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Jüdische Rundschau · 1922-10-24 · Heft 84 (24.10.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 84 (24.10.1922)
Date
1922-10-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Z611I der jüdischen Arbeiter Palästinas Der ״Allgemeine Verband der jüdischen Arbeiter Palästinas hat eine Zählung־ der gesamten jü« dischert Arbeiterschaft Im Unde durch geführt, welche die Zahl von 15000 ergeben, hat. Da gegenwärtigf sämtliche Arbeiter beschäftigt sind und Mangel an Arbeitskräften herrscht, hat der Verband durch den Jüdischen Nationalrat (Waad Halcumi) eine Eingabe an die Regierung gerichtet, in weicher die Forderung erhoben wird, die baldige Einreise von dreitausend neuen Arbeitskräften zu ermög* liehen. Gegen die Aafnahntehcschrinkangcn an der amerikanischen Universität Anläßlich der Eröffnung des 179. Schuljahres der Univmüal in Philadelphia, einer der größten Universitäten der Vereinigten Staaten, hielt der Rektor Dr. Penny man eine Rede, 111 welcher er sich in schärfster Weise gegen die Pro p a!ג ז ftd a einer An f n n h m ebc gre a zu n g regen über den Juden wandte. Es sei unamerikanisch, die Zahl der Studierenden irgendeiner Rasse zu begrenzen. Die Colleges und die Universitäten dürfen nicht den Standpunkt jener zur Genüge bekannten aristokratischen Nichtstuer, die das (.01 ege Mott als einen exklusiven Klub l>ctrachten■, sich zur Richtschnur nehmen. Ist nicht Platz genug für alle, die sich um Aufnahme melden, so wäre cs besser, die gcbilde cn Snobs abzuweisen, denn mögen diese auch in der Gesellschaft eine Ausnahmestellung eirwehmen, 80 berechtige dies noch nicht zu einer Ausnahmestellung auch an der Uni* versität Neuer zionistischer Verband in England London. (J. P, Z.) Der ״Grand Order of Israel״, der 9000 Mitglieder zählt, hat auf seiner Jahreskonferenz in Manehester beschlossen, seine Statuten dahin zu ändern, dafl ledes Mitglied den Schekel zahle. Presseschsu ln der Prager ,,Selbstwehr4' äußert Dr. Felix Weltsch hn Rahmen eines literarischen Aufsatzes folgende beraerkenswerte Anschauungen zur Psychologie des heutigen Judentums: ״Es ist uns Juden noch keineswegs zum sittlichen Bewußtsein gekommen, welch ungeheures und ticfcinschneidendes Ereignis in der Geschichte des jüdischen Volkes die religiöse Wandlung ist, welche sich im letzten Jahrhundert abgespielt hat. Es gibt nichts, das man diesem Ereignis an die Seite stellen könnte; denn cs handelt sich nicht um Glauben und Frcigeisterci; nicht um Ghetto und Emanzipation; nicht um nationales Leben und Assimilation; es handelt sich um all dies auf einmal und um noch viel mehr. Hunderte von Geschlechtern, denen wir entsprossen sind, haben ein Leben gelebt, dessen Geschehnisse in minutiöser Weise in göttliches Gesetz cingespannt und 60 über das Niveau des natürlichen Lebens erhoben und geheiligt waren. Hunderte von Geschlechtern haben etn ungeheurcs Maß von Pflichten auf sich genommen Und sich dafür ein ungeheures Maß von Sicherheit erkauft; haben einen wesentlichen Teil des Lebens ins Unwesentliche herabgedrückt und dafür einen hohen Sinn des Seins und den Lohn der Auserwihlten erhalten; haben durch jahrelange Zucht Natur und Vitalität aus dem Kern ihres Daseins entfernt und dafür die Transponierung der Lebensproblcmc in geistige Dialektik erreicht. Langsam nur gewinnen wir Klarheit darüber, was dieses petrifizierte Leben für ein genialer Trick unseres nationalen Selbsterhaltungstriebs war. Für den einzelnen aber bedeutete dieses Leben eine unerhörte Vcrgdstigung seiner Existenz und das Bewußtsein metaphysischer Sicherheit. Aus all den Fesseln und Verzichten erwuchs ihm warmes, ja glühendes Gefühl der Geborgenheit in Gott Jahrtausende hat dieses Lehen unsere Vorfahren getragen. Im