Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1922)
- Date
- 1922-12-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 620 JUEDISCHE RUNDSCHAU Die Lage der Juden »n Südrußland Von Hilf sv «rein der Deutschen Jude n erhalten wir die folgenden Mitteilung: Der Hilfsvcrcin der Deutschen Juden hat einen Delegierten jur Berichterstattung über die derzeitigen Verhältnisse in den russische״ Notstandsgebieten entsandt. Der erste cin־regangcnc Bericht enthalt Mitteilungen über die Juden in Gegenden, die nicht zum eigentlichen Hunger• gebiet gehören und über die bisher sehr wenig bekannt geworden ist. ■ . Wir geben nachstehend einen kurzen Auszug aus dem vorliegenden Material, Tiflis: Wie in allen außerhalb des Ansiedltuigsrayoim ■' liegenden Städten war die jüdische Bevölkerung vor dem Kriege dort relativ wenig zahlreich und wohlhabend. Während des Krieges und in den Revolutionszeiten ist dann eine Anzahl Familien aus Innerrußland hinzugekommen, die sich in Tiflis bleibend niedergelassen haben. Die Judenhcit in Tiflis zer• füllt in verschiedene Teile: persische Juden ,(sehr wenige), , grusinische Juden (sehr zahlreich, etwa 500 Familien, z. T. wohlhabend), garsker Juden (Bcrgitidcn), weniger zahlreich, russische Juden (europäische) zirka 1200 Familien. Eine direkte Notlage besteht unter den Juden von Tiflis — wie überhaupt im ganzen Kaukasusgebiet — glücklicherweise nicht. Die jüdischen Institutionen wie Apotheke, Altersheim, Krankenhaus wurden seinerzeit nationalisiert, jetzt denkt man daran, einzelne dieser Anstalten zurüekzugeben, doch kann die Gemeinde vorläufig keine wieder übernehmen, da die Mittel, sic zu unterhalten, nicht vorhanden sind. Die Unterstützungsbedürftigen teilen sich in drei Kate- (*orien: 1. Flüchtlinge aus Innerrußland und der Krim (in der letzten Zeit kaum mehr vorhanden); 2. Ortsarme (veramite früher Besitzende; 3. Durchreisende Emigranten. Es bestellt ein Hilfskomitee, das im April d. J. legalisiert wurde. Jüdische Schulen gibt es drei in Tiflis, von ihnen zwei für europäische Juden, eine für grusinische; jede Schule zählt etwa 200 Schüler. Eine Leihkasse in Tiflis würde gute Dienste leisten. Aus Informationen, die unser Delegierter in Tiflis erhielt, geht hervor, daß von den persischen Juden insbesondere die in der Gegend von Urmia in schwerer Bedrängnis sind. In Teheran soll cs vor etwa J/4 Jahr zu einer Art Pogrom gekommen sein. Baku: Die jüdische Bevölkerung von Baku umtaßt jetzt, nachdem iin Kriege und später eine Anzahl russischer , luden cingcwaiulcrl sma, rund 30000. Die Begründung eines l iilfskomitecs Sür Arme und Flüchtlinge ist bisher nicht zur.iaiuicgekommcM, «la die verschiedenen Parteirichtungen sich über die Organisation noch nicht geeinigt haben. Ein bcsonderer Notstand existiert übrigens in Baku nicht. Für ausvvärtigc Hilf Stätigkeit käme höchstens eine gewisse Hilfe für Kinder, die sich insbesondere auf Bekleidung zu erstrecken hätte, in Frage. Viel schwieriger sollen die Verhältnisse bei den Dagheslaner Bergjude!! liegen (südlicher Hauptort Kuba). Insbesondere in kultureller Hinsicht ist dort noch sehr viel zu tun. Rostow am Don: In Rostoiv besteht ein parteiloses Komitee, das die Arbeit für