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Jüdische Rundschau · 1922-12-01 · Heft 95 (1.12.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 95 (1.12.1922)
Date
1922-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 023 L t o't.ü ■ a 1 he;׳, ist ■he«! <'ur ג di C!c. heil I« ז ־’dl rt'r. ffen eter :in« i r* »Hg Jen, am che, das Zio• vir•] int e t ז 'erk' zu Je . miß tum des an beit len, ICH' Iner für, ler“ 1׳״k׳ ■rtet 1cm für Wir?cn, Jen, . /11 tiert nidi eine, :ibt, ,,«ns Der so Er ‘ere,!ler», i1»״;roß /dt• cm ,•ird, ilich wir kra• icht, dien zu {an•׳. trag 111• c n, sod :nde der itetc ien Itusvor, zur I*־ der gc. ngs« eirat;Lfirt, zu und die sses ,rtei* zur 1el1r- Dein rä - um! der die idc* :beit ittmr tfolk N’r. 05 Volk und seine Tätigkeit im zionistischen Actions- IdM'iid d f״ d,C oslCrreichiscl1er1 Zionisten richtung- Der Parteitag bedauert, daß unser Führer Stricker 're'tulm1'! J'l״r'Kr״ t!cri<Kic anstrengendster zionistischer l;1<1;,kut ucht in!ler Lage ist, neuerdings dem Landes• koinitec zti jirasiuriron und nimmt cs mit Freude zur Kenntnis, darf Ing. Stricker sich bereit erklärt hat, iicn zu Wiihlenden Landcskornitcc flnzupchöixm11 (Sti'1 rmisener Beifall, Die Delegierten erheben sich bereden Ing. Stricker laute, langnmlaucrndc Ovationen.) Hierauf 's ird nach kurzer I )chatte das künftige 1 deskem itce gewühlt: Präsident Dr. Dcsklcr Friedj;1anu; Referent für Politik l״g. Stricker: Pres*« Dr schal! t; Organisation Dr. Löwenherz; Studenten Erwin SC ('V;V?:vv/Jl!g׳C“dbcUCß,:״? Dr• K*״*>er; Turnen und Sport Dr. Woi f ma n n; Finanzen Dr. Kindler; Keren ItajessDd Dr Sofer; Propaganda Dr. Oelber, Dr. Eckstein; NatumalfonUs Dr. TarUkower; Chaluz Taglieht; Provmz Dr. Erber. Ohne Referat die Herren: Adf, י"״"״• Dr1 ־Benedikt, Dr. Hirse hl, Neben zahl, Dr. Stemberg, ־ ־ Jakob IV einer. dem und .an• Doktor J. Margulics, Dr. Dreißig Ch&luzim Wenn die Regierung: Palästinas, gestützt auf wirf■ fchanliaie Argumente, die Alijah arbeitender Juden ein-?uscliränkcn sucht, so können wir mit wirtschaftlichen Argumenten antworten. Wir können zeigen, daß die Aiisciiauung, die dieser Maßnahme zugrunde liegt, auf einem fundamentalen Irrtum beruht; wir können sagen, dal) jede Immigration aus sich selbst heraus in dem neuen bieillungslandc Arbeitsgelegenheiten und Lebensmüglichkeden schafft, daß nur durch sie und mit ihr die Aufnaumebd.igkeit des Landes fortschreitend erweitert werden Kann, und wir können fordern, daß die Eiiischränkungen fallen und daß die ״Tür“ Palästinas geöffnet wird. Wenn irgendeine Regierung Palästinas aus irgendfirem Grunde auf den absurden Gedanken käme, die An;;;l1 der Cliahizim vollständig zu sperren, wir könnten F,v;;en, daß keine Macht der Erde stark genug ist, unsere ä.cnscheii vom Lande fernzuhalten; daß kein Netz ad- 1i׳.i1׳istr,1iivcr Maßnahmen dicht genug ist, um unser Eindringen in das Land unmöglich zu machen, wenn nur dic' Kraft und der Wille des Zionismus genügend auf we.