Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 66 (22.8.1922)
- Date
- 1922-08-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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r ■ \ ן.»•♦!»•»".; ) fc&X-* y Seite 433 JUEDISCIiE RUNDSCHAU fcnä errfgen Oodäditnisi erbracht. Aber die Lösung der Judenfrage ist sie nidit und kann sie in der bisherigen Form nidit sein. Sie hat auch, ge- Steilen wir es uns offen, einen bedeutenden Anklang nidit gefunden. ,Warum? Weil die Juden redmen können, es wird ja sogar behauptet, daß sie .es zu gut können. Wenn wir nun annehmen, daß es neun Millionen Juden gibt, und daß es der Kolonisation gelänge, jährlich zehntausend Personen in Palästina anzusicdcln, so würde die Lösung der Judenfragc neunhundert Jahre in Anspruch nehmen. Das sieht unpraktisdi aus. Nun wissen Sie aber, daß die Ziffer von zehntausend Ansiedlern jährlich geradezu phantastisch ist, unter den jetzigen Verhältnissen nämlich. Die türkische Regierung würde bei einer solchen Ziffer sofort die alten Einwanderungsverbote auffrischen •— und das wäre uns gerade recht. Denn wer da glaubt, daß die Juden sidi in das Land der Väter glcidisam cinsdnnuggeln können, der täuscht sich oder täuscht andere. Nirgends wird das Auftaudien von Juden so sdinell signalisiert, wie in der historisdien Heimat des Volkes, eben weil cs die historische Heimat ist. Und es wäre auch gar nicht in unserem Intcrcssse gelegen, verfrüht dahin zn gehen. Die Einwanderung der Juden bedeutet einen Kräftezufluß von ungchofftcr Fülle für das jetzt arme Land, ja für das ganze osmanische Rcidi. Seine Majestät der Sultan hat übrigens mit seinen jüdischen Untertanen nur die besten Erfahrungen gemacht, gleichwie auch er ihnen ein gütiger Souverän ist. Es liegen also Bedingungen vor, die bei einer klugen und glücklichen Behandlung der ganzen Sadie zum Ziele führen können. Die finanzielle Hilfe, welche die Juden der Türkei bieten können, ist nicht unbeträchtlich und würde zur Beseitigung manches inneren Uebels dienen, an dem dieses Land jetzt leidet. Wenn ein Stück Orientfrage mit der Judenfrage zugleich gelöst wird, so ist dies gewiß im Interesse aller Kultur- Völker. Die Ansiedlung der Juden wäre wohl auch eine Besserung der Lage der Christen im Orient. Aber nicht nur von dieser Seite her darf der Zionismus auf die Sympathien der Völker rechnen. Sic wissen, daß der Judenstreit in manchen Laudern zur Kalamität für die Regierung geworden ist. Ergreift man für die Juden Partei, so hat man die aufgewühlten Massen gegen sidi. Ergreift man gegen die Juden Partei, so hat dies bei dem eigentümlichen Einfluß der Juden auf den Weltverkehr oft schwere wirtschaftliche Folgen. Es gibt ja dafür genug Beispiele. Verhält sich endlich die Regierung neutral, so sehen sich die Juden ohne Schutz in der bestehenden Ordnung und flüchten in den Umsturz. Der Zionismus, die Selbsthilfe der Juden, eröffnet nun den Ausweg aus dieser, mannigfachen und sonderbaren Schwierigkeiten. Der Zionismus ist eigentlich der Friedensstifter. Es gellt ihm freilich dabei, wie Friedensstiftern gewöhnlich: er muß sich am meisten licrumschlagen. Nur wenn unter den mehr oder minder ehrlichen Argumenten gegen unsere Bewegung auch das vorkommt, daß man uns des Mangels an Patriotismus zeihen werde, so richtet sich dieser verdächtige Einwurf von selbst. Von einem vollständigen Auszug der Juden kann wohl nirgends die Rede sein. Die sich assimilieren können oder wollen, bleiben zurück und werden resorbiert. Wenn nach einem gehörigen Abkommen mit den beteiligten politischen Faktoren die Judenwandcrung in aller Ordnung beginnt, so