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Jüdische Rundschau · 1922-12-29 · Heft 103-104 (29.12.1922) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 103-104 (29.12.1922)
Date
1922-12-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 103104 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 675 lief vertratr! sein muß. Um! daun wandte er sich an die Linke — wahrend die Milte am sclilcchtesten wegkam •— und sagte nueh ihr Mussnr, 1111*1 lobte ihr die Rabbonim und ihre Tradition, er, der als ein Dichter mg!eich ein Bejah er der Halacha, wenigstens ein Bejaitcr ihres Pmujpes der Gesetzlichkeit ist, der ihre Notwendigkeit und Uelx:!־Wertigkeit der dichtenden Aggada gt״: 'nulter und darüber hinaus die unlesbare Zwei-Einheit beider Lebensinächte tief erkannt hat S 9 hat er gestraft und gelobt au( diesem Kongreß: gleichsam d i s gotul: jedem das f remde rmlie gebraclit, das Eigene zweiielliaft gemacht, die alleinige Kunst geübt, die echte Einheit bereiten kann. Auch hier versöhnten sich Halacha und Aggada unter seinen Münden. Jeder echte Glückwunsch schließt ein Versprechen und eine Bitte in sich. Wen« wir heut zeigen konnten., wie dciitschjüdisclic Jugend cüunal einen Zipfel des Bialikschcu Purpurs zu fassen bekam und merkte, daß ex echt war, so wird man die Wiirme des Glückwunsches und der Freude auch ohne Unmittelbarkeiten spüren. Versprechen und Bitte alter müssen zum Schluß doch ausgesagt sein: wir wollen dem Dichter, der uns eins der lebenden Symbole unseres lebendigen Volkes ist, wieder Lernende sein. Und er? Er möge wieder einer unserer Lehrer sein 1 Ernst Simon. Bialik Wie ein Siegel haben wir *lm in unser Here gedrückt — wozu sollten wir eine Wand von Worten zwischen ihm und uns aufrichtei»? Wollen wir ihn also nicht preisen zu bestimmter Stunde, wollen wir also nicht seine Größe nach Jahren und Jubeljahren messen. Gestern und heute, morgen und übermorgen, wenn die Jubeljahre sich voll ernten und in ihrer Runde, ist er uns festliche Feier, Dankfeicr für Freude mul Leid, für kerbe Züchtigung und Trost Bialik — bedarf es denn noch einer Definition? MuOman diese Ganzheit dam in dichterische Perioden zertrümmern? Er trägt unser Leid. Aus dem Dunkel unseres Lebens ist er uns erstanden, auf seinem Haupt die heimliche Krone, verziert mit Kristallen vom Urworton, die Kraft und Licht ausströmen. Jedes einzelne sicbcnfarbig sprühend in Pracht, jedes einzelne sicbcnfarbig blitzend in Zorn. Freude und Leid, Trauer und Trost, zuweilen das eine beherrschend, zuweilen das andere —• so ist das Volk und sein Leben, so ist der Dichter und sein Lied . . . » t Einen ״kleinen Brief" hat er uns geschrieben. Damals, *och zu Beginn der ersten Hälfte des Jubiläumringes: ״aus *lern Ga’.uth an meinen Bruder in Zion". Keine Gabe machtvollen Sanges, aber die Inbrunst einer Seele voll sehnsüchtiger Weihe und einen aufrichtcnden Gruß an den jüdischem Arüeilenden ״auf dem wogenden Saatfeldern, dein Erbsitz der Vater". Die fruchtbare» Qualen des Prometheus, das Rütteln an den Ketten und de« Schrei nach Freiheit aus dem Seimen einer IcidcrfüUten und schmcrzgcwolnrtcn Sc eie heraus, begleitet liier eine Zukimftshoffuung voller Glauben und eine Freiheitsvision, reich am Gesichten. ״Vom Duft des Feldes wird das arme Volk aufblühcm" ~ das ist das Lied des jüdischen Pioniers in seinem schweren Kampf und scuiein leidvollcn Ringen um die Arbeitspositioneil ttn Lande. Das ist sein Lebensmotto und das ist auch seine Hoffnung auf den Preis der Mühe, selbst in den heiligen Augenblicken, wo er durch die Hingalw von Leib und Lehen der Freiheit eine Gasse