die vorhandenen Hilfsbedürftigen, gut organisiert hat. Vor dem Kriege waren dort nur etwa 15003 Juden; heute sollen zirka 50 000 dort ansässig sein. Aus drei Teilen Rußlands — Litauen (besonders Smorgon), Ukraine, Krim — sind Flüchtlinge mach Rostow gekommen. Es besteht ein ״Jüdisches Selbsthilfskomitce für die Hungerleidenden des Dongcbictcs“, das gut und lebendig arbeitet. Die Beziehungen *ur Regierung sind gute, die Regierung kommt in jeder Weise — durch Bereitstellung von Räumen usw. — zu Hilfe. In Rostow, das auch nicht zum Himgcrgebiet gehört, handelt es sich mehr um die Frage des Wiederaufbaues una der Befestigung des allgemeinen und damit auch des jüdischen Wirtschaftslebens. Registriert wurden etwa 500 hilfsbedürftige Familien. In rationeller Weise wird Hilfe durch einige neu geschaffene Institutionen und Gewährung von Unterstützungen geleistet. Im einzelnen hat sich die Arbeit des Komitees auf die folgenden Gebiete erstreckt: 1. Schaffung einer gemeinsamen Werkstatt für einige Schneider, Schuster, Hutmacher und einen Friseur (im ganzen etwa zehn Personen) mit Selbstcimlagc von Kapital durch die Arbeiter. Die Werkstatt erhält sich selbst und gibt sogar nach dem ersten Monat Uebcrschüssc zur Bezahlung des •Buchhalters ן 2. Schaffung eines Kartells für Handkarrenschieber (neun Personen); 3. Gewährung von Reisespesen zu Verwandten und Repatriierung; 4. Kreditlnlfe durch unverzinsliche Darlehn — zirka 70 Personen — bisher 240 Mill. M. Gesamtaufwand; 5. Medizinische Hilfe: Ambulatorium und Hausbesuche (auch für Christen); 6. die Frauenabteilung organisiert jetzt ein Tageskinderheim. Das Komitee hat an eigenen Mitteln etwa 2 Milliarden Sowjctrubcl, zurzeit des Berichtes etwa 200000 M. autgebracht; cs wird unregelmäßig durch Geldmittel, Medikamente und Konserven vo» ausländischen Organisationen unterstützt. In Charkow, das auch noch nicht zum Humgergebict gehört, liegen die Verhältnisse so, daß zunächst noch eine schnelle unmittelbare Hilfe für Kinder und neue Flüehtluwe aus dem Hungergebiet notwendig ׳st und auch geleistet wird. Alsdann kommt auch dort der Wiederaufbau der jüdischen Wirtschaft in Frage. Abgesehen von der allgemeinem Hilfe durch die A. R. A. (American Relief Administration), die für Kinderheime, Medikämmte usw. sorgt, wird die Hilf« speziell für die jüdische ,Bevölkerung durch die sogenannte ״Londoner Kommission“ geleistet, die verschiedene selbständige Institutionen vereinigt um! eine gewisse allgemeine Leitung ausübt. Die Londoner Federation of Ukraiiwon Jews gewährt Speisepäckchen ä 10 Dollar. Die Arbeit der Kommission erstreckt sich auf: 1. unmittelbare Hilfe: Küche für zurzeit etwa 350 Personen, 2. Wohnungen: Heim für 50 Personal, 1 3. Medizinische Hilfe: (Verhandlungen wegen erneuterUebcrnähme des Ambulatoriums), 4. Diy.: Holz, 5. Reisegeld (nicht zur Emigration), 6. Konstruktive Hilfe: (Kredite aus verschiedenen Gründen, zurzeit noch unzureichend organisiert). Außelr von der Federation of Ukrainian jews ist die Kommission auch vom Joint Distribution Committee gelegentlich unterstützt worden. Von Charkow, wo un-ser Delegierter zunächst bei der zuständigen Behörde die Erlaubnis zum Besuch der Notstandsgegenden