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Jüdische Rundschau · 1922-12-01 · Heft 95 (1.12.1922) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 95 (1.12.1922)
Date
1922-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Kr, 05 JUED ISCHE RUNDSCHAU ißrr Ai» Ittl» «ml Svti, d,־!r, haß link hi!{! von der Cnev für •fern 1i!1<! Stic:» Kt* cht *in- Lullt •nten doch ifll.s 1 an blick ric>•, eir •; /.ui*,;,» «׳ine \ orl <!!c Pr. 5 11» 1 eric1r!1 dem Heb». (״ Dtkk VahlaliVn : .115 Seite 025 1,15 t )pfer wski «IOC 11 Civm- 'der;1115von ihm wird, il Ah• die I f s-;nss»en am vo»' In der Sitzung <le5 Landtags vom 29, November wurde ,!ie große Anfrage der Abg. Dr, IC a e!»I c rGrcifswa'd (Dn.1t■) tmd Genossen über die Einwanderung von Ost• j 11 den na cli Deutschland verhandelt. Es wird gefragt, Ulclie iMalhiiiliiucn die Rcrieruiig Regen die Einwamlcrun״! ((greifen wolle, ob sie gedenke, unerwünschte «lüste abru-;chifbcii und eine sdurt'ere Kontrolle durchztiführeti. Die Begründung der Interpellation. Ah::. Dr. Knehlcr (Dmt,) begrümlct die Anfrage. LHe Jtinimu'kf ß'-'l-'011 die Ostjudeii hat sich verschärft. Das ist Uineswegs etwa das Ergebnis einer Agitation. In einem tniikcl der ״Deutschen Tageszeitung“ werden die Mißständc!Teil geschildert. Berlin ist,' so heißt cs da, nicht mehr Hudallpforte »weil dem Oricuj, »andern Eiufnllspforte vom Orient. Es ist keine migetibü.-k’iche Erscheinung, gondern eine jlviite Gefahr. Die ״Kölnische Zcitunp“ hat mehrfach sich mit dieser Frage beschäftigt. Die Nationalversammlung hat bereits (ine sehr scharfe Entschließung gegen die Einwanderung der OMjiwcn angenommen. Es handelt sich um ein preußisches, (v»u»efitlieh um ein tlcrliner!*rohlcm. Auch Bayern ist neuer• ,tilg;? betroffen worden. Wir begrünen die Verstärkung der |׳rcmdenpoii/ei, alter warum kommt sie erst heute? Als >1 ichl.׳,.יי der Ausweisungen müßte der Revolution«(•(* genommen «■erde» und nicht erst der 15. November 192t. Die noch!מוס Minister Dominirus herausgegebene Verordnung darf ratüilich deutsche Flüchtlinge nicht treffen. Selbst Dr. August Müller hat in einem Zeitungsartikel geschrieben, daß kein Volk der Welt in Bezug auf die Einwanderung uncr• vii;15c!1tcr Elemente eine solche Toleranz übe wie wir. Der ßt'.rrbürgcrmeisler cia־r rhcinisrlieu Stadt hat darauf atifmerkum gemacht, daß Ostjuden, kaum eingewandert, auch eine U'ohmuig hatten; woher, wisse er nicht. Wir müssen dafür <orgc», daß sic vom Ku»fi»rste!tdnn!m bald fortkommen nach (legenden, wo sie verwandte Charaktere finden, wie ja der imcTikitusche und jüdische Charakter verwandt sein sollen. (Beifall rechts.) Die Antwort der Regierung. Minister des Innern Severin g: Auch die Re-;:cnu»g meint, daß hier ein ernstes Problem ׳vorliegt, aber von Stimmungen und Verstimmungen dürfen »eir uns liier nicht leiten lassen, wenn diese unnatürlich sind ׳.ad in Presse und Versammlungen künstlich geschürt werden, ',tan macht auf gewisser Seite die Juden für altes wirtschaftliche Eiend verantwortlich. An den zu beklagenden Erscheinungen <;vi aber auch waschechte Arier beteiligt. (Sehr wahr! links.) Nach neuen Berichten sollen Juden aus Ungarn angewiesen «erden. Ein größer Teil wird sich wohl hierher wenden. Ich möchte den Völkerbund (Lachen links) darauf aufmerksam ״nclieii, daß