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Jüdische Rundschau · 1922-09-19 · Heft 74 (19.9.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 74 (19.9.1922)
Date
1922-09-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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74 I dm Uh:ס 11'her, nann, *wei tem; ,׳'.C-J 1) alt r arw rteilf, »ach, ffc«;, auf tc in!(CS״ bei י’ die und t inj Oe, lenen :baut 1 Re, du he iiehn vibc eine:! daß scher und eien, Ver, :mde r in wir ein. crcr r zu der hält, k JtO der;», und d.is £״״* b!ut. i es und roße lieh tkeit, ■ dann mit einer ende rdc/1, ver• sind des , die Ist '״ge. tick« ück, ähr« sehe, jolt, Iscre bQc* [ückgemit Nr. 7# 7UEDISCHE RimDSCHÄtf men iwei mtcr ifclt Seite SOI 5. Sitzung. Dienstag, den 12. September, 9 Uhr abends. Vors. Rosenblüth eröffnet und verliest eine Reihe von Begrüßungen. Hierauf folgt das! Referat ßiumenfeld Inhalt und Möglichkeiten der zionistischen Propaganda Es ist unmöglich, das zweistündige Referat Blumenfclds hier vollständig abzudrucken. Wir mfisscn uns!11 it einer zusammenfassenden gekürzten ,Wiedergabe begnügen. , Geehrter Dclcgicrtentag! Die Frage ״Inhalt und Möglich, leiten zionistischer Propaganda“ möchte ich hier grundsätzlich untersuchen, eine Frage, bei der cs schwer ist, zu einer voll, lommcncn Klarheit zu kommen. Genügt die Parole: macht rropoganda! Genügt es, Menschen hcrauszuschickcn, auf deren persönliche Fälligkeiten wir vertrauen? Bisher gab es Zu, Eiligkeiten, kein System. Die Gesinnung wurde nicht und brauchte vielfach auch nicht durch die Bedürfnisse der Bewegung kontrolliert zu werden. Ich behaupte, daß wir heute ra einem einheitlichen Inhalt der Propaganda kommen müssen, um ihre Möglichkeiten ausnützen zu können. Wie kommen wir dazu? Es gibt zwei Quellen. Erstens die Beurteilung der zionistischen Entwicklung, zweitens die Kenntnis des Lebens, des Verhaltens der Juden in den Ländern der Well. Zunächst die Beurteilung der zionistischen Entwick» lung in dieser Frage. Man ging einmal davon aus, daß man alfc Juden gewinnen kann, und man glaubte, Aufklärung ist der Weg, es genügt, Irrtümer zu besiegen. Wenn uns gelingt dnrzutun, daß der Zionismus wirklich die Lösung der judeiifrage ist und ihren Interessen dient, dann werden, wir alle gewinnen. Und der Inhalt der zionistischen Propaganda bestand darin, aufzukLäre« und Irrtümer zu beseitigen. Man ging davon aus, daß der Zionismus in Wahrheit den Inten• essen aller Juden dient. Sie kennen die Formeln von der wirtschaftlichen Not der Juden im Osten und der geistigen der Juden im Westen, und Sie wissen, die Konsequenz dieser Erkenntnis bestand darin, daß man sagte, wenn man das den Juden klar genug sagt, müssen alle Zionislen werden. Die Auffassung war eine im wesentlichen mechanische. Und es ist auffällig, daß Herzl in seinen Tagebüchern — Herzl, der allen Juden die Uebcrsiedclung verschlagt und glaubt, daß sic allen Juden dient — kaum damit rechnet, daß die Juden selbst etwas dazu tun können. Diese mechanische Auffassung gab der Propaganda der Arfangsjahrc eine starke Sicherheit; die Sicherheit etwa, die der Sozialismus hatte, als er wußle, wir verkünden eine Sache, die noch nicht alle wissen, aber einmal alle kennen werden. Für uns spricht die richtige Erkenntnis, die Gesetzmäßigkeit der Entwicklung. Man hat deshalb damals, auch weil man sich an alle wandte, alle inneren Fragen ausgcschaltct mit