Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1922)
- Date
- 1922-11-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 87 Seite 577 t Ir. B7 als die Ht inu [,״11;־■״״ »"( Au,. «nii-n r^itiscl, dlc E.1״ 1) ז',!':ft ar f״! sw i sei ■9, Hl! Wahl. ncu>:n m> wij I sowie 1 Teiles »eraubt lic Ent' samt. * sechs, rochen; rbeiter. itscheu ו ihres r rt. n ent.!!1 Na. מ daß I Sejm II diese frühere tischen nbgc• itsclieiwird, b o y. h eine denten; Lage!r Zio. Erspar. Jahre«, ir auf d fest. I I’fund swrsen diesem!n und in den vier r Sub• et hat. n eich linuch“;cldcrn :icrung! Hier icfühle, ru litten «raten ׳ eines echtes, mtums!iungs• Hüllen ten ru fleisch• ch ru• ipricht, mifest, >r!ms 1, uns 1 Bild •iditef, tn Ruf alten iflbach über j weilen ׳cilkn, Etwas in die! r voll• euer«• innen• ishakl l iiikcii. ן icseni » 1 Ix ich ä «reite \ id.? 0ic Judenfrage in der tschechoslowakischen Republik Von Jaromir Neczas. 111״dcr ..tschechischen Zeitschrift ״Slurba“ (״Der• f);cnst*) veröffentlicht Jaromir Ncczas, Sekretär der Kalv.ncttskaii/lei des Präsidenten Masaryk, einen aus• fiihrlichcn Artikel über ״Die Judenfrage in der tschccho. «low.ikischcn Republik“, der eine fiir einen Außcnstcheiulcti crsinimlirhc Informiertheit und (׳rundliches Slutlmni des IVoblcms verrät. Da die Ablinmlhuig »je. ciüiiet ist, auch unsere Leser über die jüdischen Vorhaimisse im Nachbarstaat rn informieren,• geben wir im Nachfol};c1vJen rinzcüie Abschnitte daraus ווו deutscher Ucrersc'.zung wieder. Kcd. d. ״J. R,“ Die Zahl der Juden im Jahre 1921. Dis nun Umstürze war die Judenfrage in Bahnten, Mäh• ren uml Schlesien mehr ein akademisches Problem, 'trotz der! roden Wirtschaft liehen Bedeutung־ der jüdischen Bürger. Nach dem Umstürze aber fielen der tsclicchos’owalüschcn' Republik die 'lowakisclicn und karpathonissisehen Juden zu, so daII heule im .ere Republik eine Zahl Juden Int, welche zwei Dritteln dir grumten Judenheit in Deutschland glcichkommt lind u׳n mehr als das doppelte die Zahl der Juden in Frankreich übersteigt. Karpathomlibivd allein hat heute annähernd soviel Juden wie Palästina. Wenn wir den Umstand erwägen, daß die Juden zu den agilsten, beweglichsten und wirtschaftlich am!misten entwickelten Schichten gehören, sehen wir bereits aus diesen Angaben, welche Bedeutung das jüdische Problem für unsere Republik hat. Nach der letzten Volkszählung am 15, Februar 1921, leben nach den Angaben des staatlichen statistischen Amtes unter 13 010 115 Einwohnern der Republik 353076 Juden der Konfession nach (der Nationalität nach 180 337). Die Gesamtanza’nl der Juden beträgt daher 2,59 *0 der gesamten Einwohner• srhaft der Republik. Wie je weiter nach dem Os len die Zahl <117 Juden zuninunt, ist zu sehen aus der Einteilung nach Ländern: ln Böhmen sind von 6 670 578 Einwohnern 79 777 Juden .(1׳ 1,19> In Mähren und Schlesien sind von 3 331 •198 Einvohnern 45 233 Juden (1,35 ״',״). ln der Slowakei sind von 3 000699 Einwohnern 133 059 Juden (4,52״״). In Karpathorußland sind von 691 670 Einwohnern 93ÜIÖ Juden (15,38 ״״). Gaue uivJ Kreise der ts־hcchoslowakischcn Republik, ge• er, 11.et nach der Gesamtzahl der Juden, sind wie folgt: I. PoJk. Kus (93OOS); II. Kaschall 47741; III. Prcßburg 36 415; IV. OroHpra31751 ״; V. Nitra 16415; VI. Brünn 1361; VII. Zwolcn 11 739; VIII. Lipt. Sv. Mikulas 11614; X. Mährisch- Our,10407 ווו; XI. Laun 9561; XII. Prag 8S91; XIII. Pilsen '702; XIV. Olmütz 