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Jüdische Rundschau · 1922-11-24 · Heft 93 (24.11.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 93 (24.11.1922)
Date
1922-11-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 03 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 613 n •Hier 511 dPr 1-ieh(» 'Hi.iiti. "'ird, er iijf Vcr. ו daß ' l!111 I *ann| | dlidi« «rtikcl!•־ifrU(*!! m ini lafrika ' tmtcr- Cilickt ־; Vor. d tu i* di« ä i ped ua. fände. < e Ar-;; ae die | crung | a ׳*mite 0 Er• lionen bereit vom I die mich, So D• aus• Solche irdea ecken erde« sie• väh. :n sie tnheit rngen ,rnlK-r!i b e r ',•«ule• 11 um! •I ••ite vom;!<*1t«־r stinan.tdi ligore m,1111t I «kr nlen. 1m׳rt!liilflt aus Ende »״*«!Ml# ilu" . י,1 11׳ nlen. eine reist Vüri an le״d!«eil. [»iclc An״ den L. An*;lern ״,1 ia i'cevon im* den die aii“ Jor Jen eit lCht iicli die ear ein tlc “11, 11c:!er 011 •11, :11 II. a* üaitücbland ״ReIi״lon und Nation“ Seitdem der jüdische Liberalismus in Deutschland zur Auseinandersetzung mit dem Zionismus gezwungen war, hat er wiederholt versucht, sich nnl die Propheten zu berufen, die das nationale Judentum innerlich liberwunden und die universalistische Aufgabe der jüiliscben Gemeinschaft in der Diaspora verkündet hätten. Von zionistischer Seite ist immer wieder darauf hingewiesen worden, wie irrig diese Anfügung bt, wie die Propheten überhaupt nicht vorstcll* bar sind ohne de» festen Boden des Volkstums 1md des Landes,_ aus dem sic hcrvorgcgaiigeti sind, daß für sic die 1!ussianisehc Bewegung und die׳ Einigung der gesamten Menschheit im Cilaubeii an den Gott Israels stets unlöslich mit der HoNimng auf eine Konzentrierung des jüdischen Volkes in Erez-Israe! verbunden war. Es ist bemerkenswert, da(! die Richtigkeit dieser Gedankengiingc sich wie so viele andere zionistische Anschauungen auch in liberalen Kreisen durclizusctzen scheint. In der jüdisch-liberalen Zeitung vom HL November hat sich Dr, Cobicnz, der Rabbiner an der Berliner Reforingemeindc ist, wieder einmal mit dem Problem ״Religion und Nation״ auscinandcrziisctzcn versucht. | r geht dabei von den Propheten aus und kommt zu dem Ergebnis: ,,Deshalb forderten sie zwar das Gute als den Inhalt und das Ziel aller menschlichen Lebensarbeit, aber sic richteten diese Forderung zunächst nur an ihr eigenes Volk, denn das Zukunftsreich der Menschheit konnte auch nach ihrem Glauben nur aus einem Volk herauswachsen.״ Wenn Dr. Coblenz von seiner richtigen Prämisse aus logisch weitergegangen wäre, hätte er zu anderen Kon- Sequenzen kommen müssen, als die sind, die er im weiteren Verlauf des Artikels auseinandersetzt Dr. Cobicnz erkennt, dal! auch heute jüdisch-religiöses Leben nur auf dem Boden einer Volkskultur möglich sei. Er gibt also damit endgültig die Theorie auf, die einen von allen nationalen Bindungen losgelösten Bund der Menschen als jüdische Rcligionsgemcinscliaft bezeichne״ will und verstellt, daO Religion, wie jede, Kultur, historisch im Boden einer bestimmten Kultur wurzeln muß. Nun aber stellt er dem Ostjuden, bei dem ein nationalcs jüdisches Leben als Grundlage vorhanden ist, dem westliehen Juden und dem Amerikaner gegenüber, wo das Ziel tin anderes sein muß, die Schaffung eines Judentums, das auf der jüdischen Tradition und der Landcskul• tur sich aufbnut. ״Jüdisch nationales