Ausnahme einer Frage, der Frage der neuen Wirtschaft, die Formen des Zusammenlcbcns im Lande. Und cs verdient hervorgehobert zu werden, daß Herzl bei der Frage des Aufbaus des Landes den Plan dieses Aufbaus immer für einen integrierenden Bestandteil hielt. Es sollte ein anderes, besseres Leben werden als das alte. Die Erfolge entsprachen nicht den Erwartungen, Und allmählich gab es eine gewisse Aerderung der Ursprung« liehen Stimmung. Aber man wollte alle zwingen, alle hinein, führen in einen neuen Aufbau. Und als das nicht gelang, ging man fast den entgegengesetzten Weg, wobei man noch immer glaubte, man müßte alle bekommen, aber nicht den Versuch machte, alle hinüberzuführen, sondern Formeln zu schaffen, die den anderen klar machten, daß sie eigentlich schon im gewissen Grade der neue Aufbau sind, daß sie eigentlich schon Zionisten sind. Der ganze Versuch einer neuen Theorie für diese mechanische Aulfassung, einer alle Juden um« fassenden Propaganda, bestand darin, daß rrtan der bisherigen nichtzionistischen jüdischen Anschauung felgte, indem man nämlich auf Formeln vertraute, nicht auf die Kraft einer Idee. Wollte man früher überwältigen, so glaubte man jetzt, alle unvermerkt hinciiifiihrw» zu können in eine Sache, in die man sic nicht hatte hincinzwingeii können. Es begann ein Vertrauen auf das bestellende Judentum. Während man anfangs dieses bestehende Judentum ablehntc und glaubte, daß es so nicht existieren kaum, daß es zu einem neuen Leben durch neue Kraft kommen müsse, begann man wieder, mit diesen bestellenden Kräften in der Art zu rechnen, daß man sic als Kräfte, als bestehende Energien anerkannte, und glaubte, sic unvermerkt einspanmen zu können in eine Aufgabe, in die man sie bewußt nicht hätte hincinzvvingcn können. Man kam zu einer Vonvegnahme des gewollten Zieles. Was wollte man? Die zionistische Propaganda wollte das jüdische Volk konstilu« icren, und da das nicht so gelang, wie man es sich dachte, wollte mail das bestehende Volk schon als konstituiert a:1crkennen. Wie auch sonst auf anderen Gebieten man um größer zu scheinen sich illegitimer Behauptungen bedient, man statt zionistische Bewegung gern einen scheinbar^ größeren Be« griff setzt, so bestand in dieser Ideologie die Schwäche darin, daß man noch nicht Erreichtes schon vorwcgnabin, so als ob man dadurch die Wirkung erhöhen könnte, während in Wirklichkeit nur die Gesamtheit da3 Reservoir sein konnte, aus dem die größte Zahl hcrauszuholen war, die das Geschick ihres Volkes durch eine Aktion bestimmte. Die Aufgabe der Gewinnung Aller verlangte natürlich, daß man in der Summe Aller das gegebene Reservoir erblickte.! Gegenüber der mechanistischen Auffassung, die glaubte, daß die Zionisten den Interessen aller dienen, stand eine Auffassung, die ich die idealistische nennen möchte, die Canz stark davon ausging, daß das ״Volk“ nur der Teil ist, der das Geschick der Gesamtheit regeln will. Die Schwäche dieser Grupp* lag großenteils darin, daß sic etwas tat, was die andere Gruppe vermied, daß sie nämlich mit ihrer Vor- Stellung eine bestimmte Inhaltlichkc.it verband. Die Schwäche Acliad Haams lag darin, daher die notwendige Begrenztheit 'einer Wirkung. Und nahm die mechanische Auffassung die Quantitäten vorweg, so nahm die idealistische großenteils die Qualitäten vorweg, so nahm sie vorweg, was erst entdehen sollte an inhaltliclier Begrenzung. Sic konnte nicht ״•dir als Repräsentanz