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Jüdische Rundschau · 1922-12-22 · Heft 101-102 (22.12.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 101-102 (22.12.1922)
Date
1922-12-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 101 102׳ JUED1SCHE• RUNDSCHAU SeFle 661 13bäntlif׳e philologisdtc Lexikon (fer hebräischen Sprache ״Milon H.ihsdvon Haiwrith“ {Thesaurus totiirs hebr.'ütatis), welches n.-iili Ben Jelnui is Meinung nicht nur wissenschaftlichen Zielen »lunen soll, somlcru mich der Umwandlung der hebräischen Sprache in eine Iduuutige Sprache. Die Bedeutung jedes ein• /einen Wortes wird in hebräischer Sprache erklärt und in denjenigen Fällen, in welchen dies notwendig ist, mich in den drei europäischen Sprachen französisch, deutsch und englisch, dabei wird «lie Wurzel jedes Wortes angeführt, sein, Sprachgebrauch, die Aussprache und die Veränderungen, weh dien das Wort in verschiedenen Zeiten unterworfen war. Große Aufmerksamkeit widmete er auch der vergleichenden Philologie, wobei die Gegenüberstellung der iiehräischcn Wort« mit den nach IConstruklion mul Bedeutung ähnlichen Worten der amlcrcn seiniiischcn Sprachen gegeben wird. Bisher erschienen fünf Bände (bei Langensdwidi). Andere Werke Den Jehudas sind: Sc fer Erez.-Isrnel (Beschreibung Palästinas, 1SS3), ,,1 lamikra“ (Clueslomalie für Kinder, zusammen mit David je Hin, 1SS<J), Kizur Diwrc Hajnuut» (Kurze jüdische Geschichte, ISO!), Milo» Russi IwrbAschkena*i (zusammen mit Orasowshi, 100S—100)). Auch wissenschaftlich hatte Ben Jchuda viele Gegner, besonders seine hebräischen Neubildungen und seine radikale ,,Modernisierung“ wird von vielen prominenten Hebraisten abgelclmt. In den letzten Jahren hat sich Ben Jehuda große Vor• diensie um die palästinensische Altertumskunde erworben, Er war Vorsitzender der jüdischen Gesellschaft für Altertumskünde in Jerusalem, umi unter seiner Acgidc wurden wichtige Ausgrabungen vorgciioinnicn. Audi in der von der Regierung gegründeten palästincnsisclicn Forsclumgsgesdlschaft ist Ben Jchuda Mitglied. Eine der markantesten Figuren der letzten ■10 Jahre Gesdiiclitc des jüdischen Palästina ist mit ihm daliingcgaugvn. * Ben Jehudas Beerdigung Jerusalem, 18. Dezember. (J. C. B.) Die Beerdigung Beil Jehudas fand hier asn Sonntag, den 17. Dezember, statt. Alle jüdischen Institutionen und Gcscliäftslokale in der Stadt waren geschlossen. Sir Herbert Samuel sandle einen speziehen Repräsentanten. Es war das größte jüdische Leichenbegiingnis in Palästina in der neuen Zeit. An dem offenen Grabe hielten u. a. Ussischkln für die palästinensische zionistische Exekutive und David Ycllin fiir den Wand Icumi Nachrufe. Von Dr. Wciztnann war aus Haifa ein Knndolcnztclegrainm cingetroffen, ebenso von Acliad Haam aus Tci-Awiw und von Sokolow aus London. Die jüdisclie Gemeinde Jerusalems hat eine dreitägige ,Trauer proklamiert. Rundschau sc!1. Berlin, 20. Dezember. Der Mann, der von der zionistischen Exekutive zum סיןfitischcn1 zionistischen Vertreter in Jerusalem ernannt wurde, ist bisher in der zionistischen Ocffcntlichkeit Unbekannt ge* wesen. Der Posten, auf den er gestellt wurde, ist einer der schwierigsten und verantwortungsvollsten in der zionistischen