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Jüdische Rundschau · 1922-09-05 · Heft 70 (5.9.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 70 (5.9.1922)
Date
1922-09-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 70 l 4 ׳hcn Vp״ tl.ü Ulf mlo ein# ind 1n׳l I״ der Frei ta ״ ■ Sitzung folgte daun der B e r i c h t d c r JJudg et ko m m 1 ss 1©n. Berichte ■stattcr Dr Jacobson teilt mit, dal! die Komitiission bis sjMt in die Nacht versucht hat, durch die eine Lös»״״ der wklersp ׳:eilenden Anträge entstandenen Situation zu finden’. In der erste! Lesung wurde durch mehrere Zusätze ein orctentliciics Budget von ■120 00!) Pfand beschlössen. In der zweiten Lesung ist cs darin gelungen, nacli langen, gemeinsamen Be« nitungen mit dem Finanz- und Wirtschaftsrat Sich auf einen Vorschlag zu einigen, der eine Erhöhung von 27 000 Pfund be> inhaltet tmd von der Kommissien sowohl als auch toi« Finanz- und Wirtschaftsrat einstimmig angenommen wurde. Dr. Ha Ipern: Gestern .vimie in der K Ynmisri.-m auf Grund der Ausführungen der Vertreter der einzelnen Ressorts für jeder» Posten irgendeine Erhöhung angenommen. Dies lx> weist, <1:111 die Antrag steiler trif.gc Gründe vorgehr,teilt liabcn, was auch der Finanz- und Wirtschaftsrat anerkannt hat. Man ,miß jedoch zur Wirklichkeit zurückkchreti und sielt fragen, ■ wie weh ma 1 eine Verantwortung tiir das Budget übernehmen kann. Selbst verständlich kann cs sich nicht um eine juristische Verpflichtung handeln, sondern um eine moralische Verpfiieh- Hing, die die ganze Konferenz übernimmt, so zu arbeiten 11 ß das Budget atilgchrachf ist. Wenn es schon unzulässig ist eine defätistische Summung bezüglich der mutmaßlichen‘ Re« sultate der ücldaulbimgung zu verbreiten, so ist cs weit gcfiihr* lieber, die Meinung zu verbreiten, daß mit gekürzten Mitteln die Arbeit nicht weiter geführt werden kann. Referent berichtet «*dann über die nunmehr vorgescblagcncn Erhöhungen des gestern von ihm vorgclcgten Budgets: Der Posten ״Landwirtschaft“ wird erhöht aul 100 000 Pfund. Immigration, Arbeit tmd Förderung 'der Industrie und Handwerk erhöht auf 76 00) Erziehung erhöht auf 70 000 Pfund. An Stelle des Postens ,,Technikum״ wird eingestellt ^Vorbereitende Arbeiten für das Hochschulwesen“ wovon!000 Pfund für die geisteswissenschaftliche Fakultät bestimmt sind. Alle anderen Posten bleiben unverändert. Zum Posten Erziehung ist noch zu bemerken, daß der Betrag von 70 000 insofern garantiert werden soll, daß eventuell Schulden auf das nächste Budgetjahr vorgetragcu werden. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, daß fiir das Erzielumgswcscn in keiner wie immer gearteten Form ein Sonderfonds gesammelt werden darf. An Stelle des Punktes III des Budgets wird Ihnen folgende Resolution vorgeschlagen: ״Der von der Jahreskonferenz für das Jahr 56S3 beschlossene ordentliche Etat tritt an Stelle des vom 12. Kongroß bcvvilFgtcn ordentlichen Palästinabudgets. Im übrigen bleibt das vom Kongreß beschlossene Budget in Kraft.