bahnt. Diejenigen, die schon ״die Stimmen des Gottes, die Aufstieg riefen“ gehört haben, diejenigen, die schon die erste Furche gepflügt haben und pflügen, laben sich an dem großen Trostwort Bialiks, das ihre Hand stärkt auch in den Stunden der Schwäche, die zuweilen das schöpferische Werk zu unterbrechen drohe.11, dem sie sich gelobt haben. Und gestern und heute, wenn das Jubeljahr sich vollendet und nach der Vollendung, bringt der jüdische Arbeiter seinem t Dichter den OrtiQ dar. Und In den schweren Leiden de» Aufbaus hegen die fernem und nahen Gefährten einen innigen Wunsch: Bialik der huigcbtmgsvollen und Schaffen verheißenden Arbeit nahe zu sehen. Jaffa, z. Z. Berlin. J. Laufban. Bfnfik in Ungarn Von Dr. Josef Pa Ui (Budapest).; Es war im September 1914, einige Wochen nach Ausbruch des großen Welt Wahnsinn es. Da erhielt ich ein Telegramm von der Zionistischen Organisation aus Wien: ״Bialik *:in* trifft morgen früh fünf Uhr Budapest Oatbalinliol warten.״ — Die militärische Zensur wußte wahrscheinlich nicht, wer Blallk sd, sonst hatte sie das Telegramm unbedingt konfisziert. War doch Bialik russischer Staatsbürger, und die Feindseligkciten zwischen Rullland und Oesterreich-Ungarn waren bereifs seit Monatsfrist im Gange. Ich erwartete Bialik am Bahnhof, der das traurige Bild eines großen Kriegs!,agers gab. L»er Zug kam mit stundenlanger Verspätung; an, und aus den überladenen Waggons rollte eine verworrene und «ervöse Menge hervor, die Bialik ganz verschlungen zu haben schien, [eh fürchtete das schlimmste: Bialik war vielleicht unterwegs verhaftet und fest״clmltcn worden, was doch dem ״Feind" gegenüber ganz natürlich gewesen wäret Ich schrie verzweifelt ״Bialik! Bialik 1׳• Vergebens. Eine Stunde dauerte es, bis ich endlich den tcuern Gast in einer versteckten Ecke des Bahnhofes entdecken konnte. Düstern Oemüts stand er mit seiner Frau da. Er war aus dem böhmischen Kurort nach Wien geflüchtet, wo cs seinen Verehrern gelungen war, den Dichter von den Qualen der Internierung zu retten. Btalik wollte über Budapest nach dem neutralen Rumänien, um von da aus nach Odessa zu gelangen. In Oesterreich war ihm die Ausreise bewilligt worden, doch auf ungarischem Gebiet war er der Gefahr ausgesetzt, als Militärpflichtiger verordnungsgemäß interniert zu werden. Das war die Ursache seiner Unruhe. Der Zug nach Rumänien ging erst gegen Abend ab, und wir verbrachten den ganzen Tag aut einer Droschke hin und 11er fahrend, um jeder Aufmerksamkeit zu entgehen. Die ״Sehenswürdigkeiten“ von Budapest konnten Bialik in diesem aufgerüt leiten Secicnzustande kaum interessieren. Die Zeitungen der Zentralmächte krachten tenden/iosc Berichte aus Rußland: ״Odessa Raub der Flammen!“ ״Die ganze Stadt von Revolutfonären ci n gca sc he r U“ Blalil; dachte an Hab und Out in seiner Heimatstadt, an die teuren Schätze der hebräischen Kultur, die er zu Hause gelassen; auch der Anblick der Vorbereitungen zur großen Weitmetzclei fesselte seine Gedanken. Die Straßenzüge von Budapest \vimmcltcn von Soldatenzügen, die. mit blumengeschmücktem Gewehr unter Jubel und Gesang sich auf den Marsch machten. Bialik wendete sicli mit prophetischem Blick mir zu: — Und all dieses heidnische Getöse und Gctßmme! muß doch das heilige jüdische Gebot übertönen: Lo tlrzachl Du sollst nicht morden! Bevor Bialik den nach Rumänien führenden Zug bestieg, besprachen wir, er werde,׳ sobald er auf rumänischem Boden גnlangc, eine offene Karte an mich aufgeben mit den Worten: ״Gruß von Bialik“. Nicht mehr, damit cs nicht von der Zensur aufprehalten werde. Acht Wochen wußte ich nicht, ob Bialik die Grenze erreicht