Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1922)
- Date
- 1922-11-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652410-2652490--15333-2673796- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
i§ ■ייויו 11 .-!ויו 11 sii ps «U n נ ul ז;er•;kr 31r er 1:׳ rt. et! ,n* |k- 'C dt er•!cs?r, W..;fc It ür rf e- :1• h! ic!1 n וז¬ ¬ו ז ן, *To) Jl ו—ז r—:51 קז—^v n j I ׳ Ta' t. f\ ton«— «.״״ f •■■ ןך^יי-סן L.״J L pyu^ggiiBEME'fa׳'!KST-rnr* Redaktion und Verlag W15. S&chaischc Straße 8. Ericheiat jeden T. j VS V Dienst«f! und Freitag. IkzugjpreU bti der Expedition und den poslfi'itcrn vierteljährlich320.-M. inDcutschland. Auslandaaboaoenicul* werden in derW&hrung der cinielnen Linder berechnet. Nummer 91 Bcrll&y 17. XI. 1922 נ •Ärrr’ÄrTrrr-itcr- Antci}toa-V crv/altungi Jüdiache Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, SlchiUcb• Straße 8. - Telephons Amt Pfnlzburg 6697, 6698 a.6699. Anzeigenpreis liir die achtgetpaltsneNonparciUczeÜ• 35.• M. I־ür hthrliictt# Anteilen 50% AufedhUtf. AnzcilfonachluQi DUnatüg und Freitag nachmittag 4 Uhr. L, ״J l- J Telephon! PI«lzbur(!6697u.6698. Postscheckkonto: BerlinNr. 17392, Für Oesterreich! PoaUparkaiscnamt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tscbcchoilowakcl: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 156030. — RcdaktlonsichluO Sonntag und Mittwoch nachmittag. — כ״ו מרחשוז» חרס״ג XXVII. Jalirg. 3& jüdische Deputiertes 8 jüdische Senatoren in Polen. der Assimilation. —- Der Mandatsraub DU polnischen Wahlen Da* Resultat der polnischen Wahlen Ut noch Immer nicht vollständig hck.innt. Von den Senats wählen liegen noch keine offiziellen Nachrichten vor, aber auch die Scjmw.ihlcri sind noch nicht endgültig fcslgcstellt Nach einer Zahlung wird behauptet, daß 38 jüdischnationale Deputierte gewählt «ind. Das bisher gemeldete Ergebnis der Wahlen rum Senat zeigt etwa folgendes Bild: Von den 111 Senatssitzen entfallen auf den nationalistischen Rechtsblock 53, auf die Linksparteien zusammen mit den nationalen Minderheiten 58, und zwar haben die Minderheiten es auf 25 Sitze hiervon gebracht. Von den 33 Sitzen der polnischen Linksparteien entfallen 24 auf die Bauernparteien, 9 auf die Arbeiterparteien. Die Kommunisten sind Im Senat aicht vertreten. Besonders interessant sind die Wahlen in Os tgalizien, wena man sic mit den früheren österreichischen Wahlen desselben Gebietes vergleicht Damals konnte eine Reihe von jüdischnationalcn Kandidaten nur deshalb keine Mandate erlangen, weil einerseits hunderte jüdischer Wähler nicht zur Urne «!gelassen, andererseits beim Skrutinium offenkundige Schwindeleien verübt wurden. Nur diesem Umstande verdankten cs ja die sogenannten Polcnklubjudcn, daß sic gegen den Willen der jüdischen Bevölkerung jahrelang als Wortführer des galizischcn Judentums im österreichischen Rcichsrat auftreten konnten. Diese Assimilanten haben eine gründliche Niederlage erlitten und sind völlig von der Bildfläche verschwunden. Auch die ehemals oslgaiizischcn sozialistischen jüdischen Abgeordneten Dr. Licbermann und Dr. Diamand sind nicht wiedcrgewählt Der Klub der polnischen Sozialdemokraten (PPS.) zählt überhaupt kein jüdisches Mitglied mehr. Aus Ostgalizicn werden 15 bis 16 ]üdischnationalc Abgeordnete in den Sejm cinzichen. Der Präsident der Zionistisehen Organisation für Ostgalizien, Dr. Leon Reich, wurde in sämtlichen sieben