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Jüdische Rundschau · 1922-12-08 · Heft 97 (8.12.1922) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 97 (8.12.1922)
Date
1922-12-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 033 IMr JUEDI: E seihst miterif.ißicrt Nur dann Ist eine Gewähr dafür gegeben, daß die Sache sich einwandfrei vollzieh». In unserem Falle ist es auch unmöglich, eine Bank zu entbehren, denn sie ist die Snnsinclsiellc von Kapitalien, die im Sinne der vorstehend aus• icfiihrtcn Gcdankcngiiiigc dirigiert werden. Dazu ist «aber eine Jank erforderlich, die eine wirklich jüdische ist und deren kapilalzuflnß ebenfalls ein jüdischer ist. Hier herrscht jedoch eine L.iiekc, die in geradezu unverständlicher Weise ignoriert wird. Gerade jüdische Kapitalien fließen seit einigen Jahren in unverhältnismäßig großem Umfange über die Welt: zumidist im Zusammenhang mit der Emigration, sei cs der Zic:!bewußten, wie es seinerzeit bei der Aincrikawamlcrunr׳ war, sei es der planlosen, die wir als ״Flüchtlingsivande* runß“ bezeichnen, Alle diese Wanderer nehmen Gelder mit sich. Umgekehrt fließen den in Osteuropa verbliebenen An• gehörigen seitens der amerikanischen Einwanderer gleichfalls enorme Betrage zu. Schließlich haben die Hilfsaktionen, vor allem in Amerika, gleichfalls zu einer Gclclübcrflutung einzelner Territorien geführt. Dies alles und noch viel mehr fließt iiher Kanäle, hei denen ein unverhältnismäßig großer Bruchteil Versickert. Durch mißbräuchliche UnuvcchsUmcr und ähnliche Manipulationen werden die bedürftigen Empfänger tagein, tagaus betrogen und bestohlen. Man versteht nicht. Warum man nicht den häufig erörterten Gedanken einer Ausbreitung unserer Banken auf die Länder der Diaspora längst verwirklicht hat, — man hätte viele Millionen jü• disches Kapital ersparen und dem Aufbau der jüdischen Wirt• Schaft nutzbar machen können. Nunmehr bietet sich einer solchen Bank ein neues Betätigungsfeld: sic wird sich nicht mir darauf beschränken, den Uinvvechse!- und Ucherweisiings• verkehr zu pflegen, sondern sie wird planmäßig jüdische Kapitalien an sich ziehen, tun damit solchen Dingen die Wege zu ebnen, wie sie in meinen Ausführungen dargclcgt wurden, lind somit wird dieses Bnnkcnproblem das zweite sein, dem *ich der Wirtschaftsausschuß besonders widmen wird. Weitere Probleme werden folgen. Man kann nicht alles gleichzeitig machen. Nicht alles bedarf der publizistischen Nicdcrlegung. Fürs erste genügt es, diese eine These illustriert zu haben, die von grundsätzlicher Bedeutung ist: daß neben der landwirtschaftlichen Kolonisation, welche i n Palästina iiir die Juden in Palästina erfolgt, eine industrielle Kolonisation parallel gehen muß, welche von den Diasporajuden aus konzentrisch nach Palästina dirigiert werden muß. Nicht alle Zionisten, nicht alle Juden we’rdcn übersicdeln. Aber der denkbar größten Zahl unter ihnen helfen wir mit der Zeit durch unsere Methode den Weg zu einer unmittelbaren Verknüpfung mit dem Aufbau Palästinas öffnen zu können, einen Weg, der dann zumindest für die zweite Generation nicht nur die Möglichkeit, sondern die Wahrscheinlichkeit der eigenen Ucbcrsiedluiig, zwecks Fortführung und Weiler• bau des väterlichen Werkes in sich schließt. Spreebsaal Wir TCfsi,"t'R;'׳;;:;j 1; daß die V/cltcrIlc״.״u., nur cr?c!;;en Ir.:. 1, ׳.. ciflgcfcrticrkn Abc•.:׳ I <1 em 31. Dezem c r J. Verteuerung aller!'*::.׳.