Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 96 (5.12.1922)
- Date
- 1922-12-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Kn OS 1׳ , ׳1♦ Seile 632 j U) i 0 c, E CH Alf ג־""׳• י 1v,. ßcr V.'rJiIraab In Litauen vor der Mandatskommission Kowna. (J.C.B.) Während in der Mandatskommission «f« «tauischen Sejm die Annullierung einer Anzahl Minder• fieilr.maiKlafc durch die Hauptwahlkommtssfon zur Beratung stand, legte der jüdische Deputierte u* *ku* die schriftlichen Gutachten der Autorrtätcn Prof• Burka (Bern) Prof. Di. Triepel (Berlin) vor, die gegen die Entscheidung! der Hauptwahlkommissior» lauten. Die Sprecher der führenden Parteien erklärten, bei ihrem Beschluß zu bleiben. Aßtiscaitlsche Ausschreitungen m der lititilichen Universität Kowna. (J.C. B.) Am Sonntag, den 28. <f. M., wurde an der litauischen Universität die infolge der jüngsten antisemitischen A11«cl1reitungcn unterbrochene Sitrimg forigesetrt, in welcher die Sprachenfragc geregelt werden sollte. Nach* dem der Rektor Prof. Schimkus in seiner Eröffnung»• rede die Studenten davor warnte, die Universität tu einer politischen Arena zu machen, bradi beim Auftreten des *weiten Redners eines jüdischen Studenten, ein ungeheurer Tumult los Rufe wie ״Juden hinaus" durchhallten den Saal. Der zweite jüdische Redner wurde mit Gewalt von der Tribüne hcruntetgezerrt Die klerikalen Stu• denten machten den Versuch, die jüdischen Studenten aus dem Saale zu drängen. 1 ' Nach Verlesung der Protestresolution gegen die Ver• wdgerung des Rechtes der jüdischen Studenten, sich in den Versammlungen ihrer $pra,d»e zu bedienen, verließen die jüdischen Studenten die Versammlung■•, die sozialistische li• taiisehe Studentengruppe schloß sich ihnen an. Deatsclinatlonale Politik in der Tschechoslowakei Antrag auf numerus clausus filr die Juden Das ״Prager Tagblatt״ meldet: Die deutsch'• nationalen Abgeordneten Schollieh und RadAt haben in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 20. November einen Antrag auf Einführung des numerus clausus an der Universitat cingcbrncht. Der Antrag hat folgenden Wortlaut: ״De Regierung wird aufgefordert, sobald wie möglich einen Gc• «etzentwurf wrzulegcn, laut welchem an sämtlichem Hochschulen für die Hörer und Lehrer jüdischer N ationalität der numerus clausus im Verhältnis der Be• wohnerschaft eingeführt wird.“ Der Antrag ist unterschrieben •von allen deutsclrnationalen Abgeordneten. ,Der Antrag wurde vom Hause abgcleh nt Von den Tschechen stimmte nur der Klerikale Myslivctz für den Antrag, aber erst als die Deutschnationakn an seinen Antisemitismus appelliert uncl ihn an sein Versprechen, für diesen Antrag stimmen zu wollen, erinnert hatten. Der Appell an die tschechischen Nationaldemokraten, für diesen Antrag zu stimmen, weckte nicht da* leiseste Echo. Ein schönes Beispiel, wie die Deutschen, selbst Minorität in «kr Tschechoslowakei, ilire ״nationale" Politik auffassen. Vor einer polnischen Reglcrangskoalitlon? Warschau. (J.C.B.) De Bemühungen gewisser Po• fi Hk er, eine Koalition zwischen Rechte und Zentrum zustandezu bringen, um auf diese Weise die Parteien der nationalen Minderheiten von jeglichem' Einfluß auf die Regierung fern• xuhalicn, werden hartnäckig fortgesetzt und