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Jüdische Rundschau · 1923-01-19 · Heft 6 (19.1.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 6 (19.1.1923)
Date
1923-01-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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I Seite 23 K' M Jean Longue and der Zionismus New York. (]. C. B.) Der bekannte Führer der französischen Sozialisten, Jean Longue, bckanntlich ein Enkel von Karl Marx, hielt hier dieser Tage einen Vortrag über ״Sozialismus und Zionismus*'. Seine Ausführungen gipfelten darin, daß die Sozialisten der ganzen Welt für die Idee eines j üdisch•n a tio• n a I c n Heimes i n Palästina c i!11 r e i c 11 müßten, erstens weil dies dem primitiven Gerechtigkeit*• ge fühl entspreche und zweitens,' weil ein von anderen Völkern unterdrücktes Volk keinen Klasseukampf zu führen vermöge. Jean Longue führte weiter aus, daß er, der als «ln Enkel von Karl Marx jüdisches Blut 111 seinen Adern habe, eine besondere Sympathie für die jüdisch-nalloiulc Befreiung*• bewegung liege und für ihre Tendenzen ein besonders Ver* ständnis aufbringc, Er sei dessen sicher, daß das Volk der Propheten und der großen Freiheitskämpfer Palästina als einen Musterstaat der Freiheit aufbauen werde; nicht als einen Staat der Unterdrückung, wie ihn die Polen autbauen, für die die Sozialisten der ganzen Welt gekämpft haben. Jean Longue schloß, daß nach seinen persönlichen In• formntionen und auf Grund der Broschüre des großen eng• lischcn Arbeiterführers Macdottald Palästina für noch 5 Millionen Juden Raum habe. Nur die reichen arabischen Gutsbesitzer und die französischen Jingos intrigieren gegen ein jüdisches Heim in •Palästina; für die arabische Bevölkerung, kann die jüdische Einwanderung nur Nutzen bringen.‘ Keren!)ajessoct Amerika Im Dezember hat in Boston eine große Keren Hajessod- Propaganda stattgetundeu, an der u, a. Arthur Ru pp ln und Schmarja Levin tcilgcnommen haben. D3s Gesamt• ergebnis dieses Drives betrug 217 000 Dollar (vermutlich sind darunter Zeichnungen zu verstehen. — Red. d. ״Ji'td. Rundschau"). , ־ Kanada Eine besondere Keren Hajcssod-Dclcgation ist von London nach Kanada abgefahren, um an der Mitte Januar croffnctcn großen Keren Hnjcssod-Knmpagnc tcilzunchmcn. Die Dolegation besteht aus den Herren Dr. Alexander Goldstein und Colonel Patterson, die im vorigen Jahre an der großen Delegation nach den Vereinigten Staaten tcilgcnommen haben. Die Tournee Dr. Ohwangers in Sud 4? ilta Aus Johannesburg wird gemeldet, daß Dr. Ols• wangc r seine Arbeit für die zionistische Propaganda und für den Keren Hajessod fortsetzt. Er ist übcrali von den jüdifvhen Gemeinden mit großen Ehren emgen worden, England ■ London. (J. C. E.) Am 10. Januar fand in ,der Asscmbly Hall ein von mehr als 5000 Personen besuchtes Kerxn Hajessod• Meeting statt, in welchem die Exckuüv-M'.tjl'.cder Sokolow und So 1 o w ci t seh ik sowie der Sejmabgeordnete Grünbauin sprachen. Abgeordneter Grünbaum wandte sich scharf gegen die laue Haltung der englischen Juden gegenüber dem Keren Hajessod. Diese! Meeting war das erste in einer Reihe von Keren Ha;.׳ sro,!