Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1922)
- Date
- 1922-11-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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A Seite 590 J U1: ־: ),)! I A U ך־ו 1״י'/ 1% *®f• *y n ,‘tu•* יי יוזו1יז7* jüdische Farmsclmle in Pennsylvania Von Dr. S. Schwabachcr, Philadelphia. Wenige Meilen von Philadelphia entfernt liegt eine nidi-che I-'armschuJc, die vor 2נ Jahren vom Philadetpiiiaer RabW Dr. Joseph Kr aus köpf begründete und noch lieutc von ihm geleitete ״National Farm School“ in Doylestown, Pa. Im Jahre 1691 fuhr Dr. Krauskopf nach Rußland, um mit anderen Freunden zu versuchen, die Zwangsausweisungen von Zehntnusenden von Juden, die alle nach den Vereinigten Staaten ausvanderten, aufzuh alten. Er wandte sich u 3 auch an L.co Tolstoi, der Ihm zwar nicht helfen konnte, aber ihm mhdegte, die neue Judcnsicdlung in ׳Amerika aus den Toren der Oroßstadt aufs Land hinaus• zuführen und die Anfänge einer jüdischen Landwirtschaft dort aufzubaucn. Krauskopf beschloß, dieser Anregung zu folgen und, nacli Amerika zuriickgckclirt, sammelte er in mühseliger Arbeit, das ganze Land bereisend, ein'ge Gelder und eröffnet־ im Jahre 1897 die Farmschule mit acht Schülern, einem land* wirtschaftlichen Lehrer und einem Helfer auf einem Grundbesitz von 125 Morgen. Als Grundsatz hatte er aufgcstcltt, daß die Schüler Erziehung, Verpflegung, Kleidung, Wohnung usw, ohne jede Vergütung erhalten sollten. Dieser Grundsatz konnte auch infolge der freigebigen Spenden der amerikanischen Juden bis heute aufrecht erhalten werden. Ein weiterer stets befolgter Grundsatz war, daß kein Cent Geldes geborgt werden durfte, so daß der ansehnliche Grund- und Sachbcsitz der Farmschule völlig unbelastet dastcht. Das Wachstum der Schule im verflossenen Vierteljahrhundert veranschaulichen folgende Zahlenangaben: Die Schule besteht aus vier Farmen; der Lchrcrfakultät gehören acht Lehrer mit drei Helfern an (vier Lehrer sind aus der Schule hervorgegangen). Die Zahl der Schüler betragt 130, von denen über drei Viertel Juden sind. Der Grundbesitz ist auf 475 acrcs (Morgen) angewachsen. Der Bestand an Milchkühen betrügt 83; ferner hat die Farm 53 Stück Jungvieh. Im Pferdestall stehen 27 Pferde. Im H&hncrstaU sind nahezu 2000 Leghennen. Die Erzeugnisse der Farm, die verkauft werden und jährlich etwa 2000« Dollar erbringen, bestehen aus: Getreide (Weizen, Roggen, Hafer; Heu). Obst (Acpfel, Birnen, Pfirsiche). Gemüse (Spargel, Kartoffeln, Mohrrüben, Rüben, Tomaten, Sellerie, Gurken, Kürbisse). Milch (188000 Quarters); wird an Jüdische Hospitäler geliefert. Hühner. Eier (14000 Dutzend; Verkaufserlös: 6000 Dollar). Füllen und Kälber, Blumen (Lilien, Nelken, Chrysanthemen, Topfpflanzen). Der Wert der gesamten Anlage ist seit der Gründung auf eine halbe Million Dollar gestiegen. Man hofft in den nächsten Monaten, anläßlich des Jubiläums der Anstalt, weitere sehr erhebliche Summen aufzubringen, die je zur Hälfte zur Vergrößerung des Grundbesitzes bzw, für Ncuanschaffungen dienen sollen. Finanziell ist ferner von Interesse, daß der Betrieb der Farm School jährlich etwa 70000 Dollar erfordert, von denen 50 000 Dollar durch die Förderer aufgebracht und 20000 Dollar durch den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte erzielt werden. 