Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 74 (19.9.1922)
- Date
- 1922-09-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 502 T H, r sdurch die Tatsache ihrer D.trdtfährung eine Uebcrwintitm1 ״ des bisherigen Lebens bedeutet. Dabei soll darauf hinge-! wiesen werden, daß hier bei uns die Sache nicht liegt,! wie bei anderen Revolutionen, wo eine unzufriedene Masse , die Revolution macht, gegenüber anderen Klassen, die bisher saturiert waren, sondern daß Zionisten aus Zionismus zu : einem neuen produktiven Beruf übergehen u1־d Arbeiter werden. Und was bedeutet dies als stärkster Inhalt, stärkste Wirkung auf die Juden, die im GaluUt leben, und die hier fühlen, daß diesrt GaluUijudentum in jeder Beziehung für sie das schwerste menschliche Problem ist. Dieses Gaiathjudentum ist nämlich kein kapitalistisches Judentum im eigentlichen Sinne. Wenn Kapitalismus nach einem Wort Max Webers Rationalisierung der Wirtschaft bedeutet, dann sind die Juden liier nicht Kapitalisten, sondern eine Zwischenschicht, die sich unter allen möglichen Bedingungen erhält, durciuusetzcn versucht, immer einen Zustand der Unsicherheit, Unzufriedenheit sieht, weil sic nicht dieses starke und letzte Recht der produktiven Arbeit im eigenen Lande hat. Sic empfindet ihr Leben als notwendigen, tragischen, menschlichen Verfall. Die Erfahmngen gerade in der Keren Hajessod-Arbeit zeigen, daß auf alle jüdischen Menschen aller Schichten den unerhörtesten Eindruck der Gedanke des neuen Aufbaus macht, dieser entsclilosscnc Versuch zu neuem Leben durch produktive Aibeit jüdischer Menschen, die als Zionisten dieses Leben führen wollen. Und datier die sichere Wirkung gerade auch auf die nichtzionistischen Kreise, die wir gewinnen, wenn es sich um die Ausbildung neuer Pioniere handelt, wenn es sich darum handelt, Mittel für ihre Ansiedelung zu fordern. Es findet eine Umwandlung der gesellschaftlichen Wertung statt, diese Pioniere sind die beneideten. Und die anderen, die es nicht werden können, wissen, die Bewegung wird auf jene zugeschnitten. Das ist das Unerhörte, das Zwingende und Vergewährende der zionistischen Bewegung, das die Menschen dazu bringt, so etwas zu tun. Das ist der erste Inhalt dieses jüdischen Nationalismus, mit der Vorstellung vom neuen Aufbau des jüdischen Lebens, von der Produktivität jüdischer Menschen, die die überzeugende .Wahrheit bringt von der Kraft der zionistischen Idee. Und zweitens: Die Organisation wird ein Symbol des zio. nistisclien Lebens als stärkste Leistung, wo cs der Idee ge« fingt, Menschen zu Dienern eines Aufbaus zu machen. Wir geben uns eine Organisation. Wir geben uns Be« Schlüsse selbst, und diese Beschlüsse müsen unerhörte Kraft ausiiben, und wenn die Organisation ein zweiter Inhalt unserer Propaganda wird, **־ und auch dieses ist durch die Erfahrung hundertfach belegt, daß Menschen erschauern vor der Tat« sachc, daß die Idee organisatorische Kraft im eigentlichen Sinne hat, — so ist dieser zweite Inhalt ein unmittelbar wirkender, und für alle verbindlicher. Nichts kann tiefer wirken, als die sichtbare Erkenntnis, daß jeder Einzelne sich