Judentum 8 d c r deutsches Judentum“ ist für ihn die Parole, und des Wesen dieses deutschen Judentums sicht er in yiclischer Tradition und deutscher Kultur verkörpert. Wer das Werden eines Volkes und seiner nationalen Kultur einmal mit wachen Augen in der Geschichte verfolgt iiat, wer cs vor allem im jüdischen Volk beobachtet hat, der wird vor dieser Konstruktion erstaunt den Kopf schütteln. Dr. Coblenz gibt heute zu, daß Religion nur auf dem Boden nationalen Lebens gedeihen könne, aber er hat noch vergessen zu fragen, ob jede Religion auf dem Boden jedes Kultur- und Staatslcbcns gedeihen könne, 011 nicht vielleicht geheime Vcrhindimgsfädcn existieren, die bestimmte Völker mit bestimmten Kulturen und Religionen in Verbindung gebracht haben. Der begriff der jüdischen Religion ist ja letzten Endes nur eine Ui bertraguiig fremder Begriffe auf die jüdische Welt Ls gibt keine jüdische Religion, sondern cs gibt nur eine lu Jahrtausenden entwickelte jüdische Ocsamtauflassung, die sich ebenso auf das Verhältnis des Menschen und des Volkes zum Ucberirdischcn wie auf das Leben dieser Menschen unter, einander und in der Verbindung mit ihrem Lande erstreckt, Wenn inan beute glaubt, daß ein Teil dieser jüdischen Mensehen unter Aufrcchtcrhaltung dessen, was Dr. Cobicnz. nicht Ranz deutlich als jüdische Tradition bezeichnet, im übrigen aber auf dem Boden deutscher Kultur ein jüdisches Leben führen könne, wenn man auf diesem Wege wieder zu einer Blüte jüdischer Religiosität kommen will, so bedeutet das eine vollkommene Ncirsclialfung, bei der von Jüdischer Tradition wohl wenig übrig bleiben dürfte. Was wir bisher gesehen haben, beweist, daß das deutsche Judentum, seitdem « nicht mehr n.iüonales Judentum ist, auch aufgciiört hat, ו■'—■■ ויו״וו ■>—• י■«•■ ■"■י.. -■;■■ווו■...11 ] berg, die ebenfalls auf die großen Verdienste der״Hnbimah״ liinwicscn. Zum Schluß tnigcn die Künstler der 1״ labiinab‘ einiges aus ihrem Repertoire vor. So Fräulein A w i w i 111 eine kunstvolle Deklamation von Scliir Ilnschirim und einiges von Bialik, Herr Halevy die Szene aus Pinskis ״Der ewige Jude", wo der jüdische Hirt seine •Erlebnisse im leide bei der Nachricht von der Zerstörung Jerusalems dem V'olkc erzählt. Die Szene machte auf die Zuhörer einen liefen Eindruck. Einige Dankworte an das Publikum ln Berlin und die Versicherung, die hier empfangenen Ge• fühle und Huldigungen an die Chawerim in Moskau weiter״ «geben, schlossen die würdige Feier. m. K. Vom JTidischcn Kfmstlertlieatcr Hirz GroßbartU und Frieda Bluineiitlial in Berlin Ein großes Verdienst um die jüdische Kulturarbeit in Berlin bat sielt die Gruppe Ost der B. Z. V. und besonders deren ruiiri״er Leiter, I lc*rr Hugo WoI f e r m a im, erworben. Am 8. No.r!:her f.iivl ein Voriragsabntd von Herz Groß hart 11 und Frieda BI u tu c n 111 a I vom Jüdischen Küiistlerthcaier statt, das augenblicklich in Wien weilt und das im Vorjahre den dinier über in Berlin gespielt hat. Leider wird cs infolge großer Schwierigkeiten kaum möglich sein, daß das Theater wieder in Berlin spielt. Um so größer war unsere Freude, <hß •vir diese beiden, die 1ת seinen hervorragendsten Mitfclkdem zähle;!, wieder in Berlin begrüßen konnten. Dem vol'besctzten Saal gab Herr Dr. Hildesheimer «nächst einige einführende Erklärungen. Diese _kurz.cn Inkctlsangabeu der