Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1922)
- Date
- 1922-10-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I Kr. 82 JUEDISCHE RUNDSCHAU ische crenj aris^ fainu ייו er Paris icarej lotnn ihri Es hafJ erde«! ha( Ton 1 m» 1 um rtl in eiten, r ii.ii avrnq rächt, nyrnj giietq na en, Stadt vo« 1elzte! etzea :n s «1 und :hfen1 t 11״ der, ilten. 1af‘> ühcrcl jetzt׳ iss.ih t auf! einer1 und Um-) 'JacW Jerlie der׳ llung den taft vor, n, it hat Verte‘ 1 der der Uni-׳, nalä* wank : der wird.' dem 1er.de täldc, aham :05en- Vor-• 1 dem1 eine, :ra'el.j noch! hat,' 11igcn( iwivv• :Hatz* außer ehern! lische^ mgcd in Kvirt-!ogen I War- 311er-!eiltet;grad, rund-, illua eiten.' frrnderkeS rcjjdc vc ויי iclieu h men dit“, dem!xciu«׳ ilhN Ungarn1 . ן Judetiauswcisungen Budapest. (J. C, B.) Die antisemitischen Insulte gegen Juden in Ungarn beginnen neuerdings einen größeren Umfang anzunclimen. Auf den Straßen werden in den Nachtstunden sehr häufig friedliche Passanten tiitlich angegriffen. Seitens der Behörden werden jetzt Razzien mit Ausländer veranstaltet. Die ausländischen jüdischen Familien werden in ein Verzeichnis aufgenammen, um dann ausgewiesen ni werden. Bedroht sind etwa 15000 jüdische Familien, Außerdem bereitet die Hauptstadt Maßnahmen vor, dcncnzufolgc vom christlichen, und nationalen Standpunkte aus die Aufenthalts- Bewilligungen aller jener Personen jüdischer Konfession revidiert werden sollen, die, wenn auch nach Ungarn zuständig, sich während der letzten vier Jahre in der Hauptstadt niedergelassen haben. Durch solche Maßnahmen wären ungefähr 50000 jüdische Familien in Budapest von der Ausweisung bedroht ■■;1 ׳ י׳־.-, י ״ "... •i) Die Lage an den Universitäten - Budapest. (J. C. B.) Die antisemitische Studentenschaft Wer Budapestcr Universitäten hat drei Tage lang die Abhaltung von Vorlesungen an den Budapestcr Hochschuten verhindert Die Universitäten in der Provinz hatten sieh der Bewegung angeschlosscn. Die Studentenschaft hatte die Forderung gestellt, inan möge auch die auf Grund des rin in c r u s clausus anden Budapester Hochschulen aufgcnoinmcneu jüdischen Studenten ausscliließen, weil sich nach Meldung eines antisemitischen Blattes ein jüdischer Fabrikant angeblich ge• weigert haben soll, einen christlichen Ingenieur, der ein Diplom des Budapestcr Polytechnikums verwies, aufzunchmcn. In dieser Angelegenheit hat das Ministerium eine Untersuchung eingeleitet, in deren Verlauf sich alle diese Beschuldigungen als unwahr erwiesen haben. Das negative Ergebnis dieser Untersuchung wurde nun im Ministerrat fcstgestellt und deshalb beschlossen, es für die Zukunft unmöglich zu machen, haß die Zeitungen auf Grund unwahrer Beschuldigungen antisemitische Hetzart!kel zu schreiben in der Lage sind. *, ■;«11' Deutschland $ '■afi 4 Protest der Dresdner Gemeinde gegen die sächsische Feiertagsverordnung! Die Jüdische Gemeind« in Dresden veröffentlicht fot- '!enden Protest: i ״Die Verordnung des Ministeriums des Kulhis und fiffent« liehen Unterrichts vom U. August 1922 versetzt die jüdischen Eltern in den härtesten Gewissenszwang. Die Juden trifft die Verordnung am schwersten, weil ihre durch die Jahrtausende geheiligten Feiertage durch die jüdische Zeitrechnung festgesetzt sind und mit den gesetzlichen christlichen Festen rieht zusammcnfallcn. Den jüdischen Eltern ist es unfaßbar, daß sic vom Staat gezwungen werden, iiirc Kinder auch au den höchsten Feiertagen, die unmittelbar bevorstchcn, statt zum Gottesdienst zur Schule zu schicken. In unserer Not legen wir nachdrücklich Verwahrung ein gegen diesen Eingriff in die Freiheit der Religionsübung, die allen Bekenntnissen durch die Verfassung von Weimar gewährleistet wird.