Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1922)
- Date
- 1922-12-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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JUED ISCHE RUNDSCHAU Nr. 100 Seite 058 Zur Frage des Weltkongresses Offener Brief &n Dr. Isaak Breuer von Jakob Hakohe»• Katzcnstein. Mein Herr! . Als ich vor nunmehr fast zwei Jahre« Ixt der ״Jüdischen Rundschau״ über den. Weltkongreß schrieb, nntworteten Sie mir auf meine Elite um Stellungnahme wie folgt: ״Ich muß den Weltkongreß auch ln der von Ihnen vorgeschlngcncn Form durchaus ablchtien und bin es einigermaßen müde, oftmals wiederholte Dinge immer wieder von neuem vorzutragen. . Die Zusammenarbeit aller Juden könnte nur durch allscitige Unterwerfung unter die Herr• schaft des jüdischen Rechts) erfolgen, verbunden mit sicheren Garantien, daß die Bestimmungen dieses Rechts tatsächlich stets und überall toncgehaltcn würden. Solche Oaranticn könnten nur in den Personen liegen,“ Inzwischen ist die Wcltkcmgreßfragc ins akute Stadium getreten. Nachdem die Zionistische Organisation in 25-jährigem Kampf die Anerkcnmu;״ des jüdischen Rechtes auf Ercz-Israel duichgcsetzt hat, hat sie ihre Exekutive beauftragt, die Ein• heniinng eines nlljihlischcn Weltkongresses vorzubereiten, der allen Juden der Welt die Möglichkeit geben soll, auf die Ent- Wicklung Palästinas den entscheidenden Einfluß auszuüben. Zu diesen Vorbereitungen der Zionistischen Organisation nehmen Sie hi Nr. 23 der Agudistischcii ״Blatter" in einer Weise Stellung, die den leidenschaftlichsten Widerspruch herausfordert. Die Sache, um die es geht, Ist zu groß und für die Weitcre.Nistenz unseres Volkes von zu entscheidender Bcdeutun!:, als daß es am Platze wäre, über die Form Ihres Angriffes viel Worte zu verlieren. Sie versuchen den Weitkongreß zum Scheitern zu bringen, indem Sie die Atmosphäre vergiften, in der sich die Vorbereitung dieses historischen Ereignisses abspiclcat muß. Auf diesem Wege will ich Ihnen nicht folgen. Um so notwendiger ist ein« sachliche Entgegnung. Sie lehnen den Weltkongreß ab, weil nach Ihrer Meinung■ die Zionistische Organisation die schlimmste Feindin des jüdiselten Volkes ist. Es kann nicht meine Absicht sein, Ihre persönliche Meinung in dieser Frage zu ändern. Was ich schreibe, richtet sich über Sic hinweg an die von Ihnen Vcrführten. Wenn dies tatsächlich die Massen des jüdischen Volkes sind, was bcstritlen werden muß, 60 ist cs umso weniger verständlich, warum Sie cs ablchnen, auf einen Kongieß zu gehen, der nur geeignet sein könnte, die Stärke: Ihrer Position zu zeigen und Ihrer Organisation den aussehlaggcbcndcn Einfluß im Judentum der Gegenwart zu geben. Dies nebenbei. Die Feindschaft aber, die im Verhältnis zwischen dem jüdischen Volk und dem Zionismus nach Ihrer Ansicht herrscht, werde« Sic niemandem glaubhaft machen können, der auch nur einigermaßen objektiv zu urteilen vcrstellt. Diese Feindschaft besteht wohl bei Ihnen, aber nicht bei uns. Es ist auch nicht wahr, daß sich der Zionismus in einem Zustand vollendeter Empörung gegen das Gottcsrccht befindet, wie Sie behaupten. Der Zionismus kommt allerdings aus einem Stadium der