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Jüdische Rundschau · 1922-10-10 · Heft 80 (10.10.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 80 (10.10.1922)
Date
1922-10-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Keren Hajessod und die Zionisten Von Ernst Marcus, Berlin, Als der Keren Hajessod sich in Deutschland konstituierte, nt der Widerhall in der zianisti.iclicn Öffentlichkeit groß, im begriff die Notwendigkeit des UnicrnchiiKns, man ahnte OrolSe des Angenb'.ickcs, in dem zum ersten Mal seit aistcnz der Zionistischen Organisation in Deutschland Juden allen Richtungen!•:ul Schichten des deutschen Judentums!;!mutig aufliefen zur Einsetzung der gemeinsamen Kraft für r11 Aufbau Erez-lsracls. Der zionistische Oedanke hatte ge- "cjl; Palästina wurde aus dem trcimendcn zum einigenden ri,ment für das dcnDchc Jiiücntum. Und freudig konnten!d alle Zionisten für eine Sache cinsctzcn,' die über alle ^:!tischen Tagesfragc:» hinweg ihnen am meisten am Herzen;.j* De Oewißheit, daß das Land dem ganzen jüdischen Volke Heimstätte werden würde, und der Wille, cs dazu ,j nwclicn, Überweg den für manchen von uns schmerzlichen Verzicht auf Proklnimertmg politischer Ziele, d e eine gemeinunc Aktion des deutschen Judentums selbstverständlich nicht iitcn konnte. Genug hatte man um abstrakte Dinge gedritten, nun forderte das lebendige Ercz-hrael sein Recht. On'scm lebendigen I:1e/-Israel ist die Arbeit des Keren Ha- ׳ssod gewidmet. Daraus geht hervor: die Arbeit des Keren ilajessod ist eine dauernde, keine vorübergehende, sic ist -;eilt erschöpft mit rinem ״drive“ und nicht durcligefi'ihrt, »ain Zeichnungen in größerer Anzahl erreicht sind. Dieser Chrraktcr der Keren I iajessod-Arbeit wird von den meisten Zwisten übersehen. Ahn begniigt sich damit, selbst ge- «richnet zu haben und ist i n höchsten Maße zufrieden, wenn ran cinen oder den niiUercu Bekannten zur Zeichnung ver- Hißt hat. Das ist nun freilich besser als nichts. Vom Standpunkt wirklich planvollen Arbeitens aber ist cs nicht ith wesentlich. Ah« überlege sich; Der Keren Hajessod »11 fortlaufend größere Mittel aufbringen, um die Kolonisation *ijksim fördern zu können. Er dient dazu, nach Maßgabe ä« Aulbauplans Fabrikate und Waren anzuschaffen, Chaluzim mit Kleidung und Werkzeugen auszurüsten und schließlich iucIi Gelder für die Ueberfahrt flüssig zu machen. Um die dafür notwendigen Summen aufzubringen, bedarf cs eines;roden Stabes von ständigen Mitarbeitern, bedarf cs zahlreicher Veranstaltungen, die die jüdische Ocffcntlichkcit dauernd informieren und interessieren, bedarf es der fortdauernden Werbung neuer Mitglieder. In einem Arbeitsgebiet rie Groß-Berlin gibt cs noch immer tausende von Juden, Jie nicht einmal wissen, was der Keren Hajessod ist. Und diese Leute gehören meist der Schicht der Wohlhabenden und Intellektuellen an. Wie ist das möglich? Nur dadurch, daß uns die Kräfte feilten, an diese vielen jüdischen Menschen׳ knnzutreten, eingewurzelte Vorurteile zu zerstreuen, Glauben ru schalten an das Werk, eiern unsere Arbeit gilt. Alle, Jie dauernd sich der Organisation zur ,Verfügung stellen, rite, die wenige Wochen für uns arbeiten, kennen die Resijnalion, die auch die größte Arbeitskraft schwächt, weil itim sieht: alles, was getan wird, verschw indet wie ein Tropfen im Meer, alles ist klein, erst Anfang, gerade zur Linderung der Notlage aiisicickciid, wenn