Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 101-102 (22.12.1922)
- Date
- 1922-12-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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י Seite 000 JUEDISCII2 ROND5CI1 Nr. 101/102 Unter den hinterdrein Reitenden erkannte ich den Hofmarsdiall Eulcubiirg, der mich liebenswürdig grüßte. Die Schau,״äste von Milaveh waren ganz verblüfft. Einige fragten, wer das war. Die Rothscliildsclicn Adnjrinistratorcn blickten sclicu und verdrießlich. Wolffsoltn, der Brave, hatte zwei Momentaufnahmen der Szene gcmadit. Wenigstens glaubte er cs. Er klopfte sich stolz auf seinen Kodak. ״Die Platte geb* ich iiicht um zehntausend Mark her.“ Aber als wir «ach Jaffa zum Photographen kamen und die Platten entwickeln ließen, zeigte sich, daß* auf der ersten Aufnahme nur ein Schatten des Kaisers und mein linker Fuß zu sehen war; die zweite Platte war ganz verdorben. In furchtbarer Hitze fuhren wir dann mit der Bahn nach Jerusalem. Eine Stunde dauerte die Abfahrt allein auf denn Daluihof von Jaffa. Es war eine Marter in dem engen dichtbesetzten glühenden Coupe. Unterwegs durch die trostlose verödete Landschaft begann ich zu fiebern und wurde immer fiebriger und matter, je weiter wir in den Sabbat hineinftilircn. Denn wir fuhren zur größten .Verzweiflung Wolffsohns infolge der Zugverspätung in den Sabbat hinein. Im vollen Mondschein kamen wir ln Jerusalem an. Ich wäre gern die halbe Stunde vom Bahnhof nach dem Hotel gefahren; aber die Herren machten bedenkliche Gesichter, und so mußte ich mich entschließen, mit meiner Ficbennüdigkeit in die Stadt zu gehen. Ich wankte ordentlich an meinem Stock, den andern Arm stützte ich abwechselnd auf Wolffsohns und Schubs Arm, Trotz der Mattigkeit machte mir Jerusalem im׳ Mond- Staub mit seinem großartigen Umrissen doch einen machtigen Eindruck. Prachtvoll die Silhouette der Feste Zion, Ücr Davidsburg. Die Gassen waren voll von im Mondschein Iustwandelnden Judenscliarcn. Ich war noch sehr unwohl, bevor ich einschlief. Ich nahm Chinin und erbrach darauf. Dann rieb mich Schnircr mit Kampferspiritus ein und schlief die Nadit in meinem engen Kämmerlein. Wolffsohn war ganz weg vor Aufregung. Er gab midi vielleicht schon auf. Morgens erwadite ich erleichtert. Bin aber heute roch recht matt. Idi bin bis jetzt abends noch keinen Sdiritt aus dem Haus gewesen, ich sehe nur aus den Fenstern und finde, daß Jerusalem prachtvoll daliegt. Es ist noch jn seinem jetzigen Verfall eine schöne Stadt Und kann, ■wenn wir herkommen, wieder eine der sdiönsten Städte der Welt werden. Aus meinem Hotelfcnster sah Ich' nachmittags den Kaiser die Triumphbogen passieren, zuerst den jüdischen, dann den türkischen. Er soll bei den Juden etwas länger verweilt haben. Ich war nicht beim Bogen der Juden, weil hier zwei Parteien waren. Die eine wollte, daß ich!die Ansprache der Gemeinde an den Kaiser halte. Die andere schien zu wünschen, daß ich mich mit meinem Zionismus gar nicht in ihre Nähe begebe. Da nun, wie mir mitgeteilt wird, der Chadiam Basdii von Konstantinopel dem hiesigen den Vorschlag gemacht hatte, mich mit dem großen Bann zu belegen — so wollte ich diesen orientalischen Protestlern lieber gar nicht in die Nähe gehen, , 1 31. Oktober, Jerusalem. Wenn ich künftig deiner gedenke, Jerusalem, wird cs! nicht mit Vergnügen sein. Die dumpfen Niederschläge zweier Jahrtausende voll Unmensehl ichkcit, Unduldsamkeit und Unreinlichkeit sitzen in׳ den übelriechenden Oassen. Der eine Mensch, der liebenswürdige