scheinen vorläufig von Erfolg begünstigt zu sein. Man erwartet, daß der zur .Witospartei gehörende Dombski die Bildung einer Rcgierong übernehmen werde. Zum fienatsmarschall soll der bisherige Scjmmarschall, der Nationalist Trompczynski, und zum Scjmmarschall der der Witospartei angciiörcnde Rataj gewält werdea Der jfidlsclie Sejmklub in Polen Warschau. (J.C. B.) Dem Präsidium des Klubs der jüdischen Deputierten und Senatoren in Warschau gehören neben Dr. Thon (Zion.) als Präsidenten noch die folgenden Deputierten an: Rechtsanwalt J. Grünbnum (Zion.), H. Färbstein (Misr.), I:. Kirschbraun (Orthod.), Dr. Leo Reich (Zion.), 1 Dr. H. Rosmarin (Zion.) und Dr. Bernhard Hausner (Misr.). Die antisemitischen Studentenkrawalle ln Wien Eine Abordnung der Wiener Kultusgemcinde intervenierte beim Bundeskanzler Seipel gegen die antisemitischen De• monstrationen an der wiener Universität. Das von der Re• gicrung hierüber ausgegebene Communiquc besagt: Beim Bundeskanzleramt erschien der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemcinde, bestehend aus dem Präsidenten Generaloberstabsarzt des Ruhestandes Alois Pick, Ober• rabbincr Dr. Chajcs und Rechtsanwalt Dr. Dcsidcr Friednva n n , um ihr Befremden über die Formen auszusprechen, die in den letzten Tagen die antisemitische Bewegung unter der Wiener Studentenschaft angenommen hat, und zugleich darauf hinzuweisen, daß in einer Zeit, in der das ganze Ausland auf Oesterreich blicke und sich zur Mitarbeit an der Sanicrungsaktion anschickc, eine Wiederholung oder Verschärfung der gekennzeichneten Bewegung auch vom . patriotischen Standpunkt am bedenklich erscheinen mOntc. Die Abordnung wendete sich insbesondere gegen die For• derung nach dem numerus clausus für die jüdische Studentenschaft an den Hochschulen und nach einem Ausscjrfuß jüdischer Professoren von den akademischen Würden, weil sie darin einen Angriff au! die durch die Verfassung gewährleisteten Staatsbürger• liehen Rechte der jüdischen Bevölkerung unseres Landes er• blicken müsse. Der Bundeskanzler antwortete, daß die Bewegung unter der Studentenschaft diesmal nur durch die bekannten Vorgänge an der Prager Universität ausgelöst worden sei und durch die Mäßigung der Beteiligten selbst sehr rasch ein Ende gefunden habe. Die Forderung nach dem numerus dausus sei nicht neu, sondern hatte auch schon in der Vergangenheit wiederholt eine Rolle gespielt. Der Bundes• kanzler trete selbstverständlich dafür ein, daß die staatsbürgerlichen Rechte aller Staatsbürger, welcher Religion und Konfession sie seien, gewahrt werden müßten. Zu Befürchtagen hatte die Judenschaft bei dem friedlichen Charakter unserer Bevölkcnmg, der durch lange Erfahrungen bekräftigt ist, Keinen Anhu, Emir Abdallah über seinen Londoner Besuch . « ׳,(■!• C• B•) ebc״ *m London zurück• gCKchrw Emir Abdullah von Transjwfanien sprach sich in t.r.em Interview dahin au*, daß die Resultate der Londoner kcise seine Erwartungen überstiegen haben. Trans for• danien wird ein unabhängiger «arabischer 01aat werdere , Wir ■geben tue es komme, daß ger, linder" angesehen wer;’ auf den» WohmwgMmt cir.a Irara! i C־■:;:! richtig recht»). Ui.d {;::uz von?1!•״..er <׳ großen Bewegungen, wie der Au;i Partei weiß ich jedenfalls von ein;» ’S -*י - ' '1* .