•־:fr''־• Blattes habe״ wir varr.uK gebühren gröfllenWla n‘; fordern״ gen cveiüic! Quartal 1923 fcolgcccticn für Afrika , . ,, Amerika . ״ Aegypten ״ flcigicn , ״ Bulgarien ״ Dänemark,? ״ Deuteei!•(}; 1 yes (ic U Ela ־1.treu tiif! khv/rden 11. Korwfj | « I *r ft tf I» מ »t וו מ tt •t t» 1♦ vor 1;!*,!!"!11!:׳־;;<’;־ »eil• ,.«.t t.ris erste ,. 2 Gailling , Ti C8!!:'.־׳ . 2 . 6 F.v.aea . 50 Lewa 3 " K;tBC3 23c:-n :irnn-.n . 2 rOIllint 180a (knfje^eMark ,;.0 fl an. Mark , 6 Francs , •3 Pr,■me« . 2 Calden , 8 Uni . 45 Dinare 1 SW :!•:•JürlieSarl 1X30 (ItUwke.Mftri , 2 Ti'illllaj׳ 2500 f.sln. Sark . 53 Lei , 4 Franc» , 3 Pesetas , 30 Kronen , 6 Francs . 400 Kronen!,qäjGlirea kann erfolgen: (Ohne Verantwortung der Redaktion.) Erklärung Vier Monafe sind vergangen, seit die katastrophale Ent• Wicklung des Wanderbundes Blau-Weiß einen -Höhepunkt errejeht hat. Sie hat eine Gestalt angenommen, wclcfic es zum mindesten der zionistischen Ocffcntlichkeit in Deutschlnnd zur Pflicht gemacht haben müßte, sich mit diesem Phänomen aufs nachdrücklichste und unnachgiebigste auseinaiuierzusetzcn. Der deutsche Zionismus aber glaubt schein• bar einem Theater, das da vorgibt und noch in den zahmsten Entsclmkligiingsrcden seiner Hauptdarsteller den auf nichts, nur auf die Sclbstsichcrhcit der Phrase gegründeten An- Spruch erhebt, die Bewegung der zionistischen Jugend in; Deutschland zu sein. Voller Beschämung muß hier die schmäh• \ liehe Schwäche konstatiert werden, welche Organisa'ion und Ocffcntlichkeit des deutschen Zionismus diesen Dingen gegen-; über bewiesen haben. Nur ein Zeichen solcher Schwäche' ist cs, daß die ״Jüdische Rundschau“ bisher kein Wort der Stellungnahme zu diesen Dingen gefunden hat, ja, mit Aus• nähme des vorsichtig abijesehwäditcn Berichtes über die! Kasseler Jugend tagiing nicht einmal eines der Bericht• I erstattung. Findet doch sonst die ״Rundschau“ die Sprache ' schon vor weit weniger wichtigen und weit weniger gut bezeugten Ereignissen, als es die systematische Verführung lind der als Heldentum aufgemachte Zusammenbruch der dem Blau-Weiß überantworteten Jugend sind, die sich vor unseren Augen vollziehen. Man ist auf die Schweigetaktik des Blau-Weiß licrcingcfalien, der jede genaue, aufrichtige und authentische Berichterstattung und öffentliche Rechenschaff von seinen Angelegenheiten bisher sorgfältig vermieden hat. Warum veröffentlicht man nicht den Wortlaut der monu• mentalen Reden der Herren Walter Moses, Bandmann mul Georg Strauß auf dem Bundestag, die freilich der Ocffcntlich• keit einen anderen Begriff von dem geben würden, was dieser Blau-Weiß ist, als die sanften Töne der Politik, mit denen die Redner des Blau-Weiß in Kassel vorgezogen haben, sich nach außen als eigentlich ganz harmlose junge Leute vor• zustcllcn? Warum veröffentlicht man nicht in ihren skandalöscsten Teilen die machtlüsternen ״Gesetze", die diesem Blau-Weiß von einem zweiten Moses — להבדיל — gegeben worden sind? Die Endunterzcichneten, die zum Teil dem Blau-Weiß angehürl, ihn aber im Laufe der letzten fünf Jahre aus prin• zipicllcn Gründen verlassen haben, halten cs für ein Gebot der Ehrlichkeit, nicht weiter in ein Schweigen einzustimmen, das sie diesen Dingen gegenüber für unmöglich gehalten hätten. Doppelt zweideutig scheint ihnen aber dieses ötfent* liehe Schweigen, seit es immer stärker begleitet wurde von dein Gemurmel der erstaunlichen Fusionsverhandhmgen, in denen da» Kartell Jüdischer Verbindungen mit dem Blau-Weiß stellt — jene Organisation, die sich in heiterer, aber ebenso unbegründeter Selbstüberschätzung charakterisiert