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Jüdische Rundschau · 1922-11-07 · Heft 88 (7.11.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 88 (7.11.1922)
Date
1922-11-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 584 | u E DIS € H Nr, 18 die Zeichen der Zeit und verlangte in seinem viclbcach- Iden Aufsatz im ״Juden״ unter Ablehnung von Kornpromisseu den Abschluß von Bündnissen mit ׳ nicht* zionistischen Gruppen von Fall zu Fall.. Auch diese Auffassung hat sich völlig durchgesetzt und bildet heute nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen zionistischen Bewegung die Grundlage der. gemeinsamen Keren Hajessodafbcit mit Nichtzionisten, Der deutsche Zionismus sieht Blumenfeld mit Bcdauern scheiden und weiß, wie schwer die Lücke zu schließen sein wird, die sein Weggang uns reißt. Wir wünschen ihm von Herzen Olück für sein neues Wirkungsfeld. F. L Rundschau RW. Berlin, 5. November, Während sich rum fünften Male der Tag jährie, an welchem die Deklaration des englischen Kabinetts von Balfour durch Lord Rothschild der Zionistischen Organisation übermittelt wurde, ist in England selbst wieder die Diskussion über die damals von der englischen Regicrung festgelcgte Palästinapoiitik entbrannt. Der Sturz ״ des Kabinetts und die Einsetzung einer konservativen Regierung gibt den Feinden der Balfour-Deklaration Gelegenheit, eine Revision der Palästinapolitik zu fordern. Die Parole, die von extrem rechtsstehender Seite ausgegeben wird, ist die vollständige Räumung Palästinas und Mesopotamiens. Neben antisemitischen Motiven — der Redakteur des extremsten Hetzblattes, ״Daily Expreß", ist allerdings ein getaufter Jude namens Blumenfcld — dürfte allerdings die Gegnerschaft gegen Lloyd George die ausschlaggebende Rolle bei dieser Propaganda spielen. Es ist ziemlich widersinnig und kaum anzunehme«, daß irgendeine englische Regierung wirklich1 Palästina räumen wird; solange aber England das Mandat nicht aufgeben will und Palästina nicht in die Hände des Völkerbunds zurücklogt, kann es sich auch nicht der Verpflichtung entledigen, die durch die Balfour- Deklaration feierlich übernommen wurde. In der englischen Presse ist eine lebhafte Diskussion über die Palästfnafragc entbrannt, und die zionistengegnerische Seite bemüht sich, die Frage in den Vordergrund des Wahlkampfes zu schieben und von jedem Kandidaten eine Acußerung über seine Stellung zu fordern. Dies gibt den britischen Juden Gelegenheit, bei diesen Wahlen ihr Gewicht als politischer Faktor׳ in die Wagschale zu werfen. Die englischen Juden lassen sich im allgemeinen bei politischen Wahlen nicht von jüdischen Gesichtspunkten leiten, und auch diesmal wird es innerhalb der Judenschaft die verschiedenartigsten politischen Schatticrungen geben. So weit wird aber trotzdem jüdische Aktivität erforderlich, als jeder einzelne innerhalb seiner Partei oder Gruppe darauf hinzuwirken streben wird, daß in der das jüdische Interesse so entscheidend be* rührenden Paiästinafrage die der bisherigen Haltung Englands entsprechende Politik vertreten wird. Die Palästina• frage ist keineswegs ein Schiboleth der Parteien, ln feilen Parteien gibt es Strömungen für und gegen den Zionismus. In der konservativen Partei, die gegenwärtig die Regierung innc hat, ist (ganz abgesehen von Balfour) z. B. Ormsby-Gore, der jetzt zum Unterstaatssekretär für die Kolonien ernannt wurde, ein eifriger Freund des' Zionismus, während Sir William Joynson-Hicks, der gleichfalls Staatssekretär der neuen Regierung ist, der