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Jüdische Rundschau · 1922-11-28 · Heft 94 (28.11.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 94 (28.11.1922)
Date
1922-11-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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r:!to 61s r!! ז v n ז ז ז i ״ Jj v✓ 4 w f לץ n A U ran liefet den jüdisclinatio denn kein anderes Vol wie das jüdische Volk lalcn Block zustande zu bringen, ist so in Parteien zerklüftet Sehliclilich ist es aber doch gelungen, zum Teil wohl auch aus gewissen Nützlichkeitserwiigungen, denn z. B. die Vertieler der Orthodoxie wuflten wohl, daß sie ohne Zusammenschluß mit den Zionisten kaifm auf einen Wahkrfolg rechnen können. Nur mit den Voikistcn ist die Einigung bekanntlich nicht gelungen. Aber es 11.1t sich gezeigt, daß dies u\r endgültigen Kompromilticrung des Volkismus geführt hat. Wold hat Priiuzki ein Mandat erhalten, sonst aber hat seine Liste überall nur, den einzigen Erfolg gehabt, jüdischc Kandidaten zu Fall zu bringen, da in manchen Wahlkreisen gerade die paar Stimmen, die die votkislisclic Liste auf silh zog, die Wahl des jüdischen Majoritäts- Kandidaten verhinderte. Die Kampfesweisc der Voikistcn, die selbst vor persönlichen Verleumdungen gegen ihre jüdischen Gegenkandidaten nicht zurückschreckten, hat ihnen den Rest der Sympathien anständig denkender Juden gekostet. Die jüdischen Abgeordneten werden im Sejm einen jüdischen Klub bilden, dein vorausfciditlich alle Deputierten mit Ausnahme Prihizkis angehören werden. Diese Annäherung der jüdischen Parteien Ist eine erfreuliche Wirkung des Wahlkampfes, und sie wird wohl auch außerhalb des Sejin in Erscheinung treten. Es beißt, daß die Vereinigung der Parteien zu einer Einheitsfront nach außen in Font! eines jüdi- Beben Nationalrates unmittelbar bevorsteht. Es ist anzunciimcn, daß diese Annäherung auch in inner* jüdischen Fragen liervortrcten wird, nicht zuletzt in der Palästinaf rage. Besonders erfreulich an dieser Tat- Sache ist das Verhalten der Agudah, die gezeigt hat, daO sic jüdische GesamtintercssCn über ihre Treiimingstendenzen zu stellen weiß. Dies hat ihr allerdings eine Zensur von seiten des Frankfurter Zentralorgans ״Israelit" eingetragen. Der ״Israelit“ betont, daß die Agudas Jis* roel aus opportunistischen Gründen, um nicht leer aus- *־.?gehen, sich an dem Block beteiligen mußte, läßt aber durchbllcken, daß dieses Verhalten in Parteikreisen mißbilligt worden ist. Er selbst ist in der Kritik ziemlich maßvoll und spricht nur seine Zweifel aus, ״ob durch diese das religiöse Prinzip der politischen Zweckmäßigkeit unterordnende Taktik die Sache der orthodoxen Weltansdiauung in Polen auf die Dauer gefördert werden ist“. Der ״Israelit“ meint, daß die Gefahr dadurch gemildert wird, daß die Auffassung des Wahlblockes als eines rein technischen Zusammengehens auch folgerichtig durchgcführt wird. Wir verstehen das so, daß den ortho- <k>xcn Deputierten nahegelegt wird, nicht in den gemeinsamen jüdischen Klub einzutreten; was bedeutet es aber dann, wenn der ״Israelit“ fortfährt: ,,Jedenfalls, 35 Stimmen . . . fallen sehr ins Gewicht.“? 