Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 101-102 (22.12.1922)
- Date
- 1922-12-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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I Kr. 10t/102־ Tilgung des Zionistischen Gruppenverbandes für Hessen und Hessen - Nassau Am Sannlag, den 10. Dezember, fand in Wiesbaden dne Tagung dk* Zionistischen Orupncnverbandes für Hessen und He's'*r1»'N.v.r>au statt Anwesend waren Vertreter der Ort»* gruppen Frankfurt a. M., Fulda, Dmustadt, Wiesbaden »wie c׳,m׳,e Vertrauensleute aus Orten, an denen sich keine Ort,»■ gruppe» befinden. Gegenstand der Tagung war otmscldicfflicli die loouunemta Arbeit. Inlulgedc-Kcn bildete den Hauptpunkt der Diskussion die Aussprache mit den einzelnen Ortsgruppen über ihre bisher geleistete Arbeit und ihr Winterpnopramin im An״ schliilt an die Referate der Herren Dr, Landsberg (Tätigkcitsbericht des bisherigen Vorstandes und Marcel Lew (zionistische Arbeit in Deutschland, Prinzipien und Methoden). Das Ergebnis der Tagung wurde in folgende Resolution :'.usamnicngcfaUt: ״Der ürtipi civverbamJstag des Zionistiscnen Gruppen ver- Bandes iür Hessen und Hessen-Nassau dankt Herrn Dr. I.nml.berg und dem bisherigen Vorstand für die geleistete Arbeit. Fr nift seine Mtiglierki und Ortsgruppen auf: , 1, Zionistische Gemeinden zu bilden, 2. Zionistische Serninnrc 7.11 erridileii, 3. intensive KuKurarhdt zu leiste,״, insbesondere hebräische Kindergarten und Sjirndikurs« zu eröffnen, 4. tlic Alijnhaklio» mit allen Kn'iften zu unterstützen. Fs wurde ferner angeregt, daII jeder einzelne Zionist sich einen Tag im Monat vollauf der zionistischen Arbeit zur Verfügung stellt. Wir bitte!» um Durchführung dieser Anregung.“ Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgend cs Resultat: IV. Landsberg, Wiesbaden, Vorsitzender, Bertram Stern und Juda Bornstein, Wiesbaden, Beisitzer. Eine im Rahmen der Tagung unter neun Mitgliedern der Wiesbadener Ortsgruppe von Herrn Dr. Landsberg durchgeführte Sammlung für den Keren Hnalijah ergab die Summe von einer halben Million Mark. Im Anschluß an diese Tagung fand eine Sitzung der Natioitalforids-Vertraucnsdeutc statt, au der, wie ebenfalls an der eigentlichen Tagung, Herr Dr. Meyer, Berlin, tcilnahm. 1 Die Stimmung der Tagung war durchaus arlxitsfreudig.! Es ist zu hoffen, daß mit Uilic des Sekretariats diese Arbeit auch Erfolge zeitigen wird. Die Gründungskonferenz des deutschen Hcclialuz Ende Oktober tagte in Berlin zum letzten Mate der Bund Zionistischer Praktikanten. An dieser Tagung nahmen das 1 erstemal auch Vertreter handwerklicher Chaluziin teil, um lieh gemeinsam mit der» Landwirten filier die Gründung eines mtoiiomcn deutschen Clialuzimvcrbaiulcs schlüssig zu werden. Fast von allen Seiten wurde der Wunsch laut, einen Zusammen- Schluß aller Cliaiu/im in Deutschland ficrbciznfiüiiieu, um auf tlic sc W eise eher zu einer klaren Erkenntnis über die richtigen Methoden der lnn.hvirtsdinftHcheii und handwerklichen Vorbeu-itmig für Palast Lin zu gelangen und um eine Kontrolle über die Reife des Einzelnen’ für die Auswanderung ausütien zu können. Tatsache ist, daß im Laufe der tet/tc« Zeit die Auswanderung nach Palästina