Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1922)
- Date
- 1922-11-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 604 JUEDISCli 1: RUNDSCHAU \ Nr 8f die staatliche Bcso'dungsordming den Gemeinden eindringlich empfohlen wurde. Die Rabbiner sollten danach in Gruppe X und XI, die Kantoren in VIII, IX und X, die Rcligionslchrcr je nach Vorbildung in V bis IX, Schiichtbeamte in IV und V cingcrciht werden. Der Verband gewährt Zuschüsse 7.u den Gehältern unter der Voraussetzung, daß die Gemeinde 10 <V0 der Reichs• und Landessteuern erhebt und ihre Beamten nach den von Verband empfohlenen Sätzen cingerciht hat. Die Zuschüsse des Verbandes werden jedoch nur bis zur Ergänzung auf 75 «0׳ der staatlichen Gehaltssätze ergänzt. Dann berichtete der Verbandssyndikus, Rechtsanwalt Flaschner, über die Altersversorgung der Beamten und die Fürsorge für ihre Hinterbliebenen. Auf Antrag des Berichterstatters wird die Frage einem dreigliedrigen Ausschuß, bestehend aus Rechtsanwalt Dr. E. Straus״ Ober• lchrer Slo.l und Rechtsanwalt Flaschner übertragen und die endgültige Beschlußfassung dem Ständigen Ausschuß der Tagung überwiesen. , Die antisemitische Avantgarde Der ״Frankfurter Zeitung“ entnehmen wir nach- Hellende Schilderung ihres Münchener Korrespondenten über das Treibet» der bayerischen National- Sozialisten: Unter den antisemitischen Organisationen ist die ״Nationalistische Deutsche Arbeiterpartei“ am׳ aktivsten und skrupellosesten. Ihr Auftreten in Koburg und anderen Städten entspricht der Methode, die sie in der bayrischen Haupt- Stadt, die von ihr als ״die jetzt deutscheste Stadt“ gcrühmt wird, zu üben pflegt. In der Rätezcit entstanden, als der Name ״Sozialismus“ in München noch auf der Str3ße Geltung hatte, hat sich diese Organisation unter dem Regime Kahr ungestört entwickeln können, und ihre Beziehungen zur Polizei unter dem Präsidenten Pöhner haben ihren Sturmabteilungen und Sprcngkolonnen ein nur selten und energielos gestörtes Betätigungsfeld in Versammlungen und auf der Straße gesichert. Ihr Führer Hitler, dessen Demagogie und diktatorisches Auftreten ihm eine blinde Gefolgschaft verschafft haben, war wegen Landfriedensbruchs, begangen durch gewalttätige Sprengung einer Versammlung una Mißhandiung des Redners, zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt worden, aber dank den Freunden, die seine Bewegung auch in einflußreichen Kreisen besitzt, konnte er ״mit Bewährungstrist“ das Oefängnis schon nach einem Monat wieder verlassen und ungehemmt seine Hetzreden halten. Die von dem Minister Schweyer ״erwogene“ Ausweisung — Hitler ist gebürtiger Oestcrrcichcr — kam nicht zur Ausführung, und daß auch jetzt noch die Nationalsozialisten in der Polizei Freunde, Schützer und Mitglieder haben, dafür ergeben sich immer wieder Belege. Die großen Demonstrationen, mit denen während des Konfliktes Bayerns mit dem Reich die Nationalsozialisten die Fortführung des Widerstandes gegen die Schutzgesetze und den Rücktritt des Ministerpräsidenten Lerchcnfeld erzwingen wollten, waren ״Generalproben“ für den Entscheidungskampf. Die Nationalsozialisten haben kein einheitliches positives Programm, weder ein wirtschaftliches noch ein politisches. Ihre Starke ist eine Dcmogagie, die sich in maßloser Beschimpfung der gegenwärtigen Staatslciter und der vorhandelten Zustände erschöpft. Im Kampf gegen den ״jüdischen internationalen Marxismus“ hat der Nationalsozialismus noch nie verraten, welchen Sozialismus er selbst anstrebt, wie er Deutschland sozialistisch cinrichten will, noch viel weniger hat er sich um theoretische Grundlagen für seinen Sozialismus bemüht. Ebenso