Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1922-08-25 · Heft 67 (25.8.1922) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 67 (25.8.1922)
Date
1922-08-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2652410-2652469--15139-2673581
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

r וי *eite 444 JU ED IS CHE RUNDSCHAU A.-C.« Sitzung : I Äm Dienstag1, den 22. August, ,Wurde die Sitzung des Oroßcn Aktions-Komitees, die der JahrcsJconferenz vorausgehcn soll, feierlich eröffnet, nachdem bereits seit Sonntag Besprechungen stattgefunden hatten. So ko low eröffnet die Tagung, gedenkt der Verstorbenen und erinnert an die wichtigsten Ereignisse, vor allem die Ratifizierung des Mandats. Dr, Chajes-Wicn begrüßt die Erschicnenen namens des Präsidiums des' Aktions־ Komitees, Je Hin in hebräischer Sprache namens der Palästinenser. Die Sitzung wird dann abgebrocken, um Vorschläge für die nächste Sitzung ausarbeiten zu können. Die zweite Sitzung des Aktions-Komitees b'cgann am Mittwoch unter dem Vorsitz von Dr. Hantke. Auf der Tagesordnung standen die Beratungen über das Palästina-Budget. Dr. 'Arthur Ruppin referiert namens der Exekutive, Ei־ schlügt vor, das Budget z־u kürzen und dn Ocsamtbudgct von 337 500 Pfund aufzustellen, außerdem einen Ergänzungsetat von 100000 Pfund zu bewilligen. Es muß verhindert werden, daß wir Verpflichtungen eingchcn, die bei den heutigen Einnahmen nicht gedeckt werden können. Der Schuletat soll auf 0000Q Pfund herabgesetzt werden. Der Wand Hachnuch soll die Erlaubnis erhalten, durch eigene Sammlung weilcrc 25 003 Pfund für Selmlzwccke aufzubringen. Dann spricht namens des Finanz- und Wirtscliaftsratcs Ha Ipern. Es zeigt sich, daß zwischen ihm und der Exekutive insofern eine Differenz bestellt, als sich die Evckutive von den Bedürfnissen der PalKsfitiaarbeit, der Finanz- und Wirtschaftsrat aber vor allem von den Decfcungsmöglichkcitcn leiten läßt. Die Diskussion über die Budgetfragen dauert den ganzen Tag an, wobei verschiedene Abändcnmgsvorschlage gemacht werden, insbesondere wird die Erhöhuug des Postens für Immigration verlangt. Das Interesse konzentriert sich besonders auf die Fragen des Banilats- und Schulwesens. Abraham Goldb’crg, New York, erklärt es für möglich, in Amerika durch Sonders,ammiungen Mitte! fiir'fospitiilcr und Schulen aufzubringeii. Der Keren Ilajcssod sollte nur fiir Zwecke der Immigration und Kolonisation verwandt werden. Die Ansicht der meisten Mitglieder des A.-C. geht dahin, daß wie bisher ein ein heit- Sicher Fonds bestehen soll und daß auch' kein Ergänzungsetat zu bilden ist. Die Debatte Wird vermutlich auf der Jahreskonferenz noch einmal geführt werden. (Telephonische Mitteilungen von Mittwochabend). . i * Aus der Rede des Herrn Sokolow {eiten wir noch folgendes mit: ״Wir haben viel erreicht, nämlich die Ratifizierung des Mandats. Es ist unmöglich. Sie über alle Details zu informieren, und ich fürchte deshalb, daß ein kleiner Teil von Menschen die Wichtigkeit dieses Erfolges nicht abschätzcn kann. Jetzt aber ist das Mandat bestätigt, und Wir haben das, was wir brauchen, nämlich die Sicherheit für die Zukunft, daß wir trotz aller Hindernisse unser Ziel erreichen werden. In Amerika habe ich erkannt, daß die groben jüdischen Massen sich opferbereit in den Dienst der Sache stellen werden. Die Leitung in Amerika hat gezeigt, daß sie fähig ist, die augenblicklichen Prüfungen zu hestehen und hat die Arbeit unserer Delegation erst ermöglicht.