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Jüdische Rundschau · 1922-08-18 · Heft 65 (18.8.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 65 (18.8.1922)
Date
1922-08-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seife 429 JUEDISCHE RUNDSCHAU den soll, während für andere Teile der Palästinaarbdt besondere Unternehmungen entweder neben dem Keren Hajessod oder innerhalb des Keren Hajessod zu gründen sind. Die Zionistische Organisattem wird gewiß vorläufig weiter für das Schulbudget sorgen müssen. Es sind aber von Palästina selbst Vorschläge zur Oründun g eines bcsonderen Schulfonds oder Sclutlvcrcins gekommen. Ebenso wird die Bildung eines besonderen Kolonisationsfonds empfohlen. Für die Gründung wirtschaftlicher Unternehmungen, wie etwa für das Rutenberg-Projekt, ist der Weg der Bildung besonderer Gcscllscha ften bereits beschritten worden. Eine gewisse Spezialisierung der Aufgaben und der Sanimlungen scheint unvermeidlich. Vielleicht kann der Keren Hajessod als eine Zentralstelle der vcrscliicdenen Fonds wirken. Im Zusammenhang mit der Erörterung über | den Keren Hajessod werden auch gewisse organisatorische Probleme zu behandeln sein. Das Vcrhältnis der Zionistischen Organisation zum Keren Hajessod, der notwendige Ausgleich zwischen den Interessen des Keren Hajessod und des Nationalfonds, die Frage, wie die zionistischen Finanzaktionen nebeneinander geführt oder miteinander verbunden werden sollen — alle diese zugleich finanziellen und organisatorischen Probleme werden zur ,Verhandlung stehen. ,Vor allen diesen Fragen aber wird gleich zu Beginn dpr Tagung das große und wichtige Problem zu behandeln sein, das die Tagesordnung mit den .Worten bezeichnet: ״Die Zukunft der Zionistischen Organisation als je• wish Agency". Nach dem Mandat ist die Zionistischc Organisation als Jcavish Agency anerkannt. Der Wortlaut des Artikels 4 ist vollkommen klar und eindeutig; es kann danach kein Zweifel darüber bestehen, daß die Zionistische Organisation nunmehr die Jewish Agency ist. Hiermit steht keineswegs der zweite Absatz des genannten Artikels in Widerspruch, wonach die Zionistische Organisation verpflichtet ist, die Mitwirkung aller jüdischen Kreise beim Aufbau Palästinas herbeizuführen. Es ist ein Irrtum, wenn manche Zionisten annchmen, die Herbeiführung dieser Mit- Wirkung müsse notwendigerweise die Erweiterung der Jcwish Agency durch Aufnahme nichtzionisüscher Elemente zur Folge haben. Man kann dies für sehr wünschenswert Kalten und man kann es für die Zukunft anstreben. Aber der Wortlaut der. Mandats sagt nichts hiervon. Nach' dem Mandat ist die Zionistische Organisation allein die Jewish Agency. Es ist sehr wohl denkbar, daß sie in ihrer Eigenschaft als Agency die Mitwirkung anderer jüdischer Kreise für den Aufbau Palästinas herbeiführt, ohne jedoch’ diese anderen Kreise in die Agency aufzunchmen. Dieser Sachverhalt muß zunächst einmal klargestellt werden, weil in der Diskussion über die Agency häufig die irrige Meinung vertreten wurde, als ob diese Agency jetzt erst neu errichtet oder gebildet werden müsse. Das ist nach dem Wortlaut des Mandats zweifellos nicht der Fall. Die Agency besteht bereits, sie trat im Augenblick der Mandatsbestätigung ins Leben; sie ist identisch mit der Zionistischen Organisation. Mit dieser Fest- Stellung Ist freilich das Problem der Heranziehung der Nichtzionisten zur Paläsünaarbeit keineswegs gelöst. Weite Kreise im Zionismus wünschen, daß Mittel und Wege gefunden werden, um die bisher noch abseits stehenden Juden für das Aufbauwerk in Palästina zu gewinnen. Diese Meinung wird eigentlich von allen Zionisten geteilt. Nur herr* sehen erhebliche Unterschiede in der Auffassung darüber, auf welchem Wege die Mitwirkung der Nichtzkmisten gewonnen werden soll. Manche Kreise sind der Ansicht, die Zionistische