Vorträge soll teil denen, die die jiddische Sprache nicht so leicht verstehen, die Möglichkeit geben, *'sh leichter hinciiizufiridcn. Für viele unserer Freunde war 1י« ia kaum 1v>.11׳ nötig. Sie sind־ dank der vorjährigen Spiel- «11 I i:v:;st so weit interessiert und vertraut mit der jiddischen וי־ radie uni Kunst, daß sie ohne Schwierigkeiten, ganz dem ״utuigcmift hingegeben, den Vorträgen folgen können. Die Künstler empfanden das auch sehr deutlich und kannten zu wer Zufriedenheit feststcllen, daß der Konnex mit dom Pubh* *wm viel ieichicr uivJ besser geworden ist. , Aus der reichen Vorlragsfolgc ncmic ich vor allem die «ran-atische Szene ״Mtisser" von Penez. Aiilpleckt und der *rhabbesgoj (Perez) und die reizende Groteske von Nadir. Es wurde wirklich eine Auslese des Besten der jiddischen Literatur geboten, das uns das ganze Seelenleben des Juden, Ostjuden ©Ifenbart. Das Traurige, da« Ernste, das My; religiös zu sein, daß sein religiöse* Leben *Ich In einem Zimtand der Erstarrung befindet, daß seine Schulen verödet liegen, daß seine Kultiisbcamlcn nicht mehr leben können. Das ist das Ergebnis eines deutschen Judentums, das sich von den Bindungen mit den jüdischen Menschen und dem gesamten geistigen Inhalt de» Judentums loslüst, um ein eklektisches Judentum dem deutschen Kulturboden aiitzupflanzen. Wir wollen holten, daß die Intensivere Frage- Stellung, die im liberalen Judentum der letzten Zelt nicht zu verkeimen ist, bald zu klareren Antworten kommen wird. Jede Religion ist aus dem Gcsanitlcbcii eines Volkes organisch erwachsen; das gilt von unserer eigenen Religion in verzehn- Lichtem Maße, Wer eine Wiedergeburt jüdisch-religiösen Geistes ersehnt, muß dafür sorgen, daß jüdische Menschen wieder unter den normalen Bedingungen eine* Volkstum» leben können. F, L Mittwoch, den 29. November, abend» 8 Uhr In der Aul» der 4. PfllchlforJblfcJungsichule, Gcorgenitraft« 30/31 (Bahnhol FrledrlchstroDe) von Herrn Mor.es Schaplro aut Palästina (Mitglied des Waad poel merkail des Qdud haawodah) Uber: .MsMnisation und ßcnossenscuaitsleweßuc Stinncs und Rathenau Der Berliner J. C. D.-Vcrlrclcr wandte sich an Hugo Stinncs mit der Bitte, seit» Verhältnis zum Judentum gegenüber der jüdisclien Ocffentlichkeit darzulcgcn. Der J, C, n.-Vcrtrctcr wies hierbei auf die vcrschicdeutlieh zirkulierenden Gerüchte hin, die von einer antisemitischen Gnuidstimnning Hugo Stinncs' und seinem persönlichen Antagonismus gegen den ermordeten Walther Rathenau zu erzählen wußte. Hugo Stinncs erklärte, es sei ihm erwünscht, die Möglichkeit zu erhalten, der jüdischen Ocffentlichkeit über seine Beziehungen zuni Judentum undzuWalthcrRathcnauAufschluB zu geben. Doch falle cs ihm schwer, besonders sein Vcrhiiltiiis zu Rathen;111 persönlich auscinandcrziisctzcn. Er habe deshalb eine ihm nahestehende Person, die ihn auch in der Regel gegenüber der Auflcinvclt vertritt, beauftragt, dem J. C,!!.