Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1922)
- Date
- 1922-12-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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H v I Seite 030 JIJE V Mr.m Dr. Simon Roscnbatim über die Lage In Litauen De. Simon Rosen bäum aus Kowno, der Präsident des liulischcn Nalionalratcs in Litauen, weilte dieser Tage m Berlin und gab unserem Redakteur Gelegenheit, ihn über die Situation in Litauen, insbesondere mit. Rücksicht auf die Annullierung der Minoritälsmandatc, zu befragen. Unser Redakteur bat Herrn Dr. Rosenbaum. eine Schilderung des Verhältnisses zwischen Juden und Litauern angesichts der letzten Nachrichten über antisemitische Hetzereien zu neben und sich dann zur Frage der politischen Situation und des Mamlatsraubcs zu äußern. Herr Dr. Rosenbaum ging zunächst auf die Frage des Antisemitismus ein. Er betonte den Unterschied zwischen dem Antisemitismus im Lehen und dem Antisemitismus in, der Politik. Im Leben gibt es keinen wesentlichen Antisemihsmiß. und es ist nicht zu befürchten, daß er sich entwickeln wird, denn das litauische Volk lebt im besten״Einvernehmen mit den Juden, und auch ökonomische Gegensätze sind nicht vorhanden, obwohl man ca der Bevölkerung■ cinrcdcn will. Wenn trotzdem in letzter Zeit eine Reihe beunruhigender Erscheinungen der ()Öffentlichkeit bekannt geworden sind, ko beruht das vor allem auf drei Ursachen:. 1. haben die Litauer, die ans Rußland zuriickgckommen sind, den Antieemitismus importiert, 2. muH sicli Litauen als neuer Staat mit den früheren russischen Beamten behelfen, die nicht nur antisemitisch sind, sondern für die der Antisemitismus geradezu eine Einnahmequelle ist, 3. haben mich die Polen, die während der Streitigkeiten zwischen Polen und Litauen ein Interesse daran hatten, die Beziehungen zwischen Litauern und Juden zu verschlechtern, eine antisemitische Hetze ge• trieben. Es ist nun die Frage, ob es diesen Bazillen gelingen wird, den Körper zu vergiften oder ob der Körper gesund genug sein wird, die Bazillen zu vernichten. Auch der Gegensatz "zwischen Dorf und Stadt wirkt in ungünstigem Sinne auf die Judenfrage, obwohl das kein spezieller Kampf gegen die Juden ist Ich komme nun zum Antisemitismus ln der Politik־. Als man Litauen zu bauen an fing, dachte man nicht an das kleine Litauen von heute, sonciern an den Umfang des Moskauer Vcrlrags. Da Polen sehr stark gegen die Selbstäiidigkcit Litauens agitierte, war cs für Litauen sehr wichtig, ein gutes Verhältnis zu den nationalen Minoritäten herz.iistelicn, da das Eintreten der Juden und Weißnissen für die litauische Selbständigkeit einen großen Eindruck machte. Darum haben die Litauer den AUnorituten •große Versprechengen in offiziellen Dokumcnlcn, die zur Kenntnis Deutschlnnds und der Entente gebracht wurden, gemacht. Diese Vorsprcchungcn scheinen sie jetzt zu bereuen und führen einen doppelten Kampf gegen die Minoritäten, einen ökonomischen und einen politischen. Der ökon 0 m is eh e K ampf besteht darin, daß man die Lasten des Staates vom Lande auf die Städte fiberwälzt» Man belastet den Handel und die Industrie unverhältnismäßig, so daß die Existenz der Juden untergraben wird. Diese Politik hat sich besonders verschärft, seitdem ein junger Mann mit viel Temperament, Herr Petrulis, Finanzministcr "wurde. Die Resultate seiner Politik zeigen sich darin, daß die Fabriken und industriellen Unternehmungen ihren Betrieb auf 40»/» reduziert haben. Eine andere Art des ökonomischen Kampfes besteht darin, die Juden aus allen vom Staat abhängigen Unternehmungen auszuschließcn. Jüdische Arbeiter und Angestellte werden in Staatsuntcrnchniungcn nicht aufgenommen. Daß nebenbei auch eine Boykottpropaganda betrieben wird, bedarf kaum der Erwähmmg. 