Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1922-08-18 · Heft 65 (18.8.1922) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 65 (18.8.1922)
Date
1922-08-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2652410-2652467--15121-2673561
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

״4״4£« Seite 430 Bau von Häusern fe» diesen Städten im Jahre '1922 zirka 100000 £ für Hypothekenkredite bewilligt, ln den Kolonien Rcclioboili, Nachiath Jclitda und verseiltedenen anderen sind in der letzten Saison zahlreiche Häuser gebaut worden. Außer diesen Häusern für Wohnzwecke ist in Jerusalem, Jaffa ltrnl Haifa auch der Bau von Geschäftsv iert cf n durch jüdische Kauflcutc m Vorbereitung. Der Boden dazu ist bereits erworben worden; in Jaffa ist mit Hilfe eines Kredites von zirka 60 000 £ seitens der Anglo Egyptian Bank mit dem Bau bereits begonnen worden. Die Zionistische Organisation hat auf den von ihr fei der Einek Israel erworbenen Ländereien neue!andwirtschaftliche Siedlungen angelegt, die sielt dadurch auszcklincn, daß bei ihnen vor dem Beginn der eigentlichen landwirtschaftlichen Arbeit die Herstellung guter Wege, die Entwässerung und Bewässerung in systematischer und großzügiger Weise ausgeführt und ein Bebauungsplan nach modernsten Grundsätzen auigestcllt wurde.! ,• ׳ Die Zionistische Organisation hat zusammen mit der Arbeiterorganisation von Palästina die Workmens Bank Ltd. mit einem Kapital von 40 000 £ gegründet Die Arbeiterbank gewährt Kredite an Arbeitergruppen zwecks Uebemahin« von öffentlichen Arbeiten z. B. Straßenarbeiten und Bauarbeiten und hat auch zahlreichen landwirtschaftlichen Kooperativ-Genossenschaften kurzfristige Kredite zur Anschaffung von Inventar bewiligt Die von der Zionistischen Organisation eingerichtete landwirtschaftliche Versuchsstation hat ihre Arbeit an mehreren Punkten des Landes artigenomtnen. Sie beschäftigt sich damit, die bisher wissen• schaftlkh noch fast unerforschten Bedingungen für die Erzielung höchster Erträge durch zweckmäßige Sorten■ wähl, Bearbeitung des Bodens, Düngung festzustcllcn und neue, bisher in Palästina wenig oder gar nicht angebaute Pflanzen cinzuliihrcn. Ihre Arbeit ist von außerordentlicher Bedeutung, denn die bisher in der palästinensischen Landwirtschaft erzielten Erträge sind außerordentlich kümmerlich und können bestenfalls nur dem Fellachen zur Befriedigung seiner außerordentlich bcsdtckkncn Bedürfnisse genügen. Dem Europäer dagcgen kann die Landwirtschaft nur dann eine befriedigendc Existenz gewähren, wenn cs gelingt, ihre Erträge durch Einführung besserer Methoden und neuer Pflanzen erheblich zu steigern. Unter den Versuchen der Versuchsstation sind besonders zu erwähnen die Einführung von guten Tabaksorteil, von gutem Zuckerrohr, von Flachs und von neuen Futterpflanzen und Oclirüchten. ,Wenn diese Vcrsudie befriedigende Ergebnisse zeigen, so werden sie nidit nur für die Landwirtschaft ein besseres und erweitertes Tätigkeitsgebiet bedeuten, sondem auch die Grundlage für neue große Industrien bilden. Gewisse Fortschritte sind seit der englischen Okkupatlon in den jüdischen Kolonien in der Milch wir(־ sebaft, der ■Bienenzucht und dein Gemüsebau erzielt worden. Besonders die Mi'.chcrträgc haben sich durch Einfuhr guter Viehrasse» und verbessertem Futterbau erhcbüdi gesteigert B. Ausblick in die nahe Zukunft. I. Tätigkeit der Regierung. Das Wichtigste, was die Regierung auf dem Gebiete des Verkehrs für Palästina tun kann, ist der Ausbau mindestens eines Hafens, oder