35 Stimmen fallen wohl nur dann ins Gewicht, wenn sie als gesclilosscncr politischer Machtfaktor auftreten, nicht aber, wenn sie innerlich zersplittert sind und ihre kleinlichen Vo ״ 11':) c י c r So erfreulich der l'rfelg 1'ir: .rr!,.;.,vferen für den Keren Käjcmcth unteriioimm'iK:״ Aktionen rrrh zu sein pflegt, und gerade wieder bei der letzten, der Ho::.11-1׳ Ins dt an alt ■Aktion gewesen ist, so dürfen wir doch damit nicht restlos zufrieden sein, weil bei diesen Aktionen immer nur mit halber Kraft gearbeitet worden ist. Immer hat nur ein Teil unserer Vertranenslculc die von der Berliner Zentrale air,gegebenen Parolen befolgt, w.tlirend der andere Teil bei dieser oder jener Aktion beiseite stand. Dieser Erfahrung entspricht auch wohl die Tatsache, daß die Leitung des Nationalfonds das Kontingent der Cbanukkah-Akf km auf nur 2 Millionen festgesetzt hat. Denn würden wirklich alle Vertrauensleute mitmachen — wozu cs ja noch immer nicht zu spät ist — I so wäre wohl die doppelte Summe oder jeden falls eine größere Summe 7.u erreichen. Es wird ven linieren Vertrmtcnslcutcn im allgemeinen nicht mehr bestritten, daß es möglich ist, bei jeder Aktion des N.-F. erhebliche Beträge zu bekommen, und soweit es für den einzelnen Fall doch wieder einmal nicht zugegeben'wird, hat bisher jede Aktion die beiseite stehenden Vertrauen:,teure eines Bessern belehrt Die Arbeit für den Keren Kajemeth wird tatsächlich dadurch immer leichter, daß der Kreis der für Palästina interessierten Juden sich ständig erweitert; dies ist besonders in der Zentrale an den bei jeder Aktion zum erstenmal neu auftretenden Namen unschwer fcstzusieilen. Diejenigen unserer Vertrauensleute, die der Parole, eine Aktion für den Keren Knjemeth durdizufiiluen, nicht Folge leisten, haben oft «als Grund angegeben, daß der von ihnen aufzubringende Betrag wegen der Entwertung des deutschen Geldes nicht lohne, und hiermit einen — für das deutsche Judentum!selbst gefälirlichcn — Einwand unserer Gegner übernommen, der tatsächlich auf den ersten Blick etwas verblüfft. Hierbei wird meist außer acht gelassen, daß ja die von einem Ort aufzuh ringende Spende nicht die einzige ist, die dem M,-F. aus dieser Aktion erwächst, und daß die Gesamtheit der Spenden, etwa 3 Millionen — mich Papicrmark, auch Kronen, auch polnische Mark — eine Summe sind, mit der man für Palästina etwas Nützliches, ja Notwendiges unternehmen kann, und deren Fehlen bestimmt eine Lücke im Aufbauplan hinterlassen würde. Denn cs ist klar, daß einmal zur Organisation des Keren Knjcmeili gewisse Organisationsaur,gaben gehören, die schon mit valulnrisch niedrigem Geld beglichen werden können, wodurch diejenigen Teile der Gulden, Dollars Und Pfunde frei werden, die sonst notwendig zu diesem Zweck hätten verwandt werden müssen. Es kann keinen Unterschied machen, oh mit meinem Geld direkt ,Boden erworben wird, oder ob dieser Bodenerwerb mit demjenigen Oelde vor sieh geirt, das durch mein Geld erspart wird. Wenn ich mir selbst nach Kräften beitrage, so bin ich eben an dem Land* erwerb. beteiligt, der mit den Dollars eines amerikanischen Juden vor sich geht. Ferner aber muß beachtet werden,, daß der Nationalfonds für seine ursprünglichsten Arbeiten wie Badcnverbcsscrung und Aufforstung Maschinen und Gerätschäften jeder Art braucht, die ebenfalls mit valutarisch