Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 75 (22.9.1922)
- Date
- 1922-09-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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* Nr. 75 ו,1111 k'eiiia י To, ׳bisch!• 3 tfir, bei iן ״ istnlict ן t ihre j R 11.1:11 ckkehr fM in llÜStinj i״״ktur dhclicr londcn 1ri«i|fr ■dustrig i!rUaden usiv, ,flheren In den •Jt un. 0 od« ) oder ionistiworin enda werde, aß nur;ertüge. cn tc ein elcliem in, die indnlcs lir, da i der Ber Verüir ge- ז feiner Je An. ng zu ufgate 1 liegt ngcr nun lofs״ Aus• auf• Der Block der Minderheiten Polnischer Brie! Von Josef Blumberg. Als die polnischen Zeitungen das Zustandekommen des Blocks der nationalen Minderheiten in Polen gemeldet hatten, hatten wir die Befürchtung ausgesprochen, daß der jüdische Block seihst viele Schwierigkeiten zu überwinden haben werde. Denn es Ist viet leichter, einen Block aller nationalen Minderheiten zustande 7.11 bringen, als de verschiedene» Parteien ztisammcnziischlicßei! für die docli das Zusammengehen bei der gegenwärtigen Situation in Polen dringendes politisches Gebot sein sollte. Unsere Befürchtung war leider nicht unbegründet. Die sogenannte volkislische Partei, zu der die Abgeordneten Prclutzki und Hirschhorn gehören, trat anfangs mit Begeisterung für den Block ein und wollte sogar unbedingt die Ehre für sich in Anspruch nehmen, die Losung (Block der nationalen Minderheiten) zuerst ausgesprochen zu haben. Später aber, als es sicli zeigte, daß sie nicht mit so vielen Mandaten rechnen könne, als ihnen angemessen schien, machte» sic plötzlich kehrt und begannen, den Bloijc mit allen Mitteln zu bekämpfen. Sic scheuten sogar nicht davor zurück, den Block in ui eilt jüdischen Kreisen 211 verleumden, und so der antijüdischen Presse neues Material ,egen die Juden zu gebe», ln dem Kommunique der Volkistcu, der ihren Austritt aus dem Block begründen soll, heißt cs wörtlich: ״Die Volklsicn sind zur Uebeneugung gekommen, daß entweder die slawischen Mitglieder des Blocks von den Zionisten vollständig abhängig sind oder aber, daß der ganze Block einen klerikal-reaktionären Charakter hat. Deshalb sind die Volkistcn gezwungen, ihre Aktionsfreiheit zu wahrer!“ Auf Grund solcher Erklärungen konnte es der schwarzen polniischcn Presse nicht scJnver fallen, dm Block der Minder• heitert als eine deutsche Machenschaft hinzustcllc«. So sicht es zurzeit mit dem jüdischen Block aus. ,Trotzdem scheint dieser Block doch die Sympathien der überwiegenden jüdischen Mehrheit zu finden. Bis jetzt haben sich dein Block die folgenden jüdische!» Organisationen angeschlossen: Die zionistische Partei, der Misrachi, die Schlouic Emimch Jisrael, die jüdischen kaufmännischen Verbände, der Ifandwerkerverein u. a. Die im Block organisierten nationalen Minderheiten gehen für die kommendem Wahlen eine gemeinsame Wahlliste heraus, wobei auf jede Nationalität ein Drittel der gewonnenen Mandate entfällt. Die Oroßnissen, Weißrussen und Ukrainer werden als eine Nationalität bctrachlct. .In den ehemaligen preußischen Provinzen stellen die Deutschen eine besondere Liste auf. Die Hetze gegen den Block seitens der polnischen renk- (lonärcn Presse wird immer heftiger. Es zeigt sich immer deutlicher, daß der Zusammenschluß aller unterdrückten Minilerheitsnationcn in Polen eine große politische Bedeutung halicn kann. Besonders deutlich hat sidi das gezeigt bei der Aufrollung der Frage über die Zukunft Ostgalizicns und des Wiinacr Gebietes. Bekanntlich hat die polnische Regierung jetzt eine