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Jüdische Rundschau · 1922-10-10 · Heft 80 (10.10.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 80 (10.10.1922)
Date
1922-10-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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J Seite 532 Das Basler Programm und die Draußcnstelicndcn Von Dr. Robert Weiß, Frankfurt a. M. ■ ׳/־ •י י••־•.־׳ . , , , , ■■ , Polnische und wiriscliaflUclic Notwendigkeiten drängen nach einer Verbreiterung der ituicrjikiischcn Aktionsweite des Pnlästinawcrkes. Schon mit der Gründung des neutralen Keren Hajessod haben wir dem historischen, grundlegenden Gedanken des Zionismus, daß der Palästinaaufbau nicht An- Gelegenheit einer Partei, sondern des ücsamtvalkcs sei, eia wirtschaftliches Instrument geschaffen oder wenigstens ausbaufähige Ansätze zu einem solchen begründet. Nim gilt cs, der politischen Einflußnahme der übrigen palästinagerichteten Volkstcilc auf das Erez-Israclwcrk. einen orgauiatsorisclicn Rahmen zu schaffen. Abgesehen davon, daß der Mandatsvertrag uns die Verbreiterung der Jcwish Agency zur Aufgabe macht, reift nach den uiibciricdigcndcn Ergebnissen unserer wirtschaftlichen Aktionen der letzten Jahre in uns die Erkenntnis, daß die jüdische Heimstätte von den Großmachten proklamiert, von der zionistischen Partei vorbereitet, eher nur vom Gesamtvolk geschaffen werden i’ann. Das Programm der Jcwish Agency, der Völkerrechtliehen Vertretung des jüdischen Volkes, lautet demnach: Die Jcwish Agency erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öifent i :!»-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Das Basler Programm hat damit histoiisch aufgehört, das Programm der Zionistischen Organisation zu bleiben, cs ist die gemeinsame Aktionsbasis aller palästinagerichteten Teile des jüdischen Volkes geworden. Der zionistische Tätigkeitsbereich hat sich längst über die relativ engen Grenzen des Basler Programms hinaus erweitert. Die gegenwärtige Situation erfordert dringlichst eine Klarlegung, was wesentlich zur zionistischen Arbeit gehört und was nicht. Obwohl alle zionistischen Aktionen, sei cs Pakistina-, sei cs Oalutharbcit, sei cs Soziale Fürsorge-, sei cs Kulturtätigkeit, theoretisch ein zusammengehöriges Ganzes bilden, weil sie alle von der Tatsache der Existenz des jtulisehen Volkes und seiner Bedürfnisse ausgehen, so machen wir dennoch in der praktischen Agitation täglich die Erfahrung, daß Nichtzionisten, die, oft mit bedeutenden Zeit- und Geldopfern, für die Nationalhcimstütte in Palästina, für unser altes Basler Programm sich cinsctzcn, bei einer weitergehenden Tätigkeit nicht mitkönucn. Vergessen wir nicht, daß wir alle einmal theoretische MiniuiaUstcu gewesen sind, daß erst im Verlaufe der Geschichte unserer Organisation die zionistische Aktion sich zum heutigen maximalen Arbcitsbereich verbreiterte. Es wäre daher vollkommen verfehlt, von Neulingen im Zionismus das zu verlangen, was in uns selbst erst Frucht jahrelanger praktischer und theoretischer Bemühungen ist. Es ist demnach eine historische Notwendigkeit geworden, dem Palästinavvcrk einen politischen Rahmen zu geben, der vom sonstigen maximalen Arbeitsbereich der zionistischen Partei organisatorisch nicht berührt wird. Unsere Oalutharbcit darf kein Hindernis zur Konzentration aller palästinagcrichtcten Volkskräftc in der Jcwish Agency sein. Den Aufbau Palästinas zu bewerkstelligen, ist das ursprüngliehst« und vornehmste Programm der Zionistischen Organisation von heute, er hat vorläufig das unbedingte Primat vor sonstiger