wir nicht imstande sind, unsere Menschen aus ihrer Gleichgültigkeit aufzurütlehv. Von nie- Bändern braucht geleistet zu werden, was über seine Kräfte geht. Jeder 3011 nur in den Grenzen seiner Zeit und seiner Fälligkeiten helfen. Aber in diesen Grenzen muß jeder Zionist mitarbeiten, nicht weit wir mehr, besser sind als die KUhtzionistcn, nicht weil wir Am.erwählte sind. So zu denken ist Größenwahn, und wir sollten wahrlich genug haben von den Rcklamcpathos und dem Brustton der Ddclmiationsreden. Aber wir haben dem jüdischen Volke unser Wort gegeben, daß wir für seine Ziele dienen «׳ollen und dieses Wort muß gehalten werdet», wenn die Sache nicht verloren sein soll. Die Arbeit des Keren Hajessod Ist keine Arbeit von Wochen, soomlcrn von Jahrzehnten. Sie ist keine Scluiorraktion, sondern sie dient dem Leben des jüdischen Volkes, Wir müssen für die Menschen drüben mehr als gute Worte, mehr als gelegentliche Gaben laben. Wenn ein Volk hungert, physisch und psychisch, wie viele tausend unserer Brüder, müssen wir ihnen mehr zu sagen laben, als: cs besteht eine Zionistische Organisation. De״״ nicht diese Existenz, nicht das Mandat nützt ihnen, wenn nicht von uns mit zäher Energie gearbeitet wird, tuwerzagf, Jahr um Jahr. Nur dann wird Palästina aufgebaut werden, nur dann wird cs möglicli sein, die jüdische Einheit zu schaffen, deren Grundlage der Gedanke und die Arbeit des Keren Hajessod bilden kann. Was erleben wir statt dessen: die Helfer fehlen uns. Man läßt uns atii'rufcn, schreiben, kommen. Die Wenigsten lallen cs für nötig, auf unser Werben auch nur zu reagieren. Selbst in zionistischen Kreisen ist die Nonchalance und Nachlässifjkcit im Verkehr mit jüdischen Institutionen noch größer, als itn Verkehr mit deutschen Privaten oder öffentlichen. Es ist dies ein Paktor, der unsere Arbeit auf das äußerste hemmt und dem nicht genug Aufmerksamkeit zugewendot werden kann. Hier muß die Erziehung in allen zionistische« Gemeinschaften cinsctzcn. Warum fehlen uns die Helfer: weil selbst ein ganz minimaler Prozentsatz der Zeit unserer Leute nicht frei ist lür zionistische Arbeit. Weil die zionistische Erziehung zum großen Teil eingestellt war, auf daucrnile Aufpcitschung der Stimmung, die weder der Arbeit förderlich ist, noch nach außen hin Wirkungen erzielt. Viele weiden erstaunt sein, daß der Keren Hajessod, dessen Aufm! die jüdischen llonoratioreu unterzeichnet haben, nicht ganz von selbst funktioniert, Ihnen sei gesagt: es geschehen keime Wunder, die nicht ganze Kraft und Hingabe laben. 111 jeder Nmnmdr der Rundschau steht: Zionisten, zeichnet für doit Keren Hajessod. Ucbmll in Rcldamekttcrn; Keren Hajessod! Wer überlegt sich dabei: Wie arbeitet er eigentlich, der Keren Hajessod? Wie kann er arbeiten, wenn wir, die organisierten Zionisten, ihm nicht helfen? Diese Frage möge sich jeder stellen. Die Antwort wird sich ohne Schwierigkeit ergeben. Die jüdische Arbeiterbewegung in Amerika Ein Vortrag David Pinskis In Wien, \1n 20. September hielt der gegenwärtig In Wien weilende jüdische Dichter David Pinski in Wien einen Vortrag über die jüdische Arbeiterbewegung in Amerika. Pinski führte unter anderem aus: Die Geschichte der Arbeiterbewegung in Amerika, an der ich persönlich 23 Jahre icilgenommcn habe, zählt zirka 30 Jahre. Die Arbeiterbewegung hat ihre Entstehung und Entwicklung dein großen Immigranlcnsirom aus Europa und hauptsächlich