Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 65 (18.8.1922)
- Date
- 1922-08-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 433 /( 65 Jrch י,":!•*? ndcrc dieser näni. beiter beiter paar t ihn! Jahre träet. •au me ׳. die sehr lUchf, l cm, sin, 1 ist, n un« *fk יד Geiß, r die u Int dinge ntage ,ד 13 : * ein, riet;», «000 cn in und ickstl hrend I b״, st .!Iw kon« Auf. janze zw. creth, rdern dabei , die schla. :r zu ו die stein, sehr iniert Hütet, mog« lenen lavoa rcel). ncb't Die chüre ן der e er. h die Kwu. mehr »hin? 1 für Jeren des n die oben, Fluß* ahlcrt mehr itung C' eise volle triger cscit dodi ibrif. jilitt׳ hm? idet. Jähe aßfi, uw• sih Jähe ehe tritt!! V11 : v-1־ OCO 1 di Gut hädi rgib! nmer;wert Ren• Vor• 1 die Be• •י.זק! iahre iurch | 1. , d’ Kr. 65 Üe Lage der Juden vor der Emanzipation im Uchte nationaljüdii eher Gcschichtsbctrachtung Von Dr. Oscar K a r b a c h, Wien. Wir entnehmen den Aufsitz mit Erlaubnis des Verfassers einer größeren Arbeit ״Theorie der jüdischen Assimilation“. Die Red. Nach der landläufigen׳ Ansicht waren die Juden »!ז Zeit der Gewährung der Glcichberechli;.pmg In die Enge des Ghettos gebannt, ermangelten des Rechtes des Grundbesitzes,■ der Teilnahme au Verv.al'.u.ig durch den Ausschluß von allen Aemtern :,| F.hrcnstclicn; die Zahlung von Sehutzgcldcm mußte rlf;t den ln hu!/. der Müduigen erkaufen; doch silbst 0» 5־ begründete Abhä:1gigkeitsvcrhä!:nis genügte nicht, . vor de;1 llcim-.udvmgcn eines fatia'.isiertcn Pöbels, ״j;.,njii.'i'cn habgieriger o 1er ihnen verschuldeter Großer bewahien; strenge Versehtiffen engten die Freiheit;iCr Lebcnsiiihnmg ein, zogen scharfe Trennungtlinien -;,;cn ihre Umwelt, u.ucrslrichcn durch Kleiderordmin- (M und Judcnzcichcn ihre diffamierende Sonderstellung. Nach der Anschauung der unter liberal-assiinilatorinliein Lin.'l'.iH stehemien Geschichtsschreibung fliehen ".;;ז langsam diese Schatten vor dem siegreich aufstei-;enden Glanze des menschlichen Fortschritts, der end- Ich den Juden die so lang ersehnte Gleichberechtigung mit ihren Mitbürgern“ verleiht. Das Bild, das auf (;!esc Weise von der Lage des jüdischen Volkes wäh-;ad vieler Jahrhunderte geboten wird, ist ein durch die Ocsclildue bestätigtes, jeder,einzelne Zug historisch;;»riiiuk't: nichts kann aber irriger sein, wie die daran;dr.üpHen Schltißfo'gcnmgen, die mit größter Deutlich* iccit die schiefe Auffassung der liberal inspirierten, weiti;c1ü!ic11 Assimilation illustrieren, zugleich aber audi die;rolle Gefahr falscher Vorstellungen von den Grundbcdinguiigcn der eigenen Existenz in ihnen Auswirkungen .־nif das praktische Leben erhellen. Die vorgeblichen Kriterien der Pariastcllung der Juden erweisen sich bei näherer Betrachtung durchweg als nicht stichhaltig, sobald inan nämlich den Bück auf de Loge der Gesamtbevölkerung in diesen Jahrhunderten iahtet und die Rolle der jüdischen Gruppe innerhalb der zeitgenössischen Gesellschaft festsfdlen will. Es geht nicht an, im ständischen Staate von einer Beii.ichteiligung der Juden gegenüber ״den Mitbürgern“ 711 sprechen (wie es regelmäßig geschieht), in einer Zeit, der unser einheitlicher Staatsbürgerbegriff völlig fremd war. Niemand wird leugnen, daß die privilegierten Klassen i׳!:!::or eine bessere Rechtsstellung innehatten, als die jüdische Giuppc; aber ebensowenig dürfen wir nur starr rai dier,en numerisch sehr schwachen Teil der Bevölkerung bücken, der aus Adel und Klerus und denv vom osten Augenblick seines Bestehens an besonders favorisierten