des Ganzen erscheinen, weil sic schon för sich zur Klarheit gekommen war über die Inhaltlichkeit dessen, was erst erreicht werden sollte. Die idealistische AufläMting wandte sich an die Jugend, ging aus von den Konuikte״ der Einzelnen, versuchte den Kreis der Menschen zu '’«großem durch eine Arbeit in engen Zirkeln, die entschlossen waren zu einer Aktion, die die ganzen Kräfte Erforderte. Beide Versuche gab cs nebeneinander, mccha• nistisclic und idealistische Auffassung, und sic standen in Wahrheit eigentlich ohne sielt zu stören nebeneinander bis zum Kriege und noch etwas länger. Der Gegensatz wurde nie ganz ausgekämpft, man konnte ihn auch niemals bis zu einer letzten Klarheit auskämpfen. Man wurde unbewußt von einer günstigen allgemeinen Strömung getragen. Der Nationalismus war eine beherrschende geistige Sache, wer Zionist war, war auf der Höh« von Anschauungen, die auch sonst bei den Völkern Europas zu finden waren, Diese Welle trug alle. Alle Schwierigkeiten des Einzelnen bei der Propaganda erleichterte das Bewußtsein, Träger einer Anschaumig zu sein, die sich durchsetzte, von der alle wünschen, daß sie am kommenden Tag zur herrschenden Anschauung werde. Man war ferner am Anfaavg und das Ist ein Glück für die Propaganda einer Idee, am Anfang, und das heißt bei uns in einer Periode der Kritik, Man mußte vor allem kritisch sein gegenüber dem, was man vorfand. Der Prozeß war ein Loslösungsprozeß und es Ist leichter, sich loszulöscn als sich zu verknüpfen. Die Methoden der Loslösting sind klarer, geistiger und, wenn man will, primitiver als die Methoden der Verknüpfung. Ferner hatte man es nur mit Gesinnungen zu tun, Gesinnungen, die ihrer Natur nach unkontrollierbar waren, sie konnten sich im allgemeinen doch nur in Bekundungen äußern. Und dann kam das Glück des Anfangs hinzu, die Erlcbnisgemcinschaft erster Zionisten, die Kleinheit der Organisation, In der man sich kannte, in der man zusammen dieses Anfangscrlcbnis hatte, verbunden durch Erinnerungen eines kleinen Kreises von Aktiven. Alle glaubten, alle beide Richtungen, die ich schematisch und grob skizzierte, wenn einmal der große Augenblick kommt, dann wird die Propaganda leichter werden; wir wissen heute, daß gerade die politischen Erfolge unserer Zeit, daß gerade ein Zustand, den man unrichtigcrvveisc oft mit Verwirklichung bezeichnet, daß dieser Zustand vielfältiger, siehtbarer Arbeit unsere Situation schwieriger und ungünstiger gemacht hat. Ucbcrall, nicht nur in Deutschland, besteht heute das Gefühl: der zbnislisclicn Propaganda fehlt etwas. Und ich möchte hier zunächst den Augenblick etwas bcleuchten, aufzählcn die Gründe, aus denen unsere Situation ungünstiger ist als vor einiger Zeit. Einmal die Erkenntnis der Dauer unseres Werkes, Wir haben cingcschcn und haben diesen Gedanken mit absoluter Rücksichtslosigkeit ausgedrückt, daß der Zionismus ein Werk von sehr langer Dauer ist, daß man mit Jahren, mit Generationen zu rechnen hat, daß auch bei schfteHsicm Tempo eine sehr große Kraftanstrengung der Juden nötig ist. Und diese Erkenntnisse kamen im Augenblick der großen polnischen Eriolge, wo man glaubte, jetzt sei ein Ende der übermenschlichen Anstrengungen, jetzt kann man sich ein wenig ausruhen, die Frucht der Arbeit Ist gekommen. Menschen, die mit ganzer Kraft ein Werk tun wollten, mußten erkennen, daß auch höchster Krafteinsatz nur ganz allmählich sic vorwärts bringt, sic mußten