10 000 Dollar soll der pcnnsyivanische Staat jährlich hergeben; dafür ist allerdings auch die Anstalt parilätisch, sowohl was die Aufnahme der Schüler wie auch die Verwaltung anlangt. Die Zöglinge, die einen vorzüglichen Eindruck erwecken und unter denen sich eine Anzahl für Palästina vorbercitcn, machen ln den ersten zwei Jahren den gesamten Betrieb durch und spezialisieren sich im dritten und letzten Jahre auf ein Fach. Das Alter für die Aufnahme ist 16 bis 21 Jahre. Vom jüdischen oder gar vom zionistischen Standpunkt kann man sich allerdings nur sehr bedingt mit der National Farm School einverstanden erklären. Dr. Krauskopf, der vor einigen Jahren in Erez-Israel war, kehrte zwar von dort als Zionist zurück und hat sogar eine Zeitlang der zionistischen Exekutive in Philadelphia angehört. Man kann aber nicht behaupten, daß zionistische Einflüsse sich in der Schule geltend machen und der Name ״National Farm School“ bedeutet keineswegs ״jüdisch-national׳“). Man wird bedenken müssen, daO die Anstalt nicht reinjüdisch geführt wird und nicht ausschließlich jüdischen Interessen dient. Grund für die Führung der Schule als paritätische Anstalt Ist nicht nur die erwähnte staatliche Subvention, sondern vor allem auch, daß die Farmschule von ״German Jews“ begründet wurde und in erster Linie auch von ihnen erhalten wird. Unter German Jews versteht man nicht nur die aus Deutschland stammenden, sondern überhaupt die seit einigen Generationen hier ansässigen, zu!Wohlstand und zu sozialer Stellung gelangten Juden, die entsprechend assimiliert und amerikanisiert sind. Diese würden eine jüdisch-nationale Anstalt schwerlich in so freigiebigem Maße unterstützen, wie sie es bei der Farm School tun. Es mag hier eingeschaltet werden, daß die Spannung, die soziale Trennung zwischen den deutschen und russischen Juden hier bis vor kurzem so ausgeprägt war, daß beide Gruppen getrennte Wohlfahrtsanstaltcn, congregations usw. unterhielten. Allmählich konnten jedoch die deutschen Juden ihre Institute finanziell nur schwer aufrcchterhaltcn und da andererseits Anzahl und auch Wohlstand der russischen Juden ständig stieg, schloß man sich vor einigen Jahren zur ״Federation cf Jewish Charities“ zusammen, zif der jeder Jude in Philadelphia fast ausnahmslos beisteuert und deren Einkünfte nach einer bestimmten Quote unter die 4b angeschlossenen Anstalten verteilt werden. Abgesehen von der erwähnten Einschränkung vom jüdisehen Gesichtspunkt aus kann man es begrüßen, daß von Krauskopf der erfolgreiche Versuch begonnen-wurde, jüdische Jugend aufs Land hinauszuführen, aus der amerikanischen Großstadt heraus, wo sie zu Zehntausenden ein freudloses Dasein führt in der Schneiderwerkstatt, am Ladentisch und als Zeitungsverkäufer. Es wäre nur zu wünschen, daß die Gelegenheit zu landwirtschaftlicher Arbeit im Laufe der Zeit ל »National“ bedeutet In solchen Worten ״für das ge- Samte Gebiet der Union“ geltend, nicht lokal beschränkt. Antn. d. Red. einer grö deren Anw hl Schiller geboten würde und daß mehr als heute von Ihnen sich ff:!• 1'׳!" hm :(!!:,bilden, Dann würde die Farm School, wenn auch vielleicht nicht gewollt, sich ah eine nützliche Voibcrcitur.gsm.s'.alt für Palästina erweisen. Von Johanna To m a schewsk I, Haifa. Es ist ein trauriges I'i ׳11:!her es entspricht der Nr. S& Wahrheit, daß die Mehrzahl der aus pilüstiivensisdicn Schulen abgehenden Mädchen im Aller von Id—20 Jahren das Land verlassen, um anderswo ihre 12,121'.*.!,mg zu empfangen, und eine selbstverständliche Begleiter: :iidtutti;;: ist die: nicht wenige gehen dabei für Palästina verloren; das leben in Paris, in London oder in Berlin hat größere Reize für sie; oder sie kommen zurück, aber mit grcTigüdlbdien Allüren; sic haben die enge Verbundenheit mit der Natur Ihres Landes verloren um! damit auch die Eignung ftir eine aufopfernde Arbeit auf der heimatlichen Scholle. Ein Land, das seine Kinder für sich erzogen haben will, muß die Erziehung selbst übernehmen, es muß rächt mir Schulen haben für seine Kinder, darüber hinaus muß es Berufsausbildu »gsstättenfürdicdcrSchulcEntw schienen geben, BcrufsausbÜdungsstätlcn, wie sie der Eigenart und den Bedürfnissen des Landes entsprechen. Das