׳ ,״, Ein nachgelassenes Werk von Herrn, L. Strack <? Aus dem Nachlaß Prof. D. Stracks erscheint demnächst, Wie die ״Voss. Ztg.“ berichiet, bei Deck in München ein ״Korn - mentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch“, dessen erster Band dem Maihäus-Evangciitiirt gewidmet ist. Strack hat hier gemeinsam mit dem belesenen Paul Bi 11cr b c c k , gefördert durch Gckteiiwcmiuiigcii religionsgcschichtlich interessierter Amerikaner und Engländer, aus Talmud und Midraschim, aus Philo und Flavins Joscpluts, aus den Apokryphen und l'scudepigraphcn, alie Mitteilungen zusaminengctragcn, welche <lic Jesu und den Ufchriste» zeitgcnössischc ludenlicit beleuchten. Es dart vermutet werden,, daß Strack für diese grofin״gelegte, auf vier Bände Lexikon-‘ oktav berechnete Publikation, wie schon für die völlig lange-• arbeitete fünfte Auflage seiner viel benutzten ״Einleitung in ■Talmud und Midrasch“ enlsdicidende Befruchtungen bei seinem! Aufenthalt unter den Ostjuden des im Kriege besetzten Ciebictcs empfangen hat. Bewundernd sah hier der Forscher das; alttestamcntiichc Altertum lebendig, ein nur hier zu beobachtendes Kontinuum, das nach seinem׳ eigenen Wort durch kein, Bücherstudium ersetzt werde» könne. ■ . ' ־י לד• ■ ׳ Verurteilung eine» Redakteurs der Deutichen Zeitung' Vor der 7. Fcrlcnstrafkammcr des Landgerichts I Berlin,;!als Berufungsinstanz hatte sich vor kurzem, wie die ״B. V..Zcitung“ meldet, der verantwortliche Redakteur der!״Deutschen Zeitung“, Otto v. Schilling, wegen Beieidigung des Rechtsanwalts Fritz Juliusbcrgerl zu!verantworten. Er war in erster Instanz zu 500 M. Geld-■ strafe und zur Publikation des Urteils verurteilt worden,. , Hatie aber gegen das Urteil Berufung eingelegt. Der Anklage' liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Vor längerer Zeit >־ar in einem in der ״Deutschen Zeitung“ erschienenen ‘Artikel behauptet worden, bei einer Schiebung, die die Deut- «eher» Werke betroffen habe, seien Gelder in die sozialdemokratische Parteikasse geflossen und der Vizekanzler Bauer, sowie die Reichstagsabgeordneten Wissel und Hoch hätten den Mantel darüber gebreitet, um die Sache *u vertuschen. Die Angegriffenen hatten gegen Otto!V• Schilling als verantwortlichen Redakteur die Beleidigungs- ׳Hage erhoben, wobei Rechtsanwalt Juliusberger I ihre Interessen vertrat. Der Angeklagte war damals zu einer Geldstrafe von 20000 M. verurteilt worden. Am nächsten Tage, den 3. März d. stand in der ״Deutschen Zeitung“ ein! »Ein Sieg über die Pressefreiheit“ übcrschriebcncr Artikel, '״dem sich folgende Stelle befand: ״Besonders peinj**ch fiel die mangelhafte Beherrschung der!deutschen Sprache und der an die Grenadier- <traßc erinnernde Jargon dieses Vertreters Sozialdemokratischer Freiheitsbegriffe auf.“ rcßen dieser Ausdrücke hatte die Staatsanwaltschaft ל was sonst bei Beleidigungen nur ganz selten vorkommt — öffentliche Klage erhoben. Das Gericht verwarf die ■ßcrufunpr des Angeklagten. Es führte in seiner Begründung äus. eine auf der Steife erwiderte .Beleidigung im Sinne des ilUilll (Ulli «.