Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 6 (19.1.1923)
- Date
- 1923-01-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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11 1 Nr 6 _ ir;7 •נ TI- :rle, tsst. s- I.‘־ j§ch I st- I-n• I i,c;'S ■cn •I tc.; Der Palästina - Weltkongreß Von Dr, Siegnnind K&zaelsoa. ■ ׳׳■;’״, ו ן V : ״ i .1,1 י » . ׳•• v I <>? ׳ ן Was bedeutet das P.ilästrna-MamJat um! seine Ratifizierung?!,-.n Kami die Frage objektiv nach seinem Wesen und Inlialt, ' tektiv na di seinem Wert für und seine Wirkung auf uns ‘.][cn. Und es ergibt sich dann überraschend, daß die Ant-; r‘(cn sich nicht decken und dies in einem* ganz 'paradoxen , '1f. Was armmcluiKi» wäre, daß nämlich un9 Zionisten י |; ,Mandat mehr bedeutet, als es seinem sachlichen Wert ent- ,’:lit, trifft ancdi einen«! nicht zu. Im Oegenteil wird sogar; *״'ruhiges und nüdikmcs Urteil wm rein völkerreditlidr- Ijjvisscnsdiafllidien Standpunkt sich tiefer »md echter an ,\f vorbildlich iJitematMxialen Bedeutsamkeit lrtuf der bcispieljften Einzigartigkeit dieses Rechtsaktes begeistern, der die i", jnre-Ancrkcnnnnp׳ eines staatlosen Volkes in sich schließt ,! , mich nidit wiederholen zu müssen, kann ich bezüglich jiiri.disdien Würdigung des Mandats auf eine demnädist i״ ,ןJuden“ erscheinende Darstellung verweisen. Nur sovid j'iicr noch liinziigefügt: Das von Otto Bauer (in seinen! 1J 4)e ״Sozialdemokrat!«: und Nationalitätenfrage“) so aus- , ,!!net gcschilderlc Phänomen des Erwachens der ״ge- L; ,'ditsloscii“ Nationen zur Geschichtlichkeit — eine der intcr- |’i ,niesten Erscheinungen unseres Jaliriiundcrts der Natio- |j;,|cn ist in aU 4er Fülle seines Emcuerungswuuders u ן seiner Aufcrstehungswirklidikeit unvergleichbar dem |j .!;amen der jüdischen Wiedergeburt Was bedeutet der fcf -t-ß des Reifens zur Staatlichkeit und damit zur Gesdiiditjj U’it, bei dem die völkerreditlidic Anerkennung der Mäditc 1 die formalreehtrlidie Deklaration eines schon bestehen- Jij , Zustandes ist, gegenüber dem konstitutiven, die Id ,,?reife jüdische Nation erst konstituierenden Charakter des 1־ i;ina-Mandats und gegenüber seiner tmerhörten Konsequenz, |׳i. un nidit -nur staatsum! geschiehtsloscs, sondern auch ü;! 1';hmv1iloses Volk aiidit via facti, sondern durch bloßen I :;!sikt lemtariaüskrt! .Vielleicht kam «km Rat und den Jj iiidern des ,Völkerbundes die Kühnheit und Tiefe ihrer fl;יJieitlung gar nicht zum Bewußtsein. Daß aber die ״Fachj| *.1”', die VölkcrrechtsleJircr ihre rcvoJirikinicrcwIe Wirkung1 II :Ixenbeginnen, beweist eine Aeußening Walther Schückings, L: der ich mich in der Broschüre ״Zioiiianus und Völker- 1( 1:1“ bereits beschäftigt habe. ' . ץ Vor fünfundzwanzig Jahren hat Tlicodor Herz! bereits U- Wesentliche seines Beginnens mit geradezu sdicrisdicr *.׳: :iieit und Bcslinmitlwcit erkannt und ausgcsprodien. Der jb eile Bind seiner Tagebücher enthält folgende Eintragung ki den Tagen nach dem* ersten Zianistenlcongreß: ״Fasse Jjh den Baseler Kongreß in ein Wort zusammen — das idi |1l ji hüten werde,.öffentlich auszusprcduai — so ist cs dieses: ia Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich. das Vj:tc laut sagte, würde mir eia universelles Gelächter ant-; :-ich. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird jj, 1 jeder einsdien. Der Staat ist wesentlich im Staatswillcn j<,, Volkes, ja selbst eines genügend mächtigen Einzelnen (';at Fest utoi, Ludwig XIV.) begründet Territorium ist : 1 r die konkrete Unterlage, der Staat ist selbst, wo er Terri- ,11: .um hat, immer etwas Abstraktes, Der Kirchenstaat be- M iit audi ohne «Territorium, sonst wäre der Papst nicht y iverän. Ich habe also in Basel dieses Abstrakte und darum J!:,1 allermeisten Unsichtbare . geschaffen. Eigentlich mit in- ,',!.:!esimalcn Mitteln. Ich hetzte die Leute allmählich in die ' .:isUiinmung lün-ein und brachte ihnen das Gefühl• bei, •' '1 sie die National Versammlung seien.“ ׳ , II. Die ״S t a a t ss Ei tnmun g", die Herz! am ersten Kongreß :'.nffeil hat, ohne den Staat zu haben, fehlt anscheinend h ne nach der Ratifizierung des Mandats, das den Juden die;; /,!!!•'.*,keit oder, in präziserer juristischer Terminologie, die f uns';Staatlichkeit gibt, Sonst bliebe es unerkliirlidi, _ warum q teilbar die wenigsten Zionisten, vor allem! aber nidit die E .ekutive reellt wissen, was mit einem der widitigsten Redite dieser Staatlichkeit, der dem jüdischen Volke im Mandat verheilen Rcpräscntativholicit, anzufangen sei. Man sdicint nicht zu verstehen, daß tler erste Zionistenkongreß mit dem i mmenden Palästina-Weltkongreß in einen ähnliclien liistori- S•:iieit Zusammenhang zu setzen ist wie die konstituieremfe F.nioiialvcrsammlu!’,4 ״er französischen Revolution zur gesetzgebenden. Es fehlt die Staatsstimmung: in dieser Erkenntnis :vt die Wurzel fast aller Mißerfolge der letzten Jahre und der il-samtcji heutigen Situation des Zionismus zu suchen. Staatsfr׳..a1n11111g aber heißt Hingabe, Opferfreudigkeit, Selbstbewußt- [:.ein, Glaube an die Kraft der Gesamtheit, heißt vor allem t ,Vera n t wor 111 n g sg c f ü h 1. i Exponent und Gradmesser, Produkt und Werkzeug, j klröpFiing inxl Schöpfer dieser Staatsstimmung ist heute der ralästina-WcItkoiigrcß, der die revolutionäre Phase der natio-! ד:,!en Emanzipation des jüdischen Volkes und sein Revolutionsj 'lrlament, den Zk>nisl«!nkongreß, ablöst durch die allgemeine :?•׳fische Gesamh-ertretung. (Ablöst, verelirter Herr ( fogmatiker der Parteiorthodoxie und des Orgamsationsfana- *״ms, nicht ersetzt! Hierüber wod! Niiliercs unten.) Es : ,wäre ein billiger Witz, die Idee «!es Palästinakongresses als >' fine Erfindung der Karlsbader Jahreskonferenz airszugcbcn, fieser Konferenz, von der inan den Eindruck hatte, daß sic lieht viel und nichts Rechtes damit anzufangen wußte. Der , Palästinakongrcß ist eine historische Idee, ebenso wie der Judenstaat, dessen Mittel sie ist, und daß sie zeitlich später 31s die zionistische Idee in prägnantem Sinne zum Ansreifen * ®d zur Realisierung gelangt, kann der zwingenden liistori- '•eben Logik ihrer Erforderlichkeit keinen Abbruch tun, 90n-; J’cn1 sie im Gegenteil nur bestätigen. Ich spreche liier nidit vom* jüdischen Weltkongreß, sondern : mm Palästinakongreß, die zwei grundverschiedene Dinge sind. Ikr Zionismus war und Ist eine Gesinnung^gemein- Schaft, was die Brand ei sgruppe und Binjan Haare/, zwar ®kämpfen, aber nidit zu leugnen Vermögen. Er sagt nicht Jk>8: Palästina, gondem auch: * jiklisdics Nationalgcfüdil, und * »«ht aus beidem seine großen Kräfte und Antriebe. Der Palästinakongrcfl sagt nur: Palästina. Palästina aber nicht ‘ *dir als Traum und Sehnsucht, sondern als das weidende, Jss reale Gemeinwesen. (Der jüdische Weltkongreß, der •lieht reiner Palästiiukongreß ist, ist aber ohne die Parole (les jüdischen Naüonalgedankens undenkbar.) Dt!