-c LcbensnotwemJig'keif konzentriert ist. Ater wenn die palästinensische Regierung nach!.ingeut Verhandeln sich entschlossen hat, summa sum;:1nnn;1 K0:l!s!1!1n1!ertnndfiinfzig Zertifikate dem j.id - sd.cn Volke zur Verfügung zu steilen, während Tausende von Juden vieler 1.linder zur Auswanderung drangen; wenn diese (>׳<־,> Erlaubnisscheine auf alle Länder der!,;arpora verteilt werden; wenn davon etwa die Quote \on 30 Chaluzim oder etwas mehr auf Deutschland entfällt und wir nur noch diese 30 Chaluzim in Bewegung, m setzen haben und es nicht können — was dann? Von wem können wir dann noch etwas fordern, w :tin nicht 10:1 uns selbst? Wenn dabei sich noch Schwierig- Keiscii auftun, worüber können wir uns beklagen als über unsere eigene Schwäche? LT,gezählte Male hat die zionistische Bewegung im Verlauf der letzten Jahre die freie Alijaiimögiicbkcit für ciie Juden gefordert. Die Delcgicrtentagc der Landesverhämie haben diese Forderung in ihren Beschlüssen fei-erlieh erhoben. Noch jüngst hat die Karlsbader Jahreskonferenz erneut die Losung der unbeschränkten Aüjnh proklamiert. — Cie Eiinvandcrungszentralc der jüdischen Arbeiter in Palästina hat Monate hindurch mit den Deparienients der Regierung verhandelt. Gerade die paiastiiiew.isclicn Arbeiter, die doch jedd Arbeitskrisis, "■'riebe durch eine überstürzte Alijah hervorgerufe 11 wer- <'en könnte, an ihrem eigenen Leibe zu spüren haben, deren unmitlclbarc Folge auf sic selbst zurückfällt, h.l.cn ja bisher unentwegt und in zäher Entschlossenlu.t die Forcierung einer stetigen, uiiunterbrochenen Alijah verteidigt. Audi die Zionistische Palästina-Exekutive L־!t in ihren Verhandlungen mit der Regierung in der Erkenntnis der vitalen Bedeutung der Alijah für Palästina i-'iul den Zionismus nach Kräften unterstützt. Aber die Regierung verhielt sich lange Zeit hindurch׳ reserviert. >ci-־ lief) tiefgründige Enqueten veranstalten und verlor sich in wissenschaftlichen Untersuchungen über die Lage ■'*uf dem Arbeitsmarkt. Aber sic fand endlich, daß in der Tat ein gewisser Mangel an Arbeitskräften sich fühlhar mache, und das Endresultat dieser Untersuchungen und eines langen und zähen Feiischens sind die 650 Zcrtilikaie, die für die nächste Zeit ausgegeben sind. Bavon entfallen etwa 30 auf den deutschen Zionismus. Dreißig Chaluzim? Sie stehen bereit. Dreißig junge Juden, die Jahre hindurch ziel bewußt auf diesen Augenhiirk!«!!gearbeitet und sich durch eine gründliche herulüchc Vorbereitung auf ihre zukünftige Aufgabe im Bi•״.!« des Aufbaas Palästinas vorbereitet haben; dreilhg Juden, die schon mit dieser Vorbereitung den entscheidenden Schritt der Umkehr zur produktiven Arbeit getan haben. Es sind zumeist Bauhandwerker, Maurer, Poliere, Bautischler, deren Facharbeit im Lande Beute dringend verlangt wird. Dreißig junge Juden, entschlossen sind, aus unserer Welt, die im Zeichen <lcr Börsenallmacht und der Großvcrdicncrkultur steht, in ein« Weit der Arbeit und des schaffenden Lebens überzugehen. Dreißig gültige Erlaubnisscheine geben ilinen auch die Möglichkeit zum Uebergang, — aller sie krauchen die äußeren Mittel, die ihnen die Wanderung '״mißlichen. Die Alijah kostet Geld, das die Dreißig nicht besitzen. Nehmen wir also diesen kleinen Einzclfall: Die Pa- 'ärtiiiarcgierung hat das Ihrige getan, die Einwanderungs- *entraJe der palästinensischen Arbeiter hat das Ihrige ßctan; Die Zertifikate sind da. Unsere Genossen, die JUEDISCHE RUNDSCHAU An die Zionisten in Deutschland! Die palästinensische Regierung hat für eine Anzahl von Ar• belfern die Linrdsclicvvntlfiu״(’ erteilt. Von den Zertifikaten lind etwa 30 mif Deutschland entfallen. .