Entfremdung von der Tradition. Das ist die Schuld derjenigen traditionstneucn Generationen, die nicht inehr die Kraft hatten, ihre Söhne im Sinne ihrer eigctkh Weltanschauung zu erziehen. Trotz dieser Entfremdüng hat der Zionismus aus eigener jüdischer Lebenskraft heraus an einem absolut entscheidenden Punkt die Vorhindüng mit der jüdischen Tradition wieder mitgenommen, indem er die Erfüllung des Gebots der Rückkehr and! Ercz-Israel zu seiner entscheidenden Forderung erhob. Freilich ohne die Konsequenzen dieser Forderung, die nur in der Rückkehr zur ganzen Tradition bestellen können, von Anfang au vollständig zu übersehen. Der Typus des Zionisten ist nicht, wie in Ihrem Tciiclc-nzroinan Heinrich Tharnlng, der Zionist wird, indem er mit der Tradition bricht, sondern Theodor Hcrzl, der —• der Tradition ohne wesentlich« eigene Schuld entfremdet — die Verbundenheit mit dem jüdischen Volk in einem ungeheueren, umformcndcn Erlebnis begreift und aus diesem Erlebnis die Konsequenzen — zunächst natürlicherweise nur die unmittelbarsten Konsequenzen — zieht. All dies liegt offen zutage und brauchte demjenigen nicht gesagt zu werden, der dein im Zionismus sich regenden neuen jüdischer» Leben auch nur einigermaßen mit den Gefühlen des Bruders gegenüherstümlc. Daß es an diesem Gefühl der brüderlichen Verbundenheit mit anderen Juden bei Ihnen fehlt, kt die Ursadie der Fremdheit, mit der Sie nicht nur dem Zionismus, sondern allen denjenigen Juden gcgcnübcrstehcn, die nicht in ,,Personen“ — wen meinen Sie außer ihrer ‘ Person? — die Garantien für die Herrschaft des jüdischen; Rechts zu sehen. Dies allein beweist, daß Sie am allcrwenig- ן stci» Grund haben, sich im Besitz des allein seligmachendcn! Judentums zu glauben. Es beweist, daß gerade Sie in einem | ganz wesentlichen Punkt dem Sinne des von Ihnen so oft 1 im Munde geführten Gottesrechts entfremdet sind. j Eine zweite Tatsache, an der Ihre Fremdheit gegenüber dem Sinn des Thora-Gesetzes offenbar Wird, ist der offenkundige Mangel an Palästina-Bereitschaft, der in der agudistischcn Orthodoxie -- mindestens Deutschlands — konsta• tiert werden muß. Es ist kein Zufall, daß man noch in allerletzter Zeit von agudistischcn Führern — wenn cs solche außer Ihnen gibt — Acußernuigen hörte, die das Gebot der Rückkehr «ach Ere7.-Isracl als gänzlich unverbindlich hinslclle« wollten. Und cs ist kein Zufall, sondern ein schuldhaftes Versagen der Orthodoxie, daß unter der neuen Einwanderung nach Ercz-Israel das thorafrenide Element in der großen U eher zahl ist. Wo sind die agudistischcn Chaluzim, Herr Dr, Isaak Breuer, die den thorafeindiiehen Einflüssen der radilcalisierfen ostjudischen Jugend in Ercz-Israel ein Paroli bieten könnten? Warum haben Sie sich — von 1837 bis heute — an der Kolonisierung Ercz-Israels so wenig beteiligt, daß Ihr Einfluß auf die kulturelle Entwicklung des neuen Jbchub so wenig zu spüren ist? Dieser Mangel an Palästina- Bereitschaft hat Sie unfähig gemacht, im Judentum der Gegenwart die führende Rolle zu spielen, die Sie — ach so gerne — spielen möchten, und mit Fug und Recht hat Sic der Zionismus überflügelt, der instinktiv die göttliche Forderung des Augenblicks