wird sie für jedes Land doch nur so lange dauern, als dieses Juden abgeben will. Wie der Abfluß zum Stillstände kommen soll? Einfach durch das aümählige Abscliwellen und endliche Aufhören des Antisanitismus. So verstehen, 90 erwarten wir die Lösung der Judenfrage. ׳ ■ Das alles haben meine Freunde und ich oft gesagt. Wir wollen uns die Mühe nidit verdrießen lassen, es immer und immer wieder zu sagen, bis man uns versteht. Bei dieser ieierlidien Ge- Iegenhcit, wo sidi Juden aus so vielen Ländern zusammengefunden haben, auf einen Ruf, auf den alten Ruf der Nation, heute sei unser Bekenntnis feierlidi wiederholt. Muß uns nicht eine Ahnung großen Gcsdiehcns überfliegen, wenn wir denken, daß in diesem Augenblick die Hoffnungen und Er- Wartungen von vielen Hunderttausenden unseren Volkes auf unserer Versammlung ruhen, Nach fernen Ländern, ja über das Weltmcenwird In der nädisten Stunde die Nadiricht von unseren Beratungen und Besdilüssen eilen. Darum soll Aufklärung und Beruhigung von diesem Kongreß ausgehen. Ueberall soll man erfahren, was der Zionismus, den man für eine Art von chißastisdiein Schrecken ansgab, in Wirklichkeit ist: eine gesittete, gesetzliche, menscheufreund- Bewegung nach dem alten Ziel der Schn- Sucht trr.5cre3 Volkes. v7.׳:־i Ce Enzelnca toter ur.S schrieben oder sagten, konnte und durfte man übergehen, — nidit mehr das, was der Kongreß hervorbringt. Möge darum der Kongreß, der fortab der Hc;t seiner Debatten ist, als ein weiser Herr wirtschaften. Ur.d eudlidi wird der Kongreß für seine eigene Dauer sorgen, damit wir nicht wieder auseinanderlmifcn, spurlos und’ohne Wirkung. In diesem Kongresse schaffen wir dem jüdisdien Volke ein Organ, das es bisher nidit hatte, das es aber dringend, zum Leben dringend braudit. Unsere Sache ist zu groß für den Ehrgeiz und die Willkür einzelner Personen. Sie muß Iris Unpersönliehe hinaufgehoben werden, wenn sie gelingen soll. Und unser Kongreß soll ewig leben, nidit nur bis zur Erlösung aus der alten Not, sondern nachher erst redit. Heute sind wir hier auf dem gastliehen Boden dieser freien Stadt —• wo werden wir übers Jahr sein? s Aber wo wir auch seien und wie lange unser Werk bis zur Vollendung dauere, unser Kongreß sei ernst und hoch«, den Unglücklichen zum Wohlc, niemandem zum Trutz, allen Juden zur Ehre und würdig einer Vergangenheit, deren Ruhm wohl schon fern, aber unvergänglich ist. Ein Vorschlag Von Dr. Hermann Schapira. Dieser Aufsatz ist von besonderer historischer Bedeutung: c9 ist Prof. Schapiras Vorschlag, der dann aut dem 5. Kongreß (1901) zur Gründung des Nationalfonds führte. Die Red. d. J. R, Zum dritten Punkt lit. b'. der Tagesordnung melde ich als Mitglied den nachstehend ausgeführten Antrag an. Ich habe den Gedanken bereits vor vielen Jahren angeregt und ihn seinerzeit auch der Dclcgicrtcnvcrsammlung zu Kattowitz telcgraphiscli ans Herz gelegt. Stellen wir uns vor, unsere Ahnen hätten bei ihrer Auswanderung ins Exil eine, wenn auch noch' so kleine Summe für künftige Zeiten gesichert, so würden wir heute damit größere Territorien erwerben können. Was unsere Vorfahren teils nicht gekonnt, teils versäumt haben, das sind wir zu tun verpflichtet für uns und unsere Nachkommen. Legate für künftige Zeiten unterliegen 'aber der Gefahr, später nicht zu dem ursprünglich beabsich* tigien Zwecke verwendet zu werden. Dieser Sorge soweit als möglich Rechnung zu tragen, ist das Bestreben dieses Vorschlages. 1. Es sollen von allen Juden der Welt, von Arm und Reich, ohne jeglichen Unterschied, soweit es die Gesetze derjenigen Staaten, denen die betreffenden Juden angehören, erlauben, einmalige und periodische Beiträge zur Begründung eines allgemeinen jüdischen Fonds gesammelt werden. 