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Jüdische Rundschau · 1922-12-15 · Heft 99 (15.12.1922) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 99 (15.12.1922)
Date
1922-12-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 652 JUEDISCHE RUNDSCHAU t. wo eilte größere 0nippe der Bevölkerung, insbesondere unter den Arbeitern, mit diesem Oedanken sympathisiert( geschieht cs mehr aus gefühlsmäßigen Motiven heraus, als inlolgc der klaren Erfassung der Tragweite des Gedankens in ÖkoivDiiiisdier und sozialer Beziehung. Trotzdem, vielleicht gerade deswegen ist die Cicfalir nicht von der Maiid zu weisen, daß er sieh letzten Endes irgendwo zu einem Pro• grammpunkt kristallisiert und viel Unheil anstiftet, und zwar nicht mir, weil er undurchführbar ist, sondern• auch, und darauf müßte gerade der Nachdruck gelegt werden, weit seine Begründung eine sehr zweifelhafte ist und bei . kortsequenter Weiterführung zu gerade entgegengesetzten Schlüssen führen muß, als diejenigen, die seine Verfechter sdn zu müssen glauben. So scheint cs mir (!och an der Zeit zu sein, die kritische Sonde an die Oedankengänge zu legen, die zur mehr oder minder radikalen Aufstellung des Grundsatzes der Autarkie geführt haben lind sic aut ihre Stichhaltigkeit hin zu prüfen. Doch zuerst müssen wir uns darüber klar werden, was eigentlich der Grundsatz der Autarkie bedeutet. Im streng ökonomischen Sinne des Wortes bedeutet die Forderung der Autarkie, daß sämtliche Bedürfnisse des Landes durch die Produktion des Landes gedeckt werden sollen. Wir sollen nur so viel und solche Güter produzieren, daß wir mit der eigenen Produktion, sowohl in der Landwirtschuft, als auch im Gewerbe und in der Industrie auskommen. Nicht weniger und nichts anderes. Wir sollen also ein möglichst abgeschlossenes, von der Außenwelt mög* liehst unabhängiges Wirtschaftsgebiet bilden*). Auf den ersten Blick scheint der Gedanke recht bestechend zu sein. Denn was kann, könnte es scheinen, wünschenswerter sein, als daß wir uns selbst genügen, uns alles selbst erzeugen, von den Schwankungen der Weltwirtschaft un* abhängig, ruhig und selbstzufrieden leben? Natürlich könnte das Bild durch einige Bemerkungen eines prinzipiellen Gegners sofort ein ganz anderes Aussehen gewinnen. Er würde vorwerfen, daß es sich hier, im Gründe ge-!Kimmen, um eine engherzige, kleinbalbalisdic Anschauungs״ weise handelt, unt die Bildung■ einer eigenen verschlossenen lGaus, die der Idee des Zusammenwirkens der Völker ins Gesicht schlägt und letzten Endes dazu führen würde, aus Palästina eine Art Montenegro oder Serbien vor dem Kricer zu machen. Ich glaube aber nicht, daß wir mit derartigen Argumenten weit kommen. Denn schließlich und endlich ist auch die Frage der Autarkie, ganz abstrakt genommen, eine Welt- Anschauungssache, und akademische Diskussionen darüber könnten ins Endlose geführt werden, 01mc zu einer lieberzeugung der anderen Seite zu führen. Wir müssen also mibedingt zuerst die konkreten Gedankengänge untersuchen, die zur Aufstellung des Grundsatzes der Autarkie für Palästina geführt haben und uns erst dann erlauben, etwas Prinzipielles zu sagen, wenn wir auf jenem Weg zu einem Ergebnis gelangt sind. Da wird erstens behauptet, daß der Krieg der große Lehrmeistcr sei, der auch uns belehrt habe, wie schlimm cs sei, wenn man sich nicht selbst versorgen könne und auf Zufuhren