Schwärmer von Nazareth, der in all der Zeit hier war, hat nur dazu beigetragen, den Haß zu vermehren. Bekommen wir jemals! Jerusalem1, Und kann ich zu der Zeit noch etwas! bewirken, so würde ich cs zunächst reinigen. Alles, was nicht Heiligtum ist, ließe ich räumen, würde Arbeiterwohnungen außerhalb der Stadt errichten, die Schmufznester leeren, niederreißen, die nicht heiligen Trümmer verbrennen und die Bazare anderswohin verlegen. Dann unter möglichster Beibehaltung des alten Baustils eine komfortable, ventilierte, kanalisierte neue Stadt um die Heiligtümer herum errichten. Vorgestern abends kam der gut« Hedtler hier an und war bei mir. Ich sagte ihm״ ,׳wenn leb bei der nächsten Vakanz des Jerusalemer englischen Bistums was dreinzureden ube, müssen Sie Bishop of Jerusalem werden“. Er lehnte den Gedanken ab. Ich wiederholte: ״Bishop of Jerusalem 1“ Die hiesige Judengemeinde kt wie die anderen. Jetzt stellt sich heraus, daß der Mann, der mir ihre angebliche Einladung überbrachte, gelogen hatte. Von mir ging er zu den Vorstehern und sagte ihnen, daß ich gern unter ihrem Triumphbogen den Kaiser erwarten rnödite. Darauf erklärten die Vorsteher — es sei kein verfügbarer Platz mehr vorhanden. Unter den Besuchern, die sich bei mir im Manschen Hause einfinden, war gestern auch der spanische Rabbi Meyr. Er erklärte mir die Haltung der hiesigen Großrabbiner, die es sich mit der türkischen Regierung nicht verderben wollen. Ich sagte amüsiert: ״Um den Herren keine Verlegenheit zu bereiten, werde ich sie auch nicht besuchen.“ Wir waren bei der Klagemauer. Eine tiefere Bewcgting will nicht aufkonunen, weil sich an diesem Orte ein!läßlicher, elender, spekulativer Bettel breit macht. So war cs wenigstens gestern in den /!׳ Morgenstunden, als wir dort war!!d- und heute ln den Gestern abend besuchten wir den Davidstunn. Belm Eingang sagte ich zu meine!« Freunde: ״Es wäre eia guter Einfall des Sultans, wenn er mich hier gefangennehmen ließe.“ Ergreifend die Aussicht von den verfallenen Zinnen auf die in Abenddlinsten verdämmernde Stadt. Verlier waren wir ־— ziemlich r.clmeil — durch die via dolorosa gegangen, weil es dort für Juden nicht geheuer sein solle. Seidener, der früher hier gewöhn t hat, wollte durchaus nicht mitgehen. Ich 11’lite er» für eine Feigheit gehalten und ging doch durch die Straße der Grabeskirclie. Vom Betreten der heiligen Grabeskirche hielten midi die Freunde sib. Man darf auch die Omarmoschee, den Tempelplatz nldit betreten, sonst verfällt man dem Bann der Rabbiner. So geschah cs Sir Moses Montefiorc. Wieviel Aberglauben und Fanatismus von eilen Seiten. Dennoch fürchte ieli mich nicht vor all den Fanatikern. Heute waren wir in einem jüdischen' Spital. Elend und Unrcinlidikcit. Im Gedenkbuch mußte id1> dennoch schandenhalber die Rcinlidikcit bezeugen. So entstehen die Lügen. Von der Galerie einer alten Synagoge genossen wir im Vormittagssonnensdicin die Aussicht auf Tempclplatz, Oelberg und die ganze legendäre Landschaft. Weltkongreß und Zionistische Organisation An dl« Redaktion der ״Jüdischem Rundschau" Berlin. In Ihrem Aufsatz ״Weltkongreß und Zionistische Organ!