Wahlkreisen als Listenführer gewählt und wird vorbehaltlich der Bestätigung durch den Parteirat das Lemberger Mandat annehmen. An seine Stelle dürften nachstehende von den gewählten Kandidaten treten: Wahlkreis Stanislau: Dr. Rosmarin; Tarnopol: Prof. Dr. Hausner (Misrachi); Sambor: Rabbiner Aron Lewin; ZIoczow: Heinrich Reizes; Lemberg, Bezirk: Dr. Schreiber; eventuell Dr. Federbusch (Misrachi); Stryj-Drohobycz: Dr.R i n gcl, eventuell Redakteur Frostig; Przcmysl: Redakteur F ros 11 g, eventuell Scelenfrcund. Unter den gewählten, bezüglich deren die Wahlkreise noch sieht fcstgcstellt sind, befinden sich u. a. Frau Rosa Melzer (Frauenorganisation), Karl Eisenstein (Kaufmann- Schaft), Dr. Silberschein und Heller (Hitachduth) und Dr. Sommerstein. Die Linke der jüdischen Delegation Im Sejm werden die Abgeordneten der Hitachduth bilden. Wie bekannt, hatte sich von den links gerichteten Gruppen in Polen nur die zionistische Arbeitsfraktion Hitachduth dem Block der nationalen Minderheiten angeschlosscn. Von dieser Gruppe sind drei Deputierte auf die Liste des Minderheitsblocks gewählt worden: Lewinsohn (Lodz) wurde im Woihynier Wahlkreis, Dr. Silberstein und Z. Heller wurden in Ostgalizicn gewählt, ln den Kreisen der Hitachduth rechnet man auch mit der Wahl eines Vertreters dieser Partei, in den Senat — Die P o a 1 e Z i o n und S 0 z. Z e 1 r e - Z i o n haben kein Mandat erlangt. Ihre vereinigte Liste erhielt z. B. in Warschau nur 79 Stimmen. in Vollständige Niederlage Litauen Ein jüdischer Senator in Warschau gewählt Warschau, 14. November. (J.€.B.) Bei den Senatswählen in Warschau wurde der jüdische Stadtverordnete Ingenieur Körner (Zionist) zum Senator gewählt. 8 jüdische Senatoren Warschau. (J.C. B.) Außer dem bereits in Warschau gewählten jüdischen Kandidaten, Ingenieur Körner, wnirdcn in Lublin Herr Scliercschcwski und in Bialystok Rabfeiner R u b i n s t c i n zu Senatoren gewählt. Einern neueren Telegramm zufolge erscheinen ferner gewählt: In Lodz Dr. Braude (Zionist), in Wloclawck Rabbiner Kowalski (Misrachi), in Galizien Dr. Bienenstock (MHachduth), Dr. Leon Reich (Zionist) und Heinrich Keizes (Unparteiischer Nationaljude), Das endgültige Ge* Samtresultat steht noch aus. Der neue Sejm Warschau. (J.C. B.) In maßgebenden polnischere Krcl• *cn herrscht die Tendenz vor, in der Session des kommenden ‘ejtn in erster Reihe eine neue, den Polen günstigere Wahlardnung durchzupcitschcn, und darauf den Sejm aufzu- ״scn. Da der polnische Senat auf Grund der Verfassung das Recht Imt, mit % <lcr Stimmen den Sejm aufzulösen, so ״ängl die Verwirklichung der polnischen Auflösungsp'äree von der Zusammensetzung des künftigen Senats ab. ' Warschau. (J.C. B.) In diesen Tagen findet hier die tntsclicidcnde Sitzung des Zentralkomitees des ״ I 0 c k s der nationalen Minderheiten statt, in Reicher endgültig beschlossen werden *oll, ob die nationalen Minderheiten ebenso wie sie bei den Wahlen zusammen-!