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Jüdische Rundschau · 1923-01-09 · Heft 3 (9.1.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 3 (9.1.1923)
Date
1923-01-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr, 3 Bie Kampagne ißr Kes'ea IKIeJcoggiI . Die Keren llajcssod - Arbeit In Polen Die Februar-Aktion in Deutschland! Keren Haj< _ ■ssod-Zcntrale für Deutschland hit ,..c Orlsgnippcn aiifgcfordcrU in der Zeit vom CO. Januar bis 20. Februar 1023 eine allgemeine Aktion yur Neufestsetzung der Keren 1 l.ijessod-Zcichnungcn der deuts ehe 11 Zionisten zu veranstalten. Was uns Zionisten om stärksten verbindet! ist eine gemeinsame Pflicht. Wir haben es auf uns genommen, — leo turne was wolle — unser altes Land aufzubauen, unser Volk wieder herzustelkm, unserer Geschichte eine nesie Wendling ni gebe 11. Daß wir dies als ״unser Ziel“ über allen anderen Zielen erkannt oder ״erlebt“ haben, nicht das allein ist unser ,׳»«zeichnendes Merkmal, sondern daß jeder von uns sich selber sein heiligr.tcs Wbrt verpfändet hat, mit aller seiner Fähigkeit dafür ei nzu stehen, daß dies Ziel tatsächlich zustande kommt. ״Zionismus'1 ist uns mehr als bloße Angelegenheit unseres ״Willens“: sein Erfolg selbst bildet unsern point d’honneur, mit dem jeder von uns steht oder lallt: die Frage unserer Selbstachtung, die entscheidende I rage au unseren ״Charakter“. Wir Zionisten stellen ehe Pflicht-Gemeinschaft derer dar, die dafür bürgen, die cemrin- *am übernommene Aufgabe unter allen Umständen durch zu führen. Es bedarf keines Hinweises auf die ungeheuren Schwierigkcitcit, unter denen in Palästina gearbeitet wird; keines Hinweises auf die Schwierigkeiten, unter denen allein wir selber, wir deutschen Zionisten, amseren Teil der Mittel für diesen Aufbau zusaminenbriiigen können. Nur mit äußerster Müh- ׳Seligkeit ist es gelungen, das in der Karlsbader Jahreskonferenz festgesetzte Budget aufaibringc». Aber jedem von uns sollte cs tagtäglich vor der Seele sichen, daß das ganze Werk ohne Zweitel zusanunenbricht, wenn nicht er selbst, jeder einzelne, die ganze Last der Verantwortung fühlt und aus seiner Oesiiiuuug die letzten materiellen Konsequenzen tatsächlich zieht. Gewiß, wir haben in letzter Zeit Hilfe gefunden; weitere Kreise des Judentums setzen sich für den wirtschaftlichen Aufbau von Palästina ein; aber der Gedanke verbreitet sich nur allmählich, und — wäre er auch Allgemeingut der Judenheit, das würde uns Zionisten persönlich nicht im geringsten entlasten; es müßte im Gegenteil der stärkste Impuls für ams *ein, einer Verantwortung gerecht zu werden, die nach wie vor und zu jeder Zeit mehr auf iure als auf allen andern liegt. Jeder Fortschritt des Palusiinagetlaiikciis Ln den Kreisen der Nichlzicuisteu, wie sehr er auch der Erfolg unserer eigenen Arbdt ist, müßte uns Zionisten zugleich beschämen, daß wir nicht fähig sind, unsere Aulgabe uns eigenen Mitteln zu bewältigen. Und wir dürfen es eigentlich nur mit jener ״höheren Gewalt“ 7u entschuldigen versuchen, mit der katastrophalcu virtscli.afHieben Umwertung, die besonders Mittelcuropn geireffen hat Aber selbst dies enthebt uns nicht der ganzen Verantwortung. Die Aenderung unserer wirtschaftlichen Lage stellt neue und entsprechend größere Anforderungen an die Lc'.sliingskrait jedes Einzelnen, Als wir