zionistischer Tätigkeit, tmd die Taktik der Bewegung hat sich an seinen Erfordernissen zu orientieren. ׳ II. . , , ׳ Es fragt sich nun, ob die ״Draußenstehenden“, d. h. diejenigen, die bisher den Zionismus und sein Basler Programm bekämpft haben, zu gemeinsamem Handeln in der Jcwish Agency innerlich und äußerlich genügend vorbereitet sind, fm wesentlichen kommen drei Gruppen palästinagerichteter Vo&stcilc als Partner der Zionistischen Organisation in Betrascht: 1. Trcnnungsortliodoxic, 2. Sozialisten und 3. sonstige am Aulbau Interessierte. 1! ־ i ln den letzten Jahren hat die innere und äußere Palästinapolitik der in der Agudas Jisroel organisierten Trennungsorthodoxie eine Neu- und Umorienticrung erfahren, deren Ausvvirku-jgen zu unter- oder zu überschätzen gleichermaßen verfehlt wäre. Der Gegensatz zwischen der chassidisch-slawakischcn Majorität und der ״deutschen“ Minorität, der schon bei der Wiener Konferenz der A. J. kraß in Erscheinung trat, hat sich Hebräische Prachtwerke Der Verlag ״Omanus“, der von Odessa nach Deutschfand übersicdclt ist und dessen leitende Persönlichkeiten ihren Sitz in Homburg a. H. aufgesc'iiagen haben, hat eben seine ersten Publikationen auf deutschem Boden herausgebracht. Der Verlag hat cs sich zur Spezialaufgabe gestellt, illustrierte Kinderuni Jugendliteratur zu schaffen, die den Anforderungen des modernen Geschmacks entspricht und auch einem kirnst-!«rischen Urteil standliält. Die vorliegenden Werke legen von dem Gelingen dieser Absicht das beste Zeugnis ab. Die hebräischen Kimlcrbilderbücher, die uns hier geboten werden, können dem Besten anderer Völker an die Seite gestellt werden und bedeuten einen geradezu epochalen Fortschritt gegenüber den bisher ׳üblichen, im Osten gedruckten, meist ziemlich geschmacklosen und technisch unvollkommenen Bilderb&chcrn. An erster Stelle ist das Gedichtbuch ״Arawah“ von Jakob F i c h m a n 11 zu nennen. Dies ist eine Sammlung von geradezu entzückenden Kinderiicdcni, die in Sprache, Ton und vor nUe.n1 im Rhythmus nicht nur hohes dichterisches Können und souveräne SpracliLeherrscliung, sondern auch wirkliche Liebe zu Kindern verraten, Fichmann gehört fraglos zu den begabtesten Talenlar der jüngeren hebräischen Dichtergeneration, er hat schon früher in vielen Publikationen, auch äa Redakteur der Jugendzeitschrift ״Molcdct“ seine Begtbung für JugeiKklichtung erwiesen. Diese neuen Gedichte werden zweifellos — besonders bei unserer Armut an guter Kindcrpocsic — bald sehr belicht uml im Munde hebräischer *linder populär werden. Fichinaiwi erfindet immer neue Varia• iionc», er besingt Gegenstände und Vorgänge der Natur und des täglichen Lebens, darunter natürlich auch spezifisch jüdische Motive, die sich aus den Festen ergeben. Die einzelnen Lieder sind mit UlustraUonea und Randleisten von vier vor- Bchfcdcnen Zeichnern verseilen, die sehr gut gelungen und stilgcmäß sind, allerdings sind vielleicht einzelne davon nicht genügend auf kindliches Sehen eingestellt, manche aber genügen such dieser Anforderung vorzüglich. Das ganze Buch, das euch auf sehr gutem Papier gedruckt isi, ist wirklich ein Pracht- ,werk und ״ wird nicht nur den Kindern, sondern auch Er• jWachsencn, die sich in die hebräische Sprache cinlcbea und «Insingcn wollen, eine große Freude scinvi־ '' ׳ ' j u e d 1 s c 11־ e n ־ס h 3 ס c 11 a ü verbreitert. Nach sw.7,׳crcn IC.r.,Ten ׳׳.rr:;c!;!: es ihc gemäßigte Richtung, daß in dieser Wiener Zaiiralrati'.r.itzung ein Beschluß zustande kam, in dem gefordert wird: ״Die Umbildung der im Ma rid n t s e n t war f c vorgcschenc 11 Jcwish Agency ... derart, daß der durch die A. J. repräsentierten Orthodoxie die Möglichkcit gegeben wird, ihrer geschiehtliehen Aufgabe gemäß, an dem Aufbau der jüdisch-nationalen Heimstätte in Erez-Isracl im Geiste der religiösen Ucbcrlieferung und des jüdischen Religio ns gesetzes mitzuwirk c n.