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Jüdische Rundschau · 1922-10-27 · Heft 85 (27.10.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 85 (27.10.1922)
Date
1922-10-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. »' cs liier verlangt wird, wird den Maasscr durchfüliren, wird den Keren Hajessod verwirklichen, wird nach innen an Kraft (״ewinnen und nach außen an Wirkung.-,fähit׳kcit. jder immer wieder um» betant werden, ela 11’das, was wir verlangen, frei ist von allem Moralisieren. Und darsiii’ ist cs auch nur eine selbstverständliche Forderung, dal!!!er Begriff ries Gciieralpnrdons, der in allen Steuergesefeen der letzten Zeit eine Rolle spielt, auch bei uns anr.’Cvendet wird. Wir tragen cs keinem nach, der sich hi? i ctzt zuin Maasscr nicht durchringen konnte. Und wenn er uns als Führer vertraut geworden ist, und wem! vir seine Fähigkeiten schützen, so soll er durchaus die düglchkeit haben, in dieser Stellung zu bleiben, auch wenn er bis jetzt noch nicht de« Maasscr gezahlt hat. Wir verlangen ja nichts, als daß er sich verpflichtet^ jlm von jetzt ab zu zahlen, von jetzt ab für ihn einzufreien. Unsere ganze Forderung ist ein organisa• torisches Verlange«, ist der Ruf «ach guter Verwaltung, nach straffer Organisation. Wert« das ein jeder begreift, sowohl der, der die Förderung zur Anwendung bringen muß wie der, auf den sie angewendet werden soll, so wird iiir jede Bitterkeit genommen. Wir kämpfen für das Oesetz, wir kämpfen in keiner Weise gegen die, die sich ihm entziehe«. Aber wir müssen verlangen, daß für unser Oeset gekämpft wird. Anfänge Bemerkungen zur palästinensischen Verfass« reg. Von Chajiin Arlosoroff. (rtiim.: Der folgende Aufsatz ist ein Vorabdruck aus den in Kurze erscheinenden neuen Nummern der blitaclulut-Organc ״Die Arbeit“, J. IV., Heft 2, und ״Arbeitsvo’.k“ (dem jüdischen Zentralorgan der liitach- «tut), J. '1, Heft 1, der der ״jüdischen Rundschau“ zur Verfügung gestellt worden ist.) Die in ihren allgemeinen Umrissen seit längerer Zeit sehe!» bekannte Verfassung des palästinensischen Gemeinwesens i־t nunmehr vom König von England offiziell kundgetan, vom 11!;;!! Commissioner der Manilatarmacht in feierlicher Zeremenic proklamiert und beschworen, von einer mchrluimlcrtkiffi:;eil Versammlung von Landesnotabein — darf mau hoffen: in gebührlichem Schweige»? — entgegt»genommen worden. Es ist nicht notwendig — vielleicht nicht einmal möglich - voreilig an die detaillierte Bewertung eines Geschehnisses zu gvlicn, dessen eigentliche Bedeutung wahrscheinlich weit mehr in seiner historischen Perspektive als in seinem realen, heute־ schon gegenwärtigen Gehalt liegen mag. Wir sind hier, wie auf so vielen andern Lebensgebieten, die unserem Volke in den Jahrhunderten seiner nationalen Unterdrückung fremd geworden sind, mir Zeugen der Anfänge. Wir schaffen mir Ar.f:;n!re; wir sehen nur Anfänge; Anfänge einer Entwicklung, ui׳: nir bestenfalls ein; kurze Strecke weit mit den Augen verh.I!;cn können, bis sie auch dem schärfsten Blicke entsdiv.iadct, .'Ait dieser Konstitution, mag sie im übrigen noch so tmvcsluilit «len Charakter des Konipromißstrcbcns und des ILseli”.iehtii'imgswiileii tragen, sind die Anfänge zu, einem eigenen und selbständigen Staatsreclit Palästinas gebildet; die er.wn Steine zum Bau eines zukünftigen