niedrigem Oelde zu beschaffen sind, um dadurch auch wieder das ״bessere“ Geld für reinen Bodenerwerb frcizümadien. Es wird niemand leugnen können, daß ohne diese Gerät- , schäften und Maschinen der Aufbau Ercz-Israels nicht vor Sondcrinfercssen auch angesichts der gebieterischen For- ן sich gehen kann, daß also bei ihrem Fehlen tatsächlich derungen der jüdischen Gesamtheit in den Vordergrund 6cl1jcbcn. Wir hoffen, daß die polnische Orthodoxie, die sehr wohl die Stimmung der Massen und auch ihrer eigenen Anhänger kennt, sich von Frankfurt nichts wird dreinreden lassen. Der verhängnisvolle Einfluß deutscher orthodoxer Rabbiner hat sieb während der Okkiipationszeit in Polen zur Genüge gezeigt. Die polnische Orthodoxie muß, wenn sie volkstümlich bleiben will, den Weg zur jüdischen Gesamtheit zurückfinden. . Das Prestige der Zionisten ist in der jüdischen Gasse außerordentlich gestiegen. Es hat sich klar gezeigt, daß die Zionisten die wirklichen Führer einer, echten jüdischen Volkspolitik sind. Wir zweifeln nicht daran, daß cs ihnen gelingen wjrd, die Kraft des polniselten Judentums auch für die wichtigste Aufgabe der jüdischen Gesamtheit zu organisieren, für den Aufbau Palästinas. Eine Denunziation der Voikistcn Das In Warschau erscheinende jiddische Wochenblatt ״Das Volk", welches das eigentliche Organ Priluzkis kt, veröffentlichte vor kurzem einen Artikel, in welchem dem Abgeordneten Grünbaum vorgeworfen wird, daß er im Anfang des Krieges im Verdacht gestanden sei, eia deutscher Agent und Spion zu sein. Die antisemitische Presse hat dieses Argument mit Begeisterung aufgegriffen. Das antisemitische Hetzblatt ״Dwa Grosze“ veröffentlicht unter dem Titel ״Die Hand Grünbaums“ einen Artikel, in welchem sic sagt, kein polnischer Minister oder polnischer Abgeordneter dürfe einem Manne, dessen politische Vergangenheit so dunkel ist wie die Grünbaums, die Hand reichen, denn Grünbaums Hand sei beschmutzt — Die »,Voikistcn" können sich gratulieren. Die Antwort von den jüdischen Volksmassen haben sic schon bekommen: sie sind kläglich durchgefallcn. ״Nass Kurie!“ Organ der polnischen Zionisten Die Zionistische Organisation Polens hat das In polnischer Sprache erscheinende offizielle Organ der Voikistcn .,N a s z Kurier" durch Kauf erworben; um es in ein offizielles Organ der polnischen Zionisten umzuwandeln. Die Redaktion wird Berkclhamincr leiten. Ein Institut für Minderlieitsfragcn in feien Warschau. (J.C.B.) Die polnische Regierung hat das von liberalen polnischen Persönlichkeiten gegründete Institut zur Untersuchung der Fragen der nationalen Minderbeiten in Polen legalisiert. eine Lücke oder eine Verzögerung des Aufbauplans ein* tritt. Da man diese wesentlichen unentbehrlichen 'Dinge noch immer — auch rein wirtschaftlich betrachtet. mit deutscher und polnischer Mark sehr zweckmäßig kaufen kann, \ so zeigt sich, wie unentbehrlich die Sammlung des N.