städtischen , Bürgertum .,gebildet ist. Wohl lag bei diesen Klassen die Entscheidung allen politischen Geschehens, sind sie die Träger der kulwrcllcn Entwicklung; deshalb aber darf uns,beileibe nicht ihre Rechtsstellung als das Norm,almaß der menschlichen l'icihcit jener Zeit erscheinen; das Volk in seiner weitaus überwiegenden Mehrheit, die Bauern, entbehrten, unter härtestem Drucke lebend, auch nur annähernd "kiel!';ür.stiger Lchensbcdingtingcn, ja ein Vergleich mit der jüdischen Gruppe fällt zugunsten der letzteren aus; so war es ein verhängnisvoller Irrtum, dessen Berichti- ״wig die gesamte Einstellung zur Jutlcnfrage von Grund aus verändern muß, in die der Assimilation naheliegende Groische Geschichtsauffassung zu verfallen und eine IhriaStellung der Juden gegenüber allen Schichten der angehenden Bevölkerung zu konstruieren. Wir wissen heute, daß den Juden ein nicht tmbcträchtlidics Maß von Autonomie zustand, daß sie die Möglichkeit hatten, nach eigenem Rechte zu leben, daß Ger auch das Recht ihrer Umgehung sie vielfach bc- ״’•iastigte, wenn auch in der Absicht, sie völlig auf das fichiet merkantiler Tätigkeit zu drängen, die durch kano- 'Gehe Vorschriften für die Christen erschwert wurde. 'vv'ie dem auch sei, die uns geschichtlich beglaubigte Tat- ';’die von der Beschäftigung der Juden in Handel .und Geldwesen seit den ältesten Zeiten erhellt deutlich die G׳u besonders freizügige Stellung der Juden, die in einer ׳■׳-it, in de: die Mehrzahl der Bevölkerung faktisch die ^°l׳c von Arbeitstieren innehatte, all die bedeutenden Kriterien der persönlichen Rechtsfähigkeit besaßen, die heim Abschluß eines Handelsgeschäftes die Partner bcringen. Juden zogen als KauOcutc in die fernsten 1;1•:der, wahren.•! gkichzcüg die leibeigene Bevölkerung (i'*0 Gemarkung ihres Herrn nicht verlassen durfte, ihr 1-eben im Ghetto wurde von äußeren Mächten nicht Göremi beaufsichtigt und konnte jenes Maß von tra- 1-1(101: cllcr Eigenart amichmcn und durch Jahrhunderte Bewahren, dessen Voraussetzung eine unberührte Ent- "';Al'.ing j;t. f>;e Erfüllung des jüdischen Bekenntmsses in einer Zeit des stärksten religiösen Fanatismus 1d a.lcm schon eine einzigartige Erscheinung, wahrend 1״׳'i''1■׳eilig christliche Sekten vollständig •ausgerottet Werden. ' . , , Wir wissen, daß die Zahlung von Schutzgeklern, die ״»eh.damaligen Reehtsbegriffen mit einem gewissen Ah- ״angij-iccrlsvcrUäUnisse vom Sciiutzhcrm .verbunden war, 1״dits Diffamierendes an sidi hatte, und daß die un- ■'״mittelbare Unterordnung unter den Kaiser oder den 1■ 1,1״,': fürsten (KammcrknccUtc) mit Umgehtmg der feu- 1":ו»׳ Zwischenstufen naliczu als Auszeichnung gewertet )1A'dn! darf, wenn auch die finanzielle Ergiebigkeit dieses .ve1Iuilini:;ses (zeitweilig fast die einzige regelmäßige Ein- ,'“liaicqucile des deutschen Kaisers!) Ursache dieser Bc- (0׳rzu;;ung ist. Der Erwerb vo.1 Grund und Boden, mit JUEDISCHH RÜNDSGHAU . dem das deutsche Recht den Anteil am politischen Lehen uikiuip.He׳ war lange ein besondere׳! Privileg, das zumal mulcilialb der Städte nur Adel und Klerus Vorbehalten Wien, den Ausschluß davon zum Kriterium einer ganz exzeptionellen Pariastcllung machen zu wo'len, ist dnrdiaus . .alsch; übrigens besaßen Juden schon frühzeitig zumindest städtische Gründe. Umständliche Klcklcrordnungen und Verpflichtungen zum Tragen besonderer Ab- Zeichen waren für alle Stände gleichmäßig mit großer Strenge vorgeschriebe»; diese Tatsache allein, mag sie den einzelnen auch ln erhöhtem Maße