2. Zwei Drittel des so gebildeten Fonds sollen als Territorialfonds betrachtet werden und dürfen nur zur Erwerbung von jüdischc'm Territorium verwendet werden, während ein Drittel für Erhaltung und Kultivierung des erworbenen Territoriums, sowie für gleich wichtige allgemeine jüdische Zwecke Verwendung finden soll. 3. Das erworbene Territorium darf niemals verändert, auch nicht an einzelne Juden verkauft werden, sondern es kann nur verpachtet werden und zwar auf höchstens 49 Jahre nach noch auszuarbeitenden Grundsätzen. 4. Der öb-crwälinte Fonds darf an Kapital und Zinsen nicht angetastet werden, bevor er eine Höhe von mindestens 10 Millionen Pfund Sterling erreicht hat. 5. Bevor eine Summe aus dem Fonds entnommen wird, muß erst für eine Garantie gesorgt werden, daß der Betrag vollauf in höchstens 50 Jahren wieder ersetzt werde. 6. Zur Verausgabung einer jeden die jährliehen Zinsen übersteigenden Summe aus dem Grundkapital des Fonds bedarf cs der Stimmenmehrheit des plcbiszitär zu vernehmenden jüdischen Volkes, so gut dieses überhaupt ausführbar ist. 7. Soll der auszugebende Betrag die Hälfte des ganzen Grundkapitals übersteigen, so bedarf die Ausgabe einer Stimmenmehrheit von mindestens zwei Drittel aller erreichbaren Stimmen. 8. Die Verausgabung einer Summe bis zum Betrage der jährlichen Zinsen kann auf Beschluß der Verwaltung geschehen. 9. Soweit tunlich, sollen bevorstehende Ausgaben ein Jahr vorher dem Volke oder seinen Vertretem Vorschlägen werden. Nur in dringenden Ausnahmefällen kann sich die Verwaltung im Laufe des nächsten Jahres nachträglich Indemnität einholen. 1 10. Die Verwaltung wird von• dem gegenwärtigen Kongreß provisorisch , bestimmt Der Nr. 66 nächste Kongreß Bestimmt definitiv für die kom. menden zehn Jahre, im Laufe der nächsten zehn Jahre soll ein festes Statut für die zukünftige Ver. waltung äufgestcllt werden. 11. Abänderungen dieser Satzungen körnten nur auf Grund eines Plebiszits mit einer Stimmen, mehrheit von mindestens zwei Dritteln aller erreich, baren Stimmen vorgenommen werden. 12. Einem solchen Plebiszit muß eine drei• malige Bekanntmachung mit Zwischenpausen von jeweils zehn Jahren vorangegängen sein, die jedes, mal so gut als möglich unter alle Juden verbreitet worden zu sein hat. Berliner Brief Von Dr. N. Birnbaum. Auch dieser Brief von Nathan Birnbaum, der die Verhältnisse der Chowevve Zion und Zionisten Berlins im Jahre 1897 schildert, ist bemerkenswert. Der Artikel ist zu einer Zeit geschrieben worden, als noch München als Kongrcßort ausersehen war. Die Red. d. J. R, Es gibt nicht viele Zionisten in Deutschland, Von einer Volksbewegung, wie sie jetzt in Oesterreich be• ginnt, keine Spur! Nicht einmal eine Studcntcnbcwcgun;׳. Wenn man die Kugeln einer Rechenmaschine mit allen Namen deutschländischer bewußter Zionisten beschreiben wollte, es würden wahrscheinlich noch etwelche Kugeln unbeschrieben Zurückbleiben, Poch man müßte lügen. Wollte man nicht ׳ ת•gestehen, daö diese Gruppe in der von ihr gewählten Methode Großes leistet. Sie verzichtet von vornherein auf ״Bewegung“, sic übersieht und unterschätzt vollends die Gefahren einer Kolonisation ins Blaue hinein, sie hat keine Ahnung von der Macht und Wucht öffentlicher Meinung — aber an ihrem Werke, der allmäbügeti Infiltration Palästinas mit Juden, arbeitet sie mit rastlosem Eifer. Ger.uk jetzt kann sie auf eine Reib״ großer Erfolge zuriickblidten. Da ist zunächst der Sammclvcrcm ״Esra“, der im letzten Jahre weit über 2000 Mitglieder in über 200 Städten