Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1922-09-05 · Heft 70 (5.9.1922) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 70 (5.9.1922)
Date
1922-09-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2652410-2652472--15168-2673613
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I die 470 JUED1SC11E;CH AU Nr, 70 Keren Hiy'cssod vcittoppc!"• heißt, seine Existenz für immer stabilisieren. Trotz seiner bisher veihältmsmäilig betchekkiiefi Erfolge ist dennoch einer als ein besonderer zu verzeichnen: er war ursprünglich als ein rasch aufzubringenckr Fonds gedacht. Er hat sldi aber indessen an vielen Orten 1111 jüdischen BewuOiscin festgesetzt, a's de moraLchc VerpTch.timg zur jä'irtidten Britnißslcistimg für Palästina. Nun etwas über die innert, die geistige Konstitution des Keren Hajessod. Er ist seinerzeit auf Grundlage des Maaßer aufgebaut worden. Der Maaöer• Gedanke war schon bei seiner Begründung mit einer ge• wissen Symbolik ausgestattet. Er sollte ein Vorbild sein, was vom Kongreß in noen konkreterer Form ausgesprochen wurde. Wir müssen jetzt fest stellen, ob der Keren Hajessod weiter auf der Grundlage des Maaßer propagiert werden oder ob der Maaßer als Fchlsdilag bezeichnet und aufgegeben werden soll. Nach unserer Meinung wird dieses Prinzip in manchen Landern cingchaltcn, in manchen ganz gewiß nicht. Der Maasser ist ein Symbol im Sinne der Sclostbestcucnmg des Volkes' und so muß er bestehen bleiben und immer tiefer ins Volksbcwulitscin ein• dringen. Ist die äußere Konstitution des Keren Hajessod, wie sie vom Kongreß fcsfgelcgt wurde, verbesserungsbedürftig? Es wunle ein Verhältnis nergcstcllt zwischen der Zionistischen Organisation und den Ikitragsleistendcn des Keren Hajessod einerseits und dem Wirtschattsprogramm Palästinas und der Deckung des Palästina-Budgets andererseits: die Beitrag, leistenden sollen Mitglieder in einen Council delegieren, der eine Hälfte des Direktoriums des Keren Hajessod zu bestellen hat. Ich halte die vom letzten Kongreß gefun• dene Form der Organisation für eine glückliehe, weil sie t.öswngcn für alle Eventualitäten gestattet. Ob der Weltkongreß Gilbenden wird, ob eine Jewisti Agency mit Heranziehung anderer Faktoren konstituiertwird, der Keren Hajessod enthält immer die Möglichkeit für die Eingliederung der späteren wirtschaftlichen Tätigkeit der Agency. Die äu'c.e Form ist also geeignet, anzuerkennen, Nun zur Arbeit selbst. Es hat sich bei der Werbetätigkeit des Keren Hajessod erwiesen, daß die Zionisten in einzelnen Ländern nicht aktiv genug waren, so daß die Entsendung von Delegierten fast immer das einzige Mittel war, um die Kräfte in den bctreffenden Ländern zu wecken oder zu organisieren und daß ein Rückschlag cintrat, wenn die Delegierten das Land verließen. Der Keren Hajessod muß also mit einem Stab von Delegierten arbeiten und zwar nicht mit gewöhnlichen, sondern besonders qualifizierte« Männern mit gutem Namen. Hier setzt oft die Kritik ein. Man findet den Aus״abenetat zu groß. Aber eine Vergrößerung des Resultates 11m das Dopne te redu• ziert die Ausgaben der Proportion nach um die Hälfte. Die bisher geübte Kritik ist zumindest verfrüht, Es ist gewiß zu wünschen, daß mit allergrößter Sparsamkeit gcwirtschaftct wird. Aber in unserem Falle wunde allzusgroße Ockonomie ein Versiegen der Arbeit bedeuten. Auch hier ist also alles auf erhöhte Energie gestellt. Auch in diesem System der Istitutioiicn, der Bane kn, des Nationalfonds «sw. stellt der Keren Hajessod, denke ich, a:1 seinem richtigen Platz. Als Fonds, der in siel! die Palästinatätigkeit konzentriert, ist er ,sehr geeignet zur Zusammenarbeit mit anderen Fonds. Was die Werbearbeit für die verschiedenen Fonds an'aiut, so klappt dabei nicht alles. Sammlungen für den NationaT-Fonds lind Keren Hajessod koLiJicrett an manchen Orlen, wir machen uns manchmal Konkurrenz mid cs wird ein System der rcibungslosen Zusammenarbeit zu finden sein, welches dann das Pa- '.