Deutschland und Preußen bei der Ernähruiigslagc, dem Wolumngsmangel und der Lage des Arbcitsmarkt« nicht b der Lage sind, diesen Flüchtlingsstrom aufzimehmen. Wenn «r Voikciiwuvd überhaupt einen Sinn hat (Zurufe rechts: Nein!), dum muß er hier eim,׳reifen. Aus finanziellen Gründen müssen wir die Zahl unserer Poli/ci beschränken. Soweit deutsche und preußische Jntercswi» eine Abschlicßung der Grenze ermmmasmmmmtsceBKm Brief aus Leipzig Von Dr. Jacques Adl er, Leipzig. Es kostet Ueberwindung, in diesen Spalten, deren Inhalt iwr der Darstellung positiv jüdischer Werte, Arbeiten und Hoffnungen gelten sollte, heute einmal von den negativen luden, den freiwilligen ״Outcasts“ unseres Volke» zu schreiben, wn denen also die im Dünkel der Emanzipation und Aufgeklärten hoch als besondere Kaste über der jüdischen Oewntlieit thronen möchten und dabei doch in der Tat sich außer• Mb aller Kulturgcmei!*schaft! mit Juden wie mH Deutschen stellen. Denn Negativ als Prinzip hebt zwar Kulturverbinchmgen wf, schafft aber kein« neuen. Es ist traurig und besclulmcnd, daß dergleichen übertvaupt existiert, die kulturell minderwertigste Form der Assimilation, die bewußte Angleicliuag an den Spießer, nicht etwa gerade im äußeren Gehaben, wohl aber im geistigen Niveau, in der Begrenztheit des Horizonts, im giinzll dien Mangel des liisto- Eschen Sinnes, i!1 der Abwesenheit von Gefühl und gestaltender Phantasie. Vielleicht bestünde kaum ein Anlaß, sich mit diesen Entsrfun.^er.cheüiiingen einer immerhin kleinen, kommerziell zwar «hr rührigen, kulturell aber herzlich unbedeutenden Gruppe des deutschen Judentums naher zu befassen, vielleicht wäre es verlorene Zeit und Mühe, den ewig Unbelehrbaren noch irgendwie?!:reden zu wollen, wäre da nicht der Fall Leipzig! Was in Leipzig, 111 einer der ersten jüdischen Großgemeinden Deutschlands, in diesen Tagen vor sich gellt, ist m kraß, ist ein rolclics Zeichen seelischen Niedergangs im' rMuth, ist »0 übel, nidil mir für unser jüdisches Enipiinden, *omlm» selbst schon für das einfache allgemeine Rechts- *״dölil, daß man Im Interesse der wirklichen Erneuerung des jüdischen Menschen jenen Infektionsherd der Erkrankung na• •ünirhster Instinkte, Triebe und Motive einmal gründlich ans kicht ziehen und untersuchen muß. Der Sachverhalt ist äußerst einfach. Im Freistaat Sadisen bcmlicu die jüdischen Gemeinden auf geographischer Basis. Gemeinde ist di« Gesamtheit aller in einen! bestimmten Verwaltungsbezirk »vxrlmenden Juden und Jüdinnen. Wer als Jude innerhalb des Leipziger Bezirkes wohnt, ist Mitglied der 1,«׳Pziger Gemeinde. Tatsächlidi ist auch die Gemeinde weit ein räumlicher Verwaltungsbezirk als ein zwcckbevtimmtcr ״״eil». Man )״c!1tet sicli bei der Gemeinde weder an noch ab. 'dbst Austritt aus dem Judentum erfolgt nur durch Erklärung fPgenüber dem staatlichen Standesamt, Der Gemeinde sind genaue Zahl lind Namen ihrer Mitglieder unbekannt. Wer sich die allgemeinen Polizei- und Steuerregister als Jude hat *'״fragen iassiin, erhält von städtischen Stcucramt den Steuer- *diel über die jüdische Gemeindeumlagc gleich einem be- *hmmten Prozentsatz der Rcichseinkommensleuer und kifftet '1״mittelbar Zahlung an die Steucrlxdiördc, die dann Ihrerseits Slcucrbclrägc insgesamt an die Gemeinde abfülirt. Für ä1e Mitgliedschaft zur