aus den Kreisen der deutschen zionistischen Jugend erheblich nachgelassen lütte, und daß die bereits drüben Befindlichen ein Gefühl überkam, als ob weder qualitativ noch quantitativ zureichender Nachwuchs folgen würde. Mag man auch auf dem Standpunkt stehen, daß dieser Eindruck ein irriger ist, daß die Krisis in der Aus- Wanderung aus Deutschland nichts anderes ist, als eine Folge der allgemeinen Aufbaukrisis in Palästina, so kam doch in allen auf dieser Tagung gehaltenem Referaten und Reden der Wunsch nach einer intensiven Zusammenarbeit aller persönlich auf Palästina Eingestellten zum Ausdruck. Zwar stand cii! Teil der Praktikanten, vor allem die dem Blau-Weiß entstammenden, einer solchen Heclialuzbildung nach dem Vorbild der litauischen, polnischen usw. Verbände skeptisch gegenüber. Man glaubte nicht, bessere sachliche Arbcitsmögliclikeiten dadurch zu erhalten, und wollte die geistige und erzieherische, vielleicht ■auch die politische Beeinflussung der Cfwluziin den Bünden Vorbehalten, denen die Clialuzim entstammen. Es ist nicht zu verkennen, daß die Gliederung und die Lebensform der zionistischen Jugend in Deutschland iiaturnotwendigcnveisc eine andere sein muß, als in den Ländern des Ostens.!Trotzdem muß es möglich sei», den Weg zu finden zu einer Organisationsform, die cs allen Clialuzim in Deutschland möglich macht, engere Beziehungen zu pflegen zu der palästinc-nsischen Arbeiterschaft als dem kräftigsten Träger der Aufbauarbeit in Palästina und zu den Clialuzim anderer Länder, ihrem Nachwuchs. Nach längerem Zögern hatten die Blau- Weißen sielt bereit erklärt, an einem solchen Hediaiuz mitzti-' arbeiten, sie konnten sich den Argumenten der an dieser Tagung teilnehmenden Delegierten des Wcltvcrh,׳indes Hedia-!uz und der allgemeinen Arbeiterorganisation Palästinas nicht verschließen. Der provisorische Vorstand wurde beauftragt, zmn 14. Dezember eine Oniudimgskonfcreuz des llcehaluz einzubcrufci». Verhandlungen mit den ln Betracht kommenden Jugend- Organisationen und den Parteien, die Ausnützung des beim Prnktikantcivtmnd und beim Technischen Chalnzsckrctariat der Z. V. f. D, vorliegendem statistischen Materials, auch Reisen des provisorischen Vorstandes auf die Lehrgiitcr und in das Zentrum jüdischer Arbeitersiedlungen in Deutschland, in das kiilirge.hict, hatten den Bestich der Tagung durch ungefähr 30 Delegierte, welche über 400 Clialuzim vertraten, zur Folge. Nach den Begrüßungsansprachen, welche vor allem von seiten der Arbeiterparteien, von einem warmen Ton durchkbmgen waren, trat die Versammlung in die Beratung eiij, Zunächst erstattete Viktor O old s ch m i d t ein Referat über ״Wesen und Aufgaben des Hcchaluz", Der Referent faßte nochmals die grundlegenden Prinzipien zusammen, auf denen allein ein Hcchaluz gegründet werden kann und legte der Versammlung ein Programm zur Annahme vor, das in kurzen Thesen einmal die ideellen 011׳n־il,1gen der Chalitziuili Umriß und andererseits die einem I leehaluzverbairJc obliegenden praktische!» Aufgaben kurz zusanimciifalUc. Trotz heftiger Debatten wurden die Thesen in ihrer endgültigen F assung einstimmig angenommen. Hervorgehoben zu werden verdient die Festlegung aller