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Jüdische Rundschau · 1922-08-18 · Heft 65 (18.8.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 65 (18.8.1922)
Date
1922-08-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Für Techedioilowekei: Peetaperiaieenamt Pr*f» Kooto Nr. 156630, — K«dakÜon*sci1!uü SoimUg* und Mitiwoch bndimitteg׳, — כר׳אנ׳חרם״ב | xxvh.jahrg. per Zionismus erstrebt fQr das JUdlscho Volk dio Schaffung einer Offontiich-rechtllch gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Basaler Programm." ,HA Swci Masse1E¥©rsa5nml Am Mittwoch, den 16. August, traf der Prasidcnt der zionistischen Exekutive, Herr Nahum Sokolow, auf dein Wege zur Jahreskonferenz nach Karlsbad begriffen, in Berlin ein, wo er am Bahnhof Zoologischer Garten von einer Reihe führender Berliner Zionisten empfangen und ins Hotel geleitet wurde. Am Abend fanden im Biiithner- und Scharwcnka-Saal zwei überfüllte Massenversammlungen statt, in denen die Berliner Zionisten der Mandatskstäfigung gedachten. Der Vorsitzende der Zio- «Mischen Vereinigung für Deutschland, Herr R.-A, Felix Roscnbliith, eröffncte die Versammlung im Bliithncrsaal und gedachte der 25 Jahre ziorisiisclier Arbeit, die seit dein ersten Kongreß vorflössen ist und die jetzt, in der Bestätigung des Palästinamandats ihren Höhepunkt gefunden hat. Er zeigte, wie die Worte des Baseler Programms fielt in der in den Mandatstext aufgenommenen Baltour-Erklärung wiederfinden und wies darauf hin, daß die Worte des englischen Weißbuches, wonach die Juden kraft eigenen Rechts und nicht kraft Duldung nach Palästina kommen sollen, schon mit denselben Worten von Hcrzl ausgcsprechen worden waren, Dann erhob sich Nah'um Sokolow, von der Versammlung mit enthusiastischem Jubel begrüßt. Fr gab in einer ausführlichen Rede programmatische Erklärungen über die zionistische Politik ab. Wir werden die Rede in der nächsten Nummer der;,jüdischen Rundschau“ im Wortlaut publizieren, liier seien nur einige Kerngedanken kurz wiedergegeben. Sokolow erklärte die Bedeutung, die die Beschlüsse des amerikanischen Senates und Re- ••pdiicntantcnhauscs für unsere Bewegung haben, liier hat nicht ein Minislerkabinctt, sondern ein großes, starkes Volk durch seine gewählten Vcrheter in Einstimmigkeit unsere Rechte auf Paliistina anerkannt, ein Akt historischer Gereclitigheit, wie >vir kaum einen zweiten in unserer Geschichte zu verzeichnen haben. Besonders bedeutungsvoll ist der amerikanische Beschluß dadurch, daß Amerika, da es nicht den! Völkerband angehört, es bisher ausnahmslos abgclehnt hat, zu Fragen Stellung zu nehmen, die der Kompetenz des Völkerbundes unterstanden, hier aber in der Frage des Palästinamandats• eine Ausnahme gemacht hat. Nachdem der Präsident der Exckutive dann über die Bedeutung des Mandates gesprochen hatte, wandte er sich der Araberfrage zu. Er wiederholte die Versicherung, daß wir ein brüderliches Zusammenleben mit dem arabischen Volke erstrebten und jede Unterdriiekungspolitik ablehnten. Wenn die Araber für fiel) die Autonomie fordern würden, so, würden vir dem nicht eatgegenhandeln, sondern ihr Verlangen nachdrücklich unterstützen. Als ein Volk, das die Knechtschaft kennen gelernt hat, wissen vir die Freiheit zu schätzen und werden zeigen, wie in Palästina zwei freie Völker nebcncinanderleben. Sokolow ging dann zur Frage des Aufbans über und betonte unseren Wunsch, alle Juden zur Mitarbeit heranzuziehen, ohne dabei nach Nuancen ihrer Anschauungen za fragen. Die durch den Mandatsvcrtrag als Jewish Agency anerkannte Zionisüsci1e Organisation werde bereit sein, andere jüdische Organisationen in die Jewish Agency auf- •zunehmen, wenn sie durch ihre Arbeit und durch ihre materiellen Mittel zum Aufbau beitragen kön- 5ien. Bis das aber geschehen sei, sei die Zionkiir.chc Organisation «die Jewish Agency, so daß kein Interregnum einzutreten braucht. Der Redner schilderte zum Schluß seiner mit atemloser Spaniiuug angehörten Rede nochmals die große anfeuernde Wirkung der Mandatsbestätigung. Seiner Rede folgte