noch besser der beiden Häfen Jaffa und Haifa, Der bisherige Zustand, da3 Secschiffe 1—2 km von der Küste entfernt bleiben und ,Waren und Passagiere durch Leichter ausladcn und einladen müssen, bedeutet eine sehr große Verteuerung für alle importierten und exportierten Waren. Im Durchschnitt kostet das Ausladen von 1003 Kilo Waren vom Schiff in Jaffa bis in das Zollamt zirka 62 Piaster plus 18 Piaster Verladen vom Zollamt bis ln den Eisenbahnwaggon, also zusammen 80 Piaster. Die Fälle sind nicht selten, in denen die Spesen für Ausladen oder Ein• laden im Jaffaer Hafen fitst ebensoviel betragen, wie die gesamte Fracht von einem europäischen Hafen bis nach Jaffa. Als eine wahre Kalamität erweist sich das Fehlen eines ausgebauten Hafens im Winter, wo an stürmischen ,Tagen das Ein- und Ausladen oft ganz unmöglich ist und die Schiffe häufig nach Tagen des Wartens unver• rkhtcler Dinge weiterfahren müssen. Pläne für den Ausbau der Häfen Jaffa und Haifa sind seit vielen Jahren ausgearbeitet und diskutiert worden. Mit einem Kostenaufwand von je einer Million Pfund könnte sowohl in Jaffa wie in Haifa ein für den Bedarf auf Jahre hinaus genügender Hafen geschaffen werden, wobei der Verkauf des Landes, das durch AufschiHfungsarbeiten gewotmen wird, einen beträchtlichen Teil des Baukapitals wieder erbringen würde, Es ist absolut unerläßlich, daß mit der Ausführung dieser Hafenbauten schnellstens begonnen winL Ein gut ausgebauter Hafen ist der Schlüssel zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, Das Eisenbahnnetz Palästinas westlich des Jordans, das zurzeit zirka 500 km Eisenbahnlinie tun faßt, genügt im allgemeinen den Ansprüchen des Verkehrs. Zweckmäßig wäre allerdings die •Schaffung einer Eisenbahnverbindung zwischen Jerusalem und Nablus, deren Fortsetzung von Nablus nach Afuieh bereits be steht Durch die Schaffung dieser nur zirka 65 km langen Strecke wäre bei der Verbindung von Jerusalem nach dem Norden Palästinas (Nazareth, Tiberias und weiter nach Damaskus) der jetzige weite Umweg über Haifa erspart ln einem späteren Zeitpunkt wird cs nötig sein, die Afuieh—Nablus—Jerusalem-Linie nach Berseba über Hebron zu verlängern. Auf diese Weise würden zwei ParaUcllinicn geschaffen, welche das Land in der JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 65 .. 1# Nf, Richtung Norden-Süden durch׳;clmciden. Diese beiden Linien sollen mit einem System von Straßen in Verbindüng stehen, welche in der Richtung von Osten nach Westen laufen, ln einem kleinen Lande wie Palästina, in dem die Entfernung von der Ostzur Westgrenze nicht mehr als 100 km beträgt, wird ein solches gut ansgebaute* Straßennetz zur Entwicklung der lokalen Möglidikciten gewaltig beitragen. Die Regierung hat einen ausgedehnten Plan für Straßenbau entworfen, da aber Mittel fehlen, ist cs nicht sicher, wann dieses Programm durchgeführt werden wird. In diesem Zusammenhänge mag erwähnt werden, daß die Straße Jerusalem—Jaffa verbessert und breiter gemacht werden muß. Der Verkehr auf dieser Straße ist heute schon ganz beträchtlich und wird sehr rasch noch weiter anwachscn. Der Standard Oil, Co., die bereits vor dem Kriege von der türkischen Regierung das Schürtungsrccht auf Petroleum *m Süden des Toten Meeres erworben hatte, ist von der englischen Regierung kürzlich dieses Recht mit Ausdehnung auf ganz Südpalästina erneuert worden. Viele Sachverständige sind davon überzeugt, daß in dem Nachbargebiet des Toten Meeres reiche Pctrolcumqucllen zu finden sind, und die Tatsache, daß