*׳-•■'״־-4 \ ׳.. . ״ 1 . , K:״I die. rt.rt.ri.'s 1; 4 ,*.־:״rt? r'di in Scvciiug in Der l;־ rt׳vj!:;1:j Wto* (tic!:; VC 1u<t Mi׳. i-.e ״l il‘% Ire Vc־;:;׳ ■״,:!) wirte dla Vrrzc su?, wie diu O '".;.נ rm ote Ms ״1״:rtrt3,־ Aus- Derart ,11' lrt...rt״;rt.ct wcudiftcich »cb.-icn die .lj rtrt .;,.;» Eutw.;ic'crcr־ c׳.. :itera ru - .״;tei־ l.a Rr '::!■:::Ms, circa tr,r;,1 ׳■ ״l״f, *.נד c־rt.r rcrt'i» doch Cr;i׳! ' r.trf der Sh׳.:r er:״!: ״!, (Lei■!:.־,K:s rchr ters find! solche ■?, nicht. Meine :,1 AtitlremlÜrm!« frei. Wir verlangen aber die Schließ ungdes östlichen Einfallstors gegen Elemente, di׳,! da ל <rtraltcl;5 Empfinden so verletzen; das verlangen nicht in lefzterLinie auch die in Deutschland altcingcsesiicnerr Juden selbst. Es wäre erwünscht, wenn wir den politisch verfolgtet» Ausländern Asylrecht gewähren könnten. Das ge• stattet aber weder unsere Wolimingc-, nach x:,1::sz Ernährungsläge. Hier gilt das englische Wort: Wo'.iltiitig'ccit beginnt zu Hause! — Wem» wir nach den Worten de» Miniiter» Waren ausfüitrtn müssen oder Menschen, ko dürfen wir nicht Menschen einführea. (Lebhafter Da; fall.) Die osrjüdisdtc Einwanderung leistet keine produktiv־.: Arbeit, tie fügt sich auch den gewerkschaftlichen Organisationen nicht ein, sondern erwirbt ihren Unterhalt durch Vermittelung de» Waratauv tausche*, und wir haben in Deutschland rclron zuviel Ektitrt.nte, die sich niermit besdtäftigere (Cciir ,richtig!) Der Minister möge sich gegen die drohende Einwanderung aus Ungarn wenden, aber er wird mir von neuem 'Enir.uxfiung «leben. Das Ausland wird uns auf die Selbsthilfe verweisen. .Wem Amerika die Tür gegenüber einer!,׳.sichen Einwanderung zu• macht, kann man es uns nicht »׳erdenken, ve.«1n wir das gieidie tun. Hierbei werden wir die Unterräülzuug auch aller deutich• empfindenden Juden Enden. (LcMi.sfter Beifall.) Auch im Auslande wird man uns die Wahneig rareres Hausrechtes nicht verübeln. Es darf «Ich aber d* nidit die antisemitische N’ole hineiivmischen. Zum Klassen* und Massenhaft brauchen wir recht noch den Rassenhaß. > (Beifall b, d. DVP.) Abg. Scholem (Kommunist)■. Wenn deutsche Juden gegen die Einwanderung (kr Osfjuden sind, 90 lat es das eingebürgerte kapitalistische Judentum, da■ genau so Konkurrenz fürchtet, wie es die Antl-remitcn tun. Auch die ausgewiesenen ungarischen Juden müssen wir aufuchnien (Lärm rechts), alle Proletarier •müssen zusammenwirken. Während des Krieges haben die dculreF.cn und österrcichischci» obersten Hccrcskituiigcz» cegar ״mauscheln״ gelernt, haben sie die jüdisdicn polnischen Handwerker zu Tausenden nach Deutschland verschleppt und in die Munition*■ fabriken gezwungen, Welche Morel der echten Arier, die gewaltsam Hergeholter» wieder mit Gewalt hcrauszutreiben I Schärfster Kampf gege 1» Schieber und Wuchcrer, Todesstrafe für sie! Aber die ostjüdisehen Proletarier, von denen allein 4000 unter Tage in den Ruhrbergwerken arbeiten, soll mannichtausweisen. Pommersche Rittergut*• besiUer fordern ostjüdische Landarbeiter für ihre Güter, so der Bruder de» deutsch-völkischer» Herrn Wulte und ein Herr v. Lettow-Vorbeck 1 (Hört! Hört! links.) Solche proletarischen arbeitswilligen evijüdlschc« Elemente #011 man nicht belästigen, Olfen