Insulten des I ׳')bei; r.u״׳c־e׳zt haben, i t keineswegs etwas Auffallcndes. Die schweren Verfolgungen cndlidi, denen die Juden ausgesetzt waren, müssen wir als Störung der geftcmlen Rechtsordnung, nic׳ht als Folge derselben 11ctrachten; die geschichtlich beglaubigte Tatsache, daß z. B. das Rituainiordiiiärchen häufig dazu lierhaltcn mußte, um sich von der Versdiuldung an die Juden zu bcfreien, zeigt deutlich, daß die Rechtsordnung den Juden zur Durchsetzung ihrer Ansprüche ausreichende Zwangsmittel lieh, •denen selbst Angehörige der privilegierten Klassen unterworfen waren und denen sie nur auf diese verwerfliche Weise zu entgehen hofften. Die Behauptung und Ausübung patrinionLilcr Rechte gegenüber den Juden, Heranziehung derselben zu persönlichen Arbeiten, Vorschreibung der zu wählenden Berufsart (zu unterscheiden von dem Ausschluß von gewissen Erwerbszweigen), Mangel an Erbfähigkeit, usw* von den weitgehenden, dem Grundherrn zustchcndcn Einmischungen in das Privatleben der Untertanen ganz abgesehen, treten uns in legislatorischer Fixierung nicht entgegen;; ein Vergleich mit ekr Rechtsstellung der Fremden zeigt die Juden — zum Unterschied von heute — zweifellos als begünstigte Fremde.! Die jüdische Gruppe trug alle Kriterien eines Standes an sich; das beinhaltet mit Selbstvcrständlichkcit den von einer naiven Betrachtungsweise als grausain und diffamierend bezeichnet!;» Ausschluß von der Einmengung in die Angelegenheiten der übrigen Stände; ebenso wie etwa Bürger und Bauer nichts gemein hatten. Ist sohin auch die Lage der Juden, wenn man den heutigen Maßslab anlcgt, absolut genommen eine ungünstige gewesen, so muß besonders bei einer Untersucluing der Voraussetzung der Assimilation ihren Lebcnsbcdingimgcn im VcihäKnU zur Gesamtheit hervorragende Berücksichtigung zuteil werden; relativ war ihre Situation günstig, gegenüber der Masse der bäucrliehen leibeigenen Bevölkerung ihr Stand einer der privilcgicrtcn, ׳wenn auch sicher der letzte unter diesem, der im Rang erst weit hinter Adel, Klerus und städtischein Bürgertum folgte. § Erst mit dem allmählichen Aufsteigen der Massen des Volkes, dessen rechtliche Stellung in zögernder Ent- Wicklung?.ich verbessert, während die der Juden bis in die allerneucste Zeit ungefähr gleich!! blieb, geht dieser Vorsprung ׳vor der Majorität der Bevölkerung (den die allein nichtchristliche Gruppe in ihrer vollkommenen Schutzlosigkeit wohl ihrer Intcllfifcnz und Verwendbarkeit verdankt haben dürfte), allmählich und unmerklich verloren,. Mag and! nnsdicincnil ein ständiger Fortsdiritt an der Verbesserung des Loses der Menschheit arbeiten und der einzelne Jude unter der Einwirktmg der Aufklärungsideen ruhiger und sicherer leben, so ist die Stellung der jüdischen Gruppe innerhalb der Gesamtbevölkerung eine ständig schwächere, cs erfolgt also im Gegensatz zur herrschenden Anschauung ein Rückschritt, der schließlich dahin führt, daß die absolute Lage der Juden sich wohl bessert, sic aber jetzt nunmehr wirklich Parias der O e s a m t bevölkerung sind, deren Gleichstellung auch mit dem letzten der ״Mitbürger“ (jetzt erst ist dieser Ausdruck berechtigt) oftmais bestritten oder erschwert wird, wenn auch diese Pariastcllung in den Kulturländern (bis in die neueste Zeit) keine allzu schroffen Formen anzunchmcn pflegte. Die Folgerungen aus dieser Erkenntnis sind hochbedeutsam: Die historische Entwicklung brachte es mit sich, daß die Juden nur auf die privilegierten Stände ihren Bück richteten, daß sie, sobald