die Standard Oil Co, schon vor dem Kriege große Summen für die ersten Arbeiten ausgegeben und zähe an ihrem Schürfungsrccht festgehalfen hat, läßt darauf schließen, daß die Hoffnungen auf Petroleum keine unbegründeten sind. Die Auffindung von Pctroleumquclfen würde für Palästina und Syrien, in denen bisher keine Kohle oder sonstige Heizungsstoffe vorhanden sind, natürlich von außerordentlicher Bedeutung sein. Ueber die ungchobenen Schätze irn Wasser des Toten Meeres ist schon eine ganze Literatur entstanden. Hier ist wirklich eine Quelle des Reichtums, wie Um kein anderes Land der Welt besitzt. In der türkischen Zeit war cs allenfalls verständlich, daß sich das theoretische Interesse am Toten Meere nicht zu industriellen Versuchen verdichtete; denn die Oewiiinung der Sake, die im Wasser enthalten sind, hat eine gute Eisenbahnverbindung vom Toten Meere zum Mittelmecr zur Voraussetzung, und ln türkischer Zeit war die notwendige Hilfe der Regierung bei diesem Bahnbau und bei dem ganzen Unternehmen nicht so leicht zu erreichen. Jetzt hat sich die Sachlage geändert, da die palästinensische Regierung zweifellos jeden mög■ liehen Beistand leisten würde. Hier eröffnen sich jetzt große Möglichkeiten, deren Ausnutzung dem Kapital eine gute Gewinnchance und vielen tausenden von. Arbeitern Beschäftigung verspricht. . Von nicht geringerer Wichtigkeit als die Auffindung von Pctrolcumqncllen ist die Benutzung der Wasser■ k rä f t c Palästinas für Bewässerung und.Erzeugung elek frischer Kraft. Das unter dem Namen ״Rutenbergprojekt“ bekannte und von der Regierung bereits genehmigte Projekt des Ingenieurs Rutenberg will das große natür■ lieh»* St; 11 (ein de־־ Tiha h ־,scer und das Gefälle des Jordan und Jarmuk benutzen, um bis 100 000 HP. elektrischer Energie zu erzeugen und um das Winteriiivcau des Tiberiassecs durch Dammanlagcn fcstzuhalten und die Wasser, die jetzt nutzlos während des regen reichen Winters durch den Jordan abfließen, für den Gebrauch im regenlosen Sommer aufzuspeichern. Durch das Projekt würde für das ganze Land billige elek* frische Energie zur Verfügung stehen, die sowohl für den elektrischen Betrieb ■der Eisenbahn, als auch für industrielle Zwecke im weitesten Umfang genügen würde. Durch die Bewässerung könnten die landwirtschaftlichen Erträge Palästinas bedeutend gesteigert werden, da be wässerter Boden nicht nur vier* bis fünfmal größere Erträge gibt als!!״bewässerter Boden, sondern auch eine Versicherung gegen Mißernten bedeutet, die auf un* bewässertem Boden in Palästina wegen ungenügenden Regens ziemlich häufig sind. Es wird Aufgabe der Re* gicrung se.n, die Durchführung dieses Projektes, für welches privat« Kapitalien wahrscheinlich gewonnen wer׳ den können, mH allen Kräften zu fördern, Da aber immerhin einige Jahre vergehen dürften, bis alle Vor׳ arbeiten für das Bewässerungsprojekt beendet sind, würde cs nützlich sein, gewisse steinige und unfruchtbare Täler in den Bergen Judäas auszuwühlcn, dieselben zu schließen und große Reservoirs zu bilden, aus denen Wasser durch Gravitation oder durch Pumpen verteilt werden kann. Solche Anlagen können i1׳ ganz ku-zer Zeit gemacht werden, und ihr Nutzeffekt würde sich sofort fühlbar mache:!. Einer durchgreifenden Acnrlerung bedarf das Zolf* wesen Palästinas. Bei dem jetzigen System wird ein Wertzoll von 12 «> von affen importierten Waren (mit Ausnahme von wenigen Waren, wie Baumaterialien und landwirtschaftliche Maschinen) erhoben, einerlei, ob es sich um Rohstoffe, Halbfabrikate