Gesetzesvorbge bezüglich der ostgalizischcn Autoaornic veröffentlicht. Nach dieser Vorlage erkennt die polnische Regierung in Ostgalizien nur zwei nationale Kateforien an: Die polnische und die ukrainische. Die jüdischer Bevölkerung Ostgali/icns wird vollständig ignoriert. Das Ziel Jicses Projekts ist klar! Die Juden sollen als Polen registriert . w:rdci1 und somit zusammen mit den wirklichen Polen eine künstliche polnische Mehrheit schaffen. Es ist sehr Zweifelha ft, ob auf diese Weise das Ziel der Regierung erreicht neiden wird. Dieser Plan wird den ukrainischen Widerstand kc neswegs schwächen, andererseits ater werden die ostgalirischen Juden ihn auch nicht ruhig hinnchmcn. Als Protest jegen diese Vergewaltigung können sieh die Juden in die ukrainischen Listen eintragen lassen und dadurch die Pläne der Regierung zunichte machen. Außerdem wird diese sonderbare Auslegung der internationalen Verträge von den anderen Wichten nicht ohne weiteres angenommen werdet! England hat viel zu starke Interessen in Ostgalizicn (Naphthagruben), ihi daß es Pole» .ohne weiteres Ostgalizicn zu verschlucke» ge stattet. Dazu kommt noch die neue Aufrollung der Wilna- Fngc. Gerade in diesen Tagen hat die Kontrollkommission des Völkerbundes ihren Bericht dem Völkerbundsrat zugcstellt, in dem unter anderen folgendes gesagt wird! Das Wiltja-üe. bii't ist von vier Nationalitäten bewohnt, von denen nur die Polen und die Juden ausgeprägtes Nationalhcwußtscin be• silzen, Da׳» nationale Gefühl des litauischen Bauern ist noch ziemlich schwach und datiert erst seit der Gründung des Ihn»• isriten Starte! Gerade der Umstand, daß die Polen nur eine Minderheit darstcllcn, hat es dazu gebracht, daß ihr Nationalgefülil besonders entwickelt und aktiv ist. Die Polen sind bereit, ihre Rechte mit Waffengewalt zu verteidigen. Anderersci'ts tendieren die Juden zu Litauen, da die jüdische wirfsciiaftliche Lage in Litauen viel besser ist, und da sie dort nationale Rechte besitzen, im Falle der Vereinigung Wilnas rhit Litauen würden die Juden eine bedeutende Macht in [Ulanen darstcllcn. Endlich befindet sich Wilna auf dem großen nbmddswcge, der von Deutschland über Kowno nach Riga führt. Di<: Juden, Litauer und die nationalen Weißrussen beteiligen sich nicht an den Wahlen zum Wiinacr Sejm und fomit hat sein Votum keine ernste Bedeutung. Die polnischen politischen Kreise beginnen die Bedeutung tes Zusammenschlusses der nationalen Minderheiten zu ver- (stellen. Gerade in der letzten Zeit hat die polnische Presse 1c wüste Hetzkampagne gegen den Minderheitsblock beffonnen. Man beginnt allmählich einzusehen, daß die bisherige ',olilik der zynischen Gewalt den nationalen Minderheiten [gegenüber notwendigerweise zu diesem Block führen mußte.!Jetzt aber, wo der Zusammenschluß schon Tatsache ist, wird es schwer fallen, ihn zu zerschlagen. Die nationalen Minderhcit'in in Polen sind aufeinander viel zu sehr angewiesen, um dieses einzige Kampfmittel sich nehmen zu lassfia Die gesundc politische Vernunft gebietet den unterdrückten Nationen, den gemeinsamen Feind mit vereinten Kräften alpzuwchrcf! Dagegen werden weder die Hctzartikel der polnischen Presse, noch die Intrigucn der in ihrem Eigendünkel verletzten jütlisdicn Orüppchen etwas ausrichten können. * 1׳ Danzfg. 