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Jüdische Rundschau · 1922-11-07 · Heft 88 (7.11.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 88 (7.11.1922)
Date
1922-11-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Beilinson vertritt den Standpunkt, daß spezifisch j(idische Proteste nur dort am Platze seien, wo spezifisch antijüdischc Maßnahmen unternommen und getroffen würden. Darauf hat der erwähnte Leitartikel (leider auch dies für mein Gefühl nicht eindringlich genug) bereits erwidert, daß es sich bei dem Vorgehen der Sowjetmacht gegen die Ausübung der jüdischen Religion tatsächlich um eine spezifisch antijüdischc Maßnahme Insofern handle, als durch ale auch der 1ution.de Bestand des jüdischen Volkes bedroht werde. Es Ist schon auffällig, daß dieser für uns ebenso selbstverständliche wie wesentliche Gesichtspunkt in den Ausführungen eines Zlo• nisten völlig außer acht gelassen wird. Ich gehe aber noch weiter und behaupte, daß das jüdische, Volk auch dann berechtigt wäre, einen Protest zu erheben, wenn seine berechtigten Interessen durch die Maßnahmen einer Regierung geschädigt werden; ganz unabhängig davon, ob andere Kreise der Bevölkerung von diesen Maßnahmen ebenfalls betroffen werden oder nicht. Damit ist zunächst noch keine Ausnahmestellung gefordert, sondern nur betont, daß das jüdische Volk bestimmte Maßnahmen als gegen sich gerichtet empfindet Es könnte höchstens den Gesichtipunkt geben, daß wir als eine überstaatliche Gesamtheit über• haupt kein Recht haben, uns In die Regelungen Itliiclnzu• mischen, durch die jeder Staat für sich die Rechtsverhältnisse seiner Bürger ordnet Denn allein durch die Tatsache, daß es; ein internationales Judentum gibt, das sich mit den Interessen seiner Stammesgenossen, gleichgültig in welchem Lande, solidarisch erklärt, besteht allerdings die Gefahr, den Un• willen des jeweils betroffenen Volkes oder eines Teiles des• selben zu erregen. Ich darf wohl aber annch ncn, daß dieser extrem assimilatorische Gesichtspunkt von Herrn Beilinson nicht vertreten werden sollte. Wenn man aber überhaupt das Recht bzw. sogar die Pflicht der jüdischen Gesamtheit proklamiert, für ihre Angehörigen einzutretcn, um einen Nachteil von ihnen zu wenden, so kann diese Pflicht nicht dadurch beeinträchtigt werden, daß andere Bevölkerung!•• kreise ebenfalls unter diesem Nachteil leiden. Jeder kann nur für sich eintreten, und es wäre sinnlos, einen jüdischen Protest zu erlassen, der sich auch mit der Unbill beschäftigt, die der christlichen Bevölkerung' zuteil wird. Aber unaus• gesprochen liegt natürlich in einer Erklärung, die sich gegen die Unterdrückung der Religionsausübung durch die jüdischen Angehörigen des russischen Staates wendet, der allgemeine Grundsatz freier Religionsausübung eingcschlossen. Man verlangt also Ausnahmen auch dann nicht, wenn man anti• jüdische Maßnahmen da bekämpft, wo sie nicht als spezifisch antijüdischc zu betrachten sind. Daß die entgegengesetzte Meinung in der J. R. überhaupt ausführlich zu Wort kommen kann, ohne sofort mindestens eine entsprechende Anmerkung der Redaktion zu finden, ist um so merkwürdiger, wenn man sich an die sehr entrüsteten Proteste erinnert, die von der J, R. mit Recht erhoben wurden, als jetzt in Sachsen antireligiöse Maßnahmen erlassen wurden, durch dte eben• falls die jüdische Bevölkerung nicht allein zu leiden hat. ja, aber Sachsen Ist eben nicht Sowjetrußland. Und damit bin ich beim springenden