'Politisch begann die neue Richtung sich darin fühlbar 711 machen, daß man die Juden aus höheren Aemtern ansschloß. Dann begann der Kampf gegen das Ministerium für Jüdische Angelegenheiten. Das feierliche Versprechen, das Ministerium in der Konstitution zu verankern, wurde gebrochen, ebenso das zweite, es durch ein besonderes Gesetz festzulegen. Es besteht jetzt Grund zur Befürchtung, daß das Ministerium endgültig liquidiert wird. Nicht viel besser steht cs um den Jüdischen Nationalrat, der zirka drei Jahre de facto besteht, aber noch immer nicht legalisiert wurde. Die in der Verfassung angenommenen Bestimmungen über die Autonomie sind aber sinnlos, wenn cs keinen legalen Träger dieser Autonomie gibt. Auch auf die Schulen wurde schon eine Reihe von Attentaten gemacht. Besonders drastisch zeigte sich die Tendenz des Gründungssejm bei der Frage des jüdischen Seminars. Die Scjmkommlssion hat zunächst den Paragraphen beseitigt, wonach das Jüdische Ministerium einen Einfluß auf dieses Seminar haben sollte und das Seminar der Verwaltung des Bildungsministers ausgeliefert. Ferner wurde die hebräische oder jüdische Unterrichlssprache. nicht zugelasscn. Daraufhin haben die jiidisehen Deputierten den so verstümmelten Entwurf zurückgezogen. Am schärfsten äußerte sich der politische Kampf gegen die Minoritäten in der fetzten Wahlkampagne. Man begann damit, das kleine Litauen in sechs Wahlkreise einzutcllen. Dann versuchte man durch eine Verdrehung des Gesetzes die Verbindung der jüdischen Listen zu verhindern, als dies nicht gelungen war, fiat man gegen den offenbaren Sinn des Gesetzes in vier Kreisen dio jüdischen Mandate annulliert, indem man eine Interpretation gab, die in keiner Weise haltbar ist. Mau hat nämlicti erklärt, daß die Reststimmen, auf die gesetzlich die übrigen Mandate nach relativer Majorität zu verteilen sind, nur dort angerechnet werden, wo schon e 1 n Deputierter in dem betreffenden Wahlkreis gewählt ist. Man hat, da nach dieser Methode gar nicht alle Mandate besetzt werden konnten, die Mandate sogar zu zweien und zu dreien an die betreifenden großen Parteien verteilt. Das Resultat war, daß die chrisllidicn Demokraten jetzt im ganzen auf zirka 8000 Stimmen einen Deputierten bekommen, die Sozialdemokratcu auf 0000, die Juden auf 18000, die Polen auf 27COO je einen. Die Russen und Deutschen, die sich verbunden hatten, bekommen mit ihren 27000 Stimmen überhaupt kein Mandat. Daß man das Gesetz in dieser Weise zu interpretieren gedenkt, davon hat man vor den Wahlen kein Wort gesagt. Sonst hätten die Minoritäten Mittel gefunden, sich zu schützen. In Polen steht im Wahlgesetz ausdrücklich eine derartige Bestimmung, infolgedessen haben die Minderheiten sich zu einem Block vereinigt Die fünfgliedrige Wahlkommission, die die Wahlen zu prüfen hatte, hat eine Sitzung abgchnltcn, in der der jüdische Vertreter nicht anwesend war. Von den übrigen vier Mitgliedern hat einer sich der Stimme enthalten, einer hat dagegen gestimmt, und nur zwei stimmten für Annullierung der Mandate. Als sich dann eine große Debatte in der Presse entwickelte, machte ich dem Vorsitzenden der Wahlkonimission den Vorschlag, ein Gutachten hervorragender Sta atsrcchtslchrcr einzuholen und, falls dieses Gutachten einstimmig gegen den Spruch der Kommission lautet, dann