mm Antisemitismus wagt sich hier im Hause niemand zu bekenn;«, aber hinter der Interpellation Kachlcr steht der Antisciniftemus, denn die Deutsch nationalen fürditen bd ihrer volksfeindlichen Aust'/eulungrpolilik die Konkurrenz dieser Ostjudcn. Die Regierung sollte lieber ihr Augenmerk auf die russischen Monarchisten riehten, die im Verein mit unseren Reaktionären Ausbeutungspolitik treiben» Abg. Fischbeck (Demokrat): Wie sehr das Berliner Wohnungselend durch diesen Zustrom ge-,teigert wird,'kann man auf Schritt und Tritt beobachten. Es ist volksnotorisch, daß aus diesem Zustrom sich auch das Sdilebcrfum zu einem Teil rekrutiert _Mit Recht wird bittere Msgä darüber geführt, wie gewisse Wiener Krei« sich jetzt an die Berliner Börse herandrängen, um am Devlsenhsvi id und von der Do’.ku*pckulaiion m profitieren, und bitter beklagt wird auch die Leichtfertigkeit, mit der' die Behörden drüben dte Legitimationen in der" einseifigsten antisemitischen Tendenz verwertet; aber gerade wir Demokraten werden uns nicht irrig machen lascon in unserer Ucberzeugung von der Verwerflichkeit clici» Agitation. Man muß streng scheiden zvzischei» den ehrlichen amtähdigen Juden und jenen üblen Eie* menten, jenen Schädlingen, die der a 1 Ige me|׳ nen Verachtung anheim fallen. (Das ist das bc• kmmfc Eintreten der Demokrat:u für die Juden! Red. J. R.) Ma!» kann eine gegnerische Striltnig gegen die ostjödicclic Einwanderung cinnelmicn, ohne darum itn geringnten Antisemit zu scia Die jüdischen Organ!,־.׳ilioncn haben *bczßglich der Fürsorg« Gutes geleitet; aber diccc privaten O.-g.mi1satlor.cn dürten weh nicht an die Stelle dar öffcntlidicn Gewalten icfren wollca Der Minister akzentuiert di״׳, mtnrchüclte Seite des Problems. De Not de» eigenen Landes ist aber ro groß, daß wir bd altem guten» Willen den Fremden nicht hellem können. Abg. Dr. Bredt (Wirtsd1aftC|>.): Materiell hat lfns der Vorredner trotz aller Verklausulierung eine antisemitische Rede gehalten (Zttrtimmun״). Am den Berliner Wohnungen eclJtc man dies serweteen, was bei nw nichts zu stidten hat; da verlangt eiteli dia Berufung auf Versailles nicht 11* diesem Punkte Jr,t dl! Praxis ma“d;cr Oroß-Berlincr Wohnurtg^mtcr Sutehct merk würdig. 'Es handelt sich hier 11m eins Ausl.'indcrfragc nid,4 uni claa Ra-ucnfraM. Ehe wir unsere deufcchcn trag 'oute zu Millionen auswairJerii sehen müssen, sollten wir doen mit den Ffctnzleti anfar!׳-cn rorvst könnte es leicht zu spät sein. Mit c* :r D;|>&rteti3n”dcJ Polen 1m Kriege heben wir uns verhaßt gemacht,.aber gearbeitet haben diese Deportierten 011״ck,. ned» S Tagen nicht mehr• (Heiterkeit.) Gewiß birgt di; ui.ler.vlc יי נ!1.1;ר:ן Schicht in Polen mt'di Arbcitcr; aber ihr f:a,r.־c5;וז:י*.ד״׳;;י r.;ht dahin, io bald 1115flich au1 dieser £c,ak4tt nadi DepJ!$rhlind za kommen, wo sie ricli fn 3t:!wer *.VU:*: ali durdi Arbeit betätigen können. Dte {;rofi M, <lsf» durch den slrom Lebensmiftclkrav.'Mia vvrite,liir.,::c:11!H ausgcbr.״f<st Werden könnan. Der Mc«*lilm;«?, d;• f*:׳.-r.1il in Drrün?Ich auftut, mi ebcrdrl!» ei.n 1,׳ t ';:.:;te.j Eredrhigi״, üit de» vollen Errat rar; i, ..:rJc.t Wir wolle« .wissen, wo diese Ei: .» teclmt״ um! wo 31« bCcüxa; r*^ /• m *1 xt *n $ . , <>%/--»*י״־ ({.-* /f־;■׳n /ןי,־״.'