sind Forderungen, die Palästina bis jetzt noch nicht erfüllt hat; und die siel» erfüllen müsecn für Knaben und Mädchen. Mich interessieren Li der heutigen Darstellung mir die letzteren, und wie sielt für sie vielleicht eine Lösung des Problems herbeiführen ließe, darüber möchte ich Im folgenden Auskunft geben. Die Leitung der hebräischen Realschule In Haifa plant die Anbiederung einer Frauen 5,•hule an ihre bisher bestehenden Klassen. Sie will Mädchen geeignet machen, nachdem sie ihre allgemeine Bildung abgeschlossen haben, zur selbständigen Führung jedes privaten uni Uinilidicn Haushaltes, darüber hinaus zur Leitung von MassenhatishalUmgcn, zur Kranken- und Säuglingspflege und zur Erziehung und Belehrung noch nicht schulpflichtiger Kinder. Sie glaubt mit einem solchen Institut den wichtigsten Bedürfnissen des Landes entgegenzukominet». Sie will dem Lande tüchtige Hausfrauen, leistimgsfällige Bäuerinnen geben, und der neuesten Wirtschaftsform Rechnung tragend, tatkräftige und umsichtige Haushaltungsverstände und Wohlfahrtspflege rinnen jenen Iandwirtsdiaftliehen Gruppen, die Gcmcinvvirlschaft und Gcmeinsdiaftsvcr- Sicherung auf ihr Programm geschrieben haben. Sic will diese« Ziel erreiche» durch eine zweijährige Fachausbildung, die naturgemäß theoretische und praktische Arbeit umfaßt. Der Unterricht soll di« folgenden Arbeitsgebiete umfassen: I. Praktische Fächer. A. Hauswirtschaft (2 Semester). 1. Kochen, 2. Hausrclnigungsarbeit, 3. Nähen und Auster, :ern, 4. Waschen und Schrankfertigmachen der Wäsche, 5. Gartenarbeit, 6. Geflügel-, evtl. Bienenzucht. , > B. Kranken - und Säuglingspflege (1 Semester). Praktische Arbeit i.n Krankenhaus«. C. Kinderpflege uni •Erziehung (1 Semester). 1. Handfertigkeit, 2. Gartenarbeit (besonders in Berücksichtigung des Zusammenarbeitens mit Kindern), 3. Tänze und Singspiele, 4. Praktische Arbeit im Kindergarten. II. Theoretischer Unterricht. Hand ln Hand mit der praktischen Arbeit geht der theorctische Unterricht. Er wird zum Teil aufs engste verquickt sein mit der Praxis; so wird in den Kochstunden selbst die Unterweisung in Nahrungsmjttellehre stattfinden. Näh-, Wasch- und Hausarbeitsunterricht geben Gelegenheit. D. Für das 4. Semester: 1. Erziehungslehre (Päda* gogik und Psychologie). Ueber die Verteilung der Stunden Im׳ Wochenplan, über die Zahl der Stunden, die je dom Fad! zugewiesen werden kann, läßt sich hier noch nidifs Bindendes sagen. Die! wird von der Zahl der ־Teiln-chmetiuüen, von der evtl. Einteilung in mehrere Schüterintiengruppcii nbhangen. I!» gewissen Aurmahmefälien dürfte sich die Ausbildung auf eine kürzere Frist bccdirvnken!,«;en. Bereits ausgcbildctc Kindergärtnerinnen und Kra!111enp״״g-'״m:wn können zur Teilnähme nur am haus\vlr;6:haft1ichcn Kursus aufgenommen werden. Auf die drei ersten Semester könnte die Ausbildung eingeschränkt werden für Mädchen, die mit Bestimmtheit nur Privathaushaltungcn verstehen wollen; der Kindergärtnerinnen- Kursus wäre ihnen zu erlassen, weil er für sie nicht von 1u1bedingter Notwendigkeit ist. im allgemeinen wird gerade auf eine uneingeschränkte Teilnahme zu achten sein aus Gründen, die oben schon angegeben rind. Es bleibt noch zu erörtern, warum gerade die Haifaer Rca’srhu'c den gcaigaetcn CM für diese Neugtündtmg bietet. Zunächst: Die Haifaer Realschule ist diejenige, die neben dem wissenschaftlichen Unterricht audi die praktische Arbeit schon in ihren Bau aufgenom1r.cn hat. Die Jungen arbeiten in Eüch'wnderd, Tischlerei und Metallarbeit; die Mädciien nahen, und im letzten Schuljahre haben sie schon mit regelrechter Küchenarbcit begonnen. Die drei oberen Klassen nehmen .1» diesen Stunden teil; sic haben zweimal wöchentlich je zwei Kodistundcn, sie bereiten in dieser . Zeit eine Mitiagr.mahizeit für etwa *X) Schüler und Schülerinnen, die bis 5 Uhr nachmittags in der Schule bleib:;!!. $i: reinigen mell dem Essen Kochgeräte, Eßgesdiirr, KtJic und Speiseräume. Es leuchtet ein, daß damit schon wichtige Vosbediugungen für das geplante neue Institut crfu'lt r.lisd. Zuerst: Die Realschule wird der Fr.1r-:v.clu1lc einen großen Teil des Scht'1!cri1v:1en111,׳jteri.1lr.'