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Jüdische Rundschau · 1922-12-08 · Heft 97 (8.12.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 97 (8.12.1922)
Date
1922-12-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kr.מ fOEWSCHE RUNDSCHAU Seite 63T diesem werden das Krcdiiproblcin, die lmmlgraticnsfragc usw. 011( Grund des von der Gesellschaft neuverarbeiteten stafislischen Material» bearbeitet; fern«• enthält «, was bc• sonders wichtig ist, die ersten l.'aujuctcn iilicr die Indexziflcrn für Lebensmittel und kbcnsnotwefidige Gegenstände in den letzte» Jahren, durch weiche erst gewisse Rückschlüsse auf die Arbeitslöhne wie überhaupt auf die Rentabilität gewisser Unternehmungen ermöglicht werden. Dr, Gurt Nawratzki, der während und nach der Gründung General- Sekretär dieser Gesellschaft in Palästina war, gehört unserem Wirtschaftsausschuß au und wird cs zu seiner speziellen Aufgabe machen, iin engen Kontakt mit Hooflen, der jetzt die Geschäfte dieser Gesellschaft führt, ihren Ausbau zu einer Handelskammer zu fördern und ihre Ergebnisse unserem Ausschüsse nutzbar zu machen. Gelingt cs wie in Deutschlarnt so auch in den anderen Ländern ähnliche Wirtschafts• ausschüssc ins Leben zu rufen, die sich in gleicher Weise der Economic Sociotv bedienen, sic ihrerseits befruchten, und die auch untereinander in Kontakt treten, so werden wir ein Netz zuverlässiger Informationsstellen haben, von denen die wirtschaftlich unternehmungslustigen Gruppen gern Gebrauch machen werden, Einen Teil solcher Informationen werden wir Im weiteren Verlauf publizieren. Der Keren Hajessod beabsichtigt, ״wirtsdiaftlidie Nachrichten aus Palästina“ herauszugeben; der hierfür in Aussicht genommene Redakteur, Herr Battsek, gehört gleichfalls dem Wirtschaftsausschuß an, und die Publi- Kationen werden voraussichtlich cinvernciimlicli erfolgen. Zum weiteren Teil werden wir die Palästinabeilage der ״Rundschau“ hierfür in Anspruch nehmen, und der Rest bleibt bei tms verwahrt, um auf Anfragen von Interessenten verfügbar zu sein. Aber mit dem Beschaffen von Informationell und dem Weiterleiten derselben an andere ist die Funktion des Wirtschaff sausschusscs auf diesem Gebiete keineswegs erschöpft, Lr soll vielmehr auch von sich aus solches Material verarbeiten und zu eigenen Vorschlägen verdichten, die sieh zunächst auf grundlegende Fragen, Fragen der Methodik, des Finanzmul Kolonisationssystems usw. erstrecken. Der Wirtschaftsausschuß wird also auch die Funktionen einer Studiengruppe besitzen oder aber eine solche Studiengruppe aus sich heraus als selbständige Gruppe schaffen, und ihr die Mitarbeit auch solcher Sachverständiger zuführen, die unserem engen Kreise nicht angehören. Was wir an jüdisch intcressierteil Nationalükonohicu, Sozialphilosopl.cn, Theoretikern und Praktikern von Ruf und konstruktiver Begabung besitzen, soll sich allmählich um diese Gruppe zusamineuliiideii. Berichte, Gut:!eilten und kritische Reformvorschläge, auch wenn sic sich auf solche Finanzierungsmethoden z. B. erstrecken, welche der Kongreß bereits gebilligt hat, werden, wenn sic die Unterschriften einer solchen Gruppe tragen, auf etwas weniger Animosität und etwas mehr Respekt stoßen, als es der Fall ist, solange nur Einzelpersonen hinter ihnen stehen. Während es