“ Diese Resolution erledigt auch die Frage unseres Verhältnisscs zum Nationalfonds, daß nämlich gemäß dem Kongreßbcscliluß nach Deckung des ordentlichen Budgets der Nationalfonds 20 Prozent der Gesamteingänge erhält. Bezüglich dc9 Nationalfonds schlagen wir Ihnen folgende Resolutionen zur Annahme vor: I. Der Zionistische Zentralrat entbietet dem Keren Kajemeth I.eiisrael zu seinem 20jährigen Jubiläum die herzliebsten Glückwünsche. II. Der Keren Kajemeth Lejisrael blickt auf eine rühmvolle Vergangenheit zurück. Der von ihm als unveräufierliches Eigentum des jüdischen Volkes erworbene Boden bildet die Grundlage unserer nationalen Heimstätte. Die große historische Rolle der Keren Kajemeth Lejisrael im Aufb.iuwÄüc ist durch die Beschlüsse der Londoner Jahres- Konferenz festgclegt, die ihn zum Träger der jüdischen Bodenpolitik in Stadt und Land bestimmt hat. III. Der Zentralrat erklärt, daß von der restlosen Erfüllung der Aufgaben des Keren Kajemeth Lejisrael das Gedeihen unseres Siedlungswesens in Ercz-Israel abhängt. Um seine Rolle durchzuführen, bedarf der Keren Kajemeth Lejisrael bedeutender Mittel, die ihm nur durch die Unter- Stützung des gesamten jüdischen Volkes zuteil werden können. In erster Linie sind aber alle Zionisten verpflichtet, an der finanziellen Stärkung des Keren Kajemeth Lejisrael mitzuarbeiten. Unabhängig von sonstigen Aktionen für den Aufbau Erez-lsracls muß die Arbeit für Geu'.ath Haarcz unermüdlich fortgesetzt werden. IVA Der Zcntralrat stellt mit Bedauern fest, daß in den bis 1020 von Jahr zu Jahr stetig wachsenden Einnahmen des Keren Kajemeth Lejisrael in letzer Zei ein cttmpfindlichcr Rückgang cingetreten ist. Der Zcntralrat richtet daher an das ganze jüdische Volk den dringenden Appell, den Keren Kajemeth Lejisrael vor Rückschlägen zu bewahren und fordert die Zionisten der ganzen Weit auf, sich mit allen ihren Kräften in den Dienst der Geulath Haarcz. zu steUcn. In der Schlußsitzung folgt die Abstimmung über das Budget. Berichterstatter Dr. Halpern bringt die einzelnen Posten des Budgets zur Verlesung, die sodann einzeln abgestimmt werden. Sämtliche Punkte werden gemäß dem Vorschlag de׳. Referenten angenommen. Lediglieh bei dem Punkte Hadassah wird mit Einverständnis des Referenten ein Antrag Dr. Eders auf Erhöhung um 3000 Pfund angenommen, so daß für Hadassah insgesamt 45 030 Pfund präliininiert wird. Dr. Halpern erklärt, der F. W. R. bedauere, daß er nicht in der Lage war, besondere Posten für Alijab und Hachanah in den einzelnen Ländern einzusetzen; er werde nach einem geeigneten Mittel suchen, um durch ein Ueber- «!״kommen mit den Leitungen der Keren Hajessod-Sammlungen m den einzelnen Ländern nach Möglichkeit diese Zwecke zu fördern. Zu dem Antrag Dr. Halpern, daß nach der Deckung יך gekürzten ordentlichen Budgets das vom Kongreß besebfossene Budget in Kraft bleibe, beantragt Dr. Margulies die Aufhebung der Verpflichtung zur Abführung von 20 Prozent an den Nationalfomis, Da das Direktorium sich damit nicht einverstanden erklärt, wird der Antrag Halpern in unveränderter Form angenommen. ׳ , Hierauf gelangt ferner das Budget des Londoner Büros m derselben Hohe, wie cs vom vorigen Kongreß festgesetzt wtirde, sowie die von der Exekutive vorgeschlagene Einführung «« ״poldenen Schekels“ zur Annahme.!Desgleichen wird die vorgeschlagene Begrüßungsrcsolutfon zum Jubiläum d«s Jüdischen National fonds angenommen. Sodann gelangt folgender Antrag des Herrn Jean Fischer zur Verhandlung: JUE DIS CHE RUNDS CHAT? Seife 400 ״Die jahreskonferenz möge eine Studicnkommlssion aus drei Personen ernennen, die nicht der Leitung angeboren, die die Frage der Reorganisation aller unserer Institutionen studieren und dein nächsten Kongreß Vorschläge machen soll.