0.C.B.) ״Nasch Kurjer״, dessen Hauptmlt* tirbcilcr der der Volkspartei angehöiende Scjniabgcordnete S, Hirschhorn Ist, veröffentlichte einen Artikel, der in jikliscii-poiilischen Kreise» als ein Versuch zur Untergrabung der Basis des Wahfblocks der nationalen MI-n derb ei teil in Men angesehen und peinlich empfuuden wurde Die Verwa'timg des jüdischen Journahsten- und Schriftslcllcrvereins in Polen hat sich in einer besonderen Versammlung mit der Haltung des Seimabgcordnctcn Hirschhorn beschäftigt, und hierbei den einstimmigen Be- Schluß gefaßt, Herrn Hirschhorn aus dem jüdischen Lite- »atenverein auszuschHeflea. JUEDTSCHE RUNDSCHAU Warschau (J. C. B,), Vor einigen Wochen weilten hier, wie bekannt, die Bevollmächtigten des Vereinigten Jüdischen Emigratkmsdirektorimm in Berlin, W. Latzki und W. Temkin, um auch in Polen einen Zusammenschluß aller hier existierenden Einigrationsinstitutioncn hcrbeiziift'ihren, De Be* mlilittngen der Berliner Abordnung hatte auch den Erfolg, daß eine aus Vertretern aller Einigrationsinstitutioncn zusammen• gesetzte Organisationskoimnission gegründet wurde, welche das Elnigmigswcrk vollenden sollte, 1111 Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen In die polnischen ge• setzgehenden Körperschaften hat sich zwischen den Vorstehern der einzelnen Institutionen eine Qegnerschaff herausgebildct. Es wurde deshalb beschlossen, die weiteren Verhandlungen über den Zusammenschluß auf einen Zeitpunkt zu verlegen, der einer Einigung günstiger sein würde. Von der TÜUjjkclt des ״ORT ‘ In der Ukraine (J. P, Z.) Die Vertreter und Agronomen der jüdischen Ililfsgcscllschaft ORT. die die jüdischen Siedlungen ln der Ukraine inspiziert haben, betonen ln ihren Berichten die Notwendigkeit einer Organisierung von landwlrt- Rchnftliclicii Kooperativem Die staatlichen und nnilcmi Institutionen, die die Kolonisten mit Sämereien und Geräte versorgen und Urnen ebenfalls Da riehen gewähren, tim dies unter sehr schwierigen Bedingungen, und aer einzige Weg, diese leichter zu gestalten, besteht darin, lokale Kooperntiven zu gründen und die Kolonisten auf diese Welse finanziell zu stärken. Dies könnte erreicht werden, wenn der von dem ORT auf Kredit-Basis gewährte Beistand durch die Kooperativen ausgeführt wird. Bisher bestehen bereits zwei Kooperativen in Zatishic und Zclcnopoiic. Der Agronom Aronow des ORT, der in spezieller Mission die Zustände der Siedlangen Mariupo! und Gulaipole studierte, g‘bt in seinem Bericht verschiedene Daten, die den traurigen Zustand der Siedlungen erkennen lassen. Von 105׳ Häusern In der Kolonie von Gulaipole sind 43 leer, 104 bedürfen einer gründlichen Reparatur und nur 252 befinden sich in ordentlichem Zustand. In den Siedlungen von Mariupo! befinden sich von 504 Häusern nur 305 in gutem Zustand, der Rest ist entweder ganz verlassen oder mul! erst gründlich in Stand gesetzt werden. Fast alle ehemaligen Bewohner von Ouloipole sind zu ihren Heimstätten zuriickgckchrt, und die Zahl der Bevölkerung betiägt jetzt 2 475 Seelen. Sic haben 1767 Dessiatinen Acker besät und besitzen 172 Pferde, von denen 107 vom ORT gekauft wurden. Der ORT in Rußland erhielt vom New Yorker J. D. C. 7000 Garnituren Unterkleider für die jüdische Landbevölkerung. —• Der Vertreter des J. D. C. hat den» ORT in Odessa fiir dessen Handwcrkcrsclmlen 5000 Dollar gewährt, außer den bereits gewährten 1000 Dollar, die zum Einkauf von Rohmaterialien zu verwenden sind, um die Schulen in den Stand zu setzen, die für die jüdischen Kolonisten benötigten Geräte an/iifertigen. Dank dieser Hilfe wurden die Handwerker-Schulen wieder neu belebt und die Zahl der Schüler ist fortwährend Im Wuchsen begriffen. Kritik an der ״ORT׳‘• Tätigkeit in Berlin Berlin (J. C, B.) Am Dienstag, den 19. September, fand hier