“ Diese Entschließung, die also eine aktive Anteilnahme der A. J. am konstruktiven Palästinawerk forciert, bedeutet eine grundsätzliche Aufgabe des Tlrenriungsprinzip cs. Die A. J. ist demnach bereit, auch mit Juden, die dein Thoragesetz fcrnstdicn, in einer gemeinsamen jüdischen Vertretung, in einer Jcwish Agency vereinigt zu sein. Der Aguda-Führcr Jakob Rosenlieirn, dein vornehmlich die Durchsetzung dieses folgenschweren Mitarbciisbcschlusscs zuzuschreiben ist, bemerkte kurz nach dies« Zcntralratssitzung (״Israelit“ vom 10. Mai 1021): ״Man kann ohne Ucbcrtrcibimg sagen, daß die brennende Liebe zu Erez• Jisroel und der entschlossenc Wille zur umfassenden praktischen Arbeit im Lande geradezu das beherrschende Moment der ganzen Tagung bildeten.“ Die Zionisten müßten ״angesichts der ungeheuren Größe der ihrer harrenden weltgeschichtlichen Aufgabe froh und glücklich sein, wenn auch die dem Einflüsse der Rabbiner und clmssidischcn Führer gehorchenden Millionenmassen des Ostens ihre ganze moralische und materielle Kraft an das gigantische Werk des Auibaus setzen wollen". Der linke Flügel der Aguda drängte vorwärts. Er war gewillt, soweit cs die überaus schwachen Mittel der Aguda erlaubten, aktive positive Palästinaarbeit und Palästinapolitik zu betreiben. Zunächst wurde der Keren Hajischuw gegründet, aus dessen Satzungen die folgenden Paragraphen von besonderem Interesse sind: 2 §״. Die Gesellschaft will am wirtschaftlichen Aufbau Palästinas im Gebiete der jüdischen Tradition arbeiten. Ihre gesamte Tätigkeit muß im Einklang mit den Bestimmungen des jüdischen Rcligionsgcsctzes Steher», das sic unbeschadet der zwingenden Vorschriften des englischen Rechtes als gcltendes Recht des jüdischen Volkes anerkennt. Die Gesellschaft ruft das jüdische Volk zur Mitarbeit auf, von der Ucbcrzeuguiig durchdrungen, daß die überwiegende Mehrheit des jüdischen Volkes seinen großen Traditionen die Treue wahrt und den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas in einer Weise vornehmen will, daß das aufblühcmlc Palästina zugleich ein religiöses Zentrum für das jüdische Volk werde.“ Interessant ist ferner, daß in den Paragraphen 21 und 29 ähnlich wie beim Jüdischen Nationalfojids, die Institution der Erbpacht, also des Gemeineigentums und des Individualbcsitzcs cingcführt wird. D.e A, J. gründete ferner die BaugcscUschaft Binjan Haaraz, die bereits einige Tausende Dunam Landes angekauft hat. Die palästinensische Aguda errichtete ein Immigrationsbüro in Jerusalem, sowie eine Infonnationsstelle für industrielle und sonstige Auskünfte. Von bedeuten* deren kolonisatorischen Arbeiten der A, J. sei die Tabak- Pflanzung in Gcdcrah erwähnt In einem zu meiner Kenntnis gelangten Hausbericht des Herrn Dr. Ehrmann an den geschäftsführenden Ausschuß und die deutsche Palästina* zentrale der Agudas Jisroel vom Januar 1922 heißt cs: ״Der Ocsamtcindruck, den die Verhältnisse ln Erez.Jisroel hervor* rufen, gibt die Gewißheit, daß es höchste Zeit für Agudas Jisroel ist, durch intensive Beteiligung auf wirtschaftlichem wie auf kulturellem Gebiete, ihren Einfluß in Palästina geltend zu machen und zu erweitern,“ Der inneren Palästina- Politik, die besonders von der A. J,•Jugend allen Ortes stürmisch gutgeheißen wird, entsprechen