*" Deutschland leben mehrere hundert Chalazlm, Junge Joden wesljfldisclien und 03tjüdl»ehen Ursprungs, die sich bereits Jahre-! ״ «< ״.cruf£״ an׳* gewerblichen Fertigkeiten anelillden, die heute in I allsima besonders gebraucht werden. In der lebten Zelt Ist wie! erholt von anclivcrsiRndljcn Ersuchens Palästina■ darauf hingewiesen worden, daß der qualifizierte, gut ausgtbildcte Jüdische Ai heiler einer der wichtigsten Faktoren dei produktiven Aufbau» Ist. Clerade an diesem Typus herricbt ein Mangel Im Lande, der auf das g.aiue VVIriseliafuitbcn turllckwlrkt. In Deutschland *leben jetzt solche Arbeiter bereit Meute handelt es *Ich nicht darum, Palästina als Kotasyl für Flüchtlinge zu benutzen, sondern nur eine ganz pcririge Zahl von Menschen kau« hlnfibergeben, em« Auslese der besten fachlich geschulten Kräfte, die dem Lande Nutzen bringet! ur.d den Wes׳ für neue Einwanderung bereiten. Die Chaluzim in Deutschland, die seit Monaten auf die Einrclsebrwllllgung warten, haben von Ihren Arbeitslöhnen Ersparnisse zur Deckung der Reisekosten gemacht. Diese Delrllge sind Jetzt Infolge der ficldentwcrtnng vollständig unzureichend geworden. In dem Augenblick, wo der Transport abgehen könnte, fehlt et an dem Reisegeld! Die Zionisten In Deutschland müssen das Reisegeld für diese l.eule aut bringen. Die Ermöglichung der ARjnh dieser Chaluzim Ist dln unmlttrlbarsle Förderung des Aufbau» Pallstlna», »10 11t die wlciillgste zionistische Tat. Wer Iss diesem Augenblick nicht selbst mlfwiiken kann, die historische Aufgabe des Momentes zu erfüllen, hat doppelte and dreifache Verpflichtung, denen, die all Pioniere für unsere gemeinsame Sache vorangehcp, den Weg zu ebnen. Das Reisegeld für diese Chaluzim anfzubrlngcn, Ist eine Ehrenpflicht der '/.Finkten. Diese Aktion muH Im Laufe des Moral* Dezember mit allem Nachdruck durehgefAhrl werden. Der Lnndewortiand der Zlonlstischen Vc'clnlgnng für Deutschland hat sich c'clcbzeltig mit des! *mlrnlen Instanzen der Bewefung In Verbindung gesetzt, um eine (lauernde Regelung *ler AHjnb-Frnge lieibtlzuführeu Unabhängig davon midi aber für die Ucber*«edlung der Im Augenblick bereitstellenden Cha'uilm gesorgt sverden, da bi» zutn linde Dezrmber, wo sie bereit* auf der Rehe sein müssen, die en(׳g״bige Regelung der Alijah• Frage nicht erfolgt *ein kann. An alle Zionisten ergebt der Ruf, sieb mit «Iler Kraft für diese Sammlung el.17usrt/cn. Jeder Zioss ist muß ein M.xlmum beitragen, muß urriTSsrtg filr d.