Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 94 (28.11.1922)
- Date
- 1922-11-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 010 Üri iflf n st nn er ch :!1, 11 r •1ו crt <־0 nn n m■ r- 1m inillen $k äcn in tc, in* )ic ui- Ui* on esi, ut er* ten il- 4ה1 ntc;tiv icn ten icn ide :0. un 17Uaff, its. hat igo• da* und her Hel hat en; hes aus 1i־.r Tmtcr• tcUr als ndi• umauf ISCIl ehe, nlli• reu, len, icht ׳ern ־'(גי tz.es rtei, iers :sun da fl icht ׳dlsien Ts alte ־5)11< . in ein 1 in (13 0 der Sand!voll Nr. 04 Die syrisch-palästinensische Delegation in Lausanne Tar is. <J.C.B.) Nach einem Telegramm aus Lausanne ist dort am 23־. November, abends, die vereinigte syiiscl1-pal;isti11en׳,:sdR1 ׳ k'lcgalioii ciiijjctroffcn. Ute palästinensische I)elcfjattan wird bekanntlich von Musa Kasim Pascha geführt und zählt außer ilnn?11 Mitgliedern: Linir H e y Tn m i ״ i und S 11 i b I i 1) j 0 m a 1. Syrien ist vertreten durch «len früheren Abgeordneten des türkischen Parlaments und Vorsitzenden des Herliner Oricntklnbs, Sclickib Arslan Bcy, der als dar, Haupt der (icsmntddegatioii zu betrachten ist; die an* deren syrischen Delegierten sind: Der Bürgermeister von Aleppo, früher Privatsrkretär des Sultans" Ihsan Bey Djabri und• das frühere Mitglied des Libanon-Parlaments, Solciman Bey Kan’an. Sofort nach dem Eintreffen In Lausanne gab die vereinigte syrisch-palästinensische Delegation nochmals die f'ordcnnigen bekannt, die sie gegenüber der Orient- Konferenz vertreten will: Diese Forderungen sind: Völ- Jige Unabhängigkeit für Syrien, den Libanon und Palästina, Abzug der englischen und französischen Truppen, freie Staatenbildung für Syrien und den Libanon einerseits und Palästina andererscils und Zulassung zum Völkerbünde. Für den Fall, daß die Konferenz, mit diesen Forderungen nicht übcrcinstimnum sollte, werden die Araber in den von der Delegation vertretenen Ländern keinen der Beschlüsse der Konferenz als für sich verbindlich anerkennen. JUEDISCHERUNDSCHAU Der Prager Studentenstreik beendet Von unserem Korrespondenten. Die Lausnnner Konferenz und Palfistina London, 2b. November. (J.C. B) ln hiesigen poli■ tischen Kreisen ist man nach wie vor der Ansicht, daß aut der komnienJen Nahen Osten-Konferenz in Lausanne die Frage Palästinas überhaupt nicht zur Sprache kommen wird. Der Präsident der zionistischen Exekutive, Nalmin So ko low, der nach Lausanne hätte fahren sollen, befindet sich mich jetzt noch in London. Wie die antizionistischc ״M o r« i ng •Pos t“ meldet, hat die palästinensisch-arabische Delegation während ihrer Anwesenheit In Konstantinopcl eine Konferenz mit Ratet Pascha ahgchnllcn, wobei dieser die Versicherung ab,gab. die kcmnlistisclie Delegation werde in Lausanne eine V o I k s ab Stimmung in allen arabischen Ländern, die früher unter türkischer Herrschaft waren, fordern. ״Mornimg-Post“ veröffentlicht auch ein Interview mit Mussolini, der erklärt hat, Italien werde in allen die Türkei betreffenden Fragen mit den Ententemächten solidarisch vorgehen. Auf die Frage, ob Mussolini glaubt, daß die Mandato in Palästina und Mesopotamien von Dauer sein werden, nachdem der Sex res-Vertrag annulliert werden wird, ,1111wertete Mussolini: ״Ich weif! es nicht, es ' besteht aber jedenfalls die Möglichkeit, daß die Mandate später nicht mehr existieren werden.