Organisation müsse durch eine programmatische Erkliirung ihren Charakter als eine rein palästinensische Organisation zum Ausdruck bringen, und dann würden die Nichtzionisten in die Zionistische Organisation eintreten. Gegen diese Meinung wird das schwerwiegende Argument angeführt, daß nach den bisherigen Erfahrungen keineswegs sehr große Aussicht besteht, durch eine solche programmatische Erklärung die Mittel und Kräfte der Zionistischen Organisation erheblich zu vermehren. Ferner wird darauf hingewiesen, daß die Zionistischc Organisation alle ihre Erfolge dem starken nationalen Willen verdankt, der in der Organisation bisher lebendig war, und es wird befürchtet, daß die Zionistische Organisation ihre Bedeutung im jüdischen Leben und ihre Stoßkraft verlieren würde, wenn sie ihr nationales Programm verwässert. Darum wird von anderen zionistischen Gruppen befürwortet, die Zionistische Organisation in ihrer jetzigen Form als die nationale Kerngruppe des Judentums bestehen zu lassen und für die Mit- Wirkung Ucr Nlcliizlonisfcn b'd der Palästinaarbeit neue Forme!! zu finden. Der Keren Hajessod war als eine solche neue Form gedacht. Er sollte nach’ dem Willen seiner Schöpfer eine neutrale jüdische Organisation sein, in der Zionisten und Nichtzionisten sich zusammenlindcn, um die Mittel für die Palästinaarbeit aufzubringen. Dabei entsteht dann freilich wieder ein neues Problem: Wenn der Keren Hajessod oder ändere neutrale Gründungen dieser Art Erfolg haben, wenn sic tatsächlich die Zionisten mit den Nicltf/ionisfen; zu gemeinsamer Palästinaarbeit zusammenführen, und wenn es diesen neuen neutralen Körperschaften gelingt, die großen Geldmittel für das Kolonisatio 11swerk aufzubringen, so muß naturgemäß i!1 kurzer Zeit der entscheidende Einfluß in allen kolonisatorischen und schließlich' auch ln den palästinensisch-politisclien Fragen auf diese neuen neutralen Körperschaften übergehen. Es ist dann, fraglich, welche Rolle die Zionistische Organisation in Zukunft zu spielen haben wird. Sic würde, wenn dieser Weg beschritten wird, sozusagen den nationalen Flügel der jüdischen Palästina-Organisation darstcllen, aber sie würde auf die Dauer nicht die Führung behaupten können. Bisher gab cs eine einheitliche zionistische Ideologie. Das Ziel des Zionismus war Palästina, und in dem Streben zu diesem Ziel drückte sieh der nationale Lebenswille 'des jüdischen Volkes aus. Wird die Zionistischc Organisation jedoch von einer neuen Palästina-Organisation allmählich abgclöst, so ist ihr eigenes Schicksal ungewiß, ja sic kann, wie manche befürchten, raschem Zerfall entgegengellen. Die Zionisten in Osteuropa haben in den nationalen Aufgaben, die man als Galutharbeit zu bezeichnen pflegt, neben der Arbeit für Palästina’ ein siändiges Tätigkeitsfeld. In den westlichen Ländern jedoch ist der nationale Idealismus der Zionisten viel weniger auf sogenannte Gegenwartsarbeit gcrichtet: er ist vor allem anderen palästinensisch orientiert, und es ist fraglich, ob' die westlichen Zionisten ־- aber auch viele östliche — noch' starkes Interesse an einer Zionistischen Organisation bckünden werden, welche nicht mclfr die Führung in den Fragen der Palästinapolitik und des Palästinaaufbäus besitzt. Aus diesen Gründen muß die von allen Seiten gewünschte Kooperation mit den Nichtzionisten ln alten Einzelheiten genau überlegt werden. Die innere Kraft der Zionistischen Organisation muß erhalten bleiben. Trotz des erheblichen Interesses, das die Palästinasache jetzt in allen jüdischen Kreisen findet, trotz erfreulicher Einzelrcsultate in manchen Ländern ist doch die Gewinriung der Nichtzionisten für die Palästinasache nicht so weit fortgeschritten, daß man leichten Herzens daran denken könnte, an Stelle der Zionistischen Organisation eine andere umfassendere Palästina- Organisation zu