hat. Seine Karte hat die Zensur wahrscheinlich eben des auffallend kurzen Textes wegen ״verdächtig" gefunden und acht Wochen zurück• gehalten. Dann verflossen die vier schreckliche!» Jahre, und 1 ( st nachdem Odessa von den k. u. k. Truppen besetzt worden, im Frühjahr 1918, sandte mir Bialik durch einen hcimkchrcndcn ungarischen Soldaten sein ״Knesseth", welches, die vielen falschen Nachrichten von aer Ermordung des Dichters widerlegend, unendliche Freude in den Kreis der ungarländischcn Freunde der hebräischen Literatur ge• bracht bat. Bialiks Poesie ist in Ungarn während' der Kriegs• jahre überaus populär geworden. Aus meiner Anthologie, die eine Auswalit der hebräischen Dichtungen von Kalir bis auf die Jüngsten in ungarischer Uebersetzung gibt, kam den Herzen des ungarLsch lesenden Publikums liiallk am nächsten, Sein ״El hacipor" wurde magyarisch ebensoviel deklamiert wie in allen anderen europäischen Sprachen. Was aber eigentümlicher scheinen wird, nirgends in der Weit wird der ״Hamathmid“ »0 oft vorgetragen wie in Ungarn, wo zum Teil das Milieu der alten Jeschiwah noch nicht verschwunden ist und da» Gedieht daher auf mehr Verständnis stößt als im Westen. Der ״Hamathmid“ hat sich als ständiges ״Konzertstück1* eingebürgert» wird als lytlsch-cpUches Gedicht Und als Melodrama mit Musikbcglcitung altjfldischcr Motive von den bedeutendsten und vornehmsten ungarischen Schauspielern vorgetragen und im ganzen Lande mit fast religiöser Andacht angehört. Der berühmte Rezitator Arthur Fehdr zählt den ״Hamathmid“ zu seinen größten Erfolgen. Der ת «©antisemitische Kurs hat das Ansehen Bialiks noch gesteigert In der tief verletzten Seele des ungarischen Judentums fanden die erhabenen Strophen der ..Lieder des Zornes“ starken Widerhall, und viele schöpften Trost und Erhebung aus dem echt Jüdischen Oeiste Bialikscher Poesie, deren Einfluß auch auf die neue Generation de» ungarisch-jüdischen Dichter nicht za verkennen ist. Da* ungarische Judentum, .,der verdorrte Zweig Israels", hat unter den» belebenden Hauch der Poesie Bialiks so manche frische Blüten und Früchte gezeitigt. Eine litcrarhclie JubiläumsgrOndung Anläßlidi des 50. Geburtstages von Bialik versammeltcn sich in der Vorwoche die in Berlin anwesenden hebräischen und jüdischen Schriftsteller sowie eine Anzahl von Persönlichkeiten des nationalen und des dcutselten Judentums, um über eine würdige Feier des Dichterjubiiäums zu beraten. Da Bialik kein Freund lauter Feste ist, wird beabsichtigt, abgesehen von einzelnen kleineren Feiern, den Anlaß zu einer großen literar Ischen Gründung zu benützen. Es wurde zunächst ein vorbereitendes engeres Komitee gewählt, das die Aufgabe hat, mit den hierfür in Frage kommenden Faktoren in Verbindung zu treten und durch Heran- Ziehung bzw. Einladung einer Reihe von Persönlich« kciten ein Festkomitee zu bilden*, das keinen lokalen Charakter haben, sondern die geistigen Führer des Judentiuns der ganzen Welt umfassen soll. Dieses Komitee wird sielt dann mit einem Aufruf an die Ocffeiitlichkeit wenden, um ihr das zu Ehren Bialiks geplante literarische Projekt zu unterbreite«. Es wurde ferner angeregt, das ganze Jahr als Bialik-J ubcljahr zu proklamieren und durch besonders intensive Arbeit für literarische Institutionen zu begehen. Die jüdischen Hörerschaften Berlins haben ein gemeinsames Glückwunschtelegramm an den Dichter nach Homburg a. H. abgesandt. Die jüdische Gemeinde lehnt ab! Da» Festkomitee hat sich auch an den Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlin gewandt mit der Aufforderung, das Glückwunschtelegramm mit zu unterschreiben, /)er Vorstand der