Bewegung. Bisher hat Dr. Eder diese Stelle mit grofieni Geschick und Takt ausgcfülft. Durch seinen Rücktritt ist eine Neubesetzung erforderlich geworden, bei der sich Schwierigkeiten ergeben inußtcn, da die Zionistische Orgnnisation ziemlich arm ist an Menschen, die in englischen Traditionen und in englischer administrativer Schulung nufgcwachsen sind. Die Tatsache, daß der Zionismus gerade in den englisch sprechenden Ländern Ins zum Kriege schwach gewesen i.rt und besonders das Erzleliungsproblem dort gar nicht so empfunden wurde wie etwa in Mitteleuropa, hat cs mit sich gebracht, daß nach dem Kriege, bei Verlegung des Schwerpunktes nach dem englischen Kulfnrkrds, sich ein Mangel an zionistischen Arbeitern fühlbar machen mußte. Die zionisiische Exekutive war gezwungen, wenn sie nicht alle K011tmuitiit abbrechen wollte, ihre Beamten vom Kontinent zu bcziehen. Konnten diese für den inneren Dienst der Zionistischen Organisation ausreiebcu, so mußten sie dort versagen, wo cs die Verbindung mit englischen Behörden und der englischen Öffentlichkeit Iicr/nslcllci» galt. Es war eine der Hanpt.iufgaben der neuen Exekutive, erstklassige Kräfte des englischen Judentums für den zionistischen Dienst zu gewinnen׳.Bei diesen Versuchen hat sich besonders Dr. Wcizmann Verdienste erworben, dem cs ja auch persönlich gelungen ist, hervorragende englische Juden, wie Alfred Mond und Herbert Samuel, Interesse für die zionistische Sache ciimifiößem. Aber erst €01. Kisch, der im englischen Staatsdienst eine bedeutende Stellung halte, hat auf seine Karriere verzichtet und sich ganz und gar der Zionistischen Organisation zur Verfügung gestellt. Da er nicht gewähltes Mitglied der Exekutive ist, so wird er seine Tätigkeit in Palästina etwa in analoger Weise ntistihen v.׳ie seinerzeit Dr. Ruppiii als Leiter des PaläsÜnaamtcs, der auch mir oberster Beamter und nicht gewählter Repräsentant war. Wir wünschen, daß es dein neuen Mann gelingen möge, ein enges Verhältnis zum palästinensischen Jischuw zu finden und die Brücke zwischen ihm und dem Oelberg herzustctlc«. Der Verkehr mit der palästinensischen Regierung erfordert zweifellos gewisse Fähigkeiten und Kenntnisse, die nur im englischen öffentlichen Leben erworben werden können. Da- 11er müssen wir es begrüßen, daß cs Dr. Wcizmann gelungen Ist, einen Mann zu finden, der diese Voraussetzungen mit starker zionistischer Gesinnung vereinigt. Wir hotten und wünschen, •laß durch die Tätigkeit €01, Kisclis eine Verbesserung der Beziehungen zur englischen Regierung angebahnt wird, die in der letzten Zeit oft etwas getrübt waren. * Eine der heikelsten Fragen, die immer wieder in zioni- «tischen Kreisen erörtert werden, ist die Beamtenfrage. Bei den wichtigsten Aufgaben zeigt cs sich, wie ungeheuer unsere Arbeit erschwert und in ihren Grundlagen gefährdet wird, wem» nicht ein hochqualifiziertes stabile3 Beamtentum das Rückgrat der zionistischen Arbeit bildet, In Palästina wurde diese Erfahrung schon tnchrfacli gemacht. Die Erfahrungen zeigen, wie gedankenlos es ist, wenn in gewissen zionistischen Kreisen immer wieder die Bcainlciv'rngc in einer Weise behandelt wird, durch die sich notwendigerweise die Beamten herabgesetzt und diskreditiert