“ Nachdem Fischer den Antrag begründet hat und ein Antrag auf Ueberging zpr Tagesordnung abgclehnt ist, gelangt der Antrag Fischer zur Annahme. Griinbaum beantragt, das A.-C. mit der Durchführung dieses Beschlusses zu betrauen Fischer wendet sich dagegen und schlagt vor, In die Kommission möge das A.-C., der Jischuvv und de Gruppe der Unzufriedenen oder Extremisten je eine Person entsenden, wonach die Exekutive die Ernennung der Personal gut zuheißen hat. F>cr Antrag Griinbaum wird unter Protest von Fischer angenommen. Dr. Hn nt ke erstattet den Bericht der Keren Ha• jessod-Kommission Zu der von ihm vorgescblagcncn Resolution II, die der Exekutive auCcrlcgt, die Möglichkeit der Verlegung acs Keren Hajessod-II mptbiiros nach Palästina zu prüfen, beantragt Lipskv ein Amendement, wonach erklärt werden soll, daß die Konferenz den Wunsch ausspricht, das Hauptbiiro nach Palästina zu verlegen, Nadidcm das Amendement Lipsky mit 17 gegen 11 Stimmen angenommen ist, gelangen die Vorschläge der Kommission in fo'gcndcm Wortlaut zur Anna 11 tn c: Resolution I: Angenommen mit allen gegen 1 Stimme (De Liemc). Resolution II in der geänderten Fassung: ״Die Zionistische Jahreskonferenz spricht den Wunsch aus, daß das Hauptbüro des Keren Hajcssotl nach Palästina verlegt wird und beauftragt das Direktorium des Keren Hajessod, die Frage der Ucbersiedlung: des Hauptbüros des Kerea Hajessod nach Erez Israel za prüfen und den Aktionskomitee Aber die Ergebnisse zu berichten.“ Angenommen. Resolution III: ״Die Jahreskonferenz beantragt die Exekutive und den Finanz- und Wirtschaftsrat für eine systematische Zusammen« arbrit aller finanziellen Institute uni Fond« Sorge zu tragen, um die entsprechenden organisatorisches Maßnahmen za treffen, '״ , Angenommen mit allen gegen eine Stimme (De Lieme). Referat Ruppfn Wirtschaftliche Palästinaarbeit Dr. Arthur Ru pp in: Ueber die wirtschaftliche Tätigkeit in Palästina liegt Ihnen ein gedruckter Bericht vor, in welchem mit großer Ausführlichkeit alle Einzelheiten unserer Arbeit dargestcllt sind. Ich kntm mich deshalb hier auf einige Ergänzungen allgemeinen Charakters beschränken. Der letzte Kongreß hatte ein Budget von D/3 Midi. Ptd. aufgestellt. Wir sahen aller sehr bald, daß wir auf diesen Betrag nicht rechnen konnten. Posten, für die feste Beträge eingesetzt waren (Schulwesen, Immigration usw.), mußten zunächst voll gedeckt werden, bevor Beträge für Landwirtschaft und Industrie verfügbar wurden. Dadurch waren wir genötigt, viele landwirtschaftliche Arbeiten zu verlangsamen, zu ver« schieben «der zu unterlassen. Trotzdem war das Jahr in wärtschaftlichcr Beziehung zwar quantitativ unbefriedigend, quaiitativ aber besser, als es mit Rücksicht auf die ungünstige fmanzicllc Lage zu erwarten war. Das Verdienst daran hat nicht die Zionistische Exekutive, sondern die Menschen, die in unseren Betrieben arbeiten und die von höchster Begeisterung und Arbeitswillen erfüllt sind. Unsere Chaluzim können freilich nicht mit Arbeitnehmern verglichen werden, die sich den lnstniktioucn widerspruchslos zu fügen haben, die der Geldgeber erteilt. Sie fühlen sich dem Geldgeber