Clialuziin auf das Prinzip der ״Sclbstarbcit ohne Ausheüter und Ausgebe 11 tete“, und den Grundsatz, daß es jedem CUaluz schon hier obliegt, sich in das hebräische Leben der Poalim in Palästina mit aller Energie cinztiarbcilcn. Der Hcchaluz ist auf diese Weise gie.clisam das Menschenreservoir für die I Jistadruth-klaiiÜi (Allgemeine Arbeilerorgani- Kition) ln Palästina, Von einem kleinen, um Gerhard Schoicm gruppierten Kreis, der eine fadikal-hebraistischc imd der Pflege überlieferter Kulturgüter zugewandte Einstellung repräsentiert, wurde an- Bezweifelt, daß die Biau-Wcißcn ehrlicherweise dieses Programia akzeptieren könnten, da sie unter Umständen in einen JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 001 Konflikt mit ihrer BundesJcIttmg geraten würden, die ln Ihre# I3ej,•1lnmg europäischer Wirtschaftsformen ihn; Disziplinargewalt über die dem Hcchaluz abgeschlossenen Blatt-Weißen Ln einem, der Grund tlicsl* des Iicclialuz kindlichen Sinne ausüben könnte. Zu wiederholten Malen gaben die Blau-Weißen vollkommen eindeutig die Erklärung ab, daß de zu den Thesen des Ooldschmidtschcn Referates stünden, Jedoch prinzipielle Di&- Itussioaen über die Grundlagen des Blau-Weiß auf einer liedialuzkonfercnz ablcluicn müßten. Bis zum Beweise des Gegenteils könnte anstiüidlgerwcloe an der Ehrlichkeit der Btau- Weißen nicht gezwcifelt werden. Sclioletn suchte der Ver- Sammlung auf Grund wiederholt gemachter Erfahrungen mit Erklärungen Blau-Wcißcr die Ucbcrzieugung beizubringen, daß nur unter Ausschluß der ülau!• Weißen ein Hcchaluz möglich sei. Doch fand eit» dahiuzidender Antrag eines Anhängers Scholems gegen wenige Stimmon Ablehnung, Alle übrigen Gruppen erklärten ihre volle Bercitwübgkcit, nach dc(1 von den Blaii-Wci ßen abgegebenen Erklärungen, den Biuid aller Chaluziin zu schließen. Audi der Vorsitzende der Z.V. f, D., Herr 10• A. Roscnhlülh, betonte in seiner Ansprache den Wuusdi der t11.1־l!gel!cndm zionistischen Instanzen, nach einer GesamtvcrtrcUing aller Clialuzim, Auch er glaubt, daß ein llechaltiz in klarer Erkenntnis über die Bedürfnisse Palästinas zum Prinzip der ״Awoclah-Azinilh“ (Selbstarbcit) und zur hebräischen Kultur sich bekennen müsse. Die Fortsetzung der Konferenz am nächsten Tage brachte ein Referat von Chawer Lewimso h n filier ״Die Bedeutung des Wcltvcrbandcs Hediaiuz“ für de!» intensiven Konnex der Chaluziin der cinzclnon Uindcr und der i'oalim in Palästina. Auch die Frage der Finanzierung von Alijah- Und Hachschnrah wurde berührt und die Schaffung eines speziellen Fonds für diesen Zweck in Aussicht gestellt. Auch liier wiederum waren alle Beteiligten sich einig in ihrem Willen, den Wcltvcrband auszubaucn und ihm zu einer größeren Bedeutung Im gesamtzionistischen Leben zu verhelfen, da so auch der ideelle Teil der Erziehung in den einzelnen Lindem ־konformer mit den Bedürfnissen des palästinensischen Arbciterlebcns gestaltet werden kann. Der formelle Anschluß an den Wcltvcrband wurde vollzogen, dann noch in einer kurzen Sitzung die organisatorische Form des Hcchaluz in einem Statut festgelegt und in den Vorstand de» Deutschen Landes verbände» die Chawerim Moses Schapiro, dieser Ascher und Heini Nagler