eine Versammlung der Berliner Mitglieder der Gesellschaft ״Ort“ statt, in welcher an der Tätigkeit der Gesellschaft scharfe Kritik geübt wurde. Herr D.iv, Lwowicz legte einen Bericht iiher die Tätigkeit der Zcntralverwaltung, msbesondere in Polen und Litauen, vor. Herr A. Singalowsky berichtete dann über Erfolge der ״OrU-Dcicgatlon in Amerika, Der Tätigkeitsbericht der Berliner Abteilung wurde als ,unbefriedigend kritisiert. Der. Vertreter der Revisionskom: mission, Herr M. N. K re in in, äußerte sich in seinem■ Referat dahin, daß die Berliner Abteilung iibcrliaimt überflüssig ist, und daß es genüge, wenn h» Berlin allein die Zcntrnlvcrwnllung existiere, Herr N, Oergcl Wies auf die schweren Fehler der ״Ort“>Arbe!t in Rußland hin und charakterisierte die Gesellschaft als eine, die 11» ihrer Arbeit von gesellschaftlichen Methoden völlig nbgeirrt sei, Auch andere Vertreter iibtcii strenge Kritik an den Methoden der ״Ort״• Gesellschaft. Nacli einer Replik des Herrn A. Singalowsky wurde beschlossen, die Versammlung zu vertagen, um eine Diskussion über die Tätigkeit der Gesellschaft ״Ort“ auf breiterer Grundlage möglich zu machen, Die anf!jüdischen Exzesse In KaKowHz vor dem Völkerbund (J. P. Z.) O e n f. Im Aufträge des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris hat deren Genfer Vertreter, Z. Aberson, dem Generalsekretär des Völkerbundes ein Memorandum überreicht bezüglich der kürzlichc» antljödlschcn Exzesse in Kattowitz, ln dem Memorandum wird tun Anwendung des in dringenden Fällen vorgesehenen Völkcrbundsvcrfahrcns zum Schutz der Minderheiten ersucht. Das VttlkcrhundssckrctA1i.it übermittelte der polnischen Regierung eine Kopie des Memo* rainlmiis mit dem Ersuchen um Rikkäußerung. (J.P. Z.) Am 8. September fanden in Kattowitz neuerdings Unruhen statt. Eine Protestversammlung gegen die Teuerung artete gegen die jüdischen Geschäftsleute^ ans, die gezwungen waren, ilire Geschähe zu schließen. Einige indische Gcsrliiific wurden nusgcplürdcrt. Die!Klinische Beliürde hat Maßnahmen getroffen, die Unruhen abzustcllcn. Die Lnndtngsw&hlen In Politisch•Obersclilcsicn Warschau. (J. C. B.) Die Wahlen in den autonomen Sejm in Polnisch-Obersclilcslen wurden für den 24. September, dem 2. Tag des jüdischen Neujahrsfestes, festgesetzt. Auf diese Weise ist eine Beteiligung der jüdischen Wählerschaft an den Wahlen ausgeschlossen, Der Rabbiner von Kattowitz, Dr. Lcwl«, wandte sich an die Regierung mit einer Eingabe, in welcher er ausführte, die jüdische Bevölkerung habe zwar das Recht, sich wegen der Festsetzung der Wahlen an einem hohen jüdischen Feiertag beim Völkerbund zu beschweren, da laut dem Versailler Vertrag fiir jüdische Feiertage keine Wählet» angeordmet werden dürfen, allein die Juden ziehen es vor, bei der polnischen Macht zu intervenieren und um Verlegung der Wahlen auf einen anderen Tag zu bitten, ■ Die Judenfrage In Oatgallztcn ' Die polnische Regierung, die bekanntlich das vorläufige Mandat für das umstrittene ostgalizmche Land erhalten hat, veröffentlicht jetzt ein Projekt über die Autonomie. In diesem Projekt ist nur die Rede von einem polnischen und einem ukrainischen Kataster, während die 700 000 Juden, die bekannüich Im galizischen Lehen eine große Rolle spielen und in den Großstädte» die Majorität der Bevölkerung bilden, überhaupt nicht erwähnt werden. ׳,Das Präiildlum der zionistischen Organisation für Ostgalizicn Ist In dieser Angelegenheit beim polnischen Premierminister No• wack vorstellig geworden. De allgemeine Situation der Juden in Ostgalizicn ist um so schwerer, als sich auch von ukrainischer Seite eine zunehmende antisemitische Bewegung bemerkbar macht, die vor allem einen wirtschaftlichen Boykott der Juden erstrebt. *>•.