fügt, daß die ganze Organisation schon als Vorforin des Staates dasteht, als eine geeinte Gruppe, wo der Beschluß der Mehrheit entscheidend ist. 1 Und das dritte ist das Ideal des neuen jüdischen Bür« gers. Für alle Völker war es das Ideal, ״Bürger“ zu sein (das heißt nicht ״Bourgeois“), d. h. die Verantwortung zu haben für die Gemeinschaft. Und nur, wenn wir geordneten Aufbau haben als ersten Inhalt, Symbclwcrt der Organisation als zweiten, dann bekommt dieses Bürgerideal als dritter Inhalt der Propaganda einen Sinn, nämlich dies Ideal, daß der eingcfügle, durch Beschlüsse gebundene Marsch sich auch innerlich und äußerlich verantwortlich füJiit für das Schick« 5al der Gesamtheit — dann ist cs unmöglich, daß Minoritäten abseits stehen, was auch passiert, oder daß irgend einer sagt, das paßt mir nicht, ich schließe midi aus. Um der Heilig« Reit dieses Ziels willen wird er sich fügen und kämpfen, um sidi durchzusetzen mit aller Kraft. Und wenn einer selbst wegging, wenn einer untreu wurde, war er eben ein Vernichteter, einer, der sich selbst vernichtete. Und wenn heute Menschen das tun können innerhalb der Organisation, so sind wir doppelt verpflichtet, dieses Bürgeridcal aufzustellen, um so zwingend aufzutreten, durch die Macht des Geistes, wo Be- Schlüsse diesen heiligenden Sinn haben. Deshalb ist dieses der dritte Inhalt dieser einheitlichen, allgemein verbindlichen Propaganda. Und dann ein Viertes: Das Ethos der T a t des Einzelnen, die Anlorderungen an den Einzelnen als verbindlicher Inhalt der Propaganda. Der Keren Hajessod war das großartigste Mittel, diesen vierten Inhalt durchzuseizea. Wenn wir ihn alle recht verstehen und diesen geeinten Inhalt der Propaganda haben, dann wird er erst seine Bedeutung gewinnen. Das zweite Moment, das ich Ethos der Tat nennen möchte, ist die Werbung älterer und vor allem jüngerer Kräfte für den Zionismus. Beim Keren Hajessod ist die Gewinnung unbegrenzt in der Zahl, wir können unbegrenzt viele gewinnen, begrenzt in dem Maße, in dem wir Menschen gewinnen, d. 11. in der vollen menschlichen Wirkung, die wir auf Menschen ausüben; bei der Gewinnung der Jugend, und derer, die wir jetzt zu einem persönlicheren Tun außerhalb dieser Geldhcrgabe gewinnen, da ist unsere Wirkung begrenzt ln der Zahl, aber unbegrenzt in dem Ausmaß des Gewinns, unbegrenzt in der Qualität, unbegrenzt darin, daß wir diese Menschen ganz gewinnen in ihrer Totalität. Deshalb müssen wir an alle hcrangchcn, um zu finden, in wem Möglichkeiten sind, Zionist zu werden. Würden wir nur Quantitätswirkungen zu erreichen haben, wie beim Keren Hajessod, so könnte man sich zufriedengeben. Da wir aber diese Qualitätswirkung erstreben, müssen wir den Weg zu jedem finden, um. dann aus allen die für den Zionismus Geeigneten herauszufinden. Gerade deshalb bestellt das Erfordernis der Propaganda, jeden zu erreichen, um jedem die Möglichkeit zu geben, den Weg zu finden zu dieser zio• nistisclien Welt, zu diesem Tatzionismus, der von ihm Höchstes verlangt, nämlich Pioniertum, Uebersicdlung, Unterordnung unter den Befehl seiner Organisation, Bürgerpflicht, Verant- Wörtlichkeit