unklar läßt er sein politisches Ziel, er kämpft an der Seite und für die extremsten Monarchisten. Oberst v. Xvlandcr hat erst jüngst das Bündnis der deutschnationalen Mittelpartei mit Hitler gefordert; und dabei erklärt einer der Gründer und Leiter der Bewegung, ״daß Nationalsozialisten und Judengegner keine Monarchie wollen“. Es ist der alte Antisemitismus, ״der Sozialismus der dummen Leute“, der in der Nachkriegszeit zum Prediger der revolutionären Tat geworden ist. Mit der Unterdrückung des ״Börsen-, des Dividenden- und des Devisenschwindels“, mit der Verurtcilung oder Aufknüpfung des ״großen politischen und wirtschaftlichen Schiebertums“, ״der kapitalistischen Räubergcscllschaft auf den Börsen und in den Trusts ohne Rücksicht auf Konfession und Rasse“ wird die wirtschaftliche Not ein Ende haben, der Arbeiter seinen vollen Lohn erhalten und so gut oder besser als einst leben, das deutsche Volk frei und die Republik gesichert sein. Ihre rein völkische Gcsinnung drängt unterdessen zum Ausdruck und zur Bctätigung im Absingen ״vaterländischer“ Lieder in Bierlokalen zur vorgerückten Stunde, in Belästigungen und Mißhandlungen von Straßenpassanten und Wirtshausgästen, in der Störung und gewaltsamen Sprengung gegnerischer Versammlungen. Diese Taten sind bubenhaft, aber hinter ihnen steht Gefahrlieberes. Mit dem Terror, der von den militärisch organisierten und mit Revolver, Schlagringen und Gummikniittcln ausge* rüsteten Sturmabteilungen geübt wird, hofft der National- Sozialist die Gewalt auf der Straße und von da auch die Herr• schaft im Staate zu gewinnen. 000 500״ deutsche Männer, die bereit sind, dem deutschen Spuk ein Ende zu machen, können Deutschland in einer Nacht in einen anderen Zustand versetzen;“ so erklärt Hitler. Der parlamentarische Weg zur Macht wird abgelchnt, Die Parteileitung hat zur Begründung dieser Gewalttaktik in einer ihrer Mitteilungsblätter das Eingestandnis gemacht, daß die Nationalsozialisten viel zu schwach seien und bei Wahlen mit einem namhaften Erfolg nicht rechnen könnten, daß eine prinzipielle Opposition praktisch undurchführbar und nach außen unwirksam sei. Die wenigen ״Demagogen“ der Partei würden ״unter clie parlamentarischen Säue geworfen“ nichts leisten können und in diesem ״Auswurf der Nation“ allmählich selber der gleichen Wesensart werden. Die Parole ist: ״Weg mit den parlamentarischen Spulwürmern, weg mit den Schlcimsiedern, weg mit den Berliner Judenknechten, her mit einer deutschen Regierung!“ Aus dieser selbst zugegebenen quantitativen und qualitativen Schwäche heraus fordert die Parteileitung den blinden Glauben und unbedingten Gehorsam, die allein zur Aufrichtung der erstrebten Diktatur führen. Ob wirklich die Gefolgschaft der nationalsozialistischen Arbeiterpartei zur Hälfte aus Handarbeitern besteht, ist sehr fraglich. Stark vertreten sind jedenfalls darin Studenten, Kauflcute usw., und die Veranstaltung von Segel• regatten auf dem Starnberger Sec, die reichliche Verwendung von Autos bei Straßendemonstrationen und ähnliches lassen gewiß nicht nur auf ,,proletarische" Anhänger und reichliche Geldquellen aus der Arbeiterschaft schließen, In letzter Zeit haben die Nationalsozialisten ihre Tätigkeit über München 'und Oberbayern hinaus auch nach Nordbayern ausgedehnt, und ihr Auftreten war auch in Nürnberg und anderen Plätzen von Mißhandlungen Andersdenkender und Störungen der öffentlichen Ordnung begleitet. Die Erfolge des italienischen Fascismus haben das Selbstbcwußtsein und damit die Begehrlichkcit der Nationalsozialisten gewaltig gesteigert, und das wenig imponierende Schauspiel, das der hayrische