die außenpolitischen Manifestationen dieser Umorienticrung. Zunächst wurden Vcrhandlungcu mit der Zionistischen Organisation in Angelegenheit der Jcwish Agency erstrebt. Es darf heute wohl ohne Schaden für unsere zionistische Sache fcstgcstcllt werden, daß damals von beiden Seiten schwere Fehler begangen worden sind. Nachdem das offizielle zionistische Organ, der ״Haofam“, erklärte, daß die Zionisten überhaupt nicht gewillt seien, rait der A. J. in Verhandlungen zu treten, ist auch dem po- Iitischcn Gegner der A, J. nicht unverständlich, wenn cs in einer Verlautbarung der Agudas Jisroel heißt: ״Diese in unfreundliche Form gefaßte Erklärung veranlaßte die Aguda- Der Verlag gibt ferner eine ganze Reihe einzelner kleiner Bilderbücher mit ganzseitigen Bildern und gereimtem oder prosaischen Text heraus, Es sind kurze Märchen, Fabeln, Anckdoten, die nur die Begleitung zu den Bildern bilden. Man würde wünschen, daß diese Bücher, die zum Teil für unsere ganz Kleinen bestimmt sind, auf Pappendeckel gedruckt wären, aber das würde sie wohl unerrchwi::,glich teuer machen. Auch von diesen Büchern gilt, daß sic in Text mul Illustration nicht immer ganz der kindlichen Psyche «-.gepaßt sind. Aber einzelne Hefte sind ausgezeichnet. Einige, di: bekannte'Märchen von Andersen, Gustafson, Hauff brmgcu, sind schon für eine etwas höhere Altersstufe berechnet. M. A. Beigcl gibt den ersten Band einer Schule der Handfertigkeit heraus, die zugleich dem enden Kunstuuterricht dienen soll. Der Baud cm [hält die Anleitung zum Ausschneiden von Papier. Das Ziel des richtigen Sehens und richtigen Reproduzieret soll dadurch erreicht werden, daß nach den gegebenen Vorlagen die einzelnen Teile eines Bildes ausgcschnitten und dann zu dem Bild zusamr.ienjjcfügt werden. Das Buch hat *10 koloriatc Tafeln 11*1.1 gibt in der Einlcilung genaue Erklärungen mul Gebrauchsanweisungen. Einem ähnliehen Zweck dient ein anderes Büchlein, ״Alef-Bet 11״, das die hebräischen Buchstaben gleichfalls zum Ausschneiden enthält, damit das Kind sich die Formen ein prägt. Allerdings scheint die reiche Ornamentik, die den einzelnen Buchstaben einen guten Hintergrund gibt, diesen Zweck zu gefährden, da die Aufmerksamkeit!eicht al>׳je!cnki werden kann und die Konturen der Buchstaben dadurch auch nicht 80 scharf hervorireten. Aber ob solche Bedenken berechtigt r.iivcJ, wird die Praxis zeigen. Zunächst wollen wir froh sein, daß uns das gegeben wurde. Diesen Büchern, die die Brücke von Spiel zu Unterricht schlagen, schließt sich an ein Lehrbuch ״A!1 f a n g 3 g r ü n d c der Naturlehre“ von Zusmcr und Chi/oni. Audi dicres Lehrbuch, das schon 5579, also vor bald vier Jahren, in Odessa entstanden ist, beruht völlig auf den modernen Prinzipien des Anschauungsunterrichtes. Es will ein Begleit- und Nachhilfebuch sein für Spaziergänge in der Natur, bei wc’eiiem der Lehrer in freiem Gespräch den Kindern die Gegenständlichkeit der Dinge zum Bewußtsein bringen soll. Dem Lehrer steiit es frei, zur Ergänzung stiir.es lebendigen Unterrichts dann 1 ein passendes Stück aus dem Buch (ohne Bindung an eine Nr. RO zentrale zu dem Entschlüsse, forfnn Ihre eigensten Intern , auch nach außer» hin selbständig zu wahren,“ In 2^1 und in Amsterdam wurde nochmals versucht, Verhandlung.'