*lattfonn des Palästinakongresses ist der sogenannte ״Boden der ge-?dienen Tatsachen“, auf den sich alle, Freund und Feind, .''teilen können, ja müssen: Palästina als völkerrechtlich au- : ®kannte jüdische Heimstätte. Um das durch eine andere * Analogie — nur mi der Verdeutlidiung und Erhellung willen Edange ich zu diesen Parallelen, jede Vcrdäditigung falsdier , J<i«ntifizieru1pf ist Aamu deplaziert!1־ zu illustrieren; Nachdem die ehemals östcrrddüsdicn LiindcrdcrSnitigt» ITs.d1cd»o Slowakei die Staatüdikeit criangd liattai, tagl« «Port ,nvcf Jahre eine nur aus der» Vertretern der Uchcdifcclacn Parteien be- «teilciuk״ ,JNafionalva'j.-artmhBig“. ' Erat auf Grund späterer allgemeiner Wahlen trat das Parlament nranr1u«t, *t«1n audli die Abgeordneten der nationalen MiiHxriülen. angclöreit. (Ein Unterscliieti mit uns Zioiüskn springt «ta glcich In die Augen: die Tschechen haben «be nidütsdiedikclicn Parteien anfangs zwangsweise ausgeschlossen, wihreud sid« die Nichtzionisten aus «1er Zionistisdien Organisation seihst ausgesdiloSsa» haben.) Das tsclicdüsdic Volk liat, n ,1 duient « die Kotir sfHution der Tsdiedioskawakiscliei» R«1«»bUI< geschaffen hatte, '«Sc anderen Völker atifgckmJcrt, sich auf «Iimi l&adcn seines Staates zu stellen und «las Rcidisparlamcnt za ' besdweken. Und alle Nationalitäten halx’ii a:1 «len Waiden teil genommen. Aciißcrlidi fialxm sid» damit auch diejenige» Parteien nuf «len Boden «!es Staates als einer dum»1!nun ,wirluindieneii Realität gestellt, die ihn programaualksdli und ganz offen negieren und sogar den I lodiverrat gegen ihn propagieren. Dies freilich haben wir für «len Palifel in aIcongrell nidit zu befürchten, tla fast alle niateridlen Niii iipnigen und Motive zur Teilnahme hier Wegfällen. Daß aber die Aufforderung der Zionistischen Organisation an «las jiklisclic Volk, sidh auf den ״Boden“ der vöfkcrrccliflieh gesicherten Heimstätte in Palästina zu stellen, erfolgen nmß 1U113 daß «Las jfulischc Volk, unabhängig von Gesinmmgsfragcii, dieser AuIfordcmng Folge leisten wird, und zwar nicht Wod formell, sondern auch materiell, sdicint mir geradezu zwangslii iifig aus der Gesetzlidikcit der historischen Entwicklung der jik!Eschen Staatsidec licrvor/ugciieiu I; ז«• Immerhin:' cs ist ntrf ein׳ Glaiibe lind ״beweisen“ läßt er sidi nidit. (Was aber ist kein Glaube tkiwi läßt sidh ,beweisen“?). Viele andere glauben eben nicht daran tmd denen soll man cs ״beweisen". Sie sagen, die Vorsichtigen, die Sichnuskcnneuden, die erst WägciMl-c») dann. Wagen«len, «lie Sachverständigen der öffentüdien Meinung «qmI die Pulsschl.igzählcr der jirJisdicn Massen, die Quietisten der gottgewollten Demokratie und «Re mikle» Sltepliker der Aktiengcscllschaften — sic sagen: es ist eben iciilcr keime Stimmung tla, die Börse ist flau, «lagcgcn läßt sich nidits madhen, ist nicht anzukämpfen; warten wir lk-bcr time günstigere Konjunktur ab, nachdem wir (lies natiäriidi: «I« Exekutive) die der ersten Naciikriegsjahrc lialicn re rsfrei clicai lassen. Bestenfalls ist man, wenn schon positiv ggeslimi 111, doch noch für ein langsames Rcifenlassen, olute zu ahnen, daß das ein Versickern int Sande ist. Sie wisst» Dicht mehr, alle die Herren, o«kx sic haben es vergoss•«, «faß Slirnmimg nie da ist, sondern stets erst geschaffen «werden muß; daß das Volk will, weil seine Führer und oft audi weil seine Verführer wollen. (Nur ,dieser kurze Blick in «Len Abgnnui, Ln dem heroische und demokratische Gesdiiriilsairilassiiitg ewig unlösbar miteinander kämpfen, sei gestattet.) Sic wissen nidit, daß die Kongreßstimmung fehlt, vorLliiRg 110di fehlt, weil wohl die ״Staatsstimmung“ des erste» Kougresses in der Exekutive, vielleicht auch im Adions-Gomiti und dem Zentralkomitec «ler Z. V. f.D. fehlt, bis jetzt «venigsbe»s. Aber eine Idee hängt weder von Personen no-äi, מו*0ד Augenblick ab, sie überwindet beides und׳ sogar das giöfHc Hindernis: eine fla.uc Stimmung.. 