als des neben dem Blau-Wciß ״einzige Kraitzentrum des deutschen Zionismus“ (Offizieller Bericht des Präsidiums über die FusionsVerhandlungen Im Oktoberheft des ״Jüdischen Studeuten" p. 251). Die vollkommene Verwirrung, von der cclion allein die Tatsache dieser Verhandlungen zeugt, macht cs doppelt notwendig, die deutschen Zionisten oder doch die unter Ihnen, weichen an Klarheit gelegen ist, auf den Abgrund hinzuweisen, der sich zwischen dem Zionismus und dem Blau-Weiß aufgetan hat. Diesem Abgrund ist. nicht mehr durch Ueberbrückungskünste und Politik beizukommen, $onder״ nur dadurch, daß er den Blau-Weißen selbst klar wird, und sie sich entschließen, in ihrer Arbeit, ihrem Leben und Denken jene Faktoren zu überwinden, und auszuschalten, welche ihn hervorgerufen haben. Schon seit 1918 wurde, erst schwächer, dann immer stärker, die Strömung sichtbar, welche nunmehr allein noch den Blau-Weiß d *1!•stellt, Diese Strömung — es muß das der Klarheit halber deutlich ausgesprochen werden — war bisher nicht durch ein bestimmtes festes Programm,• ein bestimmtes positives Vorhaben charakterisiert, sondern viel• mehr durch die Person ihres unbestrittene« Führers, der alif in vierjährigem Kampfe mit allen Mitteln zur Herrschaft verholten hat: Walter Moses. Nur ein negativer Grund- *•*Pf ist allen, im Positiven so überaus wechselnden Programmen dieser Richtung stets gemeinsam geblieben und aufs dcut- Jicliste hervorgetreten, Ein überlegenes und verachtungsvolles Estlnnd , , , Finnland , , , Frankreich , . Griechenland . Ilollr.nd . . , Italien , , . Wcslawlcn Lettland , , , Litauen , , . PallTlua , . Polen , , . Rumänien Schweiz , , . . Speiden .... Tschechoslowakei Türke! .... ״ Ungarn .... Die Einzahlung der Abannemon: Für Deutsch-Oesterreich durch Einzahlung au? Po;13קairk&sitnkanto Wien Nr. 156030. ״ Polen durch Einzahlung au? ält Ärgeeefse Verkchrzbanl Wies, Filiale Krakau. ״ Litauen durch Zentralbank zur Förderung des Jßdlscfieii Oe• nosscnschaftsvcscn» in Litauen. ״ Rumänien durch Bankkonto: Wiener Bankverein, Filiale Czernowitz. ״ Tjchecliodowakcl durch Einzahlung aaf Postipsrkisscnkanto Prag 59410. ״ Ungarn durch Fänzahlung auf Poibparkaisenlonto der ״Welt״ Nr. 15655. ״ Jugoslawien durch die Jüdische Bank für Bosnien und flcrzo• gowlna, Sarajevo. Für alle übrigen Linder durch Einsendung von Orfghialnoten (nur onlSdlcrtc Stnattschclnel) oder durch Schtkübcncelsaog.' Verlag Jüdische Rundschau Berlin W15, Sächsische Str. S g: b! Auftrumpfen gegen den überlieferten KuUurteitz des }Mischen Volkes bestimmt die.! Physiognomie dieser Richtung ein• dcutig für jeden, 'der je mit ihren Anhängern in Berührung kam. Die Abwesenheit allen, nur durch Konzentration, nur mit der Ehrfurcht des Lernenden zu crhiigcmlcn Wissen!!, über das hier viel!״ehr ein ׳trauriger Hohn der intuitiven seit Jahren sich ergossen hat, ließ die Anhänger dieser Richtung allen fremdelt Einflüssen offen, die durch ihre Führer auf sie wirket» kamt teil- V/etn Jugend ״dämonische Gewalt bedeutet, die man nutzen müsse nutzen müsse zur Erringung politischer Ziele, dein liegt nichlr, mehr an der Klar•׳ ncit der Erkenntnis, die dazu führen könnte, deutsch-jüdischer Dämonie grundsätzlich zu mißtrauen. Es setzte in den letzten Jahren eine systematische Ucbcrlültcrung mit ״neuen Ideen“ ein. Man ließ die Blau-Weißen, unter denen man sie pro• pagierte, gar nicht mehr zur Ruhe der Besinnung kommen, die vielleicht zur Kritik geführt hatte. Alle paar Monate gab cs eine neue Idee, die das