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Jüdische Rundschau · 1922-10-10 · Heft 80 (10.10.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 80 (10.10.1922)
Date
1922-10-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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סד/י nrsass&ixn ®./TM וי סעוי־׳ס Jung fi | ml«dis\; Kren. len ik א) ב) מי8 א) כ) putr-sru^rracain Redaktion und Verlaß W15, Sächsische StraOe 8. Erscheint jeden Dienst»ß und Freitnß, Bezugspreis bei der Expedition und den Postü״:tcrn vierteljährlich 150.—M. inDcutschland. Auslandsabonnements werden in der Währung der einzelnen Länder berechnet. jr״■»’.j «J l....״./4 " י rr< ... vi, ׳.■!״»ל’ |W . 1 gur■■ wiwi'JI 1״r נך׳יז■ Hummer 80 rvd» KI: per Zionismus erstrebt BeriüMÖUCmz fflr das Jüdische Volk Anzclj?.cn-Vcrwnltt1nß; Jüdische Rundschau G.m.b.IL, Berlin W15, Sächsische Straße 8. — Telephon » Amt Pinlzburg 6697, 6698 u.6699. Anzeigenpreis für dicnchlgcspaltcncNonpareillezcilc 25.-M, Füf htbrllitclit Anreden 50% AufachlA!{, AnzcißenschluDi Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. | J"D"1n ׳"H£׳n fl"' I XXVII« Jaliri». Schaffung einer tfffontüch;- rechtlich goslcharton Holmatütto tn Palästina. ,,Baseler Programm.*» Telephon: Pfalzburß6697u.6698. Postscheckkonto: BcrlinNr. 17392• Für Oesterreich! Postsparkassenamt Wien, Konto Nr, 156030• Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, KontoNr, 156030. — Kcdaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag, — saasaneaBa■—a; trasi« J **> *ssti I i.Br| mont 2, pan mal ■ Hut,!11 >rKüch,,| Tichtnr-f jei. Arlf ,L יי־^ס Sachsen Die jüdische Öffentlichkeit in Deutschland Ist in den letrten Tagen durch die Vorgänge in Sachsen außerordentlich erregt worden, ln diesem Lande, das eine ausgesprochen sozialistische Regierung besitzt, ist durch eine Verordnung befohlen worden, daß Schüler künftighin nur an den staatlich anerkannten Feiertagen die Schule versäumen dürfen. Diese Verordnung hat für Katholiketi und Juden die Bedeutung, daß der Besuch des Gotteshauses a» den Feiertagen den Angehörigen dieser Gemeinschaft unmöglich gemacht wird. In der Tat ist cs denn bereits dazu gekommen, daß jüdische Schüler mit Karzer bestraft wurden, weil sie am Rösch- Hasclianah dem Schulunterricht ferngeblicben sind. Das Sächsische Kultusministerium, das offenbar völlig verkennt, welches Urteil man über sein Vorgehen in vveitesten Kreisen hat, läßt jetzt durch das Presseamt Leipzig eine Mitteilung ergehen, die wir an anderer Stelle dieses Blattes zum Abdruck bringen und in der ausdriiddich festgestellt wird, daß frühere Ministerial- Verordnungen, die das Fehlen jüdischer Schüler an Feiertagen gestatteten, aufgehoben seien. Ja, um die Unterilrückung bis auf die Spitze zu treiben, wird diese Verordmmg auch auf Privatschtilcn ausgedehnt, und es wird außerdem betont, daß Befreiung jüdischer Kinder vom Schreiben an den Snbbathen nicht mehr zulässig ist. Wir halten cs für überflüssig, an dieser Stelle noch einmal die Gründe auseinanderzusetzen, die diese Ver- Ordnung rechtsungültig erscheinen lassen, und hallen cs noch viel weniger für notwendig zu zeigen, weshalb diese Verordnung, von ihrer Ungültigkeit ganz abgese- Iren, die primitivsten menschlichen Rechte verletzt. Aber dieser ganze Vorgang ist geeignet, die schwierige innerpolitische Situation des deutschen Judentums schlaglichfartig zu erhellen, Für die übliche liberale Auflassung erschöpft sich die Judenfrage in Deutschland in der Frage der Gleichbcrcchtigung und der Bekämpfung antisemitischer Angriffe. Für niese Richtung ist es klar, daß sie bei den linken bürgerliehen und bei den sozialdemokratischen Parteien die Forderung ihrer Wünsche erwarten kann. Viel koniplizierter aber ist das Problem für alle diejenigen, die sich mit dem Judentum durch irgendwelche positiven Dinge verbunden fühlen und bei ihnen gelegentlich auf die Unterstützung oder