-Vertreter die nötige Aufklärung 7.u geben. Diese Persönlichkeit gab nun dem J, C, B,•Vertreter die folgende Darstellung: ״Stinncs und Rathcnau waren ohne Zweifel politische Gegner und pflegten auch in wirtschaftlichen Fragen auscinniKlur/iigelieii. Rathcnau war im gewissen Maße Anhänger der Sozialisicrungsidcc, während Stinncs konsccjiicnt gegen ein Milchcs System angek.'impft hat, Dcniioeh hat Stinncs von jeher eine tiefe Sympathie zu Rathcnau gehabt, wie überlumpt /wischen den beiden gute freundschaftliche Beziehungen geherrscht hatten. Diese beiden begabten Menschen pflegten mit Vorliebe stumkiilmige Unterhaltungen über politische und wirtschaftliche Probleme, und oft kam e* vor, daß solche Diskussionen bis spät in die Nacht hinein ausgedehnt wurden. Vielleicht am bcslcn werden diese Beziehungen durch ein interessantes Faktum illustriert, welches einen Tag vor der Ermordung Rathen,aus passiert war und bis heute der Ocffentlichkeit nicht bekannt Ist: Iler amerikanische Botschafter In Beilin hatte den Außenminister Walther Rathcnau zu einer politischen Unterhandlung ciiigclnden, in welcher der Standpunkt der deutschen Replcriiug 111 der Reparntioiislrajje fixiert werden sollte. Walther Rathcnau fand es für nötig, Hugo Siiimcs zu dieser Bespri'chung mit ciiizulnden, damit er ihn in seinem Standpunkt iinbrstiit/t, da ja doch diese beiden stanlsmänniscli begabten Minner darin vollkommen iibereinstimmten, daß Deutschland in keinem Falle die ihm im Versailler Vertrag ... ■.!■■■....... .... ... "יי.■"״ "'־.. stisdic, «las Heitere, Ironische, das harmlos Na Iw, nllcs lnt seine eigene No'.e, es geht uns aus Herz, »11:11 wenn wir es lesen mul nachfiiliicn. Die Vermittlung durch diese Künstler aber wirk* toi! reiße ml und fahrt Uns das eine Leben in greif• bare Nabe. Es ist eigentlich nicht mehr notwendig, diese all;;r111ein anerkannte Kunst der Wl'n.ier Schauspieler noch be- Minder* hervor /!!heben, Wo sie hiiik.micn, in l).'11K.!!ln111t und auch in;uubrcti l.iindcn», überall das ttbcrciiislimmciidc Urteil: grolle etlite Kund. Wir, die wir in Berlin sehr verwöhnt sind «furch' glänzende LelMunge» der STimisnieikunst 1»ml gewohnt s'nd, einen sehr streu •eil Mafhlnb auzulegeii, mü**«11 gestehen, «laß diese Darbiedmg jeder Kritik stamlhiilf. Audi die Sehwicr'gkcilcn, «lie siih oft Mitgliedern der Bühne bieten, wenn sie im Vortrag־:- «aal auf «lern Podium »teilen, sind *dir glücklich iibcrwtmden; die (je•i'ikdmfiUilHdung, «las f>ekla11!atorlsd1e kommt «lein llürer kaum ziun Bewußt'ein. Alles, Sprache, Mimik, Bcvve•;•!mgeii sind so liannolisch gestaltet, (fall «las Dargcbotetic in stärkster Vernwerlii 111mg zu 11 1s dringt. Alles Ist maßvoll ge• halten, kein S.hreieii, kein Flu;um, keine AufilrmgErhkcit der Bewegungen, sondern eine ruhige Abgeklärtheit der• ganzen Vorträge» mit unendlichen Mftg'idikeiten <lcr Veränderung in w,•nehmen Grenzen *hüten eine Atmosphäre dt» Natürlichen, des üiaubbaficik Ein ß'icl:, der Klang eines Wortes, eine kleine kaum merkliche Bewegung der Idäinfc rütteln um auf und führe» au die feinden Saiten unseres Herzens, Diese Kunst, die das jüdische Volks'ebctv zum Sujet hat und die uns durch wtir/eiliafle Juden vermittelt wird, ist so eigenartig, daß ihre Wirkung letzten Endes — ähnlich wie die Musik — mit Worten nicht dar/ustcllen ist. Die HebniMeruiKT, die das nationa'e Judentum fordert, ist nicht so weit fortgesdirillcn, daß wir über ein hebräisches Theater verfüge», Solange hebräische Schauspiel- und Vortragskunst bei 1015 no.fi nicht heimisch sind, müssen wir dankbar’ die jiddische Kirnst als nationales Kulturgut schützen und pflege». Nachdem jahrzehntelang alles Jüdische durdh widerliehe’ niedrige Possen und Reißer auf der Bühne diskreditiert