also aus der Erfahrung erkennen, daß sie ungeheuer lartgc Zeit in einer Spannung leben mußten, um durch andauernde Willenscnergic das Werk zu fördern. Diese gezügelte Leidenschaft zu ertragen war sehr schwer und ist für Qalutlijudcn vielleicht die schwerste Aufgabe, die wohl nur in einem ungeheuren Ansturm dazu kommen können, Ketten zu zerbrechen, die sic bedrücken, die im Galutli gezwungen waren, schnell zu handeln und jetzt mit einem Male, gegen ihre Natur, als ungeheure fast übermenschliche Erzichuiigsiordcrung gezügelte Leidenschaft haben mußten, immer diese Leidenschaft brauchten und wissen mußten, daß sic doch nicht in einem Ansturm vorwärts kommen, sondern daß der Sieg, die Be- Siedlung von Palästina, verbunden war mit einer vorsichtigen zähen, energischen allmählichen Arbeit. Und so kam man dazu, den Gedanken auszusprechen, wir müssen versuchen, heimisch zu werden unterwegs. Oder man kam dazu, sich unterwegs ciimiricliten, man mußte dazu kommen, denn wenn cs lange dauert, muß man hier mit Kraft objektive Leistungen jüdischen Lebens schaffen, muß man also immer Unternchimingcn fördern, die ein Sichcinrichtcn hier bedeuten, muß also eine Bewegung, die hinstrebt in das Land, um es aufzubauen, gleichzeitig alles tun, uin hier jede jüdische Position zu verstärken und nuszubauen. Und da darf cs uns nicht Wunder nehmen, daß jeder, der aus einer richtigen Erkenntnis sich dieser Aufgabe widmet, jede Aufgabe, die er übernimmt, für die wichtigste hält. Das ist die gute Seite des tätigen Menschen. Und wenn einer eine soziale Arbeit übernimmt, eine Schule gründet oder irgend etwas aufbaut hier, was jüdischem Leben dient, dann müßte er dieses Werk für sein Werk halten. Diese gleichzeitige Notwendigkeit, liinzustrcbcn in das neue Leben und sich cinzurichtcn in dem alten, da cs lange dauert und die Ucbcrsiedlung Zelt und Generationen in Anspruch nimmt, erzeugt eine begreifliche und notwendige Unsicherheit in der Wirkung. Dazu kam die Schwierigkeit der Beschaffung der Mittel. Und da man sie Im eigenen Kreise nicht fand, glaubte man jetzt -י und ich setze hier immer die edelsten Fälle voraus — ein zionistisches Opfer bringe« zu müssen. Man sagte sich, wir sind Zionisten lange Zeit gewesen, haben zusammen gelebt und wissen, was wir denken. Um jetzt Mittel zu schaffen, bringen wir ein Opfer der Ueberzeugung, das Geld muß beschafft werden, sogar mn diesen Preis, so daß wir gerade als ganz Entschlossene zu einem Schritt fähig sind, zu dem wir, wären wir weniger entschlossen, gar nicht berechtigt wären. Das geistige Chaos besieht. Es beruht großenteils auf der Unkenntnis der Dinge. Wenn man dieses geistige Chaos der Zeit darstellen will, nimmt man am besten die Zeit nach der mißlungenen russischen Revolution 1ÜÖS zum Vergleich. Das Durcheinander, wo die Leute sieh langweilten, wo man skeptisch war gegenüber jeder geistigen Uniformierung, und wo es zu Gruppcnbildung kam. Und ca ist kein Zufall, daß die Zeit nach der deutschen Revolution eine Zeit der verstärkten Gruppcnbildung im Zionismus ist. Die Zionisten wußten inhaltlich nichts zu sogen, aber jede Gruppe glaubte, ,sic könne irgend etwas Besonderes sagen, und die Propaganda der Jahre ist dadurch cliamktcibicrt, daß man, Menschen nicht für den Zionismus schlechthin zu gewinnet} suchte, sondern daß jede Gruppe ganz für ihre Zwecke zu werben anfing und in ihrer Färbung den Wert erblickte. Sic konnten nicht anders