•Versammlungen, die für ganz England geplant sind. ן Zentrale uropa 11,1 Auiuagc des Direktoriums des Keren Hajessod hat sich [fr. S c 11 warzmann it Berlin autgeiia'tcn, um wegen der K*creu Hajessod-Arheit unter den in Berlin weilenden russischen juden Rücksprache zu nehmen. Gleichzeitig ist dort zusammen mit Dr. Sapir ein Pian für die' zu bc• ginnende Arbeit i:1 Beßarabien ausgearbeitet worden. Dr. Sapire. Tätigkeit wird Mitte Januar in Beßarabien ein• *circa. Sokolow wird vermutlich im Februar für einige Tage ebenfalls nach Beßarabien fahren. Die Anwesenheit von Dr. Sclnvarzmaun in Berlin wurde auch zu einer Bc• *prcchtirg über die Möglichkeiten der Gründuן ״■ einer ln• benutzt. st ns C1US.C pokn Revision des P/ozesses Sdiapira Im Monat März dieses Jahres gelangt der Rcliabilitnlions• pro7dl dys Rabbiners Schaplra zur Verhandlung, der, wie bekannt,‘während des!»luif.di• russischen‘ Krieges in Plock durch das polnische Kriegsgericht als Spion verurteilt und erschossen wurde. Die Erschießung des Rabbiners Sdiapira hat seinerzeit großes ‘Aufsehen erregt. Rrbb'ncr Sdir.pir.i, der von einer Patrouille beim Beten beobachtet wurde, wurde beschuldigt, durch seine Körperbewegungen den Bobehewiken Zeichen gegeben z.1 haben, Das Kriegsgericht hat auf Grund der Angaben der Patrouille ohne vorherige Untersuchung Rabbiner Sdiapira zum Tode durch Erschießen verurteilt. Der Revisionsprozeß sollte schon mehrere Male auberaumt werden, immer wurden aber Gründe gefunden, ihn zu verschieben. Die gegenwärtige Revision 901! nach authentischer Mitteilung zuverlässig statt finden. Die Vertretung des Prozesses des erschossenen Rabbiners führt der jikliadinatiönalc Abgeordnete Rechtsanwalt Hartglas, Ein Aufruf der polnischen Rektoren Die Rektoren sämtlicher polnischer Hochschufen haben im Einvernehmen mit der Akademie der Wissenschaften einen Aufruf an das polnische Volk gelichtet. Der Aufruf, der unter dem Eindruck der Ermordung des Präsidenten Narutowicz erlassen wird, besagt u. a.: ״Es ist höchste Zeit, alles zu beseitigen, was die D.ffcrcnzcn unter den Menschen, Parteien und Anschauungen verschärfen und vergrößern könnte, höchste Zeit, den Separatismus der einzelnen Gebiete, der zum Widerwillen, manchmal selbst zum Hasse ausgewachsen ist und in den seichten Herzen!gang gefunden Verderber, die und eitlen Gemütern gar zu leicht Ein aufziiRcbcn. Das sind Schädlinge und jugendlichen Kräfte .mißbrauchen in ihren Anfängen, die sprießende Energie der Jugend schwächen, die Herzen Jugend verjauchen und entarten." , hat, die die der Die christlichen ״Jüdischnatiortalcn“ In Prag Prag, 11. Januar. (״W, M.-Ztg.") Wie seinerzeit ge• meidet wurde, hat die Veröffentlichung der Prager Volks• zäliUingsstatistik die merkwürdige Tatsache ergeben, daß sieb elf Personen christlichen Glaubens zur ,jüdischen Nationalität bekannt haben. Ob cs sich hier um einen schlechten Witz handle oder ob man cs hier mit getauften Juden wieder• erwachten Gewissens zu tun habe, ist nicht bekannt geworden. Dieser Umstand genügt aber slowakischen und deutschen Kreisen der Trennungsorthodoxie, um sic zu einer rcgclmäßigen antizionistischen Vcrlcumdungshetzc auszun&tzen. Um