Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 68 (29.8.1922)
- Date
- 1922-08-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 450 JUEDISCH E RUNDSCHAU Bücherschau Dr. Fritz Stemberg: ״Die Juden als Träger einer neuen Wirtschaft in Palästina“, Wien 1921. Es ist wohl eine der schwächsten Seiten unserer bisherigen Palästina-Literatur, soweit sie sich mit voikswirtschaftlichen Fragen befaßt, daß sie fast immer auf das Allgemeine, Zusammenfassemte, ich möchte sagen! mehr Literarische ausgeht und hierbei das reale, sich'vor den Augen entwickelnde Wirtschaftsleben mit seinen Fragen und Bedürfnissen vernachlässigt. War dies vielleicht in den ersten Jahren der Bewegung und der Palästina-Arbeit, wo cs galt, sich überhaupt zurcchtzufinden, einen Ueberblicfc über das Bestehende una das zu Schaffende zu geben, mehr das Volk, als das Land zu beeinflussen, am Platz und berechtigt, so ist dem doch heute, wo wir vor ganz realen, dringenden Aufgaben in bezug aut das Wirtschaftsleben in Palästina stellen, gewiß nicht mehr so. Wir müssen unbedingt mehr ins Detail gehen, mehr genau werden, mehr Verantwortung spuren für jeden Satz und jeden Vorschlag, den wir niederschreiben, da wir sonst Gefahr laufen, daß das zionistische, volkswirtschaftliche Schrifttum seine Aufgäbe als richtunggebender Faktor beim Aufbau des Landes nicht erfüllt. Es wird vielleicht viel gelesen und viel diskutiert werden, aber auf das Wirtschaftsleben ac3 Landes keinen Einfluß ausüben und ausüben können. — Ich könnt« für diese meine Behauptung kaum ein kiasst• schere! Beispiel finden, als das Werk von Fritz Stern• borg. Auf 240 Seiten Kleinformat wird hier der Vor• such unternommen, nicht nur alle Fragen des Wirtschaftslcbcns in Palästina zu besprechen und Vorschläge bezüglich Aenderung und Neugestaltung zu geben, soudern auch das arabische Problciy zu beleuchten und theoretiseh zu lösen und schließlich cm Programm des sozialen Aulbaus zu schaffen. Es ist daher nur allzu verständlich, daß der Verfasser keiner einzigen der drei Aufgaben gerecht werden konnte, obwohl er sich, was ohne weiteres zugegeben werden mag, in einigen Fragen (insbesondere was die Bodennationniisiemng betrifft) die erdenklichste Mühe gab, etwas genauer zu werden. Oft, sehr oft muß dagegen, schon aus der Natur der Anlage des Werkes, eine Oberflächlichkeit der anderen folgen und müssen 1 hesen aufgcstclft werden, die bei einer genaueren Untersuchung absolut nicht gehalten werden können. Man kann sich beim Lesen des Buches des Eindrucks nicht verwehren, daß es in aller Hast ge• schrieben und bei Behandlung gar mancher Frage in der Mitte abgebrochen worden ist, während sich doch bei tieferer Behandlung ganz andere Resultate ergeben hätten. Daß er Fragen, wie Art und Größe des landwirtschaftlichen Betriebes, Entwicklung der Industrie und ihre Organisation genau und in Anlehnung an die unmittelbare, palästinensische Wirklichkeit behandelt I1.1t, wird wohl Sternberg selbst nicht behaupten wollen, ln der Besprechung der arabisch-jüdischen Beziehungen ist er über die bisherigen, oft, vielleicht zu oft, wiederholten und daher ihre überzeugende Kraft allmählich verlierenden Argumente nicht hinausgekommen. Ich glaube, wir müßten doch einmal aufhören, uns selbst und aen Arabern vorzuzählen, welch