- satlon“ haben Sic den Verhandlungen am österreichischen Parteitag einen breiten Raum gewidmet. Als Gcncralrcdntr contra, dessen Ausführungen mjt Beifall und ohne Widerspruch aufgcnontincn wurden, halte ich mich für berechtigt und im Interesse unserer Organisation für verpflichtet, einzelne Ihrer Anschauungen richtigzustcllcn. Vor allem möchte ich die angcdeutctc Auffassung zurück• weisen, als ob die gefaßten Resolutionen nur mühsam das Bestehen zweier feindlicher oder sagen wir gegnerischer Gruppen verkleistern würden. Zum allgemeinen Verständnis soll der Verlauf des Parteitags, soweit die Verhandlungen über den Weltkongreß in Frage kommen, kurz skizziert werden. Nachdem der nunmehr zurückgctreteno Präsident der osterrcichischcn Landcsorgnnlsation,' Herr Obcr-Ing. Stricker, in seinem Bericht auch kurz die bekannten Bedenken gegen de!» Weltkongreß vcrgcbracht hat, erklärte Herr Oberrabbincr Dr. Chajes mit dem ganzen Nachdruck seiner Würde als Präsident des zionistischen Aktionskomitees, daß, der jiidlache Weltkongreß bereits beschlossen sei und daher über seine Existenz nicht mehr diskutiert werden dürfe.. Man könne nur darüber sprechen, wann und unter 'welchen Bedingungen der Kongreß stattzufinden habe. In der Folge haben alle Redner, ohne Ausnahme, diesen Weisungen In weitgehendstem Sinne entsprochen, da« heißt, sie haben entweder mit Begeisterung für den Kongreß gesprochen oder jene Punkte betont, welche ln» Falle seiner Einberufung zu berücksichtigen sind.. Die einen fürchteten, die Majorität könnte nicht bloß die Zionistische Organisation •überstimmen, sondern Beschlüsse: fassen, welche die bisher geleistete Arbeit Zit vernichten droht, andere fürchteten, daß auf eine Einladung der Zionisten so wenige Nichtzionisten kommen würden, daß dadurch (las Ansehen der Zionistischen Organisation geschwächt werde, ohne irgendeinen praktischen Vorteil, ja selbst der Generalrcdiicr pro, Herr l)r.!(.«lisch, wies darauf hin, daß im günstigsten Falle, also bei guten« Besuch und ebensolchem Arbeitswillen beispielsweise die Sozialisten und die Ortho« doxen vor nahezu unüberbrückbaren Gegensätzen stünden, Wieder andere meinten, man solle erst mit den außen• stellenden Gruppen verhandeln and erst, wenn ein gedeihliches Arheitsprogramm festgcstcllt ist, den jüdischen Weltkongreß cinberufcn. Damit kommen wir der Beantwortung der von Herrn Oberrabbiner Dr. Chajes gestellten Fragen auch schon naher, Wenn auch kein bestimmter Beschluß über , den Zei'.punkt des Weltkongresses gefaßt wurde, dürfte er Im Sinne der Opposition dann gegeben sein, wenn die verschiedenen Ein• wände sorgfältig geprüft sind und die Einberufer für alle Eventualitäten gerüstet sind. Und nun wird cs leicht sein, die Befürchtungen über den beanstandeten Zusatz ״der Kon• groß dürfe den Bestand der Zionistischen Organisation nicht gefährden“ zu zerstreuen. Die psychologischen Voraus• Setzungen wurden von Ihnen ganz richtig gezeichnet, der Zweck dieses Beschlusses jedoch mißverstanden. Nur für den Fall, «is einer der befürchteten Fälle eintritt, nämlich daß sich ein Zusammenarbeiten mit den Nicht• zionisten als unmöglich erweisen sollte und im Verlaufe elnc9 vielleicht absichtlich herbeigerufenen Chaos der Zerfall der Zionistischen Organisation zu befürchten wäre, dann er• klären wir schon jetzt, daß wir den Willen haben, unter allen Umständen die Zionistische Organisation aufrecht• zucrhaltcn. Das Ist ehrlich und eindeutig und hat mit einer Ein• sd^ränkung des Programms des Jüdischen Weltkongresses nicht* zu tun. Zum Schlüsse noch eines. Es wird auch weiter begeisterte Anhänger und skeptIsche Zuschauer unter uns geben. Hüten wir uns davor, daraus zwei feindliche Parteien zu machen. Die Optimisten mögen zeigen, was sie können. Im übrigen sei den Zionisten und dem jüdischen Weltkongreß der bei anderer Gelegenheit gebrachte Vorschlag unseres Og. Herrn Dr. Kadis eh (Vöslau) wiederholt: ״Wo wir einig sind, gehen wir miteinander; wo wir verschiedener Meinung sind, gehen wir unserer Wege, ohne uns gegenseiti,; zu stören." 