Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 101-102 (22.12.1922)
- Date
- 1922-12-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 604 JU ED ISCHE RUNDSCHAU Nr. 101/102 , die Bezahlung der medizinischen Hilfe in den Abgaben miteinbegriffen war, führen jetzt der Arzt und der Apotheker ihr Gewerbe auf eigene Rechnung, und trotzdem sind die Steuern fast gleich geülieben, In der letzten Zeit wurde wieder eine ständige Bewachung eingerichtet. Die Kolonie Ekron ist zu Beginn dieses Jahres durdi .11 neue Bauern vergrößert worden, die auf I ca-Boden äugesiedelt wairden. Die neuen Kolonisten sind erfahrene Landleute und habe״ sich ziemlich gut eingerichtet. Es wurden für sie ft neue f Uiuser gebaut und gute Ställe für. die zahlreichen Kühe. Man erhofft von der energischen Arbeit dieses neuen Elementes auch eine Belebung der alten Kolonisten. Rigaer Brief Von unserem Korrespondenten. So svie in den meisten Universitätsstädten des Ostens haben auch in Riga antisemitische Demonstrationen der Studcntcnsclinlt statigefitndeii, die die Einführung des jnunrrus clausus für die jüdischen Studierenden fordern. Die Jüdischen Studenten wurden aus der Universität hcrausgeworfeu und geschlagen, cs kam zu grollen Ausschreitungen, die sich nicht auf die Hochschule beschränkten, sondern darüber hinaus in die .jüdischen Gassen getragen wurden. Die Regierung ist gegen die Ruhestörer cingeschritlcn und hat tatsächlich eine Anzahl Studenten verhaftet. Dadurch ist aber die Bewegung nicht zur Ruhe gekommen. Die antisemitische Aktion hat mir, wie die deutsche ״Rigaer Rundschau“ etwas zynisch schreibt, ,,mehr kulturelle Formen“ angenommen, da man die Studenten nicht mehr schlägt, sondern nur aus der Universität liinauswirft oder gar nicht liinciniälH, Der Rektor der Universität, Professor Felsberg, empfing die Vertretcr der einzelnen Studentenkorporationen und versuchte, beruhigend cinzuwirkcn. Dabei natun er allerdings eine Haitung ein, die nicht mehr als unparteiisch bezeichnet werden kann. Er erhob gegen die jüdischen Studenten den Vorwurf, daß sic die lettische Sprache ignorieren, russische Studentenmützen tragen usw. Für die Einführung der Pro/entnorm erklärte er sich als unkompetent und verwies die Studenten mit dieser Forderung an die Regierung. Ucbcrlianpt ist die Haltung des Professorcnkollegiums mißcrordciitli'U anfechtbar. Besonders verdient es Erwähnung, daß auch jüdische Professoren (z. B. der ehemalige Minister Prof. Paul Münz) ihre Vorlesungen weiter fortsetze»), trotzdem die jüdischen Studenten aus der Hochschule gedrängt wurden. Die antisemitische Studentenschaft nahm in einer Voll- Sitzung eine Resolution an, in der erklärt wird, daß die Zusammenstöße von jüdischen Studenten provoziert worden sind. ״Der Stiidcntcnrat verurteilt die Anwendung physischer Kraft, erkennt jedoch an, daß die Juden im allgemeinen ein internationales und für Lettland schädliches Element darstellen und der Prozentsatz der jüdischen Studenten den Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung ganz vinvcrlüiltnis* mäßig übersteigt.