesetz wird für sämtliche Religionen angewandt Keine Religion hat von diesem Gesetz, welches jede Form der staatlichen Unterstützung der Kirche und jedes Privileg zerstört hat, soviel profitiert wie die jüdische Religion. Seinerzeit war die Zugehörigkeit zur jüdischen Reiigion ein Grund zu den härtesten Verfolgungen und Ver• Ietzungen der Gewissensfreiheit Die antisemitische Pogromerzfehang ein• I gestellt , Die Sowjcfregicrung, die den jüdischen Re'iglonsunter* rieht verboten hat, hat aber zugleich der Erziehung von Millionen Kindern anderer Glaubensbekenntnisse im Geiste religiöser Unduldsamkeit und Antisemitismus ein Eide gemacht. Die Regierung verbietet zwar die Benutzung der Synagogen für politische Propaganda und die Aufhetzung der Massen gegen die Sowjetmacht (wegen einer solchen Propaganda gegen die Sowjetmacht wurde eben Rabbiner Borischanski in Hornel verurteilt, in Anbetracht seines Gesundheitszustandes wurde aber die Strafe reduziert), zu gleicher Zeit aber hat die Sowjebrcgierung jener Pogrompropaganda ein Ende gemacht, die in Schulen und in einem großen •Teile der Kirchen vor sich gegangen war, ,,, 1 ,, Gesetze müssen respektiert werden. *’ Kein Staat in der Welt kann Gesetzesübertretung oder Aufforderungen an seine Bürger, die Gesetze zu mißachten, dulden, in den Gefängnissen sämtlicher Weitstaaten sitzen Tausende Menschen, deren einziges Verbrechen darin besteht, daß ihre Ideen den Interessen der herrschenden Mächte widersprechen. Die m ihrem Komitee sitzenden Kapitalisten betrachten diese Verletzung der Gewissensfreiheit der Bürger (einschließlich ״e_rJCIMcn ihres eigenen Bekenntnisses) als etwas ganz Gewohnliches, sie protestieren auch nicht gegen ähnliche Gewalt, die gegen Arbeiter (jüdische Arbeiter inbegriffen), in den »Vereinigten Staaten wegen Streiks gehandhabt werden. Der Cheder — eine mittelalterliche Institution. '! Es fst der Wille der Aibeiter (einschließlich der jüdischen Aroeiter) und der Bauern in Rußland, daß die Erziehung der hcranwachsenden Oencratioa im Geiste der modernen Wissenschaft und der modernen politischen Weltanschauung geschehe. Aus der Schule werden der Priester, ebenso wie «er Mullah und der Rabbiner entfernt. Die jüdischen arbeitenden Massen haben nachdrücklich gegen den Cheder protestiert als Uebci'bieibscl aus dem Mittelalter, welches die reichen Juden als ausreichend für die armen Kinder betrachten, in die sic aber ihre eigenen Kinder nicht schicken. Die Enteignung der Kirchen - und Synagogen• schätze. Bei der Enteignung von kirchlichen Schätzen wurden die Behörden darüber instruiert, daß Gegenstände, die für Kulturzweckc notwendig sind, zurückgclasscn werden sollen. Es entstanden deswegen keine Konflikte in jüdischen Synagogen, abgesehen von einzelnen Fällen, wo Gegenstände versteckt worden waren. , , Keine religiösen Verfolgungen in Sowjet•! rußland. Wir können endlich nicht umhin, gegenüber der außerordentlich kühnen Behauptung, daß die Sowjctrcgierung der jüdischen Bevölkerung ״den Trost und die Hoffnung der Religion“ raubt, das folgende zu erwähnen: Wir wollen nicht lange bei der Tatsache bleiben, daß immer größere Teile des jüdischen Volkes sich entschieden von diesem ״Trost“ abwenden. Tausende und aber Tausende arbeitender Männer und Frauen, darunter auch zahlreiche Grauhaarige, geben aus eigenem Antriebe den Sabbath auf und nehmen an antireligiösen Kundgebungen teil. Sie gehen an den Sabbathtagcn nicht in di« Synagogen, sondern in die Fabriken und Werkstätten. Diejenigen jüdischen Bürger aber, die ihrer Religion noch anhängen, haben auf Grund der Sowjet• gesetze über die