fühlen müssen. Dies gilt aber nicht nur in den höchsten Stellen der Organisation, sondern auch ln jedem ihrer Tcile und Gruppen. Ein Beispiel bietet der belgische Zionisums, der gerade vor einigen Wochen seine Jahreskonferenz abhiclt, Dar, Organ der belgischen Zionisten ,,1 latikwah“ übt an dieser Jahreskonfcnenz eine geradezu vernichtende Kritik. Es bezeichnet die Konferenz selhrt als völlig improvisiert, durchaus unvorbereitet, von zufälligen Eingebungen abhängig, bcherrscht von oberflächlichen Diskussionen einer unverstandenen Materie; und darüber hinaus kritisiert (las Blatt die Tätigkeit des eigenen Landesverbandes, dein es «lieht gelungen ist, eine durchgreifende mul kontinuierlich1•* Propaganda und Er- > zk'liiing zu entfalten, so daß er nicht einmal die großen |ü* dischcn Zentren Belgiens bisher mich mir oberflächlich erfaßt hal. Ironisch erwähnt der Leitartikler, daß jeder Mann, der sich in Antwerpen als guter Stilist entpuppte, Gefahr lief, zur Uchcnnhme der Redaktion der ״I latikwah“ mitgetordert zi» werden. Der belgische Landesverband hat bis jetzt stets seinen Ehrgeiz, daran gesetzt, keinen verantwortlichen Sekretär nim!־ stellen und nicht einmal die Redaktion amtlich zu besetze«. Die belgischen Gesinnungsgenossen gehören zu jenen Gruppen» die bei verschieden.;!«» Gelegenheiten cs nicht unterlassen konnten, das zioni;tische Beamtentum zu diskreditieren. Es zeigt sich jetzt, daß sie selbst ohne Beamte ein absolutes Fiasko erleiden müssen. Die zionistische Arbeit ist heute z.u um* fassend, als daß sie in freiwillig erübrigten Abendstunden er- Icdigt weiden könnte. Aus dieser empirischen Tatsache soll man keine prinzipielle Frage machen, wie cs in Paris und Autwcrpci» mul auch in anderen Stadien der Welt geschehen ist. Man kommt sonst in die Situation, daß man schließlich doch ein■■ ieht', die Arbeit ohne Sekretär nicht machen z.u können und daß sich dann schwer eine qualifizierte Persönlichkeit findet, die nach allein, was voran;gegangen ist, cs über sich bringt, einen Dienst nnrmtreten, der von vornherein von den engsten Mitarbeitern als etwas nicht ganz einwandfreies empfumlcn wird. Wir wünschen unseren belgischen Freunden, daß sie für ihre Organisation hochwertige Kräfte bekommen und mit Hilfe eines guten Beamtenstnbcs in die Lage versetzt werden, alle jene Aufgaben zu erfüllen, die die ״!latikwah“ als unerläßlich notwendig bezeichnet. Vielleicht werden sie dann auf Grund ihrer Erfahrungen über zionistisches Beamtentum anders denken und anders sprechen, als sic es leidet zum Schaden der Bewegung bisher getan haben, ' ׳ *• I Der Appell der Zionistischen Vereinigung für Deutschland an die deutschen Zionisten, durch schleunigcvAufbringung des Reisegeldes für die in Deutschland wartenden Chaluzim deren Abreise zu ermöglichen, hat in allen Ortsgruppen einen freudigen Widerhall gefunden. Es hat sich gezeigt, daß nichts auf ein so tiefes Verständnis aller zionistischen Kreise stößt, wie die Notwendigkeit der Alijah, der Einwanderung fachlich ausgebiklctcr jüdischer Arbeiter, Leider können heute noch nicht alle, die nach Palästina zu gehen wünschen, ihr Ziel erreichen, aber mncrliaib der durch die Verordnungen gesetzten Grenzen darf keine