Wortführer der Antizionisten und der Antragsteller vom 4. Juli auf Annullierung der Balfour-Deklaration ist. Achnlieh steht es in anderen Parteien. Wir geben Pressemcldungen wieder, aus denen die ablehnende Haltung einzelner Unabhängiger Liberalen hervwgeht. Auf der anderen Seite ist aber zu vermerken., daß unter den Kandidaten der Unabhängigen Liberalen in einem Londoner Bezirk der englische Schriftsteller Philip Guedalla ist, der sich vor kurzem der zionistischen Bewegung angeschlossen hat und bereits mehrmals öffentlich zionistisdie Vorträge hielt. Ebenso kandidiert als Unabhängiger Liberaler der politische Sekretär der Zionistischen Or• g.misntion Leonhard Stein in Dover. Man sieht also, daß auch diese Partei jedenfallsnicht als antizionistisdf bezeichnet werden kann. Die englischen Juden werden diesmal nidit nur als englisdre Bürger, sondern nudtl als Juden ein Wort bei der politischen Entsdreidung des 15. November mitzusprechen haben. Am heutigen Tage finden die Wahlen zum polnischcn Sejm statt. Diese Wahlen sind für das polnische Judentum von größter Bedeutung, denn es hat sich schon im vorigen Sejm gezeigt, wie wichtig eine energische Vertretung der Minderheitsredde im polnischen Sejm ist. Diesmal aber ist wahrscheinlich noch mit einem Wachsen des Einflusses der antisemitischen Nationaldemokraten zu redmen. Die nationalen Minderheiten haben sich bekanntlich zu einem Block zusammengeschlossen und hoffen auf diese Weise 50—60 Mandate zu erhalten. Das Kompromiß ist zwar nur ein rein technisches, unter Aussdialtung aller politischen. Forderungen mit Ausnahme der Forderung des Minoritäten- Schutzes, dennoch kann man annehmen, daß auch iim künftigen Parlament sich gewisse gemeinsame Interessen der einzelnen Minoritäten ergeben werden. Der Minderlieitenblock ist allerdings geschwächt worden dadurch, daß einzelne jüdisdic Gruppen Separationspolitik gctrieben haben. Ist dies noch verständlich auf seiten der extremen Sozialisten, so ist es um so bedauerlicher bei der Volkspartei. Bei den anderen Völkern, Deutschen, Ukrainern, Weißrussen usw. treten alle Parteien geschlössen für die Mh: ’:;־lu:;11!ח י:׳ יי .׳. Nur : •ווי‘•׳ ׳ Jt;:!1 war es nicht mögliVi, eh. ׳ Fi 1' un״7 ״ er;.11?.! ׳. Das Vorgehen der VouNieu wi.u ״.״..» vun ״.• .״hi-iGi.n Anhä!!gern der v\־>lki:.iise״,.:i Alt,'.;h;׳״;; \er1״ teilt. äujas' die volkistischc Presse 11:1t d::״> Vorgob .» der Prilntzki-Gnippe einer scharfen Kritik ■ur.teizo.-.ea. Es kt וי;ג bdürchlen, daß durch diese Zersplitterung einige jüdische Mandate vcfloren gehen werden. Das polnische Judentum ist heute der stärkste zpsa1nn1cnl;än11;;״Je Komplex von jüdischen Massen. Es steht nicht mir kulturell in der vordersten Linie der jüdischen Entwicklung, r.andern auch politisch auf exponiertestem Posten. Wir hoffen, daß die jüdischen Massen bei den Wahlen ihre Pflicht erfüllen und sich eine entsprechende politische Vertretung־ im Parlament sichern werden. Diese Tatsache ist nicht nur für die polnischen Juden, sondern in einem gewissen moralischen Sinne für das gesamte Judentum von Bedeutung. Darum sind wir am heutigen Tage mit lebhafter Anteilnahme bei unseren polnischen Gesinnungsgenossen und wünschen ihnen Erfolg in ihrem schweren Kampfe. Dr. Weizmanns Antwort sn ״Daily Expreß“ Dr. Weltmann hat als Antwort auf den heftigen Angriff des ״Daily Express“ einem Vertreter des Blattes folgende Erklärung abgegeben, die ״Daily Express" zum Abdruck bringt: ״Sollten die Engländer morgen Palästina raumen, so wind die zionistische