-F. in j Deutschland ist, ckr das deutsche Geld in praktischer Weise , in ״Goldwerte" für Erez-lsracl umwandclt. Wir hören ja; Immer wieder ans Erez-Israel, welche Bedeutung diese ״Goldj werte" im gegenwärtigen Moment haben. Und selbst wenn | ohne solche Umwandlung die direkte Verwendung irgend- 1 einer Valuta für palästinensische Zwecke erforderlich ist, *-; erforderlich aut der Notwendigkeit unseres Aufbaus — so kann nicht verkannt werden, daß selbst z. B. der geringste Ilodcnzuwaehs in Palästina von erheblicher Wichtigkeit ist. Wir ersehen aber," daß in der Regel jede ׳ Marksammhmg! Dollars frcimacht, die Zahl der freigemachten Mark kann schwanken, steigen oder fallen; die Freisetzung gehört zum planmäßigen Aufbau, und wenn größere Summen erforderlicli werden, so sind sic auch, wie wohl anerkannt wird, in vielen Fällen zu entbehren und zu erhalten. Es muß eben jeder nach seinen Kräften an seinem Ort sich beteiligen. Der Einwand der entwerteten Mark ist manchmal bei denen, die wir um Spenden angchen, nur ein Vorwand, sich um Spenden zu drücken, und darum, ist besonders vorstehend darauf cfngcgangcn worden. Unsere Vertrauensleute werden selbst noch manches aus eigener Erfahrung und eigenem Wissen hinzufügen können. Mögen sie sich insbesondere nicht durch unsere Gegner elnsdiiichtcrn lassen, die nicht begreifen, daß dieser Einwand mit Notwendigkeit zur Ein- Stellung jeder Spendentätigkeit auch für andere jüdische Zwecke in Deutschland führen muß. Der Keren Kajemeth ruft uns wieder einmal zu einer besonderen Aktion an die Arbeit! Unsere Vertrauensleute, die zu den stets wachsenden Erfolgen des Keren Kajemeth in Deutschland und damit zur wachsenden Tätigkeit in Erez- Israel beigetragen haben, werden hoffentlich diesmal nicht zurücktrctcn. Exzesse im Postner Gebiet Warschau. (J.C.B.) Während des Jahrmarktes in Mogilno, Distrikt Posen, überfiel ein Trupp von 11)0 jungen Burschen die Läden der jüdischen Kaufleute und raubte Waren im Werte von 10 Millionen Mark. Nur dank dem energischen Widerstand der jüdischen Kaufmannschaft hat der Ueberfall keine ernsteren Dimensionen angenommen.* Acht iixzedenten konnten verhaftet werden. Die amerikanische Judenhclt uni der Weltkongreß ז Die Exekutive des amerikanischen jüdischen Kongresses | hat für den 26. November eine IC o n f c r c n z nach New Vork cinberufen, zu der alle jüdischen Organisationen eiageladen sind. Die Konferenz wird sich mit der Frage des jüdischen Weltkongresses für Palästina zu be-. schäftigei» haben. Es wird erwartet, daß sich 530 Organisationen an der Konferenz beteiligen werden. U. a. werden Stephen Wise und Nathan Strauß Ansprachen halten. Als Resultat dieser Vcrsaimnlmirf soll ein Komitee zur Propaganda des Weltkongresses ei״i:csct/.l werden. Gleichzeitig werden eine Reihe ähnlicher Kiaifercm.cn «!11! Verr.animlungen in einer Anzahl von GroiTKKtcu Amerikas slattfmden. Der Jüdische V/l.-d :rauff):: Departement der a!eer!){,־mU:h-ji1 nmtee schreitet jetzt :-:!:r Grün: bank zwecks Erlernung <hr.; Hausindustrie. Die Leiin..״; .je׳; Jiidcnhcit die BebUikT'mi : \;1:׳ will die doppelte Ilöire 1 'de. ״r. 1 17 IL Das Wiederaufbau* ji .׳'nt! iriluition Com- ::״• jüdischen Gewerbe- 1 I;:nulwcrks und der f:;:’:,:rt von der Wiener hiiloaen Kronen; Joint;5 bercifstelica Kr. 0! .