ästma-ßudget erheblich erhöhen wird. Wenn z. B. Keren Hajessod, Hypothekenbank N.-F. und J. C. T. zusammen• arbeiten, so kann cs geschehen, daß der Verkauf von IOJOOO Aktien der Hypothekenbank Arbeit für Immigranten schafft, Keren Hajessod von Beitragsleistungen ent• d. ■m,' > »ih* / גר־־־׳- p «*4** &* *£• iic dann den lastet u. s. f. ingen des Keren Hajes -•־־Uii Zum restlosen Oe sod fehlt nichts, als geduldige, unermüdliche Arbeit und nichts schadet mm mehr, als Ueberhastung und überhastete Kritik, nicht zu reden von der Obitruklion, welche ihm leider von mancher Landsmannschaft aus paftellaktischcn Gründen gemadit wird. Der Keren Hajessod i t seiner Konstitulion nadi gesund, seinen wiitsciia't'.ichen Fähigkei et nach unbedingt produktiv, Jeder tue an seinem P.atz alles, was notwendig ist, um den Keren Hajessod zu stärken, dann bleiben nur Angelegenheiten technischer Natur als Fragen, deren Lösung keine großen Schwierigkeiten machen wird. Ich bin in einer vor kurzem erschienenen Schrift wegen einer auf dem Kongrel) ausgesprochenen Wendung ironisiert worden, der nämlich, daß ich an der Spitze des Keren Hajessod am liebsten einen Mann von jüdisch-visionärer Dditerkralt sehen möchte. So sehr i.1!־ selbstverständlich nüchterne, durch• greifende Organisation lür die Hauptgnmdiage dei Ke ea Hi-!essod halte, ebenso tief bin ich überzeugt davon, daß ei noch nie so notwendig war wie jetzt, unseren moralischen Ruf mit elementarer Krait himusgehen zu lassen, den Ruf, welcher Maaßer heißt. י? sr*t *“**י*״ Generalversammlung des Jewisli Colonial Trust Die Generalversammlung der Jüdischen Kolonialbank fand Donnerstag, den 31. August, 11 Uhr vormittags, statt. Die Generalversammlung hat die vorgelegte Bilanz angenommen und beschlossen, für 1921 eine Dividende von 5 ׳,־c, a, i. 1 sh. pro Aktie, steuerfrei zu verteilen. Die Dividende 1921 entfällt auf Kupon Nr. 12. Die turnuswcisc ausschcidcnden Direktoren Cowen, Kann und Fischer wurden einstimmig wicdcrgcwählt. Bauh and werter gesucht Die Inunigrationsabieiiung unserer Exekutive in Jerusalem erreichte bei der Regierung die Einreiseerlaubni s für 425 Bauhandwerker. Von diesen entfallen 35 auf Deutschland, und zwar folgende Kategorien: Zementarbeiter ... . . ..... 5 Zimmerleute, Bau- und Möbeltischler...,10 Steinmetzen und Maurer (für Ziegel• und Steinbau) 10 Schlosser, Schmiede, Maschinisten , . 5 Rohrleger ........ . . ..... 5 Zusammen 35 Es kommen nur gut ausgebildefc«, fachlich erfahrene Handwerker in Frage, die durch Zeugnisse ihre vollendete Ausbildung nachweisen können. Die Voraussetzungen für die Einreise sind: 1. Ein Paß, 2. ein polizeiliclcs Führungszeugnis, 3. ein ärztliches Attest, 4. Reisegeld (10—12 £). Sofortige Meldungen sind zu richten an das Palästina-Amt, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Che Visa müssen bis zum 30. September erteilt sein. Der Bezalel in Jerusalem sucht einen Arbeiter, der ”!,Vitragen, Glasmalerei und Zusammensetzung farbiger Gläser erfahren ist. Entsprechend qualifizierte Personen werden gebeten, sich an das Palästina-Amt zu wenden. •, 1 <■ *ן.י• •v >!