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Jüdische Rundschau · 1922-12-05 · Heft 96 (5.12.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 96 (5.12.1922)
Date
1922-12-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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י י" drf jüdischen Seite Ar tfmwälmnf; betemen, so wördeir vir 1111s damit in krassen Widerspruche zum realen Leben stellen, und der nationale Gedanke, anstatt ein Wegweiser der jüdischen Politik zu sei«, würde in eine unreale, abstrakie Sphäre entrückt. , j , , | » .,/JT- Knojanke*• gibt Beispiele \v>n Re^perimgeat an, die antiiüdische Maßnahmen treffen und׳ behauptet dabei, daß solche Maßnahmen ilim. gettüga», um diese Regtentrrgea zu betimpfen; darin laim fch mtdi mH ihm um so Idditcr «in־ ■verstanden erklären, als die Tatsache, daß ein« Regierung; ,Religionsbosclrränlaiugen untevnim'mi!vier Progrome veranstal* tet, mir vollauf genügt, um diese Regimingen auch ra» mensehliehen Statnhpimktc m terurteilea Mich interessiert aber ein anderer Faß: wie sott die jüdisch« Politik sein, wenn eine gegebene Rektor!«״ nicht Ae Juden, sondern amtet? Volk« oder Religionen verfolgt, wenn sie den Jude.11 gegenüber tolersrvt, viclfekht auch forderlich ist, für andere Teile der Bevolkerung aber ein Verderben ist? Ein solcher Fall würde sich m. E. ereignen, wem» die Sowjet-Macht die Proteste! von Luden Wolf erhört und den Ja Jen *diejenige Freiheit ge״ währt hätte, die sie ihren anderen Bürgern verweigert. Mit meiner Ikwerhrirg <ler Sowjet-MncM kann man einverstandvn oder nicht einverstanden sein, die prmripieHc Frag« bleibt Hcstehen «nd, obwcihl Dr. Krojankcr sogar schon ihre Fornmlirrung als ״wad ei si nnig“ wml «in« Zionisten unwürdig bere ich net, kann ich nicht anders, als aut die Frage wiederum in den» Sinne nt ant»״orten, daß die Bewertung einer Regierung nur vom Standpunkte des jüdisc 11 en Wofil er geben« unsitllieh und unpolitisch, deshalb verderblich und gefährlich ist. Wenn man spezifisch jüdische Proteste gegen nicht spezifisch jüdische Maßnahmen erhebt, wie cs L. Wolf getan hat und wie cs Dr. Krojankcr richtig findet, muß man doch darauf gefaßt sein, daß diesen Proteste!» ihren» Wortlatrte nach, also spezifisch jüdiwl», Odiör geschenkt wird. Und nun stelle ich niir vor, daß Wolf gesiegt hätte: die Chcdarim siivd offen, die Rabbiner »md die Synagogen werden nicht belästigt, Ifogromc kommet» nicht vor. Jetzt könnet zum russischen Jaulen sein christlicher Nadibar (und man, darf nicht vergossen, daß die Juden in Sowjet-Rußland um! Sowjet-Ukraine über 21/3 Millionen städtischer Bewohner sind, also eine gewisse politische Kraft bedeuten) und sagt ihm: ״Herr Nachbar, bei diesen Regierung gehe ich zu Grunde, hilf mir das Unheil abzuwehren“. Würde der russische Jude meinen Rat befolget» vwlkn, so würde er antworten: ״Obwohl ich von dieser Regierung in meiner Eigenschaft als Jude nicht leide, fühle ich mich verpflichtet, die Sache voirt Stanripiniktc allgemeiner Gercchfigkcit und Reclitcs zu vwitersuchen und falls id» finden werde, daß Du recht hast und die Regierung wirklich für das Land ein Verderben ist, bin id» bereit, nach meinen Kräften und mit Wahrung meiner Interesser, mit Dir zusammen zu gehen“. Würde aber der Jude den Rat vor» Dr. Kiojanker atihören, so müßte er antworten: ״Als Jude bin ich gesichert und ,eine Regierung auch vorn allgemeinen menschlichen Standpunkte einer Prüfung zu unterziehet«: ob sie gerecht sei, ob sic zum Wohlc des Landes und der Allgemeinheit Arbeite' bin ich nicht geneigt, denn ,dieser Standpunkt