die Zeit dafür reif war, die Rechtsstellung gerade dieser Klassen für begehrenswert erachteten und den Platz unmittelbar nach diesen und vor der großen Masse der Landbevölkerung und des städtischen Proletariates cinzunchmen wünschten, daß späte! hin die Assimilation nahezu ausschließlich in aufsteigender Richtung orientiert war. Fenier traten die Juden als ״Stand“ üi die Epoche ihrer Emanzipation ein, in nicht nur r ä ti m 1 i eh, sondern auch sozial enger Gruppierung,.mit einheitlieber Lebensweise, einer geringen Anzahl von Berufen und seit jeher unter einheitlichem Gesetze stehend — ein Zustand, der, wie wir sahen, der nichtjüdischen Bevölkerung fremd war. Die Konzcptionsfchlcr der jüdischen Assimilationsbewegung treten bei diesen Erwägungen deutlich zutage: sie konnte ven allem Anfang an nur ein Scheinleben führen, da die Bedingungen zu einer , echten Assimilation eben nicht gegeben waren. . , Die Berührungsfläche war infolge der durch die historische. Entwicklung gegebenen ständischen Struktur eine viel zu geringe: den einzelnen Klassen der Umgcbung standen bei den Juden keine korrespondierenden Schicliten gegenüber; cs war ein in der Mentalität der Emanzipationszeit begründeter > Irrtum, einen Assimila- (vonspro/cB, der der. ■Konsense׳ «׳der *Allgemeinheit bc• darf, lediglich vermittels der anfänglich vorhandenen Sympailiicn der numerisch schwachen, wenn auch politisch und kulturell einflußreichen Oberkiassen durchführen zu können, während ein inniger Anschluß an die große Masse des erst gleichzeitig mit den Juden von allen hemmenden Schranken befreiten Volkes schon deshalb nie ernstlich erstrebt wurde, weil er nichts bot, das man nicht schon besaß. j >׳ i; 1 1 ׳ , So fällt einer der hauptsächlichsten Vorwürfe gegen das Judentum, dessen Eihebung und Widerlegung einen sehr breiten Raum in der Behandlung der Judenfrage cirmimrnt, als ob nämlich die jüdische Gruppe in der kurzen Zeit ihrer Gleichberechtigung in doiosc r Weise die ganze soziale Stufenleiter so schnell durchlaufen hätte, vollkommen fort: der günstige Ausgangspunkt der modernen jüdischen Entwicklungwar eben schon von vornherein historisch gegeben. I ׳ י Die landläufigen Erw!Irrungen (die übrigens auch jüdische Anhänger der Assimilation veranlaßten, den Juden die Eignung und Neigung zu manu eilen Berufen, daher auch die Fähigkeit zur nationalen Organisierung, abzusprechen) beruhen ausschließlich auf einer schiefen Betrachlung der Vergangenheit; die Assimilation kann sie nicht widerlegen, weil ihre Auffassung des geschiehtliehen Gesellehens auf die Herrn!satbeitung des ״allgemeinen Fortschritts" eingestellt ist; hier haben dem'־ nach ihre Irrtümer und Fiktionen unmittelbar schädliche Auswirkungen im praktischen Leben gezeitigt. Die Assimilalionsbcwcgung mußte am ״zu hohen sozialen Ansatz" scheitern. Prcssestlmmcn Der aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetretene Abgeordnete _Düh rin ge r schreibt im ״Tag“ über den Antisemitismus: Die Mentalität der jüdischen Volksteilc, ihr ethisches . und ästhetisches Empfinden weicht vielfach von dem deutschen ab. Das hat zweifellos seinen tieferen Grund in der Verschiedenheit der Veranlagung. Als Folge des Zusammenbruchs und der Revolution trat die Erscheinung auf, daß der jüdische Volksteil trotz seiner zahlenmäßig so geringen Minderheit einen ganz überragenden Einfluß in unserem öffentlichen Leben gewann. Das mußte notwendig zu einer starken Gegen- Wirkung führen. Die antisemitische Weile geht durch das ganze