־n Fonds werben, wcilcc Zelt darf nicht verloren warden. Der Transport irusö noch Im Dezember abgeben. ZlmsMen. Iclifct f>ren Brl'rag für dl* Uelierslcillung der Chuhizini. Rcdvnket, daß das Rchrgeld ln GoldwJhrung bezahlt werden r׳uß und hr.truert I'.oeh selbst in Go'd'viihrnug für diesen Zweck. Fs wa!e eine nie wieder «ulznmachendc Schande für da» desihrhe Judenlum, wenn die Aktion keinen vo'lcn Erfolg brächte, Zinn Inen, gdit sofort nn die Arbeit, Es «Ibt nicht*, was h'ule auf das jüdische Volk einen Älsisliehen Eindruck machen könnte, als die Parole fii׳■ die Alijah, für d״n Aufban neuen iödlsrlirn Leben» dorch Jüdltdie Arbeit Fa'Astlim braucht Menschen. Unsere Sache Ist es. die Menschen zu »enden, die z« nnfbenender Arbeit fähig sind. Kein Teil da* Volke* darf *leis der Vcrp'liclitung entziehen. Limlcsvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Berlin, den 29. November 1922. Zur Leitung der Aktion wurde vom ln״de1vor*ln«d eh« enger»» KomUec cinges-tzt. hestebend aus den Herren: Dr. Arlosoroff, Dr. iMoae* und Waldnionn. Die Adresse des Komitee* Ist: Säehslschc Sfraßs 8, woliiii aurh alle Beiträge zu richten *Ind, BniilinndwcrFc׳■, Laben dar. II1ri״c ßetön:?h sind ׳ndilich vorbereitet וו :ul ״ciildcb So liänßt denn die Möt:lid1keit der Aiijnis von nie inendem anders mehr ab, ah \וו0י unr«, uns Zionisten in Deutschland, die wir gleichsam die Dreißig ins Land entsenden und die wir ihnen daher mich die äußere .Müßlichkcit dam zu bieten haben. Disputicren wir also nicht lan״s über selbstverständliche NotwenJißkeiten, schieben wir nichts auf das prinzipielle Gleis — tun wir d«1־s Unsripjc, Der Landesvorstand der Zionistischen Vercini״un״ für reuFchian׳.! hat in klarer Erkenntnis des Gebotenen bcschiorucn, die luiclistcn Wochen einer {׳roßzi'icigen Ai.tiou für die At1fi)ri1up11׳ß eincs Aiijnhfoiids zu widmen, der zunächst unseren DrriBi-f die Uehcrfnhrt ennüßlichcn soll, iTr Zentrale Ward des Deutschen tiapocl- HazaVr hat beschlossen, alle seine Kräfte zu mobilisieren und für diese Aktion zur Vcrfüßimg zu stellen. Diese Aktion soll zeitlich und sachlich ßanz genau begrenzt sein: Sic soll mit dem Jahresende abgeschlossen werden und soll räch das Ziel setzen, zu erreichen, daß von den kargen 650 Zertifikaten, die wir überhaupt bekommen Italien, nicht 30 — gerade die auf Deutschland entfallenden — unbeniitzt verfaßen. So werden also die nächsten Wochen Im Zeichen -dieser Alijah-Aktion stellen. Für sic wird heute der deutsche Zionismus aufgerufen, alle seine wachen Energien einzusetzeit, Gibt cs im gegenwärtigen Augenblick etwas anderes, das im gleichen Maße zionistische Energien zu wecken, die Wachen nnzuspornen, die Erschlafften!nitzureißen, die Gleichgültigen aufzuri.ücln vermöchte? Gibt cs irgend etwas anderes, das uns heute die gleiche moralische Kraft zu geben vermöchte, um an jeden Zionisten und Juden in Deutschlaut! heranziiirctcn und zu fordern? Gibt cs jemanden unter uns, der nicht empfindet, daß die Alijah der lebe!!