*; mit den Zionisten anzuh:ihnen, die jedesmal scheiterten, den Verhandlungen der A. J. mit England war keinerlei bcschicdcn. Das Memorandum der A. J. anSir Herbert Sa rauet Churchills scharfe Antwort an die A. J. dürften noch in aller Erinnerung sein. Diese wiederholten Vorstöße der A t sind, so bedauerlich sie auch vom Gesichtspunkt der Einhalh:r, einer außenpolitischen Einheitsfront des jüdischen Volkes;•'ci' mögen, ein nicht zu ignorierendes Anzeichen dafür, CI5J Kräfte in der A. J., die unzweideutig zum positiven geitici״״ samen Aufbauwerk mit der Zionistischen Organisation wären, durch die politischen Verhältnisse zu negativen, |»1ו:זrnenden Sondcraklioncn gedrängt wurden. Auch in der | ist die Einsicht gereift, daß sic unfähig ist, selbständig cjjj irgendwie bedeutungsvolleres Palästinawerk zu verrichten. Dum» es wird in Palästina die verschiedenartigsten Sein:!{, geben, aber nur c i u Jordan-Stauwerk. Man wird den Zeugnissen der palästinensischen Industrie es nicht anschcti können, ob sic von gcsctzcstreucn oder abtrünnigen jüdneken Händen gearbeitet sind. In wirtschaftlichen und außenpoliti. sdien Angelegenheiten darf es vernünftigerweise keine J>a, rallclinstitutioiieu zweier kulturpolitisch differenzierter Organ;, sationen geben. Das kommt auch in obenerwähntem Hau־;, bericht des Herrn Dr. Ehrmann zum Ausdruck. Es wir! von den unbefriedigenden Beziehungen der A. J. zur Zio. nistischen Organisation gesprochen: ״Hier wäre mir dann ein Weg des Zusammenarbeiten* zu finden, wenn die Zio. nistischc Organisation grundsätzlich sich auf wirtschaftliche Angelegenheiten beschränken würde, in denen sehr wohl ein Miteinandergehen möglich ist.“ Nun besteht freilich auf unserer Seite das berechtigte Bcdenken, ob die Orthodoxie nicht aus dem belanglosesten wirt. schaftlichen Anlaß ein kulturelles Politikum machen würde. Ich glaube aber, daß zunächst einmal der Versuch einer Kooperation in wirtschaftlichen Angelegenheiten gemacht werden muß, und es sind auch auf der Gegenseite m. E. alle Anzeichen dafür vorhanden, daß wenigstens die verantwortlichen Faktoren guten Willens sind. Quertreibereien der unversöhnlichen Hitzköpfe beider Lager werden natürlich wie immer Vorkommen. Jedenfalls dürfen wir im Interesse du Palästinasache den politischen, arbeitstechnischen und mög. lichcrwcisc materiellen Vorteil einer Regelung unseres Verhältnisscs zur A. J. nicht unlcrschätzcn. Hinter der A. J. stehen, wenn auch nicht straff organisiert, so immerhin moralisch Millionen Juden, man darf wohl auch sagen, nicht der schlechtesten Juden, und das ist ei!» Faktor, der, Leim gegenwärtigen prekären Stand des Palästinawerkes nicht zu umgehen ist. Andererseits müssen wir uns davor hüten, de politische und wirtschaftliche Stoßkraft der A. J. zu über, schätzen: ob der Aufruf ihrer Führer zum Binjan Haarcz, zum Jischuw Ha.ircz, reale Früchte von wesentlicher Bedeutung erwirken wird, ist eine noch sehr ungeklärte Frage der Zukunft. Jedenfalls tut cs gut, nicht zu vergessen, daß cs außer den Protcstrabbincrn auch aufbauwillige Führer in der Agr da gibt und daß wir alle dem zustimmen können, was vor kurzem in der Frankfurter Ortsgruppe der A. J. Herr Rabbiner 110• rovicz (Jerusalem) unter stürmischem Beifall in einem Vor• trage ausführle: ״Die kostbaren Kräfte und Energien, die In den Abwehr* und Verteidigungsstellungen 'absorbiert «er• den, bedeuten «inen unersetzlichen Verlust für die großen, unaufschiebbaren, in sehr kritischer Lage steckenden Auf• gaben von Binjan Haarez, die nur von der Gesamtheit des jüdischen Volkes und nur in einer Atmosphäre der Vcr• standigung, im Wege praktischer Kombinationen, gelüst wer• den können. Keinen Augenblick dürfen wir es aus dem Bewußtsein verlieren, daß die jüdische Nation — trotz der tiefen, schwerwiegenden prinzipiellen Gegensätze, die in un• scrcr Mitte herrschen, zuweilen sinds gar