«11 . I/Vilillj ן ן Düsseldorf, Königsberg niuiul, Stettin, Wiesbadc § 199 StGB, liege nicht vor; denn wenn die Ausdrücke ״niehlswürdiger Verleumder“ und ״lästiger Ausländer" zwar objektiv eine Beleidigung darstclltcn, habe der Rechtsanwalt Jiiliusbcrgcr in Wahrnehmung berechtigter Interessen gebandelt, wenn er als Vertreter der Beleidigten (im öffeiltliehen Leben stellende Männer) dem Gericht die Schwere der Tat vor Augen führen wollte. Wenn sich der Angeklagte auch durcli die Ausdrücke gekränkt und den Artikel in der Erregung geschrieben haben mag, so habe der Angeklagte durch die Ausdrücke ״mangelhafte Beherrschung der deutschen Sprache“ und ״der an die Orenadierstraße erinnernde Jargon“ die Absicht gehabt, den Rechtsanwalt Juliusberger zu beleidigen. , Gemeindefragen p'P'’ .,־V f *-" ' Der preußische Landesverband der jüdischen i Gemeinde ׳ Vom Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlin wird uns geschrieben: Am 25. Juni d. J. fand in Berlin die Tagung der preußischen Synagogengcnicinden zwecks Begründung des Landesverbandes statt, Noch auf der Tagung selbst ist die Konstituierung erfolgt. Der Vorstand der jüdischen Ocmelmte zu Berlin wurde mit der vorläufigen Geschäftsführung betraut. Die Arbeiten sind unverzüglich anfgciwmimcn worden. Eg galt zunächst die Verhandlungen wegen des Beitritts mit den Gemeinden zu führen und dar von den Ministerien als Vorhcritivgmi.gr fj!r die Dcwil'.ignmr der StanPbcihilfcii geforderte! statistische Material zu beschaffen. Trotzdem es sich um viele hunderte Gemeinden handelt, mit denen einzeln verhandelt werden mußte und die Verhandlungen111 ׳ die. Ferien fielen, durch die sich vielfach eine Verzögerung ergab, sind die Arbeiten soweit gediehen, daß von fast sämtlichen größeren Gemeinden die Beitrittserklärungen erlogt sind und der Verband bereits jetzt ■aller, in allem rund ■100000 Seelen umfaßt. Schätzt man die Gesamtzahl der zurzeit in Preußen wohnhaften Juden auf rund 425 OOO Seelen, so ergibt sich, daß der Landesverband schon heute bis auf einen kleinen Bruchteil die gesamte preußische Jude »heit r c ק r ä s c n - ticrl. Von den grolle reu Gemeinden (über 1000 Seelen) gehören ihm an: Berlin, Frankfurt n. M., Breslau, Köin^Hannover, i. Pr., Essen, Beuthen O.-Schl., Dortlen, Magdeburg, Aachen, Qlciwitz. Halle, Duisburg, Trier, Kiel, Ociscirkirchcii, Bochum, Bonn, Erfurt, Liegnitz. Von den Gemeinden Kassel und Krefeld liegen grundsätzliche Zustimmungserklürungcii gleichfalls schon vor, so daß der formelle Beitritt demnächst "zu erwarten Ist. In der Hauptsache fehlt eine Reihe kleiner Gemeinden. Diesen kann nur drinplichst geraten werden, unverzüglich ihren Beitritt zu erklären. Denn gerade für sie wird, nbgeschcn von der ideellen Seite der Frage«, die Zugehörigkeit zu dem VerbanJe vielfach geradezu eine Lebensfrage bedeuten. Einer der driivgciKlstcn Gründe für die Schaffung der Landesorgauisation war die Ucbcrzciiguiig, daß ohne einen derartigen Zn* sammeirscliluß die Existenz, der kleinen Gemeinden ernstlich in Frage gestellt ist und eine der Hauptaufgaben des Verbandes besteht riemgemäß auch darin, durch Aufbringung von Mitteln seitens der leistungsstarken Gemeinden und dtc Erwirkung von Staatsbcihilfen die leistungsschwachen Cicjiicindcn über Wasser zu hallen. Es ist nun selbstverständlich, daß von dem Verband nur diejenigen Gemeinden bedaclit werden können, die ihm angeschlosscn sind, Alle diejenigen Gemeinden also, die den Beitritt unterlassen, schließen sich selbst