Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 103-104 (29.12.1922)
- Date
- 1922-12-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 103/104 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 07t Fragmente Von S. Kn w i d o w 11 s clt. AI* Jo.cf Clinjm 1)re•111 er In den von ihm ״JMiwim“ etwa» über Bialik sagen wollte, geriet er direkt in Verzweiflung. Er wollte etwas Neues sagen, etwas Starkes, — das ist ihm gerade hier sehr schwer geworden. Wer nur einmal rkhtig Bialik erlebt hat, und zwar aus sich hcra!:s, für den ist cs wirklich schwierig, öffentlich über Bialik a! sprechen. Vkliciciit geht es gerade 90 oder ungefähr so auch mit ׳anderen ähnlichen Erscheinungen, ich sjwcdic hier aber \\>n Ihalik. Wer wird denn seine erste Liebe ' %־> ohne weiteres öffentlich in alle Wett hinaus vasauiicn? Wer will denn seine tiefsten Qclieiimiisse verraten? Abgesehen davon — kann man denn diesem Koloß leicht gerecht werden? Besonders sciiwicrig ist es, über .Bialik nicht Ln der Sprache Bialiks zu sprechen; es ist, als wenn man ein Opfer außerhalb des Tempels bringen wollte . , , Und doch soll bei dem außerordentlichen Fest, da* in ganz Israel anläßlich des SOjiilirigon Jubiläums Chajim Nachman Bialiks geleiert wird, bei dem stillen, bescheidenen Fest, das ein jeder junge Jude an diesem Tage in seinem tiefsten luncrii feiert, ein kleiner ■Versuch gemacht werden, etwas Weniges, wenn auch Fragmentarisches, über den Jubilar zu sagen, I. Ich würde am liebsten Bialik selbst erzählen lassen, was die hebräische (oder jüdische) Poesie vor ihm war. Wer ist mehr als er dazu berufen? In seiner stoffreichen und sprachlich wundervollen Abhandlung über die junge, (d. h. uie jüngere, von ihm ins Leben gerufene, bewirkte) Poesie "1//*נ!ירחנו הצעירה finden wir Rückblick und Ausblick auf die Dichtung de; Juden und unter den Juden seit der spanischen Blütezeit des Mittelalters bis in unsere Tage hinein. Genri und Persönlichkeiten der alten und neuen Zeit werden kurz gestreift, von Jehudah Halcvy bis Salman Sduveur und weiter. In der Diaspora hat Sen die Juden bis auf die men; Zeit überhaupt keine profane Poesie, abgesehen, vom kleinen Versuchen da und dort. Die religiöse, nationalreligiöse oder religiös-nationale habe immer großen Erfolg gehabt. Auch der ״llasfcala“ sei es nicht ganz gelungen, eine profane Poesie ins Leben zu rufen. Mit Mendele und seiner Schule samt ihren Zeitgenossen entstehe die ״moderne“ Dichtung, die aus der Mcmsdiemfccle quillt und zum Menschen hinstrebt Die ״traditionelle“ fAaesae der Neuzeit sei noch nicht ganz, selbständig, denn sic stehe im Dienste des Nationalismus, des nationalen Ideals, so wie früher das religiöse Moment der Leitstern der Dacsie war. In der allerjüngsten Zeit sei der Entn.ationrdisicmngsprozcil in der jungen Dichtung besonders zu bemessen (Tschcruiciiowski, Sclineur und andere). Wir seien Zeugen der Entstehung einer allzu profanen Poesie, die Apollo näher stelle al» Jahwe, in O riechen tum eher eimniinde als ir» Pharisäertum; eine Poesie, die die Sterne im blauen Himmel mehr als den Dagesch Und das Scliewa der Grammatik berücksichtigt, die sucht keinen Stoff, die fragt nicht• ״worüber soll ich schreiben". Sic ist das ewige Sprudeln, die stete Bewegung — sie ist Poesie. Soweit — liialik. Wo gehört Bialik selbst ii» die von 21m skizzierte Oe- *duckte der jüdischen Dichtung hinein? Diese Frage bedarf keiner Antwort. Wenn diese ״cntnationalisäerte“ echte Poesie, Poesie