den jüdischen Immigranten zu verdanken. Der erste jüdische linniigranlenstroin hat sich unfähig gezeigt, ein wirkliches Proletariat zu schaffen, und hat sowohl den Juden als Amerika wenig Ehre gemacht, denn das erste Einwamlcrcivlemcnt war gänzlich pim/ipieidos und hat, um Geld zu machen, zum Handel in den Dörfern gegriffen, was nicht immer auf ganz reelle Weise zugegangon ist. Erst der große jüdische Immigrantenstrom der achtziger Jahre nach den Pogromen in Rußland hat sich teilweise der Arbeit gewidmet. Nachdem die inimigrantc״ in ihrer Heimat keine qualifizierten Arbeiter waren, mußten sie, in Amerika angekommen, zu einer leichten Arbeit greifen, und zwar zur Schneiderei, Kürschnerei und Zigarettenin• dustric, Audi diese liuniigraiitcii hatten nicht die Absidit gelullt, lange Zeit in Amerika zu verbleiben, sic wollten bloO Dollar sammeln, um dann wieder in ihre Heimat zurückfahren zu können, wo sie mit dem neuerworbenen Gclde ihren Kleinhandel weiter zu betreiben beabsichtigten. Erst anfangs der neunziger Jahre haben die teilweise prolctarisicrten jüdischen Immigranten emgcschcn, daß sie sukzessive der alten Heimat entfremdet werden, und befreundeten sich mit dem Gedanken, Amerika als ihre neue Heitnat zu betrachten. Dieser Umstand wie'atidi das Eintreffen der ersten jüdisdieu Sozialisten und jüdischer Intelligenz aus Europa bewog die jüdischen Arbeitermassen, sielt auf einer sozialistischen Grundläge zu organisieren. :! Noch von früher ler haben jüdische ״U nion s" bestanden, weiche jedoch auf derselben schlechten Basis wie die anderen * amerikanischen ״Union:!'‘ nufgebaut waren, und z.var haben nicht die Arbeiter, sondern bloß die Arbeiterführer von diesen ״Untons“ Nutzen gezogen. Die Arbeiterführer laben nämlidl auf verräterische Weise Streiks hcraufbcschworeit und hernach die Arbeiter hintergangen, wixlurdi sie ihre Taschen mit dem ücidc der Arbeitern״tcrncltmer vollstopltcn. In Amerika kommt cs sehr oft vor, daß ein Arbeiterführer nach einigen Jahren seiner Tätigkeit entweder selbst ein großer Unter■! nehme r wird, oder er km ft sich Palais oder Häuser; stirbt er jedoch als Arbeiterführer, so hinterläßt er seiner Familis ein icidics Erbe. Der Führer dieser ״Unions“ ist der bekannte Oompcri, und die Bewegung wird nach ihm benannt, Hauptsächlich stützt sich dieser ״Oompcrismus“ darauf, daß er die ״Unions“ In Form von gesonderten Fachorgani« ' satloncn erhalt und daß Sympathiestreiks verhindert werden. Auf solche Weise ist ei viel leichter, die Arbeiter zu betören und Streikbrecher zu gewinnen. > Al» erster hat der» Kampf gegen die Gompers-Bewegung! der spanische Professor Daniel de Lion atifgenofhmcn, und cs ist charakteristisch, daß in den von ihm geschaffenen Vereinen sich ausschließlich jüdische Arbeiter befinden. Ais crslc haben sich von der Unionbewegung die jüdischen Damenschneider losgelöst, welche ehe größte Ver-» clnignng auf sozialistischer Grundlage geschaffen haben; dia Herrenschneider dagegen blieben weiter in den früheren Verbänden, weshalb auch alle ihre Streiks scheiterten. Die jüdische Arbeiterbewegung hat vieles dem jüdischen Publizisten Josef SchloObcrg zu danken, welcher als 13jäl1rigcr Knabe nach Amerika kam und sich selbst als Schneider wcitcrbildcte. Nach einer Arbeit von mehreren Jahre״ finden wir ihn als Redaktcur einer sozialistischen Zeitung, und ihm ist cs geiungeri, eine wirkliche