worden ist, müssen wir diesen Künstlern Bewunderung *allen, die durch eine großartige Darstellung die edelsten׳ Blüten jti• Bischer Literatur zu Ehren! bringen, ״Wir leben ganz unserer Kunst, sagt Frau Blu.ncntl1.1l, und wir werden ihr nie untren werden." Denn genug Versuche sind schon gemacht worden, diese Größen an bekannte europäische Bühnen zu fesseln. Aber deutsch oder iruiwödsch zu spielen Ist nicht ihre Starke, allein ihrer jüdischen Seele wollen’ sic Ausdruck verleihen. Darum nochmals Dank diesen Mitt’crn jüdischer Werfe. aulerlcgten Verpflichtungen erfüllen könne, Der Meinung*, unterschied bestand nur darin, daß Rathcnau, um die Zah• lungsuiifiihlgkelt zu beweisen, dafür war, daß der Versuch zur Leistung In jedem Falle unternommen werden muß, während Hugo Stinncs eine solche Taktik für gefährlich ansah. Es war 10 Uhr am Ahcnd, als Rathcnau Hugo Stlnne* Im Hotel ״Esplanade" anklingeltc und Ihn bat, siel» mit Ihm gemeinsam zum amerikanischen Botschafter zu begeben. Rathcnau kam bald darauf ins Hotel, von wo sich die beiden in das amerikanische Botschafts-Palais begaben. Nach dem Besuch beim Botschafter begleitete Rathcnau Stinncs in sein Hotel zurück und fuhr dann allein nach Hause. Bis t Uhr nachts unterhielt sieh Slinncs mit mir über die Eindrücke dieses Abcnth und äußerte sich mit starker Sympathie über die Persönlichkeit Ratlicnaus. Am Morgen darauf erfuhr ich als einer der ersten über Rathenaus Tod. Als Ich dies Stinncs gemeldet hatte, ward er sehr verstört, wie ich ihn noch niemals gesehen hatte." Zum Schluß gab die Hugo Stinncs nahestehende Persönlichkcit in Stinncs’ Namen dem J. C, B.-Vertrefer die bestimmte Versicherung ab, daß er (Stinnes) niemals Antisemit gewesen sei. Er stand zahlreichen jüdischen Persönlichkeiten politisch wie persönlich sehr nahe, keinem von diesen fiel cs je ein, Stinncs des Antisemitismus zu verdächtigen. Zum Schluß erklärte die Persönlichkeit: ״Stinncs nimmt in Deutschland eine sehr exponierte Stellung ein; er hat viele Gegner und sogar Feinde. Die Gerüchte über sein feindseliges Verhalten zum Judentum und besonders zu Rathcnau werden durch eben diese Gegner aus dem Grunde verbreitet, um sein Prestige in gewissen Kreisen zu schädigen und seine allgemeine Position zq schwachen, Das eben geschilderte, unmittelbar vor Rathcnau« Tod vorgekommene Faktum widerlegt am besten alle die erwähnten Gerüchte." A. d, R. d. ״J. R": Wir nehmen mit Befriedigung zur Kenntnis, «laß Hugo Stinncs Wert darauf legt, der jüdischen Ocffentlichkeit rnitteiien zu lassen, daf) er kein Antisemit sei. Schade, daß er dabei nicht die Gelegenheit benutzt hat, die Angelegenheit des Briefwechsel mit Knüppel-Kuntze wegen Subventionierung eines antisemitischen Hetzblattes auf. zuklärcn. Wir hoffen, daß Herr Stinncs die von ihm de. klarierte Gesinnung auch mit seinem ganzen Einfluß vcr• treten wird, wozu im heutigen Deutschland ja vielleicht Ge• legenheit ist. Eine ״Jüdische Notgemeinschaft" Im ״Hamburger Israelitischen Familienblatt" veröffent* licht M. Steinhardt einen Apncll an die deutschen Juden zur Gründung einer jütlBchcu Notgemeinschaft, als deren Aufgaben er neben der Hilfe für Alte, Invaliden, Witwen und Rentner besonders auch die Fürsorge für Kultusbeamtc, Rabbiner, Lehrer und Kantoren bezeichnet, deren Gehalt, wie bekannt, heute unter «lern