palästinensischen $1.1:1 lägrundgisctzes gefügt. Alle Baumeister und Zimmer- Iciitc, die später kommen weiden, werden auf diese« Steinen weilt!l auen, willig oder unwillig, von dieser Basis aus weiter arbeiten müssen. l>ie darin liegende Bedeutung der Konstitution darf man nicht gcringschiitzcii, selbst wenn wir manchem ihrer Paragiaphen recht skeptisch gcgenübcrstchen. Selbst die an und für sich erfreuliche Tatsache, daß wir damit an der Wende der Entwicklung freier und demokratischer Sclbstvcrwaltungsergane im Lande stehen, kann uns nicht darüber hinwegtimten, daß gewisse Geineiurcchtc des jüdischen Volkes in Palästina — wie z. B. das Recht der ungehinderten Ein- Wanderung — in ihr keine genügenden Garantien gefunden haben!; und es ist schon heute klar, daß wir ün Rahmen der verfassungsmäßig geschaffenen Institutionen vielleicht einen Kampf für die Verteidigung urvseier nationalen Rechte und Forderungen zu führe» haben werden. Aber noch wichtiger fast als das staatsrechtliche Wesen _ der "Verfassung und' ihre geschichtliche Bedeutung für die ‘ Mimft des werdende» Gemeinwesens scheint mir für die G;•:־!wart die Tatsache zu sei», daß mit u׳nd in dieser Kon-!U'Jiion wieder eine der besonderen Formen konkret festgelegt ist, in denen!:ich die innerpolitische Entwicklung des Landes in der nächsten Zeit vollzäelicn, das heißt vor allem: in de nen sich das politische Gemeinschaftsleben der Juden und dir Araber in Palästina abspiclcn wird. Und im Hinblick darauf erfordert sic unsere volle Aufmerksamkeit. ist cs doch im Laufe der Jahre greifbar deutlich ge- "׳ordtu, daß diese Frage», die Frage nach den Möglichkeiten und Wege» einer politisch-sozialen Lebensgemeinschaft von Jude«! und Araber» im Lande, die Frage nach den Vorausfitz« iigeii eines befriedigenden Ausgleichs der jüdischar.ibi :dien Interessen im Lande, vitale Probleme der jüdischen frulatitsbewegung darstcllcn, deren Lösung ohne Aufschub in Angriff genommen werden muß. Besonders deutlich in diesen ragen, wo die Ereignisse i!n vorderen Orient, im Zuvuiiineiihaiig mit de» Entscheidungen im griechisch-türkischen /Krieg, auf der eine» Seite die frappante Labilität der politisciic« Verhältnisse im Osten, auf der andere» Seite die außerordentliche Fragwürdigkeit aber derjenigen Kanslella* teilen gezeigt habe», deren Kraft und Stütz.c, nicht im Willen lmd im Einverständnis der orientalischen Völker selbst gekßen ist. Audi hier stehen wir »och In den ersten Anfängen, und ״nie re Haltung in dem Punkt, den man bei uns die ״arabische Politik“ nennt’ trägt offensichtlich alle Merkmale des Anfang ertums. Dazu tritt erschwerend der Umstand, daß cs tes Jude» härter ankommt als anderen, die Eigenschaften 7.11 erwerben, die gcwiwsc!maßet» Grundbedingungen wirksamer ted aufrechter Velkspolitik sind, die Fähigkeit zu ernst "״׳Rinder Abschätzung real wirkender Mächte, die Kraft zu Ultblütigein Beharren auf dein Wege zu einmal gesetzten fielen, die Kraft zu verständiger Sclbstber.chräiikung In den Forderungen, den weiten und sicheren Blick, der auch den Politischen Gegenspieler klar und gerecht «tu begreifen imdamde ist. So ist denn das, was man bei uns die ״neasisclie Politik“ nenait, heute noch weit entfernt davon, diesen Namen JUEP1SCHE JR UND SCHAU zu verdienen,' lchciisgcstaltendc, wirküchkcitforniendc