׳‘י׳'•׳•י*• יי ^)» י ■־- ־* * •׳‘*■; fl ü' » w W11 * (m ׳ 1׳sw׳ »■a1׳vs«1j I»!»11•«»׳ R&ferat für den Deleg iertentag von Prof. Dr. Heinrich L 0 c ־.v c, Berlin. Der Weg ־ zur Universität führt über das Forschung»* institut und über die Bibliothek. Ohne die vorherige Akti• vicrung der National- und Uiiivcrsitäto-Bibliothek zu Jerttsalcm ist die Universität unmöglich. Eine Inspektionsreise nach Jerusalem ergab folgender. Resultat: Die Bibliothek in Jerusalem hat ihren Bücherbestand seit änderthalb Jahren nahezu verdoppelt. Der Zuwachs könnte noch ein viel größerer sein, wenn rnnn die Transportmittel hätte, um die in Wien, Berlin und anderen Städten gesammelten und reisefertigen Büchcrsammhmgcu absenden zu können. Dazu kommt, daß nur ein größerer Teil def antangenden Bücher infolge der schlechten Dotierung־ der Bibliothek katnlogisiert werden kann. Audi dieser muß so summarisch wie möglich erledigt werden, weil die notwendigen Kräfte fehlen. Vor allein leidet die Bibliothek unter einem schrecklichen Raummangel. Das alte ganz ungenügende Haus ist vollgestopft. Für Haifa ist dank der Josepli-Hirsch-Stlftung mit der Grundlegung der Bibliothek begonnen worden. Sie wird zuerst eine Bibliothek des Technikums und der cs vorbercitcnden Realschule sein, und ein gewisser Bücherschatz für diese wird jetzt in Berlin zusammengesfdit und katalogisiert, um bald nhgcsiiidt werden zu können. Sie soll sich später zu einer Stadtbibliothck erweitern. Alle ihre Bücher werden gleichzeitig für einen palästinensischen Gesamtkatalog aufgenommen, der in der Jerusalemer Universitäts-Bibliothek stehen wird, um stets über alle Bücher in allen palästinen• sischcn Bibliotheken Auskunft geben zu können. In gleicher Weise wird die neue Stadtbibliothck In Tel- Awiw behandelt werden, deren Gründung auf Anregung Prof. Loewes bei seiner Anwesenheit in Palästina be• schlossen wurde. Ein Bauplatz, ist schon vorhanden. Den Grundstock findet die Bibliothek in der Bibliothek Scha’ar- Zion, die vor 30 Jahren in Jaffa als Vercinsbibliothck begründet wurde und jetzt ungefähr 12 500 Bände umfaßt. Auch diese Bibliothek, die Eigentum der Stadtgcmcindc Tel- Awiw sein wird, soll verwaltungsmäßig der Nationalbibiiothck angcglicdcrt werden. Es Ist wünschenswert, daß sich für die Bibliothek in Haifa und in Tel-Awiw ebenfalls Freunde finden, die sich ihrer besonders annehmen. Vor allein ist es notwendig, daß jetzt endlich etwas Grundlegendes zur Sanierung der Jerusalemer Bib.iothck ge- Schicht, die den Anspruch erhebt, Nattonalbib'.iothek sein zu wollen und Universitätsbibliothek zu werden. Mit ihren rund >15 000 Bänden hat sie wenig Anspruch auf solchen stolzen Namen. Auch der Zuwachs von rund ID 000 Bänden monatlieh ist durchaus nicht ausreichend. Vor allem ist das Haus absolut unbrauchbar geworden und muß ersetzt werden. Es kann dann weiter die jetzt vorbereitete Stadtbibliothek auf• nehmen, die der volkstümliche Ableger der NationaVoib'.iothek sein wird, Es ist gelungen, die Wolffsohn-Foundation dazu zu bestimmen, ihr gesamtes Vermögen für den Bau des Bibliothekgebäude! zu verwenden,, das den Namen David• Wolffsohn-flaus führen soll. Aber zuerst muß der Bau• platz erworben werden, der dem Nationalfonds noch nicht gehört, und den er in den nächsten vier bis fünf Jahren nicht wird erwerben können. Bai den unnatürlich in dia Höhe getriebenen Preisen für Grund und Boden in Palästina ist das eine betracht iehe Summe. Sie muß bcschalft werden. Auch muß Sorge getragen werden, daß die Bargelder der Wolffsolin-Stiftung noch vergrößert werden. Die Arbeiten dafür sind aufgenommen worden. Ferner muß Vorsorge getroffen werden, daß Mittel vorhanden sind, um die Innen• einrichtung dieses ersten monumentalen jüdischen Profanbaues in Jerusalem sachgemäß und würdig zu gestatten. End ich muß das Budget der Bibliothek auf eine gejunde