unsere Keren Hajessod-Aklion im Februar 1920 dnlcitcten, rechnete niemand damit, daß die Mark eine sj außerordentlich geringe Stabilität haben würde. Wir nahmen Fünf-Jahrcs-Zcichnungen auf, d. 11. Verpflichtungen, deren Abzahlungen sich auf fünf Jahre verteilen sollten, und hofften, die Arbeit dieser fünf Jahre auf die Einziehung der gezeichneten Beträge verwenden zu können. Jetzt sind wir in die Lage versetzt, jedes Jahr in eine neue Aktion eintreten zu müssen. Die Hölie, in der jene Zeichnungen abgegeben waren, hat jetzt (hren ursprünglichen Sinn völlig verloren. Ihr jeweiliger Wert entspricht nicht mehr der damaligen Absicht der Zeichnenden; un!l er entspricht auch in keiner Weise mehr dem jeweiligen Stande seines Einkommens. Um an der Hand des Dollarkurscs ein Beispiel nur für das letzte Jahr zu geben: Wenn jemand Mitte Januar 1022 auf Grund *eines Einkommens im Jahre 1921 3000 M. gezahlt hat, so wären dies, bei dem damaligen Dollarstaud von 180 soviel wie 16ג־״ Dollar. Wunde er im Januar 1923 ebenfaL's nur 3000 M. zalileu, so würde der Wert seiner Leistung, bei Zugrundelegung des Dollarstandcs von 8000, nur den vierzigsten Teil betragen* das wäre weniger als ein halber (genau */*) Dollar. An diesem Beispiel wird ohne weiteres Idar, daß alle unsere Arbeit zwecklos wüte, wenn wir cs bei den Ursprungliehen Zeichnungen belassen würden. Aber das wäre nicht mir ein Unrecht und eine Gewissenlosigkeit gegenüber unserer Pflicht; es wäre auch eine Ungerechtigkeit gegenüber unserem Können. Selten wir von der Dollarsteigenuig, die kcä ganz zutreffenden Maßslab liefert, ganz ab: Unser Ei kommen im Jahre 1022 war nicht dasselbe wie im Jahre 1921. Es hat sielt in allen Berufen um ein Vielfaches g steigert. Auf Grund dieser Ucbcrlcgungen, auf Grund der Steigerung der Einkommen, müssen die Zeichnungen für 1923 erhöht werden. Wenn unsere Gegner uns Vorhalten, daß die 17 000 Pfund, die der Zionislisdie Keren Hajessod bis zum 30. Septcmbei 1922 aufgebracht hat, 510 MilL M. gleichwertig seien, die den jüdischen Institutionen in Deutschland entzogen worden so ist dies (wie an anderer Steile bereits ausgeführt) eine tendenziöse Entstellung, da liier die Umrechnung der innerhalb anderthalb Jahren aufgebracht eil Gelder in böswilliger Absicht nach dem letzten, eben erreichten Dollarstaud vorgenommen wirtle. Sicher ist aber, daß wir diese Stimme — 510 MilL M. und mehr — jetzt aufbringen müßten, um unsere Leistung dieselbe Höhe, 17 000 Pfund, erreichen zu lassen. Alle diese Tatsachen müssen nun unseren Gesinnungs׳• genossen immer wieder vor Augen geführt werden. I Februar wird alle unsere Arbeit sieh auf die Aktion konzentrieren; Durch eine einhcitlidi durchtgeführte Anstrengung die Geldentwertung in den Grenzen dc-s Möglichen zu überwinden. Wenn wir Zionisten in Deutschland unsere Leistung für Ercz Israel der Kaufkraft der Mark anpassen, so tun wir damit nichts, was über unsere Kräfte geht. Wir werden damit nur das Minimum dessen erreicht haben, wozu wir, auf Grund Her wirtschaftlichen Lage eines jeden, imstande sind. Es ist das Sclbstvcrstiiudliclje,»das eigentlich gar keiner Diskussion mehr bedarf. Es ist die einfachste Leistung, die unsere Gesinnuiigsgcnossen in der IXAdt von uns zu erwarten berechtigt sind und die wir erfüllen müssen, wollen wir uns in ihrer Für