וווי».» .,1.111«^-»,״» ..,״,II 1 ־־■iiiimwi II.. I. .11 ZI *f ..... r~' , י ElIiiCl5d')11U Berlin, 26. November. Die letzten Wahlkämpfe I» den östlichen Staaten Haben die Paradoxie des einseitigen Nationalismus deutlich autge. deckt, Von den Völkern, die ihre Steilung als Staatsmchrluit^ als ,,Staatsnation“, zur Unterdrückung der Minderheiten he. nützen, sind die meisten in der unangenehmen Lage, Volks, genossen In einer Situation zu wissen, <lie der der Minder, heileu im eigenen Staate entspricht. Wahrend die Polen ihre eigenen Minderheiten vergewaltigen wollen, müssen polnische Vertreter im litauischen Sejm gegen die Entrechtung der Minderheiten protestieren. Während die I»tuischnationalcn eine ebenso erbitterte wie blödsinnige Agitation gegen di{ ,,Erciadrassigcn" entfalten und in den verschiedensten Pro. gt:, neu öffentlicher und geheimer Verbände die Forderung nach Austreibung sämtlicher Juden aus Deutschland den Glanz, punkt bildet, kämpfen Deutsche in Polen Seite an Seite mit den Juden um ihre Anerkennung als nationale Minderheit. Es ist das Verhängnis der nationalistischen Einstellung, daß, wenn schon das Schlagen verherrlicht wird, man nicht nur der Schlagende, sondern auch der Geschlagen« sein kann. Dennoch ist man nicht konsequent genug, diese Tatsache anzucikenuen. Schon die Ludcndorffsclic Philosophie kämpfte im Kriege für das Weißbluten des Gegners, wendet sieb aber jetzt mit entrüsteten Protesten und moralischen Gesten gegen die Sie;;er, die Ihren Sieg nach derselben Lehre ebenso rücksichtslos ausnützen. Läßt man das Prinzip als solches gelten, dann gilt cs eben für alle gleich, und will man sieh selbst vor den Folgen bewahren, geht es "hur durch Aufgebern des Prin• zips. Die naive Anschauung, ein Prinzip mir dann auzucr• kennen, wenn man selbst in der Macht ist, muß notwendig zun! Zusammenbruch führen. Insofern hat die Gemcnglage der ein• z.elncn Völkerschaften in Ost- und Mitteleuropa eine heilsamc Wirkung. Schon bei Betrachtung der polnischen Wahlen war es auffallend, daß die deutschnationalc Presse, für die doch sonst der polnische Jude die Inkarnation alles Bösen ist, das Wahlbündnis zwischen Deutschen und Juden in Polen als eine vernünftige Maßnahme anerkennen mußte. Die Solidarität der Unterdrückten geht hier über den einscitijcn Haß, weil die eigenen Interessen es gebieten. Die Polen, die in Warschau den" Feldzug gegen die staatsfeind• liehen Juden predigen, kämpfen in Kowno Schulter an Schultcr mit den Juden gegen den litauische 11 Rcchtsbrtich. Schon . während der Friedensvcriiandlungen wurde darauf hirge wiesen, daß die Juden durch ihr energisches Eintreten für den Minoritätenschutz auch den anderen Völkern einen Dienst erwiesen haben. Vielleicht könnten die Erfahrungen der letzten Wochen in Litauen und Polen wieder zeigen, welche allgemeine Bedeutung: der Schutz der Minderheiten hat und könnten die Völker, deie» abgesprengte Teile im Nachbarsfante in Minoritätcnstcllung sind, veranlassen, einmal auch objektiv über die Situation der Juden nachzuilenken. Sie könnten aus diesen Beispielen sehr viel lernen, wenn nicht die letzten Jahre uns gezeigt hätten, daß Völker eben nichts zu lernen vermögen und nicht lernen wollen. Irh bayrischen Landtag hat die mehrere Tage während« Debatte über die s!aalsgefährlichen Tendenzen der Natlona!Sozialisten der Oeffentlichkeit gezeigt, welchen Kurs die neue bayrische Regierung in der inneren Politik cinzuschlagen gedenkt. War cs schon von vornherein zweifelhaft, "bb die neue Regierung