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Jüdische Rundschau · 1922-11-17 · Heft 91 (17.11.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 91 (17.11.1922)
Date
1922-11-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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«<v coo JUED ¬ס ch Nr. וס esse der Staaten selbst eines Korrektivs, und diesen Dienst können ihn! die nationalen Minderheiten leisten. Gerade ein Staat wie Polen, dessen Bevölkerung nur zu zwei Dritteln polnisch ist, könnte der Schrittmacher einer neuen Epoche der Weltgeschichte werden, die durch die Ucbcrwintlung des nationalen Staatsbegriifcs des 10. Jahrhunderts und durch eine neue freiere und größere Konzeption des Staates charakterisiert wird, in dem Nation ebenso Privatsache ist wie Religion: ein unveräußerlicher geistiger und sittlicher Wert, der aber nicht verdient, zum Schlagwort der Politik degradiert zu werden. Gerade die Juden sind durch ihre Stellung berufen, Schrittmachcr einer solchen Idee zu sein, die viel Spannung1 und Groll aus dem Leben der Nationen untereinander ausschalten und einen wirklichen Völkerbund vorbercitcn könnte, ohne den Europa zugrunde gelten muß. Gerade die Juden sind dazu berufen, weil sie in dem bereits oben angcdcutcten Sinne diejenige Minorität sind, die staatspolitisch unbedingt ״unverdächtig“ sein muß, da sie keinerlei Irredenta bilden kann, ist es erst gelungen, in einem Staate der Welt das Beispiel eines friedlichen Zusammenlebens mehrerer Völkerschaften auf einem Flecken Erde zu geben, dann kann die Herbeiführung einer europäischen Völkergemeinschaft auch nur eine Frage der Zeit sein.! So fassen wir das Problem der nationalen Minderheiten auf, in seiner allgemeinen Bedeutung, ganz abgesellen von den konkreten jüdischen Interessen, die eine solche Entwicklung fordern, wenn nicht das jüdische Volk zum Untergang verurteilt «in soll. Zur Zeit des Wilson-Programms schien diese Auffassung allgemein zu sein, jetzt aber vergißt man allmählich die Verpflich« tungen von damals, und mit der allgemeinen Sturmflut der Reaktion ist auch in der Frage des Schutzes der nationalen Minderheiten die Reaktion gekommen. Aus dem sittlichen Prinzip, an das wir glaubten, ist eine verzerrte Formel geworden, die als Vorwand zur Bemäntclung irgendwie gearteter Interessen vorgeschoben wird. Liegen die Momente einer solchen Interessenpolitik nicht vor, für die man sich als Beschützer der Minderheiten aufspiclcn kann, dann schert sielt kein Teufel um die Minderheiten. Audi dies haben wir Juden vor allen anderen zu fühlen. Denn wir haben wenig zu bieten, und um unscretwillen erhitzt sich niemand. Ungarn wird zu derselben Zeit, in der die ״Erwachendem Magyaren“ freies Spiel im Lande haben, Judenmorde ungesühnt sind, jüdische Familien zu Tausenden vertrieben werden, in den Völkerbund aufgenommen, — eine Verhöhnung seiner eigenen Idee. Und jetzt liegt ein neuer Fall schnödester Verletzung der nationalen Minderheitsrechte vor. Die allmählich zur Macht gelangte christlich nationaldcmokratische Partei in Litauen hat den in den Sejm gewählten Minderheitsvertretern den größten Teil der Mandate einfach annulliert. Es ist für uns besonders schmerzlich, daß gerade Litauen diese Ent- Wicklung genommen hat, ein Staat, dessen Anfänge vielversprechend waren und dessen Politiker in der Frühlingszcit der Völkerbundsära mehr als andere Staatsmänncr Verständnis dafür zu haben schienen, daß die Existenz eines Staates nicht auf Unterdrückung der natioaalen Minderheiten,. sondern nur auf ihrer Heranziehung zur Mitarbeit aufgebaut «in kann. Was jetzt