Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 66 (22.8.1922)
- Date
- 1922-08-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2652410-2652468--15131-2673572- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
י u PI68 .־ fUEDrSCHE' RtniDSClf&O Sdte 439 innen inicnreich. <lrci- | von 'edosfeilet 1um, 1 und % ist ' Zeit n als . R. Von h beßung. allen reiben bifielu liigen, n der ächtet und sation VI acht ihrem [!!den, m sie >a ist Jahre üililtc, istinakniet i h r i- , die j und 1 ge• mentf viel ihren Vcr• nien t c 11 31den ״.ent• pro• «tsch- I zur nigea II a ft Vcr-! der ldern rar• t als yrien 'enen ation Zio-!rden Maßwunien, Ist zutnfndesf fragüdi. Dena diese Vorträge sind populär, ohne volkstümlich zu »da. Das sagt -jw Die Leute geh ca nicht jüdischer von dannen, ,׳»!s sie gekommen sind. Höchstens daß sic etwas Pietät . dieses garstige einschläfernde Surrogat für wirklich große tatcnzcugcudc Gefühle ~ mit auf d«1 Weg nehmen’ Und das ist^ ein Schaden für den Zionismus. Lassen sich ja die Zionisten selbst durch derlei Gerümpel — das einem alten echte!» Stockjuden aus dem Osten ebenso widerwärtig ist wie einem vollen Noir/eitmeii-ichen _ zu rück wart sschnucndcti romantischen Neigungen vorführen. Dam» gehen sie hin und versuchen der Orthodoxie Konkurrenz zu machen, ohne jeden ' stichhaltigen Grund. Denn die Orthodoxie kann in Deutschland ohne fremde Hilfe bestehen, und weder Rcchtgläubigkeit noch freie Anschauungen in Rcligionssachcn haben bisher jeniandcn gehindert, Zionist zu werden und zu bleiben wenn er nur Sinn dafür hatte. Jede Parteinahme in diesen Dingen ist. die höchste Ungeschicklichkeit. Der Zionismus ist lediglich eine nationale und soziale .Bo wegung. Man muß 911» nur zu predigen verstehen. Aber das haben die deutschen Zionisten — von ihrem infilfrntioiisdogma ausgehend — gründlich verlernt. Und das ist tief zu bedauern. Vielleicht schafft da der Münchener Kongreß, der ja auf deutschem, allerdings auf süddeutschem Boden stattfindet, direkt oder indirekt Wandel. Dann wird Aussicht auf jüdisches Leben in Deutschland vorhanden sein, Bis dahin bleibt es eine gutmütige Phrase. Der Delegiertentag der Zionisten Deutschlands Dieser Artikel enthält den Bericht über den ersten deutschen Delcgicrtentag nach dem Baseler Kongreß. Die Red. d. J. R. Der Zionismus, die älteste und jüngste Richtung in Israel, kann stolz behaupten, daß alle Erwartungen זי den Lauf der Bewegung wert übertroffen worden itnd. Mit bangem Herzen zogen wir am 29. August nach Basel. Wird cs gelingen, alle diese Parteien *und Richtungen unter eine Fahne zu scharen? Das war die Präge, die uns bewegte. Es ist gelungen, und der Anfang war herrlich, ja in der Geschichte fast imvcrgleichüch. Das schier unlösbare Problem, aus den Juden eine Partei zu machen, wurde spielend gelöst, Weil cs Söhne einer Mutter waren, die sich nach ihrem UrclVnr-nt ztiriicksclmtcn, die sich zur Familie Israel fluch• teten. Mit bangem Herzen zogen wir deutschen Zionisten am 30. Oktober nach Frankfurt. Wird es gc-!in:;!.;), eine einheitliche Organisation zu schaffen? Wir waren uns dessen nicht sicher. Und es ist gelungen, weil alle von dem Bestreben beseelt wäre«, ihre Kräfte in (len Dienst des jüdischen Volkes zu stellen und