“ Aus (licrcti Grunde fordert der Sfudeiiienrat die Beschränkung der Neuaufnahme jüdischer Studenten, insbesondere die völlige Einstellung dieser Neuaufnahme so lange, bis der Prozentsatz der jüdischen Studierenden der jüdischen Bevölkerung Lettlands entspricht. Die Resolution fordert ferner, die jüdischen Studenten mögen eine Prüfung in der lettischen Sprache ablcgcn. Die jüdischen Deputierten haben im Parlament eine Interpctlation «ingebracht, auf die der Bildungsininistcr antwortctc, inan könne nur mit moralischen Mitteln kämpfen und werde auch bei etwaigen Wiederholungen gegen die Exzedcnten nur ,.moralisch“ vorgcltcn können. Leider verrichtete die jüdische Fraktion auf die Eröffnung der Debatte über diese Erklärung, die geradezu als Ermutigung der Anü״ semiten aufgefaßt werden kann. Die antisemitischen Abgcordneten hatten Vorbereitungen getroffen, um groBe antisemitische Hetzreden zu halten, und die Abstimmung hätte wenigstens die Gesinnung des Parlaments klar enthüllt. Die verhafteten Studenten sind inzwischen wieder freigelassen worden. Die Antisemiten hatten eine Demonstration veranstaltet, um ihre Kollegen zu befreien, und eine Deputation zum Innenminister "geschickt. Dieser hat die Dole- Ration zwar nicht empfangen, aber die Studenten freige* lassen. Jetzt, nachträglich, rechtfertigt er noch in der Presse sein Verhalten, und zwar nicht die Befreiung der verhafteten Exzedenten, sondern die Abweisung der antisemitischen Deputation, Er erklärt, daß er schon vor der Demonstration den Befehl zur Befreiung gegeben habe und die Studenten- Schaft davon verständiger! lieft. Er spricht die Hoffnung aus, daß die durch die Abweisung der Deputation entstandenen Mißverständnisse nicht ztir Verschärfung ,des Konfliktes führen mögen. * Die Verhältnisse sind noch immer sehr unruhig, und leider kann man nach den gemachten Erfahrungen kein Vertrauen dazu haben, daß die Regierung die Rechte der Juden mit entsprechender Energie schützen und sic vor Ausschreitungen bewahren wird. Norwegen An unsere Abonnenten 1111 Atishndc! Wir versfSndijzn hierdurch alle unsere Abonnenten davon, daß die Weltcrlleferung Basere״. Kl.ültn nach dem 1. Januar n, J. nur erfolgen 1 aim, Wenn die von jede« Abonnenten direkt eingeforderten Ationncmci'.tsficlir.hrcn für das erste Quarta! 192'J vor dem 31.Dezember d. J. eingegengen sind! Trotz der weiteren Verteuerung alter Herstellung*«, BetriebsandVerlngskostea untere* Blattes haben wir vorläufig von einer Erhöhung der Abonnement«• gebühren größtenteils abgesehen, müssen uns *llcrdln״« Nochforderungen eventuell Vorbehalten. Die zurzeit für das «rite Quartal 1923 fatgesctien Gebühren betragen! Für Afrika . , ״ Amerika , ״ Aegypten ״ Belgien , ״ Bulgarien ״ Dänemark, Schweden ״ Deutsch Oesterreich ״ England . ״ Estland . ״ Finnland . ״ Frankreich ״ frrieclieiilant ״ Holland . ״ Italien * Jugoslawien ״ Lettland , ״ Litauen , ״ Palästina ״ Polen ״ Rumänien ״ Schweiz , ״ Spanien . ״ Tschechoslowakei ״ Türkei ,, Ungarn , Die Einzahlung der Abonnemtn für Deutsch-Oesterreich durch Ein Wien Nr. 156030. ״ Polen durch Einzahlung auf die Allgemeine Verkehrsbank Wien, Filiale Krakau. ״ Litauen durch Zentralbank zur Förderung des Jüdischen Oen05sen scbaftsweien* ln Litauen. ״ Rumänien durch Bankkonto: Wiener Bankverein, Filiale Czcrnowltz, ״ Tschechoslowakei durch Einzahlung auf PosUpsrkassenkonio Prag 59410. ״ Ungarn durch Fänzshlung auf Postsparkassenkonfo der ״Well“ Nr. 1S655. ״ Jugoslawien durch die Jüdische Bank für Bosnien und lierzogowina, Sarajevo. Für alle übrigen Utnd*r dureil Ebiscrdung von Originalnoten (nur nnlSdtene Sta-juiciie ncl) oder durch Sclieküberweisuag. Verlag Jüdische Rundschau Berlin W 15, Sächsische Str. 8 ' 2 Shilling 75 Cents 2 Shilling 6 Francs 50 Lewa 3 Kronen 20000 K'oncn . 