in Litauen geschehen ist, wird diesen Staat In den Aujpyi der gesamten Kulturwelt herabwürdigen. Es ist nicht unbekannt, daß gerade das amerikanische Judentum sich darum bemüht hat, die internationale Anerkennung Litauens zu fördern. Diese Stellungnahme erfolgte stets unter dem Gesichtspunkt, daß ein Staat, der seinen eigenen Bürgern Gerechtigkeit erweist und in der Verncr ukui \ ü,:r Fon.1c« Fa Völkericbciis voransd:;'.»,J, au ii »' :4 Bcwcj ׳ Lebenslähigkcit und lcb.:n1b:r.rhf:f;:mr; c•־,:rächt lut. Nun hat Litauen plötzlich feinen Kurs ::eöndert, und wir können nicht nnnchmcn, daß db'ö 7s 1,1 Verteil des lituaschcii Staates anr,״chln״en wird. Litauen ist der allgemeinen nationalistischen Hypnose erlegen und, während die Litauer noch über die Vergewaltigung durch Polen kla• gen, vollbringen sie selbst die brir.piclk/scstc Vergewaltigung gegen ihre eigenen Minderheiten. Die vier Vertreter, die an Stelle der 22 Gewühlten den litauischen Minderheiten gelassen wurden, weiden den VerhandUmgssaal des Sejm nicht betreten. Ob diese Abstinenz be• irächtiiclicr Bcvölkcrung-leilc von der Mitwirkung an der Führung des Staates dem Staate zum Segen gereichen kann, wird jeder be zweifeln,• der glaubt, daß gerade in der heutigen all ־gen ::incr, Zerrüttung ein Staat nur durch friedvolles Zusammenwirken aller seiner Bürgcr erhalten und gefestigt weiden kann. Der Gedanke des Schutzca 'der Minderheiten, de? vor vier Jahren einer der verheißungsvollsten Gründ• ge,danken der neuen Wcitordiwng zu sein schien, ist in den Kot gezerrt. Dennoch Isf er lebendig, wie die Wahlen in Polen beweisen, und wird weiter um seine Weltgeltung ringen.־ Der polnische Sejm ist noch nicht zusammcngctrctcn. Er könnte in seiner neuen Zu• sammensetzung eine neue Aera eröffnen, die nicht nur für Polens Zukunft, sondern für ganz Europa von heil• sanier Wirkung sein könnte. R.W, Weizmsnn führt auch Palästina Die ursprünglich für den 2. November in Aussicht genommene Abreise Dr. W«izmanns nach Palästina, die wegen des politischen Umschwungs in London, für zwei Wochen aufgeschoben wurde, findet nunmehr am IS. November statt. i In der Begleitung Dr. WdzmannS befindet sidt Cdo• ncl Kisch, der Sekretär im englischen Völkcrbundsekrc• tariat gewesen ist. Abreise Sofcolows nsch Lausanne London. (J.C.B.) Der Vorsitzende der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, Nahum Sokolow, begibt sidi in diesen Tagen zur Teilnahme an der Konfe* renz des Nahen Ostens nach Lausanne. Wie bereits früher gemeldet wurde, ist eine De• kgation der palästinensischen Araber mit Mussa Kazim Pascha an der Spitze nadh Lausanne abgereist, um auf der Nahen Osten-Konferenz die Forderung nadi Unabhängigkeit Palästinas und Annullierung der Balfaur-Deklaration zu vertreten. Es ist aber sehr zweifelhaft, ob die Palästina-Frage auf der Konferenz von Lausanne überhaupt zur Sprache kommen wird. Bestätigung der jüdischen Minderheitsrechte in Rumänien' Bukarest. (J.C. B.) Der Vcrfassungsausschuß des rumänischen Parlaments beschloß die Inartikulicrung der Rechte der nationalen. Minderheiten in Rumänien auf Grund des Friedens Vertrages. Der Sonderantrag des Premierministers Bratianu , bei dieser Inartikulicrung die Rechte der jüdischen Minderheit ausdrücklich zu betonen, wurde an genom men. Dis Anläßlich der eng;gl Ischen Wahlen •dien Parlamcnlswahlen hat *ich ja England eine befrachtichc anti«mi.isri5e Agitation entwickelt, Wie in allen Untier», 60 arbeitet aucii dort wie Reaktion lr S antisemitischen Scilla?Wörtern. Insbesondere der ״jüdische L'u;. 