Grundlage gestellt werden. Für Bauplatz und Bauwerk sowie Einrichtung des Neubaues werden in allen Ländern Komitees der Wollt• sohn-Stiftimg ins leben gerufen werden müssen, um ein• zcinc Leute hierfür lieninzu.ielicn, dio größere Beträge bei• steuern können. Vor allem kommen Solei!c Kreise in Betracht, die sich nicht entschließen können, an dem matcriclon Auf bau Palästinas teilzunehmen, die aber lür eine unabhängige kulturelle Sache ihr Herz, entdecken. Träger des laufenden Budgets müssen Gesellschaften der Freunde der Jerusalem Bibliothek werden, die sich in jedem Lande bilden. Solche Gesellschaft tritt jcLt in Amerika ins Leben, eine andere wird von den französischen jüdischen Professoren ins Leben gerufen, die sich sonst von jeder jüdischen Betätigung scheu!enthalten, sind ebenso geschieht cs in anderen Ländern, so in der Schweiz, Italien, Litauen und Lettland. Jet.t muß in Deutschland eine solche ,.Gesellschaft der Freunde der Jerusalems •Bibliothek im Deut• sehen Reiche‘• geschatfen werden; deren Mitglieder alle Juden sein müssen, die Verständnis dafür haben, daß der Jude zwar in Palästina zwar Bauer werden, aber nicht verbauern soll. Das tandcskomitec der GcseilscUft wird In Berlin seinen Sitz haben, aber die Träger der örtlichen Komitees, die überall entstehen müssen, sitzen mit In diesem Komitee. Die Arbeit zu leisten wäre eine Ehrenpflicht vor allein der Studenten, ihre Namen hcrzulcihen, Pfliclit und Ehre besonders auch der jüdischen Universitätslehrer. Wer nicht will, daß die Grundstein'erun״ der hebräischen Universität auf dem Skopus ein Bluff bleiben soll, wer an eine jüdisch« Kultur in Palästina denkt, wem die Pflege der!hebräischen Sprache mehr als eine Phrase ist, der muß an der Schaffung der Bibliothek tci'mehmen. Wer die Universität will, muß die Bibliothek wollen. Der Aufbau der Hcbräiscliöa Universität Referat fürden Delegiertetitag von Prof. Dr. Fodor, Halle. Ein umfassender Aufbaunlan, welcher nicht nur die Er• richtung einzelner Institute der Hochschule zum Gegenstand besitzt, sondern sich mit dem Gcsaintiufbau der erstcrcn befaßt und mit der Frage, weiche Institute bzw. Fakultäten den Anfang bilden sollen, ja, ob überhaupt und wo auf die Errichtung von Fakultäten hingewirkt werden darf, ist bis heute nicht ausgearbeitet worden. Da nunmehr nach glücklicher Erledigung der politischen Angelegenheiten, die kulturellen Probleme neben den wirtschaftlichen im Rahmen der Jewish Agency mehr und mehr in den Vordergrund rücken dürften und auch die Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation beschäftigen werden, m möchte der Referent auf jene Punkte hinweisen, über welche eine prinzipielle Ent- Scheidung unerläßlich ist, wenn raau ernstlich m die praktische Durchführung des Hochschulwcrkcs herantreten will. Es sei hier betont, daß in eleu־ «aehfolgenden Erörterangen jener Gesichtswinkel ,mr.F^euad ist, unter welchem cs nach Einsicht des Referenten allein möglich sein kann, ein Werk ins Leben zu rufen, d,3;׳ nicht lediglich eine sehe• malische Nachbildung bcckhentlcr;.!!:ilkhcr Institutionen in Europa und Amerika vorsicHt, To״dem es ermöglicht, daß die höchste kulturelle Institution, als die eine Hochschule'1 an• gesehen Werte» muß. mit dem KuUr.rlcbat und Wirtschaft!