14. Dezember 1921 Innsbruck. Hugo O r n s t c i n. Araber und Türken (J.P,Z.) Dl« türkische Zeitung ״Adana" in Angora teilt mit, daß die kcmalisthelie Regierung den Emir Abdal Iah, dessen Bruder Emir Seid und Rida Pascha Eirahabl, den ersten Ratgeber der trruisjordanischen Reßicruivg, in contumaciam zum Tode verurteilt hat. Einem Telegramm aus Jerusalem־ zufolge Ist Eiieser Bcn-Jeliuda dort gestorben. Eiieser Bei» Jehuda (Pcrlm'ann) Ist 1857 in Lusciiky (Gouvernement Wilna) geboren. Er besuchte die Jcschiwa in Plozk und widmete seine freie Zeit der Erlernung der eure, päisdicn Sprachen und weliiichcn Wissenschaften. Nachdem er die Jcschiwa verlassen hatte, trat Ben Jehuda in die Rcak schule in Dwinsl! ein. Die Ideen des modern«» Sozialismus, der'Kampf der slawischer» Völker für die Unabhängigkeit und der dadurch hervorgerufene russisch-türkische Krieg brachten eine völlige Umwandlung in seine Weltanschauung. Der zu jener Zeit in russischer Spradic erschienene, von zionistischen Tendenzen erfüllte Roman Elliots ״Daniel Deronda“ machte auf ihn einen großen Eindruck, und Ben Jehuda beschloß, sein Lebert der Wiedererweckung de» jüdischen Volkes ru widmen. Er ging nach Paris, um dort Medizin zu studieren, und wollte sidi dann als Arzt in Palästina nicdcrlassca Im Jahre 1879 wurde in» 1״ lasch,ichar“ (IX. 360— 66) der erste literarische Versuch Bei» Jehudas veröffentlicht, der Aufsatz ״Scheck Hanisdibada“, in welchem er wie tn zwei darauf, folgenden Aufsätzen den Gedanken aussprad», daß die Er- Haltung und Erneuerung der jüdischen Nation nur möglich ist durch Erneuerung des Landes der Väter und der biblischen Sprache. Durch ilire Form um! starke, originelle Sprache lenkten die Aufsätze des unbekannten Publizisten die Auf• merksamkeit auf sich. Die Grundidee Ben Jehudas rief viel Widerspruch hervor, und selbst ein so überzeugter Vorkämpfer der nationadn Idee wie Smoienskin wies darauf hin, daß die Juden vor allem eine geistige Nation seien und daß, bevor man sich mit der Kolonisation Palästinas beschäftige, es nötig sei, unter der jüdischen Jugend die nationale Idee zu verbreiten. Um diese Zeit erkrankte Ben Jehuda ernstlich; er ging dann nach Algier und ein Jahr später nach Jerusalern , wo er Hauptm/t ־.rheiter der vor» Fnimkin hcrausgcgcbcncn Wochenschrift ״Chawazelct“ wurde. Dem Versuch Ben Jehudas, neben dieser Zeitschrift eine Monatsschrift zur Erforscliung Palästina» tiernuszugeben, war kein Erfolg bcschieden, und die Zeitschrift ״Mcwasscrct Zion“ hörte nach der ersten Nummer auf zu erscheinen. In Jerusalem machte Ben Jehuda als erster den Versuch, die hebräische Sprache in eine lebendige Sprache umzuwandcln. Mit eiserner Kon- Sequenz bediente er sich ihrer im Kreise seiner Familie als tägliche Umgangssprache; er bemühte sich, sie zu erweitern und den Bedürfnissen des täglidten Lebens und der modernen wissenschaftlichen Terminologie anzupassen. In der von ihm 1884 gegründeten Wochenschrift ״Harwi“ führte er eine spezieile Abteilung ein mit dem Ziele der Erweiterung und LebendigniAchung der hebräischen Sprache vermittels der in Vergessenheit gentenen in Talmud, Midrasch und in der späteren mittelalterlichen Literatur zerstreuten Worte und durch Einführung arabischer Worte, welche offenbar semitische Stämme hatten, ferner mit Hilfe von neuen Wortbildungen auf Oruntl der Gesetze der