letzten Jahrhundert erlosch für die meisten Juden im Westen diese Kraft — cs se! hier nicht untersucht, ob durch äußere Einflüsse oder durch innere Ermüdung. Der Zauberknoten, der das ganze System ziisammcngchalten hatte — der Glaube an den Offenbarungscharakter der schriftliehen und mündlichen Tradition — lockerte sich. Und kaum begann er sich zu lockern, da brach wahrhaftig eine Welt zusammen, Chaos entstand. Die religiöse Geborgenheit verschwand, aber was sie ersetzen könnte, die religiöse Verantwortlichkeit, stellte sich nicht ein. Das neue Leben strömte ein und erfaßte Wehrlose; Menschen, deren Wesen durch jahrhundertelange Entwöhnung unfähig war, dieses Leben zu gestalten. Zucht schlug in Unzucht um; höchste Lcbcnsorduung in Regellosigkeit. Das Bedürfnis nach dialektischer Erfassung des Lebens rettete sich rasch in fremde Gebiete. — Der Segen der Sicherheit ward genommen and der Segen der Freiheit blieb aus. Das ist das ungeheuere Ereignis im Leben des jüdischen Volkes, das im 19, Jahrhundert über seine westlichen Generalionen hercinbrach. * . . Im letzten Heft der ״Sozial. Monatshefte״ vcroffontlicht Frau Emma Tri et sei» einen sehr interessanten und beachtenswerten Aufsatz über ,,Gemcirischaftscrachuiig‘ Sie widerlegt die häufigste» banaler» Einwändc gegen »las Prinzip der CtemcirisiliaiUcrzichurig und weist nach, daß ״allen Hei! für die Frau, für das Kind; für Ehe und Staat mir von der Gemeinschaftserziehung zu erwarten“ ist (das gilt tt. E. *״ch für Palästina, und dort besonders. — Aruii. d. R.). Der Artikel sollte von jeder jüdischen Mutter gelesen werden und sie zum Nachdenken anregen, damit endlich die At- *nosphäre entsteht, in der eine schöpferische Neugestaltung unseres Erziehungswesens möglich ist. — Dasselbe Heft der «Soz. Monatshefte" bringt in der Uinschaurubrik ״Philosophie einen warmen Nachruf für Schaj lsch Hurwitz, dessen Aufsätze über das Christentum erwähnt werden. Die Berliner Geraelndewahlei» , Wie wir hören, sind die Wahlen bi der Berliner Gemeinde »ul den 17. Januar 1923 verschoben worden. Die Frage eines Wa hlkorn p r0m isse8, bei dem also mir eine Liste aufgestellt werden würde, ist bisher noch unentschieden. Die Liberalen haben übrigens bereits einen Wahlaufruf vcr- Äntlicht, der scharf anti/ionistisch gehalten ist, JUEPtSCHE RUNDSCHAU Brenner, der Erzieher Von Dr. Hugo Bergmann, Jerusalem. ■Die folgenden Bemerkungen ent• nehmen wir dem soeben er&d »einenden sehr tu(ercfA,inter» und reichhaltigen 11. Heft der ausgezeichneten Monatsschrift ״Der Jude“. Nun ist es schon mehr als ein Jahr 18er, seitdem Brenner auf dem f rkdhof von Tel-Awiw ruht. Ist er uns seither näher geworden f Haben wir begriffet», was dieser Mensch uns bedeuten kann? Zwei Biographien, beide In Palästina erschienen, reget» die Frage an, Die eine (im Verlage Achdut Haawoda) hat Alexander Si'ißklnd Rablnowitsch zum Vcrfasscr, diesen treuen Alten, der zur Partei der Jungen gchört. Die von ihm verfaßte Biographie, zu *bald nach dem Tode des Freundes geschrieben, tat Ihren Dienst der ersten Orientierung wvl wirkt durch die vielen Brenncr-Worte. die sie aufnahirr. Wichtiger ist die Lebensbeschreibung, deren Autor J. Jaarl-Polcskin, der Verfasser des vH tim st ritteisen großen Buches ״Lochamim we Cholmtm“ ist. Poleskin stand Brenner durch viele Jahre sehr nahe, hat viele persönliche Aufzeichnungen (so die Rede Brenners auf der Haifaer Arbeiter* konferenz 1920) und verfügte bei der Abfassung seines Buches über eine große Anzahl zerstreuter Aufsätze und Erinnerungen, die er sehr gut und gewissenhaft zu verwendest wußte, so daß über die einzelnen Epoclten hn Leben Brenners und über seine Beziehungen zu manchen Personen, wie Sender Baum oder A. D. Gordon Wesentliches gesagt werden konnte. Eine Brenner-Biographie, mit