Punkt der Ausführungen des Herrn Beilinson; er behauptet nämlich, daß man allerdings Unterschiede machen müsse, indem man jeweils die Pflicht habe, eine Regierung auch vom allgemeinen menschlichen Standpunkt einer Prüfung zu unterziehen: ob sie gerecht lei, ob sie zum Wolde des Landes und der Allgemeinheit arbeite. Dieser Gesichtspunkt ist so widersinnig, d3ß er einer Widerlegung kaum bedarf. Denn wenn heute z. B. in Deutsch• bnd eine Unksradikale Regierung mit den Tendenzen der sächsischen zur entscheidenden Macht kommt, oder wenn eine rechtsradikal-antisemitische sich durchsetzt, so werde ich es in keinem Augenblick für notwendig halten, mich mit Herrn Beilinson darüber auscinandcrzusctzen, ob die herrschende Reffierungsform gerecht sei oder zum Wöhle Deutschlands arbeite, sondern werde, ganz unabhängig von der Ent- Scheidung dieser Frage, es für selbstverständlich halten, daß das jüdische Volk gegen die Unterdrückung freier Rcligionsausübung (von links) oder die sonstige Entrechtung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland (von rechts) alles tut, was in seinen Kräften steht. Mit andern Worten, es gibt für uns nur jüdische Politik und jüdische Interessen im Sinne unseres zionistischen Zieles, Und diesen Gesichtspunkt wollen wir uns nicht verwirren lassen; nicht einmal dann, wenn cs sicli um Sowjetrußland handelt. München. Dr. Gustav Krojanker. 11. ln der Nummer 85 der ״Jüdischen Rundschau“ nimmt Dr. Wcltsch Steilung zum Zci’rc-Zion-Prozeß in Rußland und gleichzeitig auch zu meinem Aufsatz, der in der Nummer veröffentlich*, wurile und der die Versuche, die Sowjet-Macht im S'nne einer gerechten JuJenpoliÜk zu beeinflussen, betrifft. Es sei vorausgeschickt, daß in der Bewertung des russischen Bolschewismus Dr. W. und ich auf entgegengesetzten Polen stehen. Für ihn handelt es sich um einen ״ernsten, weit* ges.-hichtlich bedeutsamen Versuch der Aufrichtung einer neuen und gerechteren Ordnung, einer Umbildung der Wirklichkeit nach der Idee“; für midi handelt es sich um den phantastischen Versuch einer wirlsdiaf (liehen Vergesellschaftung, die mit Ge• waitiuitlelo, durch Entfesselung der brutalsten Pöbel in *linkte, durch Sistierung der elementaren Freiheiten und mit ihnen des fruchtbaren'kulturellen und sozialen Lebens durch peführl wird; um einen Versa!di, der weder mit geistiger Erneuerung noch mit unserem konstruktiven Sozialismus etwas gemeinsam hat und der notwendigerweise in die heutige Oiigardiie ent• »den mußte. Diese Oligarchie trägt einen großen Teil der Schuld daran, daß das Erneucrungsstreben des nachkrwgerisdien Europa im Sand verlaufen ist und daß die Redaktion heute überall die Oberhand gewinnt. Der Umstand, daß ich in dieser Bewertung mich, rein äußerlich, im gleichen Lager mit der Reaktion befinde, kann die Sache nicht indem. Gewiß wünsche ich auch, daß zwischen dem russischen und jüdischen Volke bessere Beziehungen beständen, ich weigere mich aber, »wischen dem russischen Volke und׳ der heutigen Regierung einerseits, zwischen Antibolschewismus und Konterrevolution Mdererseits, eia Gkidihcvtaeidien tu setze*. Nicht hier Ist der Platz, diesen Streit welterzufüJiren. Es seien nur die m. E. schwachen Seiten des Standpunktes von Dr. W., in der jüdischen Sache hervorgehoben, 1. Es erscheint heute als unmöglich (und nicht vom Zionismus hängt cs ab, die Sachlage zu ändern) die zionistische Sache so ״in das rechte Lidit zu rücken", daß sie für die öowjcl-M.