Sympathie nichtjüdischer Kreise angewiesen sind. Hier stellt sich heraus, daß wir bei den Verschiedenen Fragen mit einer ganz verschiedenen Ein- Stellung der betreffenden politischen Partei zu rechnen haben, in der Frage der Ostjuden in Deutschland z. B.!iahen wir, wenn cs galt, ihre Ausweisung in Massen zu verhindern oder sonst für sie einzutreten, im allgemeinen auf der Linken Verständnis für unsere Fordertmgcn gefunden. Freilich verkennen wir nicht, daß auch auf dieser Seite vielfach andere Auffassungen zutage treten, daß Hausbesitzer- und Mieterintercssen zu einer ostjudcnfeindlichen Stellungnahme verleiten, und daß bei den sozialdemokratischen Parteien gelegentlich auch die rein antisemitische Parole ihren Eindruck nicht verfehlt hat. Der uns heute beschäftigende Fall zeigt, daß eine Identifizierung der jüdischen Interessen mit den linkspolitischen ebenso unrichtig wäre wie eine solche mit den Rechtsparteien. Wohl ist der Antisemitismus heute noch in linken Parteien nur vereinzelt vertreten. Aber die theoretischen Anschauungen, die man dort zu verwirklichen sucht, führen nur zu häufig zu Konflikten mit den Forderungen, die die jüdische Gemeinschaft zu stellen gezwungen ist. Wenn man die Trennung von Staat und Kirche propagiert, wenn man die reine Simnilnnschulc verlangt, so sind das alles Forderungen, für die in weiten Kreisen der deutschen Judenschaft Sympathie vorhanden ist und nachdrücklich1 cingctretcn Wird. Eine Anwendung dieser Grundsätze auf jüdische ׳Verhältnisse muß dagegen sofort zu Unterdriiekungs- Maßnahmen führen, wie wir sie jetzt in Sadisen sehen. Wenn heute Minister und andere Politiker Verordnungen erlassen, die auf das jüdische Leben eine direkte Eh!Wirkung haben, so muß man von ihnen verlangen, Wall sie sich mit dem eigenartigen jüdischen Problem beschäftigt haben. Sie müssen erkennen, daß cs trotz *aller Behauptungen jüdischer Assimilanten unwahr ist,!Wenn man eine mosaische Konfession ähnlich wie eine evangelische oder katholische als vorhanden behauptet. Man muß das Problem begreifen, daß die jüdische Ge- 1»einschaft eine national-religiöse ist, bei der eine Trennung konfessioneller und nationaler Momente eine Unmöglichkeit ist. Es ist bebäuerlich, daß die linken Parteien in Deutschland ihre Informationen gerade von denjenigen Juden beziehen, die das selbst nicht verstanden haben und die durch ihr ständiges Eintreten für die Simultanschule den Eindruck erweckt haben, als ob gerade vom jüdischen Stand- Punkt aus' diese Scluilfonn zu bevorzugen sei. Wer auch nur äußerlich über jüdische Dinge orientiert ist, Per weiß, daß die Sabbathheiligung der Juden auf einer ״'dlüg anderen Grundlage steht und ganz andere Forde- Eine Keren Hajessod Konferenz in Frankfurt o.M. Am 17. September fand in Frankfurt a. M. eine von einer sehr großen Zahl bekannter jüdischer Persönlichkeiten besuchte Keren Hajessod-Konferenz statt. In das Büro wurden gewählt die Herren Bankdircktor Ben a r i o - Frankfurt, Bankdirektor Herzberg - Frankfurt, Rabbiner Dr. Horo w i tz- Frankfurt, Kommerzienrat Kro 11 c 11 bcrger-Mainz, Justizrat Dr. Marxheim c r •Wiesbaden, Dr, Robert N u ß ba u in ־ Hanau, Rabbincr Dr. Saizburger-Frnnkfurt. Der Vorsitzende des deutschen Keren Hajessod- Präsidiums, Herr Oskar Wassermann, Direktor der Deutschen Bank in Berlin, wies in seinem einleitenden Referate auf die Erfolge des Keren Hajessod, aber auch auf die Gegnerschaft, die er gefunden habe, Irin. Dennoch gäbe es־ eines, was von allen Juden anerkannt und gebilligt werde und dem der Keren Hajessod ebenso wie die zionistische Bewegung im Grunde entstammen: die bewußte oder unbewußte Sehnsucht der Juden nach dem Lande der Väter, nach einem Zentrum, Dieses Zentrum könne nur Palästina sein, darüber bestehe Linigkcit. Er könne sich keinen Juden denken, der cs sich nicht wünschen sollte, daß Palästina aufgeb,aut werde. In den weitergehenden Folgerungen