einer für die hebräische Litcrati«■ ungewohnten Genauigkeit gearbeitet, beschließt das — bd David Scliarck in Tcl-Awiw erschienene — Buch, Ist, fragte ich, uns bewußt, was Brenner war, was er uns sein kann? Er ist, was die ganze heutige jüdische Generatfon dringender als alles andere braucht, Erzieher. Denn diese Generation irrt umher, führerlos; und täuscht »ich unaufhörlich über die Wirklichkeit, will die Weglosigkeit nicht sehen, in der wir doch alle als Juden dieser Zeit zu lebe« verurteilt sind. Sic streuen sich und andern unaufhörlich Sand in die Augen. Der Sand ist zahlreich: einmal ist ea das Splctea mit hoher Politik, ein aivdercsmal Chassidismus oder Ne»»- Christentum oder ein irgendwie persönlichen Wünschen ent• sprechend ziircchtfrisiertcs Judentum (meist aus zweiter oder dritter Quelle). Immer »vieder dasselbe Phänomen: wir müssen uns etwas vormachen, sonst, scheint c9, können wir diese schreckliche, aussichtslose jüdische Gegenwart und Zukunft nicht ertragen» (Manchmal wäre man geneigt, auch den jüdischen Sozialismus der palästinensischen Arbeiterschaft zu diesen billigen Tröstungen und Selbsttäuschungen zu rechnen. Ich glaube aber nicht, daß er hierher gehört Er ist der Wirklichkeit und ihren Bedürfnissen, »teilt Programmen entsprungen.) Dies ist Brenners Größe: er hat sich nichts vorgctäuscht und blieb dennoch in Reih ■und Glied. Auch Bcrdyczewski sah die Wahrheit, wie sie ist, aber er ging in die Einsam» keit von Friedenau, wurde Wissenschaftler, gab den Kampf auf. Brenner aber blieb Kämpfer — Publizist bis zu seinem letzten Tage und gab sch»״ Bestes in Olossen zu aktuellen Fragen. Diese Glossen, die berühmten ״Zijunim“, zerstörten alle Illusionen und waren dennoch positiv. Und so war Brenners Lebensweg: durch nlie Negationen hindurch bejahend — nicht au* Paradoxie, sondern aus Treue, weil wir doch nicht anders können, wenn wir kb«t. Den Zionismus gab cf bald auf, wurde Bundist, durchschaute die Täuschung Und kämgfte bald leidenschaftlich gegen den wortcmachcinden jüdijehen Sozialismus, ging «-ach Palästina und hielt sich da sein Leber» lang allen großen Hoffnungen fern. (Meiner Sünde gedenke ich heute: als Brenner» Milcan umikan erschien, 191!, und von der erschrockenen zionistischen Presse totgeschwiegen wurde, sah ich es als meine Pflicht an, über das pessinihtische Buch in der ״Welt“ zu schreibe». Aber Ich glaubte cs nicht tun zu können, ohne die schlichte Wahrheit des Brcnnmchen Pessimismus mit ein paar bililgtoptimistischcn besänftigenden Worten zu dämpfen,) Brenner wußte: wir habe!» keine andere Hoffnung, als diesen letzten Rcvt, schccrith haplcta, ln Palästina. Die paar Hunderttau sende, die wir 11» absehbarer Zeit ■nach Palästina bringen können, sind wenig gegenüber der jüdischen Wirklichkeit. Und da versuchen cs dann einige, denen cs nicht genügt, daß schear jaschub, daß ein paar Hmulerttauscude (wären wir doch so weit 1J arbeiten und hebräisch leben, — sich die Perspcktivcnlosigkclt durch metaphysische oder politische Hoffnungen zu erleichtern. Das wäre weiter nicht schlimm, wenn nicht das Schicksal grausam genug wäre, diese Selbsttäuschungen »inner wieder zu enthüllen und uns dann vervielfachter Vcrzwcifclung ouszulicfcrn. Demgegenüber Brenner; ״Wir sind Söhne des jüdischen Volkes, uns selber treu, wir leben in unserem Volke, weil wir uns kein Leben außerhalb tmscres Volkes vorstellcn können. Ob unser Volk gut oder schlecht ist, wir bleibe» bis zuletzt in seinem Lager, weil es für uns keine andere Sonne gibt, auch wenn wir ht Ihr alle möglichen Flecken finden. Wir müssen alle Kraft ziisammemKhmen und unser Leben besser und schöner machen; unsere Kultur schaffen, imscre Sprache festigen, uns unsere Gegenwart bauen. Wir wollen nicht von der Gnade der Bibel