GemeinJe gilt also nicht das Personal- Prinzip,!0:1 dem das Regiomdpruizip. Das sächsische Gesetz u“cr die Rechtsverhältnisse der israelitischen Gemeinden, das ,«t etwa 15 Jahren besteht, erklärt die Ge neinden zu Gesamt- 1׳rrbimlcn »md Interessenvertretungen aller Juden eine» bounrunteii Distrikts und statuiert keinen Unterschied unter diesen Jweii hinsichtlich iJtrer Staatsangehörigkeit, was auch ganz '״,״flieh ist, da doch keinerlei Zusammenhang zwischen de.l Kitt jüdischen Aufgaben dieser Gemeinden und1 irgendwelchen **^mgeliürigkeltsfragen vorhanden ist forderlich machen und soweit es mit allgemeinen menschlichen OntiKkitmi vereinbar ist, werde Ich eine Verschärfung des früheren Erlasses eintreten lassen. Wir müssen aber auch auf das Ausland Rücksicht nehmen, Wahrscheinlich werden 111 einlgen Jahren Millionen deutscher Arlieitcr auswantlcrn müssen, aber wohin? Wir dürfen nicht durdi Märte in der Fremdenpolizei uns »las Odium der Entente zuziehen (große Unruhe rechts). Wenn wir mach dem uns so oft gegebenen Rezept polnische Bergarbeiter auswiereii, liStton wir dann in Polen Entgegenkommen für unsere deutschen Arbeiter zu erwarten? Und dann gibt cs dorlt auch noch 8a etwas wie den Versailler Lrieikasvcrtrag. Den Dr. August Müller — den schenke ich Ihnen (große Heiterkeit rechts). Vor einigen Wodien wurde ־ im Anschluß an einen neuen Mark stutz ein großer Zuzug von 1 Wiener Sj!ekt1iantcn nach Berlin prophezeit. Da wurde auch ׳ der Name Casliglkme genannt. Ich habe mich bemüht, diese 1 Knpitalsbyäne kennenzulcrucn, ich hätte sie gern »««gewiesen, ' aber mein Ersuchen um genauen.* Angaben Ist bis heute ohne Antwort 1:cbliei>en (Ilciterkeil), Udzer die Zahl der eingewanderten russischen Juden kann der Berliner Pdi/fipriRident absolut genaue Angaben nldit maclicn, Weil bei (ly Anmeldung das Glaubensbekenntnis nicht angcgehen wird, Am 31, Mai 1922 sind von «einer Statistik In Berlin 121(XX) Ausländer erfaßt worden, darunter 26305 Polen, 16668 Ibissen. Von den Berliner Vcrlinlttiiwen kann man nicht ohne weiteres auf Preußen schließen. In Ostpreußen waren im März 19 238 Ausländer gezählt, darunter 1712 Ostjuden (Zuruf: De anderen hat Kunze erschlugen (Heiterkeit). Herr Kunze hat in Ob c r sc 111 esie n eine Saat gesät, welche Pogrome vorbereitet (großer Lärm rechts, rtßrmlschc Zurufe links). Ich hänge Herrn Kunze nicht den Deutschnationalen an die Rockschöße, aber er hat sich die Hetze zu Nutze gemacht, die in Versammlungen und Organen der Deulsdinnlionalen dadurch getrieben wurde, daß man alles wirtschaftliche Elend in Dcutsditandt den Juden in die Sdiuhe sdiicbt. Die Behörden und auch die jüdischen Organisationen 90rgen für eine sehr erhebliche Zirkulation der Passanten. Wenn man von ekicm preußischen Problem spricht, darf man auch nicht vergessen, daß im Kriege ■10 000 Ostjuden nach Deutschland deportiert und zumeist in Preußen angesicdclt wurden. Preußen kann nur im Verein mit den anderen!.andern und im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt vorgehen. Bei der Frage, ob Ausländer zuzulassen oder Länger zu dulden sind, wird die Lage des Wohnung«-, Arbeit*- und Lebcnsmittclmarktcs entscheidend 9cin. Neben der nationalen Seite hat das Problem aber auch noch eine menschliche Seite und wenn Herr Kaeblcr auf Fron/os hinweist, 