gegenüber glcichbercditigt, und dies mit vollem Rechte. Ich würdige in unseren Arbeitergruppen das ernste Streben nach Schaffung besserer sozialer Lebensformen. Freilich vernachlässigen sic dabei vielfach das Prinzip der Wirtschaftlichkeit. Unsere Einwanderer haben dort, woher sie kommen, nicht wirtschaften gelernt; das können sie nur durch die Erfahrung in Palästina selbst lernen. Für die Notwendigkeit der Erziehung zur Wirtschaftlichkeit finden wir bei vielen Arbeitern volles'Verständnis. Es ist wuchtig, das Verantwortungsgefühl in den Arbeitern zu stärken. Von besoliderer Bedeutung wird cs sein, die Arbeiter in die Lage zu versetzen, selbst eigene Mittel in die Wirtschaft zu stecken. Gemeinsam mit den Arbeiterorganisationen streben wir die Schaffung einer Arbeitersiedlungs-Gesellschaft an, die das ermöglichen soll. Im letzten Jahre haben wir mehrere neue Siedlungen im Emck Jesrccl errichtet, die sich dank dem ausgezeichneten Menschemmtcrial günstig eiltwickeln. Wenn wir ihnen in den nächsten zw’ci Jahren die allcrnötigslcn Beträge geben können, die sic brauchen, werden wir hier, wie ich zuversichtlich hoffe, die ersten Beispiele jüdischer Siedlungen haben, die in kurzer Zeit zur Selbständigkeit gekommen sind. Viel erwarte ich auch von der!andwirtschaltlichcn Versuchsstation. Ich bin in bezug auf die Land- Wirtschaft optimistisch. Vielleicht wird gerade sic sich, schneller als wir denken, als der sicherste ökonomische Pfeiler für Palästina erweisen. In industrieller Beziehung haben wir die Einwanderer, die nicht in der Landwirtschaft Beschäftigung fanden, bei öffentliehen Arbeiten und Bauten beschäftigt. Ich warne aber davor, unsere Einwanderung in Zukunft auf solche vorübergehenden Arbeiten zu basieren, die keine dauernde Existenz schaffen. Die Zahl der Einwanderer ist durchaus abhängig von den ökonomischen Möglichkeiten, die wir ,in Palästina' schaffen. Als der letzte Kongreß ein Budget von 1 3'י Mill. Pfd. beschloß und mich fragte, wie viele Einwanderer damit Existenz finden könnten, nannte ich mit aller Reserve die Zahl 30000. Wir erhielten nur 500000 Pfd. und verhalten damit 0000 Einwanderern zur Existenz, allerdings zum Teil nur in vorübergehenden Beschäftigungen. Wenn wir im neuen Jahre nicht mehr als im Vorjahre erhalten, werden wir damit nur eine kleinere Zahl als 0000 Eimvanderer herciubring:!! können, da in den erwähnten vorübergehenden Arbeiten kein Platz mehr ist. Wir müssen aber die Mittel für die ökonomische Arbeit in Palästina vergrößern. Es grübt dreierlei Aufgaben, die wir in Palästina zu erfüllen haben: Rein geschäftliche, bei denen das Kapital sicher angelegt tmd ein Zinscncrtia״ mit Bestimmtheit zu erwarten ist (erste Hypotheken auf städtische Häuser, Kredite in bankmäßiger Weise für Industrie und Handel, Bodenkauf usw.), ungeschäftliche,, bei denen keine neuen Sachwerte geschaffen werden (Schulwesen, Sanitätswestii, Spesen fiir Administrntion• und Organisation) und halb geschah liehe Ausgaben, bei denen zwar das Kapital in Sachwerten angelegt wird und einen Aktivposten hinter sich läßt, die Verzinsung aber unsicher bleibt. Ausgaben fiir landwirtschaftliche Kohvni'sation, für Förderung neuer Ind nslrn'ii, die noch nicht bank reif sind, vielleicht auch zweite Hypotheken. Da .!He Zweige der Tätigkeit