-u!1t annehmbar wird; noch unmöglicher Ist die Forde• rung, die zbniulsdie Politik diesem Streben *nznpas-ven. Als ersten Sc 11 ritt dazu verlangt z. B. die Berliner Organisation Ha! oll llnzai'r die Desavouierung »von JalMtinsky, da •ein Vertrag mit Pelljura dem Tribunal von Kiew den Vorwand gab, die Zei'rc Zion der Konterrevolution zu beschuldigen. Aus diesem Grumte Jabotinsky zu desavouieren, wäre nicht nur ungerecht (weil sein Vertrag keinen »ntlsowjelistitciien Charakter getragen hat), sondern hätte audi den Zweck nicht erreicht. In der bolschewistischen Literatur und vor demselben Tribunal von Kiew wurde dem Zionismus vor allem *eine allgemein« Politik und *ein ״Bündnis mit dem imperialistischen England zur Unterdrückung der Araber“ Ink ri ruiniert. Es Ist unverständlich, weshalb man bei Jabothwky Halt machen *oll, und cs ist nicht zu ermessen, wie weit man zu gehen gezwungen sein würde, wollte man den ״gegen den Zionismus sprechenden Schein“ bei der Sowjet-Macht entkräften. In Wirklichkeit han• *ehern «׳eiche aus alter, v o r bolschewistischer Zelt stammen• * den Gegnerschaften und Antipathien sich jetzt hier Innerhalb «kr jüdischen ״Familie“ auswirken; insofern liegt bei uns ein Spczlalfall vor. Und der andere Punkt ist die Tatsache, daß cs *ich bei uns nicht uni eine beliebige ,,kulturelle Be- Strebung", »andern um eine nationale FmheilsbcwefjiHig hanclclt, für die wir ein l.ebcnsrecht wenigstens innerhalb der durch die heutigen russischen Zustände gesteckten Grenzen verlangen. Das Ist ein singulärer Fall, der auch *inguläre Berücksichtigung erfordert. Uebrr die Stimmung de» russi- »dien Volkes zu urteilen hin ich nicht in der Lage; «her ich glaube, daß die Feindschaft gegen die Juden v.ct weniger durch den Versuch erregt winde, für die jüdische Gemein• *chaft die elementarsten Lebensbedürfnisse zu sichern, als vielmehr dadurch, daß immer wieder einzelne Juden, und nicht die besten, die Situation benützend, im Vordergrund des bolschewistischen Apparates in allen *einen Verzwei• gungen agieren. Gegen dieses Verhalten der Juden bin allerdings auch Ich aus nationalen Gründen. Diese Frage aber führt »clion tief hinein in das Problem der zionistischen Neutralität überhaupt, das *ehr kompliziert Ist und hier nicht aufgerollt werden kann. Wir freuen uns, daß Dr. Beiiinaon In Aussicht (gestellt hat, diese» schwierige und wichtige Problem In einem gesonderten Aufsatz zur Diskussion zu stellen. R. Wcltsch. d!LiiiaSES Die Zionistensteuer Der •rate namentliche Ausweis der Zionisten- »teuer wird ln Nr. 90 der jüdischen Rundschau‘1 von» 14 November d, J. erscheinen. Wir bitten alle Ge• *innungdgenosaen, die Ihre Steuer getnüß den ne« festge letzten Steuerst,ifcn noch nicht entrichtet haben, die« unverzUgllch zu tun, damit Ihre Zahlung noch In den Ausweis aufgenomoiet! werden kann. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Depoaltcak•••• Kvi’fQrttcatlamia 52, dclt e» Nell mcht um Schein, sondern um Gegensätze; man sehe sich eile unverantwortliche Oricntpo'ilik der Sowjet-Macht ctw׳as näher an. 2. Es ist naiv, daran ernst zu glauben, daß die Jewsekzia mit Lenin mul Lunatscharsky, wie es ihr beliebt, spielt, und daß die Führer der Rälcregicrung blind und gehorsam die Winke des Häufleins der jüdischen Kommunisten befolgen. Jewsekzia macht im jüdischen Gebiete einfach das, was die allgemeinen Regierungsorgane im russischen machen — nicht mehr, vielleicht nodi weniger. Es ist doch merkwürdig, wie unsterblich die Illustenen sind von den ״Generälen und der Bürokratie“, die allen» an allen Feiilschiägcn schuld sind, und von denen Kaiser oaer Zar, der unschuldigcrwcise von diesen betrogen wurde. 