jugendliche Leben er• schlittern und umgcstaltcn Rollte. Aul die wirksamste Welse wurde so den unklaren und in Verwirrung gebrachten Jungen und Mädchen, statt sie zur eigenen Entscheidung zu erziehen, die Notwendigkeit des richtunggebenden Führers cingc pflanzt. Brauchte man doch nur als Armee ilim zu folgen, um des Nachdenkens über das Recht jenes geistigen Zickzackwcgcs, jener krummen Pfade, üherhoücn zu sein, die man geführt wurde. _ Konsequent erklärten die Führer dieser Richtung die Gleichgültigkeit der Inhalte, mit denen die Ihnen auvertraute Jugend sich beschäftigen sollte. Geschah nur alles im echt jugendlichen Geiste, das heißt mit dem Brimborium der ״Leidenschaft und Kraft“, so machte es nichts mehr aus, was der Gegenstand des Tatendranges dieser Jugend war. Und freilich lag es diesen Menschen näher und war j leichter, alle paar Monate eines der liilercssanten Probleme der deutschen ״Geistigkeit“ und ihrer Gegner mit Leidenschaff zu ergreifen, als solche Leidenschaft als substantiell zu erweisen in jahrelangem stetigem Bemühen um die ernsten und spröden Sachvcrhrdtc des Judentums und seiner Sprache. Mit dem zunehmenden orgcsch-artlgcn Charakter, den roße Teile der Organisationen der deutschen Jugendjcwcgttng angenommen haben, Ist die gleiche Tendenz prinzipieller Verherrlichung von Macht und Gewalt, das Bestreben zu analoger Organisation auch im Blau-Weiß aufgetreten, von Walter Mose:! mit anerkennenswertem Zynismus verfochten'). Sic haben sich riumnehr offiziell in diesem Blau-Weiß verkörpert nach Ausschaltung• der letzten Widerstände, die sich erhoben gegen den ,1117.11 Altenbüren Bankrott alles Jüdischen in diesen! Bunde, gegen die Verabsolutierung des Blau-Wciß, gegen die diktatorische Tendenz des «ני ואמסי עוד• Dieser jetzige Blau-Wciß hat nunmehr vor Keiner hypnotisjerfen und zermürbten lugend die Diktatur seiner utiab• setzbaren Bundcsleitung, die Verwandlung seiner Anhänger in eine ״straffe, rcieli,gegliederte (!!) Armee“ als letzte Rettung aus der zionistischen Krisis proklamiert, den ״heUilschcn Menschen״ als den ]dcaliypus der neuen, vorn Ijhu-Wtiß in Palästina zu schaffenden ״Kuliur“ verkündet. Wieder einmal hat er seine Anhänger 'mit der Idee der Gründung einer kultiirschöpfcrindien Blati.Welii-Kolonic in Palästina In einen Rausch versetzt, ttiyj ca Ri Gefahr, daß eie au״, dk’tera Rausche nicht mehr nufwaclicn werden: die Verpf!Ichtung auf den Blau-Wciß für3 ,ganze Leisen spricht drohend genug, im Gefühl, mit dem <l>n1f:1־'i,en Zionismus schon gewonnenes Spiel zu Ulen, hat,die Buf.Jee.leiluiig des Lira• ׳,* Karten a1״׳:;e<Seckt. Kundgebungen heben de: neuen ״"stolzesten .׳cu.ügkdi.“ (Mates auf Die Gesetze des Bla«• "׳:eluU't zwar nicht Dl aber mit denen Weiß anfangs vcrhälhiisin.'ii’ig offen I In die:,eu wenigen, aber oHscheidmidcii sich Gestalt, Geist und *) ״Ich bin kein dem Praktikantcnlng I.׳D» Weiß verraten die mit denen des bestimmter dcv.bxim führung in dem, v. was sie nicht sag verschweigen. rimr’c:,“ mit absoluter und feindseliger Klarheit von Gestalt Geist uml Forderung der jüdischen Bewegung, des Zio-. r!.׳.i;1tr. ab. Eine Ideologie liegt vor, weiche au* jeden: Mangel, jedem Verwerflichen in dieser Jugend einen Vom!