von auswärts angewiesen sei. Die katastrophale Lage Palästinas während des Weltkrieges, wo eg unmöglich wurde, Wein und' Orangen zu exportieren und dafür Lebensmittel einzuführen, war es ja, die dem Gedanken der Autarkie vielfach zum Durchbruch half. Sollen wir, so wurde gefolgert, in der Zukunft vor derartigen Erscheinungen bewahrt "bleiben, 90 müssen wir die palästinensische Wirtschaft so einrichten, daß sie selbst alles für die Bevölkerung Notwendige produziert. Der zweite Grund ist rein wirtschaftlicher Natur. Wir haben in Palästina bereits viele Krisen durchgcmadit, deren Ursache die Abhängigkeit von den Konjunkturen des Weltin arides war. Die schwere Weinkrisis der ersten Fahre des Jahrhunderts, die bereits vor dem Ausbruch des Weltkrieges . drohende Orangenkrise, haben wir noch frisch iin Gedächtnis, Schließlich durchleben wir ja auch jetzt eine latente Wciukrisc, die zwar nacht mehr die scharfen Formen annimmt, wie vor 20 Jahren, aber schädlich genug ist und vielen, sehr vielen Kolonisten bittere Sorgen bereitet. Bei einer derartigen sfän- «ligen Krisengefahr läßt stell eine gesunde Wirtschaft nicht aiifbauea Aendern wir sie, bringen wir cs dazu, daß der Kreis von Verbrauch und Prcxluktwm sich in Palästina selbst schließt, so haben wir erst eine solide Basis geschaffen, auf der in derselben Richtung weiter gebaut werden kann, ohne befürchten zu müssen, daß uns das ganze mühselig errichtete Gebäude plötzlich beim Ausbruch einer Weltkrise zusammen׳• stürzt. 1 Gehen wir weiter. Es kommen jetzt mehr gefühlsmäßige Momente an die Reihe, die besonders in des• palästinensischen Arbeiterschaft stark wirken, die aber auch vom Volkswirtschaftlichcn Standpunkt aus volle ,Beachtung verdienen. Wir Juden haben seit Jahrtausenden den normalen Wirt9d1a(tsauf bau verloren. Der Handel hat so sehr jedwede andere wirtschaftliche Tätigkeit überwuchert, daß wir heute keinen landwirtschaftlichen Stand besitzen und auch unsere gewerbliche und industrielle Entwicklung eine geringe ist. Wenn wir diesen Fehler in Palästina gutmachen sollen, so müs9en wir sehr vorsichtig sein. Es gilt zunächst einen mit dem Grund und Boden verwachsenen Bauernstand zu schaffen. Es gilt eine cwerhliche und industrielle Tätigkeit ins Leben zu nifen, ie sich den realen Bedürfnissen der Volkswirtschaft des Landes anpassen könnte Wir haben dies aber bisher in Palästina nicht erreicht. Die Kolonisten sind weit davon entfernt, einen gesunden Bauernstand zu bilden, Sic sind vielmehr Spekulanten, gerade so, wie sie es vorher in Rußland, Rumänien oder irgendwo anders waren. Ihre landwirtschaftliche Tätigkeit ist innen, selbst wenn sic mit arbeiten, Nebensache, sozusagen die Voraussetzimg ihrer spekulativen Tätigkeit beim Suchen nach den beste», rentabelsten Absatzmöglichkeiten. Von Selbst verso ח• gimg ist in den jüdischen Kolonien keine Rede. Daran krankt unsere Kolomsntionstätigkcit. Verwirklichen wir den Grundsatz der Autarkie, so wird cs automatisch besser werden. Der Bauer wird zuerst sich selbst versorgen und den Rest unschwer im Lande absetzen können. Dasselbe wird bei dem Gewerbetreibenden der Fall sein. Und haben wir den Geist der Spekulation ans Palästina verbannt, so ist das Haupthindernis einer wirtschaftlich gesunden Entwicklung weggefall esu Der letzte schwerwiegende Grund, der für die autarke Wirtschaft angeführt wird, ist die