Bewegung weitergehen. De Kolonisation Palästinns kostet den englischen Steuerzahlern nichts, nur die Erhaltung der Garnison kostet Geld, und Minister Churchill hat erklärt, daß diese Last im laufenden Jahre vermindert werden wird. Die zionistische Erklärung war das Ergehn* einer sorgfältig durchdachten Politik des englischen Kabinetts ii» jener Zeit und hat die völlige Zustimmung Frankreichs, Italicn-s und Amerikas gefunden. Die Behauptung, daß Lord Balfour auf eigene Verantwortung diesbezügliche Verpflich• tur/gen übernommen hat, Ist unwahr. Alles wurde im Kontakt mit dem gesetzlichen Kabinett und mit seiner Zustimmung getan!. Was mich persönlich anbetrifft, so bin ich englischer Untertan, 1919 in England naturalisiert, vorher noch war ich Universitätslehrer an der Mancheste» Universität." Die netten RegtenmgamSnner Uebcr die Stellung der neu ernannten Mitglieder der Regicrung informiert J.C.B, wie folgt: Mr. Inski.p, der neue Oberstaatsanwalt, Mr. Ronald Mac Neill, der neue Untcrslaatssckrctär des Auswärtigen Amtes, Lord Wolmer, Staatssekretär des Handcls-Dcpartements, Colonel Ashley, Sekretär des Arbeitsamtes, sind entschiedene Gcgnerdes Zionismus. Andererseits stellen die folgenden Personen dem* Zionismus nicht feindlich gegenüber und haben am 4. Juli für die Lloyd Gcorgc-Regierung gestimmt: Der neue Arbeitsminister Sir Montagu Barlow; der neue Kommissar für öffentliche Arbeiten Sir John Baird; der neue Urjtcrstintssekretlr des Luftschiffahrtsministerhiins Herzog von Sutherland; der Unterstaatssekretär für Indien Loni Winterton; der Sekretär des Gesuudhcitsniinistcriums Lord Onslow; der parlamcritansche Sekretär des Schatzministeriums Colonel Wilson; wie auch eine Reihe anderer. Persönlichkeiten in weniger hohen Stellungen. Da» Mandat Aber JlcüopatcsiJcn Ueber den Vertrag zwischen England und Mesopotamien schreibt die führende englische Wochenschrift ״Tne Na• tion״ in ihrer Nummer vom 21. Oktober: Die Unterzcichnuug des Vertrages ist ein Ereignis von Bedeutung. Die Feindschaft in Mesopotamien gegen das Mandat, obwohl sic anscheinend aut einem Mißverständnisse der Bedeutung des Wortes Mandat beruhe, ist nicht geringer geworden und die Aussicht, den Bündnisvertrag zwischen König Fcisul und König Georg von England gezeichnet zu erhalten, war nicht sehr günstig, bevor nicht die britische Regierung eine Klausel hinzufügte, daß sie sich verpflichtet, die Zulassung Mesopotamiens als Mitglied des Vöiiccrbund c s so bald als möglich zu sichern. Dieser Paragraph verleiht dem Status des Landes ein neues Antlitz und glättet den Weg zur Annahme des Vertrages. Die Bestimmung Ist einer Vcr* Sicherung gleich, daß, sobald eine verfassunggebende Vcr- Sammlung cinbcrutcn und eine Konstitution für Mesopotamien entworfen ist, Irak in der Lage sein wird, *ich um die Mitgiiedschaft des Völkerbundes zu bewerben und dies mit Hilfe Großbritanniens. In dem Fall seiner Zulassung würde jede Frage von einem Mandate, das bisher auch noch nicht von dem Völkerbunde gebilligt ist, fallen gelassen werden. Dieses Arrangement hat eine weitreichende Bedeutung auch für zwei Fragen, die auf der kommenden türkischen Friedens• konferenz geregelt werden sollen, nämlich die Grenzen von Mossul und die Zukunft von Kurdistan. (Diese beiden Oe• genden sind als Pctroleumfundstätten wichtig.) Ruhiger Verlauf dc3 Balfour •Tcgca גוו Jerusalem Jerusalem. (J. C, B.) Der 2. November, der Tag der Balfour-Dekleration, ist in Jerusalem ruhig verlaufen. Während die Juden den Tag festlich begingen, proklamierten die Araber zum Protest gegen die Deklaration einen eintägigen D'emon• strationsstreik. Die von mancher Seite befürchteten Ruhestörungen aus Anlaß der Arbeite,Ticclcrkgung sind aus• geblieben; es waren alk Vorkehrungen getroffen worden. Die Araber ältlsng Eramtefa- Gruppe und Keren llajessod Wir konnten schon unlängst berichten, daß in Bouton führende Mit:׳liccler der Brnndeis-Cir 11!