sowohl von der Hilfe der anderen Gemeinden, wie von der Berücksichtigung bei den dein Verbände zu bewilligenden b taa 18 be f h il f e ti aus. Was die erforderlichen Vorarbeiten für die B c w 111 i g u n (״ der Staatsmittel beirilft, so hatten• die ziistiimligen Mtnistcricn die Einreichung der statistischen Unterlagen bis 8päicstcirs Ende August verlangt. Trotz, der Schwierigkeiten, die steh bei den Verhandlungen mit den hunderten von Gemeinden ergaben und trotz der von vielen Gemeinden bezeigten Saum- Seligkeit ist cs möglich gewesen, die Arbeiten soweit zu fördern, daß ein, wenn auch nicht vollständiges, so doch für die Beurteiluivg der Gesamtverhäituisse ausreichendes Material rechtzeitig dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung cingereidit werden konnte. Soweit die Beantwortung der Fragebogen noch aiissteht, muß sic unverzüglich noch nachträglich erfolgen, damit einem etwaigen Verlange« des Ministerium« nach Ergänzung der fehlenden Angaben entsprochen werden kann. .<,111 :1• Eine Diskussion in der Breslauer Gemeinde v In der Breslauer Jüdischen Gemeinde hat eine Debattä fn der Repräsentanz ■stattgefunden, die auch für eine weitere! jüdische Oeffentiiehkeit nicht ohne Interesse sein dürfte. Die ״Neue Synagoge“ in Brcsla«, die einen liberalen Ritus besitzt, veranstaltete die Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens und lud zu dieser, Feier auch' die konservativen Rabbiner, Dr. Moses Hoffn/ann und Dr. Simonsohn, ein. lieiile leisteten, was ohne weiteres verständlich sein wird, der Ein׳- Ladung keine Folge. Darauf brachte der Vorsitzende der Breslauer Rcpriisentaiitenwnsammlurig, Jirstizrat Pciscr, in der Sitzung der Repräsentantenwrsnminlu ng eine Interpellation ein, die er fn einer längeren Rede begründete und die in der , Forderung kulminierte.; ׳, י p;-! 1! 1 '׳ 7׳ל ״ .״£Der Vorstand vrad errfucht, die'Herren Rabbiner Dr. ל, Höffmaim tim! iDr. Siimonsofm in geeigneter Weise auf dert י peinlichen Eindruck bhratwetsen, den sltre Abwesenheit von '. der Jubiläumsfeier ab 17. September in weiten Kreise« der / Gemeinde gemacht hat und ihnen zugtejdf zu eröffnen, daß nach der ucberzcußimg der beiden Gcmcfnd'ckörpcrschaft«* die Anwesenheit der Rabbiner bei den Feien» der Gemeinde im Interesse ihres Friedens erforderlich sei/‘ Der Vorstand gab darauf durch seinen Vorsitzende«, Herrn Geheimrat Goldfeld, eine Erklärung ab, worin er diesem Bedauern bcipflieliictc, aber erklärte, nach Lage der Gesetze und Satzungen einen Zwang nicht ausi'ibeu zu können Die konservativen vorstamhniitglioder äußerten sich nicht, da. sie diesem Beschluß des Vorstandes ztigcstinttnt hatten, in •der Diskussion sprachen u, a. die zlonisti sehen Repräsen ftanieti, Dr. Schachtel und Dr. Jacobsohn, die sieht ■ scharf gegen die Intoleranz wandten, die für den Standpunkt der Liberalen charakteristisch «i. Am Schlüsse der Di*- kussion, an der die Liberalen sich kaum beteiligten, erklärte der Antragsteller sich durch die Erklärungen des Vorstands befriedigt um! zog deshalb seine« Antrag zurück. Pc ganze Angelegenheit bedeutet nicht gerade eine Stärkung der liberalen IWtion, was auch darin zum Ausdruck kani^ daß ein liberaler Repräsentant nach Schluß der Debatte seinen Freunden zurief: ״Habe ich Sic nicht gewarnt?