notdürftigsten Existcnzrainimum bleibt, ferner die Erhaltung der bestehenden jüdischen Er״?ichungsamtaltcn und Waisenhäuser und die Fortführung der Hochschule für die Wissenschaften dev fuclcntimis, für die ebenfalls keine genügenden Geldmittel existieren. Wir brauchen wohl nicht zu betonen, daß wir dem Vorschlag von Herrn Steinhardt, dem verdienstvollen und rührigen Leiter des Jüdischen Lehrerverb,indes, mit Sympathie gcgenübcrstchcn und eine ernsthafte AusrittandcracUui:£ mit seinem Vorschlag« für notwendig halten. Rabbiner Frefmann bleibt in Posen Berlin. (J. C, B.) Der nach Bcr'in bor.tfem׳ Oeme'nde• rnbbincr Dr. r reim an 11, Poren, dem in Berlin bc• sonders die Fürsorge für die Ritualien unterstellt werden rollte, hat den Vorstand der Berliner Jüd1«׳hcn Gemeinde benachrichtigt, daß er «len ehrenvollen Ruf nicht an• »ch me 11 könne.!זי, Freimatui, <le:1 üic Posener Jüdische Gemeinde mm Oherrab'.ircr ernannt hat, craclnci ei as sein■} Pflicht, mit Rücksicht auf die besonders gearteten IVszner Gemciivdeverliältniisc, d.c Pose »er Gemeinde jetzt n,:ht zu verlassen. ״Der Hammer" verboten. Da* in!.einzig vna Th. Frietscli her.111sgcgei>c!•je antisemitische Hetzblatt ״Der JI,immer" ist bis mm 1'!. Januar, gemäß dein Gc-ctze zum Schutze der Republik, verboten worden, ys—*mmwi» ■■»!—jw*1——»««*«*■י*^^^^—»•יו***^^ Wie wir höre», wird voraussichtlich' in nächster 7e't der VorlragsnbciKl im Westen Berlins in ähnlicher We.10 wiederholt werde» Der Etlolg de! Wilnner jüdischen KünsUcrilieatefS In Wien Wien. (J.C. B.) Der große künstlerische Erfolg def Wilnner jüdischen Truppe auf der ״R 0 I a n 11 b ii h 1ז e" zu Wien wird von der Wiener Presse Ininicr wieder konstatiert und ihre Leistung als das schönste kiin!tierische Erlebnis seit vielen Jahren bezeichnet. Die bekannte Wiener Theater. Zeitschrift, «lic ״Komödie", gab zu Ehren der Wilnacr Qruppc chic »inviellc Nummer her,ms, deren Text und Illustrationen ganz den jüdischen Giisteu gewidmet sind. Max Rclhhardt, der sieli sehr begeistert ttlier di« Leistungen der Truppe ausgesprochen hatte, lud das Mitglled derselben, Herrn Morewski, ein, in zwei von ihm inszenierten Shakespeare-Aufführungen die Rollen de* Shylcck und des Königs Lear zu spielen. PalSsiln«• Kunst-Abend Am Montag, den 27. November, 8 ,Öhr abends, findet Im Bltithncr-Saal ein vom Hapoel-Hazair veranstalteter Palästina* Kmislabend statt, für «len L. Friedmann-Lwow׳ (hebräische Lieder), B. Agadatv (Tänze) und Robert Felix Mendelssohn (Cello) ihre Mitwirkung zugesagt haben, Eintrittskarten bei Bote ft Bock, A, Wertlieim und Buchhandlung ״Jalkut", Kantstr. 4G. Näheres siehe Inserat. ,.Das neue Palästina" Die Nummer der ״Berliner Illustrierten Zel״ tung" vorn 19. November enthält einen Artikel Dr. Manfred Georgs ״Das Neue Palästina‘*, der einen kurzen Uebcrblick über die politische Stellung und Entwicklung Pa• lästinas während der letzten Zelt gibt. 1m Anschluß daran wer״ den sichen Photographien aus dem neuen Palästina, die Herd« slraßc in Tcl-Awivv, jüdischer Wächter, die Zeltlager der Kol«»• nisten gegen räuberische UebcrfüJle der Araber beschützend, Tabakpflanzungen in Ein Harod, Eingang zu einer Musterfarm, in Daganiah, Musterfarm in Daganiali, Farm in Kincrctb und ein Kindergarten wiedergegeben.

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