2 Shilling 1800. deutsche Mark 20 finn. Mark 6 Franc« 6 Franc* 2 dulden 8 Lire 45 Dinare 1 800 deutsche Mark 1 800 deutsche Mark 2 ״ Shilling 2500 poln. Mark 50 I.el 4 Francs 3 Pesetas 30 Kronen 6 Franca 400 Kronen «gebühren kann erfolgen: ahlung auf Postsparkassenkonto Die Annexion Ostgalizien Polen hebt in Ostgallzien die Jahrgänge 1900 und 1901 zum Militär aus, darunter auch die Ukrainer und Juden, womit die Besitzergreifung dieses Landes vollständig ge. worden ist. (Bekanntlich wurden bisher, da Polen nur ein befristetes ,,Mandat“ über Ostgebiets besitzt und die staatsrechtliche Zugehörigkeit des Lamlcs gemäß Beschluß des Völkerbundes noch unentschieden i.t, Juden umd Ukrainer unter Respektierung ihrer Neutralität vom polnischen Militärdienst befreit.) Die kommunistische Internationale and Palästina Moskau. (J.C. B.) Der Vertreter der palästinensischen kommunistischen Partei auf dein Kongreß der kommunistischen Internationale war der gewesene Mitarbeiter der amerikanischjüdischen Presse, Admoni, der aus dem Verband der linken Poalc-Zkm deshalb ausgeschlossen worden war, weil er für den Vorschlag der kommunistisdicn Internationale, das palästincnsisdic Programm und den Namen Poale-Zion zu strcidien, cirvgc treten war. Der Kongreß beschäftigte sich u. a. auch mit der Frage des Anschlusses der palästinensischen kommunistischcn Partei an die 3. Internationale. Die Vertreter der linken Poale-Zkrn wurden wegen ihrer Weigerung, sich dem Diktat der kommunistischen Internationale zu unterwerfen, zum Kongreß nicht zugclasscn. Die palästinensische kommunistische Partei wird wahrscheinlich diesen Vorschlag arsnehmen und sädh in eine territoriale kommunistische Partei umwandeln. Deutschland selben unter die zwei herrschenden politischen Parteien verteilt. Diese ungesei/lichc Maßnahme beraubt fast vollständig die Minderheiten ihrer Vertretung 1'in Sejm. Diktiert von einem eng chauvinistischen Geist, kann sic nicht anders erklärt werden, als durch den Wunsch, die nationalen Minderbeiten von der gesetzgeberischen Arbeit ausznschlicßen und ihre Situation im Lande zu schwächen. ..." Der Artikel schließt mit folgenden Worten: Alle Die französische Presse über Litauen Die öifcnfliehe Meinung Frankreichs hat ein lebhaftes Interesse dem Konflikt cntgcgcngcbraclit, der in Litauen anläßlich der dort stnttgcfiimlcncn Wahlen zutn Sejm zwischen der lit,•mischen Mehrheit und den Miiulcrheitsvölkcm ausgebrochen ist. ״Le Temps“, ״l’Inforniation“״ ,׳Journal des Dehnts“ haben über die Wahlergebnisse mehrere Notizen veröffcutlicht. ln einem am 12. Dezember im ״Journal des Dcbals" erschienenen Artikel heißt es u. a.: ״... Die kleine litauische Republik wußte anfänglich durch ihre vernünftige Politik gegenüber den nationalen Minderheiten, die einen bedeutenden Teil der Bevölkerung ausmachen, die Sympathie des Völkerbundes — des obersten Richters in den politischen 'Angelegenheiten Litauens — zu gewinnen. Unglücklicherweise scheint aber diese glückliche Periode einer weisen Politik bei der ersten ernsten Frage des politischen Lebens der fungen Republik unerwartet ein Ende genommen zu haben. Die Wahlen zum ersten ordentlichen litauischen Parlament haben die Harmonie, die bis jetzt zwischen der Regierung und den nationalen Minderheiten herrschte, zerstört. Als unparteiische Beobachter .... müssen wir konstatiere«, daß dieser Bruch keineswegs dem Verhalten der ftv11״?r*<,e1tcn (Polen, Weißrussen, Juden) zuzuschreiben *ei. Seit einer gewissen Zeit wird die litauische Regierung Stete mehr und mehr den Prinzipien untreu, , «‘c für sic in der ersten Periode der Existenz der Republik von