den 19. und 20. Dezember war nach Warschau die erste Landeskonferenz der Vertreter der lokalen Keren Hajrsvod-Komitccs in Polen citibcrufen, zu der jedes Lokalkomiiee einen Delegierten zu entsenden hat. Jene Lokalkomitces, die nach «Visen, daß sie bis zum 9. Dezember mehr als 300 Keren Haje5sod־I)ekL!rationcn erzielt hallen, haben Anspruch auf zwei Delegierte. De Konferenz soll Gelegen* heit geben, der polnischen Judenheit den erden erschöpfe) ':her die zwvii.. Bericht über die' zweijährig! erstatten. Auf Grund Keren Hajeswd-Arbeit in IMIem r Mitteilung aus London׳, wonach der Präsident der ztionistisJicii Exekutive, Nahu 11 Sokoiow, gegen Ende Januar in Warschau eintrifft, wurde die Konferenz n;;•’ kurze Zeit verschoben. De bisher ditrdr,geführten Wallten bclwllcn ilire Gültigkeit; die weiteren Wahlen sind sofort vorzunehmen. Der genaue Termin der Konferenz wird noch niilguteilt werden. Im Verlage des polnischen Keren Hujessod ist soeben eine vc;n Keren 1 lajc.reod-lkkretär Dr. Morgenstern rangierte jüdische Broschüre erschienen. Das schön ausgestatlctc, 24 Seiten starke 1 leflchcn bringt unter dem Motto auf der Titelseile: ״Bringet den Maasscr ins Schatzamts“ (Malachi UI, 10) folgende Beiträge: Das Manifest des XII. Zionistenkougrosses, die Balfour-Dcklaration, die internationale Garantie (:i 95 des Frie.lcusvcrtragcs von Sävrcs), die Zustimmung1.- erklärung Amerikas (Kongreß- und Senats-Resolution), das CouuniiiutjUe des VOlkcruundci über die Mamlats-Katifizie• ruug, eine Schilderung des neuen Jiscliuw, ein Resumc der Leistungen tu Palästina wahrend der letzten vier Jahre seit dem 2. November 1917, das Palästina-Budget für das Jahr 5(v$3 und schließlich einen Bericht über das Arbeitssystem des K.H.J. in Polen und die Frauenaktion (Juwclcnlonds), denen wir folgende Einzelheiten entnehmen: Der K. I LJ. ist in Polen seit zwei Jahren tätig. In dieser Zeit wurden in mehr als 403 Städten t«1J Städtchen Lokalkomitecs gebildet,!Deklarationen für den K. li. J. haben ׳'egen •H)000 Zeichner abgegeben, die als Familienväter zirka )0 01)0 jüdische Seelen repräsentieren. Die Gesamtsumme der Zeichnungen beträgt 750 Millionen poln. Mark, wovon mehr als 400 Millionen bereits bar ei ״gegangen sind. Bei der Agiation wird stets betont, daß der K. 11. J. eine •.ständige Institution ist. Jeder Jude, der seine Steuer für den K. II. J. entrichten will, muß für die Dauer eines Jahres eine Dcklaunterfertigen. Nach vollständiger Abzahlung der Zcich• ״ hat eine neuerliche Deklaration 'zu erfolgen. Außer dem materiellen hat die e; System auch den moralischen Weit, daß eine lebhaft« Paläslinahcwcguug unter den Jüdin ״ schafiei» wird. Wenn es uns gelingt, in der ganzen Welt «ine Million K, 11, J. •Zeichner zu erzielen. so wird dies eine gewaltige Kraft dnr.delleii; das l'aliistuia.üudget ird dann auf sicherer Grundlage aufocr,teilt werden können, :er aueii für die äußere Welt wird dies von ungeheurer oralisehcr• Bedeutung sein; man wird sehen, daß nicht Einlue, sondern das gesamte jüdische Volk am Aufbau Paiästmas interessiert ist. Polen bildet jetzt das größte jü- 11 r 11 in der Welt. Wenn von den vier Millionen zwei Millionen, die Gegner Palästinas oder uribemittelt sind, unberücksichtigt blciuen, dann verbleiben noch immer zwei Millionen Juden resp. 4OO03J Familien, die verpflichtet sind, für den K. II. J. zu zeichnen. Die Tätigkeit Dr. Goldateins in Rumänien. Die mit Aukuast Dr. A. Goldsteins in Bukarest begonnene Arbeit für den großen Keren iiajessod-Drivc in Bu- ' ־cst ist in vollem Gange. Die Kampagne soll sidt vorerst Bukarest, wo große Möglichkeiten vorhanden sind, bcänken.!