alle Biiferciuen in den Hintergrund zu schieben. Wir waren, tms der Bedeutung dieses Delcgicrtcntage» voll bewußt. Oalt cs in Basel, darüber Klarheit zu schaffen, was wir vollen, so sollten wir in Frankfurt a. M. uns darüber ’(luigen, was wir sollen. Auch das ist nun volll'raclit, denn wir haben die Balm der praktischen Arbeit kschritten, wir haben für Deutschland eine den Vcrhiiltnissen entsprechende Organisation ins Leben gerufen. Schon Sonnabend waren die Herren aus Köln gekommen, um gemeinsam mit den Mitgliedern der Ortsgruppe Frankfurt a. M. das Nötige vorzubereiten, lieberiiaupt entfaltete die Kölner Vereinigung eine rege Tätigkrit, und eine spätere Geschichte des Zionismus wird ihr ein Ruhmesblatt widmen dürfen. Es fand noch an diesem Abend •im engen Kreise eine Beratung statt, und man war sich bald darüber einig, daß für ein öffentliches Auftreten die Verhältnisse in Frankfurt noch nicht reif sind, daß unsere Aufgabe vorläufig die sein muß, langsam Sch;;!t für Schritt die gegen uns herrschenden Vorurteile zu beseitigen und die Sympathien aller Freunde Israels zu gewinnen. Am Sonntag Vormittag versammelten sich die Dolegierten zu einer zwaaigsloscn Besprechung, Es waren 21 Delegierte und 45 Mitglieder der Vereinigung fiir ibutsehland aus Berlin, Bingen, Dannstadt, Frankfurt, Heidelberg, Köln, Mainz, München und Straßburg erschienen, und jeder äußerte frei seine Wünsche bezüglich des Delegiertentages. Um die Zeit auszimiitzen, einigte man sieh schnell über die Zusammensetzung des Büros, über alle formalen Angelegenheiten, wie über die Frage, vcr zum Delegicrtentage zugelassen werden solle. Es herrschte eine Einhelligkeit darüber, daß nur solche, die sich auf den Boden des Baseler Programmes stellen, und der Nationaljiidischen Vereinigung als Mitglieder angehören, Zutritt haben können. , Um 2 Uhr wuixle ein gemeinsames Essen im Hotel Emmerich eingenommen, und Herr Professor Schap i r a aus Heidelberg hielt eine wanne Ansprache an sar,~׳re־:;~־rr~t~ery׳״~־ -r—'־״—T״ der Abonnemcntsgebühren Die fortgesetzte Steigerung der Druckand Pa pierpreise zwingt uns dazu, die Abonnementsgebühren für das laufende Quartal wie folgt za erhöhen: Einzciabonnement 80,— M. S&mmeiabonncmcnt 60.— M. Wir bitten unsere Einzelabonnenten, uns den Teucrungszuschlag mit 30.— M. auf unser Postsdieckkonto Berlin 17392 überweisen zu wollen. Bezieher im Sammelabonnement haben den Teucrungszuschlag an Ihre Ortsgruppe zn zahlen. Verlag Jüdische Rundschau Berlin W15, Sächsliche Str. 8, Postscheckkonto; Berlin 17392. Bankkonto: Darmstädter und Nationalbank. Dcp.-Kasse: W15, Kurfüntendamm 211. die Fcstgenossen mul schloß mit einem Hoch auf Zion. Gegen 4 Ulir begann die eigentliche Arbeit des Delogiert enfages im oberen Saale des Kultnbnchcr Hofes. Herr Professor Schaplra eröffnefe als Alterspräsident die Versammlung und sprach die Hoffnung aus, daß die gefaßten Beschlüsse dem jüdischen Volke zum Segen werden mögen. Für das Büro wurde folgende Liste vorgeschlagcn und von der Versammlung per Akklanrnlkm angenommen: Dr. Bod e nheIm er-Köln, Präsident; Prof. S ch a p i ra -Heidelberg und Privatgclchrtcr Pipman Prins-Frankfurt, Vizepräsidenten; Rechtskandidat Klee-Berlin und Dr. M o s e s - Darmstadt, Schriftführer. Herr