dieser illoyalen Kampagne die Spitze abzubrechen, erlaßt der Jüdische Nationalrat in Prag die folgende Erklärung: ״Mit Rücksicht auf die in den letzten Mo• naten in der Presse wiederholt aufgetauchten Bemerkungen betreffend die elf Personen christlichen Glaubens, die sich laut Statistik bei der Volkszählung in Prag zur jüdischen Nationalität bekannt haben, konstatiert der Jüdische National• rat, daß es in keiner der Organisationen, die dem Jüdischen Nationalrat ar.geschlosscn sind, Mitglieder gibt, die nicht• jüdischen Glaubens wären. Dies wurde bereits ln der ,Selbst• wehr‘ vom 22. September 1922, Nr. 33, ausdrücklich fest• gestellt. Wenn trotzdem die besprochene. Tatsache mit dem nationalen Judentum in Verbindung gebracht wird,?0 kann es sich bloß um böse Absicht handeln.“ Aus dem polnischen S J 1 Warschau, (j. C. B) ln zweitägiger Sitzung ver• hnndeUc das Plenum des polnischen Senats über die Oeschäftsordntnigs-Anlriige der nationalen Minderheiten. Der jüdische Senator Dr. Braude begründete in längerer Rede die Forderungen der nationalen Minderheiten nach einer pro• portion eilen Zusammensetzung des Senats• Präsidiums, sowie der Erlaubnis zum Gebrauch der N a t i o n a 1 r, p r a c h c 11 für die Depilierten der natio• naien Minderheiten im polnischen Parlament. Die Mehrheit de* Senats bat gemäß dem Beschlüsse des Verfassungsausschusr.es sämtliche Geschiftsordnungtanträgc der Minderheiten abgclchnt. , Beschränkung der Religionsfreiheit in Polen Warschau. (}. C. B.) Die Gesundheitsabteilung den Warschauer Magistrates ordnete die Registrierung sämtlicher Synagogen und Bothc-Midraschim Warschaus an und verfügte, daß nach dan 1. Juli die requirier• ten Gebethäuser an Wohnungssuchende zu Wohnzwecken übergeben werden. In der Begründung dieser Maßnahme wird gesagt, daß diese Gebethäuser nur am Sabbath zu Andaditsübungen gebraucht werden. Unter **er Judcnsdiaft Warschaus herrscht wegen dieser Verfügungen des von den Nationaldcmokraten beherrschten M&gistra t e s, die unleugbar antisemitischen Motiven «intspringen, große Empörung. Gegen die Magistraisbc&chlüsse wurden an die zuständige Regierungsstelle Proteste eingereieht. Durchführung der Sonntagsruhe in Wilna. Der Arbeit! Inspektor in Wilna berief die jüdischen Kaufleule und Fabri kanten zu *ich und erklärte ihnen, daß von jetzt ab die Sonntagsruhe streng durchgfeführt wird' ütld Läden •wie Fabriken den ganzen Tag geschlossen sein müssen. (J. C. B.) Die Emigration nach Amerika Boston. (J C. B.) Ke in poliiischen Fragen gut in• formierte hiesige Zeitung ״Christians Science Mo■ nitor“ bringt eine längere Korrespondenz ihres Washingtoner Vertreters, aus weither deutlich zu ersehen ist, daß die ge• planten imicn Vorschriften gegen die Immigration sich besonders gegen die Juden aus Ost• und Südeuropa richten. Der Korrespondent versichert, daß, sobald am 30. Juni 1923 das 3 «,'0־Quofcngc״.clz außer Kraft tritt, weitere Beschränkungen gegen ״unerwünschte Immigranten“ Platz greifen werden und sagte dann wörtlich: ״Die bis Ende Juni 1922 in Amerika eingefrorenen 309 556 Einwanderer stammen alle aus Süd• und Osteuropa und sind als ein unerwünschtes Element zu betrachten. Ein großer Teil dieser Unerwünschten sind Juden. Die Beamten streben nach Mitteln, um die Zahl dieser Einwanderer in Zukunft auf ein Mindest naß zu beschränken.