große Vorteile ihnen unsere kolonisatorische Tätigkeit bringt, da dies doch nicht hilft, und dafür uns ernstlich überlegen, wie wir mit den Arabern mitarbeiten könnten, um eine Annäherung zustände zu ■bringen. Solche Vorschläge tun uns not. Ich sudie umsonst nach ihnen in Stembergs Werk. Aber auch im zweiten Teil, der den Gedanken zum sozialen Aufbau gewidmet ist und der von Sternberg offenbar viel genauer bearbeitet worden ist, strotzt cs, insbesondere in den zwei letzten Kapiteln, von Ungenaiüg• keiten und leider auch Beweisen von mangelnder Kenntnis der Verhältnisse im Lande. Stcnjbcrg gibt am Schluß des Werkes seiner Hoffnung Ausdruck, daß seine Betrachtungen nicht zur Literatur über die Kolonisation Palästinas gehören, soudem einen kleinen Baustein zur Kolonisation selbst beitragen würden. Ich glaube nicht, daß diese Hoffnung berechtigt ist. Würde Stcrnbcrg beim Nicdcrschrcibcii des Werkes sich vor Augen reale Tatsachen und Bedürfnisse gehalten haben, er wäre nicht dazu gekommen, programmatische Forderungen zu stellen, sic dann in der Folge als reale Wirklichkeit zu betrachten und aut solch einer Grundlage vom Aufbau des Wirtschaftslcbcns des Landes zu sprechen. Und doch ist dies der Fall. Stcrnbcrg spriciit sich für die (heute, Gott sei Dank, als selbstverständlich betrachtete) Bodennationaüsicrung aus, glaubt, gleich Oppenheimer, daß die Aufhebung der Bodensperre die Losung der sozialen Frage bedeute und sucht auf ihrer Grundlage alle weiteren Fragen, insbesondere die der Entwicklung der Industrie, zu besprechen. Man kann sielt kaum einen krasseren Mißgriff vorstcücn, als den, die Proklamiert»^ der Bodcnnationalisicrun״ mit der Aufhebung der Bodensperre gtcichzusetzen. Dadurch, daß wir feierlich beschlossen haben, cs solle der gesamte Boden in Palästina nur Eigentum des Volkes werden, ist uns Wahrheit kein Quadratmeter Boden zugewachsen. Wir müssen Ihn, nach wie vor, hauptsächlich durch Kauf erwerben und werden cs, angesichts der nicht allzu großen Geldcingänge der Zionistischen Organisation und der ständig steigenden Bodenpreise wohl durch Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte machen müssen, bis wir den gesamten freien Boden Palästinas in unseren Händen haben werden. Und einen anderen Faktor als das jüdische Volk, der für die Durchführung der Bodennationalisicrung in Betracht käme, gibt es nicht. Gegen die Verstaatlichung des Bodens durch die englische Mandatarmadit spricht sich ja Sternberg selber aus. Es wird also von einer Wirkung der aufgehobenen Bodensperre auf Jahrzehnte hinaus in Palästina nichts zu spüren sein. Der Arbeiter wird eben in der Fabrik oder in der industriellen Produktivgenosscnscliaft arbeiten müssen, weil ihm kein Land zur Verfügung stehen wird, selbst wenn es mit den Oppenheimerschcn Grundsätzen richtig ist. Wir wären wahrlich froh, wenn wir unsere Arbeitslosen im Land, deren Zahl schon in die Tausende zu wachsen beginnt, in Fabriken unterbringen könnten, Die Frage der Organ!