׳ ■ '״! ־׳ ׳ ■ Seite 507 \ Ein Gehelmerlaß zur Austreibung der Juden Budapest, 14, September. (Tel. der ״Wr. Morgen•« Zeitung".) ״Az Ujsng׳*, welches zu einzelnen Regierung** kreisen allbekannte Beziehungen pflegt, bringt heute die foP gende sensationelle Information: Mit dorrt Datum vom( 31. August 1922 ging mit der Unterschrift des Ministers de•; Innern Iwan Rakovsky ein als ״äußerst vertraulich“ bezdchnctcs Rundschreiben an die dem Ministerium unterstellten Behörden, ln diesen! Rundschreiben werden die Behörden mifgctordcrt, das Gesetz vom Jahre 1913, welches sich auf die Behandlung von Ausländern bezieht, mit aller Strenge! durch מ!führen. Unter Ausländern seien jedoch ausschließlich' Juden zu verstehen, welche, soweit sie Ausländer sind, unverzüglidi ausgewiesen werden sollen. Hierbei sei weder auf die Zeit Ihrer Einwanderung, bzw. ihrer Beschäftigung noch darauf Rücksicht zu nehmen, ob sie vor dem Kriege oder nach dem Kriege Grundbesitzer geworden sind oder konzessioa nlcrte Ocschäftc betreiben. Diejenigen ausländischen Juden,; gegen welche irgend ein noch so geringfügiges Oerichtsver•1 fahren schwebt oder jemals in Schwebe stand, sind dringend zu Internieren. Die Behörden werden verhalten, über die, Durchführung dieser Maßnahme bis spätestens 15. Oktober1 d. J. Bericht an den Minister des Innern zu erstatten. Da einzelnen Amtslcltcr werden In dem Rundschreiben ermahnt,׳ den Auftrag ohne viel Aufsehen durchzufiihren, damit die! Betroffenen weder Im Lande noch Im Auslande Lärm sdilageo' können. ׳'T, v. Die jiddische Sprache in Kanada ' Montreal. (J.C. B.) Der hiesige Stadtrat hat die; jiddische Sprache als eine der drei offiziellen Sprachen im. Stadtgebiete anerkannt, Von nun ab werden alle Verordnungen und offizielle Mitteilungen der Stadtverwaltung ln englischer, französischer und jiddischer Sprache verkutbart werdea ArbeUerfürsorgeamt der Jüdischen Organisationen Deutschlands Das Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands wendet sich mit einem Aufruf an die jüdische Ocffentlichkcit, um diese zur finanzieller» Unterstützung seiner Tätigkeit zu veranlassen. Aus dem Berichte, den das Arbeiterfürsorgeamt über seine Tätigkeit in der Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1922 gibt, ist das große Maß der Leistungen' zu ersehen, die es im vergangenen Halbjahr vollbracht hat. Es dürfte unsere Leser interessieren, einige Zahlen aus dein Berichte zu erfahren. In dem Jüdischen Flüchtlingshclm, das das Arbeiterfürsorgeamt in Berlin, Wicsenstr. 55, unterhält, wurden während des angegebenen Zeitraumes insgesamt 46 4S9 Betten aiisgegcbcn (diese Zahl bedeutet natürlich nicht, wie vielleicht mißverstanden werden dürfte, die Zahl der Personen, die das Asyl aiifgesuclit haben). Vcrpflegungskartcn wurden' 33 469 ausgegeben. 1622 Pcrsonalangelegenheiten wurden erledigt. Alle diese Zahlen beziehen sich lediglich auf die Berliner Zentralstelle, während die 19 Zweigstellen im Reiche in dieser Statistik nicht mit berücksichtigt sind. Insgesamt wurde das Berliner Büro von zirka 5T'ü Pclcnlcn aufgesucht Die Zahl der ein- und ausgegangenen Briefe betrug 8549. Selbstverständlich kann eine Statistik, die nur Zahlenmaterial bringt, nicht dei! gesamten Umkreis der Leistungen des Arbeitcrtiirsorgcaintcs umfassen. Es muß hervorgehohen werden, daß die stetige und