cingeholt und die erforderlichen Verhandlungen über die Bedingungen für eine Hilfsaktion seitens des Hilfsvemns geführt hat, begab er sich nadh Simferopol, von wo bisher nur eine telegraphische Nachricht von iiun verliert, derzufolge dort ein großer Notstand herrscht. Seine weitere Reise wird den Delegierten des 'Hilfsvereins der dculschen Juden in die wichtigsten Städte des großen ukrainischen Notstandsgebiets führen. Es ist anzuerkennen, daß dib Be.iördet» bisher unseren Abgesandten bei seinen * fordert halmm <r8UClVUnßcn *6®01' ״S^komniendef Weise ge- Die Verheerungen der EoHenhn in Rußland Zu' den brennendsten und wichtigsten Aufgaben, denen das Jüdische Gesellschaftliche Komitee (Jdgcskom) vom ersten Moment seine! Entstellen׳! gcgciiflberstaiul, gehörte die Organisation der ärztlichen Hilfe für die jüdische Bevölkerung in Rußland und ln erster Reihe für die von den verschiedenen Pogromen heimgesuchten jüdischen Volksmassen, Schon Im Jahre 1916 wurden 160 ODO Fälle von Flecktyphus in Evidenz gehalten. Diese Zahl wuchs bis zum Jahre 1920 in progressiver Steigerung an, so daß in dem Zeitabschnitt von 1918 bis November 1920 6 Millionen Fälle von Flecktyphus zur Anzeige gelangten, Im Jahre 1920 allein, als die Epidemie ihren Höhepunkt erreichte, wurden in ganz Rußland einschließlich Sibirien, dein Kaukasus und der Ukraine 3 213 829 Fälle registriert. Die Zahl der Fälle von Rückfalltyphus betrug im Jahre 1920 1 572 400. Die Sterblichkeit unter den Flccktypluiskrankcn belief sich unter der Bcvölkcrung auf 9 0/0 und unter den Acrztcn und dem ärztlichen Hilfspersonal auf 15—25 0/0. Erst Ende 1920 machte sich ein Abflauen der Epidemie bemerkbar. Dank der ungeheuren An unsere Abonnenten 1 Die Neuanmeldung für das X. Quartal 1933 muss nach einer Mitteilung des Postzcitungsamtes iipütestcna bla zum 11. Dezombor d. J. erfolgen, falls eine pünktliehe Zustellung des Blattes nach dem 1. Januar garantiert werden soll. Nr. fij den Erwachsenen all die entkräftenden, mit Entbchrun״ verbundenen Wanderungen und ungesunde Letvcnsfuiiru־״*! I imttumachcn hatten. Da! Jüdische GcscUsdaaftlidi« Kon!'!''I hat auf allen diesen Gebieten eine großzügige Hi|fs!j|NCel entfaltet, welcher es zu danken ist, daß allmählich V I malere Verhältnisse herbeigeführt wurden. Fine groß« Aru,°n| medizinischer Hilfsstationen, Spitäler, Ambulatorien, Röntrre' tl inslitutc und anderer Hilfsstellen sind an den wichtiן 1/״■׳ Punkten tiitig. Heute ist das Jüdische OesclischafüHhn ׳ Komitee auch auf dem besten Wege, durch Volksaufklj^ prophylaktisch zu wirken. n*f Gegenwärtig richtet sieh das Hauptaugenmerk der ץ־״ח ' ziltisch-sanitären Abteilung des ״Jdgcskom" auf die Schall^!', eines ganzen Netzes von Anstalten zur Bekämpfung 4' Hautkrankheiten und der Schwindsucht. Besonders stark i! die Tuberkulose unter den jüdischen Kindern verbreite! In einzelnen Gegenden, zum Beispiel im Wolhynier Gouverne ment, erreicht die Zahl der tuberkulösen Kinder 60o/0 in den verschiedenen Kinderheimen in Witcbsk sind 50 «/a der Kinde! tuberkulös und davon 17 0/0 im akuten Stadium, D» Jüdische Gesellschaftliche Komitee verfügt leider nicht übar die Miiw um sein Programm zur Bekämpfung aller dieser Volkskrank’ heilen im vollen Umfange durchführen zu können, Citerariscbe Umschau Ziozistls Heß > Biographie (Theodor Zlozisti; Mocca Heft, Weltverlag 1921.) Frati 7um ׳ ‘n’Berlin richdr«; Die; , (trenne•*.; ,■inkilenq ' regende# t Vorträge Chawer foritel J 11,-1' I'M I rember j 1 f.hawcr י 1 Hand : Vortrag י I eingehert I Am* lUvy7S^ 1 des Zein 1 das Th« nensisdil führende wickiung und Wat Arbeiter! Wir verständigen dalter alle unser« Einzel* Abonnenten davon, dass wir die Abonnementsgebilhren für das I. Quartal 1933 mit Rücksicht auf die fortschreitende Verteuerung vorläufig auf Mark 650.— festgesetzt haben, die wir per Nachnahme bei Ihnen ei »ziehen werden, falls wir bla zum 8! Dezember keine Abbestellung erhalten. Die Erhebung eines Tcucrungs« Zuschlages müssen wir uns Vorbehalten. — Wir bitten hierdurch dringend um Einlösung unserer Nachnahme- Sendungen und machen ausdrücklich darauf aufmerksam, dass die Lieferung unseres Blattes nach dem 1. Januar 1933 hiervon abhängig ist. Verlag ״Jüdische Rundschau“ Berlin W15, Sächsische Strasse 8 Bankkonto: DarmstSdter and Nallonsibank, Depositen! asie Kurfürstcndamm 52 / Postscheckkonto: Berlin 17392 Energie, mit welcher der Kampf aufgenommen wurde, ist die Epidemie von 463 325 Füllen im Februar 1920 auf 16847 Erkrankungen im September desselben Jahres zurückgedrängt worden. Im Jahre 1920 brach besonders in Südrußland auch die Cholera aus. Bis zum 1. November 1920 wurden 21597 Cholcrafälle verzeichnet, in demselben Zeitabschnitt sind auch 279 803 Fälle von Bauchtyphus und 269 565 Fälle von Dysen• tcric verzeichnet worden. Von den sogenannten sozialen Krankheiten, wie Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten und dergleichen mehr wurden gleichfalls überaus viele betroffen, da diese Krankheiten im Kriege und in der allgemeinen Er- Schöpfung einen günstigen Nährboden fanden. Es braucht nicht erst besonders hervorgehoben zu werden, daß die jüdische Bevöik c rung' ■rieh der Epidemie gegenüber in einer noch ungünstigeren Lage befand als die übrige Bevölkerung. Hunderttausende Juden wurden erst durch den Krieg und dann durch die Pogrom« aus ihren ständigen Wohnsitzen herausgerissen und waren gezwungen, mit ihren Greise# und Kindern in die größere# Städte zu flüchten. Dort mußten 610 entweder öbdachlos 1m Freien kampieren oder in eiligst zusamnicngezimmcrlen Baracken oder in improvisierten Masscnlieimcn Unterschlupf suchen. Man lebte hier in Schmutz und Nässe, man schlief auf harten Bänken oder auf dem bloßen Fußboden, zugedeckt mit Lumpen. Unter den Flüchtlingen war eine große Zahl bereit« an Flecktyphus, Rückfalityphus und Bauchtyphus erkrankt. Diese Kranken schliefen in einem Raum mit den Gesunden, und die Flüchtilngsbarackcn waren wahre Epidemienester, aus denen viele Zehntausend«! der zermarterten, unsteten Pogromopfer hinweggerafft wurden. Die Pogrome, die von den grausigsten Qualen begleitet waren, zeugten auch eine große Zahl von psychisch Kranken, Die Zahl der vergewaltigten Frauen erreichte viele Zehn• tausende. Eine nur teilweise und durchaus nicht vollkommene Statistik hat im Kiewcr Gouvernement 1793 und im Minskcr Gouvernement 1516 Vergewaltigungen an Frauen und Mädchen fcstgcstcllt. Tausende