gewählt. Diesem engeren Vorstand wird es obliegen, in Zusammenarbeit mit der Z, V. f. D. alle Chaluziin in Deutschland rcstlos zu erfassen und vor allem den Gedanken der Chalitziuth, der unbedingten Einstellung in die palästinensische Arbeiterschaff in der zionistischen Jugendbewegung sachlich zu bcgründen und für zureichende Informationen über zweckmäßige Ausbildung für alle Handarbcitcrbcrufc zu sorgen. Bernhard Arinsteio. Resolutionen, angenommen von der Konferenz des dcniichen Hcchaluz am 14, bis 16. Dezember 1922 I. Wesen und Aufgaben de» Hcchaluz. 1. Die Konferenz beschließt die Oründung eines Hcchaluzverbandes, in dem sämtliche In Deutschland arbeitenden Clialuzim ausammenzufassen sind. 2. Der Verband legt seinen Arbeiten folgende Leitsätze zugründe: I. Der deutsche Hcchaluz Ist ein unparteiischer Verband, der sich auf den Ideellen Grundlagen der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina nnibaut. 111 ihm schlichen sich die in Deutschland arbeitenden Clialuzim zwecks eigener Wahrnehmung ihrer gemein-!!!einsamen Interessen zusammen. II. Die Organisation des deutschen Landesverbandes Hcchaluz bzw. sein gewähltes Executivorgan ist die einzige legitime Vertretung sämtlicher deutscher Chahizim sowie auch aller Gruppen derselben. III. Dem deutschen Landesverband Hcchaluz kann jeder angeboren, der ,a) einen landwirtschaftlichen, handwerklichen oder andern unmittelbar für dcii Aufbau des arbeitenden Palästina (Erez-Isracl owedet) lebenswichtigen Beruf erlernt oder ausübt und der b) sich organisch cinglicdcrn will In das Leben der palästinensischen Arbeiterschaft durch F Awodas nzinlth bli mcnazlim rnucmizallm (eigene Arbeit ohne Ausbeuter und Ausgebeutete), 2. durch die Einfügung in die hebräische Arbeit»• ktillur Palästinas ('larhutt awodat), 3. Der Verba ml nimmt die Angelegenheiten der Clialuzim seihst In die Hund und stellt sich Insbesondere folgende Aufgaben: I. Die Vertretung der Chaluziin bei der zionistischen Organisation und ln der Ocücntlidikcit überhaupt; II, Die Herstellung eines lebendigen Kontaktes zwischen der palästinensischen Arbeiterschaft und den deutschen Clialuzim; III. Die Zentralisierung der gesamten Hachscharat-Arbdt in Deutschland. a) Einrichtung einer zentralen Stellenvermittlung, l!) Erleichterung der Berufswahl lind der Spezialislcrung im Beruf durch regelmäßige Informationen aus Palästina, c) Förderung der Clialuzim in Ihrem Fach und Im IIcbraisciicn durch Einrichtung von Kursen, d) Dnrlchnsbcschaffunj* für Unbemittelte; IV. Organisierung der Alijah: a) Auswahl der Clialuzim, b) Beschaffung der Visa. n. Zum Referat über die Steifung des deutschen Hcchaluz zum Welt hcchaluz. 1, Die Chiiluzorgnmsatlon Deutschlands beschließt auf ihrer ersten Konferenz, sich ais Landesverband der Vcltoigani- Kation des Hechaliiz anzuschllcßcn und sich durch deren Leitung mit der palästinensischen Arbeiterschaft und der Zionistischen Weltorganisation zu verbinden. 