שיי ersten Wochen der Arbeit waren hauptsächlich Propaganda und Prcßk.ampagnc gewidmet. Alle tahreiidcu ungen Budapests, auch ehe nich.jüdischen, berichten ein- 'mist von der Taügkcit Dr. Galdsteins und des Keren cssod-Komilecs. Durch besondere Flugblätter, Bro.sc'.vhrcn ein Manifest wurden tausenJe Bukarest«' Juden erfaßt. W.ihrcnd der ersten zwei Woclren der Kampagne fanden zahlreiche Versammlungen statt, so als erste eine für die Bukarcsler prominenten Juden, die intellektuellen Führer der verschiedenen jüdischen lnsiitutioiicn und Vereine, die von über 1!)(D Personen besucht war und auf der .zahlreiche freiwillige Mitarbeiter für den Keren Ilajcssod gewonnen wurden, sodann ein Masscu-Mecting, besucht von über 2000׳ Personen, wie auch Konferenzen büiianitärcr Vereinigungen, jüdischer Studenten, ein von der jüdischen Fyaucnliga einberufenes rraueimicciing, Vcrsaminlunson der Ü’ne Brith-Loje und in den Synagogen usw.. Bei all diesen Gelegenheiten haben die Reden Dr. Goldsterns auf die zahlrcidien Zuhörer großen Eindruck gemacht. Außerdem wurden in Privatlüiuscrii kleinere Zirimlvcrsammhmgcii, an denen die einflußreichsten Juden der Stadt teilnahmcn, arrangiert, bei denen sog .eich atjdi Zeichnungen ciitgcgciigeuommcii wurden. Nach Abschluß aller Vorbereitungen setzte die allgemeine Sammclkampagnc am 23. November ein, die günstige Resultate erhoffen läßt Die zionistischen Führer Rumäniens widmen dieser Keren I Iajcssod-Kampagnc viel Zeit und Aufmerksamkeit, besonders die Herren Bernhardt iiik! Margulies. Das Gesamtergebnis der Aktion beträgt bisher 3>/a Millionen Lei (-5000 .־ Pfund) in bar. (Ziko.) * Jugoslawien. Die Keren Hajessod-Arheit in Jugoslawien wurde bekanntlich durch llcrni Julius Berger im Herbst 1921) organisiert und 1921 fortgesetzt, m welchem Jahre Jugoslawien von einer Anzahl von Vertretern der Keren flajcsjod-Xbteibnß■ für Zentr.ilcnropa besndit wurde. Nachdem in der ersten Hälfte 1922 die Arbeit wieder ins Stocken geraten war, bcschloß die genannte Abteilung die Enlscndimg des Vorsitzenden der Z. V. f, D. I!errn Felix R 0 s c n b 1 ü l h, nach Jugoslawien,um die dortige Keren Haj-e«0:1׳• Arbeit neu zu beleben. Herr Roscubtütl! besuchte Zagreb, sodann auch Esseg, Vukovar und Sera je wo, «סי er den Keren Hajessod-Apparat mit Erfolg organisierte. Die erreich tun Ergebnisse sind bei Berücksidit'igung der Schwierigkeiten, die sowohl ökonomisch als aueii!wlitisdi zu überwinden waren, recht beträchtlich. Daneben versuchte Herr Roscnbüith mich die Arbeit der zionistischen Jugendorganisationen zu kräftigen. In Zagreb wurde Herr Krisen hl iith von den Herren Spitzer, Dr. Singer und Dr. Lieht unterstützt und erzicUc eine Keilte beträchtlicher Zeichnungen von Zionisten und Nichtzionistcn. (Ziko.) Aus der palästinensischen Presse Das Jerusalemer Misrachi-Organ ״Hator“ bespricht die bevorstehenden Wahlen zum Legislative Couneil der palastincimchen Regierung und gibt die beachten*• werte Anregung, die Einführung des indirekten