Politik zu sein; ist vielmehr kaum etwas andere« als ein merkwürdiges Misciiprmlukt dreier Faktoren: politischer Deklamation, politischen'Scntmicnts und politischer Hypothese, dreier Fnklorcn m1*(», tlie iinj'cci^iK't «I1»d׳ untreichende Mittel zum Zweck zu bilden, Aber gerade deshalb sind auch alle diejenigen Ercigiilsse, Dinge oder Lcbeivcrschcinungcii für uns von besonderer Bedeutung, die uns konkrete Aussichten auf reale Möglich, keilen gemeinsamer politischer, wirtschaftlicher und knltiircl^r Arbeit in der Gegenwart eröffnen; oder die uns vielleicht sogar zu der Notwendigkeit derartiger Arbeit in bestimmten, uns fest Vorgesetzten Formen, ausdrücklich verpflichten. Während nämlich der jüdisch-arabische Ausgleich in Palästina als Ganzes genommen nur als das Resultat einer langwierigen und «uir langsam fortschreitenden Evolution denkbar ist, bicteri sieh hier in der politische» Praxis schon für die Gegenwart des heutigen und morgigen Tages Gelegenheiten und Formen gcnieinscliaitliclic« Wirkens dar. Und cs kann :11 der gegebenen Situation wohl kaum stark genug betont werden, wie wichtig cs ist, daß wir jeder dieser Ge- Icgcnlu'ite»' bereitwillig cnlgcgcmkommcn, um jede dieser Formen mit dem Geist des verständnisvollen Miteinanderarbeitens und Mitciuaiulcrlcbcns zu crlüllcn, der nicht nur für uns, sondern auch für das ganze Land von entscheidendem Wert i,t und von dem!eitler bisher der chauvinistische Extremisums, der das Land mit seiner Hetze־ erfüllt hat, nur allzu weit entfernt war. Solche Möglichkeiten, ln konkreter und gesetzlich umrissener Form, eröffnet uns nun auch die proklamierte Verfassmig, vor allem Ln ihrem hauptsächlichen, neu zu schaffenden Institut, nach dem Vorbild der cyprisclien Konstitution foruiierteu gesetzgebenden Körperschaft, dein Legislative Council, der außer den ernannten Offizinlvertrclcrri auch gewählte Abgeordnete der Lnndcsbcvölkcrimg enthalten soll, und zu dessen erster Session die Wahlen ln der nächsten Zukunft stattfinden sollen. Unsere Stellung Ln dieser zukünftigen, auf den eben angedeuteten Grundlage« aufgebauten ersten gesetzgebenden Körper des palästinensischen Gemeinwesen» ist ein Problem, das in unserem Zusammenhang wichtig genug ist, um eine Diskussion und de» Versuch einer Klärung schon im gegenwäriigen Zeitpunkt zu rechtfertigen. Wie wird die Stellung der Vertreter des jüdischen Jischuw im Legislative Council sein? Wie werden wir in die Wahlen gehen? Welcher Art wird die Arbeit sein, die wir iin Rate selbst zu leisten habe» werden? Bevor wir aber daran gehe», diese Fragen näher zu untersuche», müssen wir mit wenigen Worten eine Tatsache •berühren, die scheinbar von entscheidenden! Gewicht für die weitere Untersuchung ist, nämlich das Verhältnis der arabischen Partei oder wenigstens ihrer Führer ׳zu dem ganzen Komplex der liier behandelte» Frage». Hat doch bekanntlich der letzte Kongreß der mohammedanisch-christliche» Klubs, der zur Konstitutiou Stellung genommen, hat, den Beschluß gefaßt, aus seiner extremistischen Haltung praktische Konsequenzen zu ziehen, und nicht nur den wirtschaftlichen Boykott der Juden, sonder» auch de» der M.amlatarregicrung, der Verfassung, und damit auch des gesetzgebenden Körpers und der Wahlen proklamicrt. Ueber die Perspektiven des wirtschaftlichen Boykotts äußert der ■,Manchester Guardian" sich folgendermaßen: ״The general ,,0:1 scems to be!hat tliis boycott movement caiuiot survivc. ThoasanJs of tbcArabs are cmplojcd by jewishfarmers; the fellahin are wliolly dependant on jewish customers...