״ satkm der Industrie ist somit für uns gewiß keine sekundäre, und die Frage: Genossenschaftliche Produktion oder priva!wirtschaftliche verliert absolut nichts a!1 Bedeutung. Es heißt geradezu den Tatsachen ins Gesicht sdilagcn, wenn man dns Übersicht und Fragen der bin- | testen Realität sub specic actcrnltatis behandelt, um daraus Konsequenzen tür die unmittelbare Gegenwart zu ziehen. Ich will nur auf drei Fragen hin weisen, deren Behandlang durch Stemberg als Warnung dienen sollte. Da ist zunächst die Frage der Industrie. Idi glaube, wir sind darüber einig, daß dies eine Frage von ausschlaggcbcmler Bedeutung für die Zukunft Palästinas ist. Ein rein Inudwirisrhaftlichcs Palästina wirrt seine Bevöikcnm״ nidit ernähren können, so wie cs_ sic heute nidit ernähren kann. Eine kräftige Industrie wird zur Lebensnotwendigkeit, wenn das katastrophale Mißverhältnis zwischen Import und Export verschwinden soll, das das Land ohne die bedeutenden Zuschüsse von außen, die in ihrer heutigen Größe gewiß nidit normal sind, in cinigen Jahren ruinieren würde. Ist man sich aber darüber klar, so darf man die Frage nicht mit einer Aufzählung der im Lande befindlichen Rohstoffe, die verarbeitet werden könnten, abtun und glauben, dadurch schon die Möglichkeit der liidustricalisierung Palästinas bewiesen zu naben.׳ Dies ist ein Unfug, den sich zuerst Trietsdi zuschulden kommen ließ und der seit dieser Zeit in unserer nationaiökonomischcn Literatur sidi bedauerlicherweise fortpflanzt. Soll die Frage wirklich ernst an.gcschnitten werden, so müßten doch zumindest die drei Möglichkeiten bewiesen, bzw. untersudit werden: 1. Die Möglichkeit, den Inländischen Absatz für die palästinensische Industrie zu erobern. (Die von Stern* licrg ala für die Zukunft die wichtigste angeführte Textilindustrie erstickt heute im Lande unter dem Druck der ausländischen billigen Konkurrenz!) 2. Die Möglichkeit des Exportes, da cs doch klar ist, daß eine großzügigere Industrie (und die palästinensischc Industrie muß großzügig weiden, wenn sie die Ungunst des Kolilcnmangds überwinden und den Arbeitern eine menschenwürdige Existenz ermöglichen soll) vom Absatz ins kleine Palästina mit ganz geringen Ausnahmen (etwa der Bauindustrie und der mit ihr unmittelbar verknüpften Zweige) nicht leben kann und 3. Die Möglichkeit einer, wenn auch nur geringen, Rentabilität, die nicht nur von den beiden bisher genannten Bedingungen, sondern auch von einer Reihe anderer Faktoren (Verkehrs- und Transpartverhäftnissc, Eisenbahn- und Schifftarifpolitik, wirtschaftliche ,Lage der Länder, in die exportiert werden soll usw.) abhängig ist. Tritt man an die Frage der Industrialisierung Paläsfiuas von diesem einag• möglichen Standpunkt heran, sofern positive Erfolge erzielt werden sollen, da rollt sich eine ganze Reihe von Fragen von ungeheurer Bedeutun״ auf, Fragen der 2011• und Steuerpolitik, des Prämiensystems, der Unterstützung durch die nationalen Kolonisationsbcliörden, der Organisierung des Absatzes ins Ausland, der Vcrkchrspolitik una noch viele, viele andere, von denen jede gewiß mit viel mehr Genattigkeit untersucht werden sollte, als cs Sternberg mit dem ganzen Problem übcihaupt tut. Was hilft uns sonst der Hinweis auf die großen Kapitalien der Juden im Ausland? Sie weiden (auch die der Zionisten) gewiß nicht herübcrkommeii, solange sic nicht die Gewißheit haben, daß eine Industricpolitik in Palästina keine Bankiottpoiiiik ist und daß eine, wenn auch nur mäßige Verzinsung erreicht werden kann. Und Ausführungen ä la Stcrnbcrg werden sie doch davon nicht überzeugen können. Zweitens: Die Genossenschaftsfragen. Auch da handelt cs sich um eine Lebensfrage für Palästina und zwar nicht nur vom ökonomischen, sondern aueli vom sozialen Standpunkt. Ich verstehe schon, daß man sich der gewerblichen Prodiikiivgenosscnschaft gegenüber angcsichts der bisher in Europa gemachten Erfahrungen skeptisch verhalten kann, obwohl sidi tin Falle eines gesicherten Absatzes, wie er durch Verbindung oder Unterstellung unter eine Konsumgenossenschaft erreicht werden kann, die von Oppenheimer aufgczähltcn SeJivvierigkeiten und sozialen Rückschritte nicht ergeben. Aber man komme doch nicht bei Besprechung der paiästinensischen Wirklichkeit mit der Ungeheuerlichkeit, daß wir gewerbliche Produktivgenosscnschaftcn vernachlässigen oder gar bekämpfen sollen, weil durch sie der Kreis der Spieler um den Mehrwert vergrößert und der Privatkapitalismus auf eine erweiterte Basis gesteift werde. Du mein lieber Gott, Dann müßten wir doch sofort alle unsere Kwuzoth, unsere Genossenschaften zur Ausführuug öffentlicher Arbeiten und unsere Handwerkergcnosscnschaftcn in den Städten aufiösen, Ua sic ebensoviel Stätten sind, wo der Mehrwert aufgehäuft wird! Wüßte Stcrnbcrg, daß eine jede in Palästina neu entstehende Produktivgcnossensciiaft, ob es sich nun um eine landwirtschaftliche Kwuzah, uni eine Arbeitsgenossenschaft oder um eine Handwerkergenossenschaft handelt, ,von der ganzen Arbeiterschaft des Landes ohne Unterschied der Partei mit Freude und Stolz begrüßt wird, da sie eine Stätte freier Arbeit schafft und die Sn Paiästina so ausgesprochen zutage tretende Tendenz zur Vergenossenschaftung stärkt, er würde gewiß nicht dieses billige Selling wort wiederholt haben, hinter dem vielleicht in dem hocliknpitnlistischcn Europa etwas stecken mag, das aber, auf Palästina angcwcmict, nur von einem krassen Unverständnis für die Verhältnisse im Lande zeugt. Sternberg verläßt übrigens in der Folge selbst diesen ganz unmöglichen Gedanken und scheint an einen Genossensehaffssozialisnius, etwa im Sinne der Genossenschaftsschule von Dimes zu denken, fällt aber natürlich infolge der oberflächlichen Betrachtung der Dinge wiederum in Widerspruch nicht nur mit der gesunden Logik, sondern auch mit seinen eigenen früheren Ausfuhrungen. Wie könnte er sonst für ein Land, das nach seiner eigenen Meinung (der ich übrigens ganz beipflichte) nicht nach übertriebenen Fotderungen -der Autarkie aufgebaut werden sollte, sondern die ihm von der Natur gegebenen Möglichkeiten iür einen großzügigen Pflanzungsbau ausnfitzen müßte, die Forderung der Beherrschung des Wirtschaftslebens durch die Konsumvereine stelle״? Wie soll sich die Verbindung zwischen den landwirtschaftlichen Prodtrktivgciiosscnschaflcn und den Konsumvereinen gestalten, wenn die erstcren in der Hauptsache Wein, Orangen, Mandeln u. dgl. produkte ab'iefern, die für den Export bestimmt sind una für die die Konsumgenossenschaft auf keinen Fall Absatz im Lande finden kann? Das von Sternberg zitierte Beispiel der Verbindung zwischen den dänischen Produktivgenossenschaftca und den englischen Konsum• 4, sagen ״ tat״,;״ ien. I^;: visier״! .״V-'lfC buc1• n rt, und;״1 tna au<׳!!Objek;,;tjrdc. ha י .-■14 auf eres ^)״,. 11 di crniädiüfl 'r.