2. Die Konferenz beauftragt Ihre Vertreter auf der Konferenz des Wclthcchaluz: a) Die Aufmerksamkeit der Leitung des Wclthcchaluz erneut auf die Arbeit in Rußland zu lenken. b) Von der Leitung des Wclthcchaluz zu fordern, durch politische Stellungnahme nach außen und erzieherische Beeinflussung nach innen für die Erweiterung der Alijah , zu wirken. , c) Für die Schaffung eines Keren flcchnliu zusammen > mit den übrigen daran arbeitenden Organisationen und Institutionen einzutreteii. Voranzeige Anläßlich dei 50.Geburtstag» Cti.N.Bialiks (10. Tebeth 5683, d. i. 29. Dezember 1922) erscheint die ״Jüdische Rundschau'*, am 29. Dezember als Bialik-Sondernummer mit Beitrügen hervorragender literarischer Mitarbeiter, Vorausbcstcllungen für diese Nummer (Einzelnummer 40 Mark) sind zu richten an deu Verlag Jüdische Rundschau, Sächsische Str. 8.! Sprecbsaal (Ohne Verantwortung der Redaktion,) Der Streit um de« Blau •Weiß Es wäre schade, wenn die Aussprache über die jüngste Entwicklung des Blau-Weiß in eine persönliche Beschimpfung aiisartcn whrdc, aber es wäre noch mehr zu bedauern, wenn die von solcher Polemik Angevvidcrtcn übersehen würden, daß in dieser Angelegenheit allerdings die Sache es erfordert, persönliche Dinge zur Erörtern׳(״ zu stellen. Nur wird mau es nicht In der Art tun dürfe«, wie cs Benno Cohn in seiner Erwiderung auf Scholems Artikel beliebt. Denn vor, einem sollte sich doch gerade der Vertreter des Blau-Weiß hüten, nämlich davor, den Anhänger einer anderen Anschauung, den Verfechter eines anderen Ideals, nur dieser Verschiedenheit halber zu verdächtigen oder zu beschimpfen. Gerade wer der aufklärerischen Normalität der modernen Zcitstimmung Ideale entgegensetzt, die in schroffem Gegensatz zu ihr stehen,׳ wird sich zwar mit aller Deutlichkeit von einem Typus, wie ihn Scholem darstellt und propagiert, abgrenzen müssen, aber cs ist kein Grund vorhanden, Leute wie Scholem ais Zeitungsschreiber und Literaten zu beschimpfen. Ohne jeden Zweifel ist der Blau-Weiß dadurch nicht gerichtet, daß er dein Idealbild nicht entspricht, das sich Scholem und seine Freunde von der Welt und besonders von der jüdischen Welt gemacht haben. Aber sind wir damit bei der absoluten Relativität der verschiedenen Weltanschauungen an•׳ gelangt? Ist cs. wirklich so, daß der ״lernende“ und der ״heldische" Mensch sich niemals verstehen können und deswegen auch kein Recht haben, übereinander zu urteilen? Wer einmal sich von der aufklärerischen Gleichmacherei, frei gemacht hat, wird trotz schwerer Bedenken kulturpsychologischer Art die Möglichkeit nicht von vornherein abweisen können, daß auch in der Gegenwart ein heldisches, ritterliches, adliges Ideal gelebt und gegen diese Zeit gcstellt wird. Gegen die bloße Tatsache der Forderungen, die der Blau-Weiß an sich und indirekt an andere stellt wird man somit zwar viele Gründe der Ablehnung geltend machen können, aber keinesfalls jene Gewalt der entscliicdenstcn Bekämpfung mobil machen können, die die Kernfrage der ganzen Angelegenheit erforderlich macht. Denn eine solche Bekämpfung fordert nicht das Ideal des Blau- Weiß heraus, sondern der Ml IIbrauch, der offenkundig' mit ihm getrieben wird, nicht die scharfe Abgrenzung seiner Weltanschauung gegen eine andere, sondern die unsaubere ' Mischung heterogenster Elemente, das Levantinertura seiner Kultur, die Stillosigkeit seiner Ausdrucksweise,! Der heldische Mensch? Nun gut, man versuche der