um ihretwillen selbst bei uns möglich geworden ist, wenn man über Natur und Liebe im Hebräischen dichten konnte — dann ist cs bloß Bialiks Erlösungstat zu verdanken, Erlösung und Aufriditung des ei (!geschlummerten Herzens des ■jüdischen Menschen, Erlösung und Belebung der veralteten ur,J criniidetcn Spradie. Bialik war und ist der ft aha er des neuen Lebensweges des jiidisdien Menschen, der Dalmer als Schöpfer und Autizipntor. Diese Frage bedarf keiner Antwort Das muß aber noch betont werden: jiklisdie Diclrtirig ist aidit ein gcwöhn.idicr Lilcraturzweig; wenn wir vom Bl Wien *Mid Vergehen des jüdisdic» Dichtens sprechen — so verstehen wir darunter das jüdische Leben, das jüdische Kämpfen und Ringen, das jüdische Sein und Werden. Wer das Dediftii bei uns wieder heimisch gemacht hat, wer die Harfe der verbannten biblischen Juden von den Wcideiibäiimcn an den Bächen Babels wcfjgcriswn hat und ihre Töne mit aller Macht und Wucht in alle Welt hinaustönen ließ, wer die jiulisclie Dichtung erneuert hat, Erzieher einer Generation wurde, die dein Volke Schöpfungen großen Stils geliefert hat und liefern wird, — Schöpfungen, die bei!naiidien europäischen Völkern bahnbrechend wären ־- wer das alles vollbracht fiat, ist, nicht bloß ein genialer Diditer, ein Poet ״von Gottes Gnaden'1, ein Sprachemeucrer, ein LJtcraturnicivsch, «HHlern ein Lebensschöpfer, Schöpfer ein« Volkes und seiner selbst, Sdiöpfcr einer Kultur, ein Mensch der ex niliib den großer Anfang gc9d!affcn bat, der für alle Zeiten Symbol Ist. Gerade jetzt, wo Bialik schon etwas kanonisiert und ״klasslzicrl“ wurde, muß daran erinnert werden, daß Bialik ~־־ Revolutionär ״von Gottes Gnaden“ war, einer derjenigen Revolutionäre, bei denen das Pathos des Neuen *0 groß und überwältigend׳ ist, daß sic scheinbar kaum mit dem Umsturz des Alten sich befassen. Für diese existiert das Alte fast recht, sic stürmen nicht zertrümmerte Tempel ״nd schlagen keine Bresche in morsche Gebäude; sic sind berauscht bloß vom Neuen, vom Schaffen; mit den» Alten pnz vertraut, schauen sie immer nur vorwärts, wohin ihr Lebensstern sic ruft. Bialik ist ein Revolutionär dieses Stils. Er kam recht mit ״Shtrm und Drang“ — er war der ftöttlidic Sturm, bei dessen Erscheinen alles Alte und Morsche, widert tarn! sunfähige zusammcnbrach. Er kam nicht mit der P^ole ״Umwertung aller Werte" — die Umwertung aller Werte war In ihm, war er selbst, Nicht bloß das, nicht Umwertung, sondern Wertung. Er selbst — der höchste Wert in der Rangordnung der Werte des jüdischen Werdens der letzten 50 Jahre, Bialiks Leben bis heute. Keine Sirgesfrcutle, kein Trcwupcteublasen, Paukensehlagen, Keine hysterischen Ausbruche.• — Er kam׳, sn 11 und siegte, Es siegte Bialik der Revolutionär, Bialik das Sym• n5« der Kla ssi ker — verlor seine ״rcvolirtlort *^raB und seine Syrmbolliaftigkeit nicht. If. ** B t a I i k ist der beste Biograph und Kritiker Bialiks. fc. **״ Dichter, einer, der etwas von Bialik in sieh b. durfte daran herantrctci», das Bialikschc Ringen und pici» vorzuführen, damit mast endlich sicht, was Bialik Ist DER DICHTER UND DIE NATION BIALIK ZU EHREN Gesunde״, gesicherten Völkern ist der große Dichter eine Freude, eine Erhebung, ein Stolz. Einem kranken, gefährdeten Volke ist er mehr: Bestätigung des Lebens und Zuspruch gegen den Tod. Wenn das kranke Volk um seine Sprache<und das heißt: um seine V i talität) bangt, wer gibt ihm dieGewiß* heit, daß sic blutkräflig geblieben ist? Kein