«gangen sind, auch im Sejin eine Einheit bilden sollen. t . Warschau. (J.C.B.) Das Wahlkomitee der jüdischen Arbeiterpartei ״Bund“ hat gegen die Art der Durch - [«hrung der Wahlen in Warschau Protest er* ״oben und eine Wiederholung des Wahlgangcs im War• ,«feiner Wahlkreis verlangt. Die Prüsidcntscli&fisfrage ,Warschau. (J.C. B.) Die Präsidentschafts-Frage wird In politischen Kreisen sehr eifrig diskutiert Die Rechts- Parteien stellen die Kandidatur Dmowilili, den bekannten Führer der natlonalUcmokratischcn Partei, auf, wogegen das Zentrum fest hinter Pi 1 sudski steht Litauen macht Schule? Die Presse der bürgerlichen Parlc'en in folen hält an der Forderung nach Ungültigmach ung der Sejmwählen in den Randgebieten fest, Indem sic auf den überraschenden Erfolg der Minderheitskandidaten hesonders in der Wojwodschaft Wolhynien hinweist, wo samt• liehe Sejmmandate dem Block der nationalen Minderheiten zuficlcn. Die bürgerliche Presse ist der Ansicht, daß ein solcher Erfolg in den Verhältnissen nicht begründet ist und nur auf Wahlmißbrauch und Terrorismus seitens der Agitatoren des Minderheitsblocks ziirückzufi'ihren ist. Das Blatt der polnischen Sozialdemokraten (P. P.S.) ״Robotnik“ bekämpft die AnntiHicrungsfordcrung und erklärt, das Wahlrcsullat gebe einen richtigen Spiegel für die Bevölkerungszahl ab. Während der letzten Volkszählung, schreibt ״Robotnik“ weiter, hat cs sich erwiesen, daß die nicRtpoIn 18c 11 c Bevölkerung in Wolhynien 85 */« der Gesamtbcvölkmmg ausmacht. Warschau, 13. November. Wie die Blätter melden, hat die Regierung in das östliche Grenzgebiet eine besondere Kommission entsandt, um die Uebergriffe zu untersuchen, die unterlaufen sein sollen. Eine Reihe von Agitatoren der nationalen Minderheiten seien verhaftet. Wie bekannt, wurden im östlichen Grenzgebiete fast alle Stimmen für den Block der nationalen Minderheiten abgegeben, Tötung eines jüdischen Wahlagitatori Warschau. (J. C. D.) Im Städtchen Kwist überfielen Banditen den Wahlagitator für den Minderlicitsb'ock, den Juden David Lange, und verletzten ihn tödlich. Obwohl sofort eine Operation an dem Verletzten durcligefiihrt wurde, konnte man ihn nicht am Leben erhalten Und er starb nach schweren Qualen. Die jüdischen Deputierten Im titanischen Sejm Die drei jüdischen Deputierten, deren Mandate von der Wahlkomuiissioii des Sejm bestätigt wurden, sind Dr. Bruzkus, Berger (Zionisten) und G a r f u n k e 1 (Hitnchduth). Bekanntlich werden auch diese drei dem S:jm fernbleiben, solange nicht der Mandatsraub wieder aufgehoben ist. In Lettland wurde Professor Lazarson (Hitachduth) in Dwinsk gewählt,; Der Nationalst zum litauischen Mandalsrnub Kovno. (J.C. B.) Jn der Schlußsitzung des jüdischen Nationalrates für Litauen w׳urde die folgende, von der politischen Kommission ein gebrachte Resolution einstimmig an• genommen: ״Die 9. Session des jüdischen Nationalrates hat nach Anhörung des Präsidiumsberichtca über die Lage, die durch den Beschluß der Hauptwahlkommission betreffend die Mail• datsverteiiung für den Sejm geschaffen wurde, cs als ihre Pflicht erachtet, im Namen der . jüdischen Bevölkerung in Litauen folgendes zu erklären: Der Beschluß der Hauptwahlkommission, der im ganzen auf einer falschen Interpretation des Wahlgesetzes basiert, und das von der Verfassung gesicherte ' Prinzip der pro• portioncllen Wahlen zerstört, beraubt alle nationalcn Minderheiten in Litauen des Rechtes einer richtigen Vertreterschaft im Sejm. Die Parteien, die diesen Beschluß durchsetzten, haben den nationalcn Minderheiten die Möglichkeit genommen, ihre Rechte im Parlament zu verteidigen und zum Aufbau des Staates beizufragen. Durch diesen Schritt wurden die Grundlagen von Gesetzlichkeit und Gerechtigkeit erschüttert und den Interessen des Staates großer Schaden zugefügt. 