wäre so widersinnig, daß er einer Widerlegung kaum bedarf׳; gelte in Frieden, meine Chcdarim sind offen und ich darf hebräische Bücher drucken lassen“. Wenn man das die richtige, die einzig richtige jüdische Politik nennt, wenn man sich wundert, da» ein Zionist ein« andere Politik zu empfehlen sich erdreistet lut und daß eine zio* nistisdie Zeitschrift sich gefunden bat, die die ketzerischen Ausführungen zur Veröffentlichung gebracht hat, muß man doch sich klare RechciKsdiait über die unhcimlkhen Folgen dieser Atcondcmngstendcjizen abgvlum, muß man darauf gefaßt sein, daß die Völker anstatt mit uns zu einer Verständigung und zu einem Frieden zu kommen, »imner tkfer den Haß gegen uns schürft» wenden, muß man auch verstehen, daß damit der Sinn und das Ziel unser er freiheitlichen Bewegung »׳erraten wird. Ich anerkenne selbstverständlich die nationale Einheit der Weltjudenhcit und das Recht »md di« Pflicht dieser Welfjude«- heit, solidarisch für die Rechte der Juden in allen Ländern zu kämpfen. Nur ist dieser Druck der Wdtjudenheit d!1 zweischneidiges Schwert, insbesondere auch deshalb, weil praktisch er nur auf politisch schwächere Völker ausgeübt wird ttnef seine Wirkung folglich bei dem׳ Wirts volkc mit Am Bewußtsei!» der eigenen Schwäche und emer gewissen Ungerechtigkeit verbunden ist; es wäre ein gefährlicher Ooctrinarismus, ihn bei allen Gelegenheiten, ungeachtet der fokalen Verhältnisse und der l>cr dritte Band der von Dr, Berkowitz herausgegfbenen hebräischen Uebcrsetzung sämtlklier Schriften Theodor Herzls (Verlag Achiasaf, Warsdisu), enthält das ״Neue Ghetto", übersetzt von Ruba» Brairtin, sodann Herzls Aufsätze und Reden um der Zeit des mrilen Kongresses, darunter viele Stücke, die in Ar deutschen (im Jüdischen Verlag erschienenen) Ausgabe ukht vorhanden sind. Ob' es nötig war, auch die Redet» Herzls während der Kwtgrcßdebatten nadi dem Protokoll wiederzugehen, scheint uns allerdings fraglich. Auch die schreckliche Titel-Vignette könnte besser wcgbleibcn. Schließlich sf» noch eit» Bud» erwälmt, da* der, Klslvertag, Berlin, hcr.nisbringt: ״Die Memoiren des Der B c 1 e c 11 o w c r", Itcrausgogebct» von Dr. Mark. Wischn i (z e ז , der das Mamiskript int Loridoner ״Jew’s College" entdeckt hat. Bcr Bolcchower war ein ostgalizisöher Wcinliindler, der 1722- 1810 lebte und dessen hebräisch geschriebene Memoiren mit ihrer minutiöser» DetaiL*!d»i3(lening ein genaues Bild des damaligen Familien- und Gctnetadelebens mit aßen seine« Sitten und Bräuchen, aber auch einen Ausschnitt aus Ar polmschrn Politik des 18. Jahrhunderts und wertvolles Material über die jüdische Autonomie in Polen bietet. Bislik Bialik ist allgemein aJs der große moderne hebräisch« Dichter berühmt; weniger bekannt »st, daß er auch' 11» jid* di scher Sprache eine Anzahl Meisterwerke gedichtet hat, die zu dem» Stärksten der gesamten jiddischen Literatur geboren. Davon legt Zeugnis ab Ar Band, den Dr. Eliasch«ff (Baal Machscbowes) gesammelt im Klal-Vcriag (Bcrlin) herausgegeben hat Wtr ternen Bialik hier wiecter als Sprich k־ünr.t1cr bewundern; er hat der jkklischcn Sprache »vicht nur die feinste«! Intimitäten, <kn innig-poetische« Gehalt ahgetauscht, er hat sic auch zu einem liwlrmncnt des Prophetischen Pathos erltioben, Asse!» Gewalt erschütternd und hinreißend wirkt. Die jkfdiwho Sammlung gibt Am deut- *dien Leser, der weht btfrrifed» kann* die Möglichkeit, Originale vor Biaiik kernten m lernen, denn jidcfisch ist hurt leichter zugängiid», wenn *ud» Waldes Jiddisch deutlich *cigt, wie selbständig diese Sprache ist (Bekanntlich hat Ludwig Strauß eine Anzahl jiddischer Gedichte Biaiik* ln» Deutsche überfrage« im ,WcftvcrUg Wcmssgcgebetu) Dr« JUF. D f S'CIT E fc'TTN DSC Tf ÄU An die Zionisten in Deutschland! Die palästinensische Regieren״ hat für eine Anzahl »en Ar• beitem die Ehmkcbmltiigifm» erteilt. Von den Zertifikaten lind etwa 39 auf Deutschland eiitiäUca. In Deutschland leben mehrere hundert Chaluzlm, Junge laden wwtjfidlschcn und ost jüdischen Ursprung, die mich bereit* fahre• lauf in Oerufen and genrerbllcbea Fertigkeiten «!»