- dige Blutstrom des Zionismus ist, der stark und warm wciterptilsiercn muß, wenn der Zionismus leben und sieh entfalten soll? Man wird cinwenden: Sehon wieder soll eine neue Sammlung cingelcitct werden, obwohl der deutsche Zionist schon hinreichend mit jüdischen — und nichtjüdischen — Steuern belastet ist. Man wird cinwenden, was können wir, angesichts der valutarischen Verhältnisse Deutschlands, für die Alijah tun, die gewaltige Summen, in Mark ausgedrückt, verschlingen muß? Alle diese Einwände wollen nur vertuschen, was sonnenklar ist. Solange es noch Juden und Zionisten hierzulande gibt, die in Bequeniiidskeit und Wohlleben Im Galuth sitzen und in Luxusautos spazieren fahren, solange unsere Volksgenossen die Logen der Theater und Konzerte füllen helfen, solange die Hundertmarkscheine in Restaurants und Cafes beinahe achtlos fortgegeben werden, reden I all« diese Einwände ain wesentlichen vorbei, Das Wesentliche ist: Hier ist eine Aufgabe, die unbedingt erfüllt werden muß und eine Verpflichtung zur Mitarbeit und zur Hilfe, der sich niemand entziehen darf. Diese Aufgabe Ist — wie man es nimmt —• ganz klein oder ganz groß. Nur dreißig Chaluzim. Sie ist ganz klein — denn sie stellt nur einen sehr, sehr winzigen Ausschnitt aus der größeren Aufgabe dar, deren Teil sic ist und der' wir verfallen und mit unserem ganzen Leben tributpflichtig sind. Und sie ist groß — denn sie bedeutet: Einen Sdiritt vorwärts auf dem Wege zur Sclbstbcfrciusig des jtädisdien Volkes. Chajim Arlosoroff. * An die Chawerim des deutschen HapoSl-Hatair t Auf unseren Antrag hin hat der Landes Vorstand der Z. V, f. D, sidi mit der Lage der für die Alijah aus Deutschland bestimmten Chaluzim beschäftigt und den Beschluß gefaßt, die nächsten Wochen der Aktion für die Finanzierung der Ucbcrsicdlung unserer dreißig Oe• isosscn zu widmen. Jetzt ist es auch unsere Sache, diesen Beschluß in die Wirklichkeit Umsetzers zu helfen, Die Chawerim des deutschen Hapoel-Hazair, der der natürliche Sach• Walter der Chaluz• und Alijah-intcresscn ist, müssen sich in die ersten Reihen dieser Aktion stellen. An Euch alle, Chawerim, geht also heute unser Ruf: Nehmt die Alijah-Aktion in Eure Hand! Stellt Eucli alle dem Aktions-Ausschuß zur Verfügung! Ar• beitet tatkräftig und pflichtbewußt mit! In wenigen Wochen muß die Aktion abgeschlossen sein. Helft uns, sic auch unter den gegenwärtigen schwe• ren wirtschaftlichen Verhältnissen, zu einem glücklichen Ende zu führen. Tue jeder Chawer an seiner Stelle, was nur in seinen Kräften stellt. Der Zentrale Waad des deutschen Landesverbandes H a p o i: I - H a z a 1 r. Staafslo&e Bildung eines jüdischen Volkes Eine Erwiderung von Dr. Erich Unger. Die Schrift: ״Die staatslosc Bildung eines jüdischen Vol* kes" hat an dieser Stelle durch Herrn F. L. eine kritische Beurteilung erfahren, der man cs zuerst nachrühmen muß, daß »ic auf etwa 4(J Zeilen eine zwar unvollständige, aber Im ganzen richtige Vorstellung von den nicht immer einfachen, zum Teil abstrakten Uchcrlfgmigcn der Schritt gegeben hat. Indessen scheint es doch, ab sei andererseits diese Kürze daran schuld geworden, daß der Verfasser den Hauptgedanken der Schrill nicht geholfen hat. Denn der liinwcnd, den er er. liebt, ist der, wiewohl naheliegendste, so doch der sozusagen einzig unzulässige: gerade sein Stehen oder Fallen hangt von Argumenten ab, die den Hauptinhalt der S:hrift »us* machen, und nach einem kv׳i:.d1en Prozeßverfahren waren diese abzuweisen mit Irgendeinem vom Autor übersehenen Gesichtspunkt, und war nicht lediglich das Dogma zu wieder• holen, gegen das die Argumente vorgebrariit waren. Der Cinwand lautet: ״Aber das verkennt Unger, daß eben eine freie Entwicklung des jüdischen Geistes, ein freies Auswirken seiner geistigen Kräfte, niemals in der Zerstreuung möglich ist, sondern immer die Existenz eines normalen Volkslebens zur Basis hat.