Volk; sie ist keineswegs auf dcutschnationale Kreise beschränkt. Wir finden sie auch in allen andern Parteien, selbst in der sozialdemokratischen, die sich veranlaßt gesellen hat, bei den Rciclistngsw,ihlen verschicdcne jüdische Kandidaturen zurückzustellen bzw. In der Versenkung verschwinden zu lassen. Keine Parfei hat allerdings die Kurzsichtigkeit begangen, den Antisemitismus nun Parteiprogramm zu erheben. Auch nicht die Dcutschnationale Partei, solange sie sich unter der Führung von Männern wie Graf Posadowsky und Delbrück befand, Sic duldete die Antisemiten wohl als Mitkämpfer in ihren Reihen, aber sie räumte ihnen keinen ausschlaggebenden Einfluß ein. Dieser Standpunkt wurde aber unter der Führung von Hergt und!Westarp immer mehr verlassen. Der Antisemitismus; der Partei hat seitdem immer schärfere Formen angenommen. An Stelle des durchaus berechtigten Eintretens für deutsche Kultur, Eigenart und Sitte fst der leidenschaftliche, hemmungslose Partei- und Rassenhaß in Agitation und Presse herrschend geworden. Man suchte und fand in der Duldung und Förderung des Antisemitismus das unterscheidende Merkmal der Parfei gegenüber allen anderen, insbesondere der Deutschen Volkspartei, und erwarte von ihm große parteu politische Erfolge. Der politische Antisemitismus hat seit Ortlndung des Reiches schon verschiedene Anläufe genommen. Er hat jedesmal, nach vorübergehenden Anfangserfoigen, ein klägliches Ende gefunden. Bismarck hat ihn atifs entschiedenste abgclchnt. Er wirkt in der Tat rein negativ, rein destruktiv. War sein Auftreten zu Zeiten des alten Reiches relativ ungefährlich,_ so bedeutet er jetzt die schwerste Schädigung des Reiches und seiner Kreditwürdigkeit. Aber das ist noch nicht einmal das allein Entscheidende. Es kommt der religiöse Gesichtspunkt hinzu, daß die Politik des Hasses und der Leidenschaft, wie sic die Antisemiten betreiben, niit den Grundsätzen des Christentums und dcr.Hiitnamtät völlig unvereinbar ist. Wenn, um einige Beispiele hervorzuheben, der Abgeordnete v. Graefe in dem Berliner Lokalblatt ״Die Wahrheit“ den Vcrsailtcr Vertrag, dieses schwerste Unheil und Unglück des deutschen Volkes, dessen ruinierende Wirkung allmählich jeder einzclnc Volksgenosse am eigenen Leibe empfindet, in ׳ einem ״Pax judnica“ iibcrschriebcncn Artikel als das ausschließliche Werk von Juden hinstellt, vvenn der Abgeordnete Henning in seinem Aufsatz über den Rapallo-Vertrag nusführt, daß der deutsche Jude (Rathenati) ־mit dem russischen Juden das deutsche Volk verschachert habe, und Sühne dafür verlangt, dann braucht sich niemand zu wundern, wenn die Oegner mindestens mit einem Schein der Berechtigung den Zusammenhang mit den begangenen Frevcltaten behaupten. Uebertragung des Baron Hirsch •Fonds nach Warschau Wa rschau. ' (J.C.B.) Delegierte der fea sind in Warschau eingetroffen und haben mit dem Premierminister Nowak eine Konferenz abgehalten, deren In-’ halt die Frage der Uebertragung des Domizils des Baron-Hirsch-Fonds von Wien nach Warschau bildete. Der Fonds ist als eine legale jüdische Institution in Galizien bereits bestätigt. Wie es heißt, ist die Frage in der Besprechung mit dem Premierminister positiv' entschieden worden. Tcmhlfl und LntzUi in Warschau. Die Delegierten der Wclfhilfskonfcrenz und des Emigrafionaürcktoriums Lazki-Bartholdi und Tendern s'nd soeben aus Berlin in Warschau eingetroffen. Ihre Hauptaufgabe ist die Kai- Zentrierung der Arbeit nl’er Emigrations-Organisationen, ״Hjas“ inocgriff׳'n. (J.C. B.).