6237; XV. Karlsbad 5358; XVI, Ungarisch- Hradisch 4977; XVII. Tcschen 4942; XVIII. Iglau 49C9; XIX. Jimg-Buiizlau 4300; X. Rudweis 3710; XXI. Böhmisch Leina 3507; XXII. Königgrätz 2621; XXlll. Pardubitz 2313. Die jüdischr.ationale Bewegung In der Rep 11 bl i k. Zur jüdischen Nationalität meldeten sich die Juden grüßte:;• («i|s dorf, wo de in größerer Anzahl leben; die Reihenfolge der Gaue nach den tschechoslowakischen Staatsangclicr'gcn, die sich zur jüdischen Nationalität bekannten, ist nachstehend: I. Kr.rfaihoruniaivi 79 915; II. Kaschau 31018; III. Bratislava 13 190; IV. Nllra 8376; V. Grcß-Prag 5959; VI. Tnrc; Sv. Marlin 3676; VII. Lipt. Sv. Mikulas 5217; VIII. Brünn 432); IX. Zielen 4265; X. Mährisch Ostrau 4208; XL Ung. Hradisch 3313; XII. Tcschen 2658; XIII. Olmütz 2163; XIV, Iglau 1986; XV. Lau!» 1208; XVI. Pilsen 1160; XVII. Böhm, Lcipa 606; XVUI. Prag •196; XIX. Böhmisch Rudweis 481; XX. Karlsbad 472; XXI. Jimg-Bunzlau 386; XXII. Königgrätz 291; XXlll. Pardubitz 189. Das s'.r/J die absoluten Zahlen. Interessant sind die Zahlen, die angeben, wie verhältnismäßig stark die jüdischnatio.ialc Pewcguivg in eleu einzelnen Gauen der Republik ist. Durch Karl Kraus, der Erzjude Berlho'.d Viertel hat (im Verlag Rudolf Kacmmcrcr in Dresden) eine Studie über Karl Kraus veröffentlicht, die mehr ist als eine literarische Monographie. Es ist ein leidensehaftliclics Bekenntnis zu dein Manne, der nicht als Literat, sondern als sittliche Persönlichkeit gewertet sein will, als eine der gewaltigen Erscheinungen unserer Zeit. Kart Kraus ist der Gegenspieler dieser Zeit, der er wie kein zweiter vor ihm ihr Spiegelbild Vorhalt. Er hatte ein Erlebnis von erschüttcriuler Banalität; Die Presse. Sie wurde ihm zum .Symbol der korrupten, kulturlosen, entmenschten Zeit, gegen fie richtete sich sein Kampf, sein Lebenswerk. So wurde er;tun großen Satiriker. Viertels Schrift ist eine hinreißende Deutung des Atanncs und seines Werkes. Und in einem I’unkt geht Vicrfel über sein Objekt hinaus: Karl Kraus ist nicht zur letzten Tiefe seines jüdischen Wesens vorgedrungen, fr haßt das Judentum, das ihm in Moritz Benedict und im J!ofra| Schwarz-Gelber repräsentiert erscheint. Viertel aber deckt die verborgenen Zusammenhänge auf; er versteht Karl Kraus vor allem als Juden, er ist ihm der Erzjudc, der in rieh uraltes jüdisches Geisteserbe trägt und im Widerspruch ffiiies Ethos wieder zu lebendiger Macht erhebt. Bcrtliold Viertel schreibt über ihn; ״In dem Kulminationspunkte seiner Persönlichkeit wurde Karl Kraus — für die höchste Kulmination meiner Wertung — der zeitlose Erzjude gegen die Rotte Korah seiner Zeit. I r wurde es in der Annäherung seiner großen Augenblicke, "■h; eben ein Mensch in Fleisch und Blut einer platonischen jdtc sich nur aimmiihcrn vermag. Im Organismus des npo• Kalvpti;chen Zornes, unter der schöpferischen Forderung des 1 iirehlharcn, das ihm Mission war, läuterte sich der zeit• geborene kleine Wiener Mensch zum Erzjuden empor. Wüh- ׳e»d mir die •Motte Korali, wie er sic sah, nicht weniger furchtbar auf alle Völker des Abendlandes verteilt erschien. Solche Anschauung des Judentums, so unmittelbar und selbstverständlich sic mir damals war, ist allgemein so ungewohnt, däß sie nochmals mit Entschiedenheit betont werden soll. alle Anschauung kann sie nicht erklärt und nur geschaut "''•den, Es ist zunächst eine von Karl Kraus selbst nicht!,eschene