rauschender BeifalL Dann ergriff Dr. Schmarja Lcwin das Wort. Dr. Lewin, der Liebling der Berliner Zionisten, ' sprach mit der leidenschaftlichen Inbrunst, die ihn auszcichnet und mit der auch den kühlsten und skeptischsten Zuhörer zu erschüttern vermag. Das jüdische Volk —־ sagt er — ist nicht mehr fähig iu empfinden, was eigentlich Mandatsbestätigung engen bedeutet. Wir haben cs verlernt, derartige große für das Schicksal unseres Volkes und der Menschheit entscheidende Vorgänge in ihrer ganzen Tiefe zu würdigen. Die Mandatsbestätigung hat dem jüdischen Volk nicht nur das Anrecht auf seine historische Heimat wieder zuerkannt, cs hat ihm seine Ehre gegeben. Und damit nicht genug, bcdeutet die Mandatsbestätigung den Anfang einer wirklichen Versöhnung mit den anderen Völkern, die Ucbcrwindung von Haß und Verachtung. Lewin wandte sicli dann mit einem glühenden Appell an diejenigen Juden, die noch außerhalb unserer Reihen stehen. Er zeigte ihnen, daß die Nichtjuden cs nie verstehen würden, wieso ein Volk, das auf allen Gebieten menschlichen Lebens über so hervorragende Männer verfüge wie das jüdische, nicht an seine Zukunft und dem Aufbau seines Lindes arbeite; nur so Ist es zu crklären, daß der absurde Gedanke einer jüdischen Weltherrschaft, die die Juden offenbar dem Lclxm im eigenen Lande vorzichcn, entstanden sei. Der Redner rief die deutschen Juden auf, sich endlich in diesem historischen Augenblick wieder in die Reihen ihres Volkes zu stellen. Es sei sonst nicht seine Art, fuhr er fort, Männer zu rühmen, aber heute müssen wir Wcizmanns und Sokolows gedenken, deren große Gestalten dereinst Gegenstand der Legende werden würden. An einem neuen Sederabcnd, der in der Zukunft den Auszug aus detn Galuth schildern werde, wird man sprechen von ,,Maassch b’rabbi Chajim ub'rabbi Nachum“. Nachdem Dr. Lctvin unter immer wiederholten Zurufen der Hörer geschlossen hatte, wurde eine vom Vorstande der B. Z.V. eingcbrachte Resolution einstimmig angenommen, die den Dank an unsere Führer und das Gelöbnis zu opferwilliger Mitarbeit zum Ausdruck bringt. Die Hatikwah bildete den Schluß der Versammlung. Zur gleichen Zeit fand im Scharwenkasaal eine ebenfalls bis zum letzten Platz gefüllte Vcrsanim• lung statt, in der die Herren Dr. Hantke, Dr. Schmarjah Lcwin und Nahum Sokolow sprachen und in der dieselbe Resolution angenomtnen wurde. Die in beiden Versammlungen vor Beginn vcr• ansialteten Sammlungen für den Jüdischen Natio• nalfonds ergaben den Betrag von 85000 M. Die Resolution fiat folgenden Wortlaut: Resolution Die am 16. August iti Berlin tagende jüdische Versammlung hat mit freudiger Genugtuung Kenntnis genommen von der Völkcrburulscntschcidung über Palästina, wodurch die unlösliche historische Vcr• bnndenheit des jüdischen Volkes mit Palästina ancr• kannt und sein Rcclit auf Errichtung einer nationalen Heimstätte in dem Linde seiner Vergangenheit intcrnational garantiert vitd. Rückschauend auf 25 Jahre zionistischer Arbeit gedenken die Versammelten dankbar der uncrr.chrockenen Vorkämpfer der zionistischen Idee, denen cs in unermüdlicher Arbeit gelungen ist, der nationalen Wiedergeburt unseres Volkes den Weg zu bahnen. Sic gedenken vor allem des unvergeßlichen Führers Dr. Theodor Herzt, der vor 25 Jahren den ersten Zionistenkongreß ins Leben rief. Die Versammelten spredicn denjenigen Männern, denen unter so schwierigen Verhältnissen die Verwirklichung der politischcn Hauptforderungen des Zionismus und die politische Anerkennung der Mächte gelungen ist, ihren Dank aus und geloben sich dicse3 großen Erfolges durch Einsetzen aller persönlichen Kräfte würdig zu erweisen. Der Aufbau der jüdischen Heimstätte in Palästina kann nur durch Anspannung aller Kräfte des gesamte« jüdischen Volkes, unter Opfern an Menschen und Ocld erfolgen. Im Bewußtsein des großen historischen Augenblicks richten wir den Appell au alle Juden, sieh zu diesem großen und für alle Juden gleichermaßen bedeutsamen Werk zusamnHsuufinden und alle Anstrengungen zur Sicherung und zum Ausbau der jüdische« Heimstätte