leben, die unsere Ahnen der Welt einmal geschenkt haben. Ein paar hundert Menschen beginnen, In Judäa und Galiläa, ein neues Leben, sic sind dje letzte Hoffnung, die 1ms verblieb. Die Aufgabe, die sie auf sich nahmen, geht über Menschenkraft, und oft fallen sic hin oilcr halten der Schwere ihres Lebens nicht stand; und die übrig bleiben, richten Ihre Blicke nach denen, die neu kommen werden, den Ratz aiiszufülktt. Und indessen sind doch schon einige Lichtstrahlen aufgegangen . . Wie bescheiden dieses Programm, wie klein neben allen Deklarationen, Er pflegte zu sagen (es war seine liefst«, täglich bewiesene Lebensweisheit): Der ganten Wett ftfinoen wir nicht helfen, aber jedem Einzelnen, der Hilfe braucht, sollen wir helfen zu jeder Zeit, in jeder Stunde. . Er sah den Einzelnen, nur den Einzelnen; er erlag nicht der Lüge der Verallgemeinerung, der Politik. Gewiß, hätten wir einen Wegweiser unter uns, es wäre schöner zu leben. Aber wir haben ihn nicht. So sei uns dem Brenner der ehrliche Erzieher, der uns sagt: cs ist keine Aussicht in die Weite, ich wenigstens sehe keinen Weg. Und dennoch, und dennoch! Wäre dies Dennoch, dies Af-ai-pi-kcn der Treue, doch immer lebendig in unserer Seele! Deutschland Jüdischer Schulvcrcin Generalversammlung Am Mittwoch, den 18. Oktober, hielt der Jüdische SchGvcr«m in Berlin seine diesjährige Generalversammlung ab״ Ans dem Bericht, den Herr Dr. Fritz Löwenstein erstattete, ging hervor, daß der Verein, der der eigentliche Träger der kulturellen Arbeit in Berlin ist, sich im letzt«» Jahre erfreulich entwickelt hat. Die hebrä ischc Sprach« schule ist zu einem anerkannten Mittelpunkt des Hebräisch-' lernen» geworden und hat gerade In diesem Wintersemester! eine große Reihe von netten Kursen eröffnen können. Siet steht unter der Leitung des Herrn Berggrün, der einen! Spezi,•»!bericht erstattete. Die Jüdische OrundschulW in Charlottenburg, die miter der Leitung von Fräulein Lindau steht, ist jetzt in die Räume der Synagoge Fasanenstraße verlegt worden. Die Zahl ihrer Schüler ist! m erfreulicher Zunahme begriffen; für das am 1, April 1923! beginnende neue Schuljahr liegen bereit» heute 15 Anmeldung(*», vor. Durch Zusammenwirken mit der Gnippe Ost der B. Z.’vJ und mit Unterstützung des Synagogcnvercins׳ und des neuer« jüdischen Oemeindcvenctns gelang im vorigen Jahre die Grii n4 düng einer zweiten Grundschule, die in den! Räumen der Synagoge Rykestraße den Unterricht abhaltj Sie stellt unter der Lciluag von I lerrn Studicnrat Michaeli«! und Fräulein Lichtenstcin, die einen Spezialberichlr über ihre Anstalt erstattete, ebenso wie Fräulein Landau fitaj die Grundschule Chartertenburg. Die Grund schule kt detj Rykestraße kann auf besonders erfreuliche Anfänge hinweisenj Für das kommende Jahr stehen dem Schul verein neue wese nt» liehe Aufgaben bevor. Zum 1. Oktober nächsten Jahres muß) die I. Oymnasialk lasse der Grundschule Chartotteivi btirg eröffnet werden. Die Eröffnung dieser Klasse bring! naturgemäß eine Reihe wichtiger pädagogischer ProWemea die besonders auch das Maß des Hebräischen betreffen, ins» besondere die Frage, welche Fächer in hebräischer Unterrichts•] spräche zu geben sind. Ferner wird c» sich hn nächsten! Jahre darum handeln, di« bisher von der B. Z. V, unterhaltene!