Dr. Bodenhciiner begrüßte die Vcr- Sammlung in herzlichen Worten und sprach den Wunsch aus, daß der Delegierten tag ernst und würdig nach außen und von fruchtbarer Arbeit für die heilige Sache Zions sein möge.; Als erster Punkt der Tagesordnung gelangt die Frage der Organisation für Deutschland zur Bcratung. Dazu liegt ein Statutcncntwurf der Kölner Vercinignng (Verfasser Fabius Schach) und ein Entwurf der Berliner Ortsgruppe vor. Der erste Entwurf wird von den Herren Schach und Wo!ffsohn-Kö!n, der letzte von den Herren Estermann und Klee-Berlin, vertckligt. Nach langer Debatte gibt die Versammlung dem Kölner Entwurf den Vorzug und nimmt ihn mit kleinen Acndeningen fast einstimmig an. Es wird aller von allen Seiten anerkannt, daß der Berliner Entwurf als Anregung sehr gut zu gebrauchen Ist, wenn auch einige seiner Forderungen (Reform der Chaluka, obligatorischer Religionsunterricht) sich ats Punkte eines Prog ramm cs nicht eignen; Maßgebend ist dabei die Auffassimg, daß der Zionismus sich' nicht an eine Partei oder Richtung wendet, sondern an das ganze Volk. Zum zweiten Punkte, Agitation, sprechen die Herren Fabius Sch ach-Köln »znd Dr. Schauer- Bingen als Referenten. Herr Schach als erster Referent weist darauf hin, daß alle weltbewegenden Ideen den Weg von der Theorie zur Praxis machen müssen. Sie tauchen zuerst als unklare, untastbare Gedanken auf, krystallisicrcn sich' dann zu lebendigen Ideen und erzeugen Miinncr der Tat, die der Bewegung die Richtung geben. Referent schildert den Prozeß, den der Zionismus von Peter Smolcnsky und Leo!» Pinsker bis Theodor Herzl und Max Nordau durchgemaclit lmt. Nun wir die Bahn kennen, gilt cs, eine lebendige Agitation zu entwickeln und das ganze jüdische Volk für unsere Sache zu begeistern. Als Hauptpunkte, wo das Wirken der Zionisten cinsctzcn soll, nennt Referent: 1. Gründung von jüdischen Turnvereinen; 2. Oriindtmg von Cresclligkeitsvercinen mit national* jüdischem Charakter; 3. Errichtung von hebräischen Sprech- und Lesezirkeln, verbunden mit Lchrkursen für Erwachsene; 4. Propaganda fei der Familie, Erziehung der Jugend, Belehrung des Weibes im jüdischen Oeistc, Pflege jüdischer Sitten und jüdischen Lebens; 5. /Aufklärung durch die Presse. Referent schließt mit der Bemerkung, daß unser Programm ein doppeltes sei: Vertiefung nach innen, Verbreitung nach außen. Wir sollen die Breite gewinnen, aber nicht auf Kosten der Tiefe. Unser Streben muß dahin gehen, alle, die wir lieben, und das ist das ganze jüdische Volk, für die'Sache Zions zu entflammen. Der zweite Referent, Herr Dr. Schauer, stellt sich auf einen mehr opportunistischen Standpunkt. Er betont, daß er selbst vor den Konsequenzen des Zionismus ttJtfef zarSdcfth'recie, daß er atier ins liebe ne!*•dbe ctoe Agitation ta sehr geufißigtea Bahnen wfmsdie, well nur so auf Erfolg zu hoffen fei Man müsse mit . den gegebenen Verhältnissen rechnen und sich b» der Grenze des Erreichbaren halten. Stärkung des jüdischen Lebens, Bekämpfung des Indifferentüanm soll unsere nächste Aufgabe sein. Bei der vorgerückten Stunde!mißte von einer DV kusston über die Referate abgesehen werden, und die Versammlung ernannte eine Agitations-Kommission zur Ausarbeitung eines Agitationsplancs. Nun wurde zur