zählte, bis 7000 M. cinnahm und zirka 19 000 M. für Palästina• zwecke verausgabte. Einen weiteren Fortschritt bedeutet die Palä s tina-Au s s t cllun g in der vorjähri• gen Berliner Gewerbe-Ausstellung, die dann auch in Köln und Breslau ihre Zelte aufschlug und demnächst auch in Frankfurt a. M. aufzuschlagen ge• denkt. Die hier zur Ansicht gebrachten Produkte, nament• lieb aller die ausgestellten Weine wußten unstreitig viel dazu beizutragen, der palästinensischen Erde und ihren Bauern einen guten Ruf zu bereiten. Eine ähnliche Ver• anstaltung wind die Teilnahme der Kolonien an der diesjährigen Hamburger Garten- Ausstellung sein. Neben diesen vorübergehenden Veranstaltungen — die uns übrigens auch den wesentlichsten Nutzen der praktischen Kolonisation, ihren propagandistiseben Wert enthüllen — sorgen die deutschländischen Zionisten für dauernde Unternehmungen zur Unterstützung der Kolonisation. So hat sieh vor einigen Monaten eine Pafä s t i na -1 m por t-Ges eil sch aft gebildet, die in der City Berlins ein fashiotiables Verkaufslokal unterhält, und ebenso geht von Berlin der seiner Realisierung nahe Gedanke aus, mit den Oeldcm jüdischer Kapitalisten aller Länder in Paris eine Agrar• bank für Palästina zu gründen. Bezeichnenderweise wird sidi diese Bank nicht als jüdische bezeichnen und sie wird statutarisch Syrien als ihr Arbeitsfeld anfübren. Geheimtuerei mit offenen Geheimnissen — das ist eben ein aus der Nur-IufiUration sich logisch ergebender Charakterzug der deutsdien Zio• nistenbevegnng. Dieser Geheimtuerei zu Liebe werden die unbedingt erforderlichen großen politischen Maßnahmen nicht ergriffen. Nun haben die deutschen Zionisten allerdings auch noch andere als bloß auf die Infiltration gerichtete Bestrebungen. Zunächst wohl von ihrem starken jüdischen Gefühle getrieben, dann auch genügend erwägend, daß man ja für immer neue Spender sorgen müsse, bemühen sie sich auch, in der jüdisdien Bevölkerung des Deutschen Reidies den Sinn für jüdisdie Dinge zu wecken und .jüdische Sammelpunkte zu sdiaffen, Zunächst^ brauchen sie natürlidi solche für sich selbst, d. h. für die engsten zionistischen Kreise. Diesem Zwecke dienen zwei Vereine: ״Jung-1 s raei“ in Berlin und die ״Nationaljüdische Vereinigung" >n Köln. Erstcrcr ist schon mehrere Jahr alt und hat ausschließlich nur eine Bedeutung als Stätte der Be• Ichrung und Ermutigung für die ziclbewußtcstcn Berliner Gesinnungsgenossen. Der letztere hat weitgehende In• tentionen — er will eine Organisation der deutschen Zionisten erreichen — da er aber eben erst geboren wuide, kann man natürlich nidit sagen, wie weit cf kommen wind. Ein drittes, streng zionistisches Forum! die Monatsschrift ״Zion“ — die dreisprachig (deutsch, französisch, hebräisch) erscheint, — hat, eben als Blatt, soweit sie sich nidit durch ihre auf exquisitere Kreise berechnete Schreibweise freiwillig ciusdiränkt, vielleicht noch dic_ breiteste Wirkung. In ihr kommen übrigens alle zionistischen Gesinnungsschatticrungen zu Worte, Von den Bemühungen, allgemein jüdische Sammcl• statten 2u schaffen, ist die vor mehreren Jahren durch Zionisten 11 erbeigeführte Gründüng des Verbandes der Vereine für jü• dische Geschichte und Literatur besonders licrvorzuheben. Nun, cs ist ja ganz löblich, was da geschieht. Es kann den Leuten, die kommen, tun Vor• träge über jüdische Themata zu hören, nicht schaden; daß sie׳ aber hierdurch für den Zionismus tauglicher würdl sind Die rrckOl diese taten Und sieh das < SO V — zt führt doxit Grün frcnv freie mam wem diese Zion weg! Aber Infilt das ja a statt Aus« sein. nach Rieh Frag 'Auf! gleit c i n war