^ hebräischen Kindergärten und Spiel nachmittag^ in irgendeiner Form enger mit dem Schulvcrcin zu verbinden] Alle diese Aufgaben setzen natürlich voraus, daß die fkiarw zielten Mittel entsprechend der wirtschaftlichen Lage und der» großen Aufgaben wachs«», Die Mitgliedern!!! des Jüdische» Schulvereins hat sich im vergangenen Jahre von 170 auf •Da gehoben. Diese an und für sich erfreuliche Ziffer zeigt immer hin auf der anderen Seite, daß weite Kreise nicht nur d Berliner Judentums, sondern sogar des Berliner Zionism der hebräischen und pädagogischen Arbeit des Sdudverei nach ohne Interesse gcjrenüberstehen. Es wird die Aufgal des kommenden Jahres seit», in höherem Maße, als es bksli gelungen ist, weiteste Kreise für die Arbeit zu interessier■ Herr Direktor Nathan berichtete als Schatzmeister de׳ Vereins über den Stand der Finanzen. Dann wurde, nachdc eine Reihe von Anfragen vom Vorsitzenden beantwort׳ waren, dem alten Vorstand Dccharge erteilt und ein neues׳ Vorstand gewählt. Vorsitzender des Vereins bleibt wie bisher] Herr Professor Dr. Löwe, die allgemeine Geschäftsführung! Hegt in den Händen von Dr. Fritz Löwenstein, während Herr Direktor Nathan die Finanzen verwaltet. Wie bishe« existieren drei Kuratorien, ״nämlich für di« Hebräische Sprach*] schule und die beiden Grundschulen. In diesen Kuratorien sind die verschiedenen Mitglieder des Vorstands tätig. Verein z&r Abwehr des Antisemitismus ln Mainz fand in diesen Tagen die Hauptversammlung( des Vereins zur Abwehr dos Antisemitismus statt, wobei Reichs•! minister Ooth ein eisen Vortrag über die Gefahren de! Antisemitismus nach i!1!»en und außen hielt. Deaisch-jQd Ische Jagendgeaelrischaft Die ״C.-V.-Zcitun;׳“ berichtet, daß am 17. September׳! die Gründung der Deutsch-Jüdischen Jugendj gemcinschaft st,1f!gefunden habe. Als Programm wir« angegeben: Wissen, Leistung, Zusammengehörigkeitsgefühl.( Heber die Tendenz kamt man sich aus folgenden Sätzen eitf, Bild machen: ״Wir werten die Jugend nicht zersplittern, wir• wollen sic zusatnmenfiiltrcn, denn wir sind die Verelnigung dcrdeutsch-jüditchen Jtigendorgank sationen Groß• BerIins, die sich um bereits korporativ «!»geschlossen haben. Wir sind der Ccntral-Verein fü* die deutsch-jüdische Jugend Groß-Berlins,‘1 Was die Drahtzieher dieser Jugendorganisation unter, ״deutsch-jüdisch“ versteh.’», ist nicht ganz klar. Meinen sie Ausschluß der Osijudci* oder Ausschluß der NationaIjudcn?j Es wäre auch interessant zu hören, weiche Orgams.1tIonen sidr bereits korporativ abgeschlossen haben. Da zionistische und wohl auch konservative Gruppen nicht in Frage kommen,( dürfte es »ich mir um die kleinen Jinjendgriippen handern,t die liberal sind und den Na»tmamischen Palmen folgen. Für! die Art. in der diese Jugend zu arbeiten gedenkt, ist cha•! raktcristisch, daß man sich an die Eltern wendet, damit sia ihre Kinder tn diese jiigcmlorganisafioacn schicken. In der( Tat Ist nicht anzunchmm, daß eine Jugend, die diesen Name!»׳, noch verdient, sich einem derartigen Ccntral-Vercin für die.!irgend a«schließen wird. Wir halten das Programm de* Central-Vercins für jede ernsthafte jüdische Arbet für vöilligj unzureichend, geradem undenkbar aber ist cs als Mittelpunkt! einer Gemeinschaft jtuiger Menschen. '; Zlonlitische Reorg&nfoatlonsgrappe ln der Versammlung am vorigen Mittwoch, über di« wir schon kurz berichteten, erstatteten“ Referate die Herren Temkinj Nossig, Dr. Kollenschcr, Prot Kulisclier und Dr. Hildes-( helmer. 1 Dr. Max Kollenschcr schilderte die Entwicklung der ztonistischen Reorganisations-Bewegung seit der Gründung des ״Binjan Ha.irez“ bis zum Entstehen des neuen Komitees, das mit der Haager Gruppe in engster Verbindung verbleibt Redner bekämpfte das Streben des offiziellen Zionismus'nach! Oinnipotciu In der ganzen Palästinaarbeit. Die ״Jcwisli: Agency“ müsse tatsächlich eine Vertretung der Gesamt** judenhelt bilden, Ebenso müsse sie auf dem Gebiete der; wirtschaftlichen Pal5s1li*aarbcit durch Privatuntcinehimfflgen; sich mitbeteiligen. Nachdem er noch die F rage der zionistischem Beamtenschaft gestreift hatte, schloß Dr. Kollenschcr mit einem wannen Appell im forme des Zusammenschlusses aller jüdischen Kreise zur Durchführung des Palästinawerkes,

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