in Palästina zu vereinen. Die Aufgaben der Jalireskonferenz Die folgenden Darlegungen entnehmen wir dem offiziellen Bulletin der Zionistischen Exekutive. , . Die Tagesordnung der zionistischen Jahres• konferenz zeigt, welche Fragen jetzt von dem zio• nistischen Zentralrat behandelt und entschieden werden müssen. Da ist zunächst die Frage des Palästina- Budgets, die auf Grund der Erfahrungen <fea letzten Jahres voraussichtlich anders beantwortet werden wird, als dies der Kongreß getan hat. Die Hoffnung, daß der Keren Hajcssod in kurzer Frist so große Summen aufbringen würde, daß daraus die gesamten Ausgaben der Paüistinakolonisätion für Jahre hinaus bestritten werden könnten, hat sich nicht erfüllt Aller auch die Summe von einer halben Million Pfund, die der letzte Kongreß für das Budget des laufenden Jahres festsetzte, wurde trotz der großen Anstrengungen in Amerika und anderen Lindern nicht erreicht. Auf Grund der gewonnenen Erfahrungen ist sich die Exekutive darüber klar geworden, daß das Palästinabudget ganz erheblich gekürzt werden muß. Auch die Palästina-Exekutive ist der Ansicht, daß eine Kürzung unvermeidlich 1'st. Zwischen London und Palästina haben ausführliehe schriftliche Verhandlungen über die Höhe der Budgetposten für das nächste Jahr stattgefunden. Die Vorschläge der Londoner Exekutive, die von dem Wirtschaftsrat allsgearbeitet wurden, decken sich nicht vollständig mit den Vorschlägen der palästinensischen Exekutive, aber im großen und ganzen bewegen sicli doch die Londoner und die Jerusalemer Budgctvcrschläge auf der gleichen Linie. Am 20. August wird die Gesamtexekutive zusaimncntretcn, um über die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten zur Einigung zu kommen. Folgendes steht fest: Die Londoner Exekutive glaubt, die Verantwortung für die Auf« briiigung eines Budgets nicht übernehmen zu können, wie cs vom Kongreß aufgestellt wurde, und die palästinensische Exekutive dringt mit vollem Recht darauf, daß diejenigen Beträge, die in das Budget eingesetzt werden, dann auch wirklieh nach Palästina gelangen, da andernfalls eine geordnete Arbeit unmöglich ist. Gerade die palästinensische Exekutive betont immer wieder, daß eine Kürzung des Budgets viel erträglicher sei als der jetzige Zustand. Es hat die Arbeit in Palästina’ schwer geschädigt und auf die Führung der Gcschäfte wie auf die Stimmung im Lande den nachteiligsten Einfluß geübt, daß auf Grund des Kongrcßbudg'cs umfangreiche Arbeiten begonnen und Verpflichtungen ciiigcgaugcn wurden, denen die dann folgenden Bareingängc aus den Mitteln des Keren Hajcssod bei weitern nicht entsprachen. Nun wird freilich mit Recht bemerkt, daß allzu große Vorsicht bei der Festsetzung des Budgets die Folge haben könnte, daß die .Anstrengungen dcT Zionisten nachlasscn. Dis zu einem gewissen Grade ist es gewiß richtig, daß man große Forderungen an den Opfcrwillen der Zionisten stellen muß, damit erhebliche Beträge ztisarnnrcrikominen. Aber nach den bisherigen Erfahrungen muß eben der richtige Mittelweg cingcschlagcn werden. Das Budget muß groß genug sein, um das Bestehende zu erhalten und die wichtigsten Zweige der Arbeit zu fördern, aber der Kreis unserer Aufgaben darf nur all• mählich, zugleich mit dem Wachsen unserer Mittel, erweitert werden. ln den Sitzungen der Exekutive und des Acfions-Gomites, die der Jalireskonferenz voran• gehen werden, soll der ßudgctvorschlag für das nächste Jahr im einzelnen vorbereitet und endgültig formuliert werden. Die Jalireskonferenz wird dann das entscheidende Wort zu sprechen haben. Eng verknüpft mit der Frage des Budgets ist das Problem der Geldaufbringuug, der Finanz• Propaganda der Zionistischen Organisation und des Keren Hnjessotl. Infolge der geänderten Situa• tion wird nochmals geprüft werden müssen, ob der Keren Hajcssod in seiner bisherigen Form als der eine große zentrale Sammelfonds für alle palästinensischen Zwecke weiter bestehen oder ob er auf. bestimmte Aufgaben konzentriert wer•

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