sollte die Frage einer Revision unterzogen werden. Der Vorsitzende fand meine Forderung zwar berechtigt, lehnte s,?c*j aus formalen Gründen ab, darauf einzugehen. Der Jü- 1״•;ehe Nation alrat hat sich dann selbst an einige hervorragende Professoren gewandt, darunter an Professor Triepcl, I rofessor Burka in Bern und Professor Joffre de la Prudälc ln Parts. Die ersten beiden haben bereits ein bestimmtes Outficliteii mit eingehender Begründung gegen den Beschluß II l>1 Ul.,-׳ c cf!deren : e 11 \ dlomiiret nunmehr ein: ״Der NaiiOr, c 11 c n t i t n u 1;i r t i!׳ e 11 F ü 11 öden einer Politik .,uh chm Volke im der Kommission Prüfen;!)» ist ׳«ו:: hat sielt bereits inu atigcscblosseit. ■Auf die Frage, v.-JUie . fo »»!;. < ein Zuschlägen gedenk t, erwiü.,1!: Kr nalrat macht einen ti n t c rs c u I c<i sehe m Volk u nd. s c i n e n ge; rem. Er stellt 11,1 di wie vor r.uf 1...י des engsten Ztmnuuiu'n.'rucllci:־ mit I Interesse Litauens, für das Juden nlc.it r,!1r als Luf;;e? ihre | Pflicht erfüllen, sondern auch die Inierc.ocn des Landes j nach Möglichkeit durch die 5yr,;pr!tl1icn der Juden aller j Länder fördern. Gleich,־Ki;ן aber ist der NaLondrat und die hinter ihm stehcmlca jüdischen Mn:;:en entschlossen, gegen die gegenwärtigen Führer des liiaiiBrhcn Volkes mit• allem N a c 11 d r u c k die j ü d I r, chm Rechte w a 11 r zu nehmen. Der Anfang wurde damit rrcmr.cht, daß die Juden sich an den Arbeiten dra Sejms nicht beteiligen und dadurch vor aller Welt dokumentieren, de fl in Litauen innerer ׳Unfriede herrscht und eine eins RU ge Gewaltpolitik. geübt wird. Die Juden werden aber bei die Halt machen' er Maßregel nicht Da im gegenwärtigen Sejm keine! Gruppe eine auch ' nur nominelle Majorität "hat, so daß cc Unmöglich, sein dürfte, eine feste Regierung zu bilden, so glaube ich, daß der einzige Ausweg aus der schwierigen Lage die Auflösung des gegenwärtigen Sejm sein wird. Bei den Neuwahlen wird dann das litauische Volk das Wort haben,“ Der ״Oenn“ Bereits vor ciivigef Zeit haben einige slowakisch« Rabbiner den I s s u r '(Verbot) gegen Misrachisten und Zionisten ausgesprochen. In dem Wortlaut dieses kulturhistorisch interessanten Schriftstückes heißt es z. B.: ״Die Schcchita eines misraelastischen Schocket wird für treife erklärt, jeder Misraehist, und mag er in seiner Religiosität mit dem Rabbiner wetteifern, wird betreffs Kaschrus als nicht verlaßlieh erklärt Der Wein wird durch die Berührung eines Mi9rachisfcn als Nescedt erklärt, die Eheverbiudung mit Mi9rachisten und Zionisten verboten. Al!« diejenigen, die diesem Beschluß nicht die gebührende Beachtung entgegenbringen, werden mit den letzten Konsequenzen des religiösen Gesetzes bestraft. Der orthodoxe Rabbiner, welcher aus irgendeinem Grunde seine Zu Stimmung zu diesem Beschluß verwirft, vcfliert seine Autorisation.“ Dieses neue überaus einleuchtende Kampfmittel hat eine bemerkenswerte Ausdehnung erfahren, Indem der Is5׳rur auch auf die Agudas Jisrocl ausgedehnt worden ist, weil diese nur ״verkappter Zionismus“ sei. Außerdem wird bchauptet, daß die Mcssiwta (Talmud-Hochschule) der. Agtidah nicht anders als ein Rabbinerseminar anzusehen sei. Das Wiener Organ der Agudah verwahrt sich gegen diese ihr offenbar ungeheuerlich erscheinende Behauptung der Ähnlichkeit mit einem Rabbinerseminar. Zur י Charakterisierung der ganzen Maßnahme sei nur noch erwähnt, daß einer der ״Unterzeichneten“ Rabbiner er* klart hat, daß sein Name trotz ausdrücklichen Protest« ®einerscits unterzeichnet worden ist, während andere Unterzeichner sogar erklären, bei der Versammlung überhaupt nidit anwesend gewesen zu sein. Man hat auf die Einladung •zur Sitzung vorher erklärt, daß man mit den dort zu fassenden Beschlüssen einverstanden Sei, ohne zu wissen, um was es sich handelt. Der Vorgang beweist den Tiefstand, der heute in diesen Kreisen des orthodoxen Judentums besteht, dessen Führer sich nicht cntblöden mit Mitteln des schwärzesten Mittelalters politische Gegensätze .nszufedifen und überdies von!»