“ Die Zeitung meldet ferner, daß die französische Delcgation sehr daran interessiert ist, daß England an seinem Mandato in Mesopotamien festhält, weil sonst die französischen Interessen in Syrien nicht gesichert sein würden. Die Frage Palästinas wird in diesem ganzen Zusammenhang gar nicht erwähnt. ln den von ״United Telegraph“ veröffentlichten angeblichen Fricdcnsbedingungen der Alliierten lautet einer der Punkte: Die Mandate über Mesopotamien, Syrien und Palästina bleiben aufrecht. Die Naturalisation in Palästina Jer 115a lern. (J.C. B.) (legen 85׳/״> der in Palästina wohnenden Juden linbcn auf Ciriiml der Verordnung der, Obetkomnmsars die palästinensische Staatsbürgerschaft angenommen. Bei den restlichen 15 n> handelt cs sich 11m amerikanische und englische Staatsbürger, sowie auch um Angehörige des alten ״Jischub“, die ihre fraitzösischc lind spanische Staatsbürgerschaft ' behalten wollen. Die Wahlen zum Legislative •Council Jerusalem. (J.C. B.) Die Wahlen in den gesetzgilbenden Rat Palästinas wurden endgültig auf Anfang Januar festgesetzt. Die arabisdie Presse in Gemein- Schaft mit den Agitationsbüros der musclmanisch-christliehen Vereinigungen erneuten aus diesem Anlaß die aktive Kampagne für den Boykott der Wahlen durch die arabische Bevölkerung. Die Vertretung Italiens In Palästina Rom. (J.C. B.) Der frühere erste Rat der italienischen Gesandtschaft ln Paris, Commandorc Oalli, wurde zum Italienischen Vertreter in Jerusalem ernannt Commandorc Galii, der durch seine Sympathien für die zionlstisdie Sache bekannt ist, wird sich demnächst nach Paläslina begehen. Das Resfeuerungsrecht der palästinensischen Gemeinden Wie das J.C. B. aus guter Quelle erfahren haben will, Verhält sich das englische Kolonial-Ministcrium gegenüber jenem Teil des Autonomie-Projekts־ der jüdischen Gemeinde In Palästina negativ, der das Recht der Besteuerung der (icmcindcinitglledcr Vorsicht Die anderen Bestimmungen des Autonomie-Projektes finden, wie cs scheint, die Zu- Stimmung des Kolonialamtos, Man erwartet, daß das Oesetz ln nächster Zeit, wahrscheinlich ohne die Bestimmungen über das Besteuernrvgsreclit, offiziell bestätigt und veröffentlicht werden wird. (Ohne Bestcucrungsrecht Ist die ganze Ge- «neinde-Verfassung von höchst zweifelhaftem Wert. Der Jisehuw wird daher an dieser Grundforderung unbedingt festhalten. A. d. R. d. ״J, R“) Der von den dc11Uc11v״lki*srl1e1t Studenten ln Prag angczettelte terroristische Univvrt.ität'istreik, der den Rücktritt des jüdischen Rel,|«1rs erzwingen wollte, mußte am 25, November erf״l;׳lx)s abgvbroc.hcn werden. Noch 1111 letzten Augenblick schien cs als ob es die lXmtnelivölkKellen null Aeiißerste ankommen lasson wollten, doah hat eins Eingreifen der deutschen pailaiiicnt nischen I';11 leien scheinbar eine andere Wen dm 1g /icrlicigcfidnt. In einem Manifest fordert tlic Streikleitung zum Abbruch des Kampfes auf. Zu Beginn der Flugschrift heißt es: 1 ״Unser Kampt gegen den jüdischen Rektor Steinherz und die daraus entsprungenen Verhandlungen sind in ein Stadium getreten, das die vorläufige Einstellung 14 n sc res Aus stand cs für gut erscheinen laßt. Die Abgeordneten der deutschen Parteien, die sich an uns gewendet hat!en, werden in offenem Kampf gegen die Vcrjuuung tier deutschen Universität mit uns attlkrlinlb des akademischen Podens den Kampf weitertühren Noch zwei Tage zuvor hat die Streikleitung In deutsch'• nationalen D'.