3. Dr. W. ist mir den Beweis schuldig geblieben, weshalb die Forderung, die Verfolgungen der jüdischen Religion und des Zionismus cinnistclicn, keine Forderung nach einem Privileg ist Alle anderen Religionen in Rußland, alle allgemein russischen Institutionen, auch rein kulturelle, werden verfolgt, soweit sie sich der Sowjetmacht nicht bedingungslos fügen. Gerade der Umstand, daß die Zci're Zion konstruktive Sozialisten sind, macht sie für die Sowjet-Macht nicht indifferent, Es gibt übrigem überhaupt keine freie gcis'ije und soziale Tätig• keit, die für eine aulokratlsdic Regierung indifferent wäre. Insofern die Jewsekzia nur das bolschewistische Regierung»• organ auf dem jüdischen Gebiete ist, kann ich im jüdischen Fall keinen Spezialfall sehen. 4. Gewiß ist das Judentum in Rußland ״nicht nur in konfessionellen Einrichtungen, sondern in seinem nationalen Bestand gefährdet“. Nicht aber seitens der Jewsekzia (seit wann sind die Rcgicru'ngsverfolgungcn so gefähr'idi geworden? Man hat doch den Zarismus hinter sieh!), sondern seitens des russischen Volkes. Man horche dodi ein bißchen zu, was in Rußland in dieser Beziehung vor sicli geht, man höre doch die verzweifelten Stimmen, die von dort kommen. Man atmet fast nicht mehr, so ist alle* vom Judenhass« voll. Das Ist die wahre Gefahr und die Sympathie-Kundgebungen den heuligen Machthabern gegenüber, die Schritte, .dazu an• getan, ihr Wohlwollen zu unserer Bewegung hervorziirufcn, können ■sic nur vermehren. Moses Beilinson. 111. Wir fühlen uns verpflichtet, beiden vorstehenden Zu• Schriften Raum zu geben, zumal sie eine Kritik der von redaktioneller Seite geäußerten Ansichten enthalten. Was zunäciist die Einwendungen Dr. Krojankers betrifft, so scheinen uns gerade seine Bedenken zum größten Teil durch die Zu• schritt ßellinsons paralysiert. Denn wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir annehnten, daß Krojanker den besonderen Nachdruck auf seine Ablehnung der Vorztigsbehandhmg der Sowjctregicrung legt; er wird nun darüber aufgeklärt, datl Dr. Beilinson* Stellung keineswegs aus einer besonderen Verehrufig für das Sowjct-Sy.ilcm sich ableitet. Beilinson meint, daß die russischen Juden im Widerstand gegen derartige Maßnahmen der Regierung eine gewisse Solidarität mit dem russischen Volke betonen müßten. Hier *chcint also wenigstens zum Teil ein Mißverständnis vorzuilegen. Viel schwieriger ist die Auseinandersetzung mit Beilinsons Einwendungen gegen meine Bemerkungen. Ohne in eine Debatte über die Tendenzen der kommunistischen Bewegting Rußlands einzulreten, wozu hier nicht der Ort ist, möchte ich nur auf d.3!׳ eine hhiwciscn, daß die von Beilinson erwähnten schwerwiegenden Fehler, die auch von mir nicht verkannt werden, vielleicht doch, zum Teil wenigstens, aus der Situation zu erklären »lud, in die der meines Erachtens in der Konzeption großartige versuch durch die Widerstände und dunklen Machinationen von außen und innen gedrängt worden ist. Was die Jmlenfrage betrifft, 80 wäre in einer Zeit, in der die Sowjetteglcotng In anderen Fragen auch mit England verhandelt, das außenpolitische Moment wohl nicht ausschlaggebend, wofern nicht inncrpolltlsche Bedenken vor• lägen, die den Zionismus als konterrevolutionär verdächtig