Rücksidrtnahme auf unsere sozialen Bestrebungen in Palästina. Wir wollen uns ja dort anders einrichten, viel gerechter und viel schöner. Dies wird aber unmöglich sein, wenn wir von vornherein uns in das Wcltwirtschaftsgctricbe hcrcinstürzcn, das uns Wunen kurzen! mürbe machen und in jene Bahnen stoßen wird, in denen kaum einen friedlichen Ausweg gibt. Schließ«! wir uns dagegen wirtschaftlich von der Außenwelt ab, 90 unterliegen wir nicht mehr ihren Einflüssen. Wir können uns dann einrichten, wie cs mis gefällt. Und unsere Sache wird es dam! «ein, uns um schönsten und am gerechtesten cinzuriditcn. *) Ich kann nicht nachdrücklich genug vor der Ver- Wechslung der Begriffe der Autarkie und der aktiven Zahlung*• Bilanz warnen, die vielleicht bei manchem Leser unterlaufet! könnte. Die Begriffe haben miteinander nichts Gemeinsames. Natürlich muß der konsequent durchgelührte Grundsatz der Autarkie im Laufe der Zeit dazu führen, 'daß die Zahlungs- Bilanz aktiv wird oder wenigslens aulhört, sich zu verschlechtem. Die aktive Zahlungsbilanz hat aber die Autarkie keineswegs zur Voraussetzung. So ist England, bis zum Weltkrieg das Land mit der aktivsten Zahlungsbilanz, zugleich da Typus eines nicht autarken Gebietes, Es schwer, gegen so viele Argumente, von denen I jedes einzelne schwerwiegend genug zu sein scheint, an zu- 1 kämpfe!», Ich fürchte sogar, daß eine derartige Zusammen- Stellung vielen den Gedanken der Autarkie noch bestechender erscheinen lassen köimle. Wir werden ca aber doch versuchen müssen, den einzelnen Argumenten, auf. den Qrund .ומ gehe». ,Vielleicht wird sich dä manches in einem anderen Lichte zeigen. Das ■erste wird ibö vcrlinltn'^m-IOlg wenig■ Mühe• verur- Sachen. Der Gedanke der »vlrtrclialtli ölten Autarkie ab Vertcidägimgg• •und Abwchmniitcl für den FaJI des Krieges ist allerdings ziemlich populär, lmd zwar nicht nur bei uns. ldi glaube aber nicht, daß unti ihn ernst und mit vollem Bewußt- ,sein der Verantwortung propagieren kann. Er ist vielmehr 60wohl aus prinzipiellen, nfg auch am praktischen! Gründen ver- •, danunenswert. Was das Prinzipielle der Sache betrifft, 60 sollten wir Juden uns sorgfälligst davor hüten, unser Wirt״ schaftstellet» «htrdh irgendwelche Rüdreidrtci» auf (kn Krieg beeinflussen zu Lassen. Es besteht eine unheimlich« Wechsel- Wirkung zwischen dieser klugen Vorsorge für den Fall den Krieges und dem gegenseitigen Mißtrauen der Völker. Denn was ist, im Grunde genommen, der Aufbau der Autarkie unter diesem Gesichtspunkt zmden:׳!!, als wirtschaftliche Rüstung? U1»d wenn wir heute schon glücklicherweise 00 weit sind, die militärischen Rüstungen zu verdammen taid deren Abbau zu verlangen, so dürfet» wir auf keinen Fall Rüstungen anderer Art ztilassca Und »vir Juden dürfen dies ans allerwenigsten. Es »värc eine schwere unverzeihliche Sünde an unserer eigenen Volksseele, die ja bereits vor fast 3000 Jahren das Ideal des ewigen Friedens erschaut und verkündet iiat. Ja, es könnte mir aber mancher iteüditcme Politiker vorwerfen, daß wir derartige höchst reale Fragen nicht sub specie aeternitatis behandelt! dürfen, daß cs doch praktische Rücksichten gebe, vor denen jedes ideale Streben halt machen müsse irsw. Also gub bleiben wir nun 11 üb sch praktisch. Nun frage ich aber als Praktiker: Was hat es für einen Sinn, den normalen auf Jahrzehnte, ja, auf Jahthtmeierte berechneten