für alle und Einsetzung der Kräfte für den planmäßigen Aufbau des Landes. Dazu kann man nur erziehen, wenn man an diese Menschen von innen herankommt. Wer von außen Anweisungen gibt, wird Schiffbruch erleiden. Erreichen wird sie, der mit ihnen kämpft, und bei dem sic fühlen, daß er ihnen etwas zu sagen hat. DI« Propaganda erzieht im eigentlichen Sinne, Die Loslosungspropaganda macht aufmerksam, auf die Unzulänglichkdt der heutigen jüdischen Lage. Und die Hincinführungs־. Propaganda, diese Propaganda, die dem Aufbau dient, muß m jedem ihrer Inhalte erziehen. Es ist eine komplizierte Aufgabe, die Menschen müssen für diese einheitlichen Inhalte gesdiult werden, daher ist es nötig, als fünfte Forderung »ütastellcn. Sie wiß Menschen vereinheitlichen, ehe de In Erez-Israel sind. Man lern« in einer elnhdt- , '■ . » *׳.?> -L J U n D I S C i I n R U N D S CI! A u Kr. ן.ל liehen Form die wir;:endo Kraft des Zionismus 111 der Welt liurcli.'usetzcii. AVin darf r.'tht davon a1׳s:׳thcn, daß man sagt, in jedem Land seien bcwiiJerc BeTngimge״. Wer in (Ich einzelnen Ländern miigeaibeitet lut, weiß, daß dort kein Zionismus ist, wo die ZianUcn va» den ״besondere« Bedingungen des Landes“ sprechen. Unsere Propaganda muß eben Juden verschiedener Art vereinheitlichen, und daher ist die Aufgabe überall die gleiche. Und deshalb kann es eine große zionistische Propaganda nur geben, wenn es eine zentrale Beeinflussung der zionistischen Welt wieder gibt, die es heute nicht gibt, und zwar nicht nur, weit keine zentrale Organisation da ist, sondern weil nicht wirkende Menschen sic beeinflussen, die von einem einheitlichen Geist geführt . werden und durch eine bestimmte Lehre gegangen sind. Wenn man heute von Jev/Lh Agency spricht und von Weltj kongreß, so sind dies große Vorschläge, und der Weltkongreß! kann ein ungeheures Ereignis werden, aber nur unter einer Bedingung: wenn man nämlich nicht aus Schwäche sondern aus Stärke zu ihm greift, wenn die starke Zionistische Organisation ihn will und durchführt, und nidit wenn inan sagt, daß die Zionistische Organisation nicht mehr wirkt, daß der Zionismus nicht mehr imstande ist Propaganda zu machen. Denn der gelungene Weltkongreß ist nidit der ausgedaclite, wo man misrcdmct, wie man den Zionisten die Majorität sichert, sondern der gelungene Kongreß ist der, w« die Zionisten die Minorität sind, in den alle kämpfenden Gruppen der Judenlicit hincingclien, sich durchzu setzen, und wo sic als Minorität die geistige Kraft des jüdischen Volkes werden, die Repräsentanten der judenheit sind, wo sie besser vielleicht, als bisher, als Repräsentanten der Judenheit eine Wirkung auf die jüdische Welt ausüben können. Vor dieser Krott beugt man lieh, die anerkennen Menschen, nicht aber alle diese ausgeklügelten Formeln, bei denen die anderen sagen: die sind ja nicht besser als wir. Audi sie sudieu sidi Garantien, audi sie sudicn illegitim in den Besitz der Macht zu gelangen. Dies kann nur eine vereiiiheiUichtc starke, eine nidit in diesem Chaos bcfindlidi« Zionistische Organisation errddicn. Das Chaluzidcal hat dazu geführt, daß man glaubte, Zionismus