in Palästina eng mit einander Zusammenhängen'und die Vernachlässigung eines Zweiges auch mif alle anderen Zweige ungünstig zuriiekwirkt, müssen wir derzeit für alle Bedürfnisse des sozialen Lebens sorgen. Vor dem Kriege bestand unsere Einwanderung großenteils aus begüterten russischen Juden, heute ist der fhozentsatz der bemittelten Ein warn lerer sehr klein. Ich wäre sehr dafür, möglichst viel der Privatinitiative zu überlassen, wenn es eine Privatinitiative großen Stiles gäbe. Sie existiert aber heute mir in kleinstem Maße. Unter den fiir Palästina interessierten Juden gibt cs «solche, die CHd geben, aber nicht nach Palästina gehen und solche, die nacli Palästina gehen, aber kein Geld liabcn. Wir müssen also zum grölilcn Teile das Geld für die Arbeit in Palästina von jenen nehmen, die etwas für Palästina tim wollen, aber nicht selbst hingchcn, und müssen mit diesem Oelde diejenigen an siedeln, die selbst kein Geld haben. Das Geld für die sicheren Anlagen sollten wir so schaffen, daß wir eine besondere Eriiissionsstelle, etwa als Abteilung des Jcwisli Colonial Trust, errichten, die sich aussriilicßliai mit dem Vertrieb der Anteile von rein wirtschaftlichen Unternehmungen befaßt und von einem Mann geleitet weiden soll, dessen Name dafür bürgt, daß die von ihm empfohlenen Anlagen Vertrauen verdienen, Der Keren Hajessod sollte weiterhin fiir die nichtgcschäftlidien Ausgaben sammeln, doch sollte man fiir die letzten besondere Fonds schaffen, die innerhalb des Keren Hajessod stehen, z, B. einen Kolonisationsfond;, der ein Untcrfqrids des Keren Hajessod ist, aber gesondert .unter geschäftlichen Bedingungen verwaltet wird und später vielleicht zur vollen Selbständigkeit aufsteigt. Ich hätte noch einen Vorschlag, gegen den allerdings von den Experten des Keren Hajessod Bedenken technischer Art geltend gemacht werden, die aber vielleicht überwunden werden könnten. Vielleicht könnte man als Parole für den Keren Hajessod ausgeben, daß er für eine gewisse Zeit noch das Budget für Schulen usw. deckt, in steigendem Maße aber Landwirtschaftliehe und städtische Siedlungen gründet, die dadurch in eine persönliche lebendige ßeächung zu den Geldgebern gebracht wenden sollen, daß die Geldgeber bei Hergabe eines gewissen Betrages als Stifter einer bestimmten Siedlung auftreten. Vielleicht könnte man so jede größere jüdische Gemeinschaft dazu bringen, in Palästina eine Siedlung unter ihren Auspizi«? zu gründen. Klar ist eines: Wir müssen neue Wege zur Heranziehtuyj von Mitteln finden. Dis Budget, das wir Ihnen vorlegcti werden, kann, wenn wir es auch derzeit nicht erhöhen können, nur für «in Jahr allenfalls noch ertragen weiden. In den kommende« müs gefeiert. Sorgen Sie dafür, daß wir wenigstens nach wel* tcren 25 Jahren das Fest der ökonomischen Konsolidierung Palästinas feiern können. (Lebhafter Beifall.) Referat Feiwel Keren Hajessod Dr. Feiwel: Dieses Referat über den Keren Hajessod ist eigentlich etwas vorzeitig und unvermittelt gehalten. Es wäre gut, wenn wir erst Klarheit hätten über den politischen Weg, das finanzielle Ausmaß unserer Aufgaben in der nächsten Zukunft und über das System der finanziellen Zusammenarbeit unserer Institutionen, bevor war von dem Einzclinstitut des Keren Hajessod sprechen. Wir wollen einmal einfach, aber