“ Und cs scheint, daß der politische Boykott auch nicht um ein Haar bessere Aussichten haben kann. Auch er muH utid wird an seiner inneren Sinnlosigkeit scheitern, Abgesehen davon, daß es bis auf den heutigen Tag noch überaus fraglich bleibt, wie weit die Einflußsphäre der Kongrcßbcsclilüssc von Schieben! in •der arabische» Landesbevölkerung reicht, glaube ich, daß überhaupt ein so allgemeiner und hemmungsloser Boykottbcscliliill nichts anderes kennzeichnet als' ein erstes, unreifes Anfangsstadium der Nationalitätspoütik innerhalb des paiästinciisischcn Gemeinwesens. Ein Anfangsstadium, welches in der arabischen Bewegung notwendigerweise mit der Erkenntnis abschließc» wird, daß — der bestehenden Zahlcnvcrhältnisse ungeachtet — die Juden und ihre nationalen Aspirationen im Lande schon! heute eine Macht sind, mit der man zwar zu einen! gerechten Ausgleich der Interessen und Ansprüche kommen kann, ohne die aber — oder gegen die — eine Zukunft des Landes nicht mehr gestaltet werden kann, ln dem Augenblick, i» dem die boykottirciuvlliehon Araber ferner erkennen werden, dal) durch ihre Nichtbeteiligung an den Arbeiten der gesetzgebende׳» Körperschaft des Landes die Wahrnehmung ihrer eigenen elementaren, wirtschaftlichen, politischen, kulturellen oder sozialen Lcbcnsintercsscn gefallrdet sein könnte, werden auch die Führer gezwungen sein, ihre» Boykoltbescliluß zu revidiere». Und es erscheint wenig wahrscheinlich, — man denke an den ähnliciien Versuch' im Mai l')2l — daß dieser Augenblick lange auf sich warte« läßt. Die Araber werden also über kurz oder lang die Verfassung ,וו»erkenneil und ihre Deputierten ln den Legislative Council entsenden. Und die Jude«? Wie kann die politische Situation beschaffen sein, die die Deputierten des Jischuw bei ihrem Eintritt in den Council vorfimlcn werde»? Nim, während einerseits die ernannten Mitglieder des Councils wohl durchaus eindeutig und beständig die Politik der Mandatarrcgicrung vertreten, eine breite und geschlossenc Front der Offiz.ialität Im Rate bilde» werden, ist cs wohl andererseits unzweifelhaft, daß die Jude» innerhalb der gewählten Abgeordnetem einer verhältnismäßig sehr starken Majorität von arabischen Deputierten gcgenübcrstchen werden. Narren, die angesichts des im Augenblick bestellenden zahlenmäßigen Kräfteverhältnisses etwa» anderes hoffen oder aiinclinieii zu können meinten. Selbst in den! heutigen Stadiuni der ersten schüchternen Anfänge der Entwicklung einer crnsüi.ait demokratische» Selbstverwaltung im Lande wäre eine ״Verfassung‘‘ undenkbar, die das 90 offenkundig gegebe ne Uebcrgcwicht der arabischen Zahl im Lande nicht auch im gesetzgebenden Körper deutlich 21111! Ausdruck bringen würde. Und man muß dieser Feststellung die Vermutung binzufiigen, daß der Council nicht nur eine starke Majorität der arabisch Gewählten au (weisen wird, sondern auch, daß unter diesen arabischen Deputierten antijüdl$ch< Tendenzen und Anschaumige» stärk wirksam sein werden, so da& die Jude» dort nicht nur einer artbischen Majorität, sondern wahrschciiilich einer gegnerisch gesonnenen arabisch«» Seile 561 Majorität gcgcnlibersfeheti werden. Es wäre sinnlos, sich darüber unklar bleibe» zu wollen, Dagegen gilt es, aus dieser Lage die Konsequenzen für unser Ilandein zu ziehen, imtl zwar im Sinne jener politischen l.