Pariamentarismus unter der Führung der Bayrischen Volkspartei bei der gegenwärtigen Ministerkrise bietet, ist nicht dazu angetan, die Empfänglichkeit für die nationalsozialistische Kritik und Methode zu mindern. Wenn die nationalsozialistische Bewegung auch nur ein offizielles Organ, den ״Völkischen Beobachter“, hat, so macht doch neben einigen Blättern des Oberlandes auch die sehr verbreitete — angeblich parteilose at *Münchener Zeitung“ offen Propaganda für sic, und indirekt wirken die ״Münchener Neuesten Nachrichten“ und die ״Bayrische Zeitung“, <iie d.e Erfolge, Methoden und Absichten der Fr.scbl.e1i rühmen, für die Uebcrtragung des italienischen Beispiels auf Deutschland. So wird der Bctütigmigswille der Nationnlr.o/inlisto'i immer wieder neu gestärkt, und sie sind heute im politischen Leben Bayerns ein Element beständiger Unruhe und Bedrohung, dem wirksam cntgcgcnzulrctcii endlich eine loyale bayrische Regierung die Kraft haben sollte. ״Völkische Gruppe der Dcutschnntionalen Volkspartei“. Die drei Rciclistagsabgcordnctcn v. Gracfc, Henning und Wulle, deren Fraktionszugehörigkeit bekanntlich von der Dcutsclinatioiinlcn Rcidistngsfrnktlon aufgehoben worden ist, haben sich beim Reichstagsbüro nunmehr als ״Völkische Gruppe der Deutsduiationaleu Volksparki“ angemcldet. Im 8״-Uhr-Abendfatatt“ vom 13. November beschäftigt sich der sozialdemokratische Staatssekretär a. D. Dr. August Müller mit der Ausländerfrnge. In seinem ״Der Zug der Geier“ überschricbcr.cn Lcitaufsatz heißt c31t a.: ״Es gibt' eine nicht sehr kleine Zahl von ausländischen Schiebern, die mit einer Unverfrorenheit, um ein ganz mildes Wort zu gebrauchen, ohneglechcn das deutsche Unglück fruktiricren. Man rechnet, daß etwa 230 000 bis 300000 Osteuropäer allein in Berlin in den letzten Jahren zugezogen sind. Der größte Teil dieser Fremden lebt von Valutaspekulationen, wobei natürlich nur auf den Fall der Mark spekuliert wird. Es ist schwer var.tcllhar, daß Im irgendeinem anderen Lande dieses Treiben mit der gleichen Toleranz geduldet Würde, wie sie in Berlin offenbar herrscht Die Wohivungsgcsctzgcbung scheint Lücken genug zti besitzen, durch die diese Ankömmlinge zat schlüpfen vermögen. Ein Luxusrestaurant nach dem anderen entsteht, das nur besucht ward von ausländischen Schiebern und Valutaspckulanten. Mit einer Ungenierthcit, tue offenbar Voraussetzung zu einem solchen Gewerbe ist, bewegen sich (Hose Gäste in der Oeffentlichkeit. Sie leiern unter sich üppige Feste, errichten besondere Theater für sich, und es ist bereits soweit gekommen, daß 'sie in den Zeitungen und an den Anschlagsäulen Ankündigungen in ihrer Sprache erscheinen lassen, ganz, als wenn tie in Lodz oder Kiew oder Moskau lebten. Wäh• rend der deutsche Mittelstand verlumpt und verkommt, während bei den Sozialrentnern und großen Teilen der Arbeiterschaft entsetzliche Not herrscht, leben diejenigen, die diese Not, wenn nuch nicht verschuldet haben, so doch avißcrordcntlieh verstärkt haben, wie Gott in Frankreich . . Wer das Berliner Straß enbikf beobachtet, wird manche der hier gemach(et» Schilderungen bestätigen können. Er wird auch wissen, daß das jüdische Element unter diesen reichen Ausländern keine Rolle spielt, daß es sich vielmehr um Russen, daneben auch um Angehörige der horhvalutarischen Länder hnndclt. Allerdings ist der Hinweis auf die ,,Osteuropäer“ etwas zweideutig und scheint auch eine offenkundige Konzession an die intiscmitischcn Instinkte der Gasse zu sein, denen auch der sozialistischc Pnrieimaon schmeicheln zu müssen meint. Die ״Deutsche Zeitung“ benutzt den Anlaß natürlich zu einer kleinen Ostju den hetze, indem' sie schreibt: ״Im übrigen können war aber dem Sozialdemokraten August Müller nur restlos be i pf 1 icht cn. .Wir verdenken es ihm nicht einmal, daß er einstweilen das Wort ,Ostiudc' sorgfältig vermeidet. Ucbcr kurz oder lang wird er sich wohl trotz der ,rückslätrJigen Anschauung des Antisemitismus‘ auch zu diesem Zugeständnis entschließen müssen und außerdem erkennen, daß die östlichen Geier nur dann mit Erfolg aiisgcrottct werden können, wenn• man aufhört, das ein 11 ei mische Raubzeug gleicher Rasse mit liebevoller Schonung zu behandeln.