?,teilen. Die Mädchen, die ein• mal der IIauswirts.hr.it ־.'■;•!!־!führt :״.׳!, werden mit Leiditigkeit für die wci'erc Ausbil tu{ Gebiet zu gewinnen «ein. So wie für die!{!!:!1:;! das di•: Forlcctzunc׳ der Schule bedeuten Ml 11;, J vvhd, v.l.d es für die Mädchen die Fraueivschuie sein. i>1״!;j i,t natiuiteh n'dit gemeint, daß die Realschule allein das bten:!,:fiim׳jr,1rsf;:rial für“die Frauenschule stellen wird. Gewiß uidit! And, iVtedclicii aus anderen Schulen, au» anderen $1: die», w-5 Gm KgV D:1t,nu,:h Chaluzoth, werden dort ihre Wüncche auf Forllilfhte;.• erfüllen können, of!er durch die RcakchU'eriivicn wird immerhin eine gtwis;c ״ Grundlage gc.khcrt sein,!1 Weiler spreche!» matcricl'e Gründe stark für die Frauen- '■ schule im Zusammenhang mit der Real:,Jude, Für die p^. I ti :-,che Arbeit in der Küche und im Hause werden »1ujcj.”\;;j R.11j;11ansch.tf[1111j:r11 zu machen sein. Die Küche existiert jetzt mit allen notwendigen Geräten. Dies um! jene■! Wu'! ׳ vielleicht noch fehlen, aber der haiiptsädiliche Bedarf iss deckt; cben-o sind schon ehe meisten Geräte vorhanden tur i Hausarbeit, Waschen und Plätten. Auch die Aufnahme <!!ך i Gartenarbeit wird eine Leichtigkeit sein. Es ist ein Sci,g. ' Gemüsegarten angelegt und es Dt genügend Raum, um ihn! sprechend zu erweitern. Gartengeräte sind vorhanden, > ist der Bestand nur etwas zu vergrößern. '; Das Internat der Haifaer Sehule, das seit langem geplant ׳ hoffentlich in allcrn.äciDtcr Zeit Wirklichkeit werden wird' wird den Schülerin neu der Frauensdui'c ebenfalls ein we״:J i Betätigungsfeld eröffnen. Es wird der Haushalt sein, der ■ ihnen Gelegenheit zu wirklicher Hausarbeit bietet. Sie selbst wenigsten» diejenigen, die von anderen Plätzen kommen' ׳ werden dort wohnen; es wird das Haus sein, das sic rein ns I halten, für das sic zu waschen, zu plätten, kurz, das sie instar,,! I zu halten haben, und ohne ein solches Haus wird' alle Hausarbeit ' immer nur Theorie bleiben. ‘ Es darf außerdem auch nicht der Vorzug übersehen werden i der in dem 8.110:1 Vorhandensein eines größeren Lehrerkolk• giums liegt. Die Lehrer und Lehrerinnen der Realschule werde!» einen großen Teil des praktischen sowohl wie des theoretischen Unterrichts auch an der Frauenscliulc übernehmen können, so daß eine weit geringere Zahl von neuen Lehrkräften für die Schule verpf,teiltet zu werden brauchte, als cs an jedem anderen Platze der Fall sein müßte. Id! meine, dies alles sind Gründe, die uns in unseren Plänen recht gehen, die uns die Durchführung eines für unser Land so wichtigen Werkes erleichtern werden. Natürlich wird es trotzdem noch viel moralische Kraft, aber auch noch viel materielle Mittel erfordern, wenn es taträchlid! zu der gewünschten Fraucnbildungss at;e werden seit. Wir müssen einige Arbeitszweige ganz neu aufnehmen, wir werden auf einige neue Lehrkräfte nicht verzichten können; wir werden noch Mittel brauchen für die Einrichtung »!es Mädchcrvinternatcs, auch Mittel für die Abgabe von Freiplatzen an unbemittelte Schülerinnen. Es darf und wird uns aber an diesen Mitteln nicht fehlen. Jeder, der für Palästina und seine Entwicklung Interesse hat, lind von unseren Absichten erfährt, wird ihren Wert erkennen und wird sic unterstützen, so weit cs in seiner Kraft steht. Ich wende mich mit diesem Bericht an die Organisation der zionistischen Frauen. Ich werde es sicherlich nicht vergcblich getan haben. Anmerkung: Nähere Auskunft erteilt das Büro de» ״Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Pa'ästina“, Berlin C2, Burgstr. 