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Jüdische Rundschau · 1922-08-25 · Heft 67 (25.8.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 67 (25.8.1922)
Date
1922-08-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Telephon: Uh!»mi MS «.$46. ^o«Ud>^(iclco«t•ו B«rü« Nr. 17392. Tür Omtenreieh. P©at*p«rk:<11M*m1mt Wien« )Conto Nr, 156 WO» Fttr TechrdioejowiWi* r«aUparka.f«namt Pr«f. Konto Nr, 156030, ־־־ Rtdoktionairh’uß Sonn!** und Mittwoch oodhmitt •f. — ר״ח אלול׳ תרס״ג XXVII. Jahrg. per Zionismus erstrebt!Qr das jüdisclia Volk dia Schaffung einer öiJentUch-rochtilch gesicherten Kalmatlitte in Palästina. ״Baseler Programm.1 aii» §1 M t■׳ neue Sied lun^swcrls in Nuris Die Aufmerksamkeit des deutschen Keren Ik.jessod (Jüdisches Palästinawcrk) E.V, richtet sich augenblicklich in besonderer Weise auf das vom Jüdischen Natiounifonds im vorigen Jahre erwerbene Gebiet von Nuris, das jetzt in ausgedchntem Maße Uolonisatorisdli in Angriff genommen wird. Die Fliiclie, etwa 2700 Hektar, aussichtsreichsten pai.'istineiisischen Bodens, 12—13 Kilometer lang und 2—3 Kilometer breit, erstredet sidi drcivicrtcl Stunden von der Grenze Merch a w j a 11 s bis drei Kilometer von der Stadt Bes an, dem alten Bcth Schean, spateren Skytopolis. Die liindurdilaufendc Eisenbahn hat zwei Stationen, Schatta im Osten und J echcsk e 1 jah im Westen. Das Gelände dehnt sidi bis dicht an das Jordantal hin. Die Siidgrenzc bildet das Gilboah-Gebirge, die Ncrdgrcnzc der kleine Hermon und anschlic- Bend eine Hügelkette. Die Landschaft stellt mehr ein Tal dar als eine Ebene, sogar mehr einen Kessel als ein Tal, und doch reicht der Blick weit genug, um die Umschlosscnhcit nicht drückend wirken zu lassen. Im Süden steigen die Berge Gilboalts 500 Meter, vielfach Ln Felswänden, fast senkrecht aus der Ebene auf; das Gebirge ist mächtig und wenig gegliedert; die Wasser haben keine tiefen Schluckten cingraben können, nur Treppen in die Wände gesägt. Gegenüber der kleine Hermon, der sich auf drei Seiten hoch aus der Ebene aufreckt und auf der vierten in sanfter Linie als eine Kette von Bergen und Hügeln ins Jordantal himinterstcigt. Der Westen ist offen und nur verschlossen durch die Bodenwelle, auf der Kolonie j und Kwuzaii Merchawjah liegen, überragt von | den Hölicn der gallilaischen Berge, auf deren Ausj iäufer Nazarc th weiß herausleuchtct. Im Osten, j jenseits der Jordansenke, die irgendwo im Ungc-! wissen zu ,verlaufen scheint, erhebt sich die Riesen- \ mauer des Ostjordanlandcs: im Morgengrauen miiehi tige Wände, die wie Kulissen sich übereinander, j hintereinander sdiicbcn, in der Dämmerung vor 1 Sonnenuntergang aber liegt sie da, jede Spitze, jeder J Einschnitt, jede Schlucht klar und plastisch erkennj bar, (nach einem Worte des palästinensischen Beil j Galan) ״cin Meer im Sturm zu Stein erstarrt". In der Südwestecke des Geländes entspringen in einer großen Höhle fünf Quellen, die sich zum Nähr Dschalud (Goliathfluß) vereinigen. Inj der Mitte des Gebirges entspringt der Wadi- R u c h a n i. Durch diese beiden Flüsse ist der Roden versumpft, jedoch handelt es sich nirgendwo um eine tiefere Sumpfbildung. Man kennt — mindestens aus dem Buch von Holitschcr — den G'dud A wo da 11, jene Arl'citvi legion, die ständig in Bereitschaft ist, wo man sic am nötigsten braucht, ihre Lagcrzeltc auf- Zuschlägen, und die unter Aufbietung höchster körperlicher und seelischer Kräfte gerade dort, wo die Bedingungen an! ungünstigsten sind, schon eine staunenswerte Tätigkeit entfaltet hat. Der Cddud umfaßt 600 Menschen, die in einer verbildliehen Verbundenheit miteinander leben; die reine Fenn der ״Gemeinschaft", das menschliche Fürcinanderdascin, ist hier zu einer Höhe entwickelt, 'vie sic in Europa undenkbar ist. Hier, wo aller Blick frei wird, wo alles von vorn beginnt, wo keine verfahrene