Wirtschaftsaufbau des Landes auf die Möglichkeit ein« Krieges einzustclleii und von diesem Gesichtspunkt aus einschneidende Actvdenmgcn an ihm zu vollziehen? Denn wie »vir auch die Sache wernlcn und drehen, der Krieg ist ia Immer ein Ausnalunczusiand; das Normale, Regelmäßige ist der Friede, und »vor glaubt, daß man im Frieden so leben und wirtschaften müsse, als ob jeden Moment der Krieg nusbrcchcit sollte, der ist gerade keil» guter Praktiker. Man stelle sich nur für einen Augenblick vor, cs käme ein deutscher WirtsdraftstlKWctikcr mit folgendem Räsonnement: Wir Deutsche haben im Krieg viel Hunger gelitten. Unsere cliemisdie, Metall-, Bekleidung»• usw. Industrie haben »ms kein Brot produzieren könnet», Folglich fort mit ihnen 1 Wir müssen ein. Ackerbaustaat werden, damit »vir uns selbst ernähren, können, id» glaube nidit, daß ein derartiger Theoretiker cs »vdt bringen würde. Gerade 90 mutet cs und» aber am wenn id» Ausführungen höre, wir müßten in Palästina nur hübsch viel Getreide produzieren, damit »vir von den Zufuhren von auswärts unabhängig werden. So sollten »»׳ir denn darauf verzichten, die dura» die Natur in Palästina gegebene Möglichkeit, das Land in einen Garten von Siklfriiditc» und Oenniise zu verwandeln und nur darauf los Getreide siien und ärmliche Ernten Itcuuführcn, damit wir ja nicht im Falle des Krieges hungern? Man kann natürlich, »vetvn man es just will, diese Frage mit ״ja“ beantworten, muß aber in diesem Falle mit in Kauf nehmen, daß Palästina auch weiterhin arm bleibt und von einer größeren Kolonisation keine Rede sein kann. Id» glatibe aber doch, cs ist besser, wir sagen ״nein“, scheren uns den Teufel ui!» den Krieg, hungern die paar Jahre, »venu cs sein muß (hoffentlich wird cs aber nidit mehr sein müssen), suchen aber sonst die natürlichen Gaben des Landes auszunUtzen, es n»1T diese Weise ökonomisch zu hebert mwl »־iclen Tausenden Plalz zu machen, für die er sonst nicht zu finden wäre. Dies winl wollt der richtige Weg sein. Aber dann muß man auf die Autarkie verzichten. So hat uns denn "dieses Argument nicht überzeugen können. Wir sehen in ihm bloß einen Ueberrest der Kriegspsychose, "der mit ihr hoffentlich sang- und klanglos verschwinden »vjrd. Nicht so leicht »verden »vir aber mit dein zweiten fertig werden können. Daß »»ir in Palästina schwere Krisen durchgelebt haben, «lercii Ursache die Abhängigkeit von den Konjunkturen des Weltmarktes »var, ist «ine Tatsache, die niemand vcrsudicn »vird zu leugnen. Es fragt sich bloß, inwiefern durch Aenderangen der Produktionsrichtttng hier Abhilfe geschaffen werden kamu Da möchte ich mm zunädist darauf aufmerksam machen, daß »»ir auch eine scharfe Gctreidekrisc in Palästina erlebt habet», als und» dem Einzug der englischen Truppen Mitte 1918 das Land plötzlich durch das billige australische Mehl überschwemmt wurde und daß der Getreidebau bereits heute, »vo er mir im Norden ziemlich verbreitet ist, eigentlich mit einer ununterbrochenen Krise zu kämpfen hat, die viel schwerer und ■ viel hoffnungsloser ist, als die latente Krise der Weinbauern. Der Getreidebau hat eben in Palästina mit zwei Gegnern zu kämpfen: Erstens mit der natürlichen geringen Eignung des Bodens hierfür (die wenigen Ausnahmen können die Tatsache nicht aus der Welt scharten) und zweitens mit der büligen Konkurrenz des Auslandes (insbesondere Australien), das die