so günstigem Einfluß waren. Im Laufe der letzten Monate haben neue Tendenzen die Oberhand bekommen, und die Minderheiten sind zum Objekt einer Reihe von Gewalttaten geworden. Die letzten Wahlen zum neuen Sejm, der an Stelle der Orundungsvcrsammlung tritt, haben ein Irappan• tes Beispiel dieser neuen Politik geliefert. In flagranter Verletzung des Gesetzes bat die oberste Wahlkom. tnission zehn Mandate der Minderheiten annulliert und die• aufrichtigen Freunde des Friedens unter den Völkern hoffen, daß der Sejm auf dem Boden der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz bleiben wird und die von Litauen dem Völkerbund gegenüber übernommene Verpflichtung wird achten wollen.*‘ Das litauische Regierangsorgan zur Judenpolitik Kowno, (J.C. B.) Das offizielle Blatt der litauischen Regierung, (!Llctuwa“, veröffentlicht einen Artikel fihcr den Antisemitismus, in welchem ausgeffthrt wird, die Be* hauptungen der ausländischen Presse über angeblich anti•' semitische Tendenzen der litauischen Regierung seien falsch. Die Juden heinühten sielt, hi den Handlungen der Herren Lco 11 a8 und Petruli» Zeichen de» Antisemitismus zu erblicken, die in Wirklichkeit lediglich der Monopolherrschaft der Großknufiente ein Ende machen wollten. Zum Schluß bemerkt die amtliche Zeitung, daß trotz aller jüdischen Provokationen in Litauen keine Judcncxzcssc geduldet werden würden. Neue Bestrafung der Kownocr;,jüdischen Stimme*4 Kowno, (J.C. B.) Die Kownocr jüdische Tageszeitung ״Jüdische Stimme“, die vor einiger Zeit wegen einer Kritik an! Wahlraub an den nationalen Minderheiten mit einer Geldstrafe von 5000 Lit. ,(nachträglich auf 500 Llt. herabgesetzt) belegt wurde, ist neuerdings wegen einer Kritik an der Politik der christlichen Demokraten zur Leistung einer Buße von 1000 Lit. (gleich 100 Dollar) verurteilt worden. Von der Gesellschaft Oze Vom 16. bis 19. d. M. tagte in Berlin eine Konferenz der Gesellschaft Oze, die von Delegierten der russischen Randstaaten und Rußlands selbst besucht war. Die Qesell• ,Schaft Oze, die im Jahre 1912 in Petrograd gegründet wurde und sich die Förderung des Gesundheitswesens unter den Juden in Rußland zur Aufgabe gemacht hat, hat bekanntlich jetzt ihr Hauptbüro in Berlin. Außer dem Berliner Büro existieren Komitees in den größeren Städten der ehemals russisehen Randgebiete, und die Konferenz hatte den Zweck, diese einzelnen Gruppen zu einer einheitlichen Organisation zusanuncnzuschllcßcn. Wir werden über den Verlauf der Konferenz und über die Tätigkeit der Gesellschaft Oze in einer der nächsten Nummern ausführlich berichten. .r...“13דדד| Infolge der christlichen Feiertago erscheinen die nächsten Nummern der ״Jüdischen Rundschau“ am 29, Dezember 1922 und 5, Januar 1923. Die Nummern vom 26. Dezember 1922 und 2, Januar 1923 fallen au*• Zum Berliner Wahlkomproniiß Die ״Jüdisch-Liberale Zeitung“ veröffentlicht einen Artikel von Dr. Walther Breslauer, der die Tendenz zeigt, die offenbar von dem Schluß des Wählkompromisscs un- .angenehm überraschten liberalen Kreise mit dieser Taktik zu versöhnen. Zur Begründung des Verzichtes der Liberalen auf ihre bisherig« Mehrheit weist der Verfasser einmal auf die antisemitische Strömung hin, die •inen Wahlkampf hätte untunlich erscheinen lassen. Der zweite Grund des Verfassers ist die Kostenersparnis. Nur kurz weist er auf denjenigen Grund hin, der vermutlich für die Liberalen sehr bestimmend gewesen Ist, daß nämlich die taktische Situation der Liberalen dadurch, daß mir drei