Sprechklub und keine Zeitung/׳ wohl aber das Kind und der Diditer, Und der Diditer mehr noch als das Kind: weil er nicht Fortdauer allein, sondern neues Wadis tum .erweist. Der große Dichter ist in aller Wahrheit die Blüte der Sprache: darin sie das Werk ihrer Frucht•׳ barkeit vollzieht. Das ist nidit mehr Aktion, nidit mehr Zwecksetzung, nur noch das untrügliche Sprießen; Ohne dessen bestätigenden, zuspredicndcn Anblidc würde alle Aktion bald erlahmen. So bezeugt und bestärkt der Dichter die Kraft, Aber die Richtung der Kraft? Ein Volk ist noch nicht zum wirkfiehen Lehen genesen, wenn seine Kraft sidi erneuert hat; cs kann sie wie ein Toller vertun und nun erst in das eigentliche Verderben sinken, cs kann sie wie ein Engherziger ausnützen und nun wesenlos hindauern! zum wirklichen Leben den Weg findet es nur, wenn cs eben seinen Weg findet: auf neuer Straße seinen Weg wiederfindet. Hilft ihm auch dazu der Diditer? Er kann dazu helfen. Durch programmatischen Anruf Raum. Aber durch die Redlichkeit seines Worts. Seines prüfenden, strafenden, sichtenden, läuternden Worts. Aber nidit dieses allein. Auch des ganz stillen, unpathetischen, ganz ״lyrischen" Worts: durdi die Redlichkeit, mit der es gesprochen wird.: Durdi die Redlichkeit seiner Ausdrudeswahl, durch eile Redlidikeit seiner Lippenbewegung hilft der große Diditer, der vorbildliche, zur Richtung und zum Weg. Und dieser —nur der Bote, der seinem Auftrag treu bleibt — ist der große Dichter. MARTIN BUBER. Was für eine wunderbare Datslcllimg wäre dies! Dann erst luitlet» wir einen Einblick in das Werden und Sein einer der mächtigste» Gestalter jüdischen Seelenlebens bekommen. Da dieser Kolossal-Interprct noch nidit da ist, müssen wir bei Kalik selber Bialik lernen. U!wt vielleicht um so besser. N״! di etwa 18 hhrcit leid- und freudvollen Leben* (man darf die Kindheit Uialik* nicht in allzu schwarzen Farben Schilder:»; wenn sie auch äußerlich *dir traurig war — 80 hat doch das Kind, später der Ji'mgli 11g, wunderbare Geschichten | erlebt, freudige, spannende Eindrücke / aufgenomnwn, (räche ״Safiach“ und seine Fortsetzungen) — stellt Bialik auf seinem I Fenster einen Vogel sitzen. Das bedeutete ihm Frühling, j Der Vogel war aus fernen Ländern zurückgekomnien, aus I dem Morgenlande, wo es keinen Winter, keine Kälte, keine j Winde, kein VerblüJicn, kein Verwelken gibt. Der junge; Bialik, der alles in sich und dirreli sich sdiaut, der seinen < Lebcnsgolt sucht, nach dem Himmel blickt und staunt, warum י die Träume noch keine Wirklichkeit geworden sind, die : schönen Träume der Kindheit in Fody und Seliitoinir auf j der Wiese und am Flusse, die Träume des Kindheitswaklcs,,{ die Traume des heraivwachocnden Jünglings am den! Betj Hamklrasch zu Schitomir, des Mannes aus d״.r Jeschiwa zu Walozin, —. Bialik freut sich des Vogels, des Vogels, der ihm einen Frühling verheißt. Schon lange ist er in Er- Wartung des Vogels. Seine Lcbenscngel kündeten ihm in stürmisch-sanften Stenden, als er vor Wut und Freude brüllte, als ob er die Welt umbringen wollte — daß ein Vogel zu ihm kommen würde, und das würde ein Zeichen sein. I Uivd der Diditer begrüßt den Vogel, erzählt ihm alles j Leid nix! die Pein seiner Brüder i u kalten Winterlande, 11 »J fragt ihn, ob e1 darf, im Lnnde der ewigen Wärme, , auch so Gel Leid auf Erden gäbe? Er fragt ihn aus über; <ten Joedsn, den Libanon, -die jirJen, die dort wohnen. Wiej viel Kammer, Schmerzet*, Sehnsucht, steckt 111 diesem Ge- : j