• dascin aller Bevölkerungsschichten ein organisch«. Ganzes bildet und daß die Hochschule solchermaßen «rn Produkt eines natürlichen Werden» statt einer künstliehen Nachahmung wird. 1. Sollen ganze Fakultäten errichtet w«f. den ,oder einzelne Keimaalagen (Ketminiti, tute) mit aktueller Bedeutung? Diese Frage soll hier in rein kaufmännischer Weise b«. antwortet werden, nämlich durch Vergleichung der Aktiv» mit den Passiva, die sich durch die Errichtung von ganz« Fakultäten ergeben würden. Beginnen wir mit der Errichtung d« Passivität s, <J. j, des Kostenaufwandes, den solche Fakultäten erfordern! Die« j sind, a priori beurteilt, im Vergleich zu den zu Gebote stehenden Mitteln außerordentlich beträchtlich, und zwar in I so hohem Grade, daß die Einrichtung einer einzelnen Fakultät ' mit allen notwendigen Instituten, Lehrmitteln, Apparaten und i mit dem ganzen Lehrkörper weit mehr Geldmittel verschlingt״ müßten, als gegenwärtig und für die nächste Zukunft m Aussicht stehen. Man könnte also im besten Falle nur eine einzige Fakultät die für die wichtigste gehalten wird, in Frage ziehen, denn diese schwerwiegenden finanziellen und auch sonstige Reh• n 1sche Gründe (so z. B. die Heranziehung geeigneter Lehrkräftc) gestatten den gleichzeitigen Aufbau samt'icher jn Betracht kommender Fakultäten in keiner Weise. Man hätte sielt zunächst darüber Klarheit zu verschaffen, welche Faku!. tat die wichtigste ist, wobei als Maßstab selbstverständlich das Land und seine Bedürfnisse befragt werden müßten. — Es ist leicht cinztisehcn, daß eine solche restlose Absorption der Geldmittel für eine einzige Fakultät nur einen Nachteil bedeuten kann, denn erstens würde sie eine einseitige Entwicklung des Hochschulwcrkcs nach sielt zielten, und zwar auf der Willkürlieben, durch nichts als gefühlsmäßig rcchtlertigbarcn Annahme fußend, daß eine bestimmte Fakultät die wichtigere ist und auf Kosten der übrigen entwickelt zu werden verdient; zweitens würde sic eine irrationclle Energievcrtcilung zur Folge haben, da von vornherein als feststehend gelten darf, daß nicht sämtliche der in dieser Fakultät mit in* begriffenen Fächer von gleicher Bedeutung wären und somit ein großer Ballast mit in Kauf genommen werden müßte, lediglich um die Faku tat zu vervollständigen (so müßte man, urn eine evtl, naturwisscnschali.ichc Fakultät zu vervoltitanrügen, neben den wichtigen Instituten, z. B. auch ein Zoologisches Institut errichten, welches gegenwärtig nur eine illusorische und im besten Falle rein akademische Bedeutung hätte); drittens würde die einseitige Errichtung irgendeiner einzelnen Fakultät aus dem Grunde eine große Gefahr be• deuten, weil eine solche durch die Verleihung von Diplomen alljältriich eine grolle Schar von diplomierten jungen Leuten verabschieden würde, au denen im Lande selbst nur ein äußerst beschränkter Bedarf voriäge und die daher das Land ah ״geistiges Proletariat“ verlassen müßten, ein Umstand, der mit dem Aufbau einer Heirnctatte für das jüdische Volk und für die Erstarkung eines produktiven Koloniitmstandcs nletit in Einklang gebracht werden kann. Man kommt somit zum Ergebnis, daß selbst wenn für die nächste Zeit die technische Durchführbarkeit einer einzelnen Fakultät möglich wäre, man von diesem Vorschlag lassen müßte, weil er für das Werk selbst, für d e Entwicklung produlctivcr Kräfte, ferner, wie gleich gezeigt wird, auch für die allgemeine wirtsciiaft.iche Entwicklung, intclge Entzug vcit Mitteln, die Institutionen hoher ökonomischer Bedeutung zugute kommen sollten und ihre Verschwendung für ephe• merc bzw. formelle Zwecke, nur von großem Schaden seit könnte. Hinzuzufügen ist, dal) bei der unvermittelten, in nachahmender Weise (deus ex machina) nach europäischen Mustern hinccstelltcn Faku.täten jene organische Einheit zwischen Land und Hochschule, von welcher eingangs die Rede war, voll• ständig fortfallcn müßte und man schließlich lediglich eine Heimstätte der für die allgemeine Wissenschaft mehr oder weniger interessanten Gelehrsamkeit schaffen würde, icdocli ohne zielbewußte Bedeutung für Erez-hrael. Diesen Passiva gegenüber kann kein Aktivposten aufkornmea, und somit ist die Bilanz entschieden passiv. 