sich hierbei!um darum handelt, die schöpferischen Kräfte einzelner für die Gesamtheit nutzbar zu machen, werden wir weiter damit beginnen müssen, diese Gesamtheit selbst nach der gleichen Richtung cinzuspanncn und zu organisieren. Wir müssen eine möglichst grolle Anzahl von Zionisten und Nicht/ionistcn, von solchen, die selbst nach Palästina gehen lind solchen, die cs für sich seihst nicht mehr erleben werden, in unmittelbaren wirtschaftlichen Kontakt mit Palästina bringen. Die Möglichkeiten hierzu sind häufiger, als man denkt; was aber fehlt, sind die organis, ־!torischen Vorarbeiten. Der Wirtschaftsausschuß wird zunächst einmal Erhebungen anstcllcn, er wird einen Fragebogen, der sieh in Bearbeitung befindet, an alle wirtschaftlich t, iligeii Zionisten versenden, um sich darüber zu informieren, welchen Branchen die Interessenten angehören, welche beruf• liehe Vorbildung sie besitzen, ob ihnen eigenes Kapital ־zur Verfügung steht und was für Intentionen sic hinsichtlich Palisti!13s haben. Die so entstandene Kartothek wird dann dam dienen, die voraussichtlich Ln steigendem Maße beim .WirfcschaftsausschuB eingehenden Anfragen aus Palästina, sei es in bezug auf benötigte Artikel und Waren, sei cs in bezug auf persönliche Kräfte, gleich in die richtigen Kanäle zu leiten. Es wird natürlich Aufgabe der Ortsgruppen sein, für eine möglichste Vollständigkeit des Adrcssenmatcrials Sorge zu tragen. Diese Tätigkeit wird sich im weiteren Verlauf nicht nur Auf Zionisten beschränken. Unser F.ndziel muß immer sein, Palästina zu einer gcsanitjiklischen Angelegenheit zu machen. Auch werden die Dinge häufig so liegen, daß Juden erst auf diesem Wege für Palästina interessiert werden können. Palästina wird zweifellos iin Wirtschaftsleben eine erhebliche Holle spielen, und schon heule ist der wirtschaftliche Intcrcssmkreis für Palästina bei den Nichtjuuen ein größerer als bei den Juden, Schwerlich haben die Zionisten aut dem Gebiete der Emigrantenfürsorge, des Baues von Auswandererhallen (mit koscheren Küchen) usw. und, was speziell Palästina anlangt, auf dem Gebiete des Fremdenverkehrs (Hotelbau, Dampferverkehr auf dein Tiberiasscc usw.) soviel geleistet wie die nichtjüdischc Hapng mit dem Anti Zionisten iiallin an der Spitze. Sic hat cs gewiß nicht aus ideellen Gründen getan -— es wird unsere Aufgabe sein, die Ausnützung solcher ökonomischer Möglichkeiten in Zukunft, soweit cs In unseren Kräften steht, von nichtjüdiscben nach jüdischen Firmen hinzudirigicren, und deren Inhaber dann sukzessive weiter für uns zu interessieren. Damit ergibt sich schon die Form der in Aussicht genommenen Organisierung der wirtschaftlich Tätigen Und für Palästina Interessierten: wir werden zu einer ״Wirtacliaftiichen Vereinigung für Palästina“ gelangen, die in ihrer Methode genau so arbeiten wird wie etwa ein deutschargentinischer Wirtschaftsvcrbaud, d. 11, sie wird cs sich zur Aufgabe machen, zwischen ihrem Lande und Palästina die wirtschaftlichen Beziehungen nach allen Richtungen auszugestalten und zu fördern, und insbesondere ihre Mitglieder hierbei in erster Linie zu berücksichtigen und zu uiHcrstützcn. Ist damit ein gewisser, organisatorisches Fundament geschaffen, Welches die uns erforderlichen Sicherheiten gewährleistet, werden wir als weiteren Schritt