27, Büro 22, das auch Beiträge zur Förde« Ring der Errichtung dieser Anstalt entgegennimmt. : t j Der Keren Kajcmctli L'Jisrael im Jahre 1921 Von Dr. Erwin Michel, Berlin. Das Hauptbüro des Keren Kajemeth hat vor kurzem seinen Rechenschaftsbericht für das Jahr 1921 herausgegeben, der die größte Beachtung verdient. Abgesehen davon, daß die Berichte des Hauptbüros schon an und für sich durch ihre rein sachliche Darstellung das Interesse der jüdischen Oeffentlichkcit für sich beanspruchen können, ist die Nationalfondsgcschichte.dcs abgelaufcncu Jahres, des 20. seit seiner Begründung, besonders bemerkenswert. Dieses Jahr kann ohne Uebertreibung als das bedeutsamste unter den vorangegangenen 20 Jahren bezeichnet werden. Der Bericht des Hauptbüros zeichnet sich zunächst durch eine übersichtlicha Gliederung aus, indem er eine Darstellung über Aufbringung der Mittel des K. K. L. einerseits und über die Verwendung des eingelaufenen Geldes andererseits gibt. Besonders der eingehende Bericht über die Verwendung der Mittel des K. K. L. füllt eine lange empfundene Lücke aus, da man in dieser Beziehung bisher im wesentlichen auf geiegentliehe Pressenotizen angewiesen war. Auch in dieser Berichtsperiode konnte die Organisation des K. K. L. weiter ausgebaut und intensiviert werden. Die An« zahl der beitragenden Länder ist seit dem Jahre 1920 von 45 auf 53, die Zahl der Orts- bzw. Bfzirkskomtnissionen schätzungsweise von 4000 auf 5000 angewachsen. Sehr wichtig für die innere Organisation des K. K, L. war es, daß Ende August in Karlsbad die erste Weltkonferenz des K. K, L. stattfand, an der sich außer dem Direktorium der palästinensischen Verwaltung und dein Hauptbüro des K. K. L. etwa 30 N.-F.-Kommissionen beteiligt haben. Einer der wesentlichsten Beschlüsse dieser Konferenz war die Verlegung der Zentral Verwaltung des K. K. L. nach Jerusalem. Der Beschluß wurde vom 12, Zlonistenkongreß endgültig und fast einhellig genehmigt, und seine inzwischen bereits erfolgte Durchführung wird voraussichtlich besondere Wirkungen auslösen. Wenn auch die Auf« Stellung des Budgets und die Regelung aller prinzipiellen Fragen von der Zustimmung sämtlicher Direktoren abhängig bleibt, wird doch durch das Zusammenwirken des Haupt- Büros, welches durch das bisherige Palästinabüro des K.K.L. verstärkt wurde, mit den palästinensischen Mitgliedern des Direktorium das Schwergewicht der N.-F.-Verwalturvg endgültig nach Palästina verlegt. Ganz besonders einschneidend für die weitere Entwick* lung des K. K.L. ist die Schaffung des Keren Ha.jessod gewesen. Der zwischen beiden Direktorien Ende 1920 geschlosscne förmliche Vertrag zur Regetung des Verhältnisses der beiden'Organisationen untereinander zwang den K. K. L. zu einer wesentlichen Umstellung seiner Sammelmittei, da er auf die Sclbstbcstcucrung Verzieht leisten und sich auf die Propagierung der Gclegenhciisspendcn beschränken mußte. Der Beschluß der Londoner Jahreskonferenz, wonach der neu gegründete Keren HajessoJ aus seinen Reineinnahmen 20 ״/# dem Keren Kajemeth abzuführen habe, um ihm die Durchführung der jüdischen Bodenpolitik zu ermöglichen und ihn für den voraussichtlichen Ausfall an eigenen Einnahmen zu entschädigen, Ist zwar vom 12. Zionistenkongreß bestätigt worden, kam jedoch in dein Berichtsjahr noch nicht zur Ausführung; auf Grund einer ebenfalls vom Kongreß beschlossencn Uebergangsbestimmung muß der Keren Hajessod zunächst den regelmäßigen Palästina-Etat 111 Höhe von (156 000 Pfund decken. Da diese Bestimmung seither so ausgelegt wurde, daß ent nach Deckung diese« Etat« der Anspruch de• in