Anschauung. Jene Bruchstücke seiner Reflexion, «de ich zum Thema zitiert habe, sind bereits die alleräußersten Annäherungen seines Oedankcngangcs an das Selbstbewußtsein einer sich als jüdisch begreifenden Mission, Karl Kraus *c»nt u״d anerkennt nur die individuelle Lösung und soziale JUED IS CHE RUNDSCHAU Berechnung kommen wir zu dieser Reihenfolge der Gaue, in welcher angegeben Ist, wieviel der Gcsamtjudcnheit sich In den einzelnen Gauen zur jüdischen Nationalität gemeldet haben: I. Po.lk. Rus 86 <>/״; II. Ung. Hradisch 66 ״/«; III, Kaschati 65״״; IV. Ture. Sv. Martin 57 0/0; V. Tcschen 54 <%; VI. Nilra 51״;״; VII. Lipt, Sv. Mikulas 43 ״/o; VIII. Bratislava 41״;״; IX. Iglau 40״/«; X. Mähr. Ostrau 40״/o; XI. Olmütz 39״״; XII. Zvolen 37»•»: XIII. Brünn 31״;»; XIV. Groß- Prag 19 0/0; XV. Böhm. Lcipa 17 0/״; XVI. Pilsen 150/״; XVII. HuJwci* 13 ס״; XVill. Latin 12״;״; XIX. Königgrätz 11״,״; XX. Jung-Iltnizlnii 9״;«; XXI, Karlsbad 8״/«; XXII. Pardubitz 8״״; XXlll, Praha 50־, Diese absoluten »»wie auch relativen Zahlen zeigen übersichtlich, daß die Zahl der Juden vom Westen nun Osten v.ichst, und daß gleichzeitig mit der Ocsamtnnznhl der Juden auch die Zahl derjenigen Juden wächst, die sich zur jüdischen Nationalität bekannt Imbcn. Im Gaue Pardubitz z. B. entfallen nach den oben angeführten Angaben auf 1000 Personen nur 4.8 Juden, in Karpntliorußlaml entfallen auf 1000 Personen 153.8 Juden. Auf 1000 Israeliten entfallen Im Gau Pardubitz 82, in Kar״:!thorußlnnd 857 nationale Juden. Bei den Wahlen in die Natio ialversainmlimg im Jahre 1919 erhielten die ״Vcreinigten jüdischen Parteien“, die unter der nationalen Flagge segelten, 79 71 1 Stimmen, wobei noch die an Zahl sehr starken Juden K.irpathoniBlands nicht wählten. Nur der Umstand, «laß gerade in Karpathorußland keine Wahlen stattfanden und «laß infolgedessen den Juden keine Möglichkeit gegeben wurde, in einem Wahlbezirk die genügende Stimmenanzahl in sich zu vereinigen, ist Ursache, daß wir heute keine jüdischen Abgeordneten in der Nationalversammlung haben. Bei den nächsten Wahlen kann mau aber mit der Wahl sowie der Bildung einer Gruppe jüdischer Abgeordneten rechnen, welche an Stärke derjenigen der Gewerbetreibenden in der Nationalver.samtr.11tn׳ ungefähr gleich käme. National jüdisch wählten in Böhmen 19 473 Juden, in Mähren und Schlesien 15024, in der Slowakei 43 217 Juden. Ebenso wie bei der Volkszählung zeigt cs sieh auch bei den Wahlen, daß das Anwachsen und die Bedeutung der Juden überhaupt und besonders der natio- »alen Juden in der Richtung nach dem Osten wächst. Zwischen den Juden selbst herrschen Streitigkeiten darüber, ob alle Stimmen, «lic die Zionisten bei de« Wahlen erhalten haben, ihnen auch anzurcrhr,cn sind oderoh sic nicht den ortho- «foxen Juden (bexmders iit «ler Slowakei) zumzilhtcn sind, die nicht immer in bester Freundschaft mit den Zionisten leben. Fiir die tschechische Politik ist jedoch die Frage, welcher jüdischen Traktion der jüdische Abgeordnete angehftrt, von untergeordneter Bedeutung. Die Hauptsache ist, «laß soundso• viele Wähler ihre Stimmen für selbständige jüdische Abgcordnete abgegeben haben, gleichgültig ob dabei mehr nationale oder religiöse Gründe entschieden habcu. Die ivatonnljüdischc Bewegung, welche sich bei den Waiden mul bei der Volkszählung 9.0 kräftig erwiesen haben, kann man in unserer Republik in folgende Gruppen cintcilcn: 1. Die Zionisten, welche