Wahl des sicbcngliedrigen Komitees geschritten, und als gewählt gingen hervor die Herren Rechtsanwalt Dr. Bodenhcimer-Köln, Privatgclchrtcr Lipmann Prf ns - Frankfurt, Schriftsteller Fabius Schach- Köln, Unrversitätsprofessor Dr. Schapi ra-Heidelberg, Rabbiner Dr. Ruelf- Memel, Rechtsanwalt Dr. Schauer-Bingen, Kaufmann D. Wolf fsohn-Köln. Es werden die eingelaufcnen Depeschen verlesen, darunter herzliche Begrüßungen von den Herren Dr. Theodor Herz! und Dr. Ruelf, und die Versammlung beschließt, diesen Kämpfern für die Sadie Zions durch Depeschen zu danken. Gegen 9 Uhr ward die Sitzung geschlossen, und die Versammlung spricht dem Vorstände, namentlich dem Präsidenten, die warme Ancrkennung aus. Bald darauf fand «wie gemütliche Zusammenkunft statt, die von der Frankfurter Gruppe veranstaltet wurde und zu der auch Nichtmitgliedcr, die Sympathie für unsere Sache zeigen, Zutritt hatten. Etwa 150 Gäste waren anwesend, und die Sitzung gestaltete sich würdig und anregend. Die Ansprache!» der Herren Dr. Bodenhcimer, Estcrmann, Klee, Schach, Dr. Schapira, Dr. Schauer und Wolffsohn wurden von den Versammelten mit großem Beifall aufgenommen. Zündend wirkten besonders die im klassischen Hebräisch gehaltenen Reden der Herren J e h u d a und KI a u n s e r. Ancrkenncnswert war auch die glänzende Leistung des Herrn Klee als schneidiger Leiter und witziger Redner der Fidclitas, Erst gegen halb ein Uhr nachts ging man in gehobener Stimmung auseinander, und aus dem I lerzen kam der allgemeine Abschiedsgruß: Auf Wiedersehen am nächsten Zionistenkongreß 1 Christen über die Judenfrage Der nachfolgende Brief Oladstones ist die erste Acußerung eines führenden englischen Politikers zur zionistischen Frage. Die Red. cL J. R. Geehrte Redaktion 1 Auf einen an W. E. Gladstone gerichteten Brief, der nebst einer kurzen Auseinandersetzung über Ziel und Zweck des Zionismus folgende Fragen enthielt: a) Was denken Sie über den Zionismus? b) Werden die europäischen Mächte eine zwischen dem Sultan und der ״Jewish Company“ getroffene Abmachung sanktionieren? c) Wird die christliche Welt es zugeben, daß die Juden nad» Jerusalem zurückkehren? habe ich folgende Antwort erhalten (das Orginal liegt bei): ״Dear Sir, My inclination wotild be to view wRh favour any reassembling of Jews in Palestine tmder Ottoman Suzeramty. But I assume therc wouki be absolute rcligkms liberty and equality? (Das Fragezekhen kann auch etc. sein.) 1 have not such an acquarntance with the whole subjcct as to entitle my opinkms to weight. Your very falthluj W. E. Gladstone.*) Braüa, den 7. Juli 1897. Mit Zionsgruß 'J. H. Ellmann. ’ *) Geehrter Herr, ich wäre geneigt, eine Wieder- Vereinigung der Juden in Palästina unter ottomanisdier Suzcränität mit Wohlwollen anzusehen. Aber ich setze voraus, daß cs da absolute religiöse Freiheit tmd Gleichheit gäbe. Ich bin übrigens mit dem ganzen Gegenstände nicht vertraut genug, um meine Ansdhauungen für gewichtig zu halten. Ihr usw. W. E. G. Zicr.!.״::I1e jahreskonferenz. Zum Delegkifen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland für die Jahreskonferenz in Karlsbad ist Herr Rechtsanwalt Felix Roscnblüth gewühlt worden. (Z. Ißltfil / ZS. ■AugusQ titurcfti. eine Kongareßspende für den Nallonalfonds! i