“ Letzte ]Nachrichten Jabolimlty aus der Organisation ausgetreten _ Die A.* C.• Sitzung geschlossen Nach Annahme der bereits an anderer Stelle veröffentlich ten Resolutionen in der Mittwoch-Abcnd-Sitzung erklärte das Präsidium des A. C. mit Zustimmung der Versammlung, daß damit die anderen Resolutionen, auch die von jabotinsky vorgeschobenen, erledigt sind. Da in der Diskussion alle Redner die Notwendigkeit einer homogenen Exekutive betont und mehrere direkt Jabotinsky zum Rücktritt aufgefordert hatten, erklärte Jabotinsky nach der Abstimmung, daß er nicht zurücktrete, sondern es für seine zionistische Pflicht halte, in der Exekutive zu verbleiben und dort weiterhin für seine Anschauungen zu kämpfen. Die Donnerstag Vormittag zusatnmentretende Kornmission zur Aufklärung der Petljura-Affaire erhielt einen Brief von Jabotinsky, daß er atls der Exekutive und aus der Zionistischen Organisation austrete und daher einer Kommission des A.C. nicht mehr verantwortlich sei. Audi das Präsidium des A.C. erhielt einen Brief, der heftige Vorwürfe gegen die Politik der Exekutive richtet und die Nichtannahme der von Jabotinsky gestellten Anträge als Verletzung zio• nistischer Grundprinzipien bezeichnet und den Austritt Jabotinskys aus der Organisation zur Wahrung seiner Handlungsfreiheit mitteilt. Der Vorsitzende Dr. Hantke und der Referent der politischen Kommission wiesen die Vorwürfe Jabotinskys als unwahr schärfstcns zurück. Das A.C. behandelte noch die Fragen des Welt־ kongrosses und des Keneu Hajessod und schloß die Sitzung Donnerstag Abend .7 Uhr, Den Schlußberidit werden wir nachtragen. 1 :!•׳׳'; , Theodor Ilcrz’s Tagebücher und die nicliljüdische Presse Kaum eia Mctnoireinvcrk dürfte in allen Blattern ( verschiedensten Parteirichtungen eine so c'״mutig begeh!, Aufnahme erfahren haben wie der erste Band von ״if,. Tagebüchern". Von den deutschen Tageszeitungen ha! |t;׳ , lieh das ״ti e f I i ״ e ז Tageblatt'■ in einem Aufsatz g Illusionspolitiker“ in der Abendausgabe vom 23. Oktober: diplomatischen Bemühungen Herzfs einer abfälligen Kr unterzogen. Der Verfasser, Ur, Ernst Feder, verschx» allerdings die Tatsache, daß Hcrzls Tätigkeit schon aus t Grunde keine Itlir.ioiispolilik genannt werden kann, da ■ letzten Endes doch zu einem realen Erfolg, der Veru׳; lichung des zionistischen Programms, führte. Hcrzls K: zeption, die nach dem ״Berliner Tageblatt" nirgend* ׳ Realität der Dinge erreichte, war realer als vielleicht mar.׳ Realpolitik, die das ״Berliner Tageblatt" vertreten lut. [ . literarische und menschliche Bedeutung der Tagebücher י,, aber auch in dieser Besprechung anerkannt. — Von Bet!;: Tageszeitungen hat ferner die ״V o s s i s c h e Zeitung1 einem größeren Aufsatz, ״Die Geburt einer Idee" von Mo! Golds t ein, das Buch gewürdigt. Der erste Band; Tagebücher wird ein ״unschätzbares Zeugnis! Entstehung eines Gedankens, seiner Entwicklung und D formung und seiner Ucberlragnng in die widerspenstige \Xä:; lichkeit" genannt. ״Aus