“ Sokolow begrüßt dann die amerikanischen Delegierten Lipslcy und Goldberg sowie die Delegierten aus Palästina. Dann gedenkt er der in der letzten Zeit verstorbenen Zionisten, iiämlidi Boris Goldberg, Jacob Moser, Eleison und Bruck. Aus der Rede Jellins teilen wir noch mit: ״Wir haben in Palästina aufregende Tage verlebt, Tage der Angst und der Freude. Das Büro des Waad Lcumi war Tag und Nacht für Tclephongcspräche geöffnet, um sich sofort über die Lage informieren zu können. Wie freuten wir uns, als endlich das Mandat bestätigt wurde! Doch im letzten Augenblick, als die Nachricht von der Bestätigung kam, waren wir in einer sonderbaren Lage. Wir haben uns gefreut und haben doch gezittert. Jetzt, nachdem wir die Hindernisse überwunden haben, fühle ich mich verpflichtet, unseren Führern ■ Wcizmann und Sokolow den Dank der pa- ' Ustinensischen Judenheit zu überbringen.״ Am Dienstag Nachmittag fand eine gemeinsame Sitzung der Exekutive und des Finanz- und Wirtschaftsrate! statt. '1J V* ״ O _ ךי־זד"/*'" *־»,< *-.״i Wir hab'cn In der vorigen Nummer der ״Jüdisehen Rundschau׳* zur Erinnerung an die Zeit des ersten Kongresses Henris Eröffnngsrcdc sowie einige Dokumente gebracht, die wir dem ersten Jahrgang der ״Welt״ entnommen haben. Wir setzen heute unsere Veröffentlichungen anläßlich1 des Kongreßjubiläinns fort Ein Beitrag zur Vorgeschichte des ersten Zior1istcnI(0nr:rc3DC3 An unsere Inserenten! Wir sind hierdurch genötigt, mit Rücksicht auf die enorme Verteuerung der Herstellungs- und Betriebskosten unserer Zeitung unseren Inseratentarif zu erhöhen. Der Zonenpreis für die adrige- , spaltene Nonpareillezeile beträgt vom 1. September ab 15,— Mark, Verlag Jüdische Rundschau, JJerlin W 15, Sächsische Str. 8. Am Von Dr. Josef Meis!, Berlin. 6, und 7. März 1807, nicht lange nach Herzls Berufung von Paris nach Wien als Feuilletonrcdaktcur der ״Neuen Freien Presse", fand in Wien in den einigen älteren Zionisten noch erinnerliche!« Räumen des damaligen Zionistcnbfiros in der Rembrandtgasse eine Konferenz zur Einberufung eines zionistischen, richtiger gesagt, palä stinophilen Kongresses statt. Herz! präsidierte, ferner waren anwesend: Willy Bambus (Berlin),Dr. Ehrenpreis (Diakovar), Dr. Kellner, Dr. ICokcsch und Krcmcnezkv (Wien), M. Moses (Kuttowitz), Dr. Salz (Tamow), H, Steiner (Wien), Dr. Thon (Krakau), J. Turoff (Berlin). Mit der Vorbereitung des Kongresses, der für den 25. bis 27. August nach München einbcrutcn werden sollte, wurde eine Kommiseion auf dieser Beratung betraut, Wnr man sich zwar über die Einberufung des Kongresses einig, so bestanden doch sehr große Meinungsverschiedenheiten über seine Aufgabe. Während Herd einen radikal zionistischen Kongreß forderte, verlangten Bambus, Salz und ihr Anhang unter Ablehnung des Judcnstnatsgeduikcns lediglieh eine Zusammenkunft zur Besprechung palästincnsisdicr Angelegenheiten. Die namens des vorbereitenden Komitees von Her;.! versandte ״vorläufige Anzeige“ über den Kongreß brachte mehr seine Auffassung als die des Komitees zum Ausdruck, wenn auch eine gewisse Anlehnung an die Wünsche der Gegenseite nicht zu verkeimen war. Das zeigte sich auch in der Vcrteihing der Referate. Während auf der einen Seite ller/l seilast über ״die Jude »trage und der nächste diplomatische Kongreß der Großmächte“ berichten sollte, ein weiteres Referat über die ״Regelung der türkischen Finanzen“ in Aussicht genommen war, wurde ml der anderen Seite Hirsch Hildesheimer ein Bericht über das Thema ״Die Aufgaben der jüdischen Wohltätigkeit in Palästina“ zu,geteilt. Als weitere Berichterstatter waren Bambus, Bcdenhehter und Nontau vorgesehen. Gegen diese in der •״vorläufigen Anzeige“ deutlich zum Ausdruck gebmdite Tendenz des Judcmtaatrgedankc-ns und damit des Abrückens von der Auffassung der Chovcvc-Zton wurde von diesen heftiger Einspruch erhoben. Hirsch Hildesheimer lehnte mit Entschiedenheit die Beteiligung an einem Zionistcnkoagrcß ab, da er ״seine Anwesenheit und seine Mitwirkung einzig und allein für den Fall in Aussicht gestellt hat, daß die geplante Versammlung einer Besprechung der mannigfachen Aufgaben <103 palästinensischen Hüfswcrkes, in3besondere der Kolonisation, gewidmet sein würde.