!eher Ahnungslosigkeit in jüdischen Dingen sind, daß sie die Agtidistcn für verkappte Misrachisten hält, eine Ahnungslosigkeit übrigens, die man ihr beinahe als Eutsduildigung anrechnen möchte. Die parlamentarische Lr^e In Polen Das ScjmprSnldlum• Warschau (J.C.B.). Das Zentrum׳ des polnischen Sejm hat sich mit dem Rechtsblock zu einer Koalition verbündet Dieses Bündnis trat zum ersten Mal bei der Wahl des Präsidiums in Erscheinung, wo ein Angehöriger des bäuerlichen Zentrums zum Sowjetvorsitzenden, ein Nationalist zum Scrutsvorsitzcndcii gewählt wurde. Die Juden hatten als drittstärkste Fraktion ein Anrecht darauf, die Stelle des zweiten Vizepräsidenten im Senat zu besetzen. Um das zu verhindern, spaltete sich der christlich-nationale Block in drei Teile (Nationale Voikspartei, Nationale Arbeiterpartei und Gubanowicz-Oruppe). Die letztere Gruppe׳ erhielt dann als drittstärkste Fraktion die Stelle des zweite« Vorsitzenden. e Die Vereinigte jtUHcclie Frc!:!!0i Der Klub des Jüdischen Nalioualrais, der Klub der Ostalizischcn Juden, der Klub der Agudah und der Klub des!aufmännlschcn Zent ralvereiiw haben sich unter dem Namen ״Jüdische Fraktion im Sejm und Senat der Polnischen Repttblik“ zinr.mmragcsdilosscn. Dem Präsidium des Scjmkhibn gehören'rm: O rünbanm , Thon, Reich, Farbstein, Kirschbattra, Rosmarin, Hausner und Silberstein. Dein Präsidium der Semtsfraktion gehören ans Braude, Rabbiner Rubinsfein, Mendelssohn, Trusker, Ringel und Bienenstock. Die Fraktion beschloß, daß die Mitglieder in polnischen Fragen .היו die Beschlüsse der Fraktion gebunden, in religiösen und sozialen Fragen dagegen ln ihren Entschlüssen frei sein sollen. Es wurde ferner beschlossen, zu dem Scjmabgeorclactc» Prfluzki käne Beziehungen zu unterhalten, weil er im Wahlkampf die anderen jüdischen Parteien .mtistaatlidier Tendenzen beschuldigt habe. Ein neuer Warschau (J, C. 0.). Dar Nationalrat in Polen berief!״־müiciie Deputierten und Senatoren, sowie di Wahllisten, auf die eine DttrchschuiR entfielen, zu einer Sii/.itug eia. And putierten und Kamüdatcu *erschien.:;:! ungefähr *10 Vertreter aus nt!;.r» VA Nach längerer Debatte wurde der!'Rae neuge wühlten Deputiert,::!, Senate׳;'; bischer N a t i o a ג i r r, t p r o 1 Nationalrat soll, sich d;v,-:1 mit t! Gruppierungen in pol:;: l!1 VciLtr. f.rovhorirclie jüdische r;e 1!gewäliltcn jüdischen : Kandidaten derjenigen von 6000 Stimmen :r den Warschauer Dezu dieser Sitzung auch I1F־. :ie.ctt der Provinz, cL'.ui'i daß sich die 1;״,ü Kandidaten als Jüi e rea Der׳ neue j־"־F:;dtcr1 Parteien; «nd ilbC) für Palästina Von Heinrich Margulies, Berlin. I. Wenn fdt es hier unternehme, den Aufgabenkreis des Wirirdiaftsausr.chusscr. zu umschreiben, so muß eine Re. tuivlumg voran ge gellt werden: ich bin mir darüber klar, daß für absehbare Zeit uivs-'rc Kräfte weit hinter den Auf• g.ihen Zurückbleiben und dall wir nur Bruchteile jener Arbeit Iciaten werden, die uns vorsefnvebt. Das liegt zum Teil an den geringen uns zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln, vot allem aber liegt es daran, daß der Aufgab!nkreis seihet ein ungewöhnlich großer und vielseitiger ist. Alles gleichzeitig in Angriff nehmen, hieße 111 •hti vollenden. Line Begrenzu;!'