unermüdliche Arbeit natürlich auch ihre Wirkungen 'in der Art und Weise zeigen muß, in der die öffentliche Meinung zur Ostjudenfrage Stellung nimmt. Es ist klar, daß die Ueberfiihrung von Ostjuden zu produktiver Arbeit, daß ihre Unterbringung in Fluchtlingsheimen und damit ihr Verschwinden von der Straße, einen bedeutenden Einfluß auf die Stimmung haben muß, die die Ocffentlichkcit gegenüber den Ostjuden hegt. Artikel an leitender Stelle, die in letzter Zeit in der ״Frankfurter Zeitung", ln der ״Berliner Volkszeliung“ und anderen Tages- Zeitungen erschienen sind, haben auf diese Zusammenhänge hingewiesen und die Tätigkeit des Arbeiterfürsorgeamies gewürdigt. Auch an dieser Stelle muß ln Dankbarkeit festgestellt werden, daß auch die Behörden das Arbeiterfürsorgeamt weiterhin׳ als anerkannte Fürsorgcstclle für die Ostjuden behandelt haben. Solange die furchtbaren Verhältnisse ln den östliche!» Randstanten nndnuern und solange die Weststaaten, Amerika Und Palästhn die Fiinv.iiidcrimgsbrscliriinkmigcn nicht auf• heben, die das Abfllclkn des in Deutschland gestoppten Durchwandercrslromcs ermöglichen, wird die Arbeit des Arbeiterfürsorgenmtes fortgesetzt werden müssen. Es hat sich durch die Erfahrungen der letzten Zeit gezeigt, daß sic sogar erweiterte Bedeutung gewonnen hat. Die Leistungen des Arbcitcrfiirsorgcamtcs auf dem Gebiete der Berufsberatung der osljiidisclien Flüchtlinge müssen erhöhte Beachtung bcan- Sprüchen. Denn ein großer Teil dieser Flüchtlinge, jüngere, unverheiratete Männer, hat Infolge der Kriegswirren weder eine geordnete Schulbildung, nocli eine gewerbliche Fach* Ausbildung genossen. Zwei Gründe sprechen dafür, in dieser Angelegenheit helfend cinztigrcifcn! aut der einen Seite erschweren diese ungelernten Arbeiter die Hilfstätigkeit ganz außerordentlich, denn sic sind am ehesten der Ausweisung durch die Behörden ttml den Schwierigkeiten wirtschaftlicher •Konjunkturschwankungen nusgesetzt, Der gelernte Arbeiter dagegen kann sieb immer leichter forthelfen. Auf der anderen Seite^ werden sich die segensreichen, Folgen der geplanten Maßnahmen erst ln vollem Maße in den Ländern zeigen, die das Ziel der Auswanderer bilden. Denn von der Zahl der wirklich gelernten Arbeiter hängt das Gelingen der kon« struktiven Atifbauvcrsiichc ab, an denen das gesamte Judentum Im Interesse einer wirklich durchgreifenden Hilfe für die ihrer Existenz beraubten Flüchtlinge interessiert Ist. Von der Berufsberatung der Flüchtlinge hängt also die Möglichkeit ab, sic unter ökonomisch günstigen Bedingungen ins Ausland zu bringen. Es müssen daher Lehrwerkstätten eingerichtet, Fortbildungskurse abgchaltcn v/erden — und dle^ Mittel für die Anschaffung von Werkzeug und Material, für die An« Werbung von Lchrpcrsonal sind natürlich bei den heutigen Preisen und Löhnen nicht geringe 1 Dazu kommt als be* sonders gefährliches Moment, daß die augenblicklich vorhandenen Geldmittel durch die katastrophale Entwertung dee letzten Wochen an Ihrer Kaufkraft außerordentlich viel verlorcn haben. In diesem Jahre hat sich das ArbeUerfürsorgeamt mit der Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge 11» einer Arbeitsgemeinschaft ztisarnmengeschlossen. Dadurch stehen die gesamten Fiirsorgcciiiriehtungcn auch den hilfs« bedürftigen deutschen Juden in vollstem Umfange zur Ver«• fügung. Der Appell des Arbeltcrfürsorgenmtes an die jüdisch« ©Öffentlichkeit, Ihm bei *einer Arbeit ln wirklich großzügige! und erfolgversprechender .Weise zu helfen, verdient daher . vollste Unterstützung. .! ־