1 Echcwhtttui“ wird im Kampf gegen die walirhafiig alles 44״Cr51 ab bolschewistische Labour-Party ins Treffen geführt, ü große Rolle spielt ferner die Palästinafrage, über deren \t%,; Schlachtung zu Walilzwcckcn wir schon mehrfach bcm-iH ' heben. Audi diese Kampagne ist zum großen Teil i hüllt antiscinitisdi.! ״Jewish Chromcle" bringt ein Verzeichn!» der judixl;־, Kandidaten. Danach verteilen sich diese wie folgt auf einzelnen Parteien: Konservative und Unionisten 10, Liberal{ 10 (darunter die Zionisten Sir Alfred Mond, Philipp Guedak R. U. Solomon, L. J. Stein), Nationallibcralc 6, Labour 3, A1,J Waste 1, Unabhängige Labour 1. Der inanpds eines Gegenkandidaten bereits wicdergewäh!t4 Sir Philipp Sassoon i.t der Sohn des Präsidenten <!n spanischen und portugiesischen Synagoge, Vizepräsidenten de! Jews College und der Angio Jcwisli Association. Im Gegen, satz zu seinem Vater hat Sir Philipp keinen Teil am öffentlichen jüdischen Leben genommen. ״Jewish Cliromde“ bringt eine Reihe von Zuschriften Kandidaten, die ihre Sympathie gegenüber dem Zionisanu! zum Ausdruck bringen. Interessant ist, daß darunter aucii mehrere Konservative sind, die zum Teil ihnen vom ״Daily; Expreß" in den Mund gelegte' antizionistische Acußeiunge» dementieren. Generäl Smufs über die Palästina - Politik Johannesburg, 10. November. (Tel.) Ara 9. NV vember fand hier ein großes jüdisches Bankett statt, an dem der Premierminister General Smuts tcilnahm. Oeneral Srjmlj tpenützte die Gelegenheit zu einer bedeutungsvollen Kund• gebung über die Haltung der südafrikanischen Regierung zur britischen Palästina-Politik. Die Formel ״Jüdische nationale Heimstätte“, sagte er, ist ein Bestandteil des öffentlichen Rechtes geworden. Nunmehr sind allerdings durch die Vor• gänge im Nahen Orient, die Rückwirkungen in Europa und in der mohammedanischen Welt haben müssen, neue Probleme in KIcinasicn aufgerollt worden. Der Premierminister er• klärte jedoch, er sei überzeugt, daß Großbritannien an der Politik des Mandates durch Dick und Dünn fest 11 alten werde und daß die Nachfolger Lloyd Georges dieselben politischen Anschauungen werden vertreten müssen, Im Interesse des europäischen Friedens und auch in Erkenntnis der Gerechtigkeit der jüdischen Sache. Er sei überzeugt, daß Palästina in zunehmendem Maße die wahre nationale Heimstätte der Juden werden wird. Der Redner ver. wies auf das Beispiel des zaristischen Rußland, das stets die Juden unterdrückt hat und in seinem Zusammenbruch seine historische Strafe fand. Er fordert die britische Regierung und das britische Volk auf, den Bestimmungen des Mandates und der Politik des jüdischen nationalen Helms treu zu bleiben. Ciiaciiam Chain Nah um in London- London. (J.C. B.) Der frühere Chachara Basch! (Haupt• rabbiner) der Türkei, Rabbi Chaim N&hum-Effendi, ist aut der Reise nach Lausanne zur Nahen Osten-Konferenz in London eingetroffen. Rabbi Chaim Nahum wird in Lausanne als Privatmann weilen, wird aber in Wirklichkeit als der Ratgeber der kemalistischen Delegation und als inoffizieller Vertreter der Angora-Regierung fungieren. Er führt gegenwärtig in London mit der englischen Regierung Unterhandlungen über deren Verständigung mit der kemalistischen Regierung. Gerüchte besagen, daß Rabbi Chaim Nahum-Effendi zum türkischen Botschafter in Washington ausersehen sei, wo er vor kurzer Zeit zu Besuch ge• weilt hat (Vor kurzem war gemeldet worden, daß Nahum türkischer Botschafter in Paris werden solL A d. R) Else Lasker-Schüler (Zu ihrer Vorlesung in der ״E w e x“ B u c h h a n d 1 u n g.) Kunstkritik und Kunstbetrachtung werden an dieser Stelle niemals allein vom ästhetischen Gesichtspunkt