!bilden, die heute io PalSsffea besonder• gebraucht werden, In der letzte■ Zeit Ist wiederholt von sschventSRsllgcn Besuchern lPallstlnui dar«! bla• jrewksca worden, daß der qualifizierte, gat aucgeblldct« Jüdisch* Arbeiter einer der wichtigsten Faktoren de* produktives Aufbaut kt (lerade an dicsca Typt!» herrscht ein Mangel Im Innde, der auf du* ganze Wlrischaftskbsn rarfdnrlrkt. In Deutschland *teilen letzt *okbe Arbeiter bereit. Heide handelt t» tick nicht darum, Palästina als Nata*yl für Flüchtlinge z* beautzen, sondern nur eine ganz geringe Zahl voa Men־xl!en kann hin übergehen, ein* Auslese der Beate« fachlich gesclralten Kräfte, die dem Lande Nutzen bringen uud den Weg ffir uene Einwanderung bereite«. *aic «M1aaaz.11n in iscuisrolftnil, _ relstbewlIllguBg warten, haben voa Ihren Arbeitslöhnen Ersparnisse *nr Deckung der Rclscltoiten gemacht. Diese Betrüge lind jetzt isfclge «1er Geldentwertung vollständig unzureichend geworden. In dem Augenblick, wo der Transport aogehen könnte, fehlt ei aa dem Refccgcll! Die ZlonWen In Deutschland mQszca das Reisegeld fir diese!xute aulbringcu. Die EriaSglichang der Alljah dieser Chaluzlm ist dl# unmittelbarste Förderung des Aufbans Palästinas, sie Ist die wichtigste zionistische Tat. Wer io «Hessin Augenblick nicht selbst mitwirfeen keen, die historkche Aafgabe <ks Momeuta sa erfüllen, hat doppelte and dreifache Verpflichtung, denen, die als Pioniere für unsere gemeinsame Sache verangeben, den Weg za ebnen. Das Reisegeld für diese Chaluzlm aafzubrlngaa, Ist eine Ehrenpflicht der Zionisten. Diene Aktion *m;fi Ins Laufe tka Monats Dezember mit allem NscMrack darcfcgefülirf werden. Der Landeivorstand der Zlo• nlitlichen Vereinigung für Deutschland hat sich gleichzeitig mit dca zentralen Instanzen der Bewegung In Vtrblndang gesetet, um eine dauernde Regelung dar AHJah-Prage kerbet• xufShren. Unabhängig davon muß aber flr die Uebersledlizsg der Im Angenblick bereitstellenden Chaluzlm gesorgt werden, da bis ztim Ende Dezember, vro sie bereits aaf der Reise sein nCnen, die endgültige Regelung der AKJah-Erage nicht erfolgt *ein kann. An alle Zionisten ergeht der Ruf, steh mit aller Kraft für diese Sammlung elnzasetzen. Jeder Zionist maß eia Maximum beitragen, raa» unablässig für das Fonds werben, weitere Zelt darf wicht verlorst» werden. Der Transport muß noch Im Dezember abgehrn. Zionisten, leistet Euren Beitrag für die Urbersledlurg der Chaluzlm. Bedenket, daß das Reisegeld Ist Goldwährung bezahlt werden muß and besteuert Euch selbst In Ooldwährang für diesen Zweck. Ea wäre eine nie wieder gntznmaehrnde Schande für du deutsche Judentum, wenn die Aktion keinen vollen Erfolg brächte. Zionisten, geht sofort aa die Arbeit. Ei gibt nicht«, wu hiate auf das jüdische Volk einen Shniithen Eindruck machen könnte, als die Parole für die ־ Alljah, für dm Aufbau neuen jüdischen Lebens durch jüdische Arbeit. Palästina braucht Menschen. Unsere Sache Ist ea, die Menschen zn senden, die za nalbaaender Arbeit fällig sind. Kein Teil des Volk» darf tteh der Verpflichtung entziehen. Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung ffir Deutschland, Berlin, den 29. No»ember 1922, Zur Leitung der Aktfon wurde vom Landesvorsfand ein engere« Komitee ciegesetzt, bestehend aits den Herren: Dr. Arloeoroff, Dr. Acsts und Weidmann. Die Adresse des Komitees Ist: Sieh• sisclu Straße 8. Otualilongcii sind za richten auf das Konto der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Darmstädter and National• bank, D. E., Kurfüistendanim 34, Postscheck■ Konto: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin 8091. Schwere des Aivlasscs, anzurufen. Nie darf da* weitere Ziel, das friedliche Zusammenleben der Juden »md der Nichtjnden, außer acht gelassen werden. Jedenfalls aber sollte die Wdt• jude-nheit eine begünstigende Ausnahmestellung für die Juden zu erzielen s«1chen. In »uisercm speziellen Falle sagt mir aber H. Krojankcr, daß die Vertolgnn,׳ der jüdischen Religion de!» nationalen Bestand des jüdischen Volkes bedroht, was bei den Russen mit der Verfolgung der christlichen Religion nicht der Fall ist; deshalb liegt ntvgeb'ich ein Spezialfall m\ Ob• wohl ich der rcligiös-nalionalcn Einheit im Judentum mir wohl bewußt bin, bestreite ich, dal! der Bestand des jüdi »clicu I Volkts durch die plumpen Verfolgungen der Jcwockzia txslroht Eliasclieff hat des!» Band eine!» Essay ü'ner B'.alik woraus• geschickt, in dem׳ er ln großen Umrissen die dichtcrisdrc Eigenart Bialiks treffend kennzeichnet. Der Band ist schön gal nickt. Gleichzeitig erscheint im Verlag R, Lüwit (Wien) «ine neue, verbesserte und erweiterte Auflage der deutschen lieber• setzuiig Ernst Müllers. Ernst Müller ist der Erste gc• weset», der — vor z.chti Jahren — das westliche Publikum mit der Dichtung Bialiks in weiterem Umfang lackanrit zu machen, ihm eine Vorstellung von der kfuistlcrisdien und nationalen Bedeutung des Mannes »md seines Werkes zu vermitteln versuchte. Er hat die wichtigsten Gedichte Bialiks in deutschen Versen nadigedidhtef, ein wenig dankbares Unter• «chanen, wenn man bedenkt, wie schwer gerade hebräische Dichtungen sich übersetzen lassen u1׳d »rn wieviel mein dies״ gerade von Bialik gilt, der seine hebräische Dichterspradic sich sefct erst neu gesell;!ffeig Raren geheimen Sinn zum Leben erweckt hat. Müller hat keine ״Umdichtung“ vevsucht, er hat sich getreu ans Original gehalten, sogar oft auf «len Rein!' verrichtend, und es ist ihm gelungen, eine' Ucbersctnmg zu schaffen, che einen echten Eindruck von dom Original gibt, wohl das Beste, was man einer Ucber• setzung nad15agen kan«, Die Einleitung, die Müller vorsu•*• schickt, ist rächt nur «Ine Einführung ln Bialiks Schaffen, sondern gibt darüber hinaus tiefe Einblicke in da* Verhältnis des Juden zur Kunst überhaupt. Ke Sammlung ist vom Verlag in einem sdiönen Band (Buchausstattung Urlcl Km* bäum) herausgebracht worden, der als Cbanukkahgesdienk wärmstens empfohlen sei. Michael. Clianukkali Ktinstgewerhe Ausstellung ln den Räumen der ״Ewcr״-BucMmdhmg wird gegenwärtig eine Ausstellung von kiinstpcwcrlilichen Erzeugnissen der k'mislgewerbcschiilc Frciidcnmal, Breslau, veranstaltet. Es handelt sich hauptsächlich um C1» an u k k a h I e u ch t e r, jüdische Kultusgegenstände, sowie um jüdische» Kindcrspielzeug, Sämtliche Gegenstände beweisen hohen künstlerischen tind gediegenen Geschmack; 'ein Teil der Entwürfe stammt von bekannten Kunstgewerblern, 11. a, Prof. Grotte, Barcinski, Horosvltz, Käthe Freund usw. Seite Ö3f ( ~W"" ־~ ''n'L ■1 וווווז'^1י ... .. -■ - n ו..