Möglichkeit versäumt werde«. Von Palästina wurden jetzt insgesamt 103 Arbeiter der verschiedensten Kategorien, besonders Bauhandwerker, aus Deutschland angefordert. Die erste» dreißig, für die die Aktie» cingclcilct war, konnten zu Chanukkah bereits nach Palästina abgehen und sind, wahrscheinlich schon dort cingetroffen. Es bleibt aber noch eine ganze Anzahl ausgerüsteter Chaluzim übrig, die in de« nächsten Wochen abgehen sollen. Die Aktion zur Aufbringung der Mittel muß also zumindest in der letzten Dezcinbcrwoche noch mit allem Nachdruck zu Ernte geführt werden. Ueber •len Modus, der weiteren Finanzierung wird dam» das am 1. Januar zusammen tretende Zentralkomitee der Z. V, f. D. b/w. das Actions-Comitd Beschluß fassen müssen. —• Ueber den Erfolg der Aktion unterrichtet atn besten ein Auszug aus einem Bericht der Hamburger Zionistischen Verciiiigung, worin cs heißt: ״Die erde Gruppe von dreißig deutschen Chaluzim geht in diesen Tagen geschlossen ins Land der Makkabäer! Der Ruf, diesem Vortrupp die matcriellcn Mittel zur Ucbcrfnhrt zu verschaffen, hat einen schnelle» Widerhall gefunden. Hamburg hat ln einigen Tagen ohne große Aktionen 103 eit״!. Pfund aufgebracht. Mühelos! .;Ile, die inan auging, gaben mit vollen Händen; fIle verstanden• Agudisten, Liberale, Zionisten. Alle wissen, worum es geht: Wir »teilen׳ mitten in ChanukkaU!“ — Achulieh war der Erfolg in mehreren nndenon großen Ortsgruppen. Besonders gefreut hat uns ein Briet, der in unserer Redaktion eingebauten ist. Er laufet; ״Sehr geehrte Redaktion! Mit freudiger Genugt״u!1g überweisen wir Ihnen durch die Berliner Hmidclsgcscllschritt, Berlin, 3053.— Lei, das Resultat einer Sammlung für die dreißig Chaluzim, •lene» das Reisegeld fiir Palästina fehlt. 1!offen wir, daß Inzwischen auch von anderer Seite die Mittel für diesen große» Zweck geflossen sind, 90 daß unsere jungen Binder mit ungeschmälerten» Enthusiasmus das erhabeiie Ziel ihrer Wünsche werden schnellstens erreichen können. Obzwar der wannempfundene Appell in Ihrem Artikel ״Das Selbstverständliche“ sich an die deutschen und russischen Zionisten wandte, .als an diejenigen, die geographisch am näclisten sind, haben wir cs als selbstverständlich empfunden, nicht die Distanz, die 1ms von Urnen trennt, zu berücksichtigen, solldem dieselbe» Ideale, die uns verbinden. Mit herzlichem Scha- 10m ui ul Rciscgiüqkvviiiiscbct! unseren liehen Pionieren, verbleibe ich im Namen der Subskribenten mit Zionsgruß Ihre Rachel Schöubcrg, Jassy, Rumänien.“ Tschernichowski in Berlin Der bekannte hebräische Dichter Saul Tscbcrnlchöwski ist soeben aus Konslantinopel, wo er sich nach seiner Abreise aus Odessa zwei Monate aufliidt, in Berlin cingetroffen, Tschernichowski, der uns bereits in der Redaktion besucht hat, hat die Strapazen der langen Reise trotz!;eines angegriffenen Gesundheit- ן zustaudes gut übcrstamlen und ist voller Pläne und Arbeitsfreuüe. Tschernichowski hat in Odessa die schwersteil Zeiten des Hungers miterlebt und berichtet grauenhafte Einzelheiten über das große Sterben, Für die nächste Zeit gedenkt er in Berlin zu bleiben und hier eine. Anzahl druckfertiger Manuskripte, die er mitgebracht hat, herauszugeben. Wir heißen den Dichter herzlich in Berlin willkommen und freuen uns, daß die hebräische Gemeinde unserer Stadt durdi eine der bedeutendsten dichterischen Persönlichkeiten der modernen hebräischen Literatur vergrößert wurde. . , . Angstpsychose ״Daß sie!