zu erwägen haben, inwieweit rs die Verhältnisse anraten oder gestatten, eine solche Ver- *inigung auf noch breitere Grundlage zu stellen und ihr durch Ausweitung der zmuichst auf jüdisch Interessierte beschränkten Grenzen auch dem Namen nach und nach außen hin deri Charakter eines deutsch-palästinensischen (und entsprechend *uch z. B. tschechisch-palästinensischen) Wirtschaftsverbandes *u Reben. Das würde natürlich eine enorme Vervielfachung Unserer Krähe und Wirkmigsmöglichkciten bedeuten, und cs sprechen überhaupt viele und gewichtige Gründe dafür, doch ׳Gniicn w ir deren Erörterung im Augenblick noch zurückstcllcn. Jedenfalls mußte cs auch liier schon erwähnt werden, um tmscre Methode zu illustrieren, welche darin besteht, von den Ländern der Diaspora aus Palästina mit einer Unzahl einzelner ";iftsdiaftiichcr Kanäle, natürlicher Ziikulalionsk anale, zu über- *chen, durch welche die Luftzufuhr nach Palästina erfolgen *oll — Ull{! jn1 gleichen Maße, in welchem dies geschieht, "«״sen die Möglichkeiten für uns, hinüberzugehen und «fuben zu atmen. III. Nach diesen mehr methodischen Darlegungen ־will ich ״,!״mehr die Einzelaufgalieu erörtern, die sich uns für die naclKfc Zeit ergehen werden!. Hierbei ergibt sich• von vorneine klare Zweiteilung, die gerade für uns von Be- «eutung wird. Auf der einen Seile steht der Komplex der landwirtschaftlichen Kolonisation, auf der anderen Seile stehen «ausfrie, Handel und Verkeilt, ln dem ״Report“, welchen Mr. Rosenbloom -Pitlsbnrgh naeJi fünfmonatiger erfolgreicher Tätigkeit 111 Palästina für die Brandeis-uruppe, in deren Auftrag er dort weilte, angefertigt hnt, und welchen wir mit R. selbst eingehend beraten haben, wird nachdrückliehst darauf Jiingcwlcscn, daß die Grundlage für das ganze Aufbauwerk in der landwirtschaftlichen Kolonisation liegt. Das ist liier bei uns eine geläufige Ansicht, und auch der Wirtschaftsausschuß hat keine andere. Aber Rosenbloom ist sieb gleichzeitig darüber klar, dal! die ganze Aufbauarbeit eine verlorene Mühe sein wird, wenn cs nicht gelingt, gleichzeitig die irnmigration.sbasis ganz erheblich zu verbreitern. Und das ist eine Sache, die vor allem mit Industrie, Handel und Verkehr zu tun hat. Nun muß man sich darüber klar werde!], ob nicht die verschiedenen Verhältnisse in den verschiedenen Ländern von selbst nuf־ eine' Arbeitsteilung hindrängen, oder ob cs angcht, mechanisch! von allen Ländern eine gleichmäßige Arbeit für alle Gebiete zu verlangen. Mir erscheint letzteres für gefährlich, tind gerade bei der vorerwähnten Zwei* teilumj wird sich das anschaulich klar machen lassen. Was zunächst das landwirtschaftliche Kolonlsntionsproblcm anlangt, so ־zerfällt diesc3 in folgende Untcrproblcinc; 1. das וי״ר k 5»cA vd► ä iinuflöi, den 20; Dazemsor, aiieuas 8 unr in der StadthaElo, neues Rathaus, Klo«terMr, 4762־ (l'ntcrgrundbalinhof K10«tor8traB1c, ätadtbahn AlexamlorplaU) 13;,Jon n r»n 1fp־.n iSuuüusi Thema:!** \ד׳ן iifU «*1 ׳ *•*ן S Redner: Dr. Arlosoroff, Dr. Aron Dörth, Dr. Nahum Gold* W mann, Regiorungorat Goslar, Chalm Grünbetg. Dr.Lelow«r> jg Rechtsanwalt Felix Rosenblüth, Dr, Max Straust, M Berliner Zionistische Vereinigung [8׳ Dr. Ilantkc. 