•• mul ein Ideal macht, welche den Blau-Wciß ausdrikklidj jenseits von Gut tir.d Böse stellt, unter den Stern eines leeren Ji'.gciidrausehcs von Kraft und Leidenschaft. Ihrer Herbei, lührtmg, Erhaltung lind Stärkung dient von mm an alles was der Blau-Weiß in Dingen der Jugendarbeit unternimmt’. Schlechterdings unvereinbar ist mit der Forderung dis Zionismus der Mittelpunkt, von dem aus alle Verhältnisse der. Blau-Wciß sich bestimmen las en: die Vernbsolu. ticrung des Blau-Wciß, seine Erhebung zum letzten Wert. ״Das letzte ist der Blau-Wciß. Ls gibt nichis, was über ihm stände, und wenn cs 7.um Konflikt mit Keren Hajessod und Zionistischer Organisation käme, so müßte man diesen Konflikt aur.kämpfcu. Es ist dann lediglich eine Machtfrage, eine Frage unserer Stärke, ob wir diesen Konflikt überstellen oder nicht.“ Wenn einer der maßgebenden Führer des Blau-Weiß dies erklären durfte — inzwischen versucht man diesen konsequenten Standpunkt nach außen hin ein wenig zu verdecken — wenn man dasselbe genugsam zu hören bekommen kann von den Soldaten der Armee, denen die ״Treue“ zum Blau-Wciß als ihrer Erlcbnisgcmei »schalt über alles geht, so entsteht die Frage: Was hat das alles noch mit Zionismus, mit der Hingabe ans jüdische Volk zu tun? Alle, in jüngster Zeit gern hervorgchoUeii dialektischen Ausfiüclite vermögen diese Grundfrage nicht zu beseitigen, solarge das ganze Auftreten des Blau-Weiß sich nicht geändert hat. Er schreibt sich einen ,,beispiellosen Beruf“ zu, er hält sich für das let/lc Uebcrblcibsel des Zionismus überhaupt. Nichts kann die Grimclposition, den diktatorischen Größenwahn dieses Blau-Wciß besser dokumentieren als der, in der Tat beispiellose Schluß der Vorrede zu den ״Gesetzen“, der hier wiedergegeben sei und dessen Verheißungen und Drohungen die Unterzeichneten zu möglichst allgemeiner Kenntnis zu verhelfen wünschen. ״Indem der Blau-Wciß seinen beispiellosen Beruf in seiner ganzen Größe erfaßt, hofft er nur auf sich selbst, auf seine Menschen, auf seine Kraft, alle auch noch so harten Erfordernisse des Aufbaus selbst zu erfüllen. Diese mächtige Aufgabe braucht Führer und Armeen, Führer, um zu befehlen/Armeen zu dienen, Insgesamt eine straffe, reichgegliedcrtc Organisation. Die Epoche jenes ersten, ungebundenen Sichauslebcns ist vorüber, das Bekenntnis zum Blau-Weiß wird nun zum Eingang einer immerwährenden Verpflichtung. Freiheit und_ Gehorsam werden verbunden zu einer neuen Haltung führen. Die Hoffnung auf die Erfüllung des Lehens durch den Triumph der Freiheit wird abgclöst durch den harten Glauben an den Sieg der Macht. ' Nun erst, inmitten solcher Armee in dauernder Bereit• schaff, wird der Name Blau-Weiß zu dem Sinnbild, worunter er den Besten immer erschien. Er wird zur Fahne des stolzesten Bundes. WER IHR DIENT — ob als Führer, ob als Soldat — ist tief geborgen und schreitet dem Leben zu, wer von ihr abfällt, wird zum Feind und stirbt unter den Bürgern ab." Der bedenkenlose Mystizismus dieser Worte, die einer bedauernswerten Jugend unter dem sinaitischen Donner der Landskncchtlicdcr offenbart worden sind, kann nicht mehr scherzhaft genommen werden. Von solcher, wenigstens auf• richtigen Haltung her muß der jetzige Blau-Weiß beurteilt werden. Wer sie« ihm anschließt, wer den Anschluß anderer an ihn begünstigt, soll wissen, welchem Herrn er seine und anderer Zukunft ausüefcrt. Die Ifntcrzcichncten wissen das ״Leben“, mit dem hier Götzendienst getrieben wird, nicht zu schätzen. Sie ziehen cs vor, unter den Bürgern abztrsterben. Eine prinzipiell!andsmannschaffichc Kofonisation durch Gründung einer eigenen Blau-Wciß-Kolouic ist unver• einbar mit der Forderung, sich dem arbeitenden Palästina lebendig cinzu,gliedern. Die Hebraisierung ist unmöglich!