den Tagebüchern erst erfahrt m;‘: wieviel ‘die junge Bewegung verloren hat, als mit Her,‘* frühem Tode sein Feuer, sein Wille, seine Opferkraft, sc'! Fähigkeit, Menschen zu behandeln, zu werben und feste halten, zerstört wurde .... Inzwischen haben sich t europäischen Verhältnisse ' nicht gebessert, sondern c Spannung um die Juden her wächst, irgendwie muß sie ge!; werden, von unten oder von oben, vielleicht von oben u: unten zugleich. Es ist unmöglich, daß Theodor Hcrzls Id, wieder verloren geht." — Besonders bemerkenswert ist ei Besprechung, die die dcutschnationale ״Deutsche Tage!׳ citunjf" am 12. November brachte. Der starke Eiiiclrut. den die ideale zionistische Bewegung auch auf einen rcakti nären Antisemiten macht, spiegelt sich darin wider. In d: Besprechung heißt cs unter anderem: ״Hier sehen wir ein: Gewaltigen mit der jüdischen und der übrigen Welt ringt- und wenn er sie auch nicht zu überzeugen oder gar schac! matt zu setzen vermochte, so oilenbart sich seine ungewöh:,״ liebe Geisteskraft doch auf Schritt und Tritt. Die echten utj| aufrichtigen Zionisten werden cs bedauern, daß er in a!!| reibendem Kampfe so gut wie allein stand, I Life weder a׳.| den Höhen noch in der Tiefe fand und so eigentlich nur t;|! glänzendes Meteor geblieben ist. Aber auch Nichtzioniste-y werden die Tagebücher mit lebhaftem Interesse studiere:!: Spricht doch aus ihnen nicht nur ein ganz ungewöhnliche! bedeutender Mensch, sondern auch ein Stilist hohen Range;! Diese doppelte Anerkennung sind ihm ge r.ו dl ehrliche Gegner schuldig." — Eine geradezu entbt? siastische Kritik über die Tagebücher schrieb Stefan Grofj mann in seiner Wochenschrift ״Das Tagebuch": ״k lese jetzt Nacht für Nacht in Theodor Hcrzls .Tagebüchcrr deren erster Band, 611 Seilen stark, jetzt im Jüdischen Verla: Berlin, erschienen ist. Ein beglückendes Buch, t; war es müde, geistreich zu sein und wollte einen Roma über die Judenfrage schreiben. Aber allmählich wurde sei: Thema starker als er, sein Werk sprengte die Form, er könnt nicht _länger auf weißes Papier dichten, er mußte in di׳ Wirklichkeit, in die Landkarte dichten. Den liebenswürdigste!:! in Ironie geschulten Geist überfiel ein ungeheurer Ernst: Der Gedanke des ,Judensiaalcs‘ entwurzelte seine bürget liehe Existenz, er begann sich seines Geistreichtums z schämen. Er Konzipierte das Reich Zions unter Tränen nachts1 an seinem Schreibtisch. Er wurde der Besessene seine Idee.... Man muß andächtig werden vo: Hcrzls Tagebüchern." — Von in Deutschland et scheinenden Zeitungen sei «och die Besprechung de: ״KönigsbcrgcrHartungschcnZcitung'• erwähnt. ״Dieses Werk ist grundsätzlich ,verschieden von den apologct;׳ sehen Memoiren, die wir jetzt in so großer Fülle lesen müssen Was Theodor Fierzl uns hier bietet — aus seinem Nachla' werden diese Tagebücher herausgegeben —, ist ja etwa ganz anderes. Hier ringt eine leidenschaftliche, vo: höchstem Idealismus erfüllte Seele tun einen ganz neue! 1 j: I ü Gedanken.