schneller und besser' verstand 41s Sie. Ganz allgemein muß darüber hinaus gesagt werden, daß Sie und weite Kreise Ihrer Gesinnungsgenossen uns in hohem Maß charakterisiert erscheinen durch eine minutiöse Peinlichkeit bei der Erfüllung der äußeren Formen des Gottesgesetzes in Verbindung mit einer bemerkenswerten Fremdheit gegenüber dein tiefen Sion dieses Gesetzes, wie wir diesen > den großen Dokumenten unserer nationalen Kultur — der Bibel und ihren Kommentaren — zu erkennen glauben. Wäre dies anders, so müßten Sie längst in engem geistigen Kontakt stehen mit wertvollen Teilen der zionistisch« Jugend Deutsch־ Land, die nicht ohne Erfolg hehr.'.!:eh gelernt ir.t 11*1111 eich um die geistige Verftu;itimg der mit der Weil :...telifuu:«,״ de* traditionellen JudcuUims ln Z.'tsnmnvntiatv{ ttdi.iiden Probleme rnit tiefem Ernst bemüht. Aber Sie könne» ja noch nicht einmal Ihre eigene* Jtigaid vcr: teilen, wie Sie auf der letzten Tagung de# EU, A, In. lutbrr-tvlt gezeigt haben. In׳ einem lichten Augenblick der Selbsterkenntnis haben Sic stell und Ihre Freunde lut ״Israelit" einmal bezeichnet als die ״Krücken“, aus dem Feuer der AsnhnllatlonscpocUe gerettet, die die Brandmale des zehrenden Feuers an sich tragen. In der Tat, so ist cs. Ihre heroischem Verdienste sollen der Orthodoxie nicht geschmälert werden. Sie hat die Tradition und mit ihr das Judentum überhaupt bis in den zukur,ftsträchtigen Zeitpunkt hinübergerettet, den wir erleben. Aber ob diese ״fcncrvcrbratuiter» Krücken" geeignet sind, die Zukunft des Judentums zu tragen, darf füglich bezweifelt werden. Und wenn man einmal im ״Israelit“ den Zionismus in kriin* kender Absicht als das ״Werkzeug Gottes“ bezeichnet hat, so müssen wir sagen, daß wir keinen liöheren Ruhrn kennen, als in positivem Sinn Gottes Werkzeuge zu sein. bA k m fte ao,f ZiCM1I5Ss€t f|4* l \i(rl h V-j iiiiicii, den 20, bdz csföp, ß ISP n in clor SSadthaile, neues Rathaus, Klosters!*, 47-62 ״ (Uütorgruiiclbahnliof Klostorstrasao, Stadtbahn Aloxandcrplatz) f. D* yyuiliiiiiii Thema: ך־׳"׳/: * m ii* i t!n0K€iOMü£: I ז**! f?.■“יp5 ־.r״ ״■r k vibM 1w)'w1 ii I די ו iiLi Redner: Dr. Arlosoroff, Dr. Nahm» Goldman«, Clialm Grünbers, Dr. Aron Barth, Dr. lelcwer, Rechtsanwalt Felix Rosenbiuth, Dr. tlax Strzuss u. a. Ezsxr: Berliner Zionistische Vereinigung |. Dr. H&atke, p «*.an■■» am׳ y «?■■■M.sr»»■■»« 9 *t*** w»*? *■ m י».:■»!» ■»-«-»■ ■”"f *pty —*ftf »»»■wjr «P»wr wa ■.yypa Aötik «*Uwi»*■um A,.*,4>,fe,a> i*A A4» a«r ■» ätea׳M\»M Die bevorstehende Zcntralratssiiziiug der Agudah wird die vcnntvvortimgssciiwcrc Entscheidung zu treffen haben, ob die Richtschnur ihres Handelns der stets verneinende Trcnmuigsfnnntisnius der Dynastie Breuer sein soll oder ob sic — aus der früher vielleicht nötigen Isolierung heraustretend — gemeinsam mit den übrigen Juden am Aufbau ] Ercz-Israels mitarbeiter» soll. Daß diese Zusammenarbeit sich nur auf diejenigen hauptsächlich wirtschaftlichen Gebiete erstrecken kann, auf denen prinzipielle Gegensätze nicht vor-!landen sind, bedarf keiner Diskussion. Unter diesen Umständen kann m. E. von einer Gewisrensnot der agudistischcn Orthodoxie in der Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation nicht die Rede sein, besonders auch unter Berücksichtignng des Umstaisdes, daß die Zionistische Organisation durch den Beschluß ihres eigenen Karlsbader Kongrosses gehalten Ist, nichts zu unternehmen, was gegen die jüdische Tradition verst'öOt. Unter keinen Umständen aber kamt cs die agudktischc Orthodoxie verantworten, ohne Vcr- , hnndhmgcn die Zusammenarbeit abzidchnen. Sie ist vcrpfllchtet, klar und eindeutig die Bedingungen zu nennen, unter denen ihr eine Zusammenarbeit nuiglich erscheint, Schon mehren sich ja auch die Zeichen, d;»li wenigstens wichtige Teile uer Agudah die Forderung der Stunde verstehen. Die polnischen Agudistoii bringen zur Zciitrnlratssitzuiig nach Breslau die Erfahrung des Wahlbündnisses mit, durch das sic zum großen Nutzen für das polnische GcsnmljuJenluin so״ eben bemerkenswerte Erfolge errungen haben. Schon rüstet sich auch das amerikanische Judentum für den Weltkongreß und bringt alle sich abscnlierendcn Richtungen in die Gefahr, sielt bis zur Einflußlosigkeit zu isolieren. Diejenigen, die einer Zusammenarbeit cntgcgcnarbeiic«, mögen schließlich noch bedenken, daß Palästina zurzeit fast das einzige Land der Weit ist, das einer jüdischen Einwanderung offenstcht, in dem Maße, wie cs uns gelingt, die Aufnahmefähigkeit des Landes für diese Einwanderung zu vergrößern. Wer ohne tiefste Gewissensnot di« Zusammenarbeit ablehnt, schwächt die aufbauenden Kräfte in Erez-fsracl und stößt eine Anzahl Volksgenossen in die Hölle der östlichen Judenzcntreai zurück, wo sie der Gefahr des psychischen und physischen Verderbens ausgesetzt sind. Diese Anzahl mag groß oder klein sein, sie ist groß genug, um eine zermalmende Verantwortung, ja geradezu eine Blutschuld auf diejenigen zu laden, die ohne absolut stichhaltige Gründe sich, von der gemeinsamen Aufbauarbeit!enthalten, Hoffen wir, daß am 2ö. Dezember der Kontakt zwischen AgmlaJi und Zionismus wird hcrgestcllt werden können. Damit würde das jüdische Volk eine unrnngängliehe und überaus wichtige Etappe auf seinem Wege nach Ercz-Israel, d, h, auf dem Wege zur Erfüllung seiner | göttlichen Aufgabe erreicht haben. Dies« große Hoffnung begreift in sich eine kleinere, mit der ich mich zum Schluß noch einmal an Sie persönlich wenden möchte, Herr Dr. Breuer, nämlich, daß auch wir uns irgend wann einmal In gemeinsamer Arbeit für unser Volk brüderlich vereint finden werden, Treysa, den 11. Dezember 1922t (Bez. Kassel.) Jakob Hakohen-Katzensteln. Das Vertrauen zur deutschen Itrsiiz hat ln weiten Schichten des Volkes eint gefährliche Erschütterung erfahren, ohne die ja die Bildung des StaatsgcrichUhofcs zum Schutze der Republik über [lässig gewesen wäre. Immer häufiger werden die Fälle, die beweisen, daß die Richter außerstande sind, ihre politischen Uebc rzeugungen und Vorurteile za! vergessen und mit Sachlichkeit urvd Objektivität auch dann zu entscheiden, wenn es steh um politisch fundierte Prozesse handelt. Die nach Hunderten zählende Ziffer »gesühnter Moral taten, die gegen Angehörige der Linken und gegen Republikaner verübt worden sind, sprechen dafür deutlich genug. Wir haben wiederholt von solchen Prozessen