ättcm eine Kundgebung veröffentlicht, in der cs heißt: ״Wenn die jetzigen liberalen Machthaber der Prager deutschen Universität dem gesamten sudclcndcutschcn Volke gegenüber die Verantwortung dafür übernehmen können, daß sie seine nn der Hochschule studierenden Söhne relegieren, tun aus der Prager deutschen Universität eine jüdisch-zionistische zu machen, so mögen sie es tun. Es ist dafür gesorgt, daß die deutschvölkischen Hochschüler ar» r c i c I1 s d c 111 s c 11 c n Hochschulen Auf- 11 all ine finden mul das laufende Semester dort eiligerechnet erhalten. Wir beharren nach wie vor auf dem Rücktritt des jüdischen Rektors Samuel Strioherz, in dessen Rektorat xvir den Geßlcrhut des jiidi selten I in pcrialismus erblicken, den wir mit dem Mut und der Entschlossenheit unserer Jugend behaupten werden, komme, was da walle.“ Aus den letzten Tagen des Streikes ist noch na eh zu (ragen: Der akademische Senat, der in dieser ganzen Angelegenheit nicht sonderliche Entschlossenheit an den Tag gelegt hat, hat am 23. November sich endlich dam aufgcraflt, eine Kundgebung nn die Studenten zu richten, in der er die Studenten vor einer Wiederholung der Störungen warnt, «in der gewählte lind bestätigte Rektor niemals zum Rücktritt gezwungen werden kamt und darf. Der Senat erwarte von dor Reife und Be'onncnhc-it der Studentenschaft, daß nie angesichts der nationalen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedrängnis des deutschen Volke-, und seiner Universität die volle Wiederaufnahme des Shidienbetricbcs nicht hindern Wird. Sollte diese Erwartung getäuscht werden, so würde das Semester gefährdet, Prüfungen und Promotionen müßten unterbleiben, Abgangszeugnisse an fremde Universitäten könnten nicht erteilt werden. Eine von den Sozialdemokraten cinberufene Versammlung wirde von deutsrhnntionalcm Studenten gesprengt. Fine ,,Vcriraucnsknndjgebtmg“ der Professwcnschnft für den Rektor Steinherz wirilc nur von den ״liberalen‘' Professoren (fast lauter Juden!) unterschrieben, die deutschauischen Professoren gaben unverhüllt ilire Sympathien mit den Streikenden m erkennen. Ke jüdisehrvationale Studentenschaft hat die Intervention des Uiiterrichtoministero angemfen, da sie —■ wie der Ausschuß in einem Her icht airsführt —* sich n>id1t mit den Mitteln der Gewalt gegen den Terror schützen wollte. Der akademische Senat hat sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß von den jüdischen Studenten eine außerhalb der Universität stehende Behörde äugenden worden ist. Auch die ״liberalen" Studenten sind von diesem Schritt abgerflckt, der übrigens in jiidisclinalionnlcn Kreisen keineswegs gebilligt wird, wie eine Resolution des Jüdischen Natronnlratcs itud der Artikel der Prager zionistischen ״Selhslxvchr" beweist. I>ie jiidi selten öffentlichen Körperschaften haben 1׳u dem Streik Stellung genommen. Die Erklärung des J 0 di sei! en Nationalratcs lautet; 1״. Der jüdische Nationalrat Ist überzeugt, daß das terroristische, von Professoren offenbar begünstigte Auttreten der deutschen Studentenschaft demjenigen Geiste entspringt, der sich in Deutschland und in Ungarn durch rücksichtslose, ja sogar verbrecherische Akte äußert, daß dieses Auftreten auf rnsscnnntlscmltlschc Motive zttrückz.uführcn und als eine Aeußcrniig der großen, gegen die Existenz doa jüdischen Volkes grrichtetn» Aktion mit filier Entschiedenheit bekämpft werden ׳׳ muß. An dieser Ucbcrzcugimg kann auch di« Tatsache nichts ändern, daß dyr an diesem Kampfe teilnehmende dcutsclililicralc Teil der Judenheit zugleich — im Gegensatz zum grundsätzlichen Standpunkt des jüdischen Nationalratcs — einen Kampf um seine'Anerkennung bzw. Behauptung seiner Angehörigkeit zum deutschen Volke füiirt. 