gemacht haben. Damit meine ich nicht einmal in erster Linie ן Jabotinsky. sondern auch andere Personen und Stimmungen itn russischen Zionismus, die der Sowjetmacht als ein Beweis der konterrevolutionären Gesinnung der Zionisten dienen konnten, Hier allerdings unterscheide Ich mich von den meisten Zionisten in dem Punkt, daß Ich wenigstens zu verstehen suche, wie eine revolutionäre Regierung steh gegen innere Feinde und Reaktion schützen muß. wenn sic nicht da» Schicksal erleiden will, dem heute z. B. die deutsche Re• publik *ich auszuscizcn droht. Mir ist nicht* davon bekannt, daß von seiten der russischen Zionisten der ernsthafte Ver• such gemacht worden wäre, der russischen Regierung di« zionistische Idee in ihrer Innersten, revolutionären Wesenheit begreiflich zu machen. Gewiß Ist die jüdische Sektion ein ,Werkzeug des Bolschewismus. Aber man darf nicht über« Von der ftationalfonds•Arbeit in Deutschland Von Max Wolisteiner, Vorsitzendem der Nitlonalfonds- Kommission für Deutschland. Die Nalionalfonds-Kommission für Deutschland hst tn ihrer letzten Sitzung beschlossen, die Preise für die .Spendenzweige weiter zu erhöhen und zwar für die Goldene Bucheintragung von 5003 auf 10 000, für einen Baum von 100 auf 300, für Telegrammformulare von 20 auf 40 M. Goldene Bucheintragungen müssen in zwei Jahren beendigt sein, ratenweise Zahlungen für Eintragungen können nur von 500 M. aufwärts erfolgen. Obwohl erst vor kurzem die Vertraucnsininncr-Konferenz in Kassel Spendeneihöhunge» beschlossen hat, hat *ich die NationalloncIs-Kommission für Deutschland doch aus zwingenden Gründen zu weiteren Er• höhungen entschlossen. Seit Kassel ist eine weitert starke Entwertung des deutschen Geldes erfolgt, und es muß unbedingt versucht werden, die Einnahmen des Natlonalfonda der Geldentwertung anztmassen. Geht man von den vor dem Kriege für Biume und Goldene Bucheintragungen gezahlte® Betrage aus, dann müßte man heute noch weit höhere Summe« als die jetzt beschlossenen fordern, Damals war es der Pa* lastlna-Verwaltung des Natlonalfonds möglich, für 6 M. einen Baum in Palästina zu pflanzen. Trotzdem bisher in Deutschland nicht im entferntesten ein Betrag gezahlt worden ist, der dem Friedenspreise von 6 Goklmark entspricht, ist es dem Natlonalfonds nicht mehr möglich gewesen, allen seinen Verpfllchtungen den Baumspendein gegenüber gerecht ru werden, sondern er hat sogar eine größere Zahl Baume angepflanzt, als tatsächlich gespendet wurden. Dies war deswegen möglich, weil in einigen Ländern mit hoher Valuta für einen Baum mehr gezahlt wurde, als die Pflanzung eines solchen tatsächlich erforderte. Auch der jetzt beschlossene Preis von 300 M. deckt nocii nicht die Pflanzungskosten, und es wird auch weiterhin notwendig sein, die Differenz, durch die Spen* den in den hochvalutarischen Ländern auszuglcichen, Dieses Prinzip darf jedoch keineswegs für die Dauer Geltung haben. Auch die Spender in den Ländern mit schlechter Valuta müssen daran gewöhnt werden, solche Beträge zu geben, daß der beab• sichtigte 'Zweck erfüllt wird. Dieser Gesichtspunkt ist aber auch für die Propagandatätigkeit von großer Bedeutung. Nur wenn man große Summen fordert, wird man grotte Summen erhalten, lieber die Notwendigkeit, die Nationalfonds-Ein• nahmen wesentlich zu steigern, braucht hier nicht gesprochen zu werden. Erwähnt sei hier nur, daß der Nationalfonas durch die im vergangenen Jahre erfolgten Bodenkäufe im Emek Jcsrcel