jüdische Arbeiterbewegung zu schaffen. Die jüdische Arbeiterbewegung hat angefangen, die jüdischen Arbeitermassen zu erziehen und zusammen mit der jüdischen aüch die anderer Nationalitäten, die den jüdischen Arbeitervereinen angchörtcn, ‘Die jüdischen Arbeitervereine haben heute nicht nur Schulen, sondern auch Volksumiversitäten, wo bekannte Professoren ihre Vorträge halten. De jüdische Arbeiterbewegung in Amerika ist die Avantgarde von Amerikas Arbeiterschaft überhaupt, und so ist auch das Verhalten ge wisset hoher Rcgicningskreise zu den Juden verständlich, wclcltc unter den Worten ״Jude“ und ״Sozialist“ dasselbe! verstehen. Eine der letzten schönen Taten der jüdischen Arbeiterbewegung ist die Schaffung eines Fonds von einer Million Dollar, welcher Betrag als Stütze für den Wiederaufbau Rußlands durch Anschaffung von Masdiinen dienen soll. Die jüdischer. Arbeiter haben letztens auch eine Bank errichtet, Die erste jüdische Arbeiterzeitung ist tm Jahre 1895! gegründet worden. Neben anderen war hier Pinski selbst als Mitarbeiter tätig. Später erst entstand der ״Vorwärts“,! um _ die nationalen Interessen der jüdischen Arbeiter zu verleidigen. (Charakteristisch Ist, daß derselbe ״Vorwärts" jetzt der ausgesprochenste Feind jedes nationalen Gedankens ist,) Obzwar der ״Vorwärts" siel» als sozialistische Zcilung gibt, dient er aber den Interessen des ״Oomperismus". Eine andere sozialistische Zeitung, ״Die Zeit', die zwanzig Monate existiert hat und mangels Geldmittel eingestellt werden mußte, wurde von Pinski redigiert und hatte den Zweck, die schädlichen Wirkungen des ״Vorwärts“ zu bekämpfen.; Die Arbcitergcwcrkschaftcn in Amerika sind auf einem solchen System aufgebaut, daß jede Politik ausgeschlossen ist. Damit erklärt• .sich, daß die Poale Zion keine direkt« Wirkung auf die Gewerkschaften hat. Das hindert jedoch, nidit, daß viele Poale Zionisten an der Spitze der Gewcrkscliaftcn stellen. Gegenwärtig erscheint in Amerika noch eine Arbeiterzeitung, nämlich die kommunistische ״F reih ei t“, die die Richtung des ״Vorwärts“ bekämpft, Es sei aber ein großes Unglück für die jüdische Arbeiterbewegung, den1 Kommunismus in Amerika zu propagieren, denn Amerika werde davon nichts gewinnen, dagegen könne die jüdische Arbeiterbewegung darunter sehr leiden. Charakteristisch ist für den typischen Amerikaner, daß er an Angelegenheiten, die ihm persönlich keinen Nutzen bringen, kein Interesse hat. Darum empfiehlt Pinski der jüdischen Arbeiterschaft' in Amerika in ihrem eigenen Interesse und im Interesse der Juden überhaupt, siel! von gefährlichen linken Experimenttat zurückzuhaltcr». Der Dichter erntete für seinen instruktiven Vorirag lauten Beifall. (W. M. Z.) ■»>!״■«•■■ «k heute. Das Heft bringt mehrere Bilder eines jüdischen Expressionisten, Rybak, darunter die Synagoge von Szlclow. Ko Verwandtschaft mit dieser modernen Kntrst spürt man auch in den wiedergegebenen herrlichen mittelalterlichen Häjadah-Bikicrn (meist aus dem Britischen Museum). Das lidt enthält aber auch einer» Aufsatz von Meier-Graefe über Cd za n ne und mehrere Reproduktionen von Werken Cöanncs, ferner Reproduktionen von Lewitan, Kembraudt und *afilrcichcn anderen Bildern. Der literarische Teil entküt eine Erzählung von Jakob Steinberg, Gedichte von jKazenel son, Goldenberg, Fi chm am!, Kopclcwitz sowie zahlreiche andere Beiträge. Diese Zeitschrift kann *"1ei Funktionen