Gemeinde hat dies abgelch nt Welche Oründe für diese Ablehnung vsiriiegcn, ist nicht erfindlich. Wahrsch eint ich die beispiellose Ignoranz der Vorsteher, die 'volü bei dieser Gelegenheit rum ersten Male den Namen Bialik hörten. Di« Gemeinde ist übrigens ihrem traditionellen Ver» halten gegenüber den geistigen Führern des Judentums treu geblieben, seit den Tagen, wo sie Zunz in Berlin hungern ließ, bis zu dem verweigerte!» Ehrengrab für Dawid F lisdimann. Der jüdische Dichter, der ■— selbst, wenn man sich als ganz außenstehend betrachtet und selbst gar kein Verhältnis zum Hebräischen hat, müßte man das würdigen — hebrlisdvc Kunst zu internationaler Ocltung erhoben hat, der für den Nob c 1 •P r cl * vorgcschlagcn w׳ar, wird von der jüdischen Gemeinde Berlin eines Grußes für unwürdig gehalten. Ahnen die Herren überhaupt, wie lächerlich sie ssdh genta dit haben, wie sic die Gemeinde blamiert haben?1 Dem Ruhme Bialiks wird dieser Zwischenfall keinen Eintrag tun, wohl aber dem Ansehen der Berliner Gemeinde. Die Sitzung des A. C. Die Exekutive gibt bekannt, daß die Sitzung des Actioiis-Comitcs am 14. und 15. Januar in Berlin stattfindet. Dr. Weizmann wird nach seiner Rückkehr aus Palästina an der Sitzung icilnchmcn. 6rcz-X9racl Die Regierungsanleihe jerusalem (J. C. B.). Die Regierung von Palästina hat bereits alle notwendigen Vorbcneitungsmaßnahmen getroffen, um die unverzügliche Realisierung der ersten Reg׳e- , ningsanlcihc in Palästina in der Höhe von 2y> Millionen Pfund zu sichen», Die Anleihe soll in London realisiert werden. Aus der genannten Anleiliesummc sollen 50000 Pfund als Anleihe an die Regierung von Transjordanlcr, weitcrgcgclicn, 300Oüü Pfund sollen z!»n Ankauf der Eisenbahn Jaffa — Jerusalem von der französischen Eiscubahngcscllschaft verwandt werden, Die restliche Summe soll zur Ausführung öffentlicher Arbeiten in Palä- *tina Verwendung finden. Ein arabisches Bankett zu Ehren Dr. Wdimann« Jerusalem (J. C. 0.). Der Präsident der ״Musclma- «isciicn nationalen Vereinigung", Sch u kri Hassan, gab . h* Haifa zu Ehren des Präsidenten der zionistischen Welt- Organisation Dr. Ch. Wcmimmt ein Bankett, zu welchem eine Anzahl jüdischer und arabischer Persönlichkeiten erschienen warm. Das Tüchferchen des arabischen Fülircrs überreichte Wekmarm erneu Blumenstrauß und hieß ihn in hebräischer Sprache herzlich willkommen. Schuten Hassan und Dr, Wclzman« betonten In ihren •Ansprachen die Notwendigkeit der jüdisch-arabischen Freundst'iaft und der Zusammenarbeit beider Völker am Aufbau Palästinas. Eine Reihe von Organisationen, die die arabische Bcv&lkc- ״”S vertreten hatten, hatten rm Begrüßung Dr. Weizmanns Ab- Meinungen entsandt . Ein Trinkspruch Ach ad Iljami Jerusalem (J. C. B.). Auf dem Bankett, da* aus Anlaß des Besuches Dr. Weizmanns ln Tel Awiw dem Oast zu Ehre!! gegeben wurde, ergriff auch Achad Haan! das Wort, und indem er nach einem Rückblick . auf die Vergangenheit zu den Fragen der Gegenwart führte er aus: ״Zu jenen Zeiten glaubten die Leute, heute oder morgen werde der Messias komme!» Ich aber gehörte zu denen, die sagten, das Gras würde auf unscron Gräbern wachsen, bevor der Messias kommen würde. Auch Dr. Weltmann gehörte zu denen, die *nicht immer auf die Erlösung von morgen warteten. Wir hofften, daß das Ergebnis unserer Arbeit ein« das ganze Volk umfassende mcssianfsche Bewegung auslösen wird. Jetzt, 1 wo die Lage unseres Volkes schlimmer ist als je, sehen wir, daß die Herzen nicht immer mit uns und die Taschen leer sind. Dr. Weizmann ist nicht zu uns gekommen, als Gründer der ,demokratisclicn Fraktion‘, sondern als der Präsident der Zionistischen Weltorganisation. Er braucht Gelder, er hoffte, | Herzen zu finden. Ob er die Herzen gefunden hat, mögen | Sic allein beurteilen, Ich glaube, er hat sie nicht gefunden, Nun geht er demnächst «ach Amerika, Ich hofle, er wird : dort die 8»ütigc Geld summe lrckomrncn. Vielleicht, wenn er daun zu uns zu rück kommt, wird er mit Hilfe der Gelder auch die Herzen finden.