es wagen wird, gegen die rechtsradikale Elemente mit Entschicdcmieit vorzugehen, so hat die' Debatte bewiesen, daß die Regierung auch gesinnuugg• gemäß der äußersten Rechten ziemlich nahe steht. Wir haben kürzlich einen ausführlichen Artikel über das Treiben der bayrischen Nationalsozialisten veröffentlicht und jcdcn'Tag bringt die Tagespresse neue Nachrichten, die über den Charakter und die Tendenzen dieser Gruppe keinen Zweifel znlassen. Der bayrische Innenminister Dr. Schweyer hat selbst die naheliegende Parallele mit dem Fascismus gezogen; er behauptete, daß unter dem Eindruck des Mussolinl-Putsclics die Nationalsozialistische Partei einen gewaltigen Zustrom aus Arbeiterkreisen gehabt habe. Aber dieser Fascismus, der für jeden kons'ifulionellen Minister doch gleichbedeutend mit Umstürz und Aufruhr seilt müßte, wird vom bayrischen Minister- Präsidenten als ״Fidle staatscrhaltcndcr Kräfte und flammender Vaterlandsliebe“ charakterisiert. Alle Exzesse werden nur als gelegentliche ״Schlacken“ dieser im Grunde so ״vatcrländiselten" Bewegung bezeichnet und im N'u wird der Spieß umpcdreht, cs donnert ein Platzregen von Beschuldigungen auf da י׳ Haupt der Sozialdemokratie, die angeblich die harmlosen Hitler-Leute provoziert hat. Ueber die erwiesene Tatsache, daß innerhalb der Nationalsozialistischen Partei geheime miii• tärisch organisierte und bewaffnete Sturmtrupps existieren, die u. a. auch dem Kampf gegen die Juden dienen sollen, scheint der Regierung nichts bekannt zu sein (vielleicht gilt sogar die Erinnerung an diese Tatsachen in Bayern als Landesverrat?). Und doch wurde gleichzeitig mit der bay- . risthen Landtagsdebatle in Preußen auf Grund'des Gesetzes zum Schutze der Republik die Nationalsozialistische Partei, die ihr Zentrum in!München hat, verboten, wobei besonders aui die Existenz der ungesetzlichen Sturmtrupps hingewiesen wurde? Herr Dr. Schweycr aber erklärte demonstrativ, daß ein Anlaß zur Anwendung des Schntzgesetzes in Bayern nicht vorhanden sei. Die Dinge gelten also weiter ihren Weg, und clic Interpellation hat bewirkt, dal] die Nationalsozialisten moralisch gestärkt aus dieser Anssprache hervorgehen. Es bedarf kaum der besonderen Erwähnung, daß die Debatte den rechtsstehenden Rednern (auch der Bayrischen Volkspartei) Gelegenheit zu antisemitischen׳ Ausschweifungen in reichem Maße bot. Der Minister des Innern hat allerdings ein Einschreiten gegen die antisemitischen Gewalttätigkeiten ln Aitssicht gestellt. Die jüdische Oeffentlichkcit erwartet, daß diese Zusicherung in ernsthafte Maßnahmen zum Schutze der Juden umgesetzt wird, 'da wir sonst bald zu einem Zustand kommen werden, der auch für den Staat verhängnisvoll; werden kann. , Die Berliner Gemcindcwattlen . Gegenüber den Mitteilungen des ,,Israelit“, daß die Ver״ Handlungen über die Aufstellung eitler Einheitsliste für di« Rcpriiscntantenwahlen der Jüdischen Gemeinde bereits zum Ziele geführt haben, erfahren wir aus den Kreisen des Gemeindevorstandes, daß die Verhandlungen noch nicht zum Abschluß gelangt sind, cs sind noch einige letzte Schwier!(!• | Leiten zu behebe tu Mit einem Zustandekommen des Kompromisse! wird aber allerseits gerechnet•

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