Kenntnis genommen, wenn C3 sich um jüdische Interessen hantle! . Auch heute müssen wir auf solche Vorgänge mit Erstaunen und Entrüstung hmweisen. Wie die Zeitungen melden, •lattc sich vor der IX. Strafkammer des Landgerichts I zu Berlin der frühere Student Kurt Meyer-Lori zu verantworten!. Der Angeklagte hatte wenige Tage nach dem Rathenau-Mord und *!ach dem Erlaß des Gesetzes zum Schutze der Republik am Gebäude der A. E.G. und an anderen Häusern Zettel a «geklebt, an denen ein einen Arbeiter an einem Nasenring führender Jude abgcbildet worden war mit der Unterschrift: ״Rathenau und Genossen“. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb wegen Vcrgehe!» gegen das Gesetz zum Schutze der Republik Klage erhoben und in der Verhandlung vier Monate Gefängnis bcantragt. Das Gericht hingegen erkannte auf Freisprechung, so sehr die Handlungsweise des Angeklagten auch verderblich sei. In der Begründung wurde ,ausgeführt, daß von dem Angeklagten keine bestimmten Tatsachen über den verstorbenen Minister behauptet worden seien. Nach dem Gesetz sei für den Begriff der Beschimpfung eine rohe Gemütsart die Voraussetzung, die das Gericht ebensowenig als vorliegend erachtete, wie den Tatbestand des groben Unfugs. Der Angcklagte wurde somit zur Freude gleichgesinnter Kreise freigesprochen. Richtet sich dieses Urteil mm gegen einen einzelnen Akt von unglaublicher Roheit, so betrifft der andere «inen Prozeß, auf der» die Augen der gauzdn Welt gerichtet waren, auf den Prozeß gegen Weichardt und Grenz, die Männer, die den Mordversuch auf Maximilian Harden getan haben. Man wird dem Urteil, das keinem Mordversuch, sondern nur »,Beihilfe zu schwerer körperlicher Mißiundlung“ als vor'.iegciui erachtete, mit um so größerem Erstaunen gegenüberstehen, als cs sieh um eh» GcscSiworeneuurteil gehandelt lut. Der Angeklagte Weichardt hat überdies mildernde Umstände zugebilligt erhalten. Der Hintergrund des Prozesses ist die rcaktionärc Hetze mit ihrem stark antisemitischen Beigeschmack, hier freilich in eiacr besonders abstoßenden Form, in der das Geld, das den gedungenen Mördern versprochen worden war, offenbar eine besonders große Rolle spielte. Uns liegt gewiß jede Identifizierung mit Maximilian Harden fern, dessen politischer Standpunkt nicht in der Sphäre unserer Betrachtungen liegt. Unsere Stellung zu Harden als getauftem Juden wird auch durch die Worte nicht modifiziert weiden, die er selbst über seine Taufe vor dem Gericht gesprochen hat Aber das | Oefühl, daß cs ein Fehlurteil war, daß sowohl der frülver ge* führte Briefwechsel wie die Ausführung der Tat die Mordabsicht mit eindeutiger Klarheit erkennen lassen und daß dieses Fehlurteil psychologisch mit der instinktive« antisemitischen Abneigung zu motivieren ist, die offenbar auch unter den Geschworenen obgewaltct hat, stellt diesen Prozeß in die Reihe der Symptome, die uns immer wieder daran gemahnen sollen, in welcher haßerfüllten Atmosphäre das dcutsclvc Judenturn zu leben hat und uns mehr als je an unsere Pflichten gegen das jüdische Volk mahnet!. Efn hebräisches Informationsbüro In Berlin Auf Einladung des Beth-Wand im Berlin hatten sich am Mittwoch, den 13. Dezember, einige Personen im bogenhaus, Klciststr.aflc, zusamincngcfitnden, um über Fragen der hebräisehen Arbeit zu sprechen, Des Referat hielt Herr Pogra-' scliow. Er schlug vor, m Berlin ein zentrales Büro zu schaffen, dessen Aufgabe cs sein sollte, die notwendigen Informationen über die hebräische Arbeit in alten Ländern des Galutli zu sammeln und eine Auskunft?