oder Fertigfabrikate handelt. Dieser Zolltarif macht cs neuen palästmcn* slschcn Industrien fast unmöglich, mit den altcingefiihrtcn Industrien in Europa zu konkurrieren. Wenn der palästi* ncnsischc Industrielle die Rohmaterialien importieren und mit 12 e/0 verzollen muß, existiert für ihn so gut wie gar kein Zollschutz. Das wurde schon in normalen Zeiten die Neugründung von solchen Industrien in Palästina welche ihr Rohmaterial importieren müssen, ungeheuer erschweren. In jetziger Zeit kommt noch hinzu, daß Palästina ein Land mit vollwertiger oder sogar über* wertiger Valuta ist und deshalb um so weniger die Kon* kurrenz mit den Industrieprodukten, die aus Länden! mit niedriger Valuta kommen, anshaltcn kann. Wenn die Industrie in Palästina an Boden gewinnen soll, so muß dazu der Zolltarif in dem Sinne geändert werden daß die Zollsätze für Fertigfabrikatc erhöht und für Rohstoffe reduziert werden. Solange das nicht geschieht, werden Industrien, die ihre Rohstoffe nicht in Palästina S{.*1, t 1 haben, zu keiner Entwicklung kommen können. Die Goldwährung in Palästina ist seit der c״. p . bcn )!sehen Okkupation die ägyptische. Zahlungsmittel sin(| i\ ' hr die von der ägyptischen Regierung abgegebenen Scheide. |« ‘lote!/ münzen. Dieser Zustand ist, besonders seitdem Aegypten I Unterb ein unabhängiger Staat geworden ist und mit Paiästim!1 sich a; staatsrechtlich und völkerrechtlich in gar keiner Ver.?! jrängt. bindung steht, ein durchaus abnormer. Eine Net1rc״t. I; d;e T lung des Währungssystems muß in Kürze erfolgen. D* § •yd-A» bisherigen Erfahrungen in Palästina haben gezeigt, daß « v0n T das in 100 Piaster eingetcilte ägyptische Piund nicht di« |J £urfan beste Münzeinheit ist. De hohe« Preise im Detail. £ u,,bcni Handel in Palästina sind sicherlich teilweise darauf a. S wcnjct rückziiführen, daß der Piaster als kleinste Münzeinheit §» ranzen gegenüber dem früheren türkischen Mctallik, der nur!' |bcns< ungefähr ein Fünftel Piaster wert war, zu groß ist dcrS ״ Ebenso hat sieh der Uebergang von dem Go'dirank, der ff ytrich: vor eiern Kriege die Münzeinheit irn Bankverkehr und || Großhandel war, zu dem ägyptischen Pfund, das 25.% | t^51 , Goklfrankcn wert ist, als zu schroff erwiesen. Da! Zweckmäßigste wäre wahrscheinlich hei der Einführung einer neuen Währungseinheit die Anlehnung an das englische Pfund, jedoch mit der Modifikation, daß das in 100 palästinensische Piaster cinzuteilendc palästinen■ sische Pfund einem halben englischen Pfund gleich ist Das würde den palästinensischen Piaster ungefähr dem kleinen (halben) ägyptischen Piaster glcichsctzen, der ira Oegensatz zu dem sogenannten großen ägyptischen Piaster (Piaster-Tarif) in Aegypten noch immer im Kkin• handel die gangbarste Münze *st. — Der zweite Schritt auf dem Weg« des Währungswesens müßte die Grün• düng einer palästinensischen Notenbank sehr, weiche für die von ihr ausgegebenen Banknoten volle Deckung in englischen Treasurerbons halten müßte, ähnlich wie es bei der National Bank of Egypt der Fall ist. Seit den» Regierungsantritt Sir Herbert Samuels hat die palästinensische Regierung der Frage einer pa- Iä s tinen si sch e n Staatsanleihe ihre Auf• merksamkeit geschenkt. Es war aber bisher unmöglich, eine solche Anleihe aufzunehmen, weil der Geldmarkt nicht günstig war und weif die politischen Verhältnisse Palästinas noch nidit geklärt waren, Nachdem jetzt der internationale Geldmarkt und besonders der Londoner Markt flüssiger geworden ist und auch die Frage der staatsrechtlichen