“ Er fürchte von einein Zinnistcnkongrcß nur schweren Schaden für ״näheräieegende realisierbare Bestrebungen“ (Jfxl. Presse 1397, Kr. IS). 'Umsonst suchte Herzt Hildesheimer umzustinmen (Frictlcmann: Herz!, Anhang S. 110/113). Auch Bambus griff Herz! heftig an und schied ans dem vorbereitenden Komitee aus.' Aber er beteiligte sich doch an .dem Baseler Kongreß, wenngleich als Herzls entschiedener Gegner. Die Opposition machte auf HcrzI iranierhin Eindruck, und er fand sich veranlaßt, dem Kongreß einen etwas weniger anstößigen Charakter zu verleihen. In der Einladung zu dem aus bekannten Gründen von München nach Basel verlegten Kongresse wurden die auf den ״Judcnsfnat“ sich blziehenden Referate über die türkischen Finanzen und die Behandlung der Judenfrage auf dem■ nächsten diplomalischen Kongresse fortgelas3en, was zweifellos als eine Modifizierung des ursprünglichen Programms zu betrachten Ist, selbst wenn die zionistische Kote durch die Einladung an alle Juden, die sich mit dem Prinzip der ״Gründung einer völkerrechtlich gesicherten Heim- Stätte für diejenigen Juden, die sich nicht assimilieren können oder wollen“, einverstanden erklären, gewahrt blieb. Die Gründe für die Gegnerschaft der Chovcvc-Zion oder wenigstens eines Teiles 31rcr Anhänger gegen die Herrischen Pläne bestanden hauptsächlich in der Befürchtung, daß die Erörterung der russischen Verhält- :risse eine schädliche Rückwirkung auf die Lage der Juden haben und eine .allzuradikale Betonung des zionistischcn Gedankens das Kolonisationswerk gefährden könnte. Wk sehr solche Erwägungen weite Kreise der Palästinafmmde beunruhigten, ergibt sich aus den beiden folgenden Dokumenten, die ich aus dem Nachlasse meines Schwiegervaters besitze. Obwohl ich sie (ohne Einleitung) während des Krieges in der Wiener ״Jüdischen Zeitung״ schon einmal veröffentlichte, Klaube ich, da sic wenig bekannt geblieben sind, den Anlaß des KongTc&jubi'ihrms benutzen zu sollen, um sie einem größeren Leserkreis zugänglich 2*1 machen. Eines näheren Kommentars als der obigen Einleitung bedürfen sie wohl nicht. Von den Konferenzteilnehmern waren auf dem Kongresse'S chalit (Riga), Katnlnka (Wien, als Kolonisationsrcfcrcnt) und Rabinowltz zugegen. Die Befürchtungen erwiesen sich nach jeder Richtung als übertriebe«, Recht behalten hatten die Wagemutigen, Herzt voran, die den Kongreß ohne Rücksicht auf die Bedenken abhieltcn. Nt-Wj Profafeoll d?r Vorkonferenz ln Karlsbad t am IS. J«E 1807, betreffend den bevorstehenden Kongreß \ der Zionisten in Basel Zusammenkunft: Hotel G!attarier, 3 Uhr nachm, s Anwesend: Abraham Grünberg aus Odessa, ן_; Schallt und D. Schwarzbart aus Rigi, Baurat I S t i a s s ת y aus Wien, Dr. A. K a in i n k a ms Prj״! M. Krcnicnctzky aus Wien, M. Gordon aus j Rostow a. D., S. S. Rabinowitsch aus "Warschau, i D. Feinberg aus Irkutsk. Herr Orünbcrg schildert die Entstehung um! Entwicklung der Odessacr Gesellschaft und mahnt Vorsicht bei der Beteiligung am Kongresse in Bas״!. Jeder dort erscheinende Russe soll hervorheben, fc!!, er sich zum Wort meldet, daß er als Privatmann erschienen ist. Krcnicnctzky weist darauf hin, daß es u!t• möglich sein wird, namentlich die englischen und amen• kanischcn Teilnehmer in der Redefreiheit zu beschränken und daß überdies manche gerade die Aufrichtigkeit und das mutige Auftreten der Judenheit für besonders er. sprießlich halten. K a m i n k a konstatiert, daß alle Anwesenden dar■ über einig sind, man müsse mit Rücksicht auf die Inter• essen der Odessacr Gesellschaft und der russischen Judenheit mäßigend auf die radikalen Elemente des Kongresses einwirken. Da einerseits Barem Edinond v. R., — wenn auch