setzen. In diesem Zusammenhang wird gewiß auch die Frage des allgemein jüdischen Palästina• kon grosses erörtert werden. Der Weg zu einer neuen jüdischen Palästina-Organisation würde wohl über einen solchen Kongreß führen müssen. Daß er wünschenswert und erstrebenswert ist, darüber wird cs wohl keine erheblichen Mciuungsvcrschiedenheiten geben. In welcher Weise er aber einberufen und zusammengesetzt werden soll, ob er im gegenwärtigen Stadium bereits möglich ist, diese Fragen werden wohl noch Anlaß zu mannigfaltigen Erörterungen sein. Ucbcrnimmt die Zionistische Organisation zunächst gemäß dem Artikel 4 des Mandats die Funktionen der Jewish Agency, so wird auch noch zu erörtern sein, durch welche Organe sie diese Aufgabe erfüllen will. Der Kongreß als höchste Instanz der Organisation kann dies nach seinem Willen bestimmen. Er kann die Exckuiive als solche mit den Geschäften der Agency betrauen. ■ Er könnte aber auch ein besonderes Organ hierfür schaffen! dem nur ein Teil der Exckutivmitglicder oder sogar Personen, die nicht Mitglieder der Exekutive sind, angchören. Die Argumente, die für und gegen diese verschiedenen Möglichkoitcn sprechen, sind im Kreise der Exekutive bereits diskutiert worden und werden der Jahreskonterenz vorgetragen. Die New Yorker Juden an die Araber New York, 6. August. (J.C.B.) Eine hier stattgefundene zionistische M'isacaverrammhmg hat in benig auf das arabisch-jüdische Problem folgende Resolution angenommen: ״Eine die größte jüdische Gcmcinde der Welt repräsentierende Versammlung begrüßt den Auiruf der Zionistischen Organisation• an die arabischen Brüder,'in weichem eine Politik der Gcrcchtigkcit verkündet wird auf Grund gleicher Rechte und gleicher Pflichten für alle Teile der Bevölkerung Palästinas und auf urmiJ eines gütlichen Einvernehmens zugunsten einer jüdisch-arabischen Zu־.am;ucnarbcit für die Wohlfahrt der gesamten Landcsbcvölkcrung." Nr. 65 Das bp:!tcr»״e Keren Hajessod Ergebnis; Von D>r. M, Schwarz mann, London.! Es ist bereits höchste Zeit, sich genau Redrcnsdiait: m geben über die Ergebnisse unseres Versuches, nationales Kapital für den Aufbau Palästinas zu schabet! Die Aktion für den Keren Hajessod währt selten, ab^ ',dien von der» ersten Monaten der Vorbcrcihmgsarbcit > gegen 15 Monate. Diese Zeit ist noch nicht kr’: ’einig, n!n die Möglichkeit zu bieten, ein genaues t!!• teil zu fällen und eine Endbilanz »Iber die Arbeit 7tl gehen, aber dach ist bereits eine ganz bestimmte Tendenz; erkennbar, so daß wir cs für zeitgemäß halten, ein; Reihe prinzipieller und methodischer Fragen zu erörtern, die wichtige Bedeutung für die Keren Hajcssod-Tätigkeit tuid den Pnlästrnn-Aufbau haben. In erster Reihe muß man sich über das matt, riclle Ergebnis klar werden. Seit Anfang April 1021 bis Mitte Juni 1022 hat der Keren Hajessod, ׳:;»ו, Abrechnung der lokalen Ausgaben für Organisation und Propaganda, 525 000 Pümd aufgebracht. Die Sammlungen wurden in 35 Ländern durchgeführt, die zusammen eint jüdische Bevölkerung von 11 Millionen Seelen zählen. Außerdem erreichen die Verpflichtungen für den Keren Hajessod die Summe von 1874 9)3 Pfund. Wie soll man tunt dies Ergebnis einschätzen? Be. deutet cs viel oder wenig? Falls matt auf Grund der Bedürfnisse unseres Pa 1 ä st in a-Budget s urteilt, dann muß man das Resultat als unbefriedigend bezeichnen. Der Keren Hajessod hat im Laufeder ersten sechs Monate nach dem Karlsbader Kongreß 231 132 Pfund nach Palästina überwiesen, die bloß 3Sp, der Stimme ansmachen, welche man in einem Halbjahr hätte Überwegen sollen, d. h. wir waren nicht in der Lage, das Ziel, das wir uns für das minimalste Tempo der Kolonisationsarbcit gestellt hatten, zu erreichen. Von diesem Standpunkt aus gesehen, kann das Ergebnis nicht befriedigen. Aber die Ergebnisse des ersten Versuches berechtigen absolut nicht zu