2. Ohne sich auf eine Diskussion über die Intervention der jüdisch nationalen Hochschüler beim Unterrichts minister ctnzulasscn, weist es der jüdische Nationalen( als illoyalen Trick zurück, daß die Intervention den jüilischnationalcn Studenten ehe« von denjenigen Faktoren 7u»n Vorwurf gemacht wird; die den jiidisclmationaicn Studenten durch Verweigerung der Aner- Keimung, durch Vorenlhaltiuig von Informationen und Nichtgcwähniiig des Schutzes Hoi früheren Vorkommnissen den Glauben an den guten Willen der Univcrdtütsbchördeii ge-!Kimmen haben. Der jüdische Naüoiialrat findet cs bcdaiicrliel», daß diese Kampfmittel gegen die iüdischnalionalcn Studenten auch von dcutsdulcmokratischer Seite angewendet wird, offenbar in der Absicht, eben im gegenwärtigen Moment die deutsche Solidarität gegenüber der jüdische« hervorzuheben. 3, Der jüdische Nntionalrat betrachtet es als «111c Pflicht, für ille ungekürzten Rechte der Hochscltülcr jtb bischer Nationalität, Iimbesondere für das Recht der tinbcheiligten Teilnahme an allen Zweigen des Hochschuistudnmis zu jeder Zeit mH seiner pnzen Kraft ciuzutrcien.“ In der Kultusgemcinde nahm der Präsident Dr. Stein in einer Rede Stellung, in de« er u. &. sagtet ״Ich bin überzeugt, daß jeder Kulturmensch dieses unkulturclle Beginnen verurteilt, und ich bin mir der Zu- Stimmung aller m dieser Repräsentanz vertretenen Gruppen 11ml der Zustimmung aller Mitglieder der Kultusgemeinde bewußt, wenn ich als Vorsitzender dieser Kultusgemcindc erkläre, daß auch im,ere Kiillusgemeiudc das Bestreben verurteilt, ein Mitglied innerer Rctigionsgemeind« wegen seiner Zugehörigkeit zur jüdischen Religionsgemeinschaft zu disqualifizieren, 111*1 daß in diesem Kampfe der An*. 11 äug er einer foi t .11! 1!(tliclK 11 tujd demokratischen Idee mit Anhängern de* reaktionären Mittelalters unsere vollen Synipatliim aut seiten der Vertreter der fortschrittlichen und demokratischen Uc.iiunmg hei Prot, Dr. Sleinherz sind und daß sie siel» auf das schärfste dagegen verwahrt, daß ein Jude wegen seines Judentums disqualifiziert werde,“ Für uns Ist am inlerc.sautcsten wohl die Frage, ob die Prager ,,deutsch-liberalen“ Juden aus den Ereignissen dieser erregten 14 Tage Irgend welche Konsequenzen zu ziehen Imstande sein werden. Denn dieser Kampf der DeuDellen ging nicht gegen das bewußte Judentum, er war vielmehr Abwehr der unerwünschten ״Assimilation", Rektor Steinherz ist seinem national eit Bekenntnis nach Deutscher und nicht Jude. Und das ist die bcvomlcre Pikanter* dieser Angelegenheit und vielleicht ihre besondere Tragik. Deutschland Frauenarbeit und Judentum Fräulein Bertha Pappenheim spricht zu dem Jftdischcn Frauenbünde über Aufgaben der jüdischen Frau In Deutschland. Sähe man nicht dis weiße Haar, sondern hörte nur die warme Stimme, die aus innerstem Herzen spricht, voll von Energie, Interesse und Eifer, man glaubte nicht, eine ehrwürdige alle I ran zu hören, die ein reiches volles I chcuswcrk hinter sieh hat. Und doch: diese Fülle von Erkenntnis, dieser tiefe Einblick in menschliche Dinge kann nur aus langem, engen Mitcrlcbcn kommen. Ein echt jü- <1 isolier Mensch, der bewußt jüdische Ethik und jüdische Tradition zur Grund,algc seiner Arbeit gemacht und auf dieser Grundlage in fünfzehn!,ihriger unermüdlicher Arbeit eine ganz Deutschland umfassende jüdische Frauenorganisation geachaftcn hat. ״Jüdische Sittlichkeit und Tradition,“ sag( Fräulein Pappenheim, ״muß die Basis des Jüdischen Frauenbundes bleiben,“ Aber gleichzeitig klagt sie darüber, daß die Jungen nicht mitarbeiten wollen. Sic werden zur Mitarbeit cingcladen, aber sic kommen nicht. Ist da nicht ein tiefer Grund vbr* banden, ein Zusammenhang mit der Einstellung des Frauen- Bundes gegenüber dem