“ Klage Ac!13k! Haams gegen Reventlow Beim Amtsgericht Berlin-Mitte hat der in Jaffa wohnende Schriftsteller Glnzbcrg (Ach ad Ha am) gegen den Grafen Reventlow׳ Privatklage erhoben, weil dieser im ״Deutschen Tageblatt“ die Behauptung aufgcstcllt hatte, daß Oinzbcrg der Verfasser der berüchtigten Schmähschrift ״Die Weisen von Zion“ sei, die auch in den Schriften Ludendorffs eine Rolle spielt. Ginzbcrg behauptet, daß diese Schrift eine solche Fülle von Verleumdungen und Unwahrhei teil enthalte, dnß die Benennung einer Persönlichkeit als Verfasser dieser Schmähschrift eine schwere Ehrenkränkung bedeute. Er hat eine Reihe von Zeugen und Sachverständigen benannt, die bekunden sollen, daß Graf Reventlow gewußt habe und der ganzen Sachlage nach annehmen mußte, daß Ginzbcrg, der überhaupt kein Politiker, sondern philosophischer Schriftsteller Ist, nicht der Verfasser sein könne. Graf Reventlow beruft sich für seine Beliauptun gen auf die französische Zeitschrift ״La Vicillc France“. mehr Trägheit als Elan vorhanden ist und daß die Bcvcpm׳» ein bürgerliches Stigma bekommen hat, aber auch de Vertretcr der Arbeiter sind nicht imstande, aus der Apathie einen Ausweg zu finden, zumal immer gewisse persönliche 'Angelegenheiten und Intrigen die Luft verdunkeln, Lolban kommt zu dem Resultat, daß nur eine Sache den Zioni$. mus retten kann, nämlich eine neue Alijah nach Palästina" Ein allgemeiner Aufbruch der nach Palästina sehnsüchtigen Jugend vor den Augen des ganzen Volkes ist das einrl׳׳e Mittel, um das Volk aus seiner Apathie zu reißen, um ifo, in den Quartieren seiner sclbstgcniigsamcn Leiharpe jen Ernst der Situation vor Augen zu führen und es an stj,t Pflichten gegenüber dem Keren llajessod zu erinnern. II. Arlosoroff veröffentlicht den Artikel über die paUistiner.- sische Verfassung, der bereits in der ״Jüdischen Rundschau׳■ abgedruckt war und dessen zentraler Gedanke sich in (jC( Forderung ausdrückt, bei den bevorstehenden Wahlen vfo. schaftlichc Parteien in Palästina zu schaffen, um den Bann des alles beherrschenden Nationalismus zu brechen. — Großes Interesse verdient der Vortrag von Bialik über den Arbeit?, gedanken in der Erziehung, den der Dichter bei der Kultur, konferenz der Hiiachduth in Berlin im August gehalten hat, Allerdings ist für den, der den Vortrag gehört hat, die Wiedergabe in der Zeitschrift unzulänglich. — Das Heit enthält noch eine Anzahl von kurzen Bemerkungen, von denen sich zuci mit der zionistischen Opposition beschäftigen, der vorgeworkn wird, sich mit Programmen und Diskussionen zu begnüg!