bedeute ”״nur, daß zionistische Mens dien nach Palästina gehen. Die vereinheitlichte Zionistische Organisation darf wieder sagen, Zionismus bedeutet den Aufbau von Erez Israel durch die Zionistische Organi« sation. Und dazu braucht sic Menschen, die irgendwo ihren Platz ausfüllen, die Diener der Bewegung werden, die sich eine Schulung gefallen lassen, verzichten auf Zu« läiligkcit ihrer eigenen persönlichen Einfälle, sondern den ein» inai erkannten Inhalt der Propaganda durchsetzen, die ich Ihnen hier als einzelne Punkte dargesteÜt habe. Und unsere schwierige Lage liegt nun nidit nur daran, daß die Welt- Stimmung uns ungünstig ist, sondern daran, daß wir weder eine uns günstige Welle haben, noch eine uns bekämpfende Welt« welle, sondern das große Durcheinander nach) mißlungenen Revolutionen, diese Zeit der Skepsis und Glaubcnslosigkeit, wo Menschen nicht an Ideen glauben. Aber diese Zeit Ist die Zeit der Bewährung der Zionistischen Organisation. Für diesen schwierigen Uebergarvg sind wir da. Wir haben dafür zu sorgen, daß diese Schwierigkeiten, die innerhalb und außerhalb von Palästina uns erwachsen, die Zionistische Organi. sation festigen, sie entschlossener mache«. Dies können wir nu, wenur der SymboIwertdcrOrganisation wieder lebendig wird im Zionismus. Menschcn^ Qualitätsarbeiten, arbei« ieiidc Menschen erzeugen wir zunächst durch Schulung als Träger der neuen zionistischen Propaganda, Menschen, die es auf sich nehmen, im besonderen Sinne diese Inhalt« lichkcit der Wirkung der Zionistischen Organisation durchzu« setzen. Und den Alut, den Juden der Vergangenheit hatten, wenn sic an Zukunftsaufgaben dachten, er muß heute fcc« stehen, wenn wir jetzt direkt vor der eigentlichen Aufgabe unseres Ocschlecht3 stehen. Gewiß wird eine Zeit kommen, wo der Zionismus so ausschen wird, wie man es sich in den Anfangszeiten vorgcstclit hat, nämlich die Zeit, wo der Zionismus in der Tat den Interessen aller Juden dient. Dann werden wir durch eine andere Emeuerungsbewegung inner« halb des Judentums abgclöst werden. Unsere Aufgabe, unsere jüdische Aufgabe, letzte und höchste, die uns gesteht wird Ist cs, die gegenwärtige Aktion durchzu führen. (Stürmischer Beifall.) 1 t 1־ 'I * Dr. Schmarja Levin erbittet du Wort, um vom Delcgicrtcntag Abschied zu nehmen, da er abreisen muß. Er erklärt, jedes Wort des Blumenfcldschcn Referates zu unterschreiben 11nd betont die Notwendigkeit, eine Schule der Propaganda und der zionistischen Wissenschaft zu gehalten, wofür gerade Deutschland der geeignetste Ort ist. Hierauf wird die Sitzung geschlossen. t, > •: 6. Sitzung, Mittwoch, früh 10 Uhr. Dr. O erson erstattet den Bericht des Finanz• ausschusses und legt den bereits veröffentlichten Antrag vor, der angenommen wird.!! DcLafte über Referat Blßßcnfcld Tumpowsley {Leipzig, Gruppe Hantke-Oronemann) spricht fiir die Verjüngung der Organisation. Jeder, der ein zionistisches Amt bekleidet, hat die Verpflichtung, für seinen Nachfolger zu sorgen. Wir haben fühlbaren Mangel an Propagandakräften. Dr. Fritz Löwenstein (Berlin, Gruppe Hantke-Groncmann): Die Propaganda hat im Vorjahre durch die gleichzeitige K. H.