1 - . ׳ ‘ ״ ■ Stellt das ״was״ als Gtaubcnssache außer allem Zweifel und der Diskussion, 90 mag das ״wie, wo, wäj» und wozu“ um so cifri״cr diskutiert werden; hier haben wir die Freiheit der Gestaltung! Ich möchte nur kirrz *1edh zur Frage des ״Wozu?“ in Anknüpfung an. das eingangs Gesagte bemerken: Der Palästina-Weltkongreß •dient der Walil der ״Jewish Agency“ als RcjmisentnlivorgMS des staatsreifen jiklisdien Volkes. Die Zionistische Organisat ion fclcibt davon völlig imberülirt, sie soll m’itcr bestellen, ebenso wie das tschechische Volk sich nidit zugunsten seines Staates, so sehr cs diesen als Nationalstaat zu gestalten suchte, aufiösfce, Der jüdi sehe Zweck des Paliistinakongress.es ist «lie Mobilisierung aller noch latenten jüdischen Energien für Palästina. (Hier bin idi auch skeptisch und darf ףs 9ciu.j Der zionistische und mir, offen gestanden, unvergleichlich wiciitigere Zweck des Kongresses, ist der, der Zionistische» Organisation einen neuen Impuls zu gehen. Worunter der Zionismus seit der Balkum-Deklaration gelitwn hat, war sein Mangel an Ideologie, seine gedankliche Verarmung. Das bat dazu geführt, aus einer reinen Gcklsammclaktion wie dein Keren Hajcssotl eine Idee zu konstruieren. Weser Versuch mußte MiIsclil.igen mul daraus erklärt sicli manches. Staatlichkeit bestellt, wenigstens zunächst und in erster Reihe, eben nidit nur in <k111 Rechte der Besteuerung. Der Palästiiiakougreß ,tbcr ist, auf eine knappe Formel gcliracht, die Idee des Keren Hajessotf, von dem wir bisher nur «be Masdiineric «>1w1e «le» Geist Ln «len Händen halten. Ke Konklusion ist nicht: weil viele Zionisten ermüdet sind, dürfen wir sie mit dei Konspeßbewegung nicht noch mein• in An sprach nehmen, sondern: weil sic müde geworden sind, müsse» sie in Ek-wegirng, ia die heute einzig mögliche und wirkliche Beivcßwig des Paläsünakongrosses gebracht werden. — Daß der Paria im ntarisimis Gefahren in sich schließt, rechtfertigt nidit die Diktatur. Das Schlimmste, was uns passieren könnte, wäre die Eroberung der ״Jewish Agency“ durch die .NiditxwJiisten. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Diese niditzlonisiisdie Agency ist aktiv und leistet Arbeit — niclils Schöneres könnten wir erreichen! Oder sie ist passiv, leistet niclils und stört nur den Aufbau. Dann arbeiten wie, die Ztonl stisehe Organisation, der radikale, sich niemals aulgebeittle, ditrcli «lie Idee des Volkstums uml des Landes unlöslich geeinte Kern tles Judentums eben weiter wie bisher, nur privat und ahne Redüstitcl. Und nach einem Jahre haben wir eU1iii auch die Jewish Agency, und zwar ganz irud gar. — Sn soll der Weltkongreß für Palästina nusselien wie er mag — <s kam sdiliinmstcnfalls nur ohne oder ohne «ine ,großc-w: Wirkung bleiben, Hat er eine nichtzionisiisdie Majeritit, 90 uainsclicn wir, wenn diese nur arbeitsfähig 11114 fällig ist, nidhts mehr, als daß unsere Minorität 90 klein als möglich sei. Aber diese Furcht oder Hoffnung ist unnütz: di« Zionisten werden, wenn sie nur einen wirklichen ttnpuls *inpfang« 11, wcilcr wie bisher das einzige wirklich aktive tm-d arbeitende Element bleiben. Ke Ehren