ernsthaft Rechnung über den Keren Hajessod ablcgen. Wir wollen das umsomehr, als 90gar Stimmen laut gewarnten sind, er sei ein Fehlsdalag: eint» Hchauphmg, die schon gemacht wurde, als der Keren Flajessod durch eine Verkettung von Umständen in einen inneren Kampf im Zionismus hcreingcziwm worden ist. Das Ergebnis des Keren Hajessod in seiner ungefähr einundcinhalbjährigen Gcscliichte reicht an 600000 P.'ujkI heran. Verglichen mit den 50009 Pfund, d:c die Zionistische Organisation in den Jahren vor dem Kriege aufzubringen pflegte, ist dies immerhin ein ganz beträchtliches Anwachsen; im Verliiiltnis 711 dem Wachstum unserer Aufgabe ist dieses Ergebnis zweifellos noch gering. Gründe dafür sind die äußerst schlechten Verhältnisse der Zeit, in welche die Gründung des Keren Hajessod gefallen ist. Dazu kommt die Depression in der jiidischen Welt in der Zeit zwischen Balfour-Dcldaration und Mandat und die Unruhen in Palästina, welche der Propaganda sehr abträglich waren. Schließlich hat der Keren Hajessod von Anfang an mit dem Problem der Notwendigkeiten des Augenblicks zu rechnen gehabt. Das Urteil mußte anders .nisfallcn, wenn er als Fonds gegründet worden wäre, der das Geld zunächst für eine gewisse Zeit hätte thesauricren und mit seiner Organisation und Propaganda ruhig und systematisch hätte Vorgehen können. So aber mußten, bevor er irgendwie sich konsolidieren konnte, seine Mittel sofort zur Deckung des palästinensischen Budgets herangezogen werden. In Anbetracht aller dieser Schwierigkeiten können wir sagen, daß der Keren Hajessod ein Erfolg war und ein noch viel größerer zu werden verspricht. Es ist keine Kleinigkeit, daß heute bereits 150000 Juden in der Welt fiir den Keren Hajessod beisteuern, 150 000 Menschen stellen, als Repräsentanten von Familien gesehen, ein« halbe Million Juden dar. Nach der psychologischen Seite ist die Beeinflussung durch den Keren Hajessod noch weit größer. J111 Keren Hajessod ist alles eine Frage der Quantität. Trotz -aller Bemängelungen 101<l alter Kritik glaube ich sagen zu können, daß das Grundsystem des Keren Hajessod gesund, zweckmäßig und organisatorisch richtig ist. Er ist allen drei Bedürfnissen Palästinas, von denen Rsrppi.11 gesprochen hat, gewadiscn. Dabei blieb noch «ine Funktion, fiir die er außerordentliche, bahnbrechende Bedcutung hat unerwähnt. Gewisse' Unternehmungen erhalten durch ihn die Möglichkeit, über die ersten Schwierigkeiten lunwcgzukommen, De Hypothekenbank und das Riitenberg* Projekt sind in ihren Anfängen auf diese Weise durch den Keren Hajessod gefördert worden. Audi für die Folge wäre es gut, daß der Keren Hajessod bei öffentlichen Wirtschaftliehen Unternehmungen sich in Form von Darlehen oder Geschäftsanteilcn beteiligt. In dem, was der Keren Hajesrod heute tut, ist Belebendes und Anregendes genug. Aber cs ist kein richtiges Verhältnis in den Ausgalzen hinsichtlich dessen, was man produktiv und was man unproduktiv nennt. Es wäre sicher für die Propaganda vorteilhaft, wenn man auf neue Kolow'cn und depgL!»״weisen könnte. Aber atidi hier muß der Keren Hajessod sich den Notwendigkeiten fügen. Eine kleine Erhöhung, etwa um 200000—300 000 würde das ganze Bild seiner Leistungen und auch die Propaganda verändern. Den

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