-Aktion und durch die Palästina-Ferne des deutschen Zionismus gelitten. Wir brauchen eine stärkere Verbindung unseres Ortsgrupnenlcbcns mit Palästina, z. B. durch Schaffung von Chaluz-Wcrkstättcn seitens der Ortsgruppen. Auch die Ortsgruppenpropaganda muß versuchen, sich an einzelne zu wenden und sie zu gewinnen. In der Jugendarbeit ist zu berücksichtigen, daß heute die jüdische Jugend sich schon im schulpflichtigen Alter einer Jugendorganisation anzuschlicßcn und sich so politisch fest-’ zulcgcn pflegt. Auch hat die Assimilation große Fortschritte gemacht. Von um so größerer Bedeutung ist also die zionistlsche Jugendarbeit, bei der besonderer Wert darauf zu legen ist. daß im Sinne von Blumenfelds Referat die entscheidende Rolle der Zionistischen Organisation als der Er- K 11 a«, ■a Xj % ti «. i. «» ....... _,—.... A __ 1* % » wichtiges Mittel zur Gewinnung der folgenden Generation ist. 1 '׳ Dia Stellung, des Mksrachl , Goslar (Bcrlin-Misrachi): Palästina und Zionismus sind nicht letztes Endziel jüdischer Entwicklung. Zu Agitatoren sind nur diejenigen geeignet, die, auf den! historischen Juden- •1n\ »J*Bcnd, letzte jüdische Endziele zu verkünden geeignet sind. Das Judentum ist nicht völkisch und nicht nationalistisch, ,wir brauchen das wird die Reform kommen, die die Schlacken des 0(ן( beseitigt. Dr. Ra bi 11 (Brcrtnii-Misrachi): Wenn BlumenfeU Vc- Loslösung und Verwurzelung gesprec'ci hat, so muß ni" sagen, daß mir die Loslösung bi ־die י ז. •’ :;t nichtmii-nicin';‘1 sehen Zionisten erfolgt ist. Die ..!• ,. c 1t mciit, Fremde zu überwinden, sondern da« .-».:.׳;le, nämlich Golusjudcntiim. Somit ist der Misracin die wirklich r י lutionärc Bewegung, da er die Rückkehr zain wirklich cch|If alten Judentum verlangt. Der zweite Teil von Li:1,1u;:״׳(‘l‘i ■■ Ausführungen war sehr unklar. 'Blumen k-IJ hat eine i;c1 ' von Punkten fiir die Propaganda auigcstdlt, darunter 1. t!lt Reprodukti vicrung des jüdischen Menschen. Aber eine solc׳', Reproduktivierung ist auch auf geLüigcin Gebiet u.icilag!CV und dies eben ist der Kernpunkt des itiicrachistbchci! ig^' gramnis. Aber auch das andere Gebiet, die Ru.!,kehr ן körperlichen Arbeit, rückt jetzt gleichfalls in den Um',;k.'5 f des misrachistischen Programms, und liier trifft sich kr Misrachi mit Hapocl-Hazair. Fine Propaganda hat nur da; ' , wirkliche Schlagkraft, wenn sie den ganzen Maischen 2! ( revolutionieren Bucht: Das kann aber nur gelingen, wcj man ein jüdisches Ziel vor Augen hat. Denn Orginis:;;ojJ ן allein ist nur Form und kein Inhalt, nur Weg und keg 1 Ziel. Da unsere Propaganda zugleich Erziehung ist, sie auch einen klaren jüdischen Inhalt haben. Aber *,;! Griitiderfordcriiir. für das Gelingen der Propaganda, für di! Aufrüttcln der bis nun in einem Zustand der Erstarrung lebe ן. den jüdischen Massen ist cs, daß der Erzieher selbst d,{ seelische Verbundenheit mit dem Judentum nirf.ckgtw sich mit jüdischem Geiste erfüllt. Dieser Weg erford.!