große Fruchtbarkeit des Heimatbodens und die billige« Frachttnrife für sich hat. Beide Schwierigkeiten vereint bilden ein Hindernis, das kaum je zu überwinden sein wird. Mit Schutzzolle!» wird man ihm gewiß nidit beikommen können. Denn sie müßten, »m» ihr Ziel zu crrcidien, ausgesprochene, ־ dauernde I fochsdiutzzöllc sein und würden als soldic erstens eine offensichtlidie Benachteiligung der ganzen Bevölkerung mit Aus- »ahme der Ackerbauer bedeuten, zweitens nie eine Zustimmung des {rdhändlerischen Englands erlangen »und drittens die Gefahr »rer» Repress-ivmaßrcgclu hcraufbcsciiwörcii; jeder einzelne der Gründe gewichtig genug, um den Gedanken, sofern er je autkommen sollte, wiederum ad acta legen zu lassen. Es hilft also nichts. Der Ackerbau wird in Palästina, soweit menschliche Voraussidit rcidit, immer wenig rentabel bleiben. Ja, »vird man mir aber antworten, aber "die Sclbstversiorgtmg? •Ist sie denn kein erstrebenswertes Ideal? Ist es nidit gesünder, daß der Bauer sich sein Brot selbst produziert, als daß er es kaufen sollte, auf die Gefalu־ hin, mandimal kein Geld dafür zu haben? Id» »vage es doch, die Frage mit einem ״nein“ zu beantworten. Es dünkt mir doch zweckmäßiger, teuere Produkte auf den Markt zu senden und dort billig einzukaufen, als mit großem Aufwand billige Produkte zu erzeugen, die einem kaum mehr als die notdürftige Existenz ermöglichen und bei denen nun sdn ganzes Leben lang ein armer Schlucker bleibt Und »vas die Kriscagetahr betrifft, 90 werden wir sic durch Acmlerungcn der Prodaiktionsriclitung nicht aus der Welt schaffen. Sie sind entweder eine Folge der mangelhaften Organisntion des Absatzes und׳ in diesem Falle durch Reformen behebbar, (Hier sie sind' eben eine Wclhvirtschaftskrankhcit, die lokal weht geheilt »verden kann. Nur im Wege einer organisierten internationalen Arbeitsteilung ließe sich eia Besse» ntng schaffen. Hoffen wir, daß cs noch einmal dazu kommt. Dies bedeutet natürlich nicht, daß wir Uns in Palästina auf eine einzige Kultur beschränken und Gefahr laufen sollen, bei einer plötzlich .■msbrcchciidcn scharfen Weltkrise große Einbuße am Nationalvermögen zu erleiden. Das warnende Beispiel der katastrophaler» Bauimvolikrise in Aegypten sieht uns ja noch allzudcutlicli »rer ■Augm Dies ist aber auch gar nicht nötig. Es gibt der Obst- und Gemüsesorter» genpg. die in Palästina harmonisch nebeneinander nngebaut werden könnten. Natürlich sollte auch Getreide nmgebaut weixien, wo hkrfür, wie z. "B. iin Emek, günstige Vorbedingungen vorhanden sind. Dies hat aber mit Autarkie nichts zu tun und sollte gewiß nicht mit Rücksicht auf «e geschehe«. Nr. 09 Alles bisher Gesagte gilt imüath mutuvlis aucli for h;״ gewerbliche Tätigkeit. Audi da rollten wir uns sorgfältbö d,irrer hüten, wenig IcbciHf.-iliigc Zweige ins Leben *ü mf~I und sie künstlich zu erhalten mit Rücksicht darauf, weil WjJ sonst die hrtrcffemlcn Artikel 1111 portieret» müßten. Notüj-jj,!, »vird hier ohne Schutzzölle und weitgehende Organisierung nicln nuszukommen sein, wie die schwere Lage des Handwerk ״! Palästina beweist, .auch desjenigen, das sonst »־olle Existenz, hercchtigung und Entwickluiigsmöglichkcit hätte. Alter atl(4" hier mußte der Leitsatz unbedingt derselbe 9cin: MügiiefK* billig produzieren und möglichst teuer verkaufen. Und ׳»,.J cs bei manchen Arten niefit, so verzichten wir lieber auf gl und beschränken uns auf' diejenigen, in denen wir cs w« bringen könnten. lXmn dann schalten »vir viel Ari>citsgck״׳B1. heit und verbessern ■die• Zahlungsbilanz, was eine der weint'. Hellsten Voraussetzungen weiterer kolonisatorischen Arbeit i!