121s1saaH13:ss:a:ssHÄHta;san:i theoretische, welches sich mit dem System der Kolonisation beschäftigt, 2. das pädagogische, wclclics von der Vorbcrcitung, Erziehung und Ausbildung des Kolonisten, des Menschcnmaterials handelt und schließlich 3. das wirtschaftliche, welches die Fragen der Kapitalbeschaffung und Kanitalvcrziusung zum Gegenstand hat. Was nun das erste, das tficoretischc Problem anlangt, so ist cs außer Zweifel, daß der Wirtschaftsausschuß bzw. seine Studiengruppe sieb angelegentlich damit zu befassen haben wird, eine Aufgabe, für welche insbesondere seine Mitglieder, Prof. Dr. Franz Oppenheimer, Agronom Dyck, Dr, Ben Nathan »ml hoffentlich bald nodi andere in Frage kommen. Das zweite, das pädagogische Problem, fällt völlig aus der Kompetenz des Wirtschaftsausschusses heraus. Das wirtschaftliche Problem nun, das als unsere eigentliche Autgäbe verbleibt, ist nach der zweifellos richtigen Ansicht von Rosenbloom vorwiegend ein K re d i t probicm. Seine Lösung bängt davon ab, daß Institute geschaffen werde«, welche den Kolonisten kurze Kredite für den laufenden Bedarf, weniger kurze Kredite für die Ausrüstung und laiigfrlstiße Kredite für die eigentliche Ansicdiuiig selbst zur Verfügung stellen. Die Braiiucls-Üruppc hat in dieser 1Erkenntnis durch Rosenbloom jetzt eine solche Bank für kurzfristige Kredite ins Leben gerufen, und cs ist zu erwarten, daß diesem ersten Schritt weitere folgen werden. Fragen wir uns nun, inwiefern wir hier von Deutschland aus an diesem Problem Anteil nehmen können, so wird die Antwort lauten: höchstens durch Bereitstellung von Geldern, welche einer solchen Bank überwiesen werden, damit sic von dieser an die Kolonisten ausgclichcu werden. Und das ist eine fragwürdige Sach«, Gewiß kann man sich Fälle denken, wo cs möglich und vorteilhaft ist, schlcchtvalutnrischcs Geld in gutvalutarisches umzuwcchseln und alsdann gegen Zinsen auszulcihcn. Aber clas werden immer nur besondere Fälle bleiben, die auch dann nicht die rationellste Ausnützung des Kapitals bedeuten. Jedenfalls wird es nicht nngchcn, z. B. in Deutschland diesen Gedanken zu propagieren und zur Grundlage zu machen. Es gibt eine Unmenge von Gründen, welche cs zweckmäßiger erscheinen lassen,!11 Deutschland vorhandene Kapitalien anders 211 verwerten. Auch der Keren llajcssod hat in dieser Er kenntuis davon Abstand genommen, seine Gelder in Geldes form nach Palästina zu überführen; er zieht es vor, säe hier in Waren, Maschinen und Ausriistiingsgcgcnstände umzuwandchi und erst diese den Immigranten zur Verfügung zu steilen, Damit wird einmal den allgemein deutschen Verhältnisse« und Interessen, welche wir berücksichtigen müssen, Rechnung getragen, und außerdem ist cs ökonomischer, weil die gekaufte« Gegenstände hier billiger sind als im Ausland, Das Ankäufen von Maschinen «sw. für die Einwanderer ist aber kein« Form des Kredits, und es ist auch eine solche Form (Natural• kredii) z. Z. wenigstens von hier aus nicht möglich; vielmehr handelt cs sich dabei darum, Gelder, welch cauflrgend• einem Weg vorher Eigentum der Einwanderer geworden sind, sei es auf dem Wege der Sammlungen (Keren Hajessod), sei cs auf dem Wege der selbständigen Geldbeschaffung seitens einer Kwmzali oder cicrgl., zweck mäßig in Ware» timzuwandclu — also lediglich ein Einkaufs Problem, lediglich etwas, wo wir als beratendes, aber jedenfalb als beauftragtes Organ für rationellen