• sogar den Verzieht auf fremde Formen und fremde Kuhuri guter. Dieser Verzicht allein bereitet den Weg zur נץ■ Die Stallung des Hapocl-Hazair Georg Landauer (Mapoüi-Hazair): Die Frage der Gewlnnung von neuen Menschen ist eine der brennendsten Fragen der Bewegung, und zwar nicht nur die Gewinnen;' Außenstehender, denn auch inncrliaib des Zionismus ist ei!’: Jugend nicht in die Bewegung hi11ciu״ewachscn, wie sich auch auf dieser Tagung zeigt. Daher konzentriert sich di׳ Frage auf die der Gewinnung der Jugend. Die groß,; Masse der jüdischen Jugend Deutschlands stellt heute nicht in unserem Lager. Es war falsch, daß die Z. V. f. D. sidi gewissermaßen an der Jugendarbeit desinteressiert trat ini Vertrauen auf die eigene Entwicklung der zionistischen Jugend. Redner polemisiert gegen die Anschauung von der Schiß, lichkcit des Fraktionsprinzips. Die letzte Verknüpfung de! Menschen mit der Bewegung liegt im individuellen Prinzip, das in der Gruppe seine besondere Färbung gewinnt. Die lugend kann nicht ein farbloses Ideal wie ״Bürgertum“ prokiamicren, sondern sie muß sich entscheiden und bereit sein, die ganze Verantwortung zu übernehmen für die GestaHun; des Lebens des Volkes. Darum hat Hapocl-Hazair in Deutsch’- land cs sich zur Aufgabe gemacht, immer wieder die Au,'• inerksamkeit zu lenken auf die Notwendigkeit einer politischen Erziehung, Nickt ein Inhalt kann das primär Entschci■ dendc sein für unsere Erziehung, sondern das Erziehung, ziel. Als solches stellen wir das Ideal des frei und pro. djiktiv arbeitenden Menschen auf. Dieses Ziel ist aber auch nicht im engen Kreis einer Gruppe zu lösen, sondern durch die Produktivierung des jüdischen Volkes. Daher gilt für unsere heutigen Verhältnisse, daß diese Erziehung cimniimica muß in das Werk der arbeitenden palästinensischen Elemente. Man muß verstellen, daß diese Reproduktivierung ein nationalcr Vorgang ist, der sich nicht loslösen läßt von politischer Erziehung. _ 111 der Revolutionszeit ist cs dem Hapocl-Hazair gelungen, eine Zcitlang auch schläfrige Alenschen aufzurüttdii. Heute, nachdem alles wieder in Reaktion zuriiekgestmken war, ist ein Moment gekommen, wo man einsieht, daß es so nicht weitergeht und daß eine Auseinandersetzung auch innerhalb der Jugend wiederkommen muß. Ernst Simon (Frankfurt, Hapocl-Hazair): Es ist kein Zufall, wenn in dieser Diskussion alle Reclner von ihrer speziellen Paricistcllung sprechen, denn die Art des Referenten, das Umfassende und Prinzipielle der Propaganda, gewissermaßen ihren formalen Antrieb, zu zeichnen, macht es notwendig, in der Diskussion ins einzelne zu gehen und den Inhalt zu prüfen. Daher muß es zunächst zurückgewiesen werden, wenn Diumcnfeld sagte, die einzelnen Gruppen hätten nur für ihre besondere Färbung geworben; denn jeder Zugehörige einer Gruppe besitzt die Gesamtrealität des Zienismus, gefärbt durch seine prinzipielle Anschauung. Er vertritt in der Propaganda daher auch diese Gesamirealitit, keineswegs einen Bindestrich-Zionismus, und er vertritt sie nur dann mit der wahren Glut, wenn sein Eigenstes hineinverwoben ist. Das gilt auch für Biutnenfela selbst, denn auch bei ihm fühlen wir, daß hinter-seinen Worten viel mehr steht, als er sagt, daß bestimmte Anschauungen, be• stimmte Färbungen