שגןי sich an der Or• grmiräerung der Arbeit für Keren Hnjcssod aktiv beteiligt haben. Aehulithe Nachrichten Siegen Jetzt au* Clcveland vor. Der Vorsitzende der dortigen Ortsgruppe der Brandeis. ' Gruppe und Mitglied des Zentralkomitees des ״Palcstine Development Council“, Rabbi Salonton Goldman, hat seine aktive Mitarbeit in der bevorstehenden Kampagne in Aussicht gestellt. Athnlichc Erklärungen wurden von einet Reihe prominenter Aushänger der Brandeisschen Richtung j״ anderen Städten Amerikas abgegeben. In Ost-Pennnylvanlen wird gegenwärtig beabaldiiigt, 700 000 Dollar für Keren Hajcssod aufzubringea Eine demnächst tn Philadelphia zusammentretende Konlerenr wird sich mit dem Plan der Aufbringung zu beschäftigen haben. Die racdlzinlsctie FakaltSt In Jerusalem Die amerikanische Aerzte-Dclegatlon, bestehend aus Dr. Ra t ת ow, Dr. Ka 1 isk i und Dr. Kopc tzkij, ist am Palästina nach New York zurückgckehrt. Die Delegation, die von der amerikanischen jüdischen Aerzte-Gcsellschaft nach Palästina entsandt worden war, hat einen Bauplatz am Oclberg erworben, wo die medizinische Fakultät errichtet werden soll. Die Pläne für die ersten Gebäude wurden unter Heran• Ziehung von europäischen und amerikanischen Sachverständigen fcrtiggestcllt, und der Bau wird sofort nach der Regenzeit beginnen. Zur Durchführung gewisser dringender Arbeiten wurde ein Gebäude gemietet als mikro-biologisches Laboratorlum und Forschungsanstalt für tropische Krankheiten. Die Acrztc-Gescllschatt hat bisher für die Fakultät bereit* 300000 Pfund aufgebracht, die im Rahmen des Universität*, fonds, des Keren Hajcssod, verwaltet werden. Immigration Das Immigrations-Departement der Zionistischen Organ!• salion gibt offiziell bekannt, daß die Bewilligung zur Einreise nach Palästina für 650 Familien von der palästinensischen Regierung gegeben wurde. Diese Bewilligungen, die für 650 Arbeiter mit ihren Angehörigen gelten und für die Periode bis Ende Dezember ausgegeben wurden, wurden vom ImmigraUons-Dcpartement bereits an die verschiedenen Palästinaämter verteilt Die antizionistischen Repressalien In Kiew Moskau. (J.C.B.) Die in Kiew kurz vor den großen Feiertagen wegen Verdachtes zionistischer Betätigung verhaf• feien 40 Personen wurden rum auf freien Fuß gesetzt, nach dem sie sä dt schriftlich verpflichtet hatten, sich jeder zk> nistischen Betätigung zu enthalten, bis ihre Angelegenheiten durch das Justizdepartement untersucht worden sind. Unter den nunmehr aus der Haft entlassenen sind zu nennen: Zwi Kaschdai, früherer Mitarbeiter von Haschiloach, der wegen seines hohen Alters bloß in Hausarrest gehalten wurde; Herr Weirtscbelbaum, eine wegen seiner Arbeit auf dem Gebiete der Erziehung bekannte Persönlichkeit; Herr Ganonohki, ein populärer jüdisch-nationaler Redner, sowie eine Reihe jüngerer Mitglieder der rechten ,und linken Zei're-Zian, der Organisation Hechaluz und des Verbandes Malckabi. Vor ihrer Befreiung wurden sie noch über ihre Beziehungen zu der zionistischen Weltorganisation, über ihre Stellung zu J abotinsky und seinen Abmachungen mit dem Parteiganger Petljuras, Stawinskl, befragt. Die