---■■ ״■. . ist. Dm Judentum hat andere Verfolgungen, unverglelchiidf grausamere und tiefgreifendere, durchgemacht und nicht die! Schließung der Chcdarim und die Sequestrierung der Syna« gogcrtschätze wird es rerrütten. In Wirklichkeit bedrohen zwej andere Gefahren heute ernstlich die Juden in Rußland: die ״note“ Assimilation (in ihren mannigfaltigen, manchmal imer* warteten Formen, 90 z. B. nicht nur als antinationaler Kommt»- nismus, sondern auch als spekulative Wirtschaft) und das physische Untergehen als Folge von Judenmctzeleieii. Un* mittelbare Gefahr, Oefalir, die uns *;hon Opfer!udi Hundert* tausewlcrt gekostet ha», liegt in der zweiten Tatsache). Id) habe vielleicht eiiwi» Fehler begangen, wenn id! bei den Lesern der ״Jüdische« Rundschau“ «las erschreckende Wachsen de*. Judenhasses in Rußland als bekannt vorausgesetzt habe. Da es wellt der Falt zu »esu scheint, korrigiere id! jetzt, vorläufig mit Hilfe von wenigen Zeugnissen, n»einen Fehler. Unlängst konstatierte Gorki — ein guter Beobachter und anerkannter und aufrichtiger Judenfeind — in seinem bekannten Interview mit Asch, die »»«geheuere Vcrbrcihmg des Antisemitismu* speziell unter den riiwrchcn Bauern, ״die früher von dieser Infektion frei waren“ tuul behauptete, die Jtrfcn lebe!» in Rußlaivd ״wie anf glühenden Kohlen". Vor wenigen Monaten schrieb Dttbnow; ״Ir» der Hälfte des ostjfklischen Zentrum», die in Rußland geWieben ist, herrscht physischer und seelischer Tod ... Das bolschev»*tische Rußland stellt ein Sodonf der menschlichen Verbrechen dar; zwei Millionen Juden werfet» *id» hi!» und her, um dem Reidie ewiger Pogrome zu entrinnen, wo sic im Feuerringe de* weißen und *les roten Tenors eingeschlossen sind". In einem Buche ״Rußland «ach vier Jahren der Revolution“ schrieb der bekannte Wirtschaftler, Sozialist, Minister tmter Kcrenski, S, Maßlov: ״Antisemiti'imus ist einer der hervorapringemteten Züge de.5 gegenwärtigen Rußland geworden, vielleicht riet hervorragendste. Antisemitismu» ist überall. Im Süden, im Norden, im Westen, im Osten. Vor ihm sichert weder das intellektuelle Niveau, noch die Partei• angchörlgkeit, noch Alter ... D»-r Antisemitismus h.1t Gebete ergriffe«, wo früher die Juden fast nie gesehen wurden, wo niemand an die Jitdcnfrage gedacht hat ... Der Haß gegen «Re Juden ist akut »md allgemein“. Fr. Kaßkowa, ffe bekannte politische Schriftstellerin, judenfrcundlidi, linkeorien* tiert, die »mJängst aus Rußland ka4n, schreibt: ״Der Antisemit»*• mus verbreitet sich immer mehr und zwar nicht mir unter der russischen, sondern auch unter der jüdischen Intelligenz ... Die Jugend ist viel anlisemiiischer als die Erwachsenen Von» Antisemitismus ist jetzt das russische Leben voH ... Antisemitisch sind die breitesten Schichten der Bevölkerung, bis zu den Intellektuellen von höchster Kultur.“ Das sin«f wenige Zitate, ich könnte sie aber beliebig vermehren und ihnen eine belobige Zahl von Tatsachen hinzufügen, während ist kein einziges ihnen widersprechendes Zeugnis an Zufuhren imstande bin. Von dieser Erscheinung und nicht von der Schließung der Chcdarim ist der nationale Bestand der. Juden in Rußland unmittelbar bedroht. Infolge eines ungeheueren Mißverständnis«:«, infolge der gegenseitigen Fehle» ist de« Juden in Rußland der Krieg erklärt worden. Altes muß getan werde«, um diesem Zustande womöglich ein Ernte zu?etzen oder ihn Jedenfalls 90 zu mildern, daß die unmittelbare Ver« räclihmgsgcfahr verringert wird; das ist nur mit Hilfe von echt-jüdischer, ehrlidier, weitsichtiger, meirschliclier Politik zu erreiche׳,». Deshalb schrieb id» und wiederhole es: Nichts wäre bedenklicher, als der Versuch, die russische Judenheit ' die breite