90 verweise ich auf einen Größeren, auf Lessing, der in seinen* Nathan (lachen rechts) ausspridit, daß wir un׳s nicht zuerst ab Cliristcn, Juden oder Mohamcdancr, sondern als Menschern erkennen müssen (lebhafter Beifall links, Unruhe rechts, Abg. Meier: Die langsdiädeligcn Herren da drüben!). Ke Diskussion tragen wir ln der nächsten Nummer nach. Mit voller Absicht haben wir diese Rechtslage, so wie sie bisher bestand — denn die neue Reiclisvcrfassung gewährt ja die weitestgehende Bewegungsfreiheit liiivsiditlidi der Bildung von Rciigionsgesellachaftcn —, etwas breiter dargestellt, um die Tatsache zu unterstreichen, daß selbst auf dieser Basis aber, vom Staate vorgeschriebener Rechtsrcgelung bereits ein gesundes, starkes jüdisches Gcmcinsclinflslebcit möglidt wäre. Desto stärker wird ach dann der Kontrast mit der Wirklichkeit erweisen. Was haben die Leipziger Juden nun aus den Ihnen geboterven Möglichkeiten gemacht? In wenigen Worlen gesagt, folgendes: Etwa 22 000 Juden leben heute ln Leipzig, davon 4000 Reichsdeutsche und 18000 Niditrcidvsdeutsclve. Dies erklärt sich daraus, daß die Leipziger Gemeinde noch ganz jung und erst vor etwa achtzig Jahren entstanden ist, und zwar durch Zuwanderung am Berlin, Posen, Weslpreußcn, Schlesien, sowie de» polnischen und russischen Gebieten, eine Zuwanderung, die durch die Anziehungskraft der Leipziger Messe und de» Leipziger Rauchwarcnlmndels zu erklären Ist und gerade in letztgenannter Hinsicht der deutsch«« Volkswirtschaft durdi die intcriia'ionalcn Handelsverbindungen der ztigezogenen baltischen un.l russischen Juden hohen Nutzen gebrädit hat Der Leipziger Rauclnvarenwcltliandcl, einer der besten Aktivposten des deutschen Außenhandels, ist Sdiöpfung und Existenz des Großteils der Leipziger Juden. Mit der beliebten Schablone ״unproduktiv“, ,,Osljude״ und dergleichen mehr, ist also liier nichts anzufaugen. Gemäß der sogar auch wirtschaftlich vor* liarxlcnen Homogenität müßte csnlsn mit dem Zusainnienw'irken innerhalb der Gemeinde glänzend bestellt sein. So denkt es sich vielleicht der Außenstehende. Bei näherem fllnsehen aber entdeckt er du Zerrbild einer Selb3tvcrw׳nltung, dem gegenüber alle Beispiele politischer Reaktion und Kastcniierrschaft von ehedem verblassen. Nach dem heute noch geltenden Gcnidnde- Wahlrecht haben das aktive und passive Wahlrecht zur Leipziger jüdischen Gemeindevertretung nur die reiclisdeutschen Gemeindcmitglicder, also knapp ein Fünftel des gesamten Mitßlietlcrbesfandes. Die übrigen 18000 Leipziger Juden, die zum Teil ebenfalls schon seit Jahrzehnten In Lei]>zig nweissig sind, haben keinerlei Mitbcslimnmngsredit 111 OcincJndedingcn. Das ist aber noch nicht alles. 1111 Kreis der rcidisi'cutsrlien wählhercchtigten Gciicin^lcmitglkxler hatten, R.־>w«it di«» bisher *־,hei den Gemeinde wählen zum Aus.lrui'ke kam, die ״Liberalen" eine ganz knappe Mehrheit gegenüber den Orthodoxen, Zionisten und entschiedenen Demokraten. Von den dreißig Sitzen der Gemeindevertretung hatte die liberale Fraktion etwa scdizehn inne. Diese sdiwadie Majorität halsen die Liberalen jahrclang in einer Weise ausgenützt, die in der Ocschichte jüdischer GcmeinJcii einzigartig dasteht. Obwohl die Oemcindemifgliedcr zu drei vierteln ihrer Zalil Anliringer ortliodoxer Auffassungen siivl, war bis vor