freilich scheiden sich die Geister. Das Fehlen einer zur Vertretung des Judentums berufenen vcrhaiidlungsfähigcn jüdischen Instanz sei besonders hinderlich gewesen, als der Weltkrieg auch das Judentum vor Entscheidungen stellte. Damals waren nur die Zionisten auf dem Plan, weil sie allein organisiert waren, Ihr Verdienst sei cs, daß das Palästina* mandat zustande kam. Das Mandat erkennt die Zionislisdie Organisation als jüdische Vertretung in Palästina an, freilich mit der Auflage, auch die Nichtzionisten heranzuziehen. Der Keren Hajessod gebe allen Juden die Möglichkeit, am Aufbau mitzuhclfcn. In ihm sollten alle sich auf neutralem Boden zusammenfinden. Herr Wassermann, der aus seiner nichtzionistischen Anschauung kein Hehl machte, zcigle in seinen Auseinandersetzungen mit den bekannten gegnerischen Argumenten, daß die Rückkehr aus dem ersten Exil die Judenheit vor, ähnliche Probleme wie heute gestellt habe. Schon damals hätten die Juden Persiens eine Art Keren Hajessod schaffen müssen. Aber auch damals habe die Rücksicht auf den Eindruck bei den Nichtjuden eine Rolle gespielt. Denen, die damals wie heute bei Seite standen, weil sic das Werk für noch nicht reif hielten, habe der Prophet Clmggai entgegengerufen: ״Leget Herz in Euer Tunl" Der Keren Hajessod sei Herzenssache: Schaffet jüdischen Menschen die Möglichkeit, nach Palästina zu geben und ein jiidisches Leben frei von materiellen Sorgen und po!itischcm Druck zu führen. Ucberlassct cs den Juden dort, ob sie orthodox oder nicht orthodox leben, ob sic den Aufbau national oder in anderem Sinne gestalten wollen. Wenn wir uns am Keren Hajessod, der nur die Vorbedingungen zur Lösung schafft, nicht beteiligen, dann bricht entweder die Sache zusammen, und dann sind wir mitschuldig, oder sic geschieht ohne uns, gegen uns. Man mag manches gegen die Zionisten haben; der Vorschlag einc3 Aufbaus Palästinas ohne die Zionisten aber sei ganz utopisch. Hier müssen alle zusammcnstchcn: Leget Herz in Euer TunI Nach Herrn Wassermann begründete Herr Rabb. Dr. Salzbcrgcr die Beteiligung der Juden aller Riehtungen am Keren Hajessod vom Standpunkt des rcligi׳ ösen Judentums aus. Wer eine organische Fortent■ wickiting der jüdischen Religion wünsche, müsse an der Aufrichtung einer jüdischen Siedlung im Heiligen Lande mitarbeiten. Besonderes Interesse erregte der von Herrn Justizrat Marxheim er erstattete Bericht über seine Erfahrungen in Palästina, das er im Frühjahr besucht hat. Er sprach mit begeisterten Worten von der Schönheit des Landes und den Menschen, die Kraft und Leben für den Aufbau einsetzten, und die Schwierigkeiten, die sich der Durchführung des Werkes cntgegcnstcllen, blieben nicht •unerwähnt. Alles hinge davon ab, ob wir geeignete Menschen und genügend Geld für Palästina finden. Herr Direktor Benario gab seiner Meinung mit den Worten des Psalmes Ausdruck: ״Wenn ich Dein vergesse, Jerusalem, verdorret meine Rechte." Schließlich wies noch Rabbiner Dr. Levy-Mainz darauf hin, daß die heutige Lage des Judentums den Aufbau Palästinas zur Notwendigkeit mache. Es drohe die Gefahr der Auflösung. Fünfzig Generationen hätten geträumt, jetzt müsse eine Generation kommen, die wach und imstande sei, neues Leben zu gestalten.! Nach den eindrucksvollen Worten Dr. Levys konntei Herr Wassermann die Versammlung mit der Gewißheit schließen, daß alle Anwesenden von der Notwendig-( keit des Keren Hajessod überzeugt und demgemäß be«! reit wären, sich für den Aufbau Palästinas einrusetzenj Nach der Konferenz traf sich eine Anzahl der TeiW ' nehmer in der Wohnung des Herrn Emst Kahn zu einer interessanten Aussprache über geistige und fjolitische Fragen des modernen Judentums. Die nach der Konferenz begonnene Sammlung findet erfreulich großes Interesse; sic dauert noch fort, Propaganda -Reisen Das Berliner Büro der Zionistischen Organisation und die Abteilung für Zentrakuropa des Keren Hajessodl bereitet