Gewissensfreiheit nicht allein die Erlaubnis, diese offen ohne Hindernisse auszuüben, sondern sind sogar an religiösen Ruhetagen von der Arbeit in den Sowjctanstaltcn und Unternehmungen befreit Es existieren keine religiösen Verfolgungen in Sowjetrußland, und jeder religiös gesinnte Bürger kann ״Trost und Hoffnung“ in der Religion, die ihm zusagt, finden. ־■ ׳־- ־ ״•־־•־ ׳־׳• -- . Verleumderische Beschuldigungen. Was die Entrüstung anbetrifft, welche die Politik der Sowjctbchörde in religiösen Fragen in den jüdischen Oenieinschalten Englands und Amerikas angeblich erregt hat, so weiß die Sowjctrcgierung sehr gut, daß ihre Politik bei der jüdischen Bourgeoisie und Piuiokralie nicht minder als bd jeder anderen Entrüstung hervorruft Sie weiß auch, daß die jüdischen Bankiers mit nicht geringerem Eifer als es die christlichen Bankiers getan haben, die Pogromhcldcn und Antisemiten unterstützten, die Sowjetrußland überfallen und die Ukraine und Sowjetrußland mit jüdischem Blute über• schwemmt haben. Aber die Sowjctrcgierung weiß auch, daß (ij.e ״arPCM J״<I,en *u» allen Ländern steh immer mehr vom Einfluß ihrer Bourgeoisie und ihrer gelben Sozialisten bc• freien und daß sie solche gemeine Beschuldigungen gegen die Sowjetmacht, wie sie m jlueu* Briefe enthalten smd, mit Verachtung zurückweisen.•־־״־*ן ... , Die Erwiderung Laden Wolf* London. (J.C.B.) In Erwiderung auf den obigen Brid hat Herr Lucicn Wolf am!.*Januar an Herrn Kiischke die folgenden Zeiten gerichtet: ■ י . ' Eiteranscbe OQituUungcn ״Die Juden“ Schauspiel von Eugen Tschlrikow (Rcnaissancc-Tlieatcr, Berlin). ‘ > i Ein Pogrom wird auf die Bühne gebracht Dies Stück; hat kein Jude geschrieben. , j - Die Spannung, mit der das Gemetzel erwartet wird, füllt zwei Drittel des Abends aus, das Gemetzel selber den Rest Mit dieser Scheußlichkeit parallel wachst eine Familienkrise. Als das Mordgewitter sich draußen entlädt, hört man es; drinnen nicht, so sehr tobt Vater und Tochter, Vater und j Sohn. Aber nicht wie in Hauptmanns Friedensfest sich t eine Familie zcrlleischt, bloß weil sic Familie ist: hier, i zwischen diesen üblen Thcatcrcffcktcn, die iede tiefere Wirkung auslöschen könnten, geht cs um die bitterlichsten Probleme unseres Golus-Daseins. i : Das Vcrschiagcnscin des Palästinavolkcs in die qualvollsten , Ecken der Weit, mit dem ganzen märchenhaften Heimweh ' noch nach Jahrtausenden; und auch mit der ganzen selbstj mörderischen Sucht, aus den vermaledeitesten Höhlen ein; ״Jerusalem“ zu machen; bis alles immer wieder über den t: ungebetenen Heilbringern tödlich zusamincnbricht; und doch f; bleibt die unausrottbare Hoffnung auf eine gute Wcltvvcndung, j bleibt die Verliebtheit in jene andern und der fieberhafte , Hang, wo man auch stellt, sich dem Gott der Völker; zu opfern. Das bricht durch, eine zwiefache Tragik, die der Autor selbst nicht hat sagen wollen: das Judentum, ,; wie es sich an das Wirtsvolk verschwendet und dafür vom Wirtsvolk gemordet wird; und das Judentum, wie cs — jede Generation für sich, nach dem Stande der Zeiten — sein! bestes Fetter ausstrahlen will und in seinem eigenen Gebälk j von der Vielfalt der Flammen zerfressen wird. Solcherart sind die Erregungen, die aus den wilden Diskussionen vor der Rampe sich durchsetzen. Sollte man; das Stück nicht also dennoch empfehlen? ln der Tat, es gibt »Momente genug, in denen ein Jude cs gar nicht entscheiden kann, ob hier ein künstlerischer Wert vorließt oder 1; nicht; wenn er hier bis ins Tiefste getroffen wird, kann f er sagen, ob cs von seiner eigenen Geschichte herrührt, | die ihm im Blut zu rumoren beginnt, oder