handeln, denn sic hatten dns Gefühl, der Zioi'.ismtis ist als Ganzes. »13 wirkende Macht, all einheitliche Ideologie nicht zu fassen. Parteitage aller Gruppen fanden statt, die nach Programmen suchten. Und die gingen nicht um die entscheidenden Grundlagen der Propaganda, sondern um die Nuancierungen, so daß die Menschen, die sic gewonnen! für die Nuance und nicht für das Ganze gewonnen waren. Besonders gefährlich war die Form, in der einzelne hervorragende Geister den Zionismus der Welt — nichtjüdischen und jüdischen — darzustcllcn versuchte. Es entstand in diesem Chaos eine neue Art einer schwächenden und die Bewegung verderbenden Apologetik, indem man nämlich, wenn jemand sagt, euch fehlt dieses oder jenes, sagte, das haben wir auch. Auch bei uns ist alles vorhanden, auch hier ist das große geistige Warenhaus, in dem jeder Einzelne alles be• kommen kann, gefühlsmäßig und geistig. Das vermehrte nur das Chaos. Ich möchte diesen Abschnitt mit einer Erkenntnis be« schließen, die mir entscheidend zu sein scheint. In der ersten Phase der Entwicklung ging es um ein Herauswollen aus Verhältnissen, ln denen man lebte; unsere Propaganda war eine Loslösung, ein Aufzeigen der Unzulänglichkeit bestehender Verhältnisse. Sie hätte ihr Ziel erreicht, wenn diese Er״ kenntnis sich durchgesetzt hätte, wenn dieses Herausliolcn gelungen wäre. Und dieses ilcrausholcn bedurfte nicht solcher Einheitlichkeit, denn der Loslösungsprozeß hatte ja immer ein negatives Ziel. Da kam aber eine neue Not- Wendigkeit: Die Notwendigkeit einer Propaganda, die die Menschen in etwas Neues hincinführte, sic für einen Aufbau gewinnen sollte. Wir sind heute in der Situation, wo wir die Propaganda des Loslösens immer weiter fort* setzen müssen, denn es kommen ja immer wieder Neue, die wir gewinnen, wo sic aber gleichzeitig verbunden sein muß mit der Propaganda des Hincinführcns in den Aufbau und in das neue Leben. Wo das nicht gelingt, entstehen Gruppen von nichtzionistischen Nationaljuden, die wohl ihre Loslösung fühlen, aber nicht soweit kommen, daß sie jetzt in diesen Aufbau hineingeführt werden. Konnte die Loslösung der , Einheitlichkeit entbehren — sie war damals in ziemlich hohem Maße vorhanden — so bedarf das Hincinfiihrcn der Einheit« lichkeit, die heute nicht vorhanden ist. Diese Propaganda, die Menschen für den Aufbau gewinnt, muß eine ein heit« liehe sein. Denn Aufbau erfordert Plan, Kraft und Oe« sclilossonheit. Und nun kommen wir zu einer Erkenntnis des Leben* und des Verhaltens der Juden der Welt. Ihr Problem ist damals wie heute das europäische. Es ist gut, einige Tatsachen hier zu erwähnen. Wer kam zu uns? Einmal Juden, die Instinktjuden waren, Chowewe Zion, dann Juden in Rußland, die sich mit Europa auscinandersetztcn. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß die Auseinandersetzung dort nicht erfolgt wäre. Zentren zionistischen Lebens entstanden nicht nur im Ansicdlungsrayon, sondern auch außerhalb, und feil glaube, daß das Problem der zionistischen Propaganda überall diese Auseinandersetzung mit Europa ist, im Osten so gut wie hier, und sogar in Ercz-Israel. Der Kampf mit einer uns feindlichen christlich-europäischen Welt, ist das Problcm zionistischer Arbeit und Propaganda. Wenn man ihm aus dem Wege gehen wollte, hat man immer auf Katastrophen gehofft, man sprach von der Wirkung des Antisemitismus, von der Wirkling der Pogrome. Wir wissen heute durch die