spräche «uit dem Vogel ( ״אל הצפוי״)! Am Anfang war der Vogel, der Vogel aus dem Morgen- 1 lande, ans dem Lande der Poesie, des Lebens. Der Vogel 1 hat ihm das Zepter gebracht, die Krone auf sein Haupt gesetzt. Der Vogel hat ihn zum ftinük erhobenj Der Vogel — verschwand. Der Dichter verblieb allein.; Gekrönt rum König und Sänger von Gottes Lied auf Erden,; steht er einsam zu einer Zeit, deren Maischen nie einen Vogel wirklidi zwitschern hörten. Noch hört er den FrühFngsgesang des verschwundenen Vogels. Er zaudert, will zurück — kann , aber nidit. Seinem SAtcksal kann miuj nicht entgehen. Das I Los ist gefalle»: er muß der Vogel werden, der Vogel des I Frühlings, er muß eia neues Leben anfangcu, eine neue 1 Acra seinem Volke bringen. |. Es waren die Tage der Clioswwe-Zion. Das Ghetto begann ni wanken. Vereinzelte Töne erklangen *;hon früher in der Luft des Ghetto. Man begann zu singen, ln Babylon Oottcslied ertönen zu lassen. Ein Mapu, Lebenssohn, Mane und nodi einige ließen Mine Stimme hören, die ober schnell 1 verstummen mußten. Da folgte auf Jeh*>«t» Leib Gor- ו den, da* ,,jüdischen Nekrassow“, der »ich als «len letzten j Zionsdlchter betrachtet hatte, der erste wirkliche Sänger, dessen i Gesang den Imperativ des Singen*. Imperativ des Lebens, J des Seins und Schaffens verkündete. Er übertönte alle, die vor ihm gedichtet hatten und verschrieb sie ln die VergessenJieit, An Macht und Scfiwamgkraft, Tiefe und Stärke des Oefiifils und Erlebens, Sprache und Bildern, Echtheit und Natur- Echkcit, Kunst und Vitalität — übertraf er alle, die vor ihm waren. Manche reihten ihn an Jehuda Halcvy, amkre 90gar an Jesaja! Weil Bialik «nclir als ein Dichter war und ist Weil er ein Beginnender ist, ein Verkünder, ein Förderer, ein groß« Former und Gestalter. Als Bialik zur Welt kam׳, wurde auf seine Schultern eine Last gelegt, dl« ihn zu zermalmen fehlen, Felaenrtark war Bi.ilil und wußte sein Kraftmoment dem Lastmioment gleich zmir'le». Er wollte die Welt beseiten, der Welt von siel! erzählen, die Welt der Welt verkünden, au* «ich eine Welt heraitsbilden, und er sah sich Schott •belastet Es war eine Innerliche und eint äußerliche Last: das jüdische Leben und Denken der Jahrtausende, die Kulturgüter utvd -Kulturwcrte der großen Vergangenheit und da* nationale sind individuelle Laden des jüdischen Volkes und des jüdisdic» Menschen der Gegenwart. cannaa—gg*»■ Diese Last war so groß, daß sie Um ganz beherrschte. Er konnte nidit in den Tag hinein leben und dichten, solange er nicht dieser Last seinen Zoll gezahlt hatte; er konnte recht zu sich hämkehren, bevor er das Wort der Generation( gesprochen hatte. Die Problematik des Judentums, als Volk' und Weltanschauung, hatte ihn viel nt sehr besessen, er mußte sidi klar machen, was Judentum war, ist und seit* kann. Er ward ein sogenannter ״nationaler" Dichter״ Aber cs ist ,eine Sünde, wenn inan durch diese Bcjeklnrung) die erste und ausschlaggebende Ejxxhc de* ßialikschcn Schaffen* schmälern will. Ich will hier rücJit untersuchen, was für eh* Unfug überhaupt mit der schulmeisterlichen Einteilung in lfnalionalc“ und sonstige Diditer getrieben wird; — was Bialild anbetrifft, so ist die Einteilung seines Stoffes ln eine ״natk>- nalc" und eine ״individuelle* Epodie — fast ganz und g a; abzuleimen. Die umstrittene Frage, ob Bialik ein ״nationaler" oder ״individueller" Diditer sei — ist überhaupt falsch gesteht. Es kommt hier weder auf den nationalistischen noch aatf