{ Zu der Aitsciimndcrpcbfung mit den. weiteren Gründen, für die Autarkie angeführt werden, trete id« mit gewissen! Zögern. Denn ich liabc cs liier mit sehr starken Gegnern 7!! Irin. Ich will sie aber von vornherein für midi teilweise «! gewinnen suchen, inelcnt id! die Richtigkeit ihrer Fordert®״{^ ohne jedwede Einschränkung zugebe. Fs ist wahr, wir einen mit dem. Grund und Boden verwachsenen gesundet! Bauernstand schaffen (denn darum handelt cs sied» in der Haupt, snrlie beim dritter» Grund), »vir müssen das soziale Leben in Palästina anders aufbauen, als cs in Europa der!־'all ist. behaupte aber, «laß das Mittel in beiden Fällen falsch angegeben ist. Ls ist weder notwendig, daß der Landwirt gerade Acker- Lauer seit» soll, damit er den Boden um seiner selbst willen und nidit wegen des Gewinnes, den er aus ihm zieht, liebt, noch läßt cs sld! irgendwie beweisen, daß die Wirtschaft!;che Abschließung »־•om Auslände «las Mittel ist, um bess«e sozial« Vcrliiiltnissc in Palästina schaffen und erhalten zu können. Bleiben wir zunächst beitu ersten. Das Beispiel der deutscher! ©der französischen Weinbauern beweist wohl klar genug, daß; man intensiv, sehr intensiv, fast nur für den Absatz wirtschaften; und dabei mit dem Baien ganz verwachsen sein kann. Wenn dies bei sehr vielen jialästincnsischcn Kolonisten nicht der Fall ist, so wird eben die Ursache irgendwo anders zu suchen sein. Erstens arbeitet der Kolonist rieht mit. Wo er auch arbeitet exter gar allein arbeitet, da sicht cs ganz anders aus. Und zweitens ist der Boden des Kolonisten in vielen Fällen einfach, zu groß. Er hört auf, Bauer zu sein und wird Unternehmer. Da scheint mir der springende Punkt zu sein. Nidit die ProiluJctionsrichtung, sondern die Betriebsgröße ist es, die letzten Endes über das Vcrlüiltnis des Landwirte» zum Boden entscheidet. Der Großgrundbesitzer, insbesondere der neu gebackcne, wird naturgemäß im Boden nur das Bereicherung*- mittel sehen. Und Großgrundbesitz ist ja ein relativ« Begriff. Dieselbe Bodervfläclic, die als Ackerbauland verwendet, kann! ihren Besitzer ernähren würde, kamt bei intensiver Bewirtschafhing leicht alle Merkmale eines Großgrundbesitzes gewinnen. Hieraus ergeben sich schwerwiegende Konsequenzen: Erstens sollte man nie zu viel Boden verleihen, da man sonst «len Besitzer geradezu zwingt. Unternehmer zu werden. Zweitens soll ab« die Möglichkeit vorhanden rein, mit dem Ucbcqjang zu intensiv««» Kulturen die Bodenanteile entsprechend zu red«- zieren. Wie das geschehen soll, ist eine Frage, deren Lösung nidit mehr hieriier gehört. Soviel ist ab« klar, daß das Ziel, einen gesunden Bauernstand zu sdiaffcn, nur auf diesem Wege zu erreichen ist. Es durd» Aenderungest d« Produktionsridituiig erreichen zu wollen, ist ein von vornherein verfehltes Unternehmen. Und nun zur Frage des sozialen Aufbaus. Ich wüßte nicht, warum wir un9 von der Außenwelt absperren sollten, um an ihm zu arbeiten. Wir können uns dadurch die Aufgabe nur erschweren. Wir haben ja bisher schon manche Schritte in dieser• Richtung getan, ohne daß dies unsere Verknüpfung mit der Weltwirtschaft irgendwie beeinflußt