ErfaJmmg, Katastrophen nützen uns nichts, in keinem Lande; im Gegenteil, die Juden werden durch sie noch demoralisierter und noch mutloser, Eine deutliche Sprache spricht die Wirkung der politischen Erfolge. Sie wirken nicht unmittelbar, sondern nur insoweit, als man in ihm eine Stimmung erzeugt. Wenn noch so Ungeheures sich ereignet, bedarf es der Einwirkung durch zionistische ' Propaganda. De Tatsachen allein bleiben alle stumm, wenn nicht eine wirkende Macht dahinter steht. Nachdem jetzt diese beiden Quellen, Entwicklung der zionistischen Propaganda und Verhalten der Juden bei zionistischer Propaganda, beleuchtet sind, sei jetzt von unseren Maßnahmen gesprochen. Zunächst rein Tatsächliches: Wir schufen den Keren Hnjcssod, versuchten ihn so gut zu machen, wie es ging. Nun waren unsere Erfolge, über die hier nicht zu reden ist, beeinträchtigt durch innerzionistische Schwierigkeiten, über die hier im Rolerat gesprochen werden muß. Was der Zionismus geschaffen hat, in der Zeit, \v0״ seine propagandistische Wirkung unmittelbar gefühlt wurde, war die verbindliche Macht der Beschlüsse der Zionistischen Organisation, 1 Jetzt aber kam ein Zustand, wo die Beschlüsse aufhörten zu wirken, die Organisation faßte die Beschlüsse, aber es gab Zionisten, die sie nicht für verbindlich hielten. Und wir müssen uns nun heute klar darüber werden, wie ist eine Ueberwindtmg dieses Zustandes möglich, wie ist heute eine einheitlich» zionistische Propaganda denkbar. Ich beginne damit, die Grenzen ihrer Wirkung festzustellen. Weitanschauungsmäßiges kann diese einheitliche Propaganda nicht geben und darf sic nicht geben, aber sic muß Gebiete haben, wo niemand sich ihr cntgcgenstcllcn kam!, wo sie Verbindliches verlangt, von allen, absolut Verbindliches, und zwar in einer Beziehung, dio die größte Bedeutung für die Zionistische Organisation hat. Was ist nun dieser aus Ucbcrlcgung und Erfahrung gewonnen« Inhalt? In der Loslösungspropaganda nach wie vor Notwendigkeit der Befreiung jüdischer Menschen aus unzuläug« liehen Verhältnissen, Hcrmismüsscn aus'einer jüdischen Welt, die unbefriedigend ist, da sie keine Welt neuen jüdischen Schaffen* ist. In dieser Propaganda des H ineinf üh reu* 11: den neuen Aufbau gibt es heute als ersten und cntschei« denden Inhalt folgendes: Der Nationalismus als Idee, als Ideologle, ist In der europäischen Welt zu einem gewissen Abschluß gekommen, ist unmodern. Wir Juden als Einzige setzen den Nationalismus kämpfend durch gegen eine Weit, die in diesem Nationalismus nicht die allgemeine erlösende Idee sicht, De* hin wir, indem wir mit einer entscheidenden Lonlenmg ganz bestimmter Art auftreten, daß wir ah, Hauptinhalt der Propaganda, als ersten Inhalt davon sprechen, der Aufbau von Palästina bedeutet Aulbau eines Landes durch die Arbeit jüdischer Menschen, d. h. Reproduktivierong des jüdiscJicn Menschen, und daß Jm Mittelpunkt dieser Propaganda die Erkenntnis steht, Palästina kann nur durch jüdische Arbeit ein jüdisches Land werden, daß der Chaluz, das Ideal de• Pioniertums, eine entscheidende Stellung hat. Hier handelt cs sich nicht um eine Propaganda, die mit einem Schlagwort, wie Sozialismus und Kapitalismus, erledigt Ist, aondem darum, daß gezeigt w׳ird, hier handelt es sich um Aufbau, den jüdische Menschen Im Oegensatz zu allen Ckwohnhelfen des Oaluth ausführen, um eine Aktion, die schau

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