-.ora Kr. 08 genossenschaftcn beweist ja gerade das Gegenteil \>,n rum haben sich denn die dänischen Produktivg״növ;M n* E schaffen nidit mit den dänischen Konsumgeno-sen7!* teil, die ja auch gut entwickelt sind, verbunden? \־ dien, weil für die großen Mengen von Milch, Bu!1Cr' Eiern in Dänemark selbst absolut kein Absatz zu fj;;: ist. Daß man sielt dann beim Export mit eien Koni'- genossenschaftcn anderer Länder in Verbindung ist zwar an sich sehr zweckmäßig, wenn auch nicht im~ durchführbar, hat aber mit der Zentralisierung t nosscnschattswesens nichts zu tun. Die Stemberr;׳ Auffassung ist da geradezu widersinnig. Die Verrt•!! senschaftiing Palästinas kann sidi eben nur durch von freien, von einander ganz unabhängigen, wenn natürlich in Fühlung miteinander bleibenden Zcntrip Wissenschaften vollziehen, von denen sieh die einer, ( Konsumtion (worunter ich auch die Versorgung der | völkcrung mit gewerblichen Artikeln im Wege von s; I* hängigen Produ'ftivgenosscnschaften oder Produktivan׳’ I ,ה,; gen verstehe), die anderen der Produktion fürs Ausl!! ׳ " und den Export widmen werden. Wir werden oh• »f)1 große, freie Absatzgenossenschaften in Palästina 1 V.1 ausltommcn. J Re P u 0 זeחz zl ל e C1 '1י c (8גו mal* eit oder sehen,;:,.1Cresl־.ie ־,nti def Volke ein! VölkerbU mit allen icwissc mir erwi! vtrsfmdt!!.10 zwi׳ trliücßlic Msfgabe wickeln, ihren Al eißi'rung id klare i'ic r־־fte Wen!0 empf< con gesi iktucll u ich auf auf die De f׳ e Dis! Und mm die Frage der Gewinnbeteiligung und Teilnahme der Arbeiterschaft am Betriebe. Ich w;,; wahrlich froh, wenn wir in Palästina bereits so w, wären, daß die Frage von aktueller Bedeutung wetc-, könnte. Sie wird es aut fange Jahre, vielleicht Jv; zehnte nidit sein, da doch von großen Gewinnen in i> Industrie vorerst nidit die Rede sein kann. Aber Ster berg widmet der Frage ein ganzes Kapitel und da ׳ sich wiederum durdi Sdilagworte verleiten läßt u: Schlüsse zieht, die eben nur auf dem Papier möglich sin. so muß ich doch auf das Gelährliche eines derartig. Verhaltens aufmerksam machen, obwohl ich mich h natürlich nicht in lange theoretische Auseinandersetzung; entlassen kann. Man kann sich der Gcvinnhctciligu, der Arbeiter und der Teilnahme am Betriebe widersetze Man kann cs, wenn man glaubt, daß hierdurch die!nie essen der Arbeiter geschädigt werden könnten, incic die Einführung der Gewinnbeteiligung eine Kürzung!: festen Löhne nach sich ziehen kann oder eine and; Uebervorteilung der Arbeiter möglich uncltt. Dies \vä; ja auch die Hauptursache der ablehnenden Haftung d Gewerkvereine in Europa gegenüber dem Prinzip C. Gewinnbeteiligung. Man müßte sich eben in diese־־ Falle darüber klar werden, ob solche Gefahren auch Palästina vorliegcn und ob nidit etwa wegen der art des in Betracht kommenden Mcnschcnmaterials in der Eigenart der Verhältnisse es fn dieser Beziehung da anders werden könnte. Aber man darf auf keinen Fr; wenn man ein ״marxistisch geschulter Sozialist“ ist, wer־ man sich nun einmal überzeugt hat, daß man Palästina nicht sozialistisch im Sinuc des Marxismus aufbaucn kann die Gewinnbeteiligung als kapitalistischen Auswuchs bekämpfen. Denn Stcrnbcrg wendet da dieselben Arja■ mente an, mit denen er den gewerblichen Produktngenossenschaftcn jedwede Bedeutung abzusprechen such!. Ich kann ihm darauf nur dieselbe Antwort geben. Oder glaubt etwa