Einkauf 'Sorge tragen können, aber nichts, wo wir als Wirtschaftsausschuß oder überhaupt als deutsche Juden uns wirtschaftlich ein schallen könnten, Letzteres wäre eben nur möglich, wenn wir die Beschaffung der Gelder auf wirtschaftlicher, d. 11. auf Kreditbasis, selbst iit Angriff nehmen, d. h, Gelder den drüben zu schaffenden Kredit-Instituten zur Verfügung stellen könnten. Die klare Konsequenz ist die, daß wir von Deutschland ans an der Lösung des eigentlichen wirtschaftlichen Problems bei der landwirtschaftlichen Kolonisation nur einen sehr bcgrenzten Anteil nehmen werden, und daß die Schaffung und Ausstattung landwirtschaftlicher Kredit-Institute in erster Reihe die Aufgabe solcher Länder sein wird, für deren Valuta es das Naturgegebene ist. Für unsere schlechte Valuta werden wir nach besseren und rationelleren VcnvcrtungsmogiiclikeHcii Umschau halten müssen, und es ist klar, daß wir uns dabei nicht auf die Rolle des Einkäufers beschränken dürfen, 8011־ dorn selbst initiativ und konstruktiv werden Vorgehen müssen Wird das Gebiet der landwirtschaftlichen Kolonisation so mit für uns (ich betone nochmals: lediglich unter der Finanzlcrungs- oder Unternehmer-Perspektive) ein wenig In den 'Hintergrüne! gedrängt, so nickt dementsprechend der *Komplex der Industrie-, Hamids- und Ver^eiirsprobleme 111 den Vordergrund. Unser Gedankengang hat uns zwangsläufig dahin geführt, daß wir uns gewissermaßen vom Boden Palästinas ein wenig losgelöst und uns auf die besonderen Verhältnisse besonnen Haben, denen wir in Deutschland unterliegen. Ochen wir nunmehr diesen W'cg bewußt weiter und versuchen wir clainai fcstzustellcn. zu welchen Ergebnissen Wir gelangen, wenn wir übcr 11 n 11 pt von diesen hiesigen Verh ii 11 n I s s e 11 a u s g c h c 11. Gelingt cs uns, auch auf diesem Wege zu praktischen Palästina-Arbeiten zu gelangen, so werden diese dann wenigstens den Vorteil haben, daß sie über ein ökonomisches Fundament verfügen und organisch aus bereits vorhandenen Realitäten hrrniiswachscii. Da fällt uns zunächst «las eine in die Augen: Deutsch« land lind auch andere Länder, wie insbesondere Danzig, Polen «sw., werden auf lange Zeit für Palästina eine sehr große Rolle als Lieferanten spielen, Lieferanten im weitesten Sinne, Lieferanten für Waren und Maschinen, Lieferanten für Menschen. Lieferungen aber bedürfen des Verkehrs, 1—1 ökonomisch betrachtet ist für uns der Zion isrnus ein Tran sport problcm, ein Transport- Problem größten Ausmaßes. Können wir an diesem Problem vorübergehen wie bisher? Werden wir nicht dazu übergehen müssen, cs in eigene Regie zu übernehmen und selbst zu organisieren? Das wird niemand bestreiten, aber mancher wird fragen, ob cs zu den für Palästina eiligsten und dringendsten Dingen gehört. Gewiß ist cs der Fall, und das ist für mich das Ausschlaggebende daran. Rosenhlooin wies in seinem Report sehr eindringlich daran! hin, daß die von ihm so unentbehrlieh betrachtete Verbreiterung der Immigrationsbasis wesentlich von einer Organisierung des Vcrkchrsprobletns im Lande abhängt, und damit meint er: Ausbau der Hafenanlagcn für Personen- und Warenverkehr, Organisierung des Transitverkehrs für Waren, des Personen- und Fremdenverkehrs im äandc durch Hotclbautcn und Einrichtung dazugehöriger Autobuslinicn usw. Es