—1 keine Phrase kann darüber hinivcgtäaschcn — in einer Ge• Seilschaft, welche auf tief deutsch determinierte Erlebnisse 1 gegründet ist. Nur eine prinzipielle Zerstreuung der aus i Dculscblaml kommenden Einzelnen und Gruppen in die Zentren;• hebräischen Lebens, nur ein längeres Zusammenleben der Ein• ׳ zclnen mit solcher Umgebung vermag die Hebraisierung aus! dem Bereich der Spielerei mit hebräischen Vokabeln ln den , Zusammenhang lebendigen Gefühls zu heben. Auch die paliisti• nensIschen Pläne des' Blau-Wciß machen die Befürchtung dringend, daß cs dem Blnu-Weilt als solchem, von blühenden Ausnahmen abgesehen, mit dem Hebräischen nicht letzter Ernst ist, eine Befürchtung, welche unverblümte Reden seines Führers. Walter Moses immer wieder bestärken mußten. Die Unterzeichneten Balten es für eine Pflicht auch des deutschen Zionismus, einem Unheil zuvorzukotnmen, das mit unfehlbarer Sicherheit eine solche Kolonie, käme sic wirklich je zictande, im palästinensischen Uschuw herbei!übten würde. Die Verabsolutierung des Blau-Wciß drückt sich auch in seinen Erzichungsprinzipien aus. Die feierlichen Zeremonien, unter denen schon einem dreizehnjährigen Jungen (1 1!) ein Treugelöbnis zum Blau-Wciß abgenommen werden kann, sind diabolisch gut geeignet, ihn zum willenlosen, von leerer ״Treue“ beherrschten Werkzeug seiner Führer zu machen. Und wie schwer gerade junge Menschen von 13 bis 18 Jahren solche Gelöbnisse als Theater von sich ab.ichüttoln werden, wie leicht gerade junge Menschen Opfer solchen pomphaft clnherschrcitcnden Machtstrebens werden, das wird nicht nur den Unterzeichneten traurig klar sein. Korrumpierend wirken muß vollends unter den jetzigen Verhältnissen auf solche Jungen ihre Heranziehung zu den interessanten Geschäften, den prlvatwirlsehafliichcn Aktionen des Blail-Wciß, durch d׳e er, Armee, Geschäft und Jugcnderzichcr in einem, die Mittel zu seinem Kreuz;״״ nach Palästina zu erlangen hofft. Der Rausch-Stimmung des Blru-Wciß als Armee entspringt die Großsprecherei Und politische Anmaßung seiner Soldaten und Generalstäbler, die man mich sonst vom Weltkrieg her bei Armeen kennt. Die hinter solcher Stimmung liegen• den wirklichen Kräfte, die in vielen dieser verführten ,,Soldaten“ vorhanden׳ sind, gilt cs, von der Fesselung durch die Armcchypnose zu befreien. Eine Kraft, die nur in der Massensuggestion der Armee ivach' wird, könnte jederzeit mißbraucht werden vom ersten besten Genera!, der über die Rcchtmäßighelt Ihrer Richtung niemandem Rechenschaft schuldet. Ein Abgrund trennt einen Bund, der auf solche Kraft, statt auf Sein und Können jedes Einzelnen seine Hoff* nunp setzt, von dem Zionismus, aus dem die Gestalt des CI1 a311 z hervorgewachsen ist. Berlin, Dresden, Gotha, München, den 5- Dezember 1921 Erich Brauer, Grete Brauer, Elsa Burchhardt, MelrF Unter, Benjamin Freund, Georg Orunwaj Walter Hellbrunn, Aharon Heller, Meta Jahr, 5c!m rn Kalisch «r, Schlomoh IC ז o 1 i k, Dr. Hans O p p c n * heim, Alex Prag, Max Sadger, Gerhard■ Scholcm. Id, Oer- ::.! Tr O■■■; t f'i'.m, 1 Verv. M •micitung und Aus. vor altem ln dem, ז.׳•! 1׳•<׳׳: a1;j..etzen,. andeuten und׳30;K,ef11 V01 Kongreß;;erteilt Herr Dr. Bod e r»h•c 1111 er hat sein Amt als Vor sitzender des Kongreß ge rieht es n'cdergclcgt- D! Executive hat!121» Rücktritt des Herrn Dr. Botlcnlteimcr 1'״ -Bedauern zur Kenntnis genommen und ihm für seine Tätig keit ihrer» Dank ausgesprochen, Wegen Besetzung dw v* kanten SteUe wurden entsprechende Schritte untamo«!0'rr

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