Stellung Palästinas vor der Lösung steht, dürfte der Zeitpunkt für die Auinahmc einer Anleihe gekommen sein. Das Budget Palästinas, das im 1 G Jahre 1921/22 an Einnahmen und Ausgaben zirka 1 Einf 2.200.000 £ E. aufwies, würde ohne Schwierigkeiten 1 fuhr den Zinsendienst einer Anleihe von 2—3 Millionen Pfund 1 Die I decken können, besonders da diese Anleihe ja für wirt• schaftliche Unternehmungen, wie den Bau der Häfen, Ausbau des Eisenbahnnetzes, Straßenbau, die Beteili• gung der Regierung bei der Gründung einer Notenbank und einer Agrarbank ermöglichen soll und dadurch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung gefördert und die Staatseinnahmen gehoben würden. 2. Privat* Initiative in der Zukunft Wie wir schon erwähnt haben, bringt die Land- Wirtschaft in Palästina in ihrer gegenwärtigen Form nur einen sehr geringen Ertrag. Für das Kapital, das eine profitable Anlage sucht, hat die Landwirtschaft deshalb vorläufig keine Anziehungskraft. Es ist auch falsch zu glauben, daß die Rentabilität der Landwirtschaft cinfadt durch die Einführung moderner Maschinen gehoben wer• den könnte. Nicht die Maschinen allein, sondern nur eine völlige Reform der jetzigen landwirtschaftlichen Methoden kann die Erträge der Landwirtschaft so stei* gem, daß sie auch für den europäischen Kapitalisten rentabel wird. Hierfür müssen erst die Resultate der landwirtschaftlichen Versuche, wie sie von der landwirtschaftlichen Versuchsstation jetzt in Angriff genommen werden, abgewartet werden, Vorläufig bietet die Landwirtschaft nur ein Feld für den genügsamen arabischen Fellachen oder denjenigen europäischen An• Siedler, der von phiiantropischcr oder jüdisch-nationaler Seite Boden und Kredit zu besonders günstigen Bedin• gungen erhält. Ein größeres Feld für privates Kapital bietet sich auf dem Gebiete der Industrie. Allerdings muß vor dem׳ Irrtum gewarnt werden, als ob alle Industrien in Pa• lästina lebensfähig sind. Der Mangel eines Hafens, der Mangel an Kohle und der jetzige zwölfppozentige Wert• Zolltarif sind für die meisten Industrien unüberwindliche Hindernisse. Wohl aber bieten sich Chancen für diejenigen Industrien, die ihre Rohmaterialien in Palästina selbst vorfinden, keinen übermäßigen Verbrauch an Brenn• stoffen haben und ihre Produkte wenigstens zu einem großen Teil in Palästina selbst absetzen können. Bei• spiele solcher Industrien sind alle diejenigen Industrien, welche landwirtschaftliche Produkte verarbeiten, z. B. Mühlen, Makkaronifabriken, Oelfabriken, Gerbereien, .Wollspinnereien und Wollwebereien, späterhin auch Rohr• Zuckerfabriken, Konservenfabriken. Aussichtsreich ist auch die Glasfabrikation, die Papierfabrikation, die Kleider• industric, der Wagenbau, vielleicht audi die Herstellung von Perimutterknöpfen. — Ein zweiter Zweig, der für Privatinitiative ein Feld bietet, sind alle Industrien, die mit der Bautätigkeit Zusammenhängen. Neben der schon erwähnten Silikatzicgclfafarik könnten wahrscheinlich auch Fabriken für die Herstellung von Dachziegeln und an• deren Ziegeln aus Ton gute Resultate erzielen; ebenso bieten gute Aussichten die Herstellung von Zement und von Asbcstzicgeln, für welche bereits Interessenten vor• hanclen sind, sowie moderne Kaiköfen. Der Touristenverkehr, der während des Krieges und auch in den ersten Jahren nach dem Kriege vollständig gestockt hat, hat itn Jahre 1922 zum ersten Maie wieder begonnen. Etwa 3000 .Touristen, meist Amerikaner. ziehe von. 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.