Wahlrechts dabei zu benutzen, um mit den Waiden zum Gesetzgebenden Rat die Waiden zur Assefath Ifaniwcltaritn zu verbinden. Die im ersten WHdgang gewählten Wahlmänncr, auf je 230 Widder einer, denen die Wahl des endgültigen Delo* gierten im Legislative Council obliegt, sollen in ihrer Gesamtheit die net« Assefath Ilauiivdtarini, das oberste Organ des Jiscliuw, bilden, auf die־» Wieke könnten die Waiden gleichzeitig eine Konsolidierung des palästinensischen Judentums nach innen bringen, da dum auch jene Kreise, die gegenwärtig der Assefath Haiiiwcharim terttgcbßcbcn sind, in den Organen des Jischmv vertreten seit! werden. Diese Versammlung konnte dann auch die Frage des Fraucnwahlrcchts lösen. An anderer Stelle beschäftigt sich ״Hator“ mit da׳ angekündigten Eröffnung der geistes Wissenschaftliehen Fakultät der Jerusalemer Universität. Das Blatt ist der Ansicht, daß der Zeitpunkt für die Durchführung dieses an sich sehr wichtigen 1*1.11103 schlecht gewählt sei, denn zu einer Zeit, wo die größte Krise im Lande herrsdit, wo insbesondere das Schulwesen immer nietir eingeschränkt wird und der Lchrerstreik dauernd auwnbrcdKm droht, könne man nicht an die Eröffnung einer Universität denken. Die Zio* nktisclic Organisation liat 2303 Pfund dafür bewilligt, während gleichzeitig die Landwirtsdiaff, die Einwandenmg, das Schulwesen und die öffentlichen Arbeiten cingesdiränkt werden. Durch Eröffnung der Universität wurden nur jugcndiidic Kräfte fmy.ltiklivcn Berufen entzogen und ein geistiges Proletariat gezüditet. Die liberale Tageszeitung ״Haare 7.“ (Jerusalem) führt in der letzten Zeit eine außerordentlich heftige Kampagne gegen die palästinensische Regierung. Beinaiie jeden Tag erscheint ein Artikel, der sich über die Zurücksetzung der Juden, über die Nichtbeachtung jüdischer Forderungen, über die Unsicherheit im Lande 1m׳l den Bürokratismus der Regicrung beschwert. (Das Blatt hat bekanntlich in der letzten Zeit auch eine ziemlicli oppositiorretle Haltung gegen die zionistische Exekutiv» eingenommen, insbesondere gegen die Londoner Exekutive.) ln einem der letzten Leitartikel er/ihlt Boruchow eine wirklich sehr krasse Geschichte aus der Praxis der Einwande• rungsbeliördcn. ln Cheilera starb der Besitzer eines Grundstücks von 33') D׳n׳en:, c׳n K >1 nuM, der 13״;c Zeit un Lando , lebte; seine Erben belin.lea sich im ukrainischen lli1n״ergebict und ersuchten um Einreisebewilligung, um ihr Erbe'antreten zu körnten. Es entspann sieh ein langer Brief- und Schrill- Wechsel, der damit endete, daß die EinWanderungsbehürde der Regierung dem zionistischen Einwanderungsbiiro mitteiltc, die Bcwilhgmng sei an den britischen Konsul in Riga abgcgangen. Nunmehr wirrrlcn die Erben verständigt und schlugen sich nach Riga durch. Kurze Zeit später aber kam ein Telegramin, worin gebeten wird, die Einreiseerlaubnis zu bej schleunigen. Eine Anfrage ergab, daß die Regierung wieder Bedenken geschöpft hat und zunächst die Krekvvrwaltung in Haifa beauftragt, zu untcrsudicn, ob die Anfragen mit dem Grundstück usw. ihre Richtigkeit haben. Es blieb also den Erben nichts anderes übrig, als ln die Hungergebiete der Ukraine zurückzukchren. In einem anderen Artikel wendet sich Glückson sehr scharf gegen die Maßregel der Regierung, die auf Betreiben des arabischen Kongresses in Haifa eine Kommission