von der, die der j Autor ihm erzählt? Jene Effekte und die grobe Oberfläch■ 1 lichkcit der Behandlungsart abgerechnet, — es ist in diesem ' Schauspiel dennoch die Rede von unserer immerwährenden, unserer augenblicklichsten Problematik. Was in einem Drama sonst immer das Schwächste ist, das Hin- und Hcrdiskuticrcn der Parteien, hier wird daraus eine Kraft, die auf keinen Juden ihre Wirkung verfehlen kann. Es ist auch eigentlich mehr ein Aufeinanderplatzen der schwersten Bekenntnisse, von Erlebnis Ocladeucs, das zwischen den Drähten der dürftigen Handlung explodiert j'j Man kennt, den genaueren Gang der Handlung aus der i deutschen Presse; er ist nicht der Rede wert H Tschlrikow meint die Judenfrage, obgleich er sie von j!, verschiedenen Seiten beleuchtet, doclt eindeutig gelöst zu |:j haben: die irregeführten Pogrombanden wissen cs nicht [1 besser; hebe das Niveau der Massen, und man läßt die Juden :• zufrieden; so macht auch der Aufmarsch der organisierten christlichen Arbeiter dem Pogrom ein Ende. Im Perspektivenkampf zwischen Zionismus und Weltkommunismus, der das Ganze durchschüttclt, läßt der russische Dichter ohne Zweifel : den Sozialismus siegen. Die genügend deutlich werdende; Absicht dieses Stücks war: die Juden dem Zionismus zu entreißen, um ihre beste Energie der Weitrevolution zuj zuführen. p Das Stück ist vor mehr als einem Jahrzehnt geschrieben. if Der Zionist kommt nicht drauf, dem Kommunisten zu sagen:!| Sprechen wir uns 1923. Wieviel Pogrome werden inzwischen l\ gewesen sein? Wiclange soll das Judentum auf die letzten, ׳ \ tödlichsten Schläge warten? — Und was verheißt uns denn If der Weltkommunismus? Daß es uns Juden überhaupt nicht i j mehr geben wirdl fg Auf den Vorwurf des Kommunisten, der Zionismus sei?§ eine Flucht vor dem Erdproblcm, hat der Zionist vergessen If zu antworten: Man muß in einen — übersehbaren und ’! weithin sichtbaren — Winkel der Welt hineinwirken und j dort alles von Grund auf neu entstehen lassen: damit ein Modell f da ist, nach dem die Materie allerorten zu meistern sei!1 Anschauungsunterricht für die Welt tut not. t Und der Alte, der von dem großen ewigen Judentum I ä noch etwas weiß, hätte ihm wohl noch manches andre ver- \ raten können. »־ ׳> r* p, (Die Aufführung - Roma Bahn, Herz GroBbart, Alexander / Granach; Regie: Karl Heinz Martin — war im allgemeinen L hervorragend . . . Die Wirkung auf das traditionelle Deutsch•!and war ebenfalls tiefgehend. Es konzentrierte seine Begcistenmg in dem einen-Satz der ״Deutschen Zeitung“:!; ״Der plündernde und mordende Mob machte seine Sache ausgezeichnet.“), g. l. Konzert Uly Dymont Zu einem Ereignis in dem Berliner MusikVben gestaltete ridi das erste öffentliche Auftreten der kindlichen Pianistin Liiy Dymont am 12. DczemSxr des vergangenen Jahres im McistersaaL Wußten zwar Eingeweihte längst, daß in diesem Kinde jene undefinierbaren musikalischen Wunderkrafte sich bereits in den ersten Kinderjahren regten, so sollte der unbefangene Beurteiler nunmehr Gelegenheit haben, die ‘ kritische Sonde anzulegen und über die Art und die Größe der Begabung einem weiteren Kreise Bericht zu geben. Es darf mit Fug behauptet werden, daß in dem vorliegenden Falle die hochgespannten Erwartungen erheblich übertro'ffcn wurden und zwar ״! erster Linie, weil man an jenem Abend fühlen ׳ konnte, daß m dem zarten Kinde sich eine durch und durch musikalische Mcnschenscete regt, daß ein junger werdender! Mensch da am Flügel aus einem wahrhaft kiins»Icrischen, f Abcc nie pkunstcltcu Drange heraus musizierte• H, S ' t

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