da* individualistischen Gehalt seiner Dichtung an, auch die große oder geringe Anzahl de* Natur- oder Liebesgedichte usw! tut nichts zur Sache; — zuerst muß die Intention de* Did1tcr9, fes*gestellt werde», die Wesensstruktur de* Formers, ja des Eroberers Bialik. Ein Held und Meister ist nicht, wer ״seine Triebe meistert“, sondern derjenige der sich selbst meistert, um dann die ganze Welt meistern zu können. Nicht wichtig ist, daß er das alte, hislorisdi, gewordene Judentum ein wenig idealisiert oder romantisicTt hat, nicht ausschlaggebend, daß er den Bct-Hamidrasch als di« Quelle des Lehens Israels bezeichnet hatte. Es muß von allem beachtet werden, daß er die Welt de!) Vergangenheit aufgesucht hat, daß er auf siei eingestellt war, sich um sie beworben 11 aH< sie zu erobern gesucht hat Aber hieraus sollen keine Rückschlüsse auf Nationalismus oder Individualismus gezogen werden. Diese Tatsache soll uns nur helfen, 11* BiaLks Welt Einblick zu gewinnen, seine Wcsensstrhktvr von allen Zufällen scheiden za können. Nicht ״wie" Bialik zuri Vergangenheit steht, sondern ״daß“ er zu ihr steht, soll fcstgcstelit werden, das besagt aber noch lange nicht, da6| etwas ״Nationalistisches" dahinter steckt Das au Berge wöhmi liehe Temperament suchte eine Welt Eg ging ihm «rt alles( Entweder — oder: aut Cäsar — aut nihil . ״Nihil" t=d ging nidit.— da mußte er Cäsar werden..! 1 ' Niel*(* konnte seine» Erobcnmgsdrmg befriedigen, aH das historisch gewordene Judenbim, an das er von allcrt Seiten hcr.mging, als Dehler, Wissensdiaftler, Publizist i*k! Kritiker, Das war eine kobasale Welt mit kolossalen Erleb» jw'iscn, Aufgabe für einen Koloß, sic aufzunehmen, zu es* tehert», zu erleben, zu bearbäten, neu zu schaffen. . j Wer von!der eine Linte zur GcgemvartsproblentatBc1 zleh^ dem wird maivchcs bei Bialik klar werden. Bialik sieht dte Welt als etwas Geschlossenes, als etwas Ganze«, Oroßes, Mäditigcs, als ein ni Erobernd«. Vor ihn» stand sie nia 10 zerflossen, zersetzt, an* ihrem Rahm«* tretend, wie etwa vor einem Berditschewski. DinUk ist die gieße; ja beinahe hatte ich gesagt» die größte zentripetale Kraft unter den jiidisdien Menschen unserer OenmtkmL ׳ j In *einem Eroberertum liegt meines Erachtens der SchKssel zu vielen Einzelhäten der liialik-Pnoblematik. j Nur eines soll hier hervorgelieben wcrdai, etwa» sch'd Widitiges: Bialiks Sprache. I Mendele kam zum m ischnah-talmudlschen, »rÄmilsfertea Hebräisch, weil er der Gegenwart gerecht werden welltei, der Nuancierung de* Galutlilcbcus, der Eigenart der jüdische״* Spradie. Ganz anders stehf es aber mit Biaiik, dem sogenannter* ■sprachliche» Nachfolger Menddes. Er suchte das rein Biblische, noch mehr dis rein Misdiualsche auf, wäl er einer ganzen, klassischen Sprache bedirrfte. Auf Grund des Vor* liegenden suchte er nach den Urwurzeln des Hebräischen, nach dem U r 11 ebrä i s eh e n. Nur dies Urhebräisch« konnte dem klassische» Eroberer genügen. Die Jünger, «fiel es nicht genau geprüft bitten, sind 111 eine neue ״Mdlzah'** verfallen, in. Der Urjude Bialik, der an da* KlaSilsdte so anknfipN, der die Wurzelrt alle» ״U r“ (wenn Ich so sagen darf) n* erobern siKht — warum sr.ll er nicht beim Prophetischen verweile»? Und fürwahr, eine reiflang wurde Bialik wn manchen als ein Prophet. (»נכי) bezeichnet. ״Bialik ist nicht der ganze Prophet, wenn man an Jesaj» denkt; vergleicht man ihn aber mit den *!*Steren Prophetent Ctiawakuk, Makachi, und sogar ׳jecheskie! —• so siäidnt dkad