pessimistisehen Schlüssen bezüglich der Möglichkeit, das nötige Kapital zu schaffen. Man hat häufig Gelegenheit, von Pessimisten folgende Acußenmgcn zu vernehmen: erstens, das Volk sei müde geworden, Geld zu geben oder daß es den Glauben au die Sache verloren hat und deshalb nichts gibt und zweitens, daß der Keren Hajessod seine Einnahmen auf Kosten des Jüdischen Nationalfonds vergrößert habe, so daß man in gewissem Sinuc saget» könnte, er tue nur unnütze Arbeit, indem er der einen Tasche entnehme, was er in die andere Tasche tut. Diese Ansichten sind vollauf unbegründet — das seil und ׳muß ein für allemal klargemacht werden. Das Volk habe seit» Vertrauen verloren, wind behauptet. Es habe einen Moment gegeben, wo das Volk wirklich enthudasmiert und von einem tiefen Glauben durchdrungen war — und die Resultate dieses Olaubcns waren der Prcparation-Fund und der Keren Hageüla. Aber jetzt sei dieser Glaube nicht mehr vorhanden. Falls wir den Keren Hajessod mit diesen Fonds vergleichen, dann erscheint die Sache für uns in ganz anderem Lichte, Erwähnte Fonds haben im Laufe von vier Jahren (1018—1021) zusammen eine Summe von 1 200 563 Pfund ergeben, was pro Jahr 302302 Pfund nitsmncht. Dies Ergebnis wurde gleich nach der Balfour- Deklaration erzielt, in den glücklichen Augenblicken >mscrer politischen Erfolge und andererseits in einer Pcriode, wo die materielle Lage der Judcnheit in einigen Ländern, überhaupt in Amerika, außerordentlich günstig war. Jetzt, wo der erste Rausch des Enthusiasmus verflogen ist, jetzt, wo die Lage in Palästina und das häufige Verschieben der Ratifizierung des Mandats nicht ohne Wirklinge!» geblieben sind und wo endlich die ganze Welt von einer beispiellosen ökonomisdien Krise erschüttert ist, zufolge welcher die Juden in allererster Reihe zu leiden halten, in einer solchen Zeit hat der Keren Hajessod in den ersten zwölf Monaten 427 S53 Pfund gesammelt. Das zeigt, daß er die oben angegebcnen jährlichen Ergebnisse der erwähnten Fonds um 125 464 Pfund iibertroffeti hat, wobei auch nicht zu vergessen ist, daß die Sammlungen für den Keren Hajessod gerade in einer Zeit der höchst anstrengenden Hilfsarbeit für die osteuropäische Judenheit, für die man in derselben Periode in Amerika allein so viele Milli• oncn gesammelt hat, veranstaltet wurden. Es ist also klar, daß cs sich nicht tun eine A b s ch w ä c h un g des Glaubens handelt. Zweifellos sind die erwähnten ungünstigen Momente nicht ohne Einfluß geblieben, und wenn es diese nicht gegeben hätte, dann wäre der Erfolg des Keren iH• jessod sicherlich viel größer gewesen. Aber wenn wir konstatieren, daß ungeachtet all dieser ungünstigen Mnmente das Ergebnis des Keren Hajessod doch da! jener Fonds überstiegen hat, dann gibt cs nicht den geringsten Grund, sich bezüglich des Keren Hajessod pes־.cntis'isch zu verhalten. Im Gegenteil, all dies beweist deutlich, daß die Sympathien für Ercz Israel und das Aufbauwerk unabhängig sind von zeitweiligem Enthusiasmus, daß sie viel tiefer und fester eingewurzelt sind, als es auf den ersten Blick erscheint. Dies muß in der Arbeit ermutigen und muß auch in Rechnung gestellt werden, wenn »vir die weiteren Möglichkeiten in Betracht ziehen wollen. Der Vergleich der Resultate des Keren Hajessod und des Keren Hageüla beweist, daß cs dem Keren Hajessod gelungen ist, eine bessere Organisation zu schaffe« u:1d tiefer und tiefer in das Volk cinzudringcn, und damit kann man, wie cs scheint, die Tatsache er■ klären, daß es gelungen Lt, die erwähnten ungünstige» Momente zu Überwinden. M inlote« da* *I nähef D 101S/21 wurdet Ir wurde, gering selbst» Zahl« «lenz. solche dann l ergrei' verget des b den J für d< Hund* doch geseto. Jahr : kurrel .madji Samt! und •י wohl und ׳ ainva׳ gelitt rieh ein< tion rieht! 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