“ Dieser Satz zeigt, daß der Herr Rezensent sich über das Wesen der ״Zerstreuung“ allzu einfache und landläufige Vorstellungen macht. Sonst wäre er nämlich darauf verfallen, daß am Ende ein Aufhüren der Zerstreuung die Wirksamkeit, und zwar die intensivste und hervorbringt!ngskräftigste Wirksamkeit des jüdischen Geistes schon v © r a 11 s s e t zc. Er. glaubt, daß der gewaltige Vorgang einer Rückholung der lebendigen Substanz des jüdischen Volkskörpers aus den fremden Volksorganismcn sich in dem jahrhundcrtcwährcndcn spärlichen Elnavanderungsgctröpfcl (unter ,englischer Ecarg. wöhnung) manifestiere — und er sicht nicht, daß die gegen, wärtige Mentalität des ״jüdischen Volkes" die sozusagen zcrstrcuungs g ü n s t i g s t e ist, die sich denken läßt. Er halt, wie alle materialistischen Gcschichtskonstruktcurc, die ״Zer• Streuung“ für das eine, und den jüdischen Geist für das andere, glaubt, daß die materiellen Bedingungen (Zerstreuung oder normale* Volksleben) das Primäre seien und die Voraus- Setzung für den׳ Geist bilden, hält also den Geist für etwas, das allerdings recht erstrebenswert sei (infolgedessen seien meine Ausführungen zu ״begrüßen“), aber für etwas, das für, die Gestaltung der materiellen Dinge, wie Zerstreuung oder nationales Dasein, nicht hervorbringende Bedingung sei, kurzum für den (das Leben allerdings erst verschönenden und sinnvoll machenden) ״Ueberbau". Nun aber ist die wichtigste geistige Leistung, die ge• fordert wird, cinzuschen, daß der Geist'entweder ein bloße* Zierat Ist (iin Grundel — wenn man die Verlogenheiten und das Gerede abricht) «also gar keinen Sinn hat, oder nur den Sinn, da* materielle Dasein überhaupt erst hervorzubringcii, Der Geist hat — überall, da, wo erschaffen wird — keine (wesentliche) Bedeutung, wenn er nicht der körperhaften Dinge unerläßlichste Bedingung Ist. Darum kann die ״Zerstreuung" gar nicht aufgehoben werden, wenn sie nicht der vorhcrschnflende Geist aulhebt. Zerstreuung nämlich ist nicht nur ein Zustand, sondern ein Urteil, ein Vcrurtclltecin, das aus einer geistigen Situation erwachsen ist und nur durch Aenderung dieser geistigen Situation rückgängig zu machen Ist, Was aber geschieht, und was der empirische Zionismus ״verwirklicht‘1, Ist keine feste Wirklichkeit — denn der Geist ist nicht ihr Skelett — sondern schnell verwehte Bildungen der Oberfläche, keine harte Realität (denn Härte und Dauer• haftigkclt einer Realität liegt genau an der Tiefe, mit der sie Ins Geistige hineinreicht) und sic wird nie über Gedanken• gängc ״hinwegschreiten“, die dauernder »ein müssen, als sie selber sein kann.

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