2. Welche Institutionen sollen den Anfang des Aufbauwerkes bilden? Antwort: Kcimanlagen aktueller Bedeutung. Hier sind 7.wei Begriffe näher zu präzisieren: jener der Keimanlage und ferner des Begriffes: aktuelle Bedeutung. Unter Kcimanlaga oder Kciminst.'tut versteht Referent ein Inst tut, welches in seinem Aufbau und seiner E nriciitung technisch in der Weise beschatten ist, daß es neben einer de« gegenwärtig waltenden Aniprüchcn, sowie, den zu Gehole stehenden Mitteln entsprechenden bescheidenen Anlage die Entwicklung ur.d den Ausbau zu größeren Instituten sichert, die im Laufe der Entwicklung allmählich notwendig werden. Der Begriff einer Keimanlagen bezieht sich jedoch nicht allein auf ein Spcziaünstitut, sondern die Kcimanlage gilt auch als solche hinsicht'ich ihrer Bedeutung für die Aus• gcstaltung, für das W c r d e 11 einer ganzen r akul tat. Eine solche entwich.ung$n1äß!g gewordene Fakultät wird jedoch keine bloße Nachahmung treu,der Muster mehr verstellen, sondern sic wird nach Maßgabe der geistigen und wirtschalt.ichcn Bedürfnisse des Landes organisch emporgewachsen sein. Der Begriff: aktuelle Bedeutung besagt wieder, daß man jene Institute als Kcimanlagen genannter Art in erster Linie berücksichtigen muß, die bereits gegenwärtig für die geistige und wirtschaftliche Entwicklung von Ercz• Israel in Betracht kommen. Während man also bei der schematischen Einrichtung ganzer Fakultäten ausschließlich akademische' Ziels im eures• päischen Lichte vor sich sieht, macht man sich durch die Errichtung von Keimanlagen vom Fakultätcnzwang frei und läßt Fakultäten auf natürliche Weise entstehen, wobei da* aktuelle Bedürfnismoment als Wegweiser eine positive Grund• lag« bietet, wogegen die willkürliche Erkhtung einer be• stimmten Fakultät rein akademisch-intuitiv fundiert ist■ 3. Welche KeitnInstitute sind von aktu* eller Bedeutung? Als Keiminstitute kommen in Betracht: a) Eine voll• ständige geistcswisscnschaft iclie und naturwissenschait ich• medizinische Bibliothek, die in ihrer heute möglichen Anlage bereits gesichert ist. Von ihr am, als Kri'ta'.lisations• Zentrum sorgcstcllt, wird der Ausbau samt'icher geistc*־ wissenschaftlicher Forschungs• und UnterriditTiügkcit ef* folgen können, die für die allernächste Zukunft als dringendsten Schritt die Einrichtung eine! orientalischen Instituts notwendig macht (Die einzelnen Funktionen eines solchen mögen aus Raummangel nicht weiter diskutiert werden, sie dürften aber für jeden ohne weiteres klar sein.) b) Ein Forschungsinstitut für Chemie, physikalische Chemie und solche Fächer, d:c nach chemischen Methoden arbeiten, desgleichen Biologie. Die Errichtung diese» K«1m־ Institute» für die spätere Entwicklung der modernen naturwissenschaftlichen Fakultät wird bereits seit mehreren JaUreo geplant. Seine W i eh t i gkft i t f ü r d i e L 111 w ick lung von Industrie und (lewe r be im La*. ieUtkei״* * א Art i n i Lau eh e du ׳:t ton« def der wirk sch» ZCliil wift , v. i r I« J' für best 7,uk , ei ß ' die pnd 1 si-*h 1 nur die h al1 kon! Mt. st nt 1 Seit : zur : 1 <|ic seit י ein! , mit 1 l'at wen : Um ’; per l '■ ■ mW;■ 1 sch' .. dav 1 cri< I, Dei. ׳ U'׳v 1 su,י > *.11• u.'K ■: : Fat ׳ '. aui wä 1' . siel " be!1 11 üix Ae l. Fa. dit I dal׳' * Ke 1 ei ri ־ sc1׳: IV i uni׳ he wi'l ־־,?י‘ fu1 11c sd!':: Ctl di Fdi; Ai riJ d< sc;, A er'' H nl\ ta׳• L'־ tv, trV tk A C\׳ b1 ui ti״, l F b l l V 1 k

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.