ist kein Zweifel, daß hierdurch tatsächlich der Personenverkehr nach Palästina, sei cs von Immigranten, sei cs von vorübergehend dort Bleibenden, große Impulse bckommen würde, und daß auch den ״Reisenden“ ein starker Bruchteil bleibender Werte geschaffen und zuriickgelassen wird, ist wohl auch sicher. Wie aber kau״ man das au! die rascheste Weise zustandebringen? Die früher übliche Methode, hier und da getrennt voneinander kleine Anfänge liinzii'icllcn, ist die denkbar langwierigste. Ihr gegenüber steht als rationellste jene Methode, welche z. B. die Mapag schon in Vorkriegszeiten angewendet hat, und welche heute Stinucs Im größten Mal'stabe anwendet: Waren- und Personenverkehr zu konzentrieren, für beide alle erforderlichen Anlagen zu schaffen, insbesondere die schon früher erwähnte Emigrnntenfiirsorgc (Barackcnbau, koschere Verpflegung usw.) in eigene Regie zu übernehmen, sich dort, wo die Schiffe hindirigiert werden und um diese Routen rentabel zu machen, selbst Stützpunkte zu schaffen, welche den Verkehr anregen, Hotels, zu welchen eigens veranstaltete Gesellschaftsreisen die Gäste!»!!bringen, Autobusse, welche diese Gäste durch das Land fahren, und zwar von einem eigenen Hotel zum zweiten usw. usw. Diese Methode hat den doppelten Vorteil: sic fängt alle im Zwischen־ und Ncbcnbctricbcn abfallenden Erträge selbst auf, erzielt also den höchsten wirtschaftlichen Nutzen, und sic hat ein so breites Fundament, daß das Risiko verteilt ist: der eine Betrieb alimentiert den anderen, bis dieser auf eigenen Füßen steht und sich revanchieren kann. Nun ist es ja klar, daß wir nicht eine jüdische Hapng aus dem Boden stampfen können, aber wenn mau das Ziel erkannt hat, so wird man ihm durch ein wohkiurchdachtcs System von Gründüngen, Beteiligungen, Verhandlungen und Verträgen allmählich näher kommen, und unerreichbar ist cs keineswegs. Das wesentliche Ist nur die Erkenntnis, daß der Sitz eines solchen Systems hier in Mitteleuropa liegen muß und nicht in Palästina seihst. Von hier aut! kann es auch nach anderen Ländern ausstralilcn als nur nach Palästina, ist also nicht nur auf da» zionistische Geschäft beschränkt, von dein allein cs sich auf absehbare Zeit wohl kaum rentieren könnte, kurz, es kam! mit vicivcrzwcigten Wurzeln aus einem guten und ertragreichen, räumlich wenig begrenzten Boden Nahrung sangen, — umgekehrt würde mau drüben in Palästina zunächst nur auf , steinigem Grund ein ganz kleines Unternehmen errichieu können, dessen Aktionsradius ein eng begrenzter, rein ziouistischcr und dessen Zuschnitt den Landesverhältnissen nach ein dürftiger, d. h. kostspieliger und unrentabler, zumindest mit großen! Risiko belasteter sein würde. Wieviel Geld, teures Geld würde man brauchen, um drüben ein Hotel, eine Autolinic, ein Schiff zu bauen, — wieviel Zeit würde verstreichen, bis ein zusammenhängendes, den europäischen oder amerikanischen Bedürfnissen entsprechendes System entstehen würde! Von der Plattform eines in Europa fundierten Systems aus dagegen könnten sowohl das Tempo wie der Zuschnitt gleich von vom herein dem erforderlichen MaBstab angenaßt werden. wenn man drüben eine Maschine braucht, kauft man sie hier. Aber ein industrieller Aufbau bestellt nicht aus der Anhäufung von Maschinen, sondern erfordert eine Unmenge von