üiie, die wir oben als eine vitale Notwendigkeit der jüdisehen Bewegung In Palästina bezeichnet haben. Das heißt aber — für unsere konkrete Steilung — meiner Ansicht nach folgendes: Erstens: cs wäre von vornherein grundfalsch, wenn die kleine Gruppe der jüdischen Abgeordneten tin Council die Haltung einer mißgestimmten, aus dem Gefühl ungerechter Zurücksetzung verärgerten Minorität cinmihmc; oder die Hab Jung der verwunschenen Königssöhnc, die, von Thron und Krone fern, unter Menschen verschlagen, die ihrer Vorrechte nicht achten, des Tages harren, wo die lfexcnqiial weicht und ihre Glorie und Macht fcuriiekkohrt Vielmehr tollten sic auch unter dem Druck einer gegnerisch gesonnenen Majorität sich auf keinen Fall von der positiven Mitarbeit an allen im wohlverstandenen Interesse des Gemeinwesens liegend«! Oesetzen und von der aktiven Teilnahme an allen Beschlüssen abdrängen lasse». Zweitens: cs wäre ebenso falsch und verhängnisvoll, wenn die Meinung entstehen könnte, die Vertreter des jüdisehen Jischuw im Council behauptete» sich nicht anders, als eben als Vertreter der jüdischen Eigen- und Sonderinteressen nn Gesetzgebenden Körper des Landes, als Vertreter einer Nationalität im Staate, die nur geneigt sind, für die Fordertmgcn ihrer Gruppe einzutrden oder gar dieses Programm ihrer nationalen Politik täglich und stündlich bei allen nur möglichen Gelegenheiten in! Council zu demonstrieren und i'in übrigen sich auf die 1 f.aitung des nationalen Protestes zu beschränke», in allen den Punkten, wo diese Oruj!pe sich angegriffen, in ilircn Rechten verletzt oder benachteiligt fühlt. Das hieße nichts anderes, als die unsagbar verderbliehe Entwicklung mit unseren Kräften zu unt c r s t ü t z c n, die in den letzten Jahren in Palästina eingesetzt hat und die den Nationalitätengegensatz in das Zentrum und den Brennpunkt des innerpolitischen Lebens im Lande gerückt hat. Es hieße nichts anderes, als de» Legislative Council vom ersten Tage seines Bestehens an zu einer Tribüne des stetigen haßerfüllte!» und fruchtlosen Nationalitiitenhadcrs zu machen, der nicht nur unseren Interessen und Bestrebungen, sondere! genau ebenso sehr denen der Araber und denen des ganze» Landes widerspricht. Das darf nun natürlich nicht dahin gedeutet werden, daß wir ״mn des lieben Friedens willen“ uns den! Terror jeder Extrciiiistenfraktion beugen und auf die Verteidigung unserer nationalen Rechte auch in den Grenzen unserer begründete« Ansprüche und dringenden Bedürfnisse verzichten sollen. Un» ihre Anerkennung und Durchsetzung im Leben werden wir nach wie vor zu kämpfen haben, mit um so größerem Nachdruck, als der Kampf zuweilen — wie z. B. in der Frage der Einwanderung — um die elementarsten menschlichen und nationaien Grundrechte entbrennt. Was aber nicht seit! darf, ist, daß diese Konflikte das Alpha und Omega, den gan/cy Lebensinhalt der inneren Politik im Lande d.arstclle». Es muß vielmehr danach gestrebt werden, daß die gemeinsamen Interessen aller Teile der Landesbcvölkcruiig, also die Frage» des Landes und Staates Palästina als Ganzes, die politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Aufgaben, deren Erfüllung für die Bevölkerung als Oanzes von gleichem Belang ist, weit stärker als bisher hervortreten und in den Mittelpunkt des innerpolitischen Interesscs rücken. An Steile der ״nationalen Kainpfpolitik“ soll ״konstruktive Landespolitik“ treten, aber nicht als mißtrauisch aufgcnoinmcncs Oktroi der Mandatarmaclit, sondern als der freie Willcnsausdruck der nationalen Gruppe« selbst zur gemeinsamen Arbeit an der Zukunft des Landes, Palästina ist ein unentwickeltes, unaufgeschlossencs, kulturarincs Land. Es wäre Wahnsinn, wenn man zuließe, daß dieses Land in einem Völkerkampf gedrängt wird, der an Furchtbarkeit nicht seinesgleichen haben müßte, anstatt daß alle Energien, die das Land enthält und alle, die ihm noch zu» strömen werden,• auf die Entfaltung seiner Kräfte und Mög« lichkcitc» konzentriert werden. Fragen der Zölle gehen den arabischen Kaufmann! der Hafenstädte in gleichem Maße am wie den jüdischen, Frage« der Produktionsvcrbiiligung im Lande oder der Ausfuhr lebenswichtiger Güter aus dem Land« den jüdischen und den arabischen Konsumenten gemeinsam, Fragen des Pächtcrschntzcs den arabischen Fellachen sogar noch weit mehr als den jüdischen Siedler, während sie nn Fragen des gesetzmäßig geregelten landwirtschaftlichen Kredites wieder in gleicher *Weise interessiert sind. Und selbst Fragen wie die der Festsetzung der Lamdesgrenzcn, wie sie eben jetzt und nicht zugunsten Palästinas erfolgt ist, sollten nicht mir die Jude», sondern alle tief auf riihncn, die sieb mit der Zukunft dieses Landes umirennbar verbunden fühlen, gleichgültig, ob sic dem einen oder dem anderen Volke angehören, Eine gesetzgeberische und allgemein politische Arbeit in dieser Richtung wäre wohl der einzige Weg, der geeignet wäre, die stark gespannte» Energien im Lande von einer krankhaft übertriebenen Konzentration auf Nationalitäten• Streitigkeiten auf die gesünderen und verheißungsvollere« Bahnen positiver Aufb.autätigkeit einzulcnken, und die jüdisehen Abgeordneten des gesetzgebenden Rates sollten keinem anderen als diesem Wege folgen. Sie sollten nicht nur bereit sein, Versuche der Regierung in dieser Hinsicht zu unterstützen, sondern auch vor allein selbst die Initiative ergreifen und in Vorschläge« und Plänen voraiigchcn. Vielleicht ist cs schon möglich, auch auf den Verlauf der Wahlen einen ähnlichen Einfluß zu üben. Bleibt alles so, wie es heute Ist, so wird dort die Wahlbcwcgung beherrscht sein von einer Losung: Juden oder Judengegner. Nur die beiden nationalen Gruppen werden als Parteien figuriere« könne« und das ganze Land in! Verlauf der Wahlbewegung wieder in Hitze und Aufregung stürzen müssen. Wenn es gelänge, neben die nationalen Qruppen auch nur eine Partei ( zu stellen, die sich nicht auf Grund des nationale« Kriteriums, sonder» auf der Basis davon u«1abhängiger, etwa wirtschaftlicher oder so. zlaler I ntercssenpoUtik konstituierte, nicht als Na tlonalpartei also, sondern 018 Landespartel auftreten könnte ״für Schutz der Landesgewerbe“ oder ״für die Reform der Landeswährung“ agitieren könnte statt für oder gegen die Balfour-Deklaration, so wäre das ein Schritt von unabsehbarer Tragweite und für die weitere Entwicklung eki unschätzbarer Gewinn.

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