Verhaftung einer aktiven zionistischen Oruppe In Kiew, die eine kurze Zeit nach de!» Prozeß der Ze'ire-Zion ia Kiew erfolgt ist, hat die zionistische Betätigung in Kiew gänzlich lahmgclegt Der Mandafsraub in Litauen Kowna (}. C. B.) Der litauische Professor Waldemars* schreibt in einem Leitartikel seiner Zeitung ״Krasehlo balsass“, daß durch das Hinausdrängen der Minderheiten aus dem Sejm durch die Annullierung ihrer Mandate die Frage nicht erledigt ist. Die Minderheiten haben das Recht, an den Völkerbund zu appellieren. Es ist sogar zu erwarten, daß diese Frage vor denselben kommen wird. Jerusalem. (J. C. B.) Kampagne zugunsten der fünf Schullehrer, die wegen ihrer Weigerung, die Regierung ln der Durchführung der Volkszählung zu unterstützen, entlassen worden sind, und fordert, daß dieselben wieder in ihre Dienstrechte ein gesetzt werden sollen. Ein Araberjnsreö Kairo Beschluß wird am 15. syrisch-palästinensischer K-oaigrcft st!!!־,er itt Kairo ei» arabisch• ittfindcn, dis Volke Die arabische Presse führt eine Jerusalem, (J.C. B.) Nach einem hier gefaßten Presseschau fm ״Berliner Tageblatt" schreibt der Warschauer Korrespondent des Blattes, Wilrn Stein, einen Bericht übet die Vorbereitungen zu den Wahlen in Polen. Darin heißt es: ״Eine Gruppe für sich bilden die nationalen Minderheiten, die 85/י Millionen gegen IS»/# Millionen echter Polen repräsentieren. Ihr Interesse, ob sie Deutsche, luden, Russen, Weißrussen, Litauer oder Ukrainer sind, ist im polnischen Parlament das gleiche: Wahrung der vcr• fassungsmäßigen Rechte der nationalen Minderheiten. Daß *ie keine, ihrer zahlenmäßigen Starke entsprechende Ver• tretung bekommen werden, dafür haben Wahlgesetz und Wahlgcographic gesorgt, und ein weniges auch noch die inneren Gegensätze im Judentum, die in den Städten zahlreiche radikale Elemente vom Minderheitenblock fern hielten. Jedoch wird hierdurch der Block immerhin kaum mehr als zwei oder drei Mandate verlieren und der ihm zugrunde liegende Gedanke gar nichts: denn eben das jüdische Proletariat und Kleinbürgertum, das ihm bei den Wahlen grollend gegenüber steht, wird in der zukünftigen Arbeit sich am leichtesten mit ihm zusammenfinden.“. . . Uebcr die Soz. Partei (P. P. S.) schreibt Stein: ״Sie nennt sich, wie alle Sozialisten, ,international‘; sie ist aber politisch durchaus national eingestellt und ihre ,Intcrnationalität‘ kann man nur darin erblicken, daß sic auch jüdischen Sozialistcn den Eintritt in ihre Reihen gestattet. Da der natio* nale Standpunkt der Sozialistischen Partei aber eine Kon- Zession an die tatsächliche Einstellung der polnischen 'Ar• beitermasse ist und da in dieser mit dem Nationalismus auch der Antisemitismus lebt, so entspricht die Nationale Arbeiterpartei, die die Pflege von Arbeitcrintercsscn mit antisemitischen Losungen verbindet, der Psyche des polnischen Arbeiters besser als die Sozialistische Pariei. Und dies um so mehr, seit die Nationale Arbeiterpartei sich im Laufe des letzten Jahres aus den Fängen und de«. Schlepptau der Nationaldemokratie losgemacht hat.“ Das Schulwesen In Bcrdltsehew. Rach einer Mitteilung aus Benütsriicw existiere« dort gegenwärtig 13 Schulen: fünf russische, vier jüdische, zwei ukrainische und zwei polnische. Die russischen Schulen werden von 1474, die jüdischen von 1359, die ukrainischen von 982 und die polnischen von 350 Schulkindern besucht. Interessant ist, daß auch die russischen Schute!» zu 90״/* von jüdischen Kindern besucht werden. 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