“ Zum Tode Ben Jehndas Jerusalem (J. C. B.). Ben Jchw'as Tod erfolgte am Freitag, den 15. Dezember, 12 Uhr früh, nach einem plötzlichen Anfall seines alten Lungenleldcns. Ai» sich der Anfall ereignete, arbeitete er gerade an seinem hebräischen Lexikon und war eben mit der Analyse des Wortes ״Re fesch" beschäftigt, AraVsche Bewegung Jerusalem (J.C.B.). Arabische Kreise, die der Christlich-niohamnicdaiiiscnen Vereinigung nahe stellen, *Ind dahin informiert worden, daß die arabische Delegation ׳au» Palästina, die sich gegenwärtig in Lausanne aufiiä't, »eh dem• nächst nach London begeben wird, Ein prinzipielles Wort zur Erziehungsfrage Das Bild, das die zionistische Jugendbewegung In Deutschland seit ihrem Bestehen bietet, ist das völliger geistiger (nicht organisatorischer) Anarchie. _ Es fehlt uns fede klare Zielsetzung für die innere Entwicklung. Wahltos und 011 ne, daß man sich des dauernden Wechsels auch nur bewußt wird, schwanken wir von einer_ Losung zur anderen. Vom Mißverstehen der Oedankengänge Bubers kommt man zur radikalen Ablehnung alles Religiösen, von blinder Ostjudenvergötte rung zur bewußten und aussclilicß• liehen Bejahung deutschen Kulturgutes. Dem sorullstischen Ideal folgt die Forderung: Palästina unter allen Umständen, auch kapitalistisch, aufm bauen. Dieser dauernde Wechsel zwischen entgegengesetzten Losungen Ist nur aus einem zu erklären: es fehlte der Inneren Entwicklung der objektive Mafistab, der allein sow־ohl Stetigkeit garantiert hätte, als auch aus einem richtig verstandenen Zionismus hätte folgen müssen: Erkenntnis von Wesen und Eigenart des jüdischen Volkes. Der eigenartige Vorgang, daß eine Jugend, die die natio* nale Erneuerung auf Ihre Fahne geschrieben hat, sich in Wirklichkeit um die Forderung der Nation nicht kümmert, ist zwar psychologisch verständlich, aber deshalb nicht weniger verhängnisvoll. Für uns junge Menschen, die zum größten Teil aus einem den Judentum völlig entfremdeten Milieu kamen, bestand (wie für einen großen Teil der dcutsehen lugend, vor allein der Nachkriegszeit) der starke Drang nach Befreiung ״aus unserer Gesellschaft“. Da man den Anschluß an die nichtjüdische Jugendbewegung nicht fand, ergriff man den zionistischen Gedanken, der Befreiung aus dem gesellschaftlichen Milieu und ein eigengesetzliches Leben, in Palästina versprach, mit Hingabe und Begeisterung. Der Zionismus war Ausdruck einer negativen Loslösungstendcnz von Familie und Schule. Palästina das Land, wo diese Los• lösung sich am besten bewerkstelligen lasse, aber zum Jüdisehen Volk als einer in allen Farben konkreten Leben* schiliernden Realität war keine Beziehung gewonnen, außer der im Grunde gleichgültigen, daß man zur ideologischen Begründung der Palasilnatorderung die zionistische nationale Ideologie übernahm. Diese Ideologie bildete in der T*t nie den Inhalt, den man vor der deutschen ״Inhaltslosen‘״ Jugendbewegting vorauszuhaben glaubte. Sie war nicht mehr als eine ״UcberschriU“. Diese negative Loslösungstendenz war paychologisclier Antrieb zur nationalen Einstellung und ist «o zu bewerten, wie jede psychologische Verursachung eine* zu beiahendea Erfolges, wu aber verhfingnkvoU werde* f

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