das Hauptgewicht auf die nntion,Apolitischen Ideale legen, auf den Aufbau Palästinas als jüdischen Nationalstaat und auf die Wicdcrgclwt des jütlisehen Volkes überhaupt. Sic betonen in ihrem Programm ln «Irr Theorie wie aiicli in der Praxis immer kulturelle Fragen, die Hebung «ler Juden in kultureller Beziehung und bemühen sich überall, «Ins jüdische Element — in der Masse häufig ein unproduktives — in ein produktives zu verwandeln. Der Begründer dicker Richtung ist «ler verstorbene Theodor Herzl, eine der größten und idealsten Gestalten. Die politischen Führer des Zionismus sind heute Dr. Wcizmann und Sokolow׳. Organisierte und zahlende Zionisten gibt cs heute in der Republik 12 000. 2. Diejenigen Zionisten, deren Programm auch Palästina als jüdischer Nation,als'aat is*, welche aber das Hauptgewicht nicht auf politisch-nationale Ideale legen, sondern auch tmf das Entstehen einer selbständigen jüdischen Wcltansicht auf religiöser Grundlage. In der tschechoslowakischen Republik sind sic durch den Prager Oberrabbiner Dr. Brody vertreten, 3. Die orthodoxen Juden in der Slowakei lind KarpatliorufilanJ verbindet hauptsächlich das ängstliche Halten Vorbereitungen der einen einzigen Lösung, die für ihn möglich ist. Er ist, seines jüdischen Ursprungs bewußt, antijüdisch gerichtet; er ist, das deutsche Kulturgut wahrend, nntideutsch gesinnt; er ist, in der österreichischen Landschaft mit der Seele wurzelnd, der repräsentative Anti-Auslrlacus —! alles das, um Mensch zu sein und indem er Mensch ist. Diese historischen Gegensätze ober sind die eigentliche Nahrung seiner Reflexion, die zwischen ihnen allen über sic hinweg in unendlicher Spirale von der Natur zum Geiste, und zurück, sich freischwebend bewirkt.der Geist steht zwar über dem Menschen, doch über dem, was der Geist geschaffen bat, steht der Mensch . . .' Und wie perspektivisch erscheint ihm erst die Distanz des Schaffenden, der die Menschen‘ als Inbegriff dessen, wohin alle Volkheit emporsteigt, in seiner Individualität gerettet weiß •— aber nur, wenn er sich von allem Vorzcichenhaltcn der Individuation gereinigt hat. Den Weg vom i 11 teil ipi bien zu jeder Art von cinpiristischcm Ich zurück, den zwar jeder Augenblick unweigerlich wandelt, ihn gerade möchte der Katcgorikcr von Beruf endgültig abgcschnittcn wissen, und wäre es auch nur durch die absolute Einsinnigkclt seiner Richtung.“ Dem! gegen Karl Kraus, den Antijuden, ist über Judentum zu sagen: ״Als es in mythischer Zeit des Verfalls die große, die heilige Erneuerung galt, hat Jehova seine Boten ausgesandt und sic mit überwältigender Vollmacht ausgestattet: ״Siehe, ich setze dich heute, dieses Tages, über Volk und Königreiche, daß du nusreißen, zerbrechen, zerstören und vernichten sollst und bauen und pflanzen.“ ״Denn feit will dich heute zur festen Stadt, zur eisernen Säule, zur ehernen Mauer machen Int ganzen Land wider die Könige Judas, wider ihre Fürsten, wider ihre Priester, wider das Volk im Lande.“ ״Und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäß soll er sic zerschmeißen.