aus geübt, sondern von dem eines Kritikers, der für das Publikum einer zionistischen Zeitung schreibt. Ich glaube, daß eine reine Kunstbetrachtung, frei von irgendwelchem Vorurteil und nur von ästhetischen Voraussetzungen ausgehend, in unserer Zeit nicht möglich ist, sofern es Maßstäbc hierfür überhaupt gibt, heutzutage jedenfalls nirgends geübt wird. Ist sie überhaupt jemals möglich gewesen? — Oder ist sic nicht wie jede andere menschliche Aeußerung bedingt durch die Anschauung des Gesamtweltbildes des Kunstbetrachters und damit durch alle Faktoren, die hierzu beitragen, Zeitcpochc, Rasse, Geschlecht, Milieu, um nur einige der wichtigsten zu nennen? Diese vielleicht selbstverständliche, aber oft übersehene Voraussetzung jeder Kritik ist mir noch nie so deutlich geworden, wie bei Else Lasker-Schüler. Als ich zum ersten Male über sie hörte (vor dem Kriege), war es ein sehr witzig sein sollendes, aber gehässiges Urteil. Als ich sic zum ersten Male selber hörte, war es vor einem sehr gebildeten christlichen Publikum, einer ästhetischen Gesellschaft in einer Provinzstadt, die sich die Künstlerin verschrieben hatte. Wir, in der ״Jugendbewegung“ stehende jüdische Jugend, hörten, was wir zum Teil schon gelesen hatjen, verstanden einiges, ahnten manches, fühlten eines ganz klar: daß eine Persönlichkeit vor uns saß in dem befremdlichen Licht der beiden Kerzen auf dem Lesepult, an der wir Anteil haben, ob wir ablchnen oder zustimmen. Jene ästhetische Gesellschaft blieb kalt, absolut kalt, ließ sich kaum zu einem gnädigen Achtungsbeifall herbei und urteilte, was sie schon vorher geurteilt, hatte, daß diese ״Expressionistin“ keine deutsche Dichterin wäre. Inzwischen habe ich versucht, ihr durch Lesen nahezukommen, besonders durch lautes Lesen. Ich las auch manches über diese Frau und glaube von ihr etwas zu wissen, nämlich, daß sie ein Phänomen ist, so eigenartig, so losgelöst von der Kunst unserer Zeit, daß ihre Kunst mit nichts verglichen werden kann und daß unsere tendenziöse Kritik ihr niemals gerecht werden kann. Sie gehört nur scheinbar zu einem bestimmten Kreis, ihre Verse haben nur scheinbar die Form oder, wenn man will, die Unforrn der ״expressionistischen“ Kunststimtnung. Und selbst wenn man die Elemente ihrer Kunst ״analysiert“ und allerhand Jüdisches, Revolutionäres, Romantisches usw. fände, 80 bliebe doch ein Rest, und cs bliebe die Komposition und die Gesamtcrschci• nung, die sich nicht erklären lassen. Das wurde mir zum zweitenmal deutlich, als ich Else Lasker-Schüler am vorigen Sonntag hörte*). Lektüre Ihrer Gedichte genügt nicht, um in sic cinzudringen, noch weniger ihrer Prosa, Man muß pie hören, ln den harten, herben, anklagcndcu Tönen (״Mein Volk“), in den schamcrfülltcn, ganz zart klingenden Strophen (״David und Jonathan‘1), in den wie ein Cello summenden Betmclodion lebt ihr Wesentliebes. Hier, in den ״Hebräischen Balladen", die sie uns bot, ist sic wenigstens uns am meisten verwandt Aber außer diesen Gedichten sind welche, die sind so menschlich, so innerste Seele enthüllend, daß vor ihnen das Wort des Kritikers verstummen muß. ' Warum ist diese Frau uns wesensverwandt? Waium glauben wir bei ihr nationales Judentum zu fühlen? Ist sie nicht Assimilation, Ghetto, pazifistische oder sozialistische Zeit Strömung? — Und wenn ich nur das k'resccndo ihres ״M'rnm!" im ״Wunderrabbi von Barcelona“ gehört hätte, würde ich diese Fragen nicht mehr verstehen. Aber das kann man ' nicht beschreiben, nur hören. Eise Lasker-Schüler bleibt trotzdem ein unerklärbarcs Phänomen, eine fremde, ganz auf sich gestellte, in sich