eingesetzt hat, um den Erwerb des Sumpfbodens bei Cäsare durch die Jea zu überprüfen. Glückson weist darauf hin, daß nach dem eindeutigen Wortlaut des Mandates die Regierung die Verpflichtung hat, die Ansiedlung von Juden zu begünstigen und Staalsliindcreicn dazu zur Verfügung zu stellen. Wem! nun schon der fruchtbare Dschiftlikbodai bei Bcih-Scliati im Vorjahre au die Fellachen übergeben wurde und jüdische Gescllscliaficn mit dem Sumpfboden verlieb nehmen, den sie kultivieren und urbar machen wollen, 90 sei es unverständlich, daß die Regierung auch diesem Bodenerwerb noch Schwierigkeiten mache, wenn auch bis jetzt nur eine Kommission eingesetzt ist, von der man allerdings nicht weiß, was sie beschließen wird und nach den bisherigen Erfahrungen pessimistisch sein muß. Weiter wirft im ״Haaraz" Dortichow der Regierung vor, daß sie Palästina ganz als asiatisches Kolonialland ver- ' walte, obwohl die jülisdic Bevölkerung, die eine betrachtliehe Minorität bildet und einen ״roßen Teil der Steuern zahlt, europäische Bedürfnisse hat. bie Bezahlung der Polizei, die Unsicherheit der Straßen, die mangelnde Aufsicht über den Lcbeiismiltelhandel, die Unzuverlässigkeit der Post usw. sind MJßstuude, die man vielleicht den ״Natives“, nicht aber Europäern zumuten darf. (Wozu diese Ueberhebung? Antn. d. Red. d. ״J. R“). 1Achtung ■erhalten. E. L. Unsere ZciiunjJ ist von jetzt ab in Berlin in den Balwhofsbuchh andhmgen, den Buch« hnndlungcn der Stadt-, Hoch- und Untergrundbahnen uni in alten Zeitungskiosken zu haben. Der lünzclprcis betragt gegenwärtig Dienstag[ 40 Mark, Freitag 60 Mark. Klc:ne Nacliriciiten Fine Anzahl aus Galizien stammender Zionisten in Tel- Awivv beschlossen, ein Stadtviertel zu gründen, das den Namen des verstorbenen galizischcn Zionistcnüihrers Adolf Stand tragen soll. Die palästinensische Regierung warnt in einer Bekanntmacht!׳;״ vor der Verbreitung unrichtiger Nachrichten über Raub und Ucberfällc. Zur Vermeidung falscher Meldungen werden die Redaktionen aufgelordert, jede der. artige Nachricht der zuständigen Polizeistelie zur Ueberprüfun״ vorzulcgen. Verbreitung falscher Nachrichten wird bestraft’. (Dr. Glückson protestiert (in ״Hanrez" gegen diese ״Präventiv- Zensur“,) Zu Chnnukkah kam Hermann Struck von Haifa nach Jerusalem, um an einer Sitzung des orthodoxen Sclmlkomitccs tellzunchincn. Die misracliistischen Vereine Jerusalems ver• nnstaiteten ihm zu Ehren einen Emphngsabend unter dem Vorsitz Prof. Picks. Die jemenitische Gemeinde in Jaffa wandte sich an den Obcrkommlssär mit der Bitte, die Einwanderung jernenitischer Juden zu erleichtern. Der Oberkommissär gat> die*• bezügliche Zusicherungen. Die Gemeinde, die zahlreiche Briefe von Einwaudcrungslustigcn ams dem lernen erhalten hat, beschloß, auch die Zionistische Organisation aufzufordern, sie möge sich der Sache an nehmen. Bei der Jahresversammlung da־ Friedensrichter in Haifa wurde berichtet, daß das Friedensgeridit im Jahr 5682 insgcaamt 179 Fälle behandelt hat. Der vor kurzem in Zam-osc verstorbene Dr. Isaak 0 e 1 i eb hat seinen Besitz, ein Haus, wertvolle medizinische Instrumente und seine Bibliothek, der hebräischen Universität in Jerusalem testamentarisch vermacht Die Erb- ' sauft wird auf ungefähr 2000 Pfund aesdützt,

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