hätte. Wir naben die BodemiationaUsIcrung beschlossen und verwirklichen, sie Schritt aut Schritt. Wir haben Pachtgenossenschaften in Palästina, die den Grundsatz der Individualwirtschaft, ja manchmal auch das Sondcrcigcntum an Konsum ptivmrttcln durch- Erodier» haben und nichtsdestoweniger mit der Außenwelt ganz gut verkehr«!. Dasselbe tun auch die großen Arbeit*• gcnosscnschaften, von denen ja einige Kommunen bilden. Trügt nicht die ganze bisherige Entwicklung der Dinge in Palästina, so ist das Land ja überhaupt im Begriffe, &* ־'" ־-י**־■'— -!r‘־־־ . daß die Genossenschaft«» als solche den ganzen Verkehr mit dem Ausland in ihre Hand nehmen und sich dabei natürlich von rein wirtschaltlichcn Erwägungen leiten lass«), indes die Regelung des Verhältnisses der Genossen untereinander Sache der freien Vereinbarung sein könnte. Ich gehe aber so weit, gerade im wirtschaftlichen Verkehr mit dem Auslande eine Voraussetzung des Gelingens der Sache z.u selicn. Denn biedren wir autark — uma arm, wie ich nach den vorhergehenden Ausführungen wohl hinzutügen dar!, — so wird auch in sozialer Beziehung nicht viel zu machen sein. Wir müssen eben einen gewissen Grad von Wohlhabenheit erreicht haben, um an einschneidende soziale Reformen denken zu können. So wären wir denn mit allen Widersachern fertig geworden. Es muß aber noch einiges Prinzipielle gesagt werden. Die Verfechter des Gedankens der Autarkie sind sicli wohl nicht iin Klaren darüber, daß diese Idee im Grunde genommen nidit nur antiinternational, sondern auch antination.il ist. Wir wollen ja in Palästina kein Heim für ein paar Tausend oder sagen wir sogar für eit» paar Hunderttausend sclbstzulricdcnc Bürger schaffen. Es soll eine Zufhidisstättc für das Volk werden. Es soll Massen nufnclunca können, wenn auch nicht auf einmal, so doch im Laufe der Zeit, So muß denn in Palästina aut die denkbar intensivste Weise gcwirtschattet werden. Dann »vird aber für diese Produktion im kleinen Palästina gewiß kein Absatz zu finden sein, dann wird aber auch nicht die Möglichkeit vorhanden sein, für die Massen der Bevölkerung Brot im Lande zu produzieren. Ein- und Ausfuhr wird zur Lebensnotwendigkeit werden. Wer also just Autarkie will, der schließt in wirtschaftlicher Bczidtung die Tore Palästinas vor den Einwanderern. So sollten wir uns also denn hüten, einem Phantom nachzujagen, das nicht nur nicht erreichbar, sondern nicht einmal schön ist Unser Heil liegt wo anders. Bei aller Anerkennung der Schutzbcdüritigkeit der nationalen Wirtschaff im Lande während ihres Entstehens und in den erster» Jahrzehnten der Entwicklung sollten wir trachten, zu möglichst eujrcr, gegenseitig anregender Verknüpfung mit der großen Weltwirtschaft zu gelangen. Palästina soll elxn eine Zelle bilden im großen Wcltwirtschaffskörpcr, sich mit ihm in Leid und Freude weitcrcntwickeln und an den grölen ן tedinisdicn und wirtschaftliche« Fortschritten «fcr Mensel!• heit als gleichberechtigter und glcid»verpflichtet« Partner teiluchmcn. Dann kommen wir wirklich vorwärts, wähnend wir sonst Gefahr laufen, auf ein Nclrengcteise zu geraten und zu verkümmern, indes der große Sturm der Entwicklung die anderen Völker nach vorwärts reißt. *) Vidc diesbezüglich meinen Aufsatz! Die Genossenschaff und der soziale Aufbau, Die Arbeit, 1922, Heft 1 und 2. , > I'J

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