Dingen: Organisation, Tradition, Erfahrungen, Be*. Ziehungen, Kundenkreis, Personal, ökonomische Fundiertheit —? das alles sind, obwohl zum Teil Imponderabilien, in gewissem! Sinne auch Waren, die man drüben braucht- und die man gleichfalls von dort aus verwerten muß, wo sic am billigsten zu haben sind. Zweifellos ist jedes Fabrikunternehmen, das drüben nus sich heraus entsteht, in den meisten Fällen um ein Vielfaches teurer, als wenn es durch ein hiesiges Unternehmen als Filiale ins Leben gerufen wird — denn all die vorerwähnten Dinge, zum Teil Imponderabilien, werden dann so gut wie gratis miteingcbraclit, und in vielen Fällen wird die betreffende Muttergcscllschaft sogar in der Lage sein, aus ihren niedrig zu Buche stellenden, z. Zt, nicht ausgenützten oder stillgcicgtcn Beständen auch die ganze maschinelle Einrichtung für drüben zu bestreiten, so daß die Gründung drüben niedrig genug erfolgen kann, um von vornherein eine Rentabilität mit größerer Sicherheit zu gewährleisten. Es scheint mir also grundsätzlich notwendig, daß dort, wo von Privatinitiative gesprochen wird, wenigstens für Mitteleuropa die Parole nicht durchaus lauten sollte: bringt Geld auf, um drüben zu gründen! sondern: erweitert hiesige, schon bestehende oder entstehende Unternehmungen durch Anglicdcrung einer speziell jüdisch-orientalischen Abteilung, welche damit beginnt, sich den Weg nach Palästina zu bahnen, und welche das Ziel hat, ihr Schwergewicht allmählich mehr und mehr nach drüben zu verlegen, eine Aufgabe, die auf dem Wege finanzieller Beteiligung und nuf dem der Verhandlungen zweifellos in weit größerem Umfange lösbar ist, als gewönnlieh geschätzt wird. Und da, wie gesagt, von allen Arten Unternehmungen für Mitteleuropa am geeignetsten wie auch am dringendsten diejenigen sind, welche irgendwie zum Komnlex ״Transport“ gehöre«, also Warenspedition, Personenver* kehr, insbesondere auch Fremdenverkehr und Hotclindustrie^ so glaube ich, daß cs die Aufgabe des Wirtschaftsausschusses sein wird, jener grundsätzlichen Erkenntnis vor allem au! diesem Gebiete zur Verwirklichung zu helfen. Zunächst werden wir hierbei nur auf unsere eigenen Kräfte zählen können; aber vielleicht werden in absehbarer Zeit auch unsere valutastarken Freunde begreifen, daß sic mit ihrem Geld für Palästina eine größere ,,cfficicncv“ erzielen können, wenn sic es gleich* falls durch diese Kanäle leiten lassen. Hier berühren wir bereits die zweite und zunächst letzte der in diesem Aufsatz zu erörternden Aufgaben des Wirtschaftsaussciuisscs: die Frage der Kapitalbeschaffung seihst. Auch hier scheint cs mir, daß die bisherigen Vorstellungen falsche waren. Sie beschränkten sich darauf, nnzmrchmen, daß man ein Projekt ausarbeiten, einen Prospekt verfassen und nun an einzelne Kapitalisten mit der Aufforderung, Aktien 2u zeichnen, licrantrctcn müsse. Eine solche Gründer- und Anirniertiitigkeit ist eine nicht unbedenkliche Sache, und insbesondere eine Körperschaft, wie der Wirtschaftsausschuß, wird sieb von Ihr frcilialtcn müssen, denn nichts ist in solchem Maße geeignet, das Vertrauen zur Ernsthaftigkeit einer Körperschaft zu erschüttern, wie diese Tätigkeit. Anders Ist cs, wenn sic durch eine seriöse Bank geleitet winÄdic *Ich,

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