Fälle ׳ von ansteckenden Geschlechts, krankheiten wurden eruiert, und der Kampf gegen diese Krankheit gestaltete sich schon deshalb besonders schwer, weil die meisten Betroffenen sich schämen, ärztliche Hilfe aufzusuchen Das Jüdisch« Gesellschaftliche Komitee, das den Kampf gegen diese körperliche und sociale Verelendung unter den Juden in Rußland zu führen sich anschicktc, arbeitete wie auf allen anderen Gebieten auch hier im engsten Kontakt mit den maßgebenden Rcgicrungsorganen. Auf dem Gebiete der ärztlichen Hilfe war dieser enge Kontakt und die gem einsame Arbeit noch notwendiger wie auf allen anderen Gebieten. In der praktischen Hilfeleistung gibt es keine besondere jüdische Medizin, Der Gesundheitszustand eines Teiles der Bevölkerung übt naturgemäß seine Wirkung auch auf alle übrigen Bcvölkemngsschichtcn aus. Dieser Stand• Punkt leuchtete auch den Organen des amtlichen Oesundhcitskonunissariats ein, welche in den Bezirken, wo die jüdische Bevölkerung in Massen lebt, die Hilfsarbeit des ״Jdgcskom“ unter den Pogromflüchtlingcn in. weitestgehendem Maße förderten. Am meisten haben unter den Pogromopfern di« Kinder gelitten, da sie gegen Hunger, Kälte und Krankheiten am wenigsten widerstandsfähig waren, Von den 1 *203 000 jüd Ischen Personen, die von den Pogromen unmittelbar betroffen wurden, waren mehr als 300OCH) Kinder, die zusammen mit Nachdem Theodor Zlozisti 1905 durd» einen mehr ן!!, fälligen Grund dazu veranlaßt wurde, die jüdischen Schriften? von Moses Heß m sammeln und ru ihrer Ergänzung eine kurze biographische Skizze zu schreiben, hat das durch die Arbeit in ihm hervorgerufene Interesse ihn zu eingehenden Studien über Heß und über die sein Leben begleitenden oder bodingeraden politischen und geistigen Erscheinungen geführt. Er hat zu diesem Zweck eit» außerordentlich genaues Quellen. Studium getrieben und wichtiges Material über Heß, die geistigen Strömungen seiner Zeit und speziell über die Entwicklung* |j geschichte des Sozialismus zusammengctragen. Der Name Moses Heft war allgemein in zweifachen Zusammenhang bekannt; man nannte ihn als einen ״Vorläufer des Zionismus" und man wußte, daß er zu den im komm!!• ן nistisclien Manifest von Marx und Engels angegriffenen ״dcut• sehen oder wahren Sozialisten gehört. Es lohnte sich, sein« halbverwischte Gestalt klar hcmtszusteUcn und die verschiedenartigen Act!ßcrungen seines Lebens zur Einheit zu verbinden. Die Methoden der Biographie können verschiedenartig sein. Die einfache Sdüklenaig einer Persönlichkeit, der Wandlungen in ihrer Erscheinung, ihren Lebensumständen und Oiren Aeuße■ ruivgcn kann das Bild einer überzeugenden Einheit ergeben. Andererseits ist cs möglich, daß der Biograph das Wesen d« zu Schildernden abstrakt herausarbeitet und die einzelnen Aeuße• rungen seines Lebens als Beweise des erkannten einheit• liehen Prinzips beschreibt Die Hcß-Biographic ZJozistis verbindet diese beiden Methoden. Sie bringt in manchen Teilen — das Buch ist, v.