“ Als ein Wcltkreis sich öffnete, war wiederum zur Erneuerung des heiligen Geistes eine jüdische Zunge am Worte entflammt. ״Nur des Menschen Sohn“, aber ״aus seinem Munde ging ein scharf zweischneidig Schwert“. Solch ein Schwert schlug, ״schlug die Lästerung von denen, die da sagen, sie seien Juden und sind׳« nicht, sondern sind de* Satans Schule“. Bei den Juden hat der Gotteskämpfer mit dem Wort seine ganze Furchtbarkeit entfaltet und die äußerste Strenge der Entscheidung verwirklicht. Er wurde, au der Verlorenheit des Volke*, Täter und Gewalttäter de! Ociitea aller religiösen traditionellen Gebote. Ihre Sprache Ist der sogenannte Jargon (jiddisch). Während die Zionisten für die hebräische Sprache cinfreicn (in Karpathorußland gründeten sie sechs Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache — die Schule in Munkacs ist so zahlreich besucht, daß Parallelklassen errichtet werden mußten), halten die Orthodoxen das Benützen der hebräischen Sprache für eine Entweihung der Sprache, die mir bei Gebeten und gottesdienstlichen Funktionen benützt werden soll. Nach Palästina kommen die Orthodoxen, um dort zu beten und ihr Ideal ist, in Palästina als heiligem Lande zu sterben, in der Praxis aber unterstiitz.cn sie «ten Aufbau eines jüdischen Nationalstaates nicht. Dem Schreiber dieser Zeilen antwortete einer «ler Repräsentanten der ortho doxen Juden in der tschechoslowakischen Republik auf seine Frage über das Verhältnis der Orthodoxen zu Palästina: ״Wir sind fiir Palästina — aber nicht in der Praxis, sondern nur in. der Theorie. Wir bcicn täglich dafür. (I! Red, d. ״].. R/׳> Von 138 Kultusgemeinden sind in der Slowakei 108 Orthodoxe, den Rest bilden ncolopc Gemeinden und sogenannte ״Status quo"•Gemeinlen. In Karpathorußland sind die Ge• nicitvlcn orthodox wirr chasskiiseh. Die Juden in der Slowakcl und Knrpatho:nßlnnd leben ein anderes politisches und religiöses Leben als die Juden in Böhmen und Aiähreit. Dabei id zu bemerken, daß man unterscheiden muß zwischen ״orthodox“ im religiösen und im politischen Sinne. In Karpathorußland sind, bis auf einen Teil ungarisch orientierter Juden alle Juden in religiöser Hinsicht orthodox, politisch jedoch sind sic in drei Gruppen geteilt: die orthodoxe konservative jüdisehe Pariei, die bürgerliche jüdische Partei und die Zionisten. Es ist oft im täglichen Leben schwer, zwischen diesen Gruppen der nationalen Juden zu unterscheiden. So ist Dr. Max Brod, einer der beiten lebenden Rchriflstclicr unserer Republik, Zionist und Vizepräsident des Jüdischen National• Tales. Dabei ist er ein gläubiger Jude, und sein letzte» großes Werk ״Heidentum, Christentum, Judentum“ gehört zu den interessantesten Apotheosen nicht nur des Judentums, sondern auch der jüdischen Religion. Die Hauptorgane der Zionisten sind die ״Zidovskö Zpravy“ und die ״Selbstwchr“ In Prag und die ״Jüdisch« Volksstimme“ in Bratislava. Ein!inoffizielles Blatt ist die ״Jüdische Volks- Zeitung“. Für die Jugend wird das Blatt ״Casopis zidovskö mladczc“ hernusgegeben. Die Orthodoxen geben die Zeit• schrift ״Jüdische Presse“ in Bratislawa und ״Ungvari Hirlap“ in Uzliorod heraus. In Karpathorußland geben die Zionisten eine hebräisch geschriebene Zeitschrift heraus. Zur Republik benehmen sich die Nationaljmlcn loyal, und auch in der Welt• presse verhält sich der zionistische Presseapparat, welcher rund 160 Zcitschrificn «ler verschiedensten Sprachen zur Verfügung hat, zu uns giiuslig. Das ist ein sehr wichtiger Umstand, weil die Auslandspropaganda unserer Feinde in der Weltpresse intensiv gegen die tschechoslowakische Republik arbeitet. Auch die Z onisten, welche nicht in der tschedioslowakischen Republik leben, benehmen sich zu uns entweder freundschaftlich oder neutral und schaden uns