Sternberg, wir sollten co nach Ablauf eine; gewissen Zeit auf einen Klassenkampf, Expropriiert!:; der Expropriateure 1111J was da noch aus der Rüstkainai;: der Schlagworte hervorgciioit werden kann, ankomni« lassen? Wäre cs nicht viel logischer und zweck,•näüigc׳ wenn auch nicht ganz ״marxistisch“ da man sich doc:. teilweise zum Genossenschaftssozialismus bekannt hat, sich zu überlegen, wie eine immer stärker werdend: Verknüpfung des Arbeiters mit der Fabrik, in der e! arbeitet, zustandegebracht und vielleicht aueli ein allmäh■ Heller Uebergang der Fabriken in den Besitz von Oe nosscnschaften vorbereitet werden könnte? Und noch eines. Stcrnbcrg stellt sich die Frage dt! Verhältnisses zur Arbeit doch viel zu einfach vor. M doch ist sic von erstklassiger Bedeutung für uns. Gelingt es ־.:ns nicht, die Produktivität der Arbeit in Palast© in hohem Maße zu steigern, dann haben wir keine Aus• sicht, da wir mm einmal Nachzügler sind, im inicniatioa-. len Weltkampf uns eine gebührende Steilung zu erobern. Dies ist aber nicht möglich, solange der Arbeiter nicht mit der Arbeit verwachsen ist, solange sein Interesse >ג der Leistung nicht ebenso stark ist, wie das Interesse de: Volkswirtschaft. Was hilft von diesem Standpunkt a'J! die Verbindung von Stadt und Land? Eine Beschäm• gung muß ja die Hauptsache sein, entweder die gewetb* liehe oder die landwirtschaftliche. Daß das Leben eines Industriearbeiters durch seine landwirtschaftliche Neben• bcscJiäftiguiig schöner gestaltet werden kann, ist gewi״ und datier die Dezentralisierung der Industrie womoglfc. zu befürworten. Aber cs handelt sich doch bei unsere: Frage tun das Verhältnis zur gewerblichen Arbeit. Da:• auf heißt cs Antwort zu geben u. zw. eine Antwort von Standpunkt der wahren Bedürfnisse des Landes. Ich könnte in der Aufzählung der Sünden des Sternbergsdien Budtes noch lange fortfahren. Aber es handelt sidi mir gar nicht darum. Ich will gegen Stemberg selb« absolut nichts' gesagt haben. Ich bin überzeugt, d*׳ Stcrnbcrg, wenn er alles genauer untersucht und durch• dacht hafte und warn es ihm nidit daran gelegen gewesen wäre, auf einigen Druckbogen eine Volk s wirf schaits• una Sozialpolitik für Palästina zu geben, in vielen, sehr viele» Fragen zu anderen Ergebnissen gekommen wäre. Was ich also in dieser Besprechung bekämpfen wollte, «V einzig und allein die Methode, die sich in Stcrnbcrg5 Buch verkörpert und die darin besteht, immer auf das Allgemeine auszngehei! Untersuchungen ru liefern, & denen jedwede Spezialfrage zu kurz kommt und deren Bedeutung für den Aufbau des Landes gleich null ist. Id stelle mir die Aufgabe eines zionistischen Nationalökono■ men ganz anders vor. Seine Schriften sollen, nach gründlichem theorelisdiet! Studium der in!Betracht ko«'- tuenden Fragen und womöglich noch gründlicherem St״• diuni der Verhältnisse iin Lande ausgearbeitet, zu Führe1״ und Ratgebern werden für den Industriellen, den Arbeiter, den Landwirt und den Vcrwaltungsbeamtcn und aut ״)ן• volkswirtschaftliche Tätigkeit von ausschlaggebende®, segensreichem Einfluß werden. Denn sonst schaffen wir ja nur Literatur, — Dr. A. .Tartakower. Am S o 0« R. Berlin, Roth. sehen Klc R ״Grünt tneinde ״Sozia Gr R ,.Rieht Dr. E Arbeit Kl R So eret }V ei z hard I Teil » Sie VC l <ier 2 sie t. < [!eher