vermutlich auf Grund einer irrigen Dar• Stellung von den Bestrebungen des Kongresses — eine Kompromittieruag seiner Wirksamkeit in Pa'astina fürchtet, andererseits unsere russischen Gesinnung;״* nossen entschieden eine Hervorhebung ihrer po• Htisdicn Verhältnisse als gefährlich hinstcllen, so wollen wir dem Einberufimgskemifce und eventuell dem Kongreß-Präsidium den Wunsch Vorbringen, daß nach Möglichkeit der Name Rothschilds u::d Rußlands in den offiziellen Reden nicht genannt werden. Schallt stimmt dein Vorredner vollständig bei. Bau rat Sttassny teilt die Befürchtungen des Herrn Gränberg und dehnt dieselben auch in bezug auf die Interessen der österreichischen Judenheit au5, Als Beispiel, wie wenige Worte in einer Rede äußerst gefährlich worden können, diene ein Vortrag der Frau Professor L. in Wien, worin Dogmen der Landesrcligloa angegriffen werden, Redner schlägt vor, Krem e:ict.׳l;y möge als Mitglied des Herrischen Komitees dcrelb.a auf die Gefahren hinweisen und zur Fürsorge für die Mäßigkeit der Reden veranlassen. Rabinowitsch: Der erste Vortrag viril der von Nordaii über die allgemeine Lage der Juden sein; wie soll man dabei Rußland unerwähnt lassen? Grünberg erinnert an da3 Londoner ״rote Me> tirg im Ouildhall, das sich in Rußland als schädlich erwiesen; er *verlangt Abstimmung darüber, wie (nach dem Vorschläge der Anwesenden) der betreuende Referent die russischen Verhältnisse streifen soll. M. Gordon meint, daß es dem Takt der Leiter des Kongresses überlassen werden muß. Kaminka: Wenn Persönlichkeiten wie Banrat Sfiassny am Kongresse teilnehmen würden, so wäre die beste Garantie geboten, daß nichts Taktloses oder Schädliches gesprochen würde. Vielleicht winl Herr Stiassny von der Konferenz darum ersucht, entweder sich nach Base! als Vertreter der gemäßigten Rid.tii:!;;, zu begeben, oder sich in Wien eventuell bei einer ad hoc clnzubcmfcndcn besonderen Konferenz mit Herd in Verbindung zu setzen, um als ausgesprochener Freund unserer Bestrebungen und im Interesse derselben auf eine Mäßigung hinzuwirken. Schabt, Orär.berg, Gordon, Feinberg stimmen dem Anträge bei, und■ derselbe wird akzeptiert. Herr Srinssny übernimmt die Mission, un Verein mit Krcmmctzky tm Sinne der Anwesenden mit dem Herrischen Komitee in Verbindung zu treten, wenn irgend möglich, auch selbst nach Basel zu gehen. Zinn Zwecke eines gemeinsamen Vorgehens wird derselbe mit den übrigen an• wesenden Teilnehmern des Kongresses konferieren. Die Versammlung drückt dem Herrn Baurat Stiassny den Dank aas für die Bereitwilligkeit, mit welcher er tm Sinne der russischen Zionsfreunde am Kongresse• wirken ward. Geschlossen und gefertigt. Karlsbad, den 28. Juli 1897,' (Folgen die Unterschriften.) * Abschrift eines Briefes von Herrn Wilhelm Stiassny an Herrn S. P, Rabinowitsch Sr. Hochwohlgcboren Herrn S. P. Rabinowitsch, Karlsbad, ״Maricnjrufi". Sehr geehrter Freund 1 Anliegend beehre ich mich, Ihnen vier Exemplare von Protoko!labsciiriften zur gefälligen Ucbcrjabe an unsere Freunde zu übersenden. Jedes Exemplar wollen Sie mit dem Namen der Persönlichkeit, für welche dasselbe bestimmt Ist, versehen und den Empfänger bitten, davon nur diskreten Gebrauch zu machen. Herrn Dr. Herzl habe ich erst gestern, Sonnabend, an welchem derselbe nach Wien zurückgekommca ist! sprechen können. Er hat mir die Zusage gemacht, dahin zu wirken, daß auf dem Kongresse keinerlei Angriffe gcfcn die russische Regierung erfolgen werden. Auch sollen die russischen Kolonisationsbestrebungen möglichst respek• tlert werden. Er sc'bst 13t kein Freund dieser Kolonisation und daher auch ein Gegner des Einwandcrungsverkitcs. ־׳ N Wie entgeingt letite sein« Ans( soba bun| stet« nütz der ‘ 11 ab* die) Uni sein aug gar

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.