jüdischen Leben? Diese Frage, in der Diskussion gestellt, wurde nicht beantwortet, und ich stelle sic hiermit nochmals. Vielleicht beantwortet sie eine der Vertreterinnen des Frauenbundes. Das Interesse für soziale Fragen ist heute gerade bei jungen Mädchen und Frauen ein größeres als je vorher. Warum wollen sic gerade im Frauenbünde nicht mitarbeiten? Weil sic mehr wollen als nur Tradition, weil Tradition etwas Totes wird, wenn sic nicht aui-dem Leben geschöpft wird und mit dein Lehen verbindet. Fräulein Pappeaheim vergißt, daß für sic Tradition lebendiges Judentum ist, daß aber die junge jüdische Generation Deutschlands dieses lebendige Judentum nicht mehr als Erbe im Eltcrnhause empfängt. Die Verbundenheit mit dem Judentum, die wieder das Interesse an der Tradition belebt, muß daher auf andere Weise geschaffen werden, und zwar durch Weckung des Interesses an den großen brennenden Fragen des jüdischen Lebens. Der Frauenbund verschließt sich ihnen noch, wenn er aber als lebendiger Faktor irr» Judentum gelten will, so muß er diese Stellungnahme aufgeben, und dann wird er auch die Jugend für sich gewinnen, Die Aufzählung der Aufgaben des Frauenbundes war *ehr umfassend uml umschloß das ganze Gebiet der sozialen und erzieherischen Tätigkeit, Zusammenarbeit mit nichtjüdischen Organisationen, Arbeit in der Gemeindevertretung, Bekämpfung der Uiisitllichkeit. Wer wünschte nicht, eine Frauenorganisation zu sehen, die diesen Aufgaben mit jüdisch-sittlichem Ernste gerecht würde? Aber wie Ist das möglich, so lange mit keinem Worte der Palästinafragc, der jüdischen Wanderbexvegung, des ganzen Problems des Ostjudentums gedacht wird? Ein UneliiRCXvcihtcr, der 11er heutigen Sitzung beigewohnt hätte, w'ürdc glauben, daß die jüdischen Frauen Deutschlands in keiner Weise mit dem jüdischen Volke, seiner lebendigen Ge« genwart und seinen Leiden verbunden seien. Wie notwendig es ist, die jüdischen Frauen über die Zusammenhänge aiif/uklärcu, geht ans dein Beispiel^ de* jüdischen Mädchenhandels hervor. Fräulein Papnenheim erwähnte, daß sic bei der eben stattgefundenen Tagung der Mndchcnschutzvcrcine die einzige Jüdin war und beklagte den Mangel an Interesse gegenüber dieser so ungeheuer wichtigen Frage. Der Mangel an Interesse geht auf Unkenntnis dieser für das jüdische Volk so schmachvollen Tatsache zurück utvd die Unkenntnis wieder auf da* vollständige Losgelöstseiti der deutschen Juden von ihren östlichen Brüdern, die speziell vor dem Kriege bestand. Wa* wußte eine Jüdin ln Frankfurt öder Stuttgart \\1 n dem Leben einer Jüdin in Polen? Daß die Jüdimicn Galiziens und Polens ein großes Kontingent für den Müd* cliculinndel stellten, war schon eine bekannte Tatsache vor dem Kriege. Aber die jüdischen Frauen Deutschlands wußten nichts davon, weil ihnen das so ferne lag. (Ich meine hiermit nicht Fräulein Pappcnlicim, die Irrtümlicherweise meine Be- 111 erkling auf sich bezog, sondern nehme nur den von ihr, selbst den jüdischen Frauen gemachten Vorwurf der Interessekisig׳ kelt auf.) Nun hat die Wanderbexvegung von Osten nach Westen das Problem näher gebracht. Fräulein Pappcnlicim hat den Vorwurf der fntcrcsscloslg• kelt mich nuf die Zionisten ausgedehnt, und leider Ist cs richtig, daß in zionistischen Kreisen sozialer Arbeit viel zu wenig Bedeutung betgemessen wird. Zionistische Mitarbeit wäre wichtig für die Gestaltung im Innern und für die Beziehungen nach außen, zu d! 1 nichtjüdischen Organisationen, mit denen soziale Wohlfahrtsarbeit in ständige Verbindung bringt Hedwig Oellner. ן ו .־ % > r'1 1 I