“ Ein jüdischer Lehrstuhl an der Moskauer Universität K 0 w n o (J. C. B.). Anfang 1922 wird an der pädagogischen Fakultät der z.weiten Moskauer Universität eine jüdische Sektion für das Studium der jüdischen Sprache», sowie der jüdischen Literatur und Geschiente eingerichtet werden. Als Lektoren für diese Fächer wurden cingeladem Do• . lyuscisin, Spielrcin und Hcligmanu. , 1 7 Seite 547 Citerarisebe Umschau Eine Erinnerung an den ersten Kongreß Dieses Jahr der Ratifizierung des Paläslinamanclats ist ru gleicher Zeit dns Jiihiläumsjalir, in dem wir auf 25 Jahre' Koiigrellzlonisimis zurückWicken können. Uebcratl in der Weit, wo Zionisten arbeiten, haben sie in diesen Monaten des ersten Kongresses gedacht und durchicbien noch einmal, sei es aus eigener Erinnerung, sei cs aus Büchern oder minidlichcn Erzählungen von Teilnehmern jene historischen Augenblicke, als sich die Vertreter des nach Palästina strebenden jiidtachcn Volke» zusanintcnfanden, um ihrem Streben einen festen Ausdruck zu geben. Das Berliner Büro der Zionisfischen Organisation hat in diesen Monaten eine Schritt der Erinnerung erscheinen lassen, die besonders geeignet ist, die Begeisterung, den Elan und die Zuversicht uns in die Erinnerung zurückzurtifcn, die die Teilnehmer des ersten Kongresses beseelte. Das Büro hat an alle noch lebenden Teilnehmer des ersten Kongresses die Frage gerichtet, ״W a •' rum gingen wir zum ersten Kongreß?״ und hat■ unter diesem Namen die 32 Antworten, die es erhalten hat,! mit den Bildern der Teilnehmer des ersten Kongresses veroffentlicht. Einige Auszüge aus ller/ls Tagebüchern, aus' den letzten Augenblicken vor dem Kongreß, uns den Kongreßtagen selbst und unmittelbar nach ihnen eröffnen das Üuch.l Die Antworten sind sehr verschieden ausgefallen, und darin liegt der Reiz, des Buches. Mancher vergleicht seine heutige Stimmung mit der vor 25 Jahren, manche berichten inter•; cssantc Einzelheiten ■vom Kongreß und von ihrer persön-i liehen Bekanntschaft mit llerzi, der eine oder andere hat! sich inzwischen so anders entwickelt, daß cs ihm nicht mehr möglich erscheint, die Gefühle zu schildern, die ihn vor 25 Jahren bewegten. In diesem Sinne schreibt z. B. Nathan' Birnbaum, Sehr interessant ist, um einiges wahllos heraus« zugreifen, der Bericht ton Professor Dr.' Michael Berko-1 witz, der damals dem Verbände ״Zion“ und somit' dem nächste» Freundeskreis ilcrzls nngchftrte. Seine Aufgabe auf dein Kongreß war eine entsagungsvolle, er! mußte die zahllosen Kundgebungen ordnen und sichten und1 konnte deshalb nur zum Teil den Verhandlungen folgen.! Berthoid Felwcl zeigt, daß die Gefühle, die de Teil-; nchmer des ersten Kongresses bewegten, keineswegs unklar, und schwärmerisch waren, sondern daß die Bcgosteriinj' schon damals auf klare Ziele gerichtet war. Wir finden! neben vielen anderen Lazarus Fried mann aus Mainz,! den wir noch in diesem Jahre auf dem deutschen Delegierten-! tag mit Freude» als rüstigen Teilnehmer begrüßen konnten.! Viele sind in diesem Buch vertreten, die heute in Erez-Isracl! aufrechte Männer des Aufbaus sind, so Ussischkin,! Luric 11. a. Manche anderen, die noch heute lilhrendej Männer der zlonistisehcn Bewegung im Onluth sind, wie! etwa Leo Motzkin, Es kann hier nicht der Ort sein,! alle Aeußerungen Revue passieren zu lassen, sondern cs soll nur ausgesprochen werden, daß dieses Buch, zumal cs auclii äußerlich einen schmucken Eindruck macht, eine sehr \vi||J kommene Gabe ־für alle diejenigen sein wird, die die Geschichte un6crcr Bewegung lieben oder sie kennen zu lernen wünschen. Durch