erfüllen: Sic kann das hebräische Lese- Publikum mit den Tendenzen und Werken der Kunst aller ’®iker bekannt machen, und sic kann jüdischer Kunst und Xwistforschung, gm die sich die Herausgeber schon mehrfach verdient gemacht Italien, eine wichtige Anregung und Förde- Wg geben. Und darüber hinaus zeigt schon das erste Heft, dal der Versuch gemacht werden soll, eine organische Synthese ditscr zwei Gebiete m schaffen, indem die Eigentümlichkeiten י*®' jüdischen Psyche jr» ihrer Einwirkung auf künstlerisches Empfinden und Aufnelimcn überhaupt zum Bewußtsein gebracht V’trdcn, Daß wir in diesen Zeiten nationaler Not Werke wie v'tses schaffen konnten, mag manchem als Luxus erscheinen, יץ" aber auch als Beweis des ungebrochenen Kulturwilicns י« modernen Juden angesehen weälen, * , ■ Der Klal-Vcrlag (Berlin), dessen Ausgaben wir schon *’,dirfnch rühmen konnten, hat wieder eine Reihe von he-!״'»‘sehen Büchern herausgebracht, die die. gleichen Vorzüge Nweisen wie die früheren. ״Z'lile Haarez“ ist eine San-״״ ״״’R von Liebesliedern und Volksliedern mit Noten von Abrjham Zwi Idclson. Dieses Buch wird von allen mit peude begrüßt werden, die das J»euc Leben in Palästina Ndi dem neue!» Skigen beurteiten wollen, in dem sich des pdkes Seele offenbart. Auch das Singen ist wie das Sprechen lIMd wie das ganze Leben erst in eien Anfängen. Trotzdem f'R‘ diese Sammlung eine Fülle von Liedern, die auch hei wscfci■ jüdischen Jugend in Deutschland hof:entlieh bald be- ״daat und gesungen sein werden. Das Buch des Verfassers, <*f *chon vor einigen Jahren eine Licdcmmmlung hebräisch und deutsch im Auftrag des Hilfsvercins publiziert hat, wird sicher schnell weite Verbreitung finden. — ln der ״Sifriah Klnlith“, einer sehr gut ausschewlcn und gut gedruckten, hoffentlich recht billigen (Preis ist nicht vermerkt) Volksbüclicrei, erschienen die Bündchen 2: Reise nach Palästina im Jahre 5248 (1488) von R. Obadja von Bartenura, und 3: ]{eise nach Palästina im Jahre 531)9 von A. L, Lewinsky. Das erstgenannte ist die Ncuausgnhc dreier Briefe, die erstmalig 1863 im ״Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judentums״ von Adol! Neubauer publiziert worden sind lind heute als Dokument der über Generationen dauernden Paliislinaliehc und als menschliches Dokument von großem Interesse sind, Eine herzlich empfundene Einleitung ist gezeichnet mit H, (S. J. 1 Iiirwitv.?). Dis andere Ist die bekannte Utopie, der Vorläufer von Hcrzls Altnculaiul, eines der packendsten literarischen Erzeugnisse der Chibbath-Zion-Bcwejung. Man kann beute schon sagen, d.iß der Klal-Vcrlag mit dieser Volksbücherei, von der vier Nummern vorlicgcn (Jcliuda Halcwi und Bialiks ״Arjch Bnal-guf“ wurden liier sehen angczcigt), einen richtigen Weg geht und vorbildliche Kulturarbeit leistet, Die jiddischen Ausgaben des Ver- Inges, die hinter den hebräischen nicht z.urückstehen, gehören nicht mehr in de!»