dahinter stehen. Nach Blumenfclds Worlen konnte der Eindruck entstehen, als ob nur das Abstrakte real wate. — Der zionistische Mensch versteht nicht, dci jüdischen Realität ins Auge zu selten, das ist der Haupt grund warum große Teile der jüdischen Jugend der jüdischen Realität verloren gehen. Redner führt aus, wie wenig Rechen• Schaft wir uns selbst über den Wirkungsradius unserer Idee geben, und zeigt das an zwei Beispielen, dem Festhalten der linken Poalc-Zion an Palästina und der im liberalen Judentum um sich greifenden Bewegung zur Wiedereinführung der Zionsgebetc. Wenn wir solchen Realitäten nicht ins Auge selten, erkennen wir nicht die Ausstrahlungen des Zionismus und die geistigen Veränderungen in den Kreisen, auf die unsere Propaganda wirken soll. Blumenl'cld hat wohl recht, wenn er sagt, der Zionismus sei ein Geschenk Europas an die Juden, aber die zionistische Bewegung darf nicht dauernd unter der Wirkung dieses Geburtsaktes stehen, sie muß sich Ecll״,acher1 öen Spuren dieser f leikunft. Die jüdische Ken 1t.it muß in den Vordergrund treten. Wir müssen diese heahtat in zwei Bezirken suchen: Der eine ist der proletarische, der andere der religiöse. Die Orthodoxie ist heute so erstarrt und balbatisch, daß sic keine Wirkungsinöglichkcilcn hat und die Annäherung dieser beiden Bezirke erschwert. Der jüdische Fwniff11 aScSc1.’ bat dic Psychologie des entlaufenen Jeschiwa ’ ,der mi °raucn an den Zwang und die Dumpfheit Gibcftomaucrn zuruckdenkt. Trotzdem muß die Kluft zwischen den beiden Bezirken überbrückt werden. Wirsehen die Anzeichen bereits; ich habe das Gefühl, daß Männer wie A. L>. üordon und Rabbiner Dr. Nobel einander im Wesest- ״CJ»-״״Chr fal1c stanö<m. Es gibt Anzeichen, daß in der ft Ä“1Cn Arbe1terschaft> dic in der nationalen und rht51״,CUC™Jß vorangcht, auch religiöse Erncuerun!!s- HfüSirt i!h«״ E1rd'f~n2“ cmcr tiefere״ geistigen Wirkung ßntf״״«rb״r aUCLdie Besinnung auf die Grundlagen unseres H 1st n1cllt Jficittifir. was Bltimcuieid sagte, Sden IüNa1״°w '^US. n a c h dc1" KricSc unpopulär geworden ist, in Wahrheit war es schon vor dem Kriege so- Völker0 von %habCn1 8‘ch ai*c wirklich geistigen Menschen aller rtfnnHrw” 11f abEcwc״dct. Wenn wir das aber wissen, irDmcht d״,IdcndaB bei ״ns die schlimmste natmnal stisclie Propaganda getrieben wird, wie es etwa Larlon* ^e,r Amerika immer wieder von der fffh״ ÄCn 11ף• Nun sagt man, wir müssen solche und wir ,1E Vrrf" ,'vci* wir kc'1׳c anderen haben Auff-mnttJ ict־^rabCj/Vr CRkkktioncii usw> brauchen. Diese anderen l״.r,״F nd a 8.c,h־ Pcnn wir haben nur darum keine lieb ״».״״ fLheVv,cil wir. cbc״ diese haben. Die wirkde« , dox!Mß pro! ' .Ith die! kem grif wir siet1 lieg - es 1 ■um mit piut grif sein. uns «tcl 1 vei ׳ dar dcr( der' sich.. kurt nie!. eil ein! dur rcli düi zu hat feh abc es ho«! liis h um J״', um wc: Vc so'• ge , su H<; sei. ne 1, R( nt Ni■ zi« St hi rl k:;.:!׳;" s'i Ei ' h'1׳ e : n v V; ci: h V e,! < i 1 lieb eil1 »״,d ,״■ l ״ W|r eDen diese haben. Die wir*- sieh im•»׳». |jJSe״di1chcn und radikalen Menschen schließen »ich. unserer BcwcÄun£ nicht an, well wir den ,Zionismus durch