- und Vcrinittlungssteile zu sein. Hauptauifgabo dieses Büros wäre aber die Vorbereitung eines hebräischen Weltkongresses durch die Männer dieses Büros. In der nach folge nden Diskussion, an der sich u. a. die Herren Nie inm au n, Benzion, Dr. Bernfcld, Mieren barg u. n. beteiligten, wurden gegen die Bezeichnung des. Büros als eines zentralen Bedenken gcl- 'tend gemacht. Von anderer Beite wurde gefordert, daß zunächst die Schaffung einer hebräischen Zentrale für Deutschiarni in die Hand genommen würde. Zum Schluß wurde die Bildung des Büros beschlossen und 13 der verschieden(»« Gruppen »gehörigem Herren für die Arbeit gewählt L&, Inzwischen tobt die antisemitische Welle weiter. München ist in den letzten Tagen der Schauplatz großer nationalsozialistischer Kundgebungen gewesen, deren Charakter ein ausgesprochen antisemitischer war und bei denen der national, sozialistische Häuptling Adolf Hitler der Gegenstand bcgeisterter Volkskundgebimgen war. Auch die Ausländerfrage beginnt wieder ihre Kreise zu ziehen. Der ״Vorwärts" hat sich ha seiner Nummer vom 15. Dezember damit beschäftigt und gelangt zu einer Parole, der wir uns nur vollinhaltlich anschlicBcn können und die wir stets vertreten haben: ״Krieg den Schiebern, Frieda den Arbeitern". Zwei Gedanken sind immer wieder zu unterstreichen: Wir müssen uns gegen die Gicichsetzmig von Ausländem und Ostjuden wehren, müssen darauf hhiweisen, daß die Nichtjuden die weitaus überwiegende Rolle unter den Ausländem spielen und daß gerade jene etwa in Berlin besonders auffallenden Auslände!־kreise fast niemals aus jüdisclien Elementen bestehen. Wir glauben ferner, daß eine Prüfung der Ausländerfrage auch vom deutschen Standpunkt aus zu dem Ergebnis kommen muß, das der ״Vorwärts“ mit den oben angegebenen Worten gekennzeichnet hat. Uns liegt nichts ferner, als uns fürSchicbcr cinzusetzcu und ihren Schutz zu fordern, mögen sic nun Juden oder Nichtjuden sein. Schutz fordern wir für alle diejenigen Elemente, die nach Deutsch-!and in der Absicht gekommen sind zu arbeiten. Der ״Vorwärts“ betont, daß gerade den Gewerkschaftskreisen der Gedanke ganz fern liegt, man müsse die deutsche Arbeit vor ausländischer Konkurrenz schützen, und wendd sich gegen die Rcichsarbcitsverwaitung, die einen Entwurf vorgclegt habe, nach dem in der Hauptsache dem Ausländern alles außer dem Arbeiten gestattet werden solle. Der Chaluztag verschoben Die für den 17. d. M. nach Berlin «inberufene Welt- Konferenz des Cbaluz ist aus organisatorischen Gründen für Februar verschoben worden. Die Tagung des deutschen Chaluz, die vom 14. bis 16. d. M. in Berlin stattfand und über die wir noch berichten werden, endete mit der Schaffung eines einheitlichen deutschen Landesverbandes' Hcchaluz. Ein Beschluß legt ausdrücklich den Anschluß an die Weltzentrale fest.