hebräisdhen Sprache. Ungeachtet 1 der Opposition der literarischen Puristen erlangten viele von diesen von Ben Jehuda neugebiUeten Worten das Bürgerrecht!in der hebräischen Literatur. Auf seine Initiative wurde die hebräische Sprache zur Umgangs»■ und Unterrichtssprache in| fast allen neuen palnstinenrisdicn Schulen. In seinem Organ* in dem er die Grundsätze einer gesunden ttrol normalen Ko• Ionisation vertrat, fiel er über das veraltete System der Unterstiitzungen, die ״Chaluka“, und auch über ihre Verwaltung her; dadurch zog er sich sehr viele Feinde za Infolge einer Denunziation wurde seine Zeitung polizeilich geschlossen und er selbst a!9 politischer Verbrecher ins Gefängnis gesperrt Wenige Monate darauf wurde er wieder in Freiheit gesetzt und erneuerte die Zeitung, welche wenige Jahre später in die ״Hnschkrafa" um gewandelt wurde; nach der Aenderung der Zensurbedingungen in der Türkei nach Einführung der Konstitution gab er eine Tageszeitung unter der alten Bezeichnung ״Hazwi“ heraus (1903). Nazi« dem Kischincwcr Pogrom und dem 6, Ziomstenkongreß, auf welchem Herzt angesichts des Zusammenbruchs der Hoffnungen auf baldige Erlangung des Charters mit dem Ugandaprojekt hervortrat, verteidigte Ben Jehuda in einer Reil«; von Aufsätzen ln der ״Hasdikrafa“ dieses Projekt, indem er aus führte, daß ״das Land für das Volk und nicht das Volk für das Land dasei“ und ״das Volk als Ganzes nicht warten könne“, weil ״seiner nationalen Existenz der unweigerliche Tod droht, von welehern cs sich nur durch ein eigenes Territorium retten könne“. ״In der jüdischen Nation lebt noch die jüdische Seele, welche genügend Kraft besitzt» um das jüdische Land (Erez-lsracl) in irgendwelchem Lande unter irgendwelchem Klima zu gründen.“ — Dieses Eintreten für Uganda isrt Ben Jehuda später oft vorgeworfen worden. Die nationale Instinktlosigkeit, die er damals bewies, hat ihn auch später noch auf Abwege geführt; ao z. ß. hat er die Administration des Barons gegen ehe zionistische Kritik verteidigt und zuletzt ist er, der extreme und befehdete Freigeist, ln intime Beziehungen zu dem früher von ihm 80 scharf bekämpften ״alten Jischuw“ getreten. San Organ, der ״Donr Haj&m“, dessen Chefredakteur Ben Jehudas Solu», Bem-Awi ist, Isrt geradezu das Organ der reaktionär-orthodoxen Richtung. Von den demokratischen und fortschrittlichen Kreisen des Jischuw ist Ben Jehuda daher in letzter Zelt oft bekämpft worden, niemals aber vergaß man den Respekt vor dem großen Fanatiker der hebräischen Sprache, dem Vater der hebräischen Umgangssprache. Er, der das Wort geprägt hat: ״Ihr wollt uns eurenSabbath geben, wir aber brauchen den ganzen Menschen“, — hat den Alltag hebraisiert Zur Zeit der Brandeiskrise hat Ben Jehuda für die Brandeis• gruppe Partei genommen. Er und sein Blatt standen eine Zeit lang in schärfste* Opposition gegen die Zionist Coir» mission und die zionistische Leitung in Palästina, besonders Ussäschkin ist heftig von ihm angegriffen worden, ln der allerletzten Zeit scheinen siel« die Verhältnisse etwas gebessert zu haben. Als nach dem Waffenstillstand die Bewegung für die jüdische Dc 1 egicrtcnversammiung konkrete Formen an nahm, war Ben Jehuda ein Gegner der Assephat haniweharim, besonder« weil sie eine linke Färbung zu bekommen drohte, und nuch den Waad Leumi hat er später bekämpft. Bei der letzten Tagung ist eine Versölmung mit seiner Gruppe zu* standegekommen. Als das btcrarisclk-wlssensdiaftllchc Lebenswerk Ben Jehudas, an welchem er etwa 30 Jahre arbeitete, erscheint das