Straße des (gemeinsamen po!iti«hen Wissens mit der allgemeine!» russischen Bevölkerung verlassen zu lehren, »m» eigene, von vorübc»gcher>dcn Tagesinteressen angezeigte Wege zu gehen. Nicht die Kluft zu vertiefen, sondern sic •zu überbrückc!», rtmvscn wir trachten. Uni zu der allgemeinen Frage der jüdischen Galuth-Rolitik zurückzukornmen: Das Ghetto war ein eigenartiger Versuch des Zusammenlebens der Juden mit den Wirtsvölkem, der aber mir von! Gesichtspunkte der jüdischen Interessen geleitet war und nicht ein Zusammenleben, sondern ein Leben unter den fremde!» Völkern als isolierte Gruppen darstclitc; zu biuer . solchen Form des Zusammenlebens, die keine menschlichen Kriterien kennt, ruft eigentlich auch Dr. Krojanfcer auf. D.'e Assimilation war ein anderer Versuch des Zusammenlebens, der »He jüdische!» Interesse!» außer acht ließ und nicht na« Zusammenleben, sondern zur Auflösung führen mußt«.! Ke nationale jüdische Politik «oll ein neuer Versuch de« eeilten Z u s a!1111» e n I c b e 11 s «larstellen, nichl ängstliche Absonde• rung und 111 ht Attfö u'g, sondern ehr'ithcs und konsequentes Nfl:eno:״andcr!ebon, in gegenseitiger Hilfe, Achtung, Schonung uitJ Vcrständnis. Der Weg ist lang und schwer; Ghetto um! A?si,!:i'a‘io!1, Separa.ion und Auf osuag, frucht- und boffmmgsloser Haß und demütigende Anbieicrci lauern auf seinen Seifen; jeder Schritt muß gewogen werden. Es ist viel leichter und, mit neuer Wendung der -europäischen PaUtik, auch zeitgemäßer zu sagen: kh kümmere mich nur unr jüdische Interessen, die Allgemeinheit geht mich nichts an; auf diesen» leichten Wege kommen wir aber weder zur nationalen Erziehung des jüdische!» Volkes, noch zu seiner organischen Einstellung in das Mensch* hcltsleber Die Weltkongreß Bewegung Das Organ der amerikanischen Zionisten, ״The New Pa lest ine“ schreibt in seiner Nummer vom 17. November über den Beschluß des amerikanisch-jüdischen Kongresses, den .yvir bereits initgcteilt haben: ״Der amerikanisch-jüdische Kongreß beginnt damit, den Gedanken eines jüdische!» Weltkongresses für Palästina in die Massen ztt tragen. Er hat eine Konferenz, jüdischer Organisationen in Groß-Ncw York einbcmfcti und verbreitet Informations- und Propagandamaterial. Diese Arbeit muß gemacht werden, um eine Basis für den Weltkongreß zti schaffen. Die ,Exekutive der Zionistischen Organisation ist beauftragt worden, die Pläne für den Kongreß vorzubereiten, sie der vermutlich im Januar »taltlindenden Sitzung des Oroße!» Actions-Corrätfs vorzukgen. (Diese Sltnmg findet, wie wir inzwischen gemeldet haben!, am 25. und 26. Dezember in Berlin statt. — R. d. ״J. R.“) Der Wahlmodi« wird eine Frage von besonderer Wichtigkeit werden. Es wird wahrscheinlich unmöglich sein, einen allgemeinen Pia!» dafür ausnurbeiten, der für alle Länder passend erscheint. Aber wie die Pläne auch immer sein mögen, so Ist das Entscheidende, daß eine der Kongreßbewegung günstige Stimmung in allen Ländern geschafft!» wird. Ein reiner Dcmonstrafionskongrert hätte vielleicht einen gewissen Wert nach außen, aber das kann nicht genügen. Die Absicht geht nicht dahin, den jüdischen Weltkongreß für Palästina In eine jüdische Organisation umzuwandeln. Man behauptet, «hiß es ein starkes jüdische« Interesse für Palästina auch außerhalb des zionistischen Krel* «ca gibt. Der jüdische Weltkongreß soll die Stelle sein, wo derartige Anschauungen zum Ausdruck gebracht »»erden können. Nur auf diesem Kongreß werden Resolution*« eine reale Wirkung haben und nicht nur demonstrativen Wert.“ \ I.

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