noch ganz kurzer Zelt nur der liberale reformistisdie Kultus offiziell. Erst ln diesem Jahre wurde eine gewisse Bcsscrsleliimg der orthodoxen Interessen erzielt. Ganz unerWttlich aber blieb die dank dem Statut herrschende kleine liberale Gruppe IiinridiUich <!cs Mitbestiminungspechts der ״Ausländer״, ebeivso auch Mtwchtüdi aller jüdisdi-kuttirrdkrn Institutionen, namentlich der blühenden Höherem Israelitischen Schule, deren rein private FinnnzjrundUge mehr und inehr nach einer Mitwirkung öffentlicher jüdischer Mittel verlangte. So vollzog sich eine höchst merkwürdige Entwicklung. Die Gemeindeverwaltung, die offizielle Gemeinde, verödete geistig Immer stärker, während stell das religiöse, kulturelle und sozial• politische Leben #n privaten Formen konzentrierte Man zahlte Gemeindesteuern, ohne die gerl״g־stc Möglichkeit der Mitverfiigung über den Gemcimkhatishait zu haben, ohne Irgendeinen »dner Wünsche in Bezug auf die Wirksamkeit der Gemeinde befriedigt zu sehen. So konnte ca nicht weiter geben. Alle« drängte zum offenen Eklat Dieser Eklat Ut mmmchr eingetreten. Am 23. November hat die liberale Mehrheit des Gemein:tekolleghims den Antrag der demokratische»* Fraktion auf Reform des Wahlrechts glatt abgelebt*(, ebcti'o nttdi ein Oestidt des Eitcrnrats der Höheren Israelitischen Sd!»11« um Gewährung einer Subvention. Die demokratische Fraktion hat daraufhin spontan den Sitzungssaal ׳ verlassen. Am 10. Dezember findet turmugemiß die Neuwahl von zehn aussrhcicicnden Ocmeindevcrtn-tcrn statt. Ein heftiger Wahlkampf wird dabei entbrennen, in dem die &emokrati»che~ Partei (OrtijoJoxe und Zionkten) wirksam den Grundsatz der jüdischen Gleichberechtigung verfechten wird. Das Wahlergebnis bleibt also noch abruwarten. Wettere. Konsequenzen wnd aber schon heute m erwägen. Charaklciistisdi Ist, wie die Liberalen ihre intransigente Stellungnahme begründen. Ein allgemein jüdischer Zusammenha»*g existiert für sic, wie sie trocken und kühl aimprcdien, einfach nicht mehr, sondern nur noch Staatsb(irgerclgensch*ft ur*d liberale Religionsauffasning. Ein Vcnnitlungsversuch von hervorragender Ccntralvcreinsscite, der auch der demokratisdien Fraktion beachtenswert erschien, wurde von ihnen glatt abgelehnt Sie wollen klipp und klar die Trennung, die Loslösung von der jüdischen Gemeinschaft, Dies, alt offizielle Stclhnvgnahme einer jüdischen Gemeinde, Ist ein Novum auch für die deutsche Assimilation, Oder i«t Leipzig der Beginn klarer Scheidung der Geister vor dem Entweder-Oder der neuen jüdischen Probleme? Keren f)aj*ssod Der Empfang Dr, Levina und Rappins in A»mtrika Zu Ehren Ehren Dr. Lcrins und Rtrppins wurde in New York am 8. November im Astor-l lotel eine große Recepttev* veranstaltet, an der 2000 Pcr9:>ncn tcilnahmcn. Den Vorsitz fülvrtc Mr. Llpsky. Dr. Kuppin gab ln seiner Ansprache einen Ucberblkk über die fortscl»rc*tc1wle Entwicklung Palästinas seit Beginn der britischen Okkupation und betonte, daß, während nodi vx*r wenigen Jahren private Unternehmungen in Palästina nicht svaren, heute gesagt werden kann, daß das Land bereits ein weites Feld für gewinnbringende Kapitalanlage bietet. Hicra»if sprach Dr. Levin, der den Zionismus als Teil einer Wcltentwkkhuig darstellte und sich dagegen wandte, daß bei uns immer gefragt wird, ־was England tun