111 dem vollen Bewußtsein des Ernstes der Lage für die jüdische Bevölkerung in Litauen und im Oefühl der auf ihm ruhenden großen Verantwortung beschließt der National• rat, die jüdischen Deputierten zu instruieren: 1. daß sic zur Eröffnung des Sejms erscheinen und die Bescitigung der begangenen Ungesetzlichkeit Vorbringen sollen, 2. sich dann solange an den Arbeiten d es Se j ms nie 111 zu beteiligen, als diese Ungesetzlich• keit fortbcstch t.“ Ferner beschloß •der Nationalrat, sich an die jüdische Bevölkerung mit einem Aufruf über die bestehende politische Lage zu wenden, Die Frage der Bestimmung eines Ministers für jüdische Angelegenheiten wurde dem Arbeitsausschuß übergeben. Wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, werden die drei als gewählt bestätigten jüdischen Deputierten zur Eröffnung^• Sitzung des Sejms, dem 13. November, erscheinen und die erwähnte Resolution des Nationalrates verlesen, Um sich gleich darauf zu entfernen. Aii unsere Inserenten!., Wir sind hierdurch gcnöiitit, mit Rücksicht auf die enorme Verteuerung der Herstellung!« und Betriebskosten unserer Zeiiang unseren Inserutcntarif zu erhöhen. Der Zeflcnpreis für die oehtgespoltcne Npnporcillezeile betrügt von jetzt ob 35.־— Mir, Verlag Jüdische Rundschau. Berlin W, \S, M:h1Ucb• Itr.», V per Zlonlsmu».erstrebt tOr da» jCdlscha Volte dio Schaffung einer gffenc;1th « rachtSfeh joglchorto» Helmitatto In Palästina. ״Baseler Programm.«« Die nationalen Minderheiten Der große Erfolg des Mindcrheitsblockes bei dca polnischen Wahlen ist ein Beweis dafür, daß die netto• nalcn Minoritäten in Polen nicht mehr gewillt sind, siel( von der nationalistischen polaischcn Majorität vergcwal* tigen zu Lassen. Mit dem Zusammenbruch der Mittel• mächte und dem Ende der deutschen Okkupation begann ein schrankenloser Nationalismus und r,";cksic!1ts!0:cr 1111• perialismus das Leitmotiv der polnischen Politik zu werden. Man versuchte nicht nur alle Randgebiete, in denen die polnische Bevölkerung eine verschwindende Minorität bildet, dem Reiche anzugliedern, sondern man hat auch im eigentlichen Polen sofort mit einem brutalen Kampf gegen die nationalen Minderheiten begonnen. Die Entsichungsstundc der polnischen Republik ist befleckt von Pogromen, Dieselbe nationalistische Bpwegung, die i:1 allen Ländern mm terroristischen Fascismur. führt, die Herrschaft der Straße, hatte in Polen das letzte Wort, Erst langsam vermochte sich der Staat zu konsolidieren, aber die Intoleranz gegenüber den nationalen Minder beiten, die durch die Annexion nichtpolnischer Gebiete besonders stark angewachsen waren, blieb vorherrschend. . Nunmehr haben die Wahlen zum ersten konstitutionellen Sejm stattgefunden und haben gezeigt, daß die Minderheitsnatienen genug Kraft und Stolz haben, nicht auf sich herumtreten zu lassen und ihre Rechte selbst wahrzu• nehmen. Die 80 Mandate des Minderheitsblocks sind ein weithin sichtbares Zeichen dafür, daß Polen kein national einheitlicher Staat ist, sondern ein national ge• mischtcr Staat, und daß cs verpflichtet ist, seine innere Politik dieser Tatsache nnzupassen. Denn es muß mit allem Nachdruck der Auffassung entgegengetreten wer• den, daß die Minderheiten eine Art Staatsbürger zweiter Klasse bilden oder in ihrer Loyalität gegenüber dem Staat nicht vertrauenswürdig seien. Diese Auffassung, die z. B. auch vo• einigen Tagen der Warschauer Korrc• spondent der ״Frankfurier Zeitung“ ausgesprochen hat, der die jiidischnationnle Partei in Polen ,,separatistisch“ nennt, beruht auf einer völligen Verkennung der Sachlage und des politischen Programms. Selbstverständlich gibt es eine Minderheitenpolitik, die separatistisch genannt wer• den könnte und eine richtige Irredenta darstellt. Das klassische Beispiel waren die österreichischen Italiener und sind heute vielleicht die Alldeutschen in einzelnen tschechoslowakischen Randgebieten. Diese Gruppen stre• ben die Loslösung des von ihnen bewohnten Terri• toriums von ihrem jetzigen Staat und den Anschluß an einen anderen Staat an. Ganz anders aber liegt der Fall bei der jüdischnationalcn Politik. Es genügt eine oberflächiiche Ueberlegung, uin den Unterscliied der beiden Situationen klar ncrvortrclen zu lassen. An wen soll־ denn die jüdische Minderheit Polens sich anschließcn wollen? Etwa an einen künftigen jüdischen Staat, der jedenfalls von Polen ziemlich weit entfernt sein wird? Die Auffassung der jüdischen Minderheit als irredentistisch ist ein aufgelegter Unsinn, der einem ernsten Publizisten nicht passieren dürfte. Die jüdischnationale Politik in Polen und anderen national gemischten Staaten bedeutet doch wohl nichts anderes als den Ausdruck des legi* timen Wunsches der jüdischen Bevölkerung, in ihrem Wesen und ihrer Eigenart geachtet zu werden und nicht wegen ihres Ursprungs staatsbürgerlich deklassiert zu werden. Die Assimilation bedeutet das gerade Gegenteil; indem sic Assimilation ist, um Gleichberechtigung zu erlangen, räumt sic imnlicitc ein, daß Jude-sein und es voll sein ein Grund für Einschränkung der Gleichberechiigung wäre. Jude-sein kann aber auf dem Wege des Rechtes keine politische Minderbewertung veranlassen, sondern nur auf dem Wege der Gewalt. Die Grundlage des modernen Staates aber muß das Recht sein. Den Juden muß das Recht gegeben werden, innerhalb des polnischen Staates, an dessen Entwicklung sic wie alle Staatsbürger mitarbeiten, ihre kulturellen, nationalen, religiösen Bedürfnisse zu befriedigen und die darauf bczüglichcn Angelegenheiten zu verwalten. Diese Forderungen stehen in keinem Gegensatz zu den Lebensbedingungen des polnischen Staates. Int Gegenteil, je bereitwilliger der polnische Staat der Minorität hilft, auch ihrerseits in seinem Rahmen frei zu leben, desto fester kettet er diesen Bevölkerungsteil an sich. Nur der einseitige Chauvinismus einer nationalen Majorität im Staate gefährdet den Staat, denn sie schafft unzufriedene Bürger, die dann freilich, wie alle Unterdrückten, ihren Unterdrückern nicht freundlich gesinnt sein können. Mit tiefem Bedauern müssen wir fcsistcllcn, daß der Wahlsieg der Minderheiten den polnischen Zeitungen wieder ru einem Sturmlauf gegen die Minderheiten Anlaß gibt. Das Gegenteil sollte der Fall sein. Einsichtige polnische Politiker müßten cinschcn, daß gerade durch die Vertretung der Minderheiten und durch eine dem Friedensvertrag entsprechende Möglichkeit der ungehinderten kulturellen' Entfaltung der Staatsbürger nichtpolnischer Nationalität der Staat gefestigt wird. Einseitiger nationaler Chauvinismus ruiniert jeden Staat früher oder später. Der nationale Charakter der in dem Dcbaclc des Krieges entstandenen Staaten bedarf dringend im toter-! ו ■!1 ־1.1 V 2 \i 1. ,־ י n "< z'! I1T ( *־ M 3.'; »I ־:יי; זי■־; •1 c r C I 11 י,'1 11! «f -; K c-i l■: 2 y \ y C 13 1 <!<' i''!r ל;> ו! i t > ־ i