zurückkehrende Persönlichkeit. Wir stehen ihr vielleicht näher als ׳deutsche Menschen, deren Romantik und Sentimentalität, deren Nüchternheit und Kühlheit ihr wie einer orientalischen Antike gegenüberstehen. Ich glaube aber nicht, daß sic mitschaffend ist am Aufbau unserer neuen Welt. Darum ist sic für uns auch nichts Notwendiges, sh ist nicht Ausdruck für unser Sehnen, für tin!, die wir doch auch befangen sind־ ln der europäischen Geist er.kultur wie 6ie. Aber wir bringen ihr die Achtung und Hebe der verwandten Menschen, die ihr Leiden mltfüfilcn, über ihren Jubel am Leben •beglückt sind, und gestatten uns eien ״;:111״;", abseits unserer, täglichen Arbeit diese Dichterin auf unseren Rarr.aß zu heben.• _F-> H November 1922. 'Alfred Berliner. ■ *) Vorlesung, verunstaltet von der 3!״wer"-Euchhandiung, Sonntag, 12. November. . Nt z'onN . zeit»? JO'.ci' : über b«dy!: gebe Öeff , ,Teil«‘ Auft bau j weis s zu 1!' Arm. ü ni.il 1 : wen!: anzi:: der ,! sch*! sein f »ich cinz 1 nicli: ׳ rieh: sch:, den; beü sch '. rcir;'! don soll ';״•״ %&■ ■; me»! de- * Prc.; M'ü du; sie da Zu1 kL י \vt 1 AL' \v; \:n Je : V Zt, er 1 Sc cii: > < A ' J■ A 5 ii J u ׳ ־;: v: Küj!:!!;י!.» V. Psalmen Ein schöner Midrasch erzählt uns von einem redlichen Manne, der in seiner Kindheit von allem jüdischen Wissen nichts weiter gelernt hatte als ״Thehillim sagen“. Er war der erste und der letzte im Beth hamidrasch; aber auf seinem Platze fand man immer nur die Psalmen abgeschlagen. Die großen Männer in der Gemeinde verachteten ihn darum, ganz an der Mauer unter den Geringsten war sein Platz im Bcthausc. Aber eines Nachts hatte der Rabbi einen Traum, der zeigte ihm das Gom Eden. Und dort stand dicht neben seinem eigenen Sessel der Sessel des Thehillimsagdrs. Mit bildhafter Kraft zeigt uns diese Erzählung, welche Rolle das Psalmcnbuch in unserer jüdischen Tradition spielte. War cs kein Buch für den Forscher, kein Schleifstein des Scharfsinns für den Chacham, so fand dafür in ihm der Schlichte und Gläubige, der Mann des Volkes seine Heimat. Nicht umsonst schrieb ja der Volksglaube diesen Liedern sogar heilende und beschwörende Wirkung zu. Von hier aus erklärt sich vielleicht auch die besondere Bedeutung der Psalmen für die chassidische Legende, in welcher sich nicht selten ein Aufbäumen des Ungelehrten, des Amhaarcz gegen die offiziellen, die wohlbestallten Vertreter der Judealieit kundtut. * Aehtillchc Leser wie den Thehil'imsager dachte sich wohl der Verfasser eines soeben erschienenen geistvollen Büchleins über die Psalmen (Psalmen, eine Einführung von Dr. M. Spanier. Berlin 1922. C. A. Schwetschke Verlag). Kein Buch über die Psalmen eigentlich, sondern mehr: eine Aus־ wähl, die cs sich ::um Ziele setzt, das einzelne Lied in seinem Eigengehalt zu erfassen und wiederzugeben. Bewußt schließt der Verfasser an die Art unserer Alten an, die in jeder Not zu den Psalmen wie zu heilkräftigen Geistern flüchteten. Nicht zu den Forschern will er sprechen, obwohl auch sie manches aus einem Buche lernen können, das die Forschungsergebnise der älteren, wie der neueren Bibelforschung sich nutzbar macht, ohne sich sklavisch ihrem Wort zu verdingen. Aber dem Menschen in seiner menseh• liehen Not, den Ohren, die hören und den Augen, die sehen wollen, will er diese Urformen, des Gebetes nahebringen. Das aber tut er als ein wahrer Lehrer, von dem Gedanken durchdrungen, daß für den Lernenden das Beste gerade gut genug ist. Er kennt und liebt die Blumen io den dichterischen 1J Cri 1 : zsr! 1 > נ-;» t : IC i' :;i ‘ i > ו s * 'i < > >

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