für den kommenden Winter eine sehr umfangreiche Entsendung von Propagandareisenden in die verschicdcncn Länder vor. Bisher sind folgende Reisen fcstgelcgt: Herr Dr. Victor Jacobson begibt sich Anfang, Oktober nach Griechenland und der Türkei und von dort nach Aegypten und Syrien. Die Zio•; nistischcn Organisationen dieser Länder haben schon seit langem um die Entsendung eines Vertreters der. Exekutive und des Direktoriums des Keren Hajessodl ersucht, um die zionistische Arbeit und die Aktion für: den Keren Hajessod neu zu beieben und deren Organ« sation auf eine die Größe des Momentes angepaßte Grundlage zu stellen. Herr Dr. Arthur Hantke wird sich Mitte Oktober nach Polen begeben, um sich über die Keren Hajessodarbeit in Polen zu informieren. Von dort wird er zur Teilnahme an dem tschechoslowakischen Zio-, nistentag am l. und 2. November nach Mährisch- Os trau reisen und im Anschluß daran Prag und einige andere Plätze besuchen. [ : Herr Julius Berger wird sich Anfang November nach Bukarest begeben und voraussichtlich 2—3 Mo■' natc in Rumänien verweilen. Fräulein Sari Kohn, begleitet von dem General- Sekretär des Keren Hajessod für Deutschland, Herrn Walter Turn owsky, wird Anfang November die Arbeit in Siebenbürgen aufnehmen. Der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Rechtsanwalt Felix Rosen blüth, hat sich für den Monat November für die Arbeit in Jugoslawien zur Verfügung gestellt. Herr Dr. Wilensky, der im verflossenen Jahre in Südamerika tätig war, wird Ende Oktober in die baltischen Länder, nach Lettland, Estland und Finnland reisen und voraussichtlich ebenfalls einige Monatc dort arbeiten. Alle diese Reisen dienen einerseits der Durchfüh* rung der Keren Hajessod-Aktion, andererseits der neuen Belebung der zionistischen Arbeit, insbesondere der Arbeit für den Schekel und den ״Goldenen Schekel". (Ziko.) Jüdische Gemeinde Danzig für den Keren Hajessod. Die Rcpräscnta!*ie1»versammlm1g der Jüdischen Gemeinde in Danzig hat am 13. September mit 6 gegen 4 Stimmen be*' schlossen, dem Antrag des Gcmcindevorstamles, aus dem Ueber« schult des Etatjahres 1921 die Summe von 10000 M. dem Keren Hajessod zu überweisen, zuzustimmen. (Ziko.) rangen an den Menschen stellt als die Sonntagsfeier christlicher Konfessionen, und weiß, welche Gewissenskoufiiktc durch Verordnungen heraufbeschworen werden wie die des Sächsischen Kultusministeriums. Es wäre zu wünschen, daß man in sozialdemokratischen Kreisen endlich den Versuch!nacht, das jüdische Problem in seiner Besonderheit zu erfassen. Solange das nicht der Fall ist, wird man in unseren Kreisen jedenfalls nicht vergessen dürfen, daß uns jüdische Interessen die Identifizicrung mit keiner Partei ermöglichen lassen, so selbstverständlich auch für uns alle die Ablehnung antisemitisclwr Gruppen sein muß. Das gilt um so mehr, als sich gerade in letzter Zeit auch aus dem linke« Lager Stimmen hören lassen, die für die zionistische Auffassung der Judenfragc keinerlei Verständnis zeigen und den Zioni3mus für eine imperialistische Bewegung halten, Für das deutsche Judentum ergibt sich aus dieser ganzen Situation die folgende Alternative: Entweder wir müssen versuchen, in einer großen, alle Juden umfassenden Partei unsere Forderungen und Rechte zu vertreten oder wie bisher von Fall zu Fall mit derjenigen politischen Partei verhandeln, die für die besondere Frage gerade Verständnis hat Der erste Weg, der vielen der sympa* thischstc sein dürfte, wird an der Uneinigkeit im Juden* tum und. an der geringen £,1hl der deutschen Juden wahrscheinlich scheitern müssen, so daß nur der zweite in Frage kommt Er wird uns z. B. in dem Falle der sächsischen Verordnung zwingen müssen, mit anderen Gruppen zusamincnzugchcn, deren konfessionelle Interessen sie gegen die Simultaiischulc, zumal in der sächsisehen Auffassung, aufzutreten zwingen. ׳ . F. L, I

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