Verpflichtungen eingegangen ist, denen er unbedingt in den nächsten Jahren nachkommen muß. üroße Spenden sind aber nicht mir wegen der Einnahmesteigerung, sondern auch wegen der Unkostenminderung notwendig. Wie bei jedem anderen Betriebe, muß man auch beim N.itionalfonds Aufwen hingen machen, 11m den gewünschten Erfolg zu erzielen. Während jedoch in den meisten Betrieben die Ein• nahmen der Unkostensteigenmg parallel laufen, ist dies beim Nationalfonds leider nicht der Fall. Die Spenden vergrößern sich viel langsamer als die Unkosten, und wir müssen daher Maßnahmen ergreifen, die eine Unkostenminderung ermögliehen. Dazu trägt unseres Erachtens die Spendtnerhöhuntj in besonderem Maße bei. Wir hoffen, daß cs gelingen wird, durch sie den Ausweis, der in Anbetracht eter starken Steiges rung der Papier• und Druckpreite einen wesentlichen Teil unserer Unkosten erfordert, weitgehend zu beschränken. Die vielen kleinen Spenden, die den Ausweis und die Verwaltung stark belasten, müssen verschwinden. Es muß gelingen, in Zukunft dieselbe Summe auf zwei Seiten zu veröffentlichen, für die wir heute vier Seiten benötigen. Aus diesen Gründen hat die Nationalfonds.Kommission für Deutschland außer den Spenden-Erhöhungen, auch die Wiedereinführung eines Spendenzweiges beschlossen, bei dem nur größere Summen gegeben werden dürfen; nämlich die Dunamspende. Es wurde festgesetzt, daß zunächst der Preis für ein Bodenmaß — 100 qm 4000 M., für einen Dunam — 016 qm 40000 M. und für eine ״Baustelle" — 15 Dunam ץ- 600000 M. betragen *oll. Wir erwarten, daß unsere Mit• arbeilcr In Zukunft mit besonderer Energie versuchen werden, Dunamspenden zu erhalten. Die Dunamspende führt den Spendern den eigentlichen Zweck des Nationalfond*, den Bodenkauf, besonders gut vor Augen und e* dürfte nicht schwer *ein, anläßlich einer Feierlichkeit oder zu Chanukkah, Rosch-Haschanah den Betrag für ein Bodcmtiaß oder einen Dunam zu erlangen. Die Propaganda für die Dunamspende wird |m Mittelpunkt der kommenden Chanukkah-Landspendenaktion stehen. Wir werden, wie bereits in der vorigen ״Rundschau“ angekündigt, jeder Stadt ein bestimmtes Kontingent von Dunam zuteilcn. Wir zweifein nicht daran, daß cs ebenso wie bei der Rosch-llaschanahaktion durch die Tatkraft unserer Vertrauensleute gelingen wird, mindestens 2 Millionen Mark zu Chanukkah aufzubringen. Jeder Vertrauensmann muß umgehend beginnen, die Chanukkah-Landspende vofzubercltcn und die von ihm benötigten Materialien auf dem von der Zentrale versandten Bestellzettel umgehend anzufordern. Wir zweifeln nicht daran, daß es mit einiger Anstrengung gelingen w׳ird, in diesem Jahre 8 Millionen aufzubringen, damit auch wir trotz der Entwertung des deutschen Geldes zu einem angemessenen Teil beitragen, unseren nationalen Bodenbesitz der mit die stärkste jüdische Position Im Lande bedeutet, zu vermehren. Wiener Taufstatistik. Nach der amtlichen Statistik sind in dem ersten Halbjahr 1922 in Wien 437 Juden aus dem Judentum ausgetreten. In der gleichen Zeit sind 185 Perionen zum Judentum übergetreten. Bel den letzteren handelt es sich aber meist um frühere getaufte Juden. Unter den erwähnten *37 aus dem Judentum ausgetretenen erklärten sich 40 s/e für konfessionslos, wihrend 60 •% eine andere Re• ligion angenommen hatten. i I;'»׳ l״. f '-t j! * .1■ J> 1 ii; ׳r,: *1 t s1 h׳: I t ■i | ׳ I ׳ i, j | I ' .;!' -!1 l % , ti , I נ;!4 1 -1;» 1' I •V ::1־

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