־! Zlozisti selbst iüliit, ungleich ausgeführt — eine so eingehende Darstellung der Arbeiten und des Lebens von Heß und der ihn berührenden Zeitgenossen und Ideen, daß seine Persönlich'*«; und ihre Stellung innerhalb des Sozialismus und des Judcniurte lebendig her aus tritt. Daneben kehrt Zlozisti aber nach *Sdiilderang jedes Lebensabschnittes oder wichtigen Werkes zu dct;t G tumlgedankcn zurück, der ihm Aufschluß über das innerste Wesen von Heß gibt: Heß ist Jude und erkennt als solcher die über die Weit herrschende Gesetzmäßigkeit; er ist Jude und hat darum den festen Glauben an die Erreichbarkeit einer nicssianischcn Welt; er ist Jude und stellt darum das Leben der Volksgemeinschaft über das des Individuums; er ist Jude und muß darum unter der plülosoplusrhen Umhüll 1mg seiner Gedanken zu der Verkündung der Tat kommen, Zlozisti sagt einleitend: die jüdische Geschickte einer dauernden Assimila• tion zum Zwecke dauernder Artcrhaltung. Dieser Prozeß cir.cr durch die gegebene Gnmdcinstellung in ihrer besonderen Alt hervorgerufenen Anpassung an die Umwelt und die Her• leihing dieser Grundcinstcllung aus dem Judentum ist Zlozisti der Schlüssel zu der Erkenntnis von Heß. Durch das um• fangrciche Werk Ziozistls ist die noch immer zu wenig beachtete Gestalt vor» Heß, der wahihaft ein geistiger Bahnbrecher des modernen Judentums gewesen ist, der zionistischen Oetfentlichkeit wiedergeschenkt worden. Moses Heß’ zionistisch? und sozialistische Schriften (die letzteren sind gleichfalls im Welt• verlag erschienen) gehören zu unserer* klassische# Literatur, deren Kenntnis unentbehrlich für jeden Zionisten ist, der den Zionismus als geistiges Phänomen verstehen will; denn Heß faßte das Problem unendlich tiefer als später Herzl, and dennod! oder gerade darum blieb er ohne Wirkung. Heute aber ist seine Zeit gekommen. Theodor• Zlozisti gebührt unser Dank, daß er uns nur» auch die Geschichte vom Leben und von der Arbeit dieses Alarmes gegeben hat. O. T, Wicdcrcrscheinen des ״Haarez" Jerusalem. (J.C. B.) Die Jerusalemer hebräische Tageszeitung ״liaarcz“, deren Erscheinen vor einigen Tagen zeitweilig eingestellt wurde, begann nun wieder au kooperatives Unternehmen zu erscheinen, an welchem die Mitarbeiter, Setzer usw. beteiligt sind. Der neue Redakteur des ״Haarcz“ ist der bekannte hebräische Journahst Dr. Glücksohn. AnL, Union-Tj National! Begleitut Der' im FräW Petach-7 Erst v»4 die die f Boden il Der! einen 1« brachlie, reichen, Wir daß sie; jenigen, durch 0 blick in He Im Lch über Vereinig zrse $1/4 <t«r BnJl» r v.. 5^3 La! *»tili *Wo ßOOQCO; Eine neue Zeitung in Palästina Jerusalem. (J. C. B.) Anfang November begann in Jerusalem die Zeitung ״Das neue Jerusalem“ in 0« Sprachen: Hcbräiscn, englisch und arabisch“ erscheinen. Als Rcdakiricc zeichnet Madame Oottlico, die eine Vorsteherin der Organisation ״Christliche Wissensebaft“ sein soll, Nach der ersten Nummer ist es schwer zu urteilen, ob die Zeitung christliche Propaganda trc!Mn wird; auffallend ist aber, daß die Zeitung tür einen hau«״ Piaster verkauft wird, während alle anderen hiesigen Zeitung«1 einen Piaster kosten. Eine jüdisch? Zeitschrift für Medizin. Demnächst wird in Warschau die erste medizinische Zeitschrift ia jiddische! Sprache zu erscheinen beginnen. Die Zeitschrift, die vom Joint subventioniert ist, wird in populärer F'orm sozial• hygienische und medizinisch-hygienische Fragen behänd««• (J.C. B.j mög aöj! 8 und Sc’