!lahmen dieser Umschau, Michael. Ncuhcrausgabe alter hebräisch(r Literatur Wir erhalten folgende Mitteilung: Die Gesellschaft Mckize Nirdamim, die sich zur Aufgabe gestellt ha», wertvolle Werke der ältere״ hebräischen Literatur nach Handschriften zu vcröltcntlichen, nimmt nach einer durch die traurigen Verhältnisse der Kriegs- und Nachkriegsjahre bedingten längeren Unterbrechung ihre Tätigkeit wicclcr auf und verr,endet drei Schriften. Gleichzeitig erstattet sic ihren Mitglieder« Rechenschaft über die letzten Jahre. Sie hat sehr schwere Verluste zu beklagen. Von Ihren Leitern sind verstorben die Herren Professor Abraham Berliner In Berlin, der sic 1884 neu begründet und die 29׳ Jahrgänge der zweiten Serie fast ausschließlich geleitet hat, Professor Sch echter in New Vork, Dr. A. Harkavy in St. Pclcrsbürg, Professor Braun in Breslau, Profcisor Mnrgulics in Florenz und Dr. Samuel Poznan skl in Warschau, auf dessen eifriges Betreiben die ׳ Gesellschaft die dritte Serie ihrer Veröffentlichungen aufgenommen hat, der bis zuletzt mit größtem Eifer sich an der» Arbeiten beteiligt und auch für die Zukunft eine Reihe von Anregungen!unterlassen hat, mit deren Ausführung der Vorstand sich beschäftigen wird. Auch der bisherige Schatzmeister, Herr Leo Mainz in Frankfurt a. Al., ist aus dem Leben geschieden. Ebenso beklagt die Gesellschaft den Verlust hervorragender Gelehrter, die ihr ihre Arbeiten zur Verfügung gestellt haben., wie Professor Dr. David Hoff mann in Berlin Dr. Adolph Poznanski in Wien und Professor Dr. Jakob Outtm ann in Breslau, der cs übernommen hatte, Poznanskis Arbeit nach dessen Tode herauszugeben. Neu cingctrctcn sind in den Vorstand Dr. Cyrus Adler in Philadelphia, der Schriftsteller S. J, Agnon in Homburg v. d. H., Oberrabbiner Dr. H. P. Cnijcs in Wien und Professor Dr. I. Eibogen in Berlin. Mit frischem Mut geht die Gesellschaft an ihr Werk, sie gibt sich der bestimmten Erwartung hin, daß sich ihr wie ln früheren Jahren gelehrte Mitarbeiter zur Verfügung stellen und die Fortsetzung ihres Werkes ermöglichen werden. Voll nicht geringerer Bedeutung aber als diese selbstlose Mit• Wirkung der Gelehrten ist es, daß die Gesellschaft materielle Unterstützung findet. Sic ruft ihre alten Mitflieder auf, treu zu ihr zu halten und di« Beiträge dom heutigen Geldwert ent• sprechend zu bemessen. Es braucht nicht gesagt zu werden, da 13 die Preise für die I Icrstcllung aller Drucksachen seit der letzten Ausgabe von Büchern im Jahre 19)3 auf mehr als das Hundertfache gestiegen sind. Besonders verhängnisvoll aber ist es lür die Gesellschaft Mckize Nirdamim, daß die überwiegende Mehrzahl ihrer bisherigen Mitglieder in denjenigen Ländern Mittel- und Osteuropas ansässig war, deren Valuta vollständig zusammengel»rochen ist. Nur wenn begüterte Glaubensgenossen in allen Ländern, besonders ater den hochyaluta• rischen und öffentlicher» Körperschaften ihre tatkräftige Unter- Stützung gewähren, kann die Gesellschaft Weiterarbeiten. Der jährliche Mindestbeitrag beträgt 13 Schweizer Franken. Zum Versand gelangen gegenwärtig Midrasch Hagadol (J־ort- Setzung), Asulais Rcisebcschrcibuiig ״Maagal Tob I. und der, Hai Oaon zugcschricbenc Kommentar zu Tenarot, I. Für das nächste Jahr sind außer den Fortsetzungen der beiden letzten Schriften Fortsetzungen des Diwans Jehuda Halevys und des Sefer Rabiah sowie Abraham b. Chips Mcgillat Ha Mcgatle gepinnt. ■In Vorbereitung Ist ferner eine Ausgabe aller Responsert von Moses Maitnonides nach handschriltlichcnQuellen unter Benutzung der arabischen Originale. Vorsitzender der Gesellschaft ist Professor D. Simon sei» in Konenhagen, Stellvertreter Professor Dr. A. F r e t m a n n in Frankfurt a. M., Schriftführer S. J. Agnon ln Homburg v, d. H., Schatzmcistcr Herr Bankier M. Mainz, Frankfurt a. M., Uhianaitraßc 46, .י‘, י ־*•׳׳־■'•'■״■■■־ ־ ,״

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