Zivilisation alles zu sidi herunter zwingt, jeden neuen Weg argwöhnisch gewaltsam verraniweit, wo aber der Atem der historisch größten Natur ewige Forderungen ausruft: — wenn irgend- Wo, so scheint liier der richtige Platz zu sein, einen neuen, tatkräftig-edleren Menschentypus hervorzubringen. Solche Zusammenballung der Kräfte ermöglicht auch allein die ungeheure Leistung,s- Eiligkeit dieser Mensdien. Zwei Gruppen des G’dud haben sidi nun seit einem halben Jahre an zwei festen Punkten auf dem außerordentlich fruchtbaren Boden von Nuris-Wart angesicdelt, und zwar 250 Menschen in Ain Ch&rod und 150 Menschen Ln Tel loseph. , Ain Cliarod ist aus dem von den Arabern verlassenen alten Dorfe Ain Dschalud neu aufgebaut worden und liegt an der Steile, wo Gidcon in den Midianiter-Kämpfen die berühmte Auslese unter seinen Kriegern gehalten hat. Tel Joseph, 0 Kilometer davon entfernt, führt seinen Namen nacii dem Begründer des G’dud Awodah, dem unvergeßlichen Joseph Trumpcldor. In dem halben Jahr, in dem die Leute dort arbeiten, ist es ihnen gelungen, sich alles, was sie zum Leben braudicn, selbst zu schaffen: Brotgetreide, Gemüse, Futter für das Vieh, Heu; es entstanden eine mechanische Tischlerei, Schlosserei, Klempnerei, Näherei, Sattlerei, Schusterei und die Magazine für ihre Bedarfsartikel. Sic haben aus eigener Initiative eine große Versuchsstation für Gemüse- und intensive Kulturen angelegt, sowie größere Baumschulen. Freilich sind alles noch zarte Anfänge. Sie arbeiten mit vier Motorpflügen, Die Grenzen haben sie mit Eukalyptus-Bäumen bepflanzt. Vor allem aber schaffen sie Abzugsgräben für die Sümpfe. Die Mahriagcfahr ist hier an den Sümpfen besonders groß. Hiergegen anzukämpfen ist ja ihre freigcwähltc dringlichste Aufgabe, der sie sich mit einer Hingabe unterziehen, für die kein Dank groß genug sein kann, ln zwei bis drei Jahren wird die Gegend von ihren Sümpfen und von der Malaria befreit sein. Außer diesen beiden Siedlungen gibt es in Nuris noch eine Kolonie, dte auf dem Prinzip der Einzelwirtschaft mit starkem kooperativem Einschlag augebaut i:t, Moschaw OwdimiL in Jecheskeljah (drka 100 Familien) sowie die Kwuzah Giweah, (cirka 30 Familien) die, wie schon die Bezeichnung Kwuzah sagt, als geschlossene Gruppe arbeitet. Nun hat die palästinensische Exekutive auf den Vorschlag der Landarbeiterschaft beschlossen, drei weitere Gruppen in Nuris-Ost anzusiedcln. Es sind dies die Kwuzah Chefzibah, der Kibuz Alcf des Haschomcr Haza'ir und die Kwuzah Zwi (Max Hirsch). Die erste heißt nach dem Ort, an dem sic sich vorher als geschlossene Gruppe von Lohnarbeitern betätigt hat, Chefzibah — an der Küste zwischen Jaffa und Haifa gelegen — neben den Trümmerfeldern des antiken Cäsarea, das einmal der wichtigste Hafen und die bedeutendste Stadt Palästinas, der Sitz der römischen Verwaltmig des Landes gewesen ist. Die 55 Chaluzim (33 Männer und 22 Frauen) dieser Gruppe waren ursprünglich meist Kaufleute und Akademiker (mehrere Doktoren und auch ein Professor ist unter ihnen), sic stammen zum größten Teil aus den jungjüdischen Gruppen der Awodah-Prag und der M a 11 a pec 11 a - B cr 1 i 11, haben bei Bauern zuvor zwei bis drei Jahre landwirtscliaftlidi gearbeitet, daneben haben manche einen handwcrklichcn Beruf erlernt; und in Palästina mußten sie sich in Orangen- und Zitroncn-Flantagcn ver dingen und zwei Jahre in ständigem Kampfe gegen die tägliche Not ihr Leben fristen, bis sic nun «ndlieh zur definitiven Arbeit und Ansiedlung in Nuris-Ost herangezogen werden können. Die zweite Gruppe, der Kibuz Alcf des Haschomcr Haza'ir (110 Personen), ist aus der galizisclicn Jugendbewegung hcrvorgegimgcn, deren gesamte Führerschaft — etwa 400 Burschen und Mädels — nach Palästina gezogen ist, sobald die Einwanderung möglich war, um sich zunächst zwei Jahre lang, ebenfalls unter schwersten