“ ״Es ist nur der erste Band der Tagebücher, den wir heule anzeigen, aber mit höchster Spannung! erwartet man die folgenden, weil uns hier eine Person iichkeit, wie sie die Welt nicht oft hervor), bringt, in ihren unmittelbaren Aeußenmgen lebendig wird.'i Was die Besprechung von Hcrzls ״Tagebüchern“ in| Blättern außerhalb Deutschlands anlangt, so interessiert natut| gemäß die Steifung der ״Neuen Freien Presse", und deren Herausgeber in den Tagebüchern so vielfach Widmung finden, vor altem. Der langjährige verantwort« liehe Redakteur der ״Neuen Freien Presse“, Dr| Julian Sternberg, schreibt im Litcraturblatt der ״Neuer! Freien Presse" vom 15. Oktober in einem größeren Aufsatzfj ״Die Tagebiieher Theodor Hcrzls, von denen jetzt der erste'! Band vorliegt (Jüdischer Verlag, Berlin), bieten auch jenem! Genuß in ästhetischer und gedanklicher Hinsicht, der vermöge■! seiner politischen und nationalen Grundanschauuugen der Idee, des Judenstaates ablehnend und innerlich fremd gegenüber! steht. Dieses jakobglcichc Ringen mit den Widerständen! von innen und von außen, dieser Geusenstolz, der den gelbe״! Fleck des Mittelalters als sclbstjgewählten Orden an diel Brust heften will, diese im schönsten Sinne des Wortes! ritterliche Verachtung billigen Spottes und schnoddrige:fj Witzeleien, dieses kühne Bekenntnis zum Don QuichotetunJ nimmt auch den grundsätzlichen Gegner unwiderstehlich gef fangen . . . ." Man konnte gespannt sein, wie die ״Neu!{ Freie Presse" sich den Kapiteln gegenüber verhalten würde, in denen Herzl *eine Kämpfe mit ihren Herausgebern schildert{ Dr. Sternberg schreibt: ״Er (Herz!) sicht sich vor einer" Gewissens• und Daseinskonflikt gestellt, da die Herausgehk der ״Neuen Freien Presse“ ihn darüber keinen Augenblick im unklaren lassen, daß es für dieses Blatt in Ocsintuingsfragc־ kein Paktieren und kein Traiisigieren gebe. (U Gerade darüber) findet man — ohne erst zu Karl Kraus gelten zu müssen Interessante Bemerkungen bei Hcrzl. — A. d. R. d, ״J. R.‘ Sic kennzeichnen ihren Standpunkt dahin, daß für die ״Ncml Freie Presse" keine Judenfrage, sondern nur eine Menschenfrage existiere.“ Ein besonders großes Interesse scheinen die Tagcbüchf'J In Böhmen gefunden zu haben. Das ״Prager Tagblatt'{ brachte nicht nur dreimal größere und kleinere Partien aus{ dem Werke zum Abdruck, sondern hat den ersten Band * auch in drei umfangreichen Besprechungen gewürdigt. I״ff der ersten schreibt Herrntaiin Menkes: ״Er (Herz!) ist|| der Lassalle der Judenfrage, tragisch wie er in dem Schick•{;} sal seines Vorgängers.“ ״Er hielt seine großen und kleine״» Momente, seine Siege und Niederlagen als treuer, und sichfl selbst kaum schonender Chronist, wissentlich für die Nach•“ weit fest. Und über den Wert eines'großen Bekennt■; nisses erheben sieh diese Tagebücher zu einem packende״| Zeitbild voll von lebendig und scharf gezeichneten Gestalte״J und Figuren.“ Das ״Prager TngbHtt“ veröffentlichte außerdem noch ein Feuilleton über das Buch und schließlich noc! neuerdings eine Besprechung von Paul Wie gier. Von ausländischen Blättern hat vor a'Icm der ״Nieuwfl ■ Rotterdamach e Courant" in' drei großen Aufsä'zcn. 1 die in drei Nummern seines Litcralurblatlcs an Ici'cndcr Stellt{ erschienen, d»$ )Werk einer Würdigung unterzogen.! Ä I S §

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