״ p r'’ ־׳te/״־> ׳ ־*n /| li 4.J* 4^ in dieser Richtung muß in Berlin der Hebel endlich angesetz* ,verdere 1 . Abg. Dr. Oscar Coh n (Sor.) madit auf die Ve זdi en s te der Ostjuden im Weltkriege aufmerksam• (Lachen rechte.) Die Ortjuden haben ach in den Dienst der deutschen Okkupationsbdiörden gestellt Ohne tit wäre die'Versorgung vtni Heer und Heimst unmöglich geworden. Wenn man von jüdifdiem Einfluß bei den Bolsrhcwteten spricht, so bemerke' Ich, daß unter den führenden Boisdicwistcn Juden In leitender Stell«,-״ in verteil windend geringer Zahl vorhanden sind Herr Df. Kollier sollte auch rc'dit vergeswn, die 20 000 Balten unter den lästigen Ausländern aufnrtuhren, deren Vorfahren über hundert Jahre lang ihr deutsches Vaterland ver• gcr.scn und verraten haben, (Unrulie redits.) Der Aufruf der Oberster» Heeresleitung an die Ostjudert hat die Hinrichtung hunderter von Ostjudcn durch die Russen verschuldet. Jetzt!׳oll ein dcut* *ches wirtschaftliches Interesse die Vorbedingung für Auf• enthalt׳,bewilligurig sein; das ist zu engherz;g. Man muß dafür sorgen, die vmiauteren Elemente von der Straße wcgzuriclimen, von Rciricbergeschafien fernpdialten und def Arbeit zu/ufültrca. Die dcut׳vche Arbeiterschaft muß aber immer an den gesunden internationalen Grundsätzen festhalten. Der Judengegner Paul de Lagarde hat gesagt, die Kraft dieser Ostjuden liegt in der Zucht und Opferfreudigkeit. Daran sollten die Deutsch na ti> nalen selbst denken. Jeder glaubt, über die Ostjuden herziehen zu können, und hat keine Ah• nu ng von ihren Kultur werten. Abg. Biester (Deutsch-Hannoveraner): De Ostjuden• frage ist in allererster Linie eine Wohnungsfrage, nicht bloß in Berlin. Wir Deutsche sind als sentimental bekannt; soweit darf aber die Sentimentalität nicht gehen, die deutschen Landsleute jahrelang vergebens an die Türen des Wohnungv amts pochen zu lassen, während landfremde Eingcwandcne Wohnungen behalten dürfen, die sie sich erschlichen haben. Das ist nicht Recht, das ist ein. Skandal, und der Beamte, der dafür verantwortlich ist, muß ins Zuchthaus. Den politischen Flüchtlingen müssen wir Asyl geben, aber sic dürfen kein Vorrecht haben. In Hannover steht es eben•» schlimm aus wie in Berlin. Wir haben schon früher diene Klage in einer kleinen Anfrage zur Sprache .gebracht; wir hatten vorgcschl.ijmn, che Ausländer in die Gefangenenlager überzufi'diren, dafür aber den Wohnungsloscn ihre Wohnungen einruräumen. De Rc• gierung hat die Zeit verstreichen lassen, und die Zustände sind inzwischen unleidlich geworden. Abg. Dr. Quast-Fatlom (Deutschnational): In den Kreisen derer um Scholem und Cohn hat diese Anfrage Beunruhigung hervorgerufen. Man kann das ver• sichere Der Zug der Aasgeier kommt auf allen Bahnfirnen nach Berlin. Wir haben nur das Bestreben, zu erreichen, daß die Ministerialerlasse zur Beschränkung dieser Ein wände• n!r«g energisch durchgeführt werden. Die Erlasse kamen ohnehin zu spät. De wertvollsten Schichten unseres Volkes leiden unter dein Druck dieser ostjüriischen Elemente aufs aller• schwerste. Schon vor mehr als zwei Jahren wurde diese Klage erhoben. Warum bringt man nicht statt dcuHrher Flucht• linge dies« Elemente in den Barackenlagern in Döberitz usw. unter? Ueber 10000 