׳ tut bitter not, aber andererseits ist es eine ungeheuer schwere Wald, die dabei getroffen werden muß. Fast für jedes Teilgebiet läßt sich eine besondere Dringlichkeit nadnveisen, um! wir werden wohl oder übel nach einem mittleren Weg suchen mubsei». Daß wir hierbei auf die aktivste Mitarbeit und Unter• f.lützung aller an den wirtschaftlichen Dingen interessierten Zionisten angewiesen sind, braucht nicht betont zu werden, tmd schwerlich hätten wir Mitglieder «des ersten Ausschusses die undankbare Aufgabe übernommen, eine Realisierung unserer Gedankengänge zu versuchen, wenn wir nicht!gerade zu der» wirtschaftlich tätigen, zionistisch aber inaktiv g«. wordenen Zionisten das Vertrauen hätten, daß eine solche Tätigkeit, wi■; wir sie planen, gerade ihre Aktivität neu beleben wird. Wir hoffen zuversichtlich, daß gerade am deren Kreis eine. Fülle von Anregungen kommen wird, denn es liegt uns fern, an nehmen zu wollen, daß nun alle Plane von uns selb »t ausgehen müßte•.». Was wir vollen, ist zunächst die Einführung einer Methode. Nicht die ״Aktionen“, die wir unternehmen werden oder die andere, durch un!1 angeregt, ausführen werden, stellen das Wesen unserer Arbeit dar; sic können nur Einzciillustrab'oncn zum Gcsamtwollen bilden, und' dieses Gcsimtwoücn erstredet sich darauf, das zionistische Aufbauproblcra PaÜslinas, soweit cs ein wirtschaftliches Problem ist, als solches einer möglichst großen Anzahl von Zionisten und Niditrlotiistcn verständlich zu machen, die Wege zu einer sadi- Hellen und fachmännischen Inangriffnahme zu untersuchen und vorbcrciten, und schließlich möglichst viele aktive Kräfte mit diesem Problem zu verknüpfen. Wir sind uns darüber klar, daß der Zionismus selbst kein wirtschaftliches Problem war und ist, sondern eine Erscheinung, die zweifellos zunächst (wenigstens in Westeuropa) mehr ins nalicwnlcthisdie Gebiet gehört Aber ähnlich war cs auch mit dein Sozialismus, u ׳ I wenn dieser Schi ffb roch erlitten hat, sobald ihm die politische Herrschaft in den Schoß fiel, so lag das nur daran, daß er nicht genügend praktbch-wirlschaftlidi geschulte Kräfte besaß, welche diese politische Bewegungsfreiheit auszunützen, verstanden, um sie auch ökonomisch zu fundieren. Politik una Wirtschaft sind nur zwei Seiten einer und derselben Sache; sie sind untrennbar, und genau so wie beim Sozialismus wäre cs auch bei uns verkehrt, wollte man das eine gegen das andere aus spielen. Die zu jederzeit unentbehrlichen ״Stoßtrupäjeu'S liefert die Politik, die Wirtschaft aber muß aas Errungcr-a sichern und ausbauen, oonst werden jene Truppen, statt weiter vorzudriivgen, beim geringsten Anprall zurückwcidieti riiüsscn. Dieser Gedankengang ist bei uns nicht zeitig genug erkannt worden, und darum droht auch uns die Gelahr, daß wir unsere politischen Positionen wegen unserer wirtschnfilichen Unzulänglichkeit wieder verlieren. Daß nun ein ,,Wirlsdiaftsatr,schuß“ eine solche Gefahr nicht einfach aus der Welt schaffen kann, ist klar; er findet iridits vorgearbeitet, er findet nicht einmal Verständnis für sein Wollen, er muß einen großen Teil seiner Arbeitskraft darauf verwenden, erst einmal Aufklärung zu verbreiten, Mißverständnisse und Miß- | trauen aus dem Weg zu Täumen und eine ״Atmosphäre“ zu schaffen, in welcher er gedeihen kann. Er muß also das ganze bisherige Denken der Zionisten, wenn