ihrer Vertreter in der Rcpräscntantenversammlung verblieben wären, eine außerordentlich ungünstige war. Der Verfasser tröstet seine Leser im übrigen mit dem Hinweis, daß cs sich um ein Provisorium handle und daß die von den Liberalen verlangte Erhöhung der Vorstandsmitglieder ein anderes Verhältnis herstcllcn werde. Um die Gemeinde gegen ״reaktionäre Gewaltstreichc“ (gemeint ist eine Beeinflussung der Gemeinde in nationalem und konservativem Sinne) zu sichern, sind Abmachungen getroffen worden, in denen bei Tod oder Urlaub eines Repräsentanteu immer ein Repräsentant der betreffenden Riehtung nachrückt, der Ritus in den liberalen Synagogen nicht geändert werden darf .und schließlich he» einer Neuwahl des Vorstandes sich unter den 7 Vorstandsmitgliedern 4 libe* rate befinden.' DI« Leipziger Gemelndewahlen Bei den Neuwahlen zur jüdischen Gemeinde in Leipzig wurden bei einer Zahl von 2500 Stimmberechtigten 1329 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf die liberale Liste 904, auf die demokratische Liste 425 Stimmen. Somit erhielten die Liberalen 7, die Demokraten 3 Mandate. Das Gemcindekoliegium besteht von jetzt au aus 19 Liberalen, 10 Demokraten und einem Unparteilichen. Der Wahlkampf wurde, wie wir der ״Leipziger Jüdischen Zeitung“ entnehmen, in sehr intensiver Form mit Flugblättern von beiden Seiten geführt, Während von demokratischer Seite ein positives Programm, insbesondere Gleichheit der Pflichten und Rechte aller Mitglieder und die Forderung nach zeitgemäßer Wahlfahrtspflcgc und Wahrnehmung allgemeiner jüdischer Interessen vertreten wurden, wurde von der liberalen Seite der Kampf für den Begriff der deutschen Gemeinde geführt und damit auf den CHtjudcivhaü der assimilantisChen Juden spekuliort. Der Wahlausgang hat unsere Leipziger Freunde nicht überrascht. Es ist charakteristisch, daß in Leipzig von 22 000 Juden nur 2500 wahlberechtigt waren, von denen auch mir etwa die Hälfte von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht hat. Unsere Freunde werden den Kampf für ein Wahlrecht fortzufülircn haben, das endlich aliui Angehörigen der Gemeinde das Mitbcstimmungsrccht sichert. Die badischen Synodalwahlen Die Zionisten können mit dem Ausgang der badischen Synodalwahlen durchaus zufrieden sein. Neben den bewährten bisherigen Vertretern, Dr. Moses-Mannheim und Dr. Piäizer-Weinhcim, — nui den Anregungen des letzteren sind die Grundlagen der neuen Verfassung im wesentlichen aufgcbaut, — tritt als neues zionistisches Mitglied Herr Dr. Weil- Onilingen in die Synode ein, der weiten zionistischen Kreisen wohlbekannt ist, und durch dessen Persönlichkeit die Synode eine wertvolle Kraft gewinnt. Die neue Verfassung kann nur durch eine qualifizierte Mehrheit zustande kommen, und da die Liberalen und die Positiven etwa gleich stark sind, zumal dieses Mal auch die Lehrer und Rabbiner positive• Vertreter zum Teil gewählt haben, so muß die Verfassung Kompromißcharaktcr tragen. Dies gilt vor allein für das Wahlrecht der Ausländer, der Entwurf schreibt eine Karenzzeit von drei Jahren vor. Die Ostjiulen in Mannheim als der größten Gemeinde haben mit Recht eine Protestbewegung gegen diese Differenzierung aus grundsätzlichen Erwägungen eingeleitet, zumal die rechtlichen Grundlagen dieser Diifercnzicnmg sehr schwache sind. Ob cs den Zionisten gelingt, in dem Kompromißwerk der neuen Verfassung trotz aller Bemühungen diese Karenzzeit zum Fortfall zu bringen, ist leider recht fraglich. Mannheim. Rechtsanwalt Dr. Otto Simon.