וו Schwärmen kommen, wer will es leugnen? Um «las zu wissen, brauchen wir die Statistik nicht. Wo wir gehen und stehen, sind sie um uns her. Ucbcrall blicken wir in ihre seltsamen Augen, in denen flackernde List auf dickflüssiger Schwermut schwimmt wie ein ,Jahrzeit'-Lidit aut dem Del. Ueberall hören wir die gurgelnden, kreischenden Laute ihrer aufgeregten Gespräche. ln allen Bahnwagen hocke» sie und malen Ziffern in fettige Taschenbücher. I» allen Gates bilden sie gestikulierende Gruppen, laufen sie .schreiend und tuschelnd von Tisch zu Tisch und zur Tür hinaus zum nadisteu Notar, um rasch ein 1 lau* zu kaufen oder ein gestern gekauftes ,weitemigeben‘« Ganze Stralteiiziige Berlins gehen in ihre Hände über, ohne daß einer der Hausbewohner seinen ,Wirt* jemals zu sehen bekommt. Sie pfeifen auf die Miclcinnnlimcn,' sie pfeifen aut «lie Behörden, die Steuern und Instand« haltung verlangen, sic pfeifen vor allem auf die Wünsche, der Mieter. Urnen liegt nur an dem ,Objekt‘, mit •Icny in Händen sie der weiteren Markentwertung ruhig Zusehen können, und das sic bei passender Gelegenheit weitervcrschiebc«. Aber sie sind nicht einseitig auf Häuser erpicht, beileibe nicht. Was für Oeld zu haben ist, ist ihnen Kauf- und Verkaufsobjekt. Alte Kleider und neueste Kunst, Juwelen und Pelze, Devisen und Metall, für alles sind sic Käufer und Weiterverkäufer. Dazwischen kauten sie unsere Lebensmittel, unsere Wäsche, unsere Stoffe, Kleider und Stiefel, nicht gerade als Selbstzweck, sondern gelegentlich im Vorbeigehen, weil sie cs i.1 dazu haben ud weil ,der Mensch‘ doch schließlich sich kleiden und essen muß. Sic zahlen nicht einmal dafür Ausländerpreise, ln de» meisten Fällen findet sich ein gefälliger Verwandter oder Gescliäftsfrcund, der ihnen den Einkauf besorgt und dett Aufschlag erspart.“ Die Herkunft der vorstehenden 'A'eußerungcn wird man sich in der Gegend der ״Deutschen Zeitung“ oder rechts von ihr etwa bei den Freunden des Herrn Richard Kunze denken. Aber weit gefehlt. Zu diesem Paroxys» mtis von Haß und Verachtung kann sich der wütendste Antisemit nicht versteigern So schreibt — der ״Verband Jintionaldciitschcr Juden“, diesmal vertreten durch sein Mitglied, Herrn H obr e eh t, in der ״Kölnischen Zeitung“, die schon einmal der Naumannschcit Gruppe Gaslfreimd- Schaft gewährt und ihr dadurch zu unverdienter Populan» tiit verholten hat. Wenn man diesen, die ״Ostjuden» ge fahr“ überechriebcnen umfangreichen Aufsatz liest und versucht, die psychologische Grundlage zu erkennen, die einen Juden veranlassen kann, mit derartigem bmtaleml Haß die in Deutschland lebenden Ostjuden anzufallen, sie der Ocffcntlichkeit zu denunzieren, um ein Einschreiten zt< veranlasse״, so wird inan bei der weiteren Lektüre dcsi Artikels dieses psychologische Rätsel lösen können. Denn nachdem Herr Hobrccht die Ucberflutung Deutschlands! mit Ostjuden gebührend gekennzeichnet hat, nachdem er deutsche Beamte verdächtigt hat, daß sie ostjüdisclicit Wünschen mehr als notwendig