solche dunklen Existenzen halten sich nach dem ״Berliner Tageblatt" in Berlin auf; bisher hat man dieser ״Pest", diesem ״Ghetto" wie sich ebenfalls das ״Berliner Tageblatt" ausdrückt, untätig ge• genübergestanden. Dies«■ Berliner Ghetto wächst sich all• mählich zu einem Seuchenherd aus. Dr. Cohn hat sich darti verstiegen, uns die. Ostjuden als hochsdtaizeiiswcrt anzupreisen. Das möchte wohl mir auf den 9. November 1918 zutrcflen. Deutsch-völkisch werden diese Ostjuden nie denken lernen. Wir kämpfen gegen den undeutschen Geist, mag er von jüdischer oder anderer Seite kommen. Wir sind als Deutschvölkische durchaus gegen die jüdische Vorherrschaft, wir wollen keine Juden als Richter über uns sehen. Der Ruf ״Los von Berlin" erklärt sieh vornehmlich aus der Abneigung des Volkes gegen dieses vordringliche Element. Die Enthüllungen über die Paßfälscherzentrale zeigen uns, wie die Einwanderung ״gc• schoben" wird. Auch mißbräuchliche Namensvcrämterungvn *ind dafür typisch. Auf das Gegenseitigkeitsprinzip kann inan uns nicht verweisen; die Ostjuden dürfen mit den Auslandsdeutscher» nidit in einem Atem genannt werden. In Polen sind die Juden als besondere Nationalität anerkannt, das hätte Dr. Cohn ausdrücklich betonen müssen. — Wir haben in der heutiger» Not übergenug damit zu tun, unsere eigenen Volks• genossen durchzubringen. Aus Polen und Oesterreich dringen, nachdem sidi die pr.‘errcid1bche Regierung antisemitisch eingestellt hat, zumal aus Galizier» immer stärkere Ströme von Ostjudcn zu uns herein. Demgegenüber gilt es, uns wieder auf unsei Deutschtum zu besinnen. Mit der Anrufung des Völkerbundes machet» wir uns nur lächerlich. Die milde Praxis des Ministe rs wird nur die Pogrom *tini mung begünstigen. UnserVolk muß von diesem fremden Blut gereinigt werden. (Beifall.) ־ Abg. Loenartz (Zentrum): De Wohnungsnot wird in Berlin tatsächlich durch die Einwanderung außerordentlich \cr• txhärft, das hat selbst unser Wohlfahrtwilnlster durch «in Berliner Wohnungsamt zu seinem Schaden erfahren müssen (Heiterkeit rechts). Der Fall beweist immerhin, daß es noch Objektivität in Preußen gibt. Auch ist die Verärgerung des Publikum* über die Zunahme des Wucher- und Schieber• tums aus dieser Quelle nur zu verständlich. Das deutsche Volk kamt nur wieder groß werden, wenn •wir uns auf uns selbst steilere (Beifall beim Zentrum). Damit wurde die, Debatte geschlossen. Ausweisung listiger Ausländer aus Precßeu Aus einer Verfügung des Ministers des Innern teilt der Amtliche Preußische Pressedienst folgendes mit: In Zukunft sind am )5. Januar, am 15. April, am 15. Juli Und am 15. Oktober jedes Jahres Nach Weisungen Über die im!!»gelaufenen Vierteljahre in den einzelnen Regierungsbezirken angeordneten und durchgeführten Ausweisungen lästiger Aus* linder aus dem preußischen Staatsgebiet ein rureidien. Für dlö Zeit vom 1. Juli bis zum 1. Oktober d. J. ist die Nach• welsuntr umgehend nachträglich vorrulegen; in jedem Falle ן ist Fehlanzeige erforderlich. Am Schlüsse' der Nach Weisung lit' eine zahlenmäßige Ueberslcht zu geben, wie viel Angehörige ׳der einzelnen fremden Staaten von den Im Laufe ctes Berichts• Vierteljahre* a»geordneten und tatsächlich durchgeführten Aus• Weisungen betroffen worden sind. י