seien aber «kn aiKfcren. ruhig gegönnt Ueber das ״Wie“ hat Dr. Arnold Bartl! in der letzten Sitzung des Zentralkomitees, bereits den «iiizig möglichen .Vorschlag gemacht: die Zionistische Organisation als ״Jewish Agency“ beruft auf Gniml des Artikels 4 tks Mandats einen allgemeinen jüdisclicn Weltkongreß für Palästina zum Zwecke der Wahl der ״Jcwisti Agency“ und «Lereu Unterstützung ein. Die Genehmigung der Wahle» »11(1 vielleicht auch ein politisches Interesse de* Regktitwgm de*. Längte* Ist durch Vcriundlurgen mit diesen zu erzielen. Das ist wich.- tiger als ,manche Agitation. Warum »Ilten die Regierungen auch nicht an der Jewish Agency des GcsamtjiKlenturns zum mindesten «las gleiche Interesse haben wie, um ein auch biographisch naheliegendes Beispiel heran zuziehen, an der intcrnationalen Kommission für den Suez-Kanal? Wenn ich noch eines hinzidügai kann, «3 ist es die Anregung, den Völkerbund, der ja das Mandat erteilt hat, zu ersuchen, an alle ihm an geschlossene» bzw. auch nicht angcschlosscncn Staaten in diesem Sinne heranzutreten und eine öffentliche Ausschreibung der' Waiden durch die Organe der jüdischen Selbstverwaltung in den einzelne» Ländern anzuregen. — So ist der Paliistina-Wcltkongreß nicht nur eine ideelle 1m«t propagandistische, sondern auch eine politisdw; Aufgabe für die Zionisten. Vor allem aber ist «r — darauf möchte ich das Hauptgewicht legen — eine Aufgabe der zionistischen Sclbsterzieiiimg timl Aklivicrung. ,; ' Deutöcbland Die Berliner Gemefndewahien Nachdem die von den Beamten aufgcstclltc Liste zurückgezogen worden war, lag nur die von den Parteien vereinbarte Kompromißliste vor, die somit als gewählt an?usghen ist Ke Zusammensetzung «ler Repräscntantenvcrsammhmg der Berliner Jüdischen Gemeinde wird a!90 von jetzt an folgendernußen Msschcn: 10 Liberale, 5 Konservative, 5 Angehörige der Jüdischen Voikspartei (Klee, Löwe, Abraham Löb, Lewit und Kollenscher; Stellvertreter: I.össcr, Rosenberg, Goslar) und lin Vertretcr «ler Handwerker, ( Damit ist olinc Kampf eine neue Zusammensetzung des RepräsentaIltenkollegiums der wichtigsten deutschen Gemeinde erreicht ■worden, durch die den zionistischen Vertretern große Wirkungsmögliclikciten eröffnet werden. Das wird gerade in den kommenden Jahren von Wichtigkeit sein. Schon in den reichsten Wochen wird die Verteilung der Gehler des Joint Distribution Committee an jüdische Wohltätigkcits- und kulturclle Institutionen erfolgen. Vor allem aber wird das jüdische SchulpioWcm in Berlin immer akuter werden und zu einer Lösung drängen, bei der cs für unsere Vertreter in der Geinrindc «Lirauf ankomincn wild, dem Gedanken der jü<!isch-.'H Schule Bahn zu brechen. . Lessing und die Deutschen unserer Zeit Dem ״Vorwärts“ entnehmen wir die nachstehende Geschichte, die vielleicht besser als alle politischen Uciiukrioneii zeigt, vvoliin wir Ln. Deutschland gekommen sind:!. ״Der Münchener Reichfilmprufstelle lag rin Antrag auf Zulassung des Films ״Nathan der Weise“ vor. Der Film ist eine künstlerisch gute Arbat, die sich inhaltlich zicmüch streng a» das im übrige» Dcutsdiland nicht unbekannte Drama von Lessing hält. Der Kammer, der der Film zur Zensur vorgefülirt wird, saß ein Herr Regicrungsobcrinspektor Kliiglein vor mikI neben ihm saßen ein Vertreter des Filmgewerbes, da Stinlienprofcssor, eine Vorsitzende des Eva1t;;riisd1en Frauenbundes und ein Freiherr Menü von Klarhadi. Ein Film kann 1l a. ׳verboteu werden, wenn er die öffentliche Ordnung