nicht. Die jüdische Assimilationsbcwegung in der tschechoslowakischen Republik geht Im Grunde aus derselben Ideologie hervor, wie die jüdisehe Nationnlbcwcgung, aus der ldco'ogic des Nationalismus. Aus der Statistik gellt hervor, daß von 353 676 Israeliten der tschechoslowakischen Republik auf die Jiklisdinationalcn 180387 entfallen, der Rest von 173 289 bilden daher jene Juden, welche bei def Volkszählung sich in die Rubrik ״Na• tionalilät" als Tschccho down ken, Deutsche, Magyaren und Polen cinschriebcn (in Karpathorußland gibt cs bis auf einzelne weder russische noch ruthcnischc Juden, es sind dort nur jüdischnationalc oder magyarische Juden). 1. Die tschechischen Juden sind organisiert in, ״Svaz Cccha-zidu", welcher über 2200 Mitglieder zählt und dessen Hauptorgan die tschechisch-jüdische Wochenschrift ״Rozvoj“ ist. In Prag arbeitet unter den Akademikern tätig der Verein ״Kapper“ ... In der politisch-nationalen Arbeit bemühen sich die tschechischen Juden besonders um die Ein״ führting der tschechischen Spradic in die jüdischen Kultus* . .. ..m!••*•! ■J!!■ ■.!11! ..."5' ' י' ....!■! PU. I durchaus, füllte, sich mit glühender Inbrunst und fieberte i!n ״Pathos der Forderung". (Buber.) Bei den juden trug der strafende, der rächende Geist das׳ höchste Amt auf Erden; er nahm den Religiösen, den Dichter, in sich auf und überbot sic; heißere, blutigere Weihen empfangend und gebend als sein milder Bruder, der Psalmist, der Troubadour Gottes. . Er Ist der Absoluie, der den Meißel der Rede schwingt gegen den trägen schweren Menschenstoff dieser formlosen Welt. Ich treibe nicht Geschiehtsklittcrung■, wenn ich sage: wir können heute wieder ermessen, was der Prophet bedeutete, als der Tempel fiel. Wir ahnen wieder diese Reinheit, diese Macht, diese Tragik. Wir lechzen wieder nach dem zornigen Segen eines allcrjüngstcn, allcrältcstcn Gerichts. Einer Schöpfcrmaclit gegenüber, die sich in Weltuntergängen, in Apokalypsen offenbart, gibt es für den kleinen, vergänglichen Menschen nur eine Reue: wie häßlich im Geiste er die Gaben des Friedens, die Gaben des Leberts genossen Hat! Gibt cs nur ein Gebet: daß ein Gott komme, auf den Triim• mern der Kultur nun endlich auch den Geist zu richten, ohne Erbarmen Unrein von Rein zu sondernl Einer Saat von Eisen, Feuer, Blut, Tränen entkeimt das messianische Ideal.“ Karl Kraus hat etwas von diesem Geiste. Darum ist er der große Jude. Aber seine Tragik liegt darin, daß er sein eigenes Problem nicht begreift. Denn nur aus einer starken Bejahung des Judentums und der eigenen jüdischen Individual!• tat kann die wahre schöpferische Kraft quellen. Viertel, ganz und gar auf dem Boden dieser Bejahung, hat ein Buch ge• schrieben, das voll geistiger Wärme ist und über Judentum und jüdische Aufgabe tief verstehende Worte sagt. Dieses Buch über Karl Kraus ist ein Dokument von jüdischer Be• dciitung geworden; es ist allerdings im Kriege und unmittel־ bar nach ihm geschrieben, und cs macht uns wieder be• wußt, wieviel Schwung und geistige Zuversicht damals die geistigen Juden erfüllte, und läßt uns schmerzlich erkennen, was davon heute schon abgcbröckclt ist. Viertels Buch kann dazu beitragen, diese Atmosphäre wieder zu erneuern. ״ W. 1 Verschiebung des Vortrags Holltscher*.» Der für den 5. November in der ״E w c r“-Buchhand|tmg aaigesetrte Vortrag Arthur Holitschers mußte verschoben werden, da der Vortragende dringend abrehen mußte.