ernste Gewissensfragen, deren Lösung man nicht den Zufälligkeiten einer jeweiligen parlamentarischen Majorisierung aussetzen kann — vor Gott und Menschen, vor der Gesamtheit des jüdischen Volkes und vor den Völkern der Erde ein einheitliches Ganzes ist Es soll und muß ein Weg gefunden werden — das ist mein fcs'.cr Glaube — ztim׳ freiwilligen Zusammenschluß zu gemein• samer Zionsarbeit, durch Klarstellung der Grundsätze, .af ^8° .Kr nt ZW an, » ״:£ie י abc״^, ״»״blähe‘ י* ״״, Sehr gnerischt ־,rc«• Def Als de ״ dCf i ,n bcgri t Größe xistenz d;5 alle" : rrnütig i cl) Aufba ',egt: ™ _!;inent «!;ch aß« .:,:,selten Dt« Volke He ,;־! mache: Verzicht a yrsic Akt! bjbcr» ko stritten, t , Diesem 1< ,;ssod ge jtajessod , r;£ht erst wenn Zei j Charakter Jiouisten;־iebnet נ j tun eine jnlaßt hl 1 Sündpunl 1 sehr wci: soll fortla wirksam j (es Aufb j: pit Klei« »ach Cie; die dafür: großen reicher י i dauernd 1 dauernde nie Gro die nicht! diese Lei Intellekt» uns die 11 heranzut; tu schal, die dam : »He, die i signatior 1 man siel kn Mce ׳ der Not ( Mensch! ui,indem geht. J . Fähigke ׳. Zionist Nicht/ic ist Grö׳ dem Rc! Aber v daß wi1 muß g 1 Reihenfolge) mit da» Schülern zu Icson: im Anschluß daran werden gleich Anleitungen zur Sclbsttätigkcit, zu allerlei hand• werkiieher Verwertung des Erfahrene;» geboten. Vielleicht kann man in diesen Methoden eine Wirkung der russischen׳ Re• volution sehen; sicher ist, daß sie ein unentbehrlicher Bc• standteil der neuen Erziehung sein müssen, und cs wäre er• treulich, wenn unsere hebräischen Lehrer sidi an die Grund• siitze dieses Buches halten wolKcn. Sic sir/i ein wichtiger Schritt auf dem Wege der modernen Pädagogik, die wieder ein gesundes und aufrechtes Menschengeschlecht schaffen helfen soll. Wir wünsche!», daß der Verlag ״Omanus", der die meisten der hier erwähnten Werke wohl aus Rußland mitgebracht bat, in Deutschland seine fruchtbare Tätigkeit fortsetzen möge, und cs wäre zu Begrüßen, wenn er die wenigen schöpferisch• pädagogisch tätigen Mensche:» des moderr.cn Judentums (auch des Westlichen) zur Mitarbeit heranziehen könnte, * Auel» auf künstlerischem Gebiet hat die licbrüische Literatur ein Novum zu verzeichnen: Eine neu gegründete Gesellschaft ״Rim 0 11“ hat soeben das erste lieft ihrer gleichnamigen Kimstzcitsc'irift lierausgcbraclit. Wer die.cs Heft zu Gesicht bekommt, wird sich eine» gewissen Staunens nicht erwehren können: liier ist modernste, technisch vollendetste Ausstattung, wundervoller Druck, einwandfreie künstlerische Anordnung, tadellose Reproduktionen auf bestem Papier, eine hebräische Zeitschrift, die weit über die Kreise der Flebraislen Aufsehen erregen wird. Eine Gruppe von jüdischen Schriftstellern, Frau und Herr Dr, Wi Schnitzer, Barucli Krupnik und der Verleger Kagan haben den Mut gehabt, die Idee einer jüdischen Kunsticvue zu verwirklichen. Der Versuch ist ge• hingen. Ras erste lieft gibt schon ein Bild der Absichten der Herausgeber, Frau Rahcl Wisch ni tzer-Bernstein gibt in ihrem einleitenden Aufsatz ״Die moderne Kunst und wir“ eine Analyse der Stellung der Juden zur Kunst ver• gangener Zelten und kommt zu dem Ergebnis, daß gerade die moderne Kunst, der Expressionismus, der den Künstler d.e tiefste Bewegung seiner Seele i;n Werk ausdrücken laßt, auf. die Juden einen mächtigen Eindruck ausüben mußte, wäli 1cna, jede Art Naturalismus und bloße 'Nachahmung ihm fremd ist. Niemals halte der Jude daher so innige Beziehungen zur Kunst 1 biclu;bräis auf xv Ving 1Abr. Tn:; 1־ :.di Toll uind

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