heutigen jüdischen Gesellschaft einen Typus aufzuprägen, der ihr wahrlich fern genug liegt. Aber ״Koofmich mit Hellebarde“, wie Karl Kraus diesen Typus des wilhclminisehen Deutschland schlagend bezeichnet, das ist unerträglieh. ״Stolzester Bund“ und ״schlechtester Tabak“ — inan glaube nicht, daß der Witzmir um des Witzes willen gcmacht wird. Es mag traurig sein, daß hier überhaupt Witze gemacht werden können, aber hier nicht um desjenigen willen, der sic macht, sondern uin desjenigen willen, aen sie trcücn. — ״Blicklosigkcit ist überhaupt sein wesentlichstes Merkmal“ — wenn nur llcttno Colm wüßte, wie sehr er mit diesen, Worten sich und den Diau-Weiß charakterisiert hat — denn Fülircrltmi, Gefolgschaft und Armee sind große Dinge, über die man nicht spotten soll. Aber daß ausgerechnet die Anhänger dieses auf Vertrauen gegründeten Bundes, die für sich ״den Instinkt liir eine natürliche Gliederung von Menscheu nach ihrem inneren geistigen Range" in Anspruch nehmen, es zulasscn, daß ausgerechnet die gröbsten Dilettanten und Phrasenhelden an der Spitze eines Unternehmens stehen, das sich wahrlich Aufgaben stellt, die Sachkenntnis, Wirk, lichkcitssinn und politisches Verantwortungsgefühl erfor-' dern — das allerdings, Benno Cohn, gibt Anlaß zu einem traurigen Lachen. ׳ So muß man denn hoffen, daß auch Benno Cohn sich' entschließen wird, die Gläser seines Kneifers zu putzen und alclt etwas uinzusdiatieii, wie denn er und seine Freunde sieh »11 <lef Tracht der ״Bilaiizkneditc“ vor kommen, und wie gerade ihnen, die doch etwas Gefühl für Stil und sprachliche Sauberkeit besitzen sollten, jene Vorrede zu den ״Gesetzen“ bekommt, wem! sie sie einmal imbeeiiilluflt von tfer Dis• zlplin, die sic an ihre Sache kettet, zu genießen versuchen. Denn man kann wirklich nicht nagen, daß die von Scholem in extenso zitierten Worte dadurch verlieren,cdaß man sie ihres Sinnztisnmmcnhanges entledigt Es wäre durchaus zu wünschen, daß die Oeifcntiichkeit das gesamte Elaborat mög. liehst rasch zu Gesichte bekommt, um diese süßlichen Schmierereien und dieses hohle Fhrasengckllngcl als die erstatinlichc Leistung eines wirklichen Literaten zu erkennen, eines Literaten allerdings, den sogar das ״Berliner Tageblntt“ wogen 1 alrnllosigkcit ablcluicn dürfte. Es ist sinn* los, heute den Blnti-Weiß von der Idee des Fiihrertuma «bbrlngen zu wollen. Eins allein kann man ihm sagen: ״Ihr wollt Führer? Nun gut. Ihr habt sie bereitsI Dann seht sie Euch an, aber schonungslos mit höchst peinlicher Genauigkeit, denn Führcrtum verpflichtet.“ Berlin, 20. Dezember 1921 F.ranz Meyer, Miüellunjfea des fcehnfschen Clialweekreftrlßto Wir suchen für einen Diplomingenieur, Maschinen- Bauer, Karlsruher Blau-Weißer, eine passende Stellung in der Berliner Industrie. Derselbe hat besondere Erfahrungen im Eisenbahn* und Lokomotivbau. Nach wie vor besteht eine günstige Möglichkeit, bei einer Firma einer Ausbildung in einem Spezialmas chinc nbau sich zu unterziehen, welche für Palästina Bedeutung hat. Technisches Chaluzsekretarlat< Berlin W 15, Sächsische Str. 8, Hnpol'I-Haznifr. Sämtliche Veranstaltungen finden nlchf mehr in der Linlcnstraßc, sondern in der Heilig enge i st• Straße 52 statt.