Bcdin gungen, beim Straßenbau zu betätigen. Die dritte Gruppe, die' Kwuzah Zwi (Max Hirsch), besteht aus nur 12 Personen, meist Studenten aus Deutschland, Mitglieder des Wandcrbuudcs Blau-Weiß und des K.J.V., die bereits zwei bis vier Jahre sich landwirtschaftlich und handwerklich ausgebildet und drüben zwei Jahre lang als Tagelöhner bei Kolonisten in P et ach T i k w a h und in C h e d e r a h landwirtschaftlich gerbeitet hattet}. , , ׳ In Palästina ist man der Ansicht, daß die Ansiedlung aller dieser Chaluzim infolge ihrer gründlichen und erprobten Ausbildung von ganz besonderem Interesse für den Aufbau des Landes wäre. So sollen diese drei Gruppen jetzt instandgesetzt werden, sich in Nuris-Ost anzusiedeln; sie kommen nach TclJBcth Ilfali, vier Kilometer entfernt von Tel Josef, um von da aus das Gelande urbar zu machen. Der Plan für die Entsumpfung und Bcwässerung ist von Ruthenberg ausgearbeiiet worden. Man will direkt an dem Gebirge entlang einen Kanal bauen, der das Wasser des Nähr Dschalud und die Ruclianiquellen aufiiiinint. Aus diesem Kanal wird die sich von Westen nach Osten senkende Fläche, etwa 500 Hektar, bewässert. So werden das Dschalud- und das Ruchanibctt ausgetrocknet. Man will außerdem das Gefälle ausnutzen und an drei Stellen, bei Ain Cliarod, Tel Josef und Belli Ilfab, elektrische Kraft- Stationen nniegen. Schon vor einigen Wochen ist im Rahmen der Durchführung dieser Pläne mit der Entsumpfung und Trinkwasserversorgung in Nuris-Wcst begonnen worden. Die weiteren Arbeiten werden nach bestimmtem Programm im Laufe einiger Jahre durchgeführt sein. Der Boden und das Betriebskapital wird von dem zionistischen Kolonisations-Departement zur Verfügung gestellt, vorausgesetzt, daß alles andere, Maschinen, Geräte, sonstiges totes und auch lebendes Inventar von anderer Seite aufgebracht wird. Da in die Aktion deutsche, deutsch-böhmische und galizische Chaluzim einbezogen sind, soll nicht das ganze Kapital dazu in Deutschland aufgebracht werden, aber ein wesentlicher Teil. Dieser bedeutende auf Deutschland entfallende Betrag wird von dem Kava Hajessod (Jüdisches Palästinawcrk) E. V. geleistet, dessen Gelder statutengemäß nur für solche und ähnliche Zwecke verwendet werden dürfen. Folgende deutsche Chaluzim befinden sich in der Kwuzah Chefzibah: Max Bär, Rudi Flach, Georg Grunvvald, Else Grunfraid, Fränze JarcHchinsky, Abraham Katz, Julius Lehmann, Cilly Lehmann, Alfred Lehmann, Anni Lehmann, Aron Schcfflan und Alice Stadthagen, sämtlich aus Berlin; Dr. Sulamith Epstein und Max Epstein aus Elbcrfeld, Leo Kaufmann aus Mülhcim/Ruhr, Gertrud Kaufmann aus Leipzig, Grete Kronoerg aus Breslau, Grete Tauber aus Opladen; in der Kwuzah Zwi: Dr. Max Hirsch, Georg Brumm, Arthur Israelowitsch, Hendrik Kclin, Werner Rosolio, Dora Rosolio und Karl Steinschneider, sämtlich aus Berlin; Ernst Davidsohn ans Nürnberg, Leo Cohn und Jossel Nußbaum aus München. Aus der großen Zahl der Geräte usw., die in Deutschland gekauft werden, seien genannt: Pflüge und Eggen, Sä- und Mähmaschinen, eine Anzahl Wagen, Tankwagen, Band- und Kreissägen, Einrichtungen für Kuh- und Pferdcställe, für eine Milchwirtschaft, Werkzeuge für Gartenbau, Brutapparate und sonstige Einrichtungen für Hühnernicht, Bienenstöcke und Einrichtungen für eine Imkerci, Minimaxapparate und andere Löschgeräte, sowie Einrichtungen für eine Schmicderci, Schlosserei, Wagncrci, Sattlerei und Schusterei. Menschen, die — für ein hohes Ziel — tag- .lieh ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel setzen, und deren Verbundenheit mit dem Boden von Ercz Israel genau so vorbildlich ist wie ihre Verbundenheit untereinander, — Menschen solcher Gesinnung mit allen Mitteln zu fördern, ist nicht mehr als Pflicht und Schuldigkeit aller Jüdisch- Emrü־.dcn.’cn. •־ ' ,

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