auch nicht umformen, so doch ausweiten und ergänzen. Das ist es, was ich ein« ״Methode“ nannte, eine Methode des zionistischen Denkens und Arbeiten®, die wir landläufig machen wollen, und an dieser cracherischcn Gesamtaufgabe gemessen, bilden wie gesagt die eirwxrinen ״Aktionen“ nur kleine Ausschnitte. Ich unterstreiche dies deshalb, wteil auch jetzt noch vielfach der Wirtschaftsausschuß als eine Gruppe von Menschen angesehen wird, denen solche Aktionen die Hauptbedeutung bilden; und inan versteht dabei unter den Aktionen run3׳ heraus gesagt einfach Gründungen, und zwar Gründungen auf privatkapitalistischer Basis. Diesem Irrtum untcrligt auclf noch^ ־Dr. Itanlke, wenn er auf dem tschechoslowakischen Zconlstentag als die zwei wirtschaftlichen Tendenzen der wirtschaftlichen Opposition den Kampf für die Privatinitiative und den Kampf gegen den Sozialismus bezeichnete. Zunächst schaltet das Problem des Sozialismus als Tendenz.- Problem bei uns völlig aus. Die Frage lautet für uns keineswegs: sozialistische oder privatkapitalistische Kolonisation״ sondern schlechthin wirtschaftliche und produktive Kolonie!- tiorv Es wird zweifellos Gebiete geben, auf denen, wir?׳> zialir.tisclie Wirtschaftsformen billigen und fördern werden; z. B. dürfte sich cE« insbesondere bet der land.wirtsclia ft- Lehen Kolonisation häufig ergeben, und Prof. Dr. Franz Oppenheimer, von dessen Mitarbeit wir gerade auf diesem Oebiet noch Wertvolles e!warten, ist ja auch niclil gerade antlsozinlistisch belast et Elwnso aber werden wir auf anderen Gebieten wiederum andere Formen bevorzugen, und wenn es geschieht, so wird es nicht aus einer prinzipiell antisozialistischen Einstellung heraus geschehen, sondern mir aus Zweckmäßigkeit®,grüadcn. Wir werden lediglich zu prüfen haben, welche Wirtschaftsform jeweilig dierascheste Ent- Wicklung des Landes zu unserem national home gewährleistet. Dieses sachliche und im wirklichen Sinne nationale Interesse^ stcht_ bei uns höher als ein System‘, eine Ideologie, sei es die sozialistische, sei es die kapitalistische. Also, weder der Kampf für die Privatinitiative noch der Kampf gegen den Sozialismus sind Kriterien der wirtschaftlichen־ Opposition, gcsclnvclge denn des Wirtschaftsausschusses. Unsere Tendenz ist und bleibt allein: die restlose Ausnützung aßen wirtschaftlichen Möglichkeiten, und die wirtschaftlichste Au»- nützung aller Möglichkeiten überhaupt II. Ich will min zunächst die wichtigsten derjenigen Aufgaben skizzieren, welche der Einführung und Verbreitung der Methode dienen, also mehr organisatorischen Charakter tragen. Erst Im weiteren Verlauf will ich dann auf diejenige!« konkreten wirtschaftlichen Einze’aufgabcn eingehen, deren praktische Inangriffnahme für uns in Frage kommt. Das Fundament einer jeden wirtschaftlichen Arbeit bildet die Vertrautheit mit den Voraussetzungen und den tatsäcli- Hellen Gegebenheiten. Schon hier stoßen wir auf Schwierig* keilen» Das Land Palästina ist ökonomisch noch wenig er* forscht, statistische Erhebungen sind in einem Land mit so niedriger Kultur fast überhaupt noch nicht vorgenommen worden, jedenfalls aber nicht in der Art und ln dem Maße, wie wir es brauchen. Die im Jahre 1021 ins Leben gerufene | Palcstlne Economic Society hat es ach zur Aufgabe gemacht, j diese Lücke nuszufiiiten, z.iwcrtüssiges Material für alle Arten j wirtschaftlicher Unternehmungen zu schaffen und zu 'diesem Zweck auch selbständige Enqueten und Statistiken durch zuführen. Das Resultat des ersten Jahres lieg! als Bulletin vor!