das Medium der Berichte über persörv1 liehe Erlebnisse der ersten zionistischen Pioniere, die damals eine verspottete kleine Schar waren, wird dieser Zweck viel-1 leicht besser erreicht als durch trockene Geschichtsschreibung,! —n. i Christentum und Altes Testament In der letzten Zeit Ist wieder stärker als zuvor das׳ Alte Testament ein Politikum innerhalb der protestantische«' Theologie geworden. Die neue Hochflut des Antisemitismus; und die nationalistische Bewegung konnten natürlich aitcl«. vor dieser geistigen Schöpfung, deren jüdischer Ursprung' nun einmal nicht ln Zweifel gezogen werden kann und die ebenso fraglos ihren mächtigen Einfluß auf die gesamte! christliche Kulturwclt, nicht zuletzt auf das deutsche Volle (Luther), gehabt hat, nicht halt machen. Immer Häufiger werden daher die christlichen Stimmen, welche fordern, die heiligen Bücher der Christenheit von diesem jüdischen Produkt zu befreien. Dafür werden in erster Linie religiöse Motive ins1 Treffen geführt, sehr oft aber auch offen nationalistische und! antisemitische, die eben nichts Jüdisches inncriialb der dcut-j sehen Religion dulden wollen und zuweilen soweit geheim auch die Christusfigur wegen ihres jüdischen Ursprungs ab« zulchncn. Aber auch die religiös argumentierenden Gegner1 des Alten Testaments sind nicht immer frei von mehr odefi minder bewußt antisemitischen Motiven. IX־r bekannteste , Angriff der letzten Jahre war ja das Pamphlet ״Die große Täuschung“ von Friedrich Delitzsch, dessen wissen-1 schaftliche Minderwertigkeit von den lühreuden Männern der protestantischen .Wissenschaft mehrfach eingehend nach«1 gewiesen wurde und das einfach eine antisemitische Schmäh«1 scjirift ist, zu der sich der bekannte Forscher hinreißen ließ,) ohne die Integrität seines wissenschaftlichen Namens zii schonen. In ganz anderer Art zieht ein anderer zentraler! Mann der protestantischen Theologisj, Adolf von Harnack,] gegen das Alte Testament zu Felde. In seiner 1921 er-! schicnenen Monographie über Marcion erkkärt er, dem Alten1 Testament müsse die kanonische Autorität entzogen werden;! allerdings fügt er; hinzu, erst dann werde dieses Buch in! *einer Eigenart und seiner Bedeutung richtig gewürdigt werden! können. Vom religiösen Gesichtspunkt betrachtet er die' Kanonlslcrung des,Alten Testaments im 2. Jahrhundert als notwendig, im 16. Jahrhundert war cs ״ein Schicksal“, daß| die Reformatio« noch daran feslhiclt; ״es aber seit dem '19. Jahrhundert als kanonische Urkunde im Protestantismus noch zu konservieren, ist die Folge einer religiösen und kirchlichen Lähmung.“; Gegen diese beiden Angriffe verteidigt das Alte Testament der bekannte Berliner Professor der evangelischen Theo* logie, Dr. Ernst Sellin‘). Zunächst wiederholt Sellin einige Thesen, die von der protestantischen Theologie längst allgemein anerkannt sind und eine gewisse Inferiorität des' Alten Testaments gegenüber dem Neuen Testament zugeben.’ Allerdings ist die Argumentation nicht überz.cugend. Scho« die erste These ״Das Alte Testament Ist kein übernatürlich gcollenbartcs, göttiirji inspiriertes Buch", wird niemanden überzeugen, der wirklich auf dem Boden der lnspfrationslehre steht. Denn weder die Widersprüche de* Textes, noch die sogenannte Inferiorität der alttcstnmentllehen Ethik D Das Alte Testament und die evangelische Kirche de! Gegenwart. Voa D. Dr. Ernst Sellin. Leipzig H21׳, A, Deichert• gehe Verlagsbuchhandlung.