zugänglich seien, wendet er sich gegen die Gemeinden, die den ostjüdischen kuUurollen Bedürfnissen entgegenkomnien (cs wäre ihm vermullich am liebsten, wenn man Osijuden den Besuch der Gemeindesynngogen verbieten würde) und führt dieses! freundliche Verhalten der Gemeinden, das wir keineswegs( immer bemerkt haben, auf den Einfluß der Zionisten zu» rüde. Und damit ist sein Stichwort gefallen. Was nun! folgt, sind eine Reihe richtiger Bcobaditungen. Der enge!, Zusammenhang des Zionismus mit den geistigen Kräften[ des Ostjudentums, über den er klagt, ist in der Tat vor« handen, und wir freuen uns, wenn der Verfasser ihn speziell in der ״Jüdischen Rundschau“ entdeckt zu haben glaubt. Mit der Freude, die Lob aus Feindesmund verursacht, konstatieren wir auch, daß• cs uns gelingt, die jungen Ostjuden dein Materialismus der älteren Generation zi* entreißen und sic zu ״wirklidien Idealisten vollcrSchaffcns» frcuclc und Hingebung an die Sache des Herzens“ zu erziehen. Freilich, auch das konstatiert der Verfasset( ganz richtig, werden die Ostjuden auf diesem Wege keine ״nationahleutsdicn Juden", sondern stehen deutsche!( Kultur zwar mit Liebe, aber dodi ais Menschen eigenen jüdischer Art gegenüber. Und nun das furchtbarstei ״Diese fremd fühlende und fremd denkende Jugend sucht geflissentlich Fühlung mit unserer eigenen Jugend, un4 der glühende Fanatismus, der diese Apostel des Unä deiitsclilums beseelt, gibt ihnen Waffen in die Hand» denen das Rüstzeug unserer deutschen Kinder oft nicht standhält. Sie benebeln die Sinne unserer Jugend mit aufwühlenden und lockenden Worten von nationalem Selbstgefühl und stolzem Eigenleben; sie flößen ihnen' auch ilire wirren kommunistische» Vorstellungen ein, jenen mit Ideen der deutschen Jugendbewegung durchsetzten Pscudokoiniinmisimis, der in Palästina ru eigen* artigen Gemeinschnftsbikiungcn geführt hat — mit erschnorrten!, nicht etwa erarbeitetem Gelde. Alle diese mit echter Begeisterung vorgetragenen Phantastereien ver* fehlen nicht ihre Wirkung,“ '1 Wir zweifeln nicht daran, daß der Verfasser in de!( Tat nationales Selbstgefühl und stolzes Eigenleben nur füll Phrasen und Phantastereien halten kann. Wir glauben auch, daß er darin konsequent ist. Er verstellt nämlich ebenso wenig von deutschem Nationalgcfühl wie von jüdischem, und seine haßerfüllten Ausführungen sind nicht aus Liebe zum Deutschtum diktiert, sondern aus einem ganz anderen Gefühl, Dieses andere Gefühl aber ist' Angst, zitternde, beim Anblick jede;} Ostjuden immer wieder erneute verächtliche Augst vor dem Gespenst des jüdischen Volkes und des Judentums, das der Assimilation der Herren nationnldcutschen Juden wieder einmal den Spiegel vorhält und ihnen den entsetzten Gedanken aufzwingt, ob nicht auch sie noch etwas von diesem Judentum an sich haben, ob man nicht auch ihnen den Juden muncrkeii möge. Und dann die weitere Angst, daß die Kinder der schrankenlosen Seibsieiitäuftening und Würdelosigkeit der Ellern müde werden könnten, daß das stolze Selbstgefühl des zionistischen Juden, mag er aus dem Westen oder Osten stammen, ihrem Herzen mehr Zusagen könnte als aller Tcutanismus und deutsher Chauvinismus

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