und Sicherheit geliilinlet und das religiöse Empfinden verletzt. Herr Kliiglein lud Sadiversländige, um Aufkiäriuig darüber zu schaffen, inwieweit ״Nathan der \Vcise“ dazu geeignet sei. Dis erste Gutachten gab Herr Regicruiigsrat Dr. Merberger׳ FLefereiit für öffentliche Ordnung und Sicherheit am Polizeipräsidium München, ab. Er führte laut Protokoll aus: ״Mit nackten Worten gesagt, ist der Inhalt des Films: der Jude ist alles, die anderen, ob Christ oder Türke, sind niclils, Die breite Darstellung «lieses Inhalts, in typisch ji'nlisch gefärbten« Sinne durdigefiilirt und in vielen Schriften für unser gereizte» Publikum zu grell unterstrichen, muß Andersdenkende und -fühlende verletzen, muß insbesondere in der heutigen politisch zugespltzten Zeit öffentüdien Anstoß erregen, wo reiner aß «fer Schlechtere zurückstclven will und wo größere Volksteile in den Juden Ursadien ihres Unglücks c^lilickcn. Der Film wird nidit bloß in München, wo ja fast Bestimmtheit tla für bestellt, sondern audi anderswo Meinung und 'Gegenmrinurig sofort im Kino herausfortlem, dadurch wird es aller Wahrsrlidiilichkeit nach zu erregten Auseinan'Jersetzimgen und crlaliniugsgemäü 711 Tätlidikeitcn kommen, 90 daß der Bildstreifen außerordentlich geeignet erscheint,, die öffentliche Oixtiurng und Sicherheit zu gefährden.“! Drr andere Sadivcrsläntligc, ein Pfarrer, meinte, die gegebeut Lösung «ler Frage, welches die beste Religion sei, muß als verletzend empfunden und scharf abgelchnt werden und die überwiegende Herausforderung (!) «!es Juden als des weitaus besten muH unbedingt und besonders zur Jetztzeit snwolit «len Icalliolisdien als auch den protestantischen Teil der Bevölkerung verletzen. I>ic Kammer kehrte sich nicht daran, sondern ließ den Biidslreiien auch für Jugendliche zu. Da löge Herr Rcgieningä- Oberinspektor Klüglrin Beschwerde rin mit der Begründung, «laß die Kammer dnxcl! ihre Freigabe gezeigt habe, daß sie die Vollgewiditigkeit und Tragweite «ler ..'Sachverständigen• urteile witcrsdiiitzt habe. Damit ist die Geschichte zu Ende, denn die Fortsetzung spielt in Berlin, wo «lie Filniobcrprüfähdic die Beschwerde verwarf und ״Nathan der Weise“ frei gab.“ Soweit der Bericht des ״Vorwärts“. Wenn Lessing heute in Bayern lebte, käme er wahrscheinlich ׳nach N'cdcrschöncfcld. ''..׳-7: < n Die argentinischen Juden für Osteuropa Buenos Aires. (J. C. B.) Das Zentralkomitee für Volkshilfc un«l Emigrantcnsclnitz ln Argentinien leitete eine neue große Kampagne zwecks Schaffung von Kinderspeisearistaltcn in der Ukraine ein. Bis jetzt wurden 500 Ukrainekinder auf Kasten des Komitees erhalten; durch die neue Kampagne hofft man die Mittel zur Erhaltung weiterer 500 notleidender Kinder in der Ukraine zu bekommen. Außer diesen Aktionen hat das Komitee größere Summen für andere Wohltätigkeitsinstitutioncn zusammengcbraclit. Durch Vermittlung des ,Komitees wurden <)3(M) Lebensmittelpakete, sowie größere Stimmen bares Geld an Verwandte in Rußland abgcschickt. , Dl« Wintci'not in der Ukraine. Die Exekutive der jiidisclicn Welt-Hilfskoim ,1;: ׳ erhielt ein von den ukrainische! Delegierten Ochherg, (u ,!ulicrg und Dr. Adler gezeichnet■;•• •Triegramm, in welchem von einer akuten Kleidernot in der Ukraine berichtet und um schleunigste Hilfe geriete; wird. Ke jüdische Wclthilfskonfercnz hat daraufhin 15CO,׳ Winterkostüme für Kinder ■angesdiafft, welche dieser Tage nach der Ukraine, zur Verfügung der Delegation abgeschickt -י• י י—••*■,,׳-1 ^55