werde; die jüdische Auferstehung ist Sache der Juden, er sei nach Amerika gekommen, um auf die Frage, was die Juden zu tun gedenken, die Antwort zu bekommen. Dr. Levin besuchte am 25. November Chicago, wo er bd einem Bankett der Logen sprach. Fernes besucht er Indianapolis, South Bend, Milwaukee und andere Städte des amerikanischen Westens. ,* Amerika Der Monat Oktober brachte den Wiederbeginn der Keren Hajessod-Arbclt. Insgesamt sind Im Oktober 100 030 Dollar beim Zentralbüro zur Wcitcrsendung nach Palästina eiligezahlt worden. Zum Vergleich sei bemerkt, daß die Eingänge de• Keren Hajessod in Amerika im Oktober vorigen Jahres 44 000 Dollar betrugen, also ln diesem Jahre mehr als das Doppelte. Die Spesen haben sich in derselben Zeit in absteigender Linie bewegt. An der aufgebrachten Summe sind vor allem beteiligt: Boston mit 25000 Dollar, Philadelphia mit 10000 Dollar, Chicago mit 8000 Dollar. Argentinien Die Keren Hajessod-Arbeit ln Argentinien wird im De-, zember erneut elnsctzen. Herr L. J a f f e, der Redakteur de• ״Haarez" (Jerusalem), wird •1• Vertreter des Keren lUjmod-Dircktoriirms erwartet Sibirien ln Charbl n, der Hauptstadt der Mandschurei, fand eine Tagung führender ostsibirischer Zionisten statt. Es wurde ein Keren Hajcssc/J-Komitce gegründet, das die Arbeit für den ganzen Fernen Osten, einschließlich China und Japan, übernehmen will. Vorsitzender des Komitees Ist Herr J. H, Soskin. Dem Komitee gehören ferner Vertreter des Misrachl und der Zelre-Zion an. Die erste Arbeit besteht in der Bildung Idealer Komitee« ln den größeren jüdischen Gemeinden. Kleine Nachrichten Ungarischer Fasclsmus. Auf der Generalversammlung des Buuapcsttr Verbandes der ״Erwachenden Madjaren“ hielt der bekannte Pogrom banden füh rer. der frühere Oberleutnant Hcjjas, eine Brandrede gegen den liberalen Abgeordneten Paul Sander wegen dessen durch Vermittlung des J.C. B. in der amerikanischen Presse veröffentlichten Artikels über die Lage der luden In Ungarn. Hcjjas forderte, daß der Abgeordnete Sander unter Polizeiaufsicht gestellt würde. Der Jüdische Wiederaufbau in der Tschoslowakel. Die Wtederauibauabtciliwig der europäischen Jokvt-Zcntrale hat die Summe von 200 000 Dollar für jüdische Fachbildung* für Darklmsknssen und andere Einrichtungen zu Zwecken des Wiederaufbaus der tschechoslowakischen JudctvheR zur Verfügung gestellt. (J.C.B.; Die Klndcrftlrsorgc des Joint In Europa. Die Abteilung für Kinderhilfe der europäischen Joimt-Zentrale sorgt gegenwirtig für die Bedürfnisse von 17000 notleidenden jüdischen Kind cm. Von diesen befinden sich 12000 ln Polen, die übrigen 5000 verteilen sich aut di« anderen 05t- und mitteleuropäischen Länder. Für ein Jüdische» Theater In Warschau. Nach mehrwöchigem Aufenthalt in seiner polnischen Heimat reiste der jüdische dramatische Dichter Percz Hirschbein aus Warschau nach Amerika ab. Hirsclibcin will in Amerika für den Oedanken der Errichtung eines ständigen jüdischen Theater• mit eigenem Gebäude in Warschau wirke«. (J.C B.) Professor Dr. Adolf Strauß ln Budapest feierte in diesen Tagen seinen siebzigsten Geburtstag. Der Oehhrte, der kürzlich ln Palästina weilte, regte bekanntlich die Gründung einer Liga zur Versöhnung des jüdischen und aribischen Volke* *% |

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