״ statt irgendeine reale Arbeit zu leisten; eine dritte Glos;* wendet sich gegen die Gleichgültigkeit, mit der die paläst!. ncnsischen Juden die Frage der Naturalisation behandeln, Der Verfasser bezeichnet das jüdische Verhalten als Zigeuner. Psychologie, die Furcht vor der Bodenständigkeit, die viel■ j leicht das größte Hindernis auf dem Weg unserer Be• freiung ist. Der zweite Teil des Heftes ist mit Parteiberichten angefüllt Er enthält den Bericht über die dritte Konteren! der Hitachduth, das Programm, die Resolutionen, die Reden der Parteivertreter in Karlsbad usw. und schließlich das Kommuniqud zum Prozeß der Zcire-Zion in Kiew und eine Wiedergabe der Anklageschrift der sowjetistiseben Anklage, behörde. Gleichzeitig erscheint das zweite Heft der ״Arbeit", dci | Organes dös deutschen Landesverbandes der Hitachduth. Das Heft enthält in deutscher Sprache denselben Artikel von Arlosoroff und das Kommuniqud zum Kiewer Prozeß sowie die kleinen Glossen. Ferner enthält das Heft Bemerkungen von Albert ßacr zum Kasseler Dclcgicrtentag, von Ätlosoroff über die Methodenfrage unserer landwirtschall• liehen Kolonisation (mit den Thesen von Wilkanski), ferner den Vortrag Dr. Siegfried Bernfelds über die Lehrerausbildung, gehalten auf der Kulturkonferenz der Hitachduth. Auch von Bernfelds Vortrag gilt das oben von Bialik Gesagte, daß die offenbar auf Grund eines Stenogramms hergcslclite Wiedergabe nicht ganz das Original ausschöpft, doch gibt auch dieser Aufsatz ein Bild des Gewollten und führt in die Problemwelt der neuen Erziehung ein. — Weiter enthält das Heft einen Bericht von L « w i a t o w über die Arbct und das Leben in Kirjath Anawim (Dilb) und den Schluß des im ersten Heft erschienenen Artikels von Atj: Tartakower über ״Die Genossenschaft und der soziale Aufbau“. Außerdem enthält die ״Arbeit“ noch eine Reihe von Parteiberichten. Die ״Arbeit", die ein Jahr lang nicht erschienen ist, hat mit den bisher erschienenen1.zwei Heften einen neuen Anfang genommen, von dem man wünschen möchte, daß er ein Aufstieg werde. Die Zeitschrift hat in deutschen Zionismus bereits eine wuchtige Rolle gespielt und wird die Aufgabe, die sie sich gesetzt hat: Die deutschen Zionisten und besonders die Jugend enger mit Palästina, mit den dortigen Wirklichkeiten und dem Leben der Arbeiterschaft zu verbinden und das Ideal des durch eine neue Erziehung zur Arbeit gewandelten Juden zu verbreiten, auch in ihrer gegenwärtigen Form und in der gegenwärtigen Zeit erfüllen. —01 - יו Zcitscliriitciischau Das Zcntralbüro der zionistischen Arbeitspartei ״Hitacli duth“, das gegenwärtig seinen Sitz in Berlin hat, hat soeben mit der Herausgabe eines jiddischen Zentralorgans unter dem Namen ״A rbe its v01 k“ begonnen. Das erste Doppel lieft, das uns vor'icgt, zeigt schon, daß die neue Zeitschrift den besten publizistischen Traditionen der Partei treu bleibt Gehört dorli zur Hitachduth der palästinensische Hapoel- Haza'ir, dessen Organ bis heute, und heute vielleicht mehr denn je, die führende zionistische hebräische Zeitschrift gc nannt werden muß, Alle Stürme, die die hebräische Publizistik ins Wanken brachten und jetzt erst wieder zu der bedauerliehen Einstellung des ״Haarcz“ in Jerusalem geführt haben, vermochten den ״Ilapoel-Iiazai'r“ nicht zu erschüttern, für dessen Existenz clie Arbeiter die größten Opfer zu bringen bereit waren. Aber nicht nur in der hebräischen, sondern überhaupt in der zionistischen Publizistik, die sehr arm an Organen von eigener Individualität und festgcgrünclclcn Anschaumigen ist, nahm der ״Hapoel-Hazair“ stets einen hervorragendcn Rang ein. Nicht nur die genaue Kenntnis der palästinensischen Wirklichkeit, das unmittelbare Mitlchcn der Sorgen und Hoffnungen des arbeitenden Jischuw, sondern vor allein auch der starke ethische Grundton und une-schiittcrliehe, auch vor scharfer Selbstkritik nicht zurückschrcckcndc Ernst haben diesem Blatt weit über die Grenzen seiner eigenen kleinen Gruppe hinaus ein hohes Ansehen geschaffen. Und in die Spuren des ״Hapocl-Haza'ir“ tritt nun das curopiiischc Organ ״Arbeitsvolk“. Obwohl es noch keine rühmreiche Vergangenheit hat und obwohl es in einen anderen Aufgabenkreis gestellt, in einem anderen Milieu entstanden ist, ist doch schon in dieser ersten Nummer die Verwandtschaft mit dem palästinensischen Organ nicht zu ,verkennen. Dies liegt zum Teil an der Personenidentität des Redakteurs, da der Redakteur des ״Arbeitsvolk“, J. L o f b a 11, jnhrclang Rcdaktionsmitglicd des ״Hnpoiil ■Haza'ir“ war. Der Leitartikei des Heftes ist der zionistischen Situation gewidmet und enthält zunächst eine Kritik der Karlsbader Konferenz, die gezeigt hat, daß in der zionistischen Öffentlichkeit A';1d<;,,;gar Geltul , die J ׳ regier 1 inierri י v flKlg! •' vorset' e will, 1 nation Inhalt« ';־ [kfriel יי dem S;• so ist ' dem I ■ eben '<; |:ches! streuu £ malen jj■ von il 1׳| nicht j( daß di > nicht entsch ■ ׳ freier ן der F!' mcinsi : auch , vorsd' j die b einer J paläst!!1 Form!', Staats, wiö il r einma Geist« die p •' geht, ׳:* strukt ן müsse;j 1'1 Festli 'u Besch '!f Arbei ■le F •in zu ve ■!' Arbei 1!« zu m 1׳r ״Staaislose Bildung des jüdischen Volkes“ Es ist nicht ganz leicht, eine Vorstellung von dem Inhalt dieser kurzen, 32 Seiten umfassenden Broschüre zu geben, in der Erich Ungcr seinen vor dem K. J. V. gehaltenen Vortrag ״Die staatslose Bildung eines jüdischcnVo!• kes, Vorrede zu einer gesetzgebender» Akaj demie“ der Ocffcntlichkcit vorgelegt hat*). Der Verfasser : macht den Versuch, das jüdische Problem einmal so zu betrachten, als ob cs keinen Zionismus gäbe und so unter Nichtberücksichtigung der gesamten Realität das Problem um so reiner zu erkennen. Er sicht im Zionismus diejenige Bcwegung, die zwei Faktoren, Judentum und Staat, miteinander verbinden will, die dabei Judentum als volkhaften, rassemäßiges Begriff nimmt und vom Staat die von den heute vorhandenen Staaten hcrgelcitcte rein empirische Vorstellung hat. Da mm aber der Staat, wie er sich heute darstellt, ein ״Organisierung5־ unternehmen materieller Bedürfnisse mit kulturellem Ueberbau“ darstcllt, Judentum aber keineswegs ausschließlich materielle Inhalte hat, ergibt sich eine Inkongruenz, die dem Verfasser zeigt, daß ein jüdischer Staat in Wahrheit keine Inkarnation aller inhaltlichen Wesensbestandteile des Judentums werden könnte. So entwickelt der Verfasser den Unterschied zwischen einem empirischen Zionismus, den er nicht bejaht, und einem a priori-Zionismus, dessen Tendenz, es ist, den ״ganzen Umkreis Judentum in eine reale Macht zu verwandeln“, also nicht nur die voiksmäßigen Bestandteile dieses Begriffes, durch die sich Judentum und andere nationa׳e Gruppen nur wenig unterscheiden. Er kommt zu dem Ergebnis daß die zwingendste und erste Aufgabe nicht nur vom S'.anu• Punkt seiner Theorie, sondern vom Standpunkte jeder Rc31־ Politik nicht in Kolonisation und Politik liegen dürfe, sondern in der Schaffung eines realen Volkes, ״das man nicht ז“ח abstammungsmäßig, sondern aiifgabcnmäßig als Juden N־ zeichnen darf“. Realpolitik ist dem Verfasser das letzte. AI* der jüdische Staat zerstört wurde, trat das Lchrhaus an sen* Stelle. Was folgt für den Verfasser daraus für die Jetztzeit ״Der Grundzweck aller dieser Ausführungen ist der Gedanke• Das sub specie acterni zwecklose Bemühen um das brüchige« cmpiristlsche Staatsgebilde aufzugeben